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Full text of "Zeitschrift für Ethnologie"

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ZEITSCHRIFT 



F('li 



ETHNOLOGIE. 



Organ der Berliner Gesellschaft 

für 

Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 

Unter Mitwirkung de8 VertreterB denelben, 

R. Virchow . 

herAusgeff«b«n tod 

A. Bastian und H. Hartonannu 




Sechster Band. 

1874. 



Mit ly UthoKraphirtezi Talein. 



Bfrlin. 

Verlag tod Wiegandt, llempel & Parey. 



.10 \iJ L 11 



■ iÄ"ii«it«»*i I Im») "»<■"""''<" ii-jfltiiipMiiiii/ 




Inhalt 



Bastian, A., /uio westafrikanisohen FotischdienNt ]. 80. 

— — . Austratien und Nachbarschaft 267. 293. 

— - , L'elier die Eheverhfiltnisse 380. 

Birliii);t'r. Anoii. Aus Schwal)eu. Sa^eii, I^e^nden, Abcrghiubei), Sitteu, Rechtsbräuchei 

Ortuneckereienf Lietler, Kiiidorreiine 70. 

Dal t OD, Colonel. Refn^nings-Coinuissar von Chiitia Naj^pur. Beschreibende Ethnologe 
HeiJK&leiiSy Deutsch >3eurbeitet von Oscar Flex, Gossnerschem Missionar in Ranschi 

229. 340. 357 

• 

Dam mann, C, in Hamburg, Anthropolo^sch-ethnologfisches Album in PhotofH'aphien . 67. 
Knilemaun. K.. Missionar, Mittbeilun^u über die Sotho-Nef^r. Vortrag, gehalten in 

der Berliner anthropolofnsohen Gesellschaft am 13. Januar 1874 IG. 

Hildebrandt. J. M,, Eini^ Körpermaasse Ost -Afrikanischer Volksstämme. I, ausgefahrtt 

in Sansibar 1873 76. 

— — . Gesammelte Notizen über Lamlwirthschaft und Viehzucht in Abyssinieh und den 

•«tlich antfrenzenden Ländern : . 318. 

Kunvr, W., Uel>ersicht der Literatur für Authropolo(|rie, Ethnologie und Urfreschichte im 

Jahre 1873 118. 

Lissauer, Dr. in Dauzig, Crania Prussica. Ein Beitrag zur Ethnologie der Preussisclien 

0>tseeprovinzon. (Hierzu Taf. III — VI) , 188. 

Metschnikofl*. Elias. Professor der Zoologie an der Universität zu Odessa, Ueber die 

Beschaffenheit der Augenlider l^ei den Mongolen und Kaukasiem 153. 

S*- hiern, Dr. Frederik, Profetisor der Geschichte an der Universität zu Kopenhagen, Ueber 

den Ursprung der Sage von den goldgrabenden Ameisen. Aus den Verhandlungen 

der Kgl. Dänischen Gescllsschaft der Wissenschaft übersetzt von Felix Liebrecht . 98. 

Schwartz, Dr. W., (rymnasialdirektor in Posen, Der (rothe) Sonnenphallos der Urzeit . 167. 

— — , Nachträge zu dem Aufsatz vom Sonnenphallos 409. 

Spengel, J. \V., Uel>er eine Modification des Lucaeschen Zeichnen-Apparates .... 66. 

Sprachliches von West- Afrika 78« 

Thaulow. Dr. Gustav, Rathschläge für anthropologische Untersuchungen 102. 

Weisbach Dr. A., k. k. Regime utsarzt, Bemerkungen über Slavenschädel 306. 

Wetzstein, Dr. J. G. Bemerkungen zu Liebrechts s Artikel: „l'eber die golgral»enden 

Ameisen' , 316. 

Terda, Dr. Rafael, Alterthümer der Siechalagnua liei Bogota 160. 

Kleine Mittbeihingen 350. 

Miscellen und ßücherschau 80. 142. 227. 289. 353. 410. 



Verhandlungen tler Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 
(Ein spei-ielie!» Inhalte- Verzeichniss der Verhandlungen, sowie ein alphabetisches Sach-Register 
befinden sich am Schluss derselben.) 



289366 



TeizeiohniH der Tafeln. 

Tftf. I. H&urinnen uüd Eunurh in Ali^er, nach Photognphieu, 

Tsf. II. Bsbongo, nach Photographiea tou Dr. Falkenstain, i. 7,. xa Cbinioxo, LoanKO-Kütte. 

(VerhiDdlui«. d. uithr. Gen. .S. S.) 
Taf. III— VI. CroDia pruwica. 

Tsf. VII. ÜesaDi; der Winnebtmo Indianer auf Höh (Verb. .S. T->). 
TiT. VIII Die AellNtfiD der Six-Nations (P%. I). Gwichtarue tou Cozumel (Fig. 2-3). 

Thonligur von Oriuba (Fig. 4). Rilherfinippe aus eintm penkaDischen Grabe (Fig. fi). 

(Verb, S. 76) 
Taf. IX AbzeirbnunRen nacliter europäiKher und afrik&niscber Füss«. (Verb, S. liT). 
Taf. X. BroiuetchweTt *an Braudenbnrg. (Ebend S. 138). 
Tif. XI. Alterthümer von Nen-Ruppin (Ebend. S. 166) 
Taf. XII. Fig. 1—3. Beinscblittea an» dem Salikammergul (V«rh. S. 176). Votivufel von 

Kevelaer (S. IS4]. 
T»f. Xlll. Fig. I~3. ThODgeräthe des Ciuco-Indiaaer (Verb. 's. 17S: Fig. i-S). Feueratoin- 

geräthe aus I.irlaud (S. IS3). 
Taf. XIV. Hülzerne Fiichotter-FalU (Verb. 8. 180). 
Taf XV. AlUrtbümer von Zaborowo (Verb. S. SIT). 
Taf. XVI. MnUenurne von Rombciyn (Verb. S 8J4). 
Taf. XVII. Chamaecephale Scbtdel suh NordwesUeut»: bland ^Verb. .S^ 3:i9) 




Zum westafrikanischen Fetischdienst 

• 

Der afrikanische Feücismus erhielt seinen Namen aus dem Portugisischen, 
da das zur Zeit der grossen Seefahrten in Europa grassirende Hexen wesen 
den ersten Entdeckern die Analogien für die an der Westküste angetroffenen 
Verhältnisse abgab. Die Hexenfurcht mit der daraus sich ergebenden Ver- 
folgung ist eine durchgehende Erscheinung, die sich bei allen Naturstammen 
in Polynesien (besonders auf abgelegenen Inseln Melanesien's) sowohl, wie 
bei den Patagoniem oder nördlichen Indianerstammen und dann durch ganz 
Afrika findet. Die Leiden, zu denen die Menschennatur geboren, fuhren zur budd- 
histischen Resignation, und in activen Charakteren, die sich nicht gleich den 
schlaffen Völkern Ostasien s willenlos ihrem Geschicke oder Missgeschicke 
hinzugeben vermögen, regt der Schmerz des Leidens zur Nachspuruug seiner 
Ursache an, die als im Bilde des Feindlichen versinnlicht, am nächsten in 
dem Mitmenschen gesucht wird, da von ihm im geselligen Verkehr die Auf- 
fusnng als Feind, ebenso sehr oder mehr noch verständlich ist, wie als 
Freund. So finden wir bei allen primitiven Anschauungskreisen, dass die 
Ursächlichheit jedes Unglücksfalles in den bösen Willen eines Nebeumen- 
schen verlegt wird, und nur mit zunehmender Aufklärung verscheucht das 
Licht des Wissens die Gespenster eines mittelalterlichen Aberglaubens, ob- 
wohl sie in einsamen Localitäten bekanntermassen , selbst an den Gentral- 
stätten europäischer Civilisation bis auf heute fortspukeu mögen. 

Wie jedes Beduifniss seine Abh&lfe verlangt, so findet sich auch bei allen 
den von Hexenfurcht geplagten Stämmen, eine Klasse von Helfern, der (india- 
nische) Medicinmann, der Hexenriecher (wie bei den Kaffem gesagt 
wird), die gegen böswillige Angriffe des geheimen oder unsichtbaren Fein- 
des schQtzen, oder die schlimmen Folgen derselben zu heilen versprechen. 
Diese unter einei* anerkannten Religion als orthodox geachteten Priester mögen 
in Folge ihres Verkehrs mit dämonischen Mächten, und Bekämpfung der in 

l0 Um hw^h Ar Ktliaolnyl«, Jahrgscg 187«. l 



2 Znm wMtarrikuiiscbeQ FeUschdieut 

ihren Aagen bSsen mit den fSr sie guten, ihrerseits wieder zu Handlangen 
verfährt werden, bei denen sieb in den in einander überlaufenden Schatti- 
rangen schwarzer und weisser Magie der Priester in den Zauberer verkehrt 
oder dieser in jenen. 

1d einem religiösen (oder doch theologischen) System hat der Priester 
zum Kampf mit Satan und zur Exorcisation seiner Teufeleien ein geregeltes 
Formelschema, mit dem er kraft seiner Weihe hanthiert. In einer bachlasen 
Religion dagegen ist der Fetischmann auf seine eigene Discretion und Gom- 
binationsgaben hingewiesen, um sich die Gaben der Nator aas Steinen, Pflan- 
zen und dem Thierreich dienstbar zu machen, und um sie dann, sei es als 
medicinische, sei es als zaubrische Beilmittel, die deshalb mit verehrungs- 
voller Scheu betrachtet werden, zu verleihen. 

Hierneben mag die in unbestimmten Ähnungen schwankende Auffassung 
einer ersten Grundursache vorhanden sein, als grosser Geist unter den Roth- 
häuten, als YonkupoD oder Sambi ampungu in Afrika, und bei einem Anlauf 
zu systematischer Gliederung mögen dann die die Naturge gen stände durch- 
dringenden Wong als Emanationen von Oben erscheinen und sich wieder, wie 
es stets geschieht, mit den aus den Gräbern aufsteigenden Seelen durcheinander 
schieben. 

Eine moralische Tendenz blickt in den Religionen der Naturvölker kaum 
hindurch, da die in complicirten Gesellschafls Verhältnissen wachsende Gele- 
genheit nnd Anleitung zu Verbrechen selten ist oder fast ganz fehlt. Der 
Diebstahl wird durch die Staatsgewalt, selbst wenn diese noch eine patriar- 
chalische ist, zu streng bestraft, um bei den geringen Vortheilen und der 
Schwierigkeit der Verbei^ng häu6g zu sein, nnd Über den Mord wacht die 
Blntfehde. Die schauderhaften Gräuel, die in Wirklichkeit vorkommen, sind 
...i,(M. davch -iW. in <],■!■ IIc:(,-[ifuiT.iil. an«, ,!lcht.>U-[i V,irb rechen hevx«T-',-yuU',i 




Zum wAtafrikanischeu Fetischdieust 3 

dem mn Krankheit und Tod allemige Schald trug. Diese Ansicht findet 
den vollsten Beifall der Neger, wie aller Naturstamme überhaupt, die keinen 
Todesfall ans natürlicher Ursache zulassen, sondern in jedem ein boshafites 
Abschneiden des Lebensfadens sehen. 

Sobald also ein Familienglied in Unglück geräth, sich verletzt, krank 
wird oder stirbt, wenden sich die Verwandten an den Ganga ihres Dorfes, 
der dann durch zanbrische Ceremonien den Schwarzkünstler ausdeutet, der 
solches Unheil veranlasst hat. In einigen Ländern des Südens genügt eine 
solche Erklärung des Ganga, um den Beschuldigten (aus dessen Körper dann, 
wie in Siam, der Zaubersack als pathologische Goncretion extrahirt wird) 
einem gransamen Tode zu überliefern, in Gongo und Loango dagegen muss 
erst die Probe eines Gottesgerichts (in der Form des Feuers, Wassers, Tran- 
kes n. s. w.) vorhergehen. Wird dieselbe von dem Angeklagten bestanden, 
8o hat die Parthei, die ihn in den Anklagezustand versetzt hat, hohe Ent- 
schädigung zu zahlen, der Ganga dagegen geht frei aus, während in Arau- 
canien, wie einst bei den Scythen, die falschen Wahrsager dem Tode über- 
liefert werden. Bei eclatanten Fällen des Betrugs soll ein Verbrennen fal- 
scher Propheten indess auch an der Loango-Küste vorgekommen sein. 

Sobald sich die teuflische Anklage erhebt, ergreift eine jener Wahnsinns- 
epidemien, welche zur Zeit der europäischen Hexenzeit herrschte, den Geist, 
und das vergossene Blut vermehrt den Blutdurst statt ihn zu stillen. Entgeht 
der erste Beschuldigte, so setzt die Familie des Klägers alle ihre Mittel dar- 
an, um dem Ganga für eine neue Anschuldigung zu zahlen, bis sie im 
fremden Tode die Sühne für den Eines der Ihrigen erlangt zu haben glaubt. 
Nimmt nun das Ordal sei es (wie in der Mehrzahl der Fälle) gleich am ersten, 
sei es bei einem späteren Male, einen fatalen Ausgang für den Angeschul- 
digten, so ist es mit seinem Tode nicht genug, sondern das Anklagen, Pro- 
biren and Morden geht fort, bis oft neben einem natürlichen Todesfall, das 
Land durch ein halbes oder ganzes Dutzend künstlicher entvölkert ist EUer 
begeht man die entsetzlichsten Verbrechen, um imaginäre Verbrechen zu 
hindern oder zu strafen, aber diese letzteren wieder werden keineswegs auf 
mondischer Wagschaale gewogen. Der Endoxe ist ein ge&hrlicher Mensch, 
den man zn vermeiden und, wenn möglich, zu zertreten hat, aber er wird 
seinen Nachbar nur dadurch gefahrlich, weil er ihn an Verstand und Kennt- 
nissen überragt, sich dadurch also mancherlei Naturkräfte dienstbar machen 
kann, deren Benutzung jenem versagt ist Dass nun aber Jemand, der sich 
seiner Superiorität über seinen Nachbar bewusst ist, diese zur Knechtung des- 
selben bedienen wird, ist dem Hirn des Negers aus dem Rechte des Stär- 
keren sonnenklar, nnd so wird er seinen Nebenmenschen, der ihn (wegen eifri- 
ger Betriebsamkeit) an glücklichen Handeln, wegen sorgfältigerer Bebauung an 
ergiebigen Ernten übertrifil, als Endoxe fürchten, und geneigt sein, Krankheits- 
ond andere Unglücks&lle, die ihn treffen, Geheimmitteln oder -kräften zu- 
soscbrabeiit die nicht ihm, aber seinem geistig überlegenen Nachbar bekannt 



4 Zum wwtefrihMiUchen F«tiubdi«iuL 

sein könnten. Sein erster Gedanke vird also sein, eine Cabale gegen ihn 
zu orgtmieiren, um ihn zu vernichten oder bei Seite zu schieben, doch folgt 
ee ans der Natur der Sache, daaa solche Opposition, um so schwieriger, und 
wegen der Gegenanklagen oder EntschädigongB summen um so kostspieliger 
oder gefährlicher sich gestaltet, je reicher oder mächtiger der Verd&chtigte 
bereits ist. So tritt auch conaequenter weise eine Grenze ein, jenseits welcher 
die Anklagen als Endoze nicht langer erhoben werden können, und ein Fürst, 
also der zu der höchsten Sprosse auf der Ehienleiter Emporgestiegene, bekennt 
sich offen oder öffentlich vor allem Volke bei der Krönung als Endoze, um 
fortan sämmtlicheu daranf bezQglichen Anachuldi gangen und der Proben, ob er 
es wäre, erhoben zu sein. Allerdings übernimmt er damit eine Art morali- 
scher Verpflichtung, seinen ärmeren, und weil ärmer ihm onterthänigen, Neben- 
menschen in ihren Unglücksfällen, bei denen man an seine Eigenschaft ab En- 
doze denken könnte, aus der Fülle seines Reichthums zu Hülfe zu kommen, 
aber zum Untergehen eines Ordales lässt er sich nur herbei, wenn durch einen 
gleich hochgestellten Fürst provocirt, und dann ist es ein Duell, bei dem 
sie sich die Probe gegenseitig zuschieben, ein Wettstreit um das Vermögen 
des Unterliegenden, das dem Sieger zufällt. In einem solchen Zweikampf 
erl^ kürzlich der Samano, in Folge welches Todes Chiloango und das Ge- 
biet von Chinchoxo ohne Fürst geblieben ist 

Der Ursprung des Endoxe wird in den Schöpfongsmythen mit dem ersten 
Sterben in Verbindung gebracht, das erst (wie bei den Grönländern) nach 
einem Gütterstreite eintrat, während Anfangs das Leben bes^ndig währte und 
sich (gleich dem der Caroliner) mit dem Neumond stets erneute. Ursprüng- 
lich tüdtete der Endoxe im Auftr^e der Gottheit, zu .der er an einem (auch 
in der Mythologie der Cbibclias bekannten) Spinnen&den hinaufkletterte. 
Seitdem er indes» von einer moralischen Verurtheilung getroffen wurde, bil- 




Zum westafrikanischen Fetischdienst. 5 

Als augesehenster unter den Granga gilt der Ganga Angombe, der Seher 
oder Prophet (als Ganga umtali oder Gtinga tescha), der zoin Weissagen be- 
mfen wird und den ausgedeuteten Schuldigen dann dem Ganga incassi uber- 
giebt, damit er ihn im Ordal der Cassa pr&fen. Neben dem Ganga umwulu 
(zum Regenmachen) und dem Ganga umbumba [för die Kriegsceremonien]) 
findet sich dann noch der Ganga Bakisso (Umkissie), der als die Milongho 
oder Wunderarzeneien für Idole oder Mokisso ertheilend, auch Ganga Milongho 
heisst Dieser letztere steht auf der Uebergangsgrenze zum Endoxe und er 
tragt (nach dem Ausdruck des Landes) die Mütze eines Fetissero (barreto do 
feti^ero), indem er sich als Fetissero bekannt hat Man unterscheidet die Mo- 
kisso abisa, als heilende, und die Mokisso ambi, die krank machen, aber 
auch der beste der Mokisso mag als seinem menschlichen Ganga dienstbar, zu 
Zwecken verwandt werden, die dem von den Folgen derselben Betroffenen nicht 
als gute erscheinen. Simbuka tödtet mit raschem Schlage, Run ja lähmt die- 
jenigen, gegen welche er angerufen wird, Kanga-Ikanga verursacht Kopfleiden, 
wodurch die Kranken in die Wilderniss fliehen, Mabiali-mapanje beraubt die 
Wahnsinnigen (Lauga) ihres Verstandes, und so giebt es mehr der Uebel- 
thiter, wogegen der durch einen halbgeö&eten Eisenring präsentirte Bu- 
lunga gegen Krankheit bewahrt, Malunga (als Eisenring) den Kopf klar er- 
halt, und so Imba (Armring mit Muschel) dem blutigen Ausgang in Streitig- 
keit vorbeugt, Madombe (als Eisenkette) im Kriege schützt u. s. w. Der Ganga 
miamassa ist durch die von ihm ausgekochte Arznei Kindagollo bei Bauch- 
krankheiten gesucht In schweren Fällen dienen dem Ganga die Makongo 
Umba oder Umkanje genannten Mokisso und andere sind verschieden für 
Männer oder (wie Umpembe) für Frauen. Die Sasi liefern die Tränke, die 
Schwangeren bei der Geburt gegeben werden, oder den Neugeborenen als 
Heilmittel und sie werden von weiblichem Ganga bedient, indem die Ganga 
Sasi Frauen sind. Kulo-malonga stillt allzuheftigen Blutverlust bei der Men- 
struation. Bleibt eine Frau kinderlos, so liefert für sie Bitungu das Heil- 
mittel and für den impotenten Ehemann Dembacani oder Cuango-malimbi. 

Manche der einheimischen Aerzte besitzen eine ausgedehnte Kräuter- 
kenntniss und verwenden die heilkräftigen Pflanzen oft mit gutem Erfolg, be- 
sonders bei Wunden und äusseren Verletzungen, wie sie auch gebrochene 
Glieder einzusetzen und einen passenden Verband anzulegen wissen. Eins 
ihrer Hauptmittel ist das Schröpfen mit einem dann durch Wachs zugekleb- 
ten Hom, und die nackten Rücken der Männer sowohl wie Frauen erschei- 
nen gleichsam tättowiert in Folge des vielmaligen Schröpfens, auf das man 
bei jedem leichten Unwohlsein zurückkommt Bei Anschwellungen und Ent- 
zündungen werden mit einem Messer im Umkreis der Schwellung Stiche ge- 
nachty um dann Pulver von Kola-Nuss oder verschiedener Saamen einzuimpfen. 
Wie die Wurzel Kina von den die nächtlichen Operationen den Ganga beglei- 
tenden Masikem, wird ein weisser Saamen von den Ganga Njambe gegessen, 
am nch den Schlaf zu vertreiben, wenn sie die Geister rufen, bei deren Ein- 



ZEITSCHRIFT 



K^R 



ETHNOLOGIE. 



Organ der Berliner Gesellschaft 



für 



Anthropologie, Ethnologie nnd Urgeschichte. 

Unter Mitwirkung den Vertreten derMlben, 

R. Virchow 

htnusf(egcb«u von 

A. Bastian und K. Hartmann« 




Sechster Band, 

1874. 



Mit 17 UtliosraplÜFten Taieln. 



BprIiD. 

Terlag voa Wiegandt, ilempel dt Parey. 



g Zum wesUfrikuii sehen Feti»chdietut. 

ErscheiDen in einem Dorfe leicht Grund za innerem Zwist nnd Streitigkeiten 
geben kann. In Mueeuka wird der als Fetissero Angeklagte sogleich in 
St&cke gehauen, ohne dasB man ihm die Probe des Cassa erlaubt 

Der Unterricht des Sch&lers betrifEt Tomehmlich die Milongo, denn der 
Ganga entlässt ihn, sobald er ihm das Prophezeien gelehrt hat Der Sch&ler 
besitzt gewöhnlich nnr über einen einzigen Fetisch Macht, während der Mei- 
ster fiber viele (bis zn 10) gebieten mag. Zn gewissen Zeiten ziehen sich 
die Ganga mit ihren Schülern (zur Eioweihong dieser) in das Innere des 
Waldes zorück, dessen Betretnng dann durch Qoizilles verboten ist, indem 
nur die dem Fetische vermählten Fraaen, auf bestimmten Wegen ihre Män- 
ner besuchen dürfen. Der Golumbniti in Chiloango unterrichtet die Knaben 
Kissinkaka, Lembanene, Lemba-Lemba, Umkrikitinkaka, Mansemba. Der alte 
Ganga-nene oder Oberpriester, der unter den Namen Ganga Kunga (m Chi- 
cambo) seine Schüler (und deren Schaler) für Euren und Prophezeiungen aus- 
sendet, lebt ausserhalb des Dorfes am Eingang zum Walde und wird dort 
von seinen Frauen bedient, deren Erste seine Speisen an einem abgelegenen 
Theil des Waldes zubereitet und sie dann, mit Palmblättem bedeckt (damit 
Keines Augen daranf fallen) zu ihm in die Hütte bringt, wo er isst, ohne 
von Fremden gesehen zu werden. Die dem Fetisch vermählte Frau, die 
aliein diesen berühren kann, muss alles, was sie bei Tage erblickt, dem Gat- 
ten Nachts mittheilen, weil sie sonst in Krankheit fiUt und das Milongo des 
Fetisches verdirbt. Die Ganga dürfen nur an bestimmten Plätzen Wasser 
trinken, das es der Frau des Fetisches (Umcase Lemba) allein zusteht, zu 
holen und zwar nur an bestimmten Stunden des Tages oder der Nacht 
Durch die vielfachen Speiseverbote ist die Fleischdiät der G&nga, die manche 
Thiere oder Fische selbst nicht sehen dürfen, oft eine äusserst beschränkte, 
so daas sie vielfach nur von Wurzeln und Kräutern leben, indess rohes 




Inhalt 



8vit« 

Bastian, A., Zum westafrikaniscbeu FetischdieDst 1. 80. 

— — , Australien und Nai'hltarschaft 267. 293. 

— -, L'eber die Eheverhältnisse 380. 

Birlintrer. Anon, Aus Schwalion. Sa^en, Lefi^enden, Aberglauben, Sitten, Rechtsbräuche, 

Ortsneckereien, Lieder, Kin<lerreime 70. 

Dal Ion, Colonel. Retnemn^-Cominissar von Chutia Naj^pur, Beschreiliende Ethnologie 
Beiigalens, Deutsch bearbeitet von Oscar Flex, Gossnerschem Missionar in Ranschi 

229. 340. 357 

• 

Dam mann, C, in Hamburg, Anthropologisch-ethnologisches Album in Photographien . C7. 
Eudemann. K., Missionar, Mittheilungen über die Sotho-Ncger. Vortrag, gehalten in 

d«T Berliner anthropologischen Gesellschaft am 13. .Tanuar 1874 IG. 

H il d e b r an d t , J. M„ Einige Korpermaasse Ost- Afrikanischer Volksstämme, I, ausgefährtt 

in Sansibar 1873 76. 

— — , Gesammelte Notizen über Lamlwirthschaft und Viehzucht in Abyssinieh und den 

östlich an«;renzenden Ländern ; . 318. 

Koner, W., Ueiiersicht der Literatur für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 

Jahre 1873 118. 

Lissauer, Dr. in Danzig, Crania Prussica. Ein Beitrag zur Ethnologie der Preussischen 

0>tseepronnzen. (Hierzu Taf. Ill — VI) , 188. 

Metschnikoff, Elias, Professor der Zoologie an der Unifersität zu Odessa, Ueber die 

Beschaffenheit der Augenlider bei den Mongolen und Kaukasieni 153. 

S'.' hiern, Dr. Krederik, Profesi^or der Geschichte an der Universität zu Kopenhagen, Ueber 

den Ursprung der Sage von den goldgrabenden Ameisen. Aus den Verhandlungen 

der Kgl. Dänischen Gesellschaft der Wissenschaft übersetzt von Felix Liebrecht . 98. 

Schwartz, Dr. W., iiymnasialdirektor in Posen, Der (rothe) Sonnenphallos der Urzeit . 107. 

— — , Nachträge zu dem Aufsatz vom Sonnenphallos 409. 

Spengel, J. W., Uel>er eine Modification des Lucaeschen Zeichnen- Apparates .... 66. 

Sprachliches von We8t-Afrika 78. 

T hau low, Dr. Gustav, Rathschlägc für anthropologische Untersuchungen 102. 

Weisbach Dr. A., k. k. Regimentsarzt, Bemerkungen über Slavenschädel 306. 

Wetzstein, Dr. J. G. Bemerkungen zu Liebrechtss Artikel: „Ueber die golgrabenden 

Amei:jen' , 316. 

Terda, Dr. Rafael, Alterthümer der Siechalaguna \m Bogota 160. 

Kleine Mittheilungen 350. 

Miscellen und ßücherschau 80. 142. 227. 289. 303. 410. 



Verband lungt'ii der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 
(Ein sp«>i'iellei' Inhalts- Verzeichnis^ der Verhandlungen, sowie ein alphabetisches ^ach-Register 
liefinden sich am Schluss derselben.) 



289366 



]0 Zum westafribuiischeii Petiscbdi«Dit. 

hnff. Die« ist eine Lebensfrafte ond ebenso das Ausbleiben des Regens, 
weshalb man (wie im Becfauanenlande) Alles versucht, ihn herbeizuschaffen. 
Als dem Könif; Mani-Bussa in Tumba ein Singa benannter Sohn geboren 
wurde, der am T^e der Geburt (wie Buddha) aufrecht stand und redete, 
vertrieb man ihn in das Land der Musseronghi, weil der Regen ausblieb und 
solcher Mangel dem Prodigium zugeschrieben wurde. Da jedoch die Regen- 
noth fortdauerte, wogegen bei den Mussoronghi reichlicher Regen fiel, bat 
man den Vater zurückzukommen, und als derselbe mit seinem Sobne 
diesem Gesuche folgte, trat Ueberflues an Regen ein. Der junge Prinz starb 
bald darauf, begeistert aber seitdem, in das Haupt des Priesters (des Ganga Singa 
in Tumba) aufsteigend und verkündend, dass er, obwohl gestorben, dennodi 
lebe. Der Easi-bakissie erzeugt Regen aus einem mit Milongbo gefüllten 
Kasten (Lubutnlu), die Lukallala (Eisenschraube mit Quadraten) schwingend, 
wenn der Kissi-insie (Erdgeist), der in Jimakandr und Jimesuntuba lebt, 
ihm in den Kopf steigt und durch seinen Mund redet (was sich auch zur 
Heilung von Eraukheiten benutzen lässt). Am Chiloango-Fluss wird der 
Fetisch Uilombe für Regen verehrt und Chimpinde als weiblicher Fetisch. 
Für den Fetisch von Eotamatewe (zwischen Punta negra und Maseabe) werden 
am Anfang der Regenzeit Festlichkeiten veranstaltet, in Rundtänzen und 
Reinigung des Ghiindes, wie es allen Inkissi-i-vulu als Regenfetischen zusteht. 
Der Ganga Mokisso Umsie ist der Priester der Erde. In Zimissindi (unter 
der Prinzessin von Moanda) wohnt der als Regenmadier dienende Ganga 
In dem Fetischhaus finden sich viele Elephantenzähne , sowie daneben ein 
Wasserloch. Umpungn (zwischen Cbissango und Loango) ist Regenfetisch. 
Der Ganga.Iniema (bei Loangele) bedient den Mokisso Iniema, der aus einem 
Stein und einem mit einer RShre versehenen Hammer besteht. Bei Regen- 
mangel wird der Hammer mit der, voll Rum gefüllten, Röhre nach oben auf 




Zum westafrikanischen FetiBchdienst. 11 

geheilt werden, dem durch einen Kinda oder Kasten korb repräsentirten Haoptfetisch 
in Umkondo (am rechten Ufer des Quillu), wo Manitatu liluemba herrscht. 
Umsasi heilt Fieberhitze, die er selbst verursacht hat und Lubangula seine 
eigene Augenkrankheit Mambili, der durch Einschlagen von Nägeln tödtet, 
kam aus dem Lande Bakunja dorthin. Die Xico genannte Pflanze ist Fetisch 
in Loango und findet sich eingehegt auch in Eabinda. Der Fetisch Euanje 
ist durch einen Säbel symbolisirt. 

In Chicambo prophezeit der Ganga Njambe die Krankheit (oder ihre 
Diagnoae) und die Heilung fallt dann (je nach dem Falle) einem der Zauber- 
ärzte zu, wie dem Ganga Bomba Lofmgo (eine Trommel mit phantastischem 
Thier führend), dem Ganga Chimbuka (mit männlicher Figur), Eonde-Mamba 
(einen Mann mit Bauch zeigend, weil besonders den Bauch curirend), Umsase 
(mit einer Figur im Eorbe, um Frauen fruchtbar zu machen), Moela-Chicaca 
(mit lebensgrosser Figur), Mangaca (in Undinje mit bärtiger Figur, in Tipoya 
getragen), Imbika (mit Sackfigur für venerische Ejrankheiten), Chikoso (mit 
der Figur eines Hundes, von weiblichen Ganga bedient). Ausser diesen hei- 
lenden Mokisso giebt es (um zu schaden) den Mokisso Mambili (als Figur mit 
dick angetriebenem Bauch), der durch Einschlagen von Nägeln Erankheiten 
(Bauchwassersucht u. dgl. m.) verursacht, und für dieses Einschlagen erhält 
der fligenth&mer (der Mabombe) Bezahlung. Fällt Jemand in Erankheit, so 
divinirt der als Specialarzt berufene Ganga, ob (oder vielmehr, dass) dieser 
Krankheitsfall durch einen im Mambili steckenden Nagel verursacht sei. Da 
der Mabombe den speciellen Nagel indess nicht kennt, muss er veranlasst 
werden, ihn zu suchen, natürlich gegen Bezahlung, ferner die dem Mambili 
durch das Ausziehen verursachte Wunde zu heilen, nochmals gegen Bezah- 
lung, und dann lässt sich der Ganga herbei, den Patienten selbst zu heilen, 
nämlich gegen Bezahlung (für deren Einziehung es noch nie einer Priesterschaft, 
trotz aller Armuthsgelübde, an guten Gründen gefehlt hat). 

Besonders gefurchtet, fast über alle Theile der Eüste, ist der Fetisch 
Mabiali mandemba, und dieser theilt das hohe Ansehen, das ihm gezollt wird, 
mit dem Mangaka. Ihre Figuren werden mit erhobenem Arm dargestellt, oft 
ein gezücktes Schwert darin, um die Endoze niederzuschmettern (wie es in 
Indien durch Eali geschieht) und sie sind die Gerichts-Fetische, durch welche 
Verbrecher entdeckt und bestraft werden. Da indess den menschlichen Dis- 
positionen ihrer Priester selbstverständlich nicht zu trauen ist, mögen diese 
ihre verderblichen Eräfte auch gegen Unschuldige richten, und so ist der 
Schrecken, den diese bald guten, bald bösen Dämone einflössen, ein all- 
gemeiner. 

Die Operationen, die mit diesen Fetischen vorgenommen werden, kommen 
auf das auch in anderen Theilen der Welt wohlbekannte Nägeleinschlagen 
zurück, und indem man der Holzfigur einen geweihten Nagel, der bei schweren 
Fällen vorher glühend gemacht ist, infigirt, soll sie gewissermassen durch 
den Schmerz beständig an ihre Pflicht erinnert werden, und erst nach Er- 



X2 Zum wutafnkknJKhen Fetitcbdienit. 

fSlIang dieser wird der Nagel aasgezogen und die Wände (des Loche's) ge- 
beilt. Da ein solch m&chtiger Dämon natürlich mit rasender Wath erfüllt 
wird, gegen den Urheber, um dessentwillen ihm die Pein verursacht ist, und 
diesen mit seiner ganzen Rache zu verfolgen Btrebt, bringt der Dieb zitternd 
das gestohlene Crnt znrBck, wenn er hört, daas der Beetoblene ffir die Figur 
des Fetisches geschickt hat, um einen Nagel einschlagen ^u lassen. Der 
Schuldige wagt nicht den Nagel einzuschlagen und wird so unter den \eT- 
dächtigen erkannt. Diese Ceremonien werden auch in prophyl actis eher fteise 
vorgenommen, indem ein Kanimann, der seine Sklaven fQr den Transport 
von Waaren and den Verkauf von Fazenda auf einen Handelsweg aassendet, 
vorher den Fetisch, meistens Mabiali-mandembe (Makuanja oder Konde-Mambe) 
und Mangaka, holen läset, damit demselben vor dem ganzen Hansgesinde 
N&gel eingeschlagen werden, anter Verwünschungen gegen den, der sich Ver- 
untreuungen zu Schnlden kommen lassen sollte. Ebenso wird Gelübden da- 
durch eine bindendere and zwingendere Kraft gegeben. Wenn z. B. ein Herr 
seinen Diener nicht von Trunksucht heilen kann, so mag er vor seinen Augen 
den Fetisch (Kondo-Mambo) bep^eln lassen, und dann wird die Furcht, 
von Krankheit oder Tod im Uebertretungsfalle betroffen zu sein, am besten 
vor Verletzung des abgelegten Versprechens bewahren. Beim Nag^-Ein- 
schlagen werden nicht gegenwärtige Personen durch Haarbüschel repräsentirt 
Um die Operation wirksamer zu machen, wird der Nagel dem Verdächtigen 
von der Nase aufwärts über die Stirn gestrichen. Kranke bedienen sich dieser 
dämonischen Einflüsse in zweierlei Form. Einmal mögen sie t^egen denjenigen 
Uebelthäter, von dem ihr Leiden aasgegangen sein soll, einen Nagel ein- 
schlagen lassen, oder wenn sie wissen, dass dieser Böswillige selbst einen 
Nagel zu ihrem Verderben eingeschlagen hat, so wenden sie sich an den 
priester liehen Diener des Dämon (den (ranga Kondo-Mambo), damit derselbe 




Zum weetafrikani8chen Fetischdieoit 13 

Konde fär diese Benagelungen aasersehen. Noch jetzt worden die Fetische 
Makaanja und Flama-konde (von Eonde-dingi) in der Umgegend gefOrchtet. 
Am Gonge wendet man sich vorzugsweise an den Mabiali-mandemba (oder 
an dessen Arzt für eine Abkaofssumme), und in Sumba, wo der Markt Bom- 
ma*s abgehalten wird, findet sich diese Figur, während die des Mangaka im 
benachbarten Longa steht Auch in Chiloango findet sich Mabiali-mandembo 
(in affenähnlicher Figur) und aosserdem bietet dort der Chimbuka (aus Cafongo) 
seine Dienste an. Derselbe erspart die Ausgabe für einen neuen Nagel, da 
er bereits über deu auf dem Bauch (über dem Milongo) eingefügten Spiegel 
einen constanten Nagel hat, an dem für jedes Anliegen mit einem Hammer 
ein paar Schläge gethan werden. Die Verfertigung dieses Nagels liegt dem 
Schmied ob (Lings-malonda), der, wie bei so vielen andern Völkern, mit 
priesterlichen Functionen bekleidet ist Im Falle ein Kranker sich dorthin 
wendet und genügendes Honorar anznbieten vermag, zieht der Golumbuiti, 
der Diener des Götzen, den Nagel für eine Zeitlang aus. Derselbe bedient 
sich einer rüttelnden Calabasse für seine Ceremonien und singt dabei : Eolile 
malembe Chimbuke, Kolile malembe Chimbuke le (thu ihm nichts, o Chim- 
boke, thu ihm nichts, so ist es besser). Der Fetisch von Chinkakka (bei 
Bomma) hat Nägel an Finger und Fusszehen (wie viele andere Götzenfiguren), 
Bart und dichtes Haupthaar. Der Mamuba oder Ganga Mamuba, der dienende 
Priester des Mabiali-mandemba in Molemba besitzt zauberkräftige Medicinen, 
durch Bestreichen mit welchen (auf dahin gestellte Aufforderung) sich die 
Nägel rasch lockern und schmerzlos und leicht ausgezogen werden können. 

In Magombe wird die Stelle des Mabiali-mandemba durch den Mam- 
bili vertreten, und dieser ist Hauptfetisch in Loango. Derselbe hat seinen 
Wohnsitz in der Erde, durch einen darüber aufgesteckten Pfahl repräsentirt, 
and ein in demselben eingeschlagener Nagel heftet den, gegen welchen er 
gerichtet ist, an der Stelle fest, so dass er (wie der von den Vestalinnen 
festgebetete Flüchtling) uniahig ist, zu entfliehen und an seinen früheren 
Aufenthaltsort zurückkehren muss. Auch hierbei wird eine Klapper (Quauga) 
verwandt Wenn vom Entfliehen eines Sklaven benachrichtigt, bläst der Ganga 
nach allen Rich^^ungen hin auf den Weg und zwingt ihn, zu erscheinen. 

Bei wichtigen Gelegenheiten werden die Fetische verschiedener Tempel- 
sitze vereinigt, und auf dem Versammlungsplatze, wo sie zusammentreffen, 
finden feierliche Begrüssungen statt. Ehe dann die Ceremonien, worin das 
Nageln einbegriffen ist, beginnen, werden allen Bildern die Gesichter bedeckt, 
bald mit Baumwollenzeugen, bald mit Bast, Seide u. s. w., je nach der Quixille 
de» Fetisches. Im alten Mexico verwendete man Steinmasken. 

Wird eines Verbrechens wegen die Gottheit Ghincasse-incasse befragt, 
so bereitet ihr Arzt das Milongo, indem er geweihte Muscheln vergräbt und 
mit einem Glas Wasser auf der Oberfläche des Bodens in Verbindung setzt. 
Von Couvttlsiouen ergrifien, benetzt er sich dann mit diesem Wasser die 
Augen, die in Seherkralt aufgehellt den Schuldigen erschauen. Verhindert 



u 



h «wteMkutocbm FetiBchdinaL 



ifird Diebstahl durch ITmpinde, da EinBchlagen änes Nagele den Dieb tödten 
wQrde. Um dagegen einen Raub glücklich aaszaffihren, verfertigt sich der 
Dieb den Fetisch Chungn aus Zeagflicken, Matteostücken , Gonuni o. s. tr. 
Glücklicher Ausgang wird dem Credit des Fetisches gut geschrieben, wogegen 
er sich nutzlos oder zu schwach erweist, wenn der Dieb auf der That er- 
griffen wird. Für kräftige Milongo werden, (wie es auch Du Chüllu in den 
Gabnnländem fand) die Haare eines Weissen gesucht und in einem Sack unter 
dem Arm getragen. Die Weihe der Fetische geschieht durch Einführung 
eines MUongo oder Zanberarzneimittels, and dieses wird, wenn der Fetisch 
ans einem Top^ Muschel u. dgl. m. besteht, darin eingekleistert, wogegen es 
bei Holzfiguren meist über dem Bauch angebracht ist. In letzterem Falle 
spielen auch die glfisemen und perlmutternen Augen eine Rolle, wie bei den 
Gstterbildem in Ceylon. Kola-Nuse and Schevo sampunvo (congesischer 
Pfeffer) bilden die Speise des Fetisch, dem sie in den Mund gesteckt werden. 
Nach ihren Fetischen gehören die Träger derselben verschiedenen Lemba an, 
in welche sie eingeweiht sind. 

Die eingeborenen Händler, die weite Reisen zu unternehmen haben, 
tragen, als eine zum Schütteln bestimmte Doppelgtocke, den Fetisch Mambili, 
der mit Blasen und Fingerschnappen beim Einbruch von Gewittern umher- 
bewegt wird. Trifit der Fremde in einem Dorfe Ungastlichkeit oder werden 
■hm dort sonst Unannehmlichkeiten bereitet, so nimmt er seinen Fetisch her- 
vor und reibttihn auf der Erde. Die Anwesenden gerathen dann in Schrecken, 
recken ihre Anne und schreien: Insi, yaku, tatn (die ganze Erde ist dein, 
o Väterchen), um nicht vom Blitz getroffen zu werden. Wird in einem Dorf 
ein Haue während eines Unwetters beschädigt, so hat sich der Eigentbümer 
mit dem Priester des Mambili auseinanderzusetzen und abzufinden (wie in 
Abbeoknta mit dem des dortigen Donnergottes). Der Ganga Mambili (in 




Zum weetafrikaniscben FbttoehiUw<tt. 15 

herbeigerufeii, in den Kopf des weiblichen Mediom^s steigt, das (die Inspi- 
ration zu erwarten) geschmückt, den Körper bemalt, anf einem Stahle sitzt. Der 
Corsas der Operation entspricht im Ganzen dem ähnlichen in SianT. Der Fetisch 
wird repräsentirt dorch ein Gehänge von Lappen, die eine Kngel einschliessen 
und mit Glöckchen ambaumelt sind. Steigt er aas dem Sack oderEntu, der 
seinen Wohnsitz bildet, in den Kopf des Kranken, der die Zaaber- 
roedicin eingenommen, so fällt derselbe nach yorangegangenen Convalsionen 
wie todt nieder and mass darch einen Schass wieder zam Leben erweckt 
werden, om dann die Heilmittel anzugeben, die sich ihm im Zustande der 
Extase enthüllt haben. Die Anhänger dieses Fetisches bilden (in der all- 
gemein bekannten Weise) einen geheimen Weiheorden, in dem man sich auf- 
nehmen und durch die. verschiedenen Grade erhöhen lassen kann. Der Can- 
didat wird innerhalb der Tempelhütte in magischen Schlaf versetzt, and 
während desselben erschaut er einen Vogel oder sonstigen Gegenstand, mit 
dem fortan seine Existenz sympathisch verknüpft ist (wie die des indianischen 
Jünglings mit dem im Pubertätstraum erblickten Thier). Alle die in der 
Weihe Wiedergeborenen führen nach Rückkehr zum normalen Zustand den 
Namen Swamie (eine auch in Indien heilige Bezeichnung) oder, wenn Fraueh, 
Sombo (Tembo), and als Erkennungszeichen wird der Sase genannte Ring 
getragen, der aus einem Eisenstreif mit anhängender Frucht besteht and 
Wild und Ziegen verbietet, dagegen aber dem von Kindheit auf geweihten 
Träger seinen Schutz verleiht. Der in Tücherumwickelungen am Körper ge- 
tragene Fetisch Kutu-Malasie (Marasie) wird vom Ganga Malasie mit fol- 
gendem (an die Formeln der Karen erinnernden) Spruch gerufen: 

Wyza, wyza, wyza 
Janam buta, ianam laela 
Lambe makolo Kampambe. 

Komm, komm, komm, von welchem Platz, wo immer du bist, komm in mein 
Haopt zu steigen. 

Der Körper des Priesters wird dann von Zuckungen ergriffen, und wenn 
der Dämon aus ihm spricht, heisst er Swami Malasie oder Tantu (wie ähn- 
lich auf den Viti). Schwangere Frauen mögen den Embryo im Mutterleibe 
dem Malassie weihen und dem Neugeborenen wird dann der Kopf geschoren, 
bis aaf einem runden Haarkranz, der auf dem Wirbel stehen bleibt. 

Solche, die im Leben schlecht und böse gewesen, d. h. damals wegen 
Trunkenheit und Zorn gefürchtet waren, werden durch den Ganga aus dem 
Grabe citirt und, wenn sie die verlangte Antwort gegeben, dorthin zurück- 
gesandt Der Zaubergesang heisst: 

Makulue isanie 

Makulue isanie 

(komm herauf, o Todter). 

Die Ausübung der Polizei ist der Hauptsache nach in den Händen der 
Ganga, da sie Verbrechen ausfindig machen und darch die von ihnen ge- 



16 MitUieiliuigai über die ^tho-Negor. 

veihten Fetische gegen solche schützen. Die Bevachang der Faktorei is Fotila 
war zwei Craoga übertragen, die bei Einbruch derDonkelheit eine Trommel schlagen, 
und dann bis zum Morgen die Yerzäunung umliefen, zu verschiedenen Standen, 
bald am einen, bald am andern Ende, ein Saiteniastrument anschli^^d, 
dessen T5ne im Klange der Aeolsbarfe geisterhaft durch die Stille der Kacbt 
herübergetragen wurden. 

Bei stattgehabtem Diebstahl wird der Granga Sengo gerufen, der ein 
Messer erhitzt und es erst über seine Hand, dann Über die Beine der Ver- 
sammelten zieht und nur den Schuldigen verletzt. Eigenthum wird geschützt, 
indem der Ganga dort den M'ti inxina (Stab des Verbots) aufsteckt. 
(Fortwbuiig folgt) 



Mittheilnngen Aber die Sotho*)- Neger. 



Der Stamm der Sotho-Neger hat seine Wohnsitze im Oranje-Frystaat, 
in der Transvaalrepublik und nordnord westlich über beide weit hinaus. An 
Zahl mögen sie wohl den Kaffem ebenbürtig sein. — lieber die Bedeutung 
des Namens Sotho habe ich noch nichta Näheres herausbringen könneu. 
Mau könnte ihn mit eeotho = „Dunkel" in Verbindung setzen, so dass der 
Yuciil d.T Priitixe mcIi erst .lum folg.'nden n^similirl ittui ilaur. v.tsl-L windet. 




Mittheüimgen über die Sotho-Neger. li 

rerschiedene Erklärungen versucht worden, welche Dr. Bleek in seiner Com- 
pAratiTe Gnunmar of South African Languages p. 109 zusammengestellt. Der 
verst. R. Mo&t sen. leitet den Namen ab von söeo oder tiö^o*) =- „weiss^, 
wovon das Deminntiv contrahirt sö6dna oder Uöödna (für sö^ißdna oder tiöeodna) 
heisst Abgesehen non davon, dass diese Deminutivform dreisilbig, der Name 
TziHtna aber zweisilbig ist (das u ist HalbconsonantX fangt tsöoana mit aspi- 
rirteffl Consonanten, Tzoana aber mit der tenuis an; von der tenuis kann 
aber die Aspirata nicht abgeleitet werden oder umgekehrt. Es wäre auch 
gar nicht abzusehen, weshalb die Tzoana die „Weisslichen^ heissen sollten. 
— Der verst. Missionar Fredoux leitet Tzoana von dem Stamme ^u oder 
iUii<- „schwarz^ ab, woven das Deminutiv n/iuamx- „schwärzlich^ lautet. Mit 
ihm stimmt R. Moffat jun. überein (vgl. dessen The Standard- Alphabet Pro- 
blem, p. 14), welcher seinen Vater corrigirt Doch gesteht Fr6doux schliess- 
lich, dass mot^üana und Motz ana in der Aussprache verschieden. 
Und in der That ist die Ableitung von ttiuana etymologisch ebenso unstatt- 
haft als die Ableitung von Uö cma. — Dr. Livingstone stellt die Ansicht auf, 
dass Tzoana von t«oami - „einander ähneln^ herkomme. Aber er ist in eben 
solchem Irrthume befangen, wie die beiden Moffat und Fredoux. Die von 
Sotho aas einzig mögliche Ableitung ist die von der Wurzel tzo oder tzoa^ 
welches letztere ein Verb ist und intransitiv „ausgehen von^, transitiv aber 
„vemrtheilen, verdammen^ heisst. Die Endung ana kann als Deminutiv-, 
aber auch als Reciprokendung betrachtet werden. Nach einer mündlichen 
Mittheilong des Dr. Bleek an mich ist dieser ausser von mir auch von einem 
englischen Missionar auf die Ableitung von tzöa hingewiesen worden. Würden 
von den meisten Europäern die Laute tu und tz einerseits, so wie ts^ tz und 
die vor o und u palatalisirte Aussprache von ts und tz andererseits nicht 
confiindirt, sondern genau unterschieden, dann würden solche Irrungen wie 
die angefahrten nicht stattfinden können, die etwa auf gleicher Linie mit der 
IfTong liegen, welche begangen würde, wenn man im Deutschen z. B. den 
Namen „Wagner^^ von „wachen^^ oder „wacker^^ ableiten wollte. Aber so 
sieht nutn i» und tz nur mit tn^ und tn^ tz und ^ tz vor o und u ohne Unter- 
schied mit c, ch oder Uth bezeichnet 

Die Sotho sind den sog. Kaffem äusserlich wie in Sprache und Sitte 
nichstverwandt und gehören wie die letzteren zu den Negervölkem. Aeusser- 
lieh verschieden sind sie von den Kafieni aber wieder durch den im All- 
gemeinen schwächlichen Gliederbau^ wie sie auch sanfter von Charakter sind, 
was jedenfalls damit zusammenhängt, dass die E affern mehr von animalischer 
Kost leben als die Sotho. Die harten Schädel theilen diese mit jenen. So 
weit meine Beobachtung reicht, scheinen bei den Sotho hellerfarbige Leute 
viel häufiger vorzukommen als bei den Eafferu. Schietstehende Augen wie 
bei den Chinesen habe ich einigemale gesehen. Abgesehen davon, dass der 



*) WsnuD ich t:, tu, U, U und nicht li, tih^ t$^ uh schreibe, darüber weiter unten. 



18 HiUboilBiigeit aber die Sotbo-Necai. 

al]gemeine Typus der Gesichter ovale Form, hervorstehende Kiefer, platt- 
gedrückte Nase mit breiten NasenfitigelD , wulstige Lippen sind, findet man 
vielfach Züge, welche lebhaft an die egyptiechen auf den ^tegyptischen Wand- 
gem&lden erinnern; ebenso semitische Z&ge, doch nicht so aoflatlend häu6g, 
als bei den Knoopneozen. — Bei ihrem sanfteren Chanücter sind die Sotho 
auch der Civilisation zugänglicher als die Kaffera. Ea hängt dieser Charakter 
gewiss auch damit zusammen, daes unter den Sotho die Sitte des Hutf- 
raucheus mehr vereinzelt vorkommt, dagegen bei den Kafferu allgemeiner 
stattfindet — Ein Haaptcharakterzug der Sotho ist die Habsucht; der Sotho 
wird nie sein Gut so verschleudern wie der Hottentott; er ist mehr zum 
Scharren und Sparen geneigt. - Der Hottentott ist gefühlig, der Sotho und 
der Eaffer nicht; sie sind mehr verständig. Doch ist beim l'eliSuaatn der 
Sotho eine grössere Erregbarkeit wahrzunehmen, womit auch zusaDtmenliiuigt, 
daes dort Ahnungen und Gesichte nichts Seltenes sind. Dafür steht dieser 
Stamm aber z. B. dem bedächtigen intelligenteren Kopa'schen Stamme, welcher 
wegen seines grösseren Fletssee eigentlich den Namen der Folofolo „die 
Fleissigen" trägt, an Tüchtigkeit des Charakters nach. 

Wie kleiden sich die Sotho? Die Männer tragen eine Art Schurzfell, 
welches die schreiendste Blosse bedeckt Dieses Schorzfell hängt aber nicht 
lose, wie die Schwänze der Eaffem, sondern ist zwischen den Beinen durch- 
gezogen und hinten an dem Scburzstricke, der am die Lende geht, befestigt 
So ist diese Art der Bedeckung anständiger als die der Kaffem, welche von 
den Sotho auch die Pono, die Nackten, genannt werden. Die Weiber tragen 
vorn einen Lederschurz, der bis auf die Knie reicht, hinten ebenfalls einen, 
der aber in zwei an Frackschösee erinnernden Schwänzen auf die Waden 
herabgeht Die Mädchen tragen hinten denselben Schurz, vom aber einen 
von Troddeln aus Bastbindfaden. Ausser Kalbs-, Antilopen-, Ziegenfellen 




Mittheilungen über die Sotho-Neger. X9 

kleine himmelblaue meist beliebt, besonders auch grössere blaue, kantig ge- 
schliffene, die man phetha-martapa, „Steinperlen^', nennt. Sonst sind kleine 
weisse, lila (besonders bei den Kj[aHa\ auch grüne (doch nicht überall), be- 
sonders aber gelbe und schwarze gangbar. Schwarz und gelb, also öster- 
reichisch, sind in Perlen die Lieblingsfarben der Sotho. Die beliebteste und 
theuerste Perlensorte ist in diesen beiden Farben eine kantige, matte, die im 
Aussehen Aehnlichkeit hat mi£ einer grossen Art Schmelzperlen. Wo sie 
herrührt, kann niemand sagen; auch in Venedig ist sie, wenigstens gegen- 
wärtig, nicht zu haben. Auf Gürtel, Bandeliere und Böden von Pulverhörnern 
näht man gern Perlenverzierungen auf, Vierecke oder Sterne von Lila in blauem 
Felde, von Schwarz und Weiss u. s. w. — Die dicken Perlenreife um Nacken 
oder Hüften sind so geMrunden, dass z. B. ein Stück Schwarz immer mit 
einem Stück Gelb abwechselt oder schwarze Vierecke auf gelbem Grunde 
erscheinen u. s. w. Aus Strausseneierscherben macht man kleine runde Knöpfe 
mit einem Loche, welche auigereiht und besonders kleinen, Kindern um die 
Lenden gehängt werden. — Ein besonderer Schmuck ist mitunter ein Dreieck 
aus Messing mit abgerundeten Ecken, welches im Nacken getragen wird. 
Männer schmücken sich gern* mit einem vor der Stirn hangenden Sterne aus 
abgestreiftem und zu einer Scheibe zusammengepresstem Felle vom Eich- 
bömchenschwanz, ähnlich den Haarsternen, wie unsre Jäger sie so gern am 
Hute tragen. An die vier Ecken der Tonsur hängt man oft Quasten aus 
Antilopenschwänzen. Die Tonsur besteht aber darin, dass das wollige Haupthaar 
rund herum in der Weise abrasirt wird, dass eine längliche Haarkrone stehen 
bleibt Männer lassen mitunter vom und hinten an jeder Seite einen ab- 
gerundeten Zipfel stehen, was dann fast aussieht, als hingen vier Eckquasten 
bo^. Die Haare werden zum Schutz gegen gewisse Sechsfüssler, die bei 
den Eingeborenen Südafrika's nicht grau, sondern schwarz und von dünnem 
Leibe sind, tüchtig mit Fett eingerieben, das durch die ihm oft sich zuge- 
sellenden Bestandtheile, wie Schmutz und Staub, mit der Zeit im Verein mit 
den Haaren eine feste Kruste bildet. Putzes halber vrird das Haar auch mit 
Eisenglanz eingepudert, dass es glitzert. — Das Rasiren geschieht, indem man 
das Haar mit Wasser netzt und es dann mit einem scharfen viereckigen 
Stahlplfittchen, dessen zwei Schneiden etwas abgerundet sind, abkratzt, wobei 
es Hautritze genug gibt. Kasiren des Bartes, welches sehr beliebt ist, ge- 
schieht in derselben Weise; stehenbleibende Barthaare, die besonders beiden 
runzlichen Gesichtern der Alten vorkommen, lässt man sich mit einem Messer 
abrupfen. Nach Belieben kann man den Bart auch stehen lassen. — Sehr 
gern schmiert man sich den Leib mit Fett ein, weil dies die sonst leicht 
aufspringende Haut sehr schützt. Besonders schön findet man es, sich mit 
rother Ock« rsalbe einzuschmieren, was bei festlichen Gelegenheiten nie fehlt. 
— Ausser den Schmucksachen sieht man vielfach vom am Halse Amulete 
hangen, als: Wurzelstückchen, Löwenkiauen, Schlangcnzähne, kleine, mit Fell 
von Schlangen, vom Crocodil oder vom Monitor niloticus überzogene Röhr- 

2» 



20 Hittheüungeii über die Sotho-Neger. 

knochen, Knochen pfeifen u. s. w.; aucb Naaenreiniger, eine Art SpKtel tod 
Eisen; femer Schweiaslöffel, ebenfalls eJiie Art eiserner Spatel etwa in Form 
eines schmalen Pfeiles mit breitrunder Spitze; koöclierne kleine Sclmupflöffel 
und Schnupflabaksdösclien ; auch Pfriemen mit einem Kopfe in ledernen 
Scheiden, zum Fellnähen oder Entfernen eingetretener Domen; ebenso rohe 
dolcbartige, aber nicht als Waffe dienende Messer mit Holzgriff in Scheiden. 
Frauen und erwachsene Mädchen tragen oft vor der Brast ein Fell von edlem 
Wild, etwa von einer wilden Katze oder von einem Affen. Häuptlinge tragen 
auch solche Brustlätze; es sind gleichsam ihre Servietten. — Mit enropaischer 
Kleidung schmückt man sich gern, lieber mit Röcken, Westen und Hemden, 
als mit Hosen, welche wenig Credit geniessen. Gehen die Kleider entzwei, dann 
werden oft Flicken auf Flicken gesetzt (wobei es auf Stoff und Farbe nicht 
ankommt), bie sie schliesslich so morsch sind, dass sie buchstäblich in Fetzen 
vom Leibe fallen. Baumwollene und wollene Decken an Stelle der Karosse 
sind schon sehr in Aufnahme gekommen, weil dei^leichen im Ganzen leichter 
zu beschaffen ist, als Felle. Nur die theueren Panther-, Schakal- und Klipp- 
dschs-Karosse behaupten ihren Platz. — Kleine Kinder gehen ganz nackt. 
Wenn sie aber allein lauten und schon einigermaesen in gewisser Beziehung 
sich selbst zu besorgen im Stande sind, bekommen auch sie ihre Bekleidung, 
am ehesten die Mädchen. Es findet auch hierin mehr Anstand und Scbam- 
haftigkeit statt als bei den Kaffem. 

Das Bettgeräth der Sotho besteht aus einer Binsen- oder Kietgrasmatte 
als Unterlage, einem Stein mit einigen Lumpen darauf oder auch einem läng- 
lichen Stück Holz oder auch einer Art hölzernen Bänkchen als Kopfkissen, 
und dem Kaross oder der Decke. Der Stein als Kopfkissen erinnert an den 
Erzvater Jakob, der jedenhlls nicht solch grossen Stein unter seinen Uäupten 
gehabt, als die Phantasie der Maler ihn oft auf die Leinwand hinzeicluiet. 




Hiltbeilnnuen äbor ilic ßotho-Mef^r. 23 

Lina^'aehe GImbc, da es geBondcrt mümiliche und weihliche Bäume (;iht. 
Die Sdiale der bloasgelben Knlur-Frucht ist dickledrig, ohne Naht. Unter 
denelbcD 'befindet sich reichlicher, tuigenehm schtneckeDder Saft. Ad dem 
■ekr harten Steine sitzt etwas weisses Fleisch. Die Fracht ist «twa im Fe- 
bruar rai£ Zur Bierboreitung quetscht man die Früchte auf, lässt deo Saft 
in räe SohOmel laufen und wirft die Schalen weg; den iiteia mit dem Fleische 
dana tfant man mit in den Saft. Zu diesem wird Wasser gegossen, je noch- 
Atm.wma das Bier stärker oder scitwächer machen will. Dasselbe lässt man 
daBK atcben and ^hren. Wenn das Getränk zum Gähren gekommen, dann 
t es angenehm sSsssäuerlich, fast limonadenartig; ea ist aber berau- 
Je mehr der Grährongsprozess fortschreitet, desto saurer wird der 
desto berauschender auch die Wirkung. Si^on die Früchte, 
VHB laan daren viele aussaugt, bringen einen Zustand wie Berauschung zu- 
«■(B. Als ioh die FrQohte kennen lernte, las ich unter einem Baume — sie 
Ultmt wann ruf, alsbald von selbst ab — nach HerSenslust auf und saugte 
■«u Id hatte eine gute Anzahl genossen, da auf einmal ward mir der Kopf 
■ohWf tlB ob ioh zn viel starkes Getränk zu mir genommen hätte; ich 
■Hill nach Haiue gehen und mich hinlegen. Andere vertragen freilich die 
nidAa (diae Beschwerden. 

AW'FeMriteerd dient eine runde in den Hof vor dem Hause oder in den 

FoaibodM 4m Hauses eingelassene runde, flache Vertiefung; einige Steine 

f.ilden den tbtorMts f&r die Töpfe. Wn man nidit schon Zunderbüchäen 

' FenerataU ■. dgL hat, da macht man Feuer vermittelst zweier Hölzer, 

1 Stabes von hartem Holze and eines Stückes von weiche- 

I Lteher gebohrt sind, so dase die Spitze des ersteren 

' inpasal. DieMS wird aufi-echt in eins der Löcher gestellt und 

-> schnalUr Bew^ang gequirlt, bis das Holz in Brand geräth. 

nde Kcdtl^ und will Feuer anmachen, so nimmt man trocke- 

lie Eoble hineiD, bläst sie an und schwenkt das Gras stark 

-< brennt 

t der Sotho drei, früh das Frühstück, etwa um U Uhr 

lind Abends die Hauptmahlzeit, lelalelo, das Schlaf- 

I um äo ausser zu schlafen, je besser er sich vollge- 

! in r^aaber geecheaerten Holzschüsseln vorgesetzt; 

r[iiiu gemeinsam in den Topf. Löffel, Messer und 

■i,i^ es ^t auf gut Türkisch zu. 

«ha il (^ die Europäer ist Rauchen und Schnup- 

bisher nur bei den jüngeren Männern, 

Wer raucht, der schnupft nur gelegent- 

nmtlich. Die Schnapftabaksdose besteht 

ihShlten Schale einer Baomfrucht (cicas) 

fc X)va Stöpsel bildet ein kleiner Zapfen. 

Priae, 10 wird etwas Tabak in die Hand 




22 HittheiluDfrett ober die Sotho-Neg«r. 

Viehbesttzer oder glückliche Jä^er haben. Daher man das Fleisch auch von 
gefalleoem Yieli nicht verschmäbt. Dagegen Fische mag moa nicht, während 
diese von den Koapa (Knoopttemen) gegessen werden. Sonat haben die Sotho 
nicht sehr viele uns unnatürlich scheinende Geaflsse. Zu diesen gehören 
einige grosse dicke Ranpensorten, sowie die 9 Termiten, wenn sie 
flügge sind. Erstere «erden am Feuer gebraten, letztere gekocht. Eine 
Speise, welche aach f&r mich Wohlgeschmack hat, ist die Wanderheuschrecke, 
wenn sie gekocht ist. Je mehr ich davon ass, desto mehr Appetit bekam 
ich darauf. Menschen, Hunde, Katzen und Federvieh verzehren sie gleich 
gem. Ja, einmal sah ich ein Pferd mit Wohlbehagen eine Korbschüsael voll ge- 
trockneter Heuschrecken fressen. Von wildlebenden Thieren werden ausser 
den Zweihufern gegessen: Quagga, Giraffe, Stachelschwein, Ameisenbär, 
Schuppenthier, auch der Igel, der viel kleiner ist als bei uns. Alle diese 
Fleischsorten habe ich gekostet und, etwa den Ameisenbär ausgenommen (der 
nach Wanderameisen schmeckt), schmackhaft gefunden, besonders die Giraffe 
und das Schuppenthier. Letzteres ist ein Leckerbissen, der nur den Häupt- 
lingen zukommt. Von Amphibien werden die Landschildkröte, kulu, und der 
Riesenfrosch, Mdrtamerto, gegessen. Dass Schakal, Pavian, Krähe oder 
Habicht gegessen wird, kommt selten vor; es ist besondere Geschmackssache 
in Ermangelung besserer Dinge. Kälber werden nicht geschlachtet, das gilt 
als ^0 senya (verwQsten). — Was die Zubereitung von Speisen betrifft, so 
wird die Kafferliirse theils ganz gekocht als Gemüse (k^Qoe), was aber nur 
ein Nothbchelf ist; theils, wie schon erwähnt, als Brei, and zwar süss wie 
sauer (mit saurer Milch). Zu diesem Bebufe wird das Koni von den Weibern 
zwischen Steinen zu Mehl zermablen. Durch Schütteln weiss man die Kleien 
abzusondern. Wohlschiaeckend ist ein Gemisch von Kafferkom, Bohnen und 
M,-lii iHiLJ Kürl.is. Mar 




MittheiluDinen äbor die Sotho-Nefi^r. 23 

Linni^sche Glasse, da es gesondert männliche und weibliche Bäume giht 
Die Schale der blassgelben Kula-Fracht ist dickledrig, ohne Naht. Unter 
derselben 'befindet sich reichlicher, angenehm schmeckender Saft. An dem 
sehr harten Steine sitzt etwas weisses Fleisch. Die Fracht ist «twa im Fe- 
bruar rei£. Zar Bierbereitung quetscht man die Früchte auf, lässt den Saft 
in eine Schüssel laufen und wirft die Schalen weg; den Stein mit dem Fleische 
daran that man mit in den Saft. Zu diesem wird Wasser gegossen, je nach- 
dem man das Bier starker oder schwächer machen will. Dasselbe lässt man 
dann stehen and gahren. Wenn das Getränk zum Gähren gekommen, dann 
schmeckt es angenehm süsssäuerlich, fast limonadenartig; es ist aber berau- 
schend. Je mehr der Gährangsprozess fortschreitet, desto saarer wird der 
Geschmack, desto berauschender auch die Wirkung. Schon die Früchte, 
weon man deren viele aussaugt, bringen einen Zustand wie Berauschung zu- 
wege. Als ich die Früchte kennen lernte, las ich unter einem Baume — sie 
fallen, wenn reii, alsbald Ton selbst ab — nach HerSenslust auf und saugte 
ao8. Ich hatte eine gute Anzahl genossen , da auf einmal ward mir der Kopf 
schwer, als ob ich zu viel starkes Getränk zu mir genommen hätte; ich 
mossie nach Hause gehen und mich hinlegen. Andere vertragen freilich die 
Fruchte ohne Beschwerden. 

Als Feuerheerd dient eine runde in den Hof vor dem Hause oder in den 
Fassboden des Hauses eingelassene runde, flache Vertiefung; einige Steine 
bilden den Untersatz für die Töpfe. Wo man nicht schon Zunderbüchsen 
mit Feuerstahl u. dgl. hat, da macht man Feuer vermittelst zweier Hölzer, 
eines zugespitzten Stabes von hartem Holze und eines Stückes von weiche- 
rem Holz, in welches Löcher gebohrt sind, so dass die Spitze des ersteren 
Holzes hineinpasst. Dieses wird aufrecht in eins der Löcher gestellt und 
dann damit in schneller Bewegung gequirlt, bis das Holz in Brand geräth. 
Hat man glimmende Kohlen und will Feuer anmachen, so nimmt man trocke- 
nes Gras, steckt die Kohle hinein, bläst sie an und schwenkt das Gras stark 
hin and her, bis es brennt. 

Mahlzeiten hat der Sotho drei, früh das Frühstück, etwa um 11 Uhr 
Vormittags die zweite und Abends die Hauptmahlzeit, «elalelo, das Schlaf- 
essen. Der Sotho meint um so süsser zu schlafen, je besser er sich vollge- 
gessen. — Die Speise wird in sauber gescheuerten Holzschüsseln vorgesetzt; 
in Ermangelung deren langt man gemeinsam in den Topf. Löffel, Messer und 
Gabel werden nicht vorgelegt, es geht auf gut Türkisch zu. 

Seit Einfuhrung des Tabaks durch die Europäer ist Rauchen und Schnup- 
fen allgemeine Volkssitte; ersteres bisher nur bei den jüngeren Männern, 
letzteres bei beiden Geschlechtem. Wer raucht, der schnupft nur gelegent- 
lich; die Nichtraucher schnupfen sämmtlich. Die Schnupftabaksdose besteht 
aas einem Büchschen aus der ausgehöhlten Schale einer Baumfrucht (cicas) 
oder einem kleinen Kalebass-Kürbiss. Den Stöpsel bildet ein kleiner Zapfen. 
Bekommt man nun Appetit auf eine Prise, so wird etwas Tabak in die Hand 



24 Hittheiinnfteii aber di« Sotfao-N«g«f. 

geschattet oder in ein FelUtückchen , das man znSRmmeDgeroUt »m Halae 
oder an der Hüfte trä^ (ein Sehn apftüch lein in andrem Sinn als bei ans); 
and dann wird mit nirossem Behagen geschnnpft. Die Prisen werden so stark 
genommen, dass sie das Wasiier aus den Augen treiben, was unter Beglei- 
tnng eines wonnigen Stöhnens geschieht. Die Sitte, Ändere mitschnupfen zn 
lassen, haben die Sotho such angenommen. Ihren Tabak bauen die Sotho 
selbst Den Schnupftabak bereitet man, indem man trockene Tabi^sbl&tter 
zwischen Steinen mahlt. Das Pulver wird angefeuchtet nnd zu einer Art 
länglichen Brotchen geformt, die man trocknen lässt. Diese Brotchen bringt 
man in den Handel. Wenn man davon gebrauchen will, wird ein Stück ab* 
gebrochen, wieder gemahlen und ein wenig angefeuchtet; so wandert es in 
die Dose und in der Folge nach und nach in die geräumigen Nasenlöcher. 
Schnnpfen ist noch mehr, wie Essen, ein so wichtiger Act, dass man sich 
dabei nicht st5ren lässt. Zum Kaucben nimmt man Blätter, die man hat 
BcJiwitzen und dann troclnen lassen; man bewahrt sie in Bündeln zusammen- 
gelegt und in Gras oder kleine Matten gewickelt auf. Will man davon ge- 
brauchen, 80 bricht man etwas nb und »erdrückt ee in der Hand, so dass es 
sich in die Pfeife stopfen lässt. Die Pfeifien kauft man von europäischen 
Händlern oder schneidet sie sich aus Serpentinstein. 

Wir gehen nun weiter dazu über, das Leben und Treiben der Sotho 
zn beschreiben. Die meiste Arbeit fällt den Weibern zu. Wasserholen, 
Kommahlen, Kochen, Brennholz holen, das ist bei ihnen täglich da» Ge- 
nannte. Ausserdem kommt ihnen die Töpferei, die Aufführung der Haus- 
mauern und die Herstellung des Fussbodens zu. Töpfe, Schüsseln, Körbe, 
Holzbündel u. dgl. werden von den Weibern auf dem Kopfe getragen. Trotz- 
dem erinnere ich mich nicht, ein Sotho-Weib mit einem Kröpfe gesehen za 
haben. Die irdenen Töpfe und Schüsseln werden von den Weibern mit der 




)fitthei1iin(|[«n nber die Sotho-Neg«r. 25 

M ä n n e r a r b e i t ist die Korbflechterei , die Seilerei , die Ar- 
beit in Holz nnd Metall, wie in Fellen, die Auff&hrang der Steinmauern und 
die Besorgnng des Viehes. Männer tragen auf der Schulter, nicht auf dem 
Kopfe. - Kleine Korbschüsseln und Körbe werden aus dünnen, schwanken, 
biegsamen und zähen Ruthen geflochten, grössere auch aus Bast, die ganz 
grossen Komkörbe aus Oras mit Bast oder Ruthen genäht. Die Körbe ha- 
ben £Mt dieselbe kugelige Gestalt wie die Töpfe. Im Geflechte bringt man 
gern zackige Muster an. Zur Aufbewahrung von Korn werden mitunter un- 
geheuer grosse, wohl 6, T hohe Körbe geflochten, in welche wohl mehr hinein- 
geht, als in den Bunzlauer grossen Topf. — Die Seilerei besteht im Fertigen 
Ton Bindfaden, Stricken zu Sprenkeln und Zäunen u. s. w., von Netzsäcken, 
die geknüpft werden Das Rohmaterial dazu ist Baumbast, der zu Faser zer- 
kaut nnd dann mit den Händen gedreht wird. Man weiss auch aus wilder 
Baumwolle Tcrmittelst einer Spindel Garn zu drehen. — Beim Hausbau be- 
sorgen die Männer den Dachstuhl. Es werden Stangen gehauen, diese auf der 
Erde zusammengesetzt und mit dünneren Qnerstangen oder Ruthen verbunden ; 
letztere werden mit nassen dünnen Fellriemen oder einer Art zähem Gras- 
flechtband befestigt. Ist der Dachstuhl fertig, dann wird er auf die Mauer 
des Hauses gesetzt. Darauf folgt das Decken mit Gras oder Rohr, wozu 
ebenhlls nasse Fellriemen oder Grasband benutzt wird. Oft wird das Gras 
nur mit der Hand ausgerupft, nicht mit Messer oder Sichel geschnitten, dann 
lose auf dem Dachstuhl über einander gelegt und von aussen von oben her 
mit Grasband umwunden. Diese rohe Art zu decken ist dauerhafter und 
widersteht auch heftigem Winde mehr, als man denken sollte. Das kleine 
Beil, mit dem die Stangen gehauen werden, läuft nach hinten spitz zu; mit 
diesem spitzen Ende ist es in den keulenförmigen nach oben sich verdicken- 
den und mit einem Loche versehenen Stiel eingelassen. Zum Festnähen des 
Deckgutes hat man hölzerne platte Nadeln, etwa 1 bis l^^' lang. Die Gitter- 
thüren, Thürschieber, Pfahlzäune werden ebenfalls von den Männern besorgt, 
reap. gezimmert. Ebenso das Holzgeschirr. Zum Aushauen desselben hat 
man ein dem Beil ähnliches kleineres Werkzeug, bei dem das Eisen aber 
quer steht, also eine Art Dächsei. Zum Glattfeilen dienen rauhe Sandsteine. 
~ Für die Metallarbeit wird das Rohmaterial meist von den Roka^ einem 
nördlicheren Volksstamme, bezogen. Auch kauft man viel Eisen und Messing- 
Draht von Enropäem. Die Schmiede bilden eine besondere Zunft. Wer das 
Handwerk lernen will, muss theures Lehrgeld an Vieh bezahlen. Zum Schmie- 
den hat man einen Doppelblasebalg; derselbe besteht aus zwei Fellsäcken, 
die nach vom zwei in eine Thonröhre auslaufende Mündungen haben, hinten 
offen und mit einer Art Rahmen und mit Handhaben versehen sind, ähnlich 
wie die Oeffnang einer Reisetasche. Um die Kohlen anzufachen, werden ab- 
wechaelnd im Takt die beiden Säcke geöflBiet und geschlossen. Der Betref- 
fende, der kauernd niederhockt, hat dabei in jeder Hand den Henkel eines 
Sacket. Den Amboea des Schmiedes bildet ein harter platter Stein. Schmiede- 



26 llitth«i)iiDg«ii über die Sotho-tteger. 

kobleo bereitet man ans geeigDet«m Holze, welches man ausgeglüht and dann 
mit Wasser gelöscht. Einzelne Schmiede sind sehr geschickt, besorgen z. B. 
feine Gewehrreparatnren, die sie sogar künstlich zu verzieren wissen. — 

Das Gerben von Fellen geschiebt, soweit ich es beobachtet, auf folgende 
Weise. Grosse Felle, von Rindero z. B., die man zu Karossen v^'arbeitan 
will, werden frisch oder eingeweicht, glatt anf der Erde ausgespannt und mit 
langen Domen als Speilem befestigt. Ist das Fell getrocknet, so wird es 
mit dem Dächsei gerauhet, um Fett- und Fleischtheile zu entfernen, überhaupt 
um es dünner zu schaben. Dann wird es mit Fett eingeschmiert und mit 
dea Händen weich gerieben und geknetet Zu letzterem Behufe sitzt eine 
ganze Gesellschaft um das Fell hemm, von der jeder Theilnehmer seines 
Ortes daran arbeitet, was gern taktmö^eig unter lustigem Gesänge geschieht. 
Kleine Felle von Schakalen, wilden Katzen u. dgL werden am liebsten firiach 
in ihrem eigenen Fettgehalte gerieben nnd geknetet, bis sie trocken und zu- 
gleich weich genug sind. Zum Nähen von Karossen oder Fellsäcken (für 
welche die Felle enthaart werden) dienen Sehne in Fasern als Garn nnd 
Pfriemen als Nadel. Die Nähte werden sehr sauber und kunstfertig ausge- 
führt. Auf der Fleischseite bringt man auch eingeschnittene Arabesken nnd 
dgl. Figuren als Zier an. Zu einem ordentlichen Schakatkaross gehören 20 
schöne grosse Felle; zu einem Dacbskaross 40; zn einem Pantberkaross 
etwa 6. — Die Schanz- und Yiefaho&nanem werden ans geschickt anf einan- 
der geschichteten Bruchsteinen ohne Mörtel aufgeführt. Einzelne Eingeborene 
verstehen auch schon recht hübsche viereckige mit Mörtel gemauerte Häuser 
aus eotchen Steinen zn biuien; aber zum Manem mit Ziegelsteinen stellen 
sie sich noch ungeschickt an. Ziegelformen verstehen di^egen schon sehr 
Viele. — Mit dem Viehe hat das Weibervolk nichts zn Uiun. Schafe und 
Ziegen werden von Knaben, das Rindvieh von Jünglingen gehfitet. Melkge- 




Mittheiluni^n über die Sotho-Ne^r. 27 

ich einmal Kleinvieh einzutreiben, dessen Hirten dasselbe hatten im Garten 
Schadenthon lassen. Die nichtsnutzigen Hirten, die in Act Niihe waren, 
pfiffen; sofort jagte das Vieh im Galopp davon, hinter den Hirten drein, die 
sich so der Strafe zu entziehen wussten. Sobald irgend ein Alarm entsteht, 
der etwa Feinde meldet, sieht man von allen Seiten auf gegebene Signale das 
Vieh wie rasend nach Hause stürmen, die Hirten hinterdrein — Butter wird 
nicht gemacht; wo es vorkommt, hat man es wohl von den Europäern; es 
geschieht durch Quirlen oder Schlenkern. Saure Milch geniesst man gern; 
dieselbe wird vorher in ein Korbgefass gegossen, so dass die Molken ab- 
laufen. — Ochsen werden ausser zum Schlachten auch zum Reiten oder Pack- 
tragen gebraucht. Zu letzterem Behuf bekommen sie einen Zaumstrick durch 
die Nase. Schweine und Hühner haben sich erst theilweise eingebürgert, 
auch Katzen, die aber gewöhnlich verwildem. Hunde hält man der Jagd 
wegen so viel als man kann. Die eingeborenen Hunde sind gegen den Men- 
schen feige, ihr Gebell ist mehr ein Geheul. Ihr Aussehen erinnert an den 
Schakal. Sie fressen allerhand Dinge, welche civilisirte Hunde nicht fressen. 
Auch an menschliche Leichen machen sie sich. Es hängt dies wohl zum 
Theil damit zusammen, dass man ihnen wenig zu fressen giebt. Eine Aus- 
nahme machen die Häuptlinge, deren Hunde gewöhnlich gut bei Fleische 
sind. Von eigentlicher Dressur ist nicht die Rede. Sehr erpicht ist man 
darauf, gute europäische Hundesorten zu bekommen. 

Eine Männern und Weibern gemeinsame Arbeit ist der Feldbau. 
Zum Umbrechen des Bodens hat man grosse runde Hacken mit spitzem Eisen- 
stiel, der in den langen keulenförmig verdickten, oben mit einem Loche ver- 
sehenen Holzstiel eingelassen ist, gerade so wie Beil und Dächsei. Das 
Säen geschieht so, dass man mit einer eisernen oder hölzernen kleineren 
Hacke in der Rechten den Boden aufhackt und mit der Linken das Samen- 
korn in das entstandene flache Loch wirft, worauf letzteres mit der Hacke 
wieder zugeschoben wird. Häuptlinge oder reiche Leute bestellen ein Auf- 
gebot von Ackerleuten, welche in Reih und Glied hacken und säen. Dafür 
werden ihnen zum vergnüglichen Mahl Ochsen geschlachtet. Gesäet wird 
sobald im Oktober genügend feuchtender Regen gefallen ist. Der Häuptling 
macht den Anfang. Die nächste Hauptarbeit nach dem Säen ist das Gäten. 
Wenn das Korn abgeblüht hat, beginnt — etwa im Februar — das Vogel- 
scheuchen bis zur Ernte, die im Mai stattfindet. Beim Ernten werden die 
Komrispen abgebrochen und in Haufen gebracht, worauf das Dreschen folgt. 
Die Dreschtenne befindet sich auf dem Acker, ist kreisrund, mit einem er- 
höhten Rande versehen. Das Dreschen geschieht durch Ausschlagen mit 
Hölzern. Gefeiet wird folgendermassen : Man nimmt eine Korbschüssel voll 
Korn, hält dieselbe hoch und lässt allmälig das Korn im Winde auf die 
Tenne fallen. Die Spreu wird verbrannt, das Korn in grossen Korbschüsseln 
von den Weibern oder in Säcken von Männern oder durch Packochsen nach 
Hmaae in die grossen Komkörbe gebracht. Letztere stehen unter der Ve- 



38 ' MittbeJInDKen über die Sothft-Neg«r. 

rands des Haiiaes oder anter einem eigends dafür erbanten aof P&hlen rohen- 
den raDden Dache. Mitunter sieht mao riesige Kom körbe unter solchen 
Dächern draussen im Felde in der Nähe des Ackers. Ansser den KornkSr- 
bea hat man auch grosse lan^e ungebranate Töpfe ans Thon, der mit Asche 
und Kabmist vermischt ist. Töpfe wie Körbe werden mit einem Deckel be- 
deckt, der dann mit einem (üemenge von Erde, Asche und Kuhmist ver- 
schmiert wird, am Insekten abzuhalten. Zum Schutze gegen die Calander 
vermiscbt man das Kom mit etwas Asche. Unter die Kombehälter werden 
wegen der Wanderam eisen Steine gesetzt. In Miihkopane'g Lande bewahrt 
man das Korn in Gruben im Viehkraal auf, am es vor den Calandem zu 
schützen. Letztere kommen zwar da nicht hinein, aber der Geschmack von 
dem über der Grube liegenden Kuhmiste zieht hinein, der sehr unangenehm 
ist. Man wählt da von zwei Uebeln das geringere. Der Kuhmistduf); , der 
das Korn durchzogen, scheint jaa&brigens nicht ungesund zu sein. — Die 
gewöhnliche Zeit, aufe Feld zu gehen, ist nicht vor etwa acht Uhr Morgens. 
Man trühstückt erst zu Haase; dann geht es hinaus. Wer bis dahin nichts 
zu thuD hat, sitzt mflssig in der Sonne oder heim Feuer. In der Zeit dt^e- 
gen, wo die Vögel aas dem Kom gescheucht werden müssen, ist man schon 
sehr früh im Felde und spät daheim. Viele bauen sich Gestelle mit oder 
ohne Dach, woranf sie sitzen, am den Acker übersehen za können. 

Noch ist einer besondem Kunstfertigkeit zu gedenken. Kinder verstehen 
ans Thon allerhand Fignren, besonders Tbiergeetalten , zu bilden, welche in 
ihrer Art recht naturgetreu nachgeahmt sind. Unter den männlichen Erwach- 
senen findet man geschickte Schnitzer von Löffeln, Stöcken n. dgl., an wel- 
chen Bildwerke von Pavianen, Keitem, Menschenköpfen n. s. w. ange- 
bracht sind. 

Jagd ist eine Lieblingsbeschäftigung der Sotho. Auf derselben bringen 




MittheiluDgen über die Sotho-Neg«r. 29 

WÖLB welcher er Mühe hatte, das Pferd herauszubringen. Um das Wild nach 
der Falle zu leiten, macbt man Gehege, wo die Falle liegt, lässt man einen 
Durchgang frei. Panther und Hyänen fangt man in Fallen, die aus zwei 
Reihen starker in die Erde gepflanzter Pfahle bestehen, welche letzteren 
einen engen, hinten geschlossenen Gang bilden. Zwischen diesen P&hlen 
werden ein Paar mit Steinen beschwerte Balken vermittelst eines Holzes so 
aufjf^estellt, dass bei einem Stoss an dieses die B^ken mit den Steinen herab- 
fiüien. Hinter das Stellholz oder den Stellpfahl wird Fleisch gelegt. Das 
lüsterne Kaubthier sucht sich bei dem Stellpfahle durchzudrängen, um zu dem 
Fleische zu gelangen. Da fällt die ganze Geschichte von oben herunter und 
auf das Thier. Auf einer Reise fand ich selbst einmal eine grosse Hyäne, 
die sich auf solche Weise gefemgen hatte und noch lebte; ich gab ihr den 
Todesschuss. — Wird auf einer Jagd ein Löwe oder Panther erlegt, so wird 
sein Fell in feierlicher Triumphprocession, wie eine Fahne hochgetragen, 
unter schallendem Gesänge nach Hause gebracht, um dem Häuptlinge, dem 
es gehört, überreicht zu werden. — Hunde hat ein Jäger oft vier bis sechs 
mit sich, die ihm das Wild fangen oder stellen. Besonders zum Schakalfange 
werden sie gut gebraucht. 

Von der Jagd gehen wir zum Kriege über. Die Eriegswa£Fen bestehen 
aus Wurf- und Sto^sspeeren, Wurfkeulen und Schild. Die Stossspeere sind 
kürzer und schmaler, als die der Kaffem, die ledernen Schilde viel kleiner 
und bei den Sotho, unter denen ich gelebt, von kreisrunder Form. Seit Ein- 
fuhrung des Feuergewehres verdrängt dieses immer mehr die ursprünglichen 
Waffen. Der sonstige Kriegerschmuck besteht aus quaggaledernen Beinschie- 
nen am Unterschenkel; gern beputzt man auch das Haupt mit Federn. Die 
schwarzen Straussenfederbüsche, wie die Kaffern sie tragen, kommen bei den 
Sotho seltener vor. Ein Stück blaues Salampore (dünner baumwollener Zeug- 
stoff) vor der Brust, über die linke Schulter geknüpft, ist besonders bei den 
Peli als Kriegsschmuck beliebt. Gesicht und Unterschenkel malen sich die 
Krieger gern mit weisser Erde an. Auf meine Frage, was das bedeute, er- 
hielt ich die Antwort: ooj^ale (gleich Schärfe, sodann Zorn, Wildheit, Tapfer- 
keit). Mir fiel dabei der Ausdruck ein: „blass vor Zorn." — In den Kriegen 
wird Alles umgebracht, was man, wie etwa Weiber und Kinder, nicht lieber 
ge&ngen wegführt Die besiegten Orte werden angezündet, Vieh und son- 
stiges Werthvolle mitgenommen. 

Volksbelustigung ist besonders der Tanz, den man am liebsten im 
Mondenschein ausführt. Man steht dabei in Reihen einimder gegenüber, 
stampft mit den Füssen, hüpft und macht sonstige Körperbewegungen; Alles 
im Tacte. Diesen gibt das gleichmässige Stampfen mit den Funsen, Hände- ^ 
klatschen, der begleitende Gesang oder die Trommeln an. Letztere bestehen 
aus ausgehöhlten Holzblöckeii mit Boden ; oben ist ein Fell darüber gespaunt. 
Sie werden mit den Figuren geschlagen. Ihre Höhe ist 2 bis 3 Fuss. — 
Musik ist sehr beliebt. Die wenigen musikalischen Instrumente, die ich bei 



30 HittlMiliuigHi ütw die Sotlu>-Neger. 

den Sotho gesehen, sind alle sehr roh, wie überhaupt bei ihnen die Musik 
auf der niedrigBten Stufe steht. Das eine luBtrument besteht ans einem mit 
einer Sehne bespannten Bogen, an dessen innerer Seite ein kleiner ausge- 
höhlter Kürbiss befestigt ist, so dass die Sehne auf der OeSbimg desselben 
ruht. Auf diese Weise gibt die Sehne, die mit einem Stäbchen geschlagen 
wird, zwei Töne von eich. Das Instrument wird gern zur Begleitung des 
Einzelgesanges benutzt Ein anderes besteht ans einem ganz flachen, mit 
einer Sehne bespannten Bogen. An dem einen Eude der Sehne ist der Länge 
nacli ein Span von einer Federpoae befestigt. Man nimmt das Ende in den 
Mund und erzeugt durch Blasen mittelst des Federspanes verschiedene ziem- 
lich starke, etwas schnarrende Töne, die an solche von Metallzongeo er- 
innern. Sonst hat man auch Knochen- uud Rohrpfeifen, Hohlpfeifen, die auch 
oft zu einer Art Fimflöte zusammengesetzt werden, wobei jede einzelne Pfeife 
einen besonderen Ton hat. 

Der Trommeln wurde schon Erwähoung gethan. Werden mehrere zu- 
gleich geschlagen, so hat auch jede ihren besonderen Ton. Kriegermarsch 
wird mit schrillendem Pfeifen begleitet — Bei dem Gefallen an Musik ist es 
natürlich, dass auch viel gesungen wird. Der einzelne Arbeiter singt gern 
bei seiner Arbeit. Arbeiten in Gesellschaft, die sieb im Tact ausführen lassen, 
werden oft mit Gesang begleitet Zum Tanze wird immer gesungen. Die 
Weise, die der Einzelgesaug bat, ist gewöhnlich so beschaffen, dass sie in 
der Höbe anlangt und regellos in die Tiefe geht. Der Text ist dann ein 
beliebig ersonnener. Zum Tanze wird im Chor gesungen, ebenso bei im Tact 
ausgeführten Arbi'iten. Daneben giebt es aach Sologesänge mit Begleitung, 
die besonders auf dem k({fi-o beim Fellgerben, Earossnähen, Korbflechteu 
u. dgl. Arbeiten zur Autführung kommen. Die Textzeilen werden vom Solo- 
sänger willkürlich abgethcilt; oft fängt er in der Mitte an und bringt erst 




Mittiieilimgen über die Sotho-Neger. 81 

finden sich nicht darin. Doch erinnert die Form sehr an die hebräische 
Poesie. Jedes Lied hat seinen Titel, meist nach dem Anfange, wie ja auch 
bei uns üblich. Proben von Liedern und Weisen gebe ich weiter unten bei 
den sprachlichen Mittheilungen. 

Was die Verfassung betrifft, so ist der Häuptling unbeschränkter 
Herrscher Qber sein Volk, Despot Die Despotie wird aber durch die Rück- 
sichten gemildert, welche der Häuptling auf seine Unterthanen nehmen muss; 
denn wenn er sie zu hart behandelt, fliehen sie zu andern Häuptlingen, und 
seine Macht wird dadurch geschwächt. Kleinere Häuptlinge begeben sich, 
um nicht steter Beraubung ausgesetzt zu sein, unter den Schutz eines grösseren, 
dessen Vasallen sie werden. Auf jedem grösseren Kraale stehen unter dem 
Kraalhänptlinge noch Vorsteher der einzelnen zusammenwohnenden Sippen, 
die als Unterhäuptlinge geehrt werden und es auch durch ihre Geburt schon 
sind. Je höher Eliner geboren ist, desto mehr Ansehen geniesst er. — Die 
Sotho sind ein geselliges Volk, daher sie gern in grösseren Ortschaften zu- 
sammen sich anbauen. Es gibt viele Orte mit Tausenden von Einwohnern. 
Die grösste Sotho-Stadt, die ich gesehen, ist die des Tf^ana-Häuptlings Mo- 
roke im Orauje-Freistaat am Thava^nUu^ d. h. dem schwarzen Berge; diese 
Stadt wurde 1863 auf etwa 20000 Einwohner geschätzt Die Ortschaften 
selbst haben keinen Namen; seine Heimath anzugeben, bedient man sich des 
Namens des Berges oder des Flusses, an welchem man wohnt, oder man be- 
nennt sie nach einem früheren Häuptlinge, der da gewohnt, z. B. ^a Soopela 
SoQpeUCis Heim. — Von Regieren ist bei den Häuptlingen eigentlich nicht 
die Rede. Ihre Macht hält ihr Reich zusammen. Fürsorge für das Land 
kennen sie nicht; das Höchste ist ihnen die Fürsorge für sich selber. Die 
amtlichen Geschäfte beschränken sich hauptsächlich auf Gerichthalten und 
Politik. Zu diesem Zwecke werden Sitzungen abgehalten, denen die Vor- 
nehmsten, besonders die Alten unter ihnen, beiwohnen. Die geben in jedem 
Falle, der zur Verhandlung kommt, ihr Votum ab, welches der Häuptling 
wohl meist respectirt, an das er aber nicht gebunden ist Wissen die Räthe 
etwa, wozu der Häuptling neigt und dass sie mit anderslautendem Votum 
ihn erzürnen würden, so wagen sie es wohl selten, anders zu votiren, als 
der Häuptling will. Doch wissen sie sonst durch Schlauheit und lieber- 
redungskunst einen grossen Einfluss auf ihn zu üben. — Für Processe giebt 
es ein formliches richterliches Verfahren mit Zeugenverhör, wobei oft erstaun- 
licher Scharfsinu, Pfiffigkeit und Verschlagenheit zu Tage kommt. Für Ge- 
rechtigkeit des Urtheiles ist freilich keine Garantie vorhanden. Wie es dem 
Häuptling beliebt, so urtheilt er. Mitunter sind es die Räthe, die an Jemand 
ihr Müthchen kühlen wollen; da ist eine Verurtheilung bald ins Werk ge- 
setzt. Privatpersonen gelingt dies oft durch Bestechung des Häuptlings wie 
der Räthe durch Geschenke, durch welche es auch häufig gelingt, sich von 
der Strafe loszukaufen. Abgesehen von diesen Willkürlichkeiten hat die 
Rechtspflege ihre Norm an Sitte und Herkommen. Auf Mord steht der Tod; 



82 Mittheünngen über die 8oUio-N«g«r. - 

man kann sich aber loskaufen, wenn man Vieh genug hat Zauberer und 
Giftmischer werden ebenfalls mit dem Tode bestrah. Qegen Unzacht und 
Ehebrucli ist man gelinder; oft kommt dergleichen gar nicht zur Klage. Ffir 
Diebstabl must» Schadenersatz und Bussgeld darQber gettdilt werden. Auf 
Verratb und Widersetzlichkeit gegen den H&uptling steht der Tod. Todes- 
nrtheile werden auf verschiedene Weise auagefohrt. Die am wenigsten gran- 
same Art ist Erschlagen mit Wurfkenlen oder Erstechen, neuerdings auch 
Erschiessen. Wegen Zauberei und Giftmischerei Verurtheilte werden auf 
eine gräuliche Weise hingerichtet, indem ihnen ein Pfahl vom After aus durch 
den Leib getriebon wird. Uebrigens sind die SoÜio-H&nptUnge bei weitem 
nicht so eilend, Blut zu verj^iessen, als die Kafferhäuptlinge. Von blut- 
dürstigen Ungeheuren wie 'J'^ak/ia oder Umsaäzi habe ich bei ihnen nichts 
gehurt. — Gezahlte Bosse f&Ut dem Häuptling zu, der darum gerne da ver- 
urtheilt, wo etwas zu fischen ist, wie er auch gerne losspricht, wo dies ihm 
nen erklecklichen Gewinn bringt. Ohne Geschenk geht man gewöhnlich 
icbt zum Häuptlinge, wenn man eine Sache bei ihm aozubringea hat. — 
inkünfte des Häuptlings sind: die Felle von erlegten Löwen und Panthern. 
Auch von anderer Jagdbeute werden den Häuptlingen Felle abgegeben. Aach 
vom erbeuteten Fleische erhalten sie bestimmte beste Stacke. Ausserdem 
werden Abgaben in Bier, Korn u. s. w. entrichtet. Vom ersten Stflck Vieh, 
welches ein junger Mensch sich erarbeitet, bekommt der Häuptling das erste 
Kalb. Kehren Arbeiter aus der Kolonie zurück, so erhält er von dem, was 
sie mitbringen, ein gutes Geschenk, oder er sucht sich irgend ett^as aus, 
was ihm getällt - Von dem Gebiete, welches er beherrscht, wird der Häupt- 
ling als Grunde ige nUiOmer angesehen; er weist seinen Unterthauen au, wo 
sie ihren Acker haben sollen. 

Bei Hofe wird eine bestimmte Etiquette beobachtet. Wenn mau den 




MittheUungen über die Sotho-Nefj^. 88 

hohen Herrn „weiss^, d. b. glücklich macht. Das Geschenk darf aach nicht 
zu unansehnlich sein, sonst findet der Geber nicht Gnade. Ein Bündel 
l^Iessingdrath von etwa 6 bis 10 Pfund Schwere, eine Decke, ein Schaf oder 
eine Ziege wird schon mit Wohlgefallen angenommen; noch „weisser^ aber 
wird das Herz über einen guten Ochsen oder eine junge Kuh. Am liebsten 
wird Pulver, Blei oder ein Gewehr gesehen, welche Gaben für uns Missionare 
in Transvaal verboten sind, da wir uns verpflichtet haben, den solches nicht 
gestattenden transvaalschen Gesetzen nachzukommen, was uns freilich oft in 
missliche Stellung bringt, indem die Heiden nicht einsehen, warum der 
Missionar sie nicht mit Waffen und Munition versorgt, und ihn daher als im 
Bande mit den verhassten Boei^s betrachten. Gewissenhaftigkeit verstehen sie 
eben nicht zu würdigen. — Bei Unterhaltung mit dem Häuptling giebt man 
seine Aufmerksamkeit zu erkennen, indem man bei jedem Satze desselben 
ausruft: j^Morenal^ oder y^Kj^osi!*^ oder y^Thovela!^ oder „TamaM" u. dgl. 
— Kommt ein Häuptling zu einem anderen zum Besuch, so wird für ihn und 
seine Begleitung geschlachtet. Der hohe Gast wird nicht blos bei Tage mit 
Essen und Trinken bewirthet; auch für die Nacht sorgt der Wirth für den 
Gast aus seinem Harem. Weniger hohe Gäste bekommen etwa ausser einem 
guten Trünke und dem üblichen Kafferkornbrei einen Schlachtbock geschenkt, 
den S(ie sich zubereiten lassen und von dem ihre Bedienung und wer sonst 
in der Nähe, mitisst. Als Leckerbissen wird Einem wohl auch eine Kürbis- 
schale mit wildem Honig vorgesetzt. Zur Bedienung wird ein bestimmter 
lanka (Diener) bestellt, welcher für Logis sorgt. Sehr gnädig nimmt es der 
Häuptling auf, wenn man ihm von dem geschenkten Schlachtbock hernach 
eine Keule schickt. — Ein Geschenk vom Häuptling (auch sonst von jemand) 
nicht annehmen, gilt als Verletzung der guten Sitte. Ein Häuptling wollte 
mir einmal eine halbe Krone schenken; mein Gefühl sträubte sich dagegen 
und ich nahm das Geld nicht an. Man bedeutete mich hernach, ich hätte 
es sollen annehmen, dann hätte sich der Häuptling geehrt gefühlt. — Wer 
als Person von Kaug gilt und öfter mit dem Häuptling zu thun hat (wie z. B. 
der Missionar), für den wird aus den Hofbedienten ein ständiger Vermittle- 
bestimmt, an den auch alle gegenseitigen Botschaften zunächst gehen. 

Zur Heeresfolge ist jeder männliche Sotho seinem BLäuptlinge verpflichtet 
Das Aufgebot geschieht nach Altersclassen; alle zugleich Beschnittenen 
bilden eine Classe. Vom kriegerischen Aufgebot, ebenso von dem zur grossen 
Jagd, ausgeschlossen sind die noch nicht Beschnittenen; auch die Alten 
bleiben daheim. Auch zu Frohnarbeiten finden Aufgebote statt. 

Die Häuptlingswürde ist erblich ; die Nachfolge kommt dem Erstgeborenen 
der sogenannten „grossen" Frau zu. Da Häuptlingstöchter sich gewöhnlich 
nach auswärt^) verheirathen, so kommt weibliche Thronfolge selten vor; Be- 
rechtigung dazu ist aber vorhanden. Ist der Nachfolger beim Tode seines Vaters 
minderjährig, so übernimmt seine Mutter, resp. ein Oheim oder eine Base, 
auch etwa ein älterer Halbbruder, die Regentschaft für ihn. Oft giebt es 

2«liMkrHt fdr KtLnulugt«, .Ubrsauf 1973. 3 



34 HittheUnngen aber dla Sotho-Nsg|w. 

blutigen Streit um die Thronfolge. Da ist vielleicht eine Fran des verstor- 
benen Häuptlings, welche von Gebort die vornehmste ist, und wieder eine 
andere, die etwa Favoritfrau war und dem Häuptling die Erklärung abgelockt, 
sie sei die „grosse" Frau, und das Versprechen, ibr Erstgeborener solle TLiim- 
folger sein. Solche Erklärung und solches Versprechen wird nach Ableben des 
Häuptlings nicht respectirt, sobald der Erstgeborene der vornehmsten Frau 
mit seinem Anhange sich stark genug fählt zum Widerstände gegen den Sohn 
der Favoritin ; da wird das Recht der Geburt geltend gemachr. Der Stärkste 
behält da echliesslich Recht. Es kommen noch andere Verwickelungen vor, 
welche die Unsitte der Polygamie mit sich bringt. So war Ma'lekutu, der 
Sohn von Thulare, dem Pe^i'-Häuptling, gestorben; ihm folgte sein Bruder 
Seködli, der auch seine Weiber erbte. Von diesen Weibern gebar die, welche 
Ma'lekutu's „grosse" Frau gewesen, dem Seködli ihren ersten Sohn Ma'mj-jiru\ 
Seködtfe eigentliche „grosse" Frau gebar ihm den Sekhuklmne. Ma'mpuru machte 
nun dem Letzteren nach des Vaters Tode die Herrschaft streitig; Sikukimni, 
als der Stärkere, behielt Recht; Ma'mpura musste fliehen und ist heut noch im Exil. 
Mitunter ziehen die Prätendenten mit ihrem Anhange von einander, so dass 
die Herrschaft sich theilt. 

Was den allgemeinen Verkehr angeht, so gilt auch da Weitschweifig- 
keit im Ausdrucke für Höflichkeit; Kürze und Prägnanz im Ausdrucke heisst 
„hart" sprechen. Die Weise der Europäer gilt als unmanierlich. — Kommt 
ein Fremder zu Jemandes Hause und bittet um Essen, so übt man bereitwillig 
Gaatfreundscbai't, wenn man nur selbst genügend Speise hat. Einem Europäer 
wird diese Sitte oft unbequem. Wenn er Arbeiter aus den Sotho hat 
und dieselben setzen sich zum Essen , so ist es ihre Gewohnheit, jeden Be- 
liebigen, der dazQ kommt, miteaaen zu lassen: sie können es nicht begreifen, 
wenn der Arbeilgeber, weil ihm sonst zu viel draufgebt, dies nicht ohne 




Mittheilungen über die Sotho-Neger. 85 

« was giebt'8 Neues? Hat man nichts zu erzählen, so sagt man etwa: 
„vJudf, /* roceüe^'''' d. h. „Nichts, sie schlafen." Hat man etwas, dann thut 
man erst, als ob mau weiter nichts Wesentliches zu berichten habe, kramt 
aber dann Eins nach dem Andern aus. 

Der Handel ist Tauschhandel. M antauscht untereinander Grossvieh 
f&r zehn Stück Kleinvieh. Hat man Korn genug, so tauscht man, wo es 
fehlte Vieh dafür oin. Wenn der Sotho nicht muss, verkauft er keine Kuh. 
Am meisten sind die Färsen geschätzt, weil man von ihnen noch so und so 
viel Nachwuchs erwarten kann. Ochsen gelten weniger, sind daher eher zu 
haben. Ausser für Koru bekommt man Ochsen und Kleinvieh für Decken, 
Hacken, Messingdraht, Perlen. Von fremden eingeborenen Händlern kauft 
man Matten, Schwingen, Körbe, Hacken u. dgl.; die Fremden wiederum 
kaufen Töpfe, Spangen, Felle u. s. w. Oft werden schöne Schakal- oder 
Dachsteppiche ausgeboten; für einen der ersteren wird ein bis zwei Stück 
Vieh verlangt-, von letzteren bekommt man für ein Stück Vieh einen, ja auch 
zwei. Der Abschluss eines Handels verläuft meist so, dass der Verkäufer 
unmenschlich viel fordert, der Käufer aber wenig bietet. Nun hockt man zu 
einander und bespricht das Object eingehend, wägt Argument gegen Argu- 
ment ab, bis man endlich nach langem Hin- und Herreden, was in aller 
Gemüthlichkeit Stunden lang dauern kann, Handels Eins wird, was freilich 
nicht immer das Endresultat des Feilschens ist. Bei einem Angebot kurz 
sagen: „Ich kaufe nicht!'^ gilt als Beleidigung; es wird aufgefasst, als wenn 
man gesagt hätte: „Ich will mit Dir nichts zu schaffen haben.^ Man muss 
die Ablehnung des Kaufes auf höfliche Art motiviren; dann ist's recht. 

Bei Unterhaltungen oder Verhandlungen fällt man einander nicht ins 
W^ort: man lässt ruhig jeden Sprechenden erst ausreden, ehe man erwidert 
Jemanden anfahren wird als Grobheit übel genommen, auch wenn er es ver- 
dient hat Man will j[a votze (schön, sanft) behandelt sein. — Die Gesticu- 
lation bei der Rede ist lebhaft. Wenn man etwas beschreibt, nimmt man 
aach die Naturnachahmung zur Hilfe, um die Sache anschaulich zu machen; 
man ahmt z. B. den Knall der Peitsche durch Knallen mit den Fingern und 
den folgenden -Nachhall mit dem Munde nach; man ahmt den Schall des 
Galoppirens eines Pferdes, des Schnaubens eines Uhinoc^ros, das Knurren 
und Brüllen eines Löwen nach u. s. w. Die Gesticulation ist oft graciös 
anzusehen; besonders wenn Einer, den Ueberwurf über die linke Schulter 
and den rechten Arm ausgestreckt, Haupt und Körper in stolzer Haltung 
leicht nach hinten gebogen, mit der Linken etwa den Ueberwurf vorn zu- 
sammenhaltend wie ein Senator seine Toga, eine in seiner Meinung wichtige 
Kede halt: wie ein Fürst steht er da, und ist doch oft ein erbärmlicher Lump, 
der nichts bedeutet. 

Wenn Jemand einem Anderen etwas schenkt, so gilt es ganz und gar 
nicht als Nichtachtung des Gebers, wenn mit dem Geschenke nach Belieben 
vcrfahn*u, dasselbe etwa sofort weiter verscheu kt wird. Will man sich für 

8* 



36 mttheilniij^ über die Sotho-Negw. 

eine Gabe durcli eine Gegengabe erkenntlich beveisen, ao darf man bei Leib« 
ja nicht anssprechen, dass die empfangene Gabe der Grund sei; das wftre 
eine Beleidigung. Geschenk muss freies Geschenk aein. Ja da« Zartgef&hl 
geht noch weiter. Ein Sotho war einat wegen Undankbarkeit durch Urtfaeil 
seines Häuptlings genöthigt worden, für einen ihm von mir geleisteten ürzt- 
licben Dienst an mich einen Schlachtbock zd zahlen. Nachdem der Gerech- 
tigkeit in aller Form GenOge geschehen, wollte ich dem Menschen den Wertb 
des Schlachtbockes erstatten, weil ich schliesslich meinen Dienst doch nicht 
wollte bezahlt haben. Mein dahingehendes Anerbieten aber nahm der Mann 
sehr Abel: Wie ich denn von Bezahlung des Bockes sprechen kßnne, den er 
mir ja doch gegeben hätte? Einige Zeit später schickte ich ihm den an- 
gebotenen Gegenstand, aber mit dem Bedeuten: Ich schenke Dir dies. Nun 
erfolgte dankbare Annahme. 

Wir gehen nun za den besonderen Sitten und Gebräuchen über, die 
die Entwickelnng des irdiachen Lebens bei einem Sotho yon der Wiege bis 
zum Grabe begleiten. — Ist ein Kind geboren, so ist die erste Nahrung, die 
ea erhält, nicht etwa die Mattennilch, aondem dOnner KafFerhiraemehlbrei, 
der ihm trotz Schreiens und sich ErAmmens eingestopft wird. Dadurch ist 
das Kind zum Eafierkombreiesser geweiht Dann folgt erat das Säogegeacbftft. 
Wird ein Kind mit einem Gebrechen oder mit Zähnen geboren, so wird es 
von den Wehemättem in einem schon bereitstehenden Topfe mit Wasser er- 
tränkt. Werden Zwillinge geboren, so muss, je nach dem besonderen Ge- 
brauche dea betrefienden Stammes, das eine oder beide Kinder sterben. In 
einem niir bekannten Falle wurden die armen Würmchen trotz der Fürbitte 
einer Christin, die sie zu sich nehmen wollte, in ein Loch im Viehhofe ge- 
worfen, trockener Kuhmist über sie geschüttet, und dann wurden sie todt ge> 
treten. Das neugeborene Kind sieht röthlich aus und wird erat nach und 




Mittheilun^n über die Sotho-Neger. 37 

Reinlichkeit ist wenig die Rede. — Getragen werden die Eindlein auf dem 
Rficken in dem um den Leib befestigten Kaross. Sind sie es schon in 
Stande, so lässt man sie auch oft auf der Hüfte reiten, besonders beim Säugen. 
Oft wird dem Kinde, wenn es das Genick noch nicht steif halten kann, ein 
Riemen mehrmals um den Hals gewunden, damit der Kopf aufrecht bleibe. 
— Die Knaben werden, sobald sie dazu fähig sind, zum Hüten der Schafe 
and Ziegen angestellt; die Mädchen werden mit Aufsicht und Wartung ihrer 
juDgeren Geschwister beschäftigt Die Hütejungen vergnügen sich im Felde 
mit Fechtübungen, zu welchen Schild und Stöcke dienen; sie üben sich auch 
im Werfen mit Wurfkeulen, stellen Jagden nach Hasen und kleinerem Wild 
an, stellen Sprenkel auf und legen Leimruthen u. s. w. Als Vogelleim dient 
die Frucht einer auf den Acacien wachsenden Mistel, welche einen sehr 
klebrigen Stoff enthält; mit letzterem werden Grashalme bestrichen und diese 
dann an Büschen befestigt, so dass die kleinen Vögel, die sich auf dieselben setzen, 
bangen bleiben. Die armen Vögelchen werden oft bei lebendigem Leibe gerupft, 
ebenso grausam ist man gegen die Heuschrecken. Dieselben werden lebendig 
auf eine Ruthe aufgespiesst und aneinander gereiht und so aufs Feuer zum Braten 
gelegt. Einmal sah ich auch, dass Knaben einen Igel gefangen und ihm einen 
Bind&den ans Bein gebunden hatten. Sie Hessen das Thierchen ein wenig 
laufen, dann rissen sie es an dem Bindfaden wieder zurück ; an diesem brutalen 
Spiel hatten sie ihr grösstes Vergnügen. — Ein besonderer Zeitvertreib der 
Knaben ist das schon erwähnte Formen von Thonfiguren. — Die Mädchen ver- 
gnügen sich mit Springen über einen geschwungenen Riemen, sowie mit einem 
dem »Sautreiben'^ ähnlichen Spiel u. dgl., auch mit Tanzen; mit Bauen vonKraalen 
ans Sand, mit Formen von Töpfen u. s. w. Im vorgerückten Sommer, wenn ein 
gewisses Unkraut hochgeschossen ist, bauen sich die Kinder von Letzterem 
Hütten. Werden die Mädchen grösser, so müssen sie anfangen, sich am Holz- 
bolen und Wassertragen zu betheiligen. Haben sie das sogenannte „Backfisch- 
iber"^, so müssen sie mit aufs Feld, um den Feldbau zulernen. Auf diese Weise 
werden sie nach und nach f&r ihren künftigen weiblichen Beruf geschult. 

Zur Einführung des jungen Volkes in den Kreis der £jrwachsenen dient 
ein besonderer Act, das pollo\ die Bedeutung desselben ist die Erklärung der 
weiblichen Reife. Für das männliche Geschlecht findet dabei die Beschnei- 
Inng Statt Polio von voUa (im Tzoana oolola) heisst „Auszug*^, weil die 
Betreffenden hinaus ins Feld ziehen. Das Verb wird im Tzbana auch für 
den Auszug zum Kriege gebraucht. Das pollo findet nicht jedes Jahr Statt 
ind aoeh nicht zu gleicher Zeit für beide Geschlechter. Wer sich ihm nicht 
mterwerfen wollte, würde getödtet, zum mindesten verjagt werden. Alle, die 
laaammen das pollo durchgemacht , bilden eine ^(>^a, Kameradschaft. Jede 
ftf^a hat einen bestimmten Ort Dort wird vom naka die Beschneidung 
roUzogen. Wehe dem, der dabei Angst zeigt oder Zeichen des Schmerzes 
nm sieb gibt! Er erhält unbarmherzige Schläge mit Ruthen von dem bei- 
vohneiiden älteren Mannavolke. Nach vollzogener Beschneidung wird die 



38 Hittheilungen über die Sotbo-Neger. 

gewöhnliche Bedeckung der Lenden^ das k^esüa^ nicht wieder angethan, son- 
dern ein dem der Mädchen ähnlicher Scharz. Die BeBchnittenen bleiben drei 
Monate im Felde, bis sie völlig heil sind. Währenddem vertreiben sie sich 
die Zeit mit Singen und Tanzen; ausserdem werden sie „geschult" von einem 
dazu gesetzten Aufseher (bei dem auch vorher die Anmeldung zur Theilnahme 
am pollo zu geschehen bat). Die Schulung betriff die Einweihung in alles, 
was ein Mann zu beobachten hat. Bei derselben erhalten die Sch&ler von den 
sie besuchenden älteren Beschneidungsclaeaen oft anbarmberzigc Schläge, die 
um so unbarmherziger sind, je mehr Einer Zeichen des Schmerzes von sich 
gibt. Ich habe sehr oft die dicken wnlstigen Narben von Ruthenhieben gesehen, 
welche beim pollo empfangen worden waren. Eine bestimmte Zeit dOrfen 
die Neubeflchnitt«nen kein Wasser trinken. Haite Stäupe lohnt üebertretung 
dieses Verbotes. Die Speise wird den Beschnittenen täglich von bestimmten 
männlichen Personen ins Feld getragen. Eine weibliche Person darf ihnen nicht 
nahen. Nach Verlauf von dreiMonaten ziehen die Be^chnitteDen, mit einem neuen 
kj[4soa angethan, nach Hause. — Das yollo der Mädchen hat mildere Formen. Sie 
ziehen in Begleitung ihrer Aufseherinnen nach einer Stelle am Wasser, wo es tief 
genug zum Untertauchen ist. Dort m&ssen sie einen ins Wasser geworfenen 
Armring tauchend herausholen. Des T^es treiben sie sich im Felde nmbe^, um 
für den weiblichen Beruf „geechnlt" zu werden, daneben zu tanzen und zu singen; 
aber Nachts brauchen sie nicht im Felde zn bleiben ; doch leben sie abgesondert 
Sie schmieren sich mit Asche. An einem Orte sah ich, dass sie Flechten 
von Gras (ähnlich den Strohseilen) wie Shawls um Hals und Brust gewanden 
tragen und zwar über der Brust gekreuzt und auf dem Rücken zusammen- 
gebunden. In der Zeit ihres pollo darf ihnen keine männliche P<Teon zn 
nahe kommen; sie wird sonst von den Aufseherinnen mit Ruthen durch- 




Mittbeilungen über die Sotbo-Neger. g9 

erwähnende Dinge, äthiopischen Ursprunges, dann würde die Sage davon 
ebensowenig wissen, als über den Ursprang eben dieser Dinge. Nur ein 
Umstand möchte für äthiopische Herkunft der Beschneidung bei den Sotho 
sprechen, nämlich dass in Nation alliedem die bildliche Benennung der Be- 
Hchniitenen yfnöana'-köena"^ = „Crocodilskind", d. h. Crocodil, häufig vorkommt 
Doch könnte dies vielleicht auch nur auf die mit dem pollo verbundenen 
Waschungen Bezug haben. 

Wir gehen über zu den Gebräuchen in Betreff der Hei rat h. — Die 
Weiber werden gekauft, doch wird dieser Kauf mit einem anderen Namen 
benannt, als der gewöhnliche, weil es kein Tauschhandel ist. Der Preis ist 
verschieden, je nach der Vornehmheit des Weibes, bis zu zehn Stück Rind- 
vieh. Zuerst wird ein Angeld gezahlt (mo/omo= Mund), später das Uebrige. 
Die Mädchen werden oft schon als Kinder verkauft. Sabald der Handel ab» 
geschlossen, das molomo gezahlt und das Mädchen mannbar ist, erfolgt ohne 
Weiteres der eheliche Umgang; nur bleibt das Weib vorläufig noch zu Hause 
bei seinen Eltern bis zum Feste der Heimholung (^o veka). Zu diesem finden 
sich Verwandte und Bekannte ein, sonderlich die ^ö^ra (Classengenossen) des 
Paare<9. Eine Schmauserei wird veranstaltet. Wenn man dann zuletzt des 
Nachts schlafen geht, begiebt sich das Paar nebst den kj(onyana (Hochzeits- 
gesellen, Bursche und Mädchen) zusammen in eine dunkle Hütte, wo schänd- 
licher Unzucht gefröhnt wird, die aber in diesem Falle legal ist. — Ein zum 
Weibe erkauftes, noch nicht heimgeholtes Mädchen trägt eine kleine Ealebass- 
Dose am Halse, die nOana (Kind) genannt wird. Diese wird abgelegt, so- 
bald nach der Heirath Schwangerschaft eintritt. — Nach der Neigung tsines 
Mädchens wird oft gar nicht gefragt; der Meistbietende erhält die Tochter. 
Es gibt aber auch Väter, die auf die Tochter Rücksicht nehmen. Ist ein 
Mann zu arm, um bald den Preis für sein Weib zu zahlen, so wird ihm etwa 
gestattet, nach Zahlung des molomo die Letztere heimzuholen. So lange er 
aber seine Schuld noch nicht getilgt hat, gehören seine Kinder nicht ihm, 
sondern dem Schwiegervater resp. dessen Erben. In Folge dieses alle Fa- 
milienbande lockernden heidnischen Rechtes kommen Kinder oft in ganz fremde 
Hände. — Auch bei den Sotho herrscht die Polygamie. Je nachdem einer 
vermögend ist, schafil er sich Weiber an. Bei Häuptlingen steigt, soweit 
meine Kenntniss reicht, deren Zahl etwa bis vierzig. Oft hat ein Häuptling 
schon eine Anzahl Weiber, aber noch keine „grosse*^ Frau, die ihm ebenbürtig 
iat. bis er endlich auch eine solche heimholt Je mehr ein Weib Töchter 
gebiert^ eine desto grössere Quelle des Reichthums wird sie für ihren Mann; 
denn je mehr Töchter, desto mehr Vieh, seinen Abgott, bekommt er einmal 
dafür. Kinder mütsen überhaupt zur Bereicherung ihrer Eltern dienen. Was 
ein Sohn verdient, nehmen ihm seine Eltern nach Gefallen ab. Freilich 
haben Letztere auch die Verpflichtung, dem Sohne, wenn er alt genug ist, 
ein Weib zu kaufen. — Je mehr Einer Weiber hat, desto mehr kann er 
Korn bauen und also auch auf diese Weise seine Wohlhabenheit erhöhen. 



40 llittheilnii|;eii über die Sotbo-NagM. 

Häuptlinge fOhren dafür, daes sie so viele Weiber nehmen, auch den Grund 
an, dass sie so viele Gäste zu bewirthen hätten. — Was Scheidung zwi- 
schen Mann und Weib betrifft, so ist sie für Ersteren nicht schwierig; er 
entlässt einfach das Weib; nur hat er für ihren Unterhalt zu sorgen, ea w&re 
denn, dass sie vor Gericht für schuldig befunden würde oder sich ander- 
weitig yerheirathete; auch bQast er das gezahlte Vieh ein. Fflr das Weib ist. 
^Scheidung schwieriger. Gefällt's ihm nicht mehr bei seinem Manne, so läuft es 
wohl weg yon ihm, bann aber von ihrem Vater zur Rückkehr gezwungen 
werden, weil sonst dieser das fflr die Tochter erhaltene Vieh zurückzahlen 
müsste. Wo es zu definitiver Scheidung kommt und Kinder vorhanden sind, 
da fallen diese dem f^r unschuldig befundenen Theile zu. — Bei so zerrütte- 
ten ehelichen Verhältnissen kann man nicht erwarten, dass unter dem Volke 
Keuschheit vorband^. Die Hoi^ro (die Unreifen) zwar noch nicht, aber die 
das polU) hinter sich haben, haben damit gleichsam einen Freibrief zur Un- 
zucht Um ein Hurenlohn (Perlen oder dgl.) ist ein Mädchen leicht feil- 
Doch darf ein solches nicht gebären; dies weiss man durch gewisse Mittel zu 
verhüten. Häuptlinge geben oft einem oder dem anderen ihrer Diener eins 
ihrer Weiber zur Concubine, die aber rechtlich des Häuptlings Weib bleibt; 
auch die in solchem Concubinat erzeugten Kinder gehören dem Häuptlinge. 
— Bei alledem sind die Sotho doch nicht so in Unzucht veraunken, wie 
manche anderen heidnischen Nationen. Venerische Krankheit wie bei den 
Kora herrscht nicht anter ihnen; ich habe davon nur in solchen vereinzelten 
Fällen gehört, wo sie eingeschleppt war und sich aut das betreffende Indivi- 
duum beschränkte. 

Daas von eigentlichem Familienleben bei den Sotho nicht die Rede 
ist, ist unter den comipten ehelichen Verhältnissen nicht zu verwundern. 
Charakteristisch hierfür ist, dass Kinder ihre Eltern auch bei ihren Eigen- 




Mittbeilnagen über die Sotbo-Neger. 41 

thalergrosse Tonsar auf dem Scheitel, bei Kindern das Kahlscheeren des 
Kopfes. Ueberhaupt wird bei eingetretenem Todesfalle allen Familienglie- 
dern das Haar beschoren, das abgeschnittene zu Kohle verbrannt, diese mit 
Fett zu einer Salbe verrieben, mit welcher dann die Leidtragenden einge- 
schmiert werden. - Das älteste resp. ^grosse*^ Kind ist Universalerbe des 
Vaters, aasgenommen wenn es eine nach auswärts verheirathete Tochter ist. 
Da die meisten Töchter sich verheirathen , so ist in der Regel der „grosse^ 
Sohn der Erbe. Nach dem Tode der Eltern ist derselbe auch der „Vater^ 
aller seiner jüngeren Geschwister, mit allen Rechten und Pflichten eines 
solchen. — 

Was das Gebiet der Krankheiten betriflfl, so herrschen bei den vSotho 
am meisten Ausschläge, sonderlich bei Kindern, und zwar sehr häufig um 
die Lenden. Auch haben die Kinder meist dicke Bäuche: Eigentlichen Aus- 
satz habe ich nicht beobachtet, auch hat die Sprache keinen Namen dafür. 
Ohreneiterung habe ich öfter behandelt, einigemale auch Knochenfrass. Von 
epidemischen Ausschlagskrankheiten habe ich Masern, Schafpocken und echte 
Pocken gesehen. Man kennt auch eine Pockenimpfung, aber mit Menschen- 
pockenlymphe. Sie geschieht am Knie. Häutige Bräune ist mir unter den 
Sotho nicht vorgekommen, aber Lungenentzündung häufig bei Kindern. An 
Langenschwindsucht sterben manchmal ganze Familien aus. Sehr häufig sind 
Augenentzündungen, die oft den Verlust eines Auges zur Folge haben, da- 
her man vielfach einäugige Leute sieht. Nachtblindheit ist mir verschiedene 
Male bei Weibern vorgekommen. Von Wahnsinnigen, die ich gesehen, lief 
die eine Person, ein grosses Frauenzimmer, schwatzend im Felde hin und 
her; eine andere, ein junger Mann, wurde mitunter durch Wathanfalle ge- 
fthrlich; eine dritte, ein Mann^ der mit Mordversuchen drohte, wurde nur mit 
aaf dem Rücken zusammengebundenen Händen umherlaufen gelassen. — Liegt 
Jemand krank, so wird zum Zeichen dessen ein Holz quer vor die Thür ge- 
legt, damit Niemand hineingehe. Bei Kopfweh wird dem Patienten ein 
schwacher Riemen fest um den Kopf gebunden; bei Halsweh oder Schwäche 
des Genickes windet man einen Riemen mehrmals um den Hals, damit der 
Patient den Kopf besser aufirecht halten könne. Zur Beseitigung örtlicher 
Leiden werden oft Hauteinschnitte gemacht, auch Arznei in letztere eingestreut. 
Gegen Rheumatismus wird Schröpfen angewandt. Dieses geschieht folgender- 
massen: Man macht Hauteinschnitte an dem leidenden Theile, setzt ein klei- 
nes Hom darauf, welches an der Spitze ein Loch hat, und saugt durch letzte- 
res die Luft aus, so dass das Hörn sich festsaugt und das Blut herausgezo- 
gta wird. Auf Wanden streut man ein grauröthliches Pulver von einer 
Wurzel oder Rinde dick auf. Bei Arm- und Beinbrüchen legt man Schienen 
TOD Rohrstäben an, die fest mit Bast umwunden werden. — Wenn man nicht 
weiss, wo es einem Kranken fehlt, so wird eine gesunde Ziege genommen, 
mit dem Kopfe in ein Gefass mit Wasser gesteckt, in welches letztere „Me- 
dioitt* gelhan worden. Ist die Ziege erstickt, so wird sie abgeschlachtet und 



42 llilth«il Unheil nh«r <\i» Sotho-Namt. 

in ihrem Innern nach einer sich irgendwie zeif^eaden Anomalie, die §ich 
wohl immer entdecken läset, nuchgeseben. Bnt mnn die letztere gefunden, 
dann weis« man, wo en dem Kranken fehlt, und es kann nun darauf los cn- 
rirt werden. — Die „Doctors", ntika«, bilden eine bestimmte Zunft, die ihre 
Geheimnisse nicht verr&th. Die Anfbahme in dieselbe kostet Vicb, und dsfl 
Lehrgeld ist theuer. Die naka« haben manche nicht zu yerachtende Arznei- 
mittel; aber es hält sehr schwer, zu deren Kenntniss zu kommen. 

Die naka'/i sind Qherhanpt die Gehet mkQn stier, deren man sich zur ver- 
meintlichen Abwehr von allerlei Uehel und zur Zuwendung von GIflck und 
Segen bedient Neben ihnen soll noch eino andere Zunft existireo, die der 
löi oder Giftmischer, die die Schwarzkönstler der Bosheit sind. Viele Krank- 
heiten, viele Todesfalle, besonders die von Häuptlingen, werden auf Schuld 
der löi geschoben, wo doch nur ein sog. natürlicher Tod vorliegt, den sich 
aber die Beschränktheit der Heiden nicht erklären kann. Schon oft ist Je- 
mand wegen Giftmischerei oder böser Behexung hingerichtet worden, der 
nicht die geringste Sobald daran hatte. Aber wenn der Wahrsager mit sei- 
ner Kunst den gesuchten Schuldigen herausbringt, da hilft alle Betbenorong 
der Unschuld nnd alles GegeozeugnisB nichts. Von den löi sagt man, dasa 
sie Nachts, Männer und Weiber, nackt umherliefen und allerlei Bosheit ver- 
ebten; dass Hie z. B durch gezähmte Paviane dem Vieh die Milch anamelken 
liessen. Aber noch Niemand hat diese Paviane wirklich gesehen Die löi 
sollen Leichen ausgraben und deren Gebeine zu Zaubereien benutzen. 8ie 
sollen Schlangen in Stöcke verwandeln können (woran übrigens nicht zu 
zweifeln, da es durch Bewirkung von Erslarrung gewisser Schlangen ganz 
natürlich zugeht) ; sie sollen verstehen, Felle fiber ihren Häuptern als Sonnen* 
schirm in der Luft frei schweben zu lassen, u. dgl. m. — 

Aus dem Gebiete des Aberglaubens, das wir soeben und schon wei- 




Mittbeiinngen über die Sotbo-Neger. 48 

er freilich auch den Segen vorenthalten and Schaden than. Eine Regenpfeife 
spielt auch beim Regen machen, besonders wenn Wolken am Himmel sich 
zeigen. Auch Hagelpfeifen zur Verscheuchung des Hagels hat man. - Zur 
Kriegszeit werden alle Wege mit „Medicin^ gefeiet. Stangen werden einge- 
pflanzt, an denen oben Federn befestigt sind, halbverkohlte Viehklauen ver- 
graben und mit Steinen und Domen bedeckt u. s. w. Einen rechten Possen 
meint man dem Feinde zu thun, wenn es gelingt, ihm vor seinen Kraalein- 
gang etwa einen Rhinocerosschädel zu setzen. Diese grosse Behexung er- 
fordert dann wieder heroische Mittel zur Enthexung Oft; fallep dem Aber- 
glauben Menschen zum Opfer. So verlangte der „Doctor" des Häuptlings 
Voleo, um des Letzteren Stadt zu „befestigen**, den Kopf eines Menschen. 
Vorüberreisende Fremdlinge wurden überfallen und, damit Keiner die Mord- 
that daheim berichte, sammtlich erschlagen und dem Einen der Kopf abge- 
schnitten, der dann unter dem Hauptpfahl am Eingange zum k)[öro des Häupt- 
lings vergraben wurde. Heut liegt freilich Voleo' s Stadt längst in Trümmern; 
er selbst und der grosste Theil seines Volkes wurde vor neun Jahren von 
den PoDo erschlagen. — Um Glück auf der Reise zu haben, klemmt man 
einen Stein zwischen die Aeste eines Baumes am Wege. Es giebt auch 
Stellen, wo am Wege ein Steinhaufen liegt. Da wirft man einen Stein hinzu, 
um Glück zu seinem Geschäfte zu haben. Sieht Jemand vor sich eine Blind- 
schleiche, so dreht er um, sonst passirt ihm Unglück. Wird Jemand von 
einem Crocodil gebissen, so bringt er seinem Orte Unheil; er muss verjagt 
werden. Doch habe ich es erlebt, dass in einem Falle der Gebissene nicht 
verbannt wurde; der Häuptling mochte ihn nicht missen und wird wohl dem 
Unheile durch anderweitige Zauberei vorzubeugen gesucht haben. - Zu Ma- 
lokck in Ma'nkopane's Lande ging in Betreff einer dortigen Quelle die Sage, 
es hause an derselben eine weisse Schlange, welche das Wasser spende. 
Sie werde selten von einem Sterblichen erblickt; wer sie aber einmal sähe, 
fbr den bedeute es grosses Glück. — Eine häufig in seichtem Wasser stehend 
angetroffene graue Ibisart, Mii'^ianoke genannt, darf nicht getödt^t werden. — 
Wenn eine Mondfinstemiss eintritt, was man „Verrottung des Mondes*^ nennt, 
so eilt den nächsten Morgen das ganze Volk johlend zum Wasser, um dort 
eine Waschung vorzunehmen. 

Die zuletzt angeführten Dinge deuten auf ursprüngliche religiöse Vor- 
stellungen; überhaupt ist ja heidnische Religion im Grossen und Ganzen nur 
eine bestimmte Gestaltung des Aberglaubens. Die Verbannung des vom Cro- 
codil Gebissenen, die Schonung des Ibis lässt den äthiopischen Ursprung er- 
kennen (auf den auch das Nichtessen der Fische wie das Gauklerknnststfick 
der Schlangen Verwandlung weist). - Eine Sage geht von einem Gott mit 
nur einem Beine. Gottes Verehrung aber gibt es bei den Sotho nicht. In 
Betreff der Schöpfung der Welt erzählt eine Sage, dass der Vater Eines, der 
Jjuveane genannt wird, die Erde und die Thiere darauf gemacht. Der Alte 
sdiiokte seinen Sohn in's Feld das Vieh zu hüten. Dort machte 
J[uceane die Menschen. Als er des Abends nach Uaose kam, zeigte er sie 



44 Hittheilangen aber dj« 8i)tha-Nef[aT 

Beinern Vater mit der Fraf^e; Wer hat deno diese genacfatP Der Alte aogte: 
leb weiss nicht. X""^^'"^ erwidert: „Du weist es nicht?" und verjag den 
Alten, um dessen Reich einzunehmen. — Ansätze zu einem Cultus könnte 
man etwa in der Verehrung der abgeschiedenen Geister, sonderlich der Hftopt- 
linge sehen, die man durch magische Künste, Schlachtungen (die an Opfer 
erinnern) a. s. w. sich willfährig zu machen sucht. Sie werden limon ge- 
nannt (inoHiiiQ, l'U Dulinio), mit welchem Namen überhaupt höhere Wesen be- 
zeichnet werden, auch Gott. Das Land der Todten liegt nach Sonnenunter- 
gang. Der Glaube in Betreff der limo ist ein Zengnies vom Glauben an das 
Fortleben nach dem Tode. — Es giebt auch unpersönliche lifoov (iitoUmo, 
Fl. melimo); das sind Orte oder Gegenstände, an welchen und durch welche 
die persönlichen /imo ihren Einfloss äussern und sich gleichsam offenbaren. 
Zu Ma'Ualatharen (lurfte Niemand die Spitze des Berges beateigen; es war 
auch verboten, denselben abzubrennen, weil er dem Unu> (früheren Häuptling 
Ma'.tale) gehörte. — 

Was die geistige Begabung der Sotho anbetrifft, so sticht vor Allem 
die Fähigkeit hervor, Geschichten leicht zu behalten und genau wiederzuge- 
ben, was wohl damit zusammenhängt, dass das Volk noch nicht ein lesendes 
und schreibendes geworden, sondern dass Verkehr bisher nur mündlich statt- 
fand. Lesen und schreiben lernen die Sotho so leicht als wir. Beim Lesen- 
lemen ist e« ihnen ziemlich einerlei, ob sie das Buch richtig vor sich oder 
verkehrt oder von der Seite haben, sie lemen's doch. — Gesangnnter- 
richt ist schwierig, da, wie bereits erwähnt, die Sotho-Tonleiter nur ganze 
Töne hat. Jedoch nach und nach lernen sie anch die halben Töne treffen. 
Am schwersten ist der Recbennnterricht, f&r den sie die wenigste Be- 
gabung zeigen. Dienstboten merken sich die Zahl ihrer Dienstmonate resp. 
Wi.fhoLj o.ler :- Tage, duroli iu eint-ii St.-ck irrsclinitt.'iif KclI»-ii. Ein 




MittheilongeD über die Sotho^Neger. 

% 



45 



Uebereinstimmang iü der Bezeichnang „Mensch^ die ßantu-Sprachen^) (banthu 
im Kafir » , Menschen^). [Diese Benennung scheint mir etwas willkürlich; 
ebensogat könnte ein anderes Kafferwort zur Bezeichnung dieser Sprachen 
gewihlt werden. Und ebensogut wie ein Eafferwort könnte man ein Wort 
aus jeder beliebigen der betr. Sprachen wählen. Vom Sotho aus wäre „Vatho 
— Sprachen^ das Entsprechende für „Bantu = Sprachen*^. Ich halte die Be- 
neDDong „Negersprachen^ för angemessener.] 

Was zunächst das Lautsystem angeht, so hat das Sotho die Vocale 
a, f, «, t, 0, 0, t/. E und o sind die Contraction von ae^ ea und aOy oa, 
Diphthongen giebt es nicht. Ausserdem existiren noch die silbenbildenden 
Halbvocale /, m, ^y /^, r. — Die Consonanten möge folgende Tabelle vorftihren, 
die zugleich einen klaren Blick in das System gewährt. 



ph , 
f(h) 


pi 


pi 
ß 


th(tK) 1 

r 


U 
s 
tz 


ts 

tz 
d£] 


.ih 


kh ' kx 


V 


vz 
c 


i (0 


k 


V 


ly 


t 


m 


n 

1 


»y 


n 


n 


.y 


h 



Der spirit. lenis ist hier nur der Vollständigkeit wegen mitaufgefährt ; 
sonst wird er nicht geschrieben. Ich ziehe vor ps^ pS^ ts^ ^T, lc)[ statt pah^ 
pih^ tsh^ t^Ay kj(h zu schreiben, ebenso pz, pz^ tz^ tz statt ;>*, />*, to, tS, In «, 
/ and X i^^ nämlich der (dental resp. guttural gepresste) Hauch des h ent- 
halten, so dass ps^ p*t^ tSy fi, kj( auf gleicher Linie mit ph^ t/iy kh liegt, das 
p, t and k in p, p«, te, f^, ^, also ebenso hart ist als im ph^ th^ kh. Die 
Befieichnungen pah, pnh^ tsh^ tSk, kj[h würden daher die Vorstellung erwecken 
mOasen, dass bei den betr. Lauten noch eine besondere Aspiration hinzutrete, 
wie in ith (vgl. „Waschhaus^), was doch nicht der Fall ist. Die Zeichen pSy 
pi^ t«, Uf^ kl erweisen sich also als richtiger denn psh^ p^h^ tsh^ tsh, kj[h. 
Zodem bieten sie fürs Lesen, Schreiben und Drucken eine grosse Verein- 
&chang. Ebenso sind pz^ pz^ tz^ ti richtiger als ps^ ps^ te, ts. Denn die 
tenais, welche, wenigstens im Sotho, nicht zu den fortes gehört, kann sich 
nicht mit einer fortis («, s) verbinden, nur mit einer lenis (c, i). Auch ist 
tbato&chlich die Aussprache des zischenden resp. rauschenden Lautes, der 
sich mit der tenuis im Sotho verbindet, weicher als s und /, so daas nur z 
and I als Zeichen passen, umsomehr als auch z und i allein der Lautentwicke- 
lang des Sotho entsprechen, welche sich nicht abwärts von den stärkeren zu 
den schwächeren, sondern umgekehrt bewegt, indem z. B. aus vy und ly die 



') V«gl. „Comparatife Orammar of 8outh African Langoagat**. 



46 HittlwilnngCD äher die Solho-NagBr. 

Laute pz, vz, pz, jii und dy, dz, iz, (: sich entwickeln.') — Da» / und o ') 
des Sotho sind reiulabial, nicht deatoLabial , wie bei uas. Dr. LepaiuB 
setilägt für das reinlabiale „tc" das Zeichen w vor (Standard Alphabet "i. 
ed. p. 7ä). Diese Bezeichnung ist nicht consequent; da w das balbconao- 
nantische „v" (w im Englischen), o aber das „w'^ repräsentirt, so hätte die 
Bezeichnung u näher gelegen; w würde eine Nuance des Halbconsonanteu 
vermuthen lassen, also irre führen. Da es im Sotho kein anderes v giebt, 
als reinlabiales, so ist dort der wagerechte Strich unter dem Buchstaben ent- 
behrlich. (Das Tevele dagegen, das Mittelglied zwischen Sotho und Kafir, 
doch diesem mehr angehörend, hat dentolabiales und reiulabiales v neben- 
einander.) — Die PaltitalisiruDg des »(, : in pi, ß, pz, uz rfthrt nur von dem 
dominirenden Einflusa der voranstehenden Labialen her, indem bei «, ;; die 
Lippen die Stellung von der Bildung der Labialen noch behalten. F3r ge- 
wöhnlich wird, weil nicht nothwendig, diese Palatalisirung nicht bezeichnet 
und bloss pg, f's, pz, o: geschrieben. V: and vi sind Spaltungen des vy. — 
Das / wird vor i und u cerebral gesprochen, wobei es xicb im Osten in einen 
Laut verhärtet, der theils die Mitte zwischen l und 4 hält, theils ein weiches 
4 bildet; im Tzoaua ist er ein Mittellaut zwischen l und r. Man findet jedoch 
auch die Aussprache von reinem /. Auch wird bei den Stämmen, die sonst 
das l vor t und n am härtesten sprechen, dasselbe als l gesprochen, sobald 
ein / (in diesem Falle vocalisirt, /) vorhergeht, wie in molopoÜi (= Erlöser), 
tiolliSd (= ausgieseen machen). Femer wird die Vorsilbe li im Tzoana mehr 
als li gesprochen; ja Moffat/ fährt (a. a. O. p. 4d) neben der Schreibweise 
liyo auch dliyo (also nicht nach r binaberklingend) an. Unter diesen Um- 
ständen Q = l, r 4. d, besonders bei den Schwankungen in einem und dem- 
selben Dialekte) und da das Sotho eigentlich keine mediae hat"), auch bei 
dem Streben der Sprachen nach Abachleifung vorauszusehen ist, das» das / 




Mittheilaogen aber die Sotbo-Neger. 47 

fa', iu ist es mit /^, welches theils wie d[y, theils wie dz ausgesprochen wird, 
wobei jedoch der d = Vorschlag meist so leicht ist, dass er fast verschwindet, 
wesshalb z. B. auch die englischen und französischen Sotho - Missionare y 
schreiben. Dass hier das l nicht cerebral wird, sondern dental bleibt, rührt 
von dem folgenden palataien Halbcousonanten ber, der es verhindert. Die 
Verfa&rtnng des l vor i, u vor y hängt damit zusammen, dass es anceps ist, 
so dass unter Umstanden das in ihm liegende explosive Element sich über- 
wiegend oder wohl gar ausschliesslich geltend machen kann ; und solche Um- 
stände liegen in der grösseren Hebung der Zunge bei Bildung des t, n und 
y verbunden mit der Beschafifenheit des Sotho -Organ es.*) — Das j( ist iden- 
tisch mit dem / von Dr. Lepsius. Letzteres Zeichen ist zu unbequem; 
auch weist der Klang des Lautes, wenigstens im Sotho, mehr nach^, als nach 
i. Femer weist die Verstärkung in kh (nkhuela von j[üela) ihn den (Palatc-) 
Gutturalen zu. Auch wird vor e und % das x mitunter wie ( ausgesprochen. 
Deutsche, die den Laut nicht /.u bilden vermögen, geben ihn mit J[ oder^, 
nie mit i wieder. Im Sanskrit, Uindl^ Gujarätl^ Narät/n^ Urlya ist das s als 
ein nach vom gerücktes ^ (=i) ^^ betrachten, indem 1( (If im Gujärati^ 
^ im Uriya) ursprünglich ^' ist und im Sanskrit und Pqsto noch beut zum 
Theil so gesprochen wird. (Vgl. die betr. Tabellen bei Lepsius a. a. 0.) 
Dies Alles spricht für die Vertauschung von i nut ^, welcbe» letztere Zeichen 
mir von Herrn Dr. Lepsius selbst vorgeschlagen worden ist. — Eine eigen- 
thümliche Lautclasse bilden die Laterale, die meines Wissens sonst noch 
von Niemand näher untersucht, gesch\\eige richtig dargestellt worden sind. 
Die meisten Europäer vermögen besonders die explosiven nicht richtig zu 
bilden, weil sie sich durch den Klangeffect zu irriger Auffassung verleiten 
lassen. Im Ganzen gibt es vier Laterale, nämlich: lenis fricativa (./), 
tennis {^t\ fortis fricativa {S) und aspirata {^th^^) Von denen hat das 
Kafiur, soweit ich es kenne, zwei, nämlich die beiden fricativen, d und .7, 
die West - Sotho die beiden explosiven , d und . fA, dagegen die Ost- Sotho 
drei, nämlich die beiden explosiven .i und äh und die fortis fricative J. 
Ihrer Entstehung nach sind wohl sämmtliche Laterale eine Verschmelzung 



Dickere Zange als die unsre. 

*) In Efrmangeiung anderer Zeichen mochte ich die angegebenen empfehlen. Für die 
beiden fricativen hat Dr. Lepsius die Zeichen { und f» ^^^ deuen Grout (Zulu-Qrammar) 
ersteres für die fortis, letzteres /ur die lenis anwendet. Der spir. asper bei beiden Zeichen 
erweckt die irrige Vorstellung von gleicher Stärke der betr. Laute, und der Palatalstrich bei 
dem einen verleitet zu der Meinung, dass beide Leute organisch verschieden, was nicht der 
KaU. Ferner erweckt der hinter dem J stehende Palatalstrich die irrige Vorstellung, dass in 
der Aasspiache das palatale Element zuletzt anklinge, während es in Wirklichkeit znerst 
anklingt, ubgleicb es der Kntstehnng nach das zweite ist. (Vgl. hierzu Lepsius a. a. 0. p. 80 
Anm. 'i das gegen Dohne Gesagte.) Die Bezeichnung hat sich zunächst nach der wirklichen 
Aussprache, nicht nach der Entslehung zu richten. Die Zeichen % und <f erscheinen also als 
unpassend; eher «Orden '7 (l^nis) und ^' l (fortis) passen, wenn diese Bezeichnungen nicht zu 
romplicirt and unbequem wären Und dann würde man noch um Zeichen für die beiden ex- 
plosiven Laterale verlegen sein. Daher ich die Zeichen ^^ J/^ ^ ,jji^ erfunden. Da dieselben 
jsdoch in dar Druckerei nicht vorhanden waren, sind sie durch .^ ./, ./, ^th ersetst worden. 



46 MitthellaDKBD aber die Sotbo-Segar. 

eines dentalen nnd eines palattJen EtemeDtes 7.11 einem eiD&cheo rein-pa- 
latalen Laute. CrewisB ist dies in Bntreff von .7 (lenis fricatirs), indem 
.la (v esse) des Kafir im Sotbo dya oder {ya (Passiv le^a), in anderen Neger- 
Kprachen lia und dia lautet. Sonst ist .1 des Kafir = J des Sotho, = dy 
des Herero, tz, dz des Nika, t: des Imyambane; J und .tk — :^ im Pongwe, 
dy im Hererö. In der Aussprache sämmtlicher Laterale ist ein / = Element 
hörbar, wesshalb der Buchstabe l die Basis der angegebenen vier Lateral- 
zeichen bildet (wie ja . l auch aus ly entsteht). Jedoch ist dies blosser pho- 
nischer Effect, indem die Zungenspitze bei der Bildung dieser Laute gar 
nicht mitwirkt, soodem Fricatur wie Explosion nur am Palatalpunkte statt- 
findet. Dasselbe / = Element ist hörbar, auch wenu man die Zungeospitze 
so weit als möglich niedersenkt. Bei den beiden explosiven Lateralen ist 
daneben auch ein wie t sich anhörendes Element zu vernehmen; es ist aber 
auch dieses aas demselben Grunde wie das / = Element aufgefasst. Weil es 
hauptsächlich an t erinnert, so ist es in den Zeichen .t. Uh durch den Qner- 
strich angedeutet. Die Schleife vor dem l deutet aber äberhaupt das dem 
/^Element verbundene andere Element an. Laterale heissen die vier 
Laute, weil bei ihrer Bildung die Zange sich gegen den Palatalpunkt presst, 
so dasB der Hauch zu beiden Seiten derselben entweichen mnss. — Das /' 
existirt im Tzoana nicht; es wird dort durch h repräsentirt, welches in den 
meisten übrigen Dialekten fehlt. In einem Dialekte steht h an Stelle von j; 
in demselben fehlen auch die Laterale; das t wird dort durch t, und das .1 
und dessen Verstärkung .ik durch th repräsentirt, wogegen das ' und tk der 
Bbrigen Dialekte durch t und tk wiedergegeben wird. — Das i ist in den 
östlichen Dialekten zu Hause; die westlichen haben dafür theils /i, tbeils f\ 
theils s, auch kh. — Die Fortis ( erweicht in unbetonten, nicht die Anfangs- 
silbe bildenden Silben zu y, wie z. B. nfa (spr. aya), Perf. a^lU, X^f '*?■"■ 




KittheUangen über die Sotho-Neger. 49 

«J in (A; als: ,lava (stechen), dav. ^thavo^ nrthava^ u,thava\ — 
.1 in kh\ als: xüela (sterben für . . .), dav. nkhüela^ ikhüela; — 
V in p; als: vitza (rufen), dav. püzOy mpitza, ipitza] — 
vy oder vz in pz (resp. vz in pz) ; als : vi/ala oder vzala (säen), dav. pzalo 

resp. vycUciy (dav. pzalo); — 
/ in t; ab: lonia (beissen), dav. tomo^ y^toma^ itoma\ — 
^ in k'y als: ax^lo- (bauen für . . .), dav. ka^eh^ ^ka^elc^ tkax^la. — 



Ans dem hier Angefahrten ergiebt sich, dass r die der lenis l entsprechende 
Fortis ist (/ in t^ r in tti)^ was durch die genaue Beobachtung beider Laute 
bestätigt wird. Mit dem Charakter des r als Fortis (mit ii^härirendem h = 
Spiritus asper) hängt auch zusammen, dass in ihm das firicative Element 
überwiegender ist als in ^ daher vor t und n sich bei r das explosive 
Element nicht geltend macht wie bei /. Doch wird das Vorhandensein des 
letzteren Elementes, wenn man vom Sotho aus schliesst, nicht geleugnet 
werden können, da das r vocalisirt wird, die vocalisirten Consonanten 
des Sotho aber entweder rein explosiv oder mindestens ancipites sind (^, 
o» o» i> r)' und obwohl das r unter die fortes zu rechnen, so ergiebt sich 
doch aas dem Umstände, dass sonst nur lenes vocalisirt werden, dass das 
r die weichste der Fortes ist. Mit dieser Weichheit des r correspondirt 
die Härte der lenia /. -• Den spiritus lenis behandelt das Sotho als frica- 
tiva, nicht als explosiva, als welche Dr. Lepsius ihn bezeichnet (a. a. 0. 
p. 68). Dass dieser Laut als firicativa zu betrachten, darauf führt auch, dass 
er dem fricativen spiritus asper (A) als lenis entspricht; ebenso, dass er nicht 
vocalisirt wird wie r und /, also nicht einmal als anceps gilt — Was die 
naaales betrifft, so behandelt das Sotho das m wie eine anceps. Dies geht 
aus Folgendem hervor: Ein Substantiv der einen Norninalclasse des Sotho 
flbsgt nie mit einer anceps oder fricativa an. Da nun ein solches Substantiv 
aach nie mit m anfängt, so gilt dem Sotho das m als anceps. Dies kommt 
daher, dass das nasale Element — und dasselbe ist ja continuirlich wie die 
Fricator der fricativen Consonanten — bei m am stärksten ist Man ver- 
suche es nur, ein starkes stummes, nicht vocalisirtes m und n hervorzubrin- 
gen, und man wird bei dem ersteren in der Nase ein stärkeres Geräusch 
wahrnehmen als bei n. Hierzu kommt, dass die Organe, welche den oralen 
m - Schluss bilden, weicher sind als die, welche den n - und h - Schluss 
bilden, so dass das explosive Element in m am schwächsten ist Wird aber 
das m durch sein nasales Element zur anceps, so werden n und h ebenfalls 
wegen desselben Elementes — wenigstens vom Sotho aus — zu den ancipites 
ZQ rechnen sein, bei denen jedoch das explosive Element als das haupt- 
sächliche zu betrachten ist. — Neben den wirklichen Consonanten hat das 
Sotho auch noch halbconsonantisches (f, i, o, ii und y (letzeres in vy, my, ly^ 
ny^ entstanden aus v^ und vö^ aus nve^ U^ n^). Die Schnalzlaute des Eafir 

IHiMteia Ar «tka«togit» Jateguf 1874 4 



50 HlttheflungSQ Sbcr die Sotho-Nq^. 

hat das Sotho nicht') — Des Einflasses von t und u auf Torhergebesdes / 
wurde schon gedacht. Ein i hat auch oft auf vorhergehendes / oder pk einen 
assibilirenden Einfluss, so dass fsi tind psi f^r fi und phi gesprochen wird.*) 
Das und u wirken assibiürend auf einen voran stehenden Zischlaut («, tt, tz)% 
stara wird iiSara, Ubano wird tioano, tzoala wird tzoeda gesprochen. — Wird 
an ein Nom die Deminutivendnug ana resp. ane angehängt, so wandeln sieb 
folgende Endungen: 

Ve, et, vo, ru in vy, resp. Iy6 (dyo); z. B. kolove (Schwein), dav. kolo- 

vi/ana, resp. kolodiföana;*) — .* 

psy pi ia US; aU: »elgpe (Beil), dav. »eleWoana; vapi (Mehl) dav. mt- 

zöana; — 
po, pu in pz oder ts; z B. ntolapo (Schlucht), dav. molapi'ana resp. 

molatiöana; — 
A in ti oder/», auch «ö; als: le^oß (flache Hand), dav. lexqftatta; l^ 

(Finstemiss), dav, Ußßana: lest^ (dass.), dav. lettuoana; — 
fo in fi; als: pkefo (Wind, E&lte), dav. pkeßana; -- 
U in ly (dy); als: k^ole (Feme), dav. ^olyana (k;(odyana); — 
li in tz, resp. tz; als ntoj* (Blut), dav. mat^atui; 
lu in t^fi, resp. tzS; als: tnaifiu (Bart), dav. malettoama; — 
ti theilweise in t: resp. tz, theilweiae in ty; als: Umati (Planke), dav. 

Utaatzana oder lematj/ana; — 
re, ri in /, reap. ti oder to; als: nare (Büflel), dav, miana resp. tttitiatia 

oder natsana; — 
mo in nÖ; als: ijO'MO (Rind), dav, k][(möana; — 
ni, n in ny; als: tao.tavani (K&mpfer), dav. moJavanyana; . noig (Aar), 

dav. nonyana (Vögel). — 
Die Paasivendmig Öa wnndvk sicli mit vorherpehendeci '■, ;'. /■ J'fi i 




Mittheilan^en aber die 8otho-Nef(er 51 

andereo Sprachen werden sie wohl den betr. Sprachbeflissenen entgangen 
sein, wie bisher im Eafir, wo man z. B. das Pronom sing, der 2. und 3. 
Person bis heut noch nicht unterscheiden gelernt hat, von denen das letztere 
den hohen Ton hat (i/, t/'). Beispiele aus dem Sotho sind: Mav§le! (Eaffer- 
hirse) und mav§le (Brustwarzen), se'j^a (lachen^ und {s§X^ (schneiden), se'ka 
("sich küren, von Flüssigkeiten) und »eka (sich verantworten), ke (ich) und ke' 
«CS ist), (du) und o' (er, sie, es), ^o (zu) und^o' (dich); a re rate' (er liebe 
ans!) und a re rate (lasst uns lieben!). — Die Silben der Wörter sind stets 
hinten offen. 

Das Nom hat sechs Classen, welche an den betr. Präfixen erkannt 
werden. Durch Letztere wird auch der Numer ausgedrückt. Die Präfixen 
sind einsilbig. Sie lauten für die verschiedenen Classen folgend ermassen : 

Cl. I. Sing, mo, PL va. 

„ II. » «w>, » »w«- 

j, IIL „ t?o, „ ma. 

„ IV. „ fc, y, fna. 

^ V. ,, w, j, ft. 

„ VI. „ - „ u. 

Die erste Classe ist Personalciasse; Beispiel: A/o^o == Mensch, vatho 
» Menschen. Die zweite Classe enthält u. a. die meisten Namen von 
B&omen und Sträuchem; die dritte Ortsbezeichnungen von Thätigkeiten 
(z. B. vokhutzo == Ruheort, von khutza = ausruhen) und viele Abstractionen von 
Eigenschaften, Thätigkeiten und Zuständen (= heit, keit, schaf);, thun; Bei- 
spiele: Vo lale = Klugheit, vose = Lieblichkeit, vaima =- Schwere, vojfoSi =« 
Berrschaft, t*o/ora = Trügerei). Die vierte und fünfte Classe zeigen grosse 
Verwandtschaft. Uebereinstimmend sind sie in Bezeichnungen von Lidividuen, 
denen ein Attribut dauernd eignet (z. B. lexo^u = Dieb, se/ofu » Blinder, 
jM?o/«» Faulpelz); von Objecten und Producten von Thätigkeiten (z. B. ^Jao 
« Zeichen, von 8oa^a = zeichnen; «elyo = Essen); von Werkzeugen und 
Mitteln von Thätigkeiten (z. B. le/eJo = Quirl, von /§Ja = quirlen; sej[0 = 
Schöpfer, von j[a = schöpfen). Im Besonderen hat die vierte Classe viele 
B^^ichnungen von Affecten (lercUo = Liebe, lej^u/a = Eifersucht, lenyora 
Durst u. s. w.); nationale Namen {LekxCfÖa = der Weisse, Letzolo =» der 
ZqIq n. 8. w.); die meisten Namen von Baum- und Strauchfrüchten (also 
Prodncte). Zur fünften Classe gehört die Bezeichnung dessen, was nach 
Art eines Volkes ist (ßesotho ^ Axi^ auch Mundart der iSotAo). Die sechste 
Classe enthält diejenigen Verbalsubstantiven, welche man auch durch den 
InfinitiT ausdrücken kann; z. B. thato (von rata) «= das Lieben, Belieben; 
pkenyo (von phenyd) «= das Siegen, der Sieg. — Ein Genus des Substantivs 
gibt es nicht. Die Unterscheidung des Geschlechts geschieht da, wo sie er- 
forderlich, durch die Beifügung „männlich, weiblich^ (z. B. mpza e tona^ mp^a 
e t§ali -= minnlicher Hand, weiblicher Hund); auch wird das Feminin durch 



53 



Hitthulaog«!! Qb«r die Botho-Negar. 



die DeminutiTendimg ausgedrfickt (z. B. »Jana = Kind, davon nuanana — 
Mädchen; tau' = Löwe, tauana = LSwin). 

In Betreff des Pronoms möge die folgende Tabelle eine Uebersicbt 
gewähren, am welcher zugleich die Bezlehong auf die Nominalpr&fixen zn 
ersehen. 







Prä- 


Primitiv- 


DemoDstratir- 


PossessiT- 


Sabstanti- 






fixe. 


pronom. 


pronom. 


pronom. 


vischflB ProD. 








Si« 


g ü 1 a r. 




% 








Sobj. 


Obj. 








1. Pere. 






te 






^ a. ^ nap.me 


^W(=men«') 


2. Per«. 









r»' 




Xo resp. 


ücna' 




1. Ol. 


mo 


o'u.o 


mo 


eireBpVod.Ä) 


X-e resp. e 


f?ni^ 


cj 


■2. OL 


mo 


o' 








Qua' 


S 


3. Cl. 


HO 


CO 


VI/0, resp. vo 


vyo 


vyona'T^.vona' 


£ 


4. Cl. 


U 


te 


U, resp. ti/e 


U) 


Igna' rp. l^Qna' 


m 


5. CL 


ee 


M 


se 


ao 


agna' 




6. CL 


- 








io 


iona' 



P 1 n r a 1. 



1. Per». 

2. Pere. 



1. OL 




2. Cl. 


me 


3. 4. CL 


ma 


5. 6. OL 


li 



, reep. 



Interrogativprono 

V, das Hefl<:.\lvi 



gö 



rena' rsp. rona' 
lena' TeBf.lona' 
vgna' 

gna' 

tiona rp, t:ona' 



tze resp. tze | tzo reep. tzo 

lautet persönlich ma», PI. eoma«, nnper- 

Vi:iliiiliiiiifl\e. lautet / (iiluii'i voü 




MittheilnDgen nb«r die Sotho Neger. 53 

Da8 Adjectiv, welches stets hinter dem betreffenden Nom steht, bekommt 
dieselbe Präfixe wie dieses; Bindeglied zwischen Nom und Adjecdv ist das 
RelatiTpronom des ersteren. Z. B. motho e moj[olo == Mensch der grosser, 
d. h. grosser Mensch; vyan vyo votala' » Gras das grüne, = grünes Gras.^) 
Das Verb, der wichtigste Theil der Sprache, hat im Sotho eine über- 
raschende Reichhaltigkeit an Formen. Zunächst ist zu bemerken, dass ein 
GmndTerb nie mehr als zwei Silben hat, sowie dass, bis auf einige wenige 
Ausnahmen, jedes Verb in der Ghrundform auf a endigt. — Durch die Verbal- 
species ist es möglich, die Bedeutung des Grundverbs auf mannichfache 
Weise zu modificiren. Sie werden gebildet durch Anhängung Ton gewissen 
Endungen an den Stamm des Grundverbs. Auf diese Weise entstehen z. B.: 
Cansatiy durch Anhängung von t^a oder ^a; als: /trt^a = thun machen, 

Yon SS lira = thun; letza =■ tönen machen, von ^La = ertönen. 
Relativ (oder Directiv) durch Anhängung von ela\ als: /tr«^ = thun 

für ... . 
Reciprok durch Anhängung von ana\ als ratana = einander lieben. 
Neuter-Activ (^oder Deponens) durch Anhängung von ala; als: 
vQtiala = erscheinen (in den Zustand des Gesehenwerdens treten), 
von vona = sehen. 
Neuter-Passiv (oder Subjectiv) durch Anhängung von §)[a\ als: 
conexa = sichtbar seio (im Zustande des Gesehenwerdens sich 
befinden). 
Inversiv, und zwar a) intransitiver durch Anhängung von o;{;a; als: 

Uoxa = weggehen, von ^ta = kommen. 

b) transitiver durch Anhängung von ola^ als: 
Mutola = abheben (Topf vom Feuer). 

c) causativer durch Anhängung von o«a, als: 
utoia = weggehen machen. 

Stativ durch Auhängung von ama*^ als: tna/ita = gebückte (eintauchende 

Stellung einnehmen, von ina — eintauchen. 
Iterativ wird durch Verdoppelung gebildet; als: opaopa = wiederholt 
klopfen mit der Hand (z. B. anklopfen an die Thür); [upalupa » 
schnüffeln. 
Die Species werden auch theils verdoppelt, theils zusammengesetzt, wo- 
durch wieder eine neue Fülle von Bildungen entsteht. Beispiele: i^sa = 
gebeninachen verursachen (von ^a = gehen wohin, dav. caus. isa = wohin 
gehen machen); lirelana = thun für einander. Durchgreifende Regel dabei 
ist (wie überhaupt im Sotho), das.s das Bestimmende hinter dem zu 
Bestimmenden liegt 



*) Der AdjectiT-8Umm iaUt' bedeutet beides „blaa*S and „g;rän'\ welche Farbeti der 
80Ü10 als eine fasst; höchstens anterscheidet er ^^votala' rya l>€}[oUfno = das Tala' des 
flifliaMli, voiaia' vya 9ifa% = das Tala' des Grases. 



Die Genera des Verbs sind Äctiv und PassiT, welches letztere «o 
der EndoDg oa zn erkennea ist; z. B. liru, Pass. liröa = getlum werden. 

An Moden (Aaseageweiaen) hat das Sotho wieder einen sehr grossen 
Reichthum. Zimächst ist Affirmativ and Negativ zu onterscbeiden; diese 
zerfallen in Effectir, Potential und effectivischen wie potentialea Con- 
ditional. Diese wiederam zerfallen in lafioitiv, Indicativ, IntentiT, 
Imperativ (resp. Optativ) und Particip. Der Negativ ist erkennbar 
an der N^atirpartikel /a resp «o, se (letzteres prohibitiv), auaserdem an 
der Endung e im Präsens des Indicativs, während der Affirmativ die Endung 
a hat Z. B. ie lira = ich thae; /i ke lire, ke sa h're (dies participial) — 
ich thue nicht; ke »e lire = (dass) ich nicht thae! Der Potential wird ver- 
mittelst des Hilfsverb» ka (vermögen, mögen) gebildet; z. B. ^ia lira (eupho- 
nisch fOr ke ka Uro) = ich mag (vermag zu) thun. Der Conditional wird 
mit Hilfe von ka ve (mag itein) gebildet; als: a) efFectivisch nka ve ke Ura 
K ich könnte (wäre im Stande zu) thoo; b) potentional: '^ka ve ^ka lira = 
ich könnte im Stande seio zu thun. Beim Infinitiv wird vor die Grundform 
des Verbs die Präposition j[0 gesetzt; als fo lira ^a thun. Der Indicativ endet 
im Präsens aof a, der Intentiv auf e; das Particip hängt an das Verb die En- 
dung li resp. /o, als: lira^ res|». /troj-o -= thuend. Einen besonderen Con- 
jnnctiv wie im Deutschen gibt es nicht; derselbe wird theils durch den Indi- 
cativ, theils durch den Intentiv ausgedruckt. 

Von Zeitformen ezistiren einfache, zusammengesetzte und 
doppeltzusammengesetzte. Einfache gibt es vier, als: 

Präsens I. (Gegenwart im Allgemeinen bezeichnend); z. B. ke fira. 

Präsens II. (Die gegenwärtig im Gange befindliche Handlung be- 
zeichnend): ke a (ira (a ist Hil&verb, -= ^a gehen, wovon das / 
verschluckt ist). 




Mittheilaogen aber die Sotho-Neger. 56 

Plusqaamperfect; z. B. ke ve ke lirüe =^ ich war (der) ich gethan 

(= ich hatte gethan). 
Faturisches Imperfect; z. ü, ke ve ke ta lira = ich war (der) ich 
werde than (=» ich wollte thun). 
b) Definitivisches Präsens; als: ke eile ke a lira = ich bin (schon 

dabei) gewesen (und) ich thue (noch), d. h. ich bin 
noch dabei zn thon, was ich bereits begonnen. 
„ Imperfect; als: ke vile kaa lira «= ich bin gewesen (der 

ich thue, d. h: ich that bereits.) 
„ Perfect: als: k£ vile ke lirile = ich bin (noch) gewesen, 

(nachdem) ich gethan, d. h. ich habe bereits gethan. 
„ Futor; als: ke vile ke Ua lira = ich bin (bereits) ge- 
wesen (der) ich will thnn, d. h. ich will bereits thun, 

habe schon vor zu thnn. 

1B== ich werde sein 
ein Th d 
(Jactena ero) 
Perfectischer Fntur; als: ke .ta ve ke lirile = ich werde sein ein 
Gethanhabender, = ich werde gethan haben (Fnt exact.) 
Die doppelt-zusammlengesetzten Zeitformen werden gebildet dnrch 
Vorsetznng der Hilfszeitformen vor die einfach-zusammengesetzten Zeitformen; 
z. B. ke ve ke ve ke lira. Sie sind nur emphatische, pleonastische Erweite- 
rungen der letzteren, als höfliche Formen besonders bei den Alten gebräuch- 
lich, bei dem jüngeren Geschlecht, welches sich schon mehr der kürzeren 
Ausdrucks weise der Europäer anbequemt, im Aussterben begriffen, weshalb 
wir hier auch nicht weiter auf sie eingehen. 

Die Abwandlung der Zeitformen beschränkt sich, mit Ausnahme des 
Imperativs, nur auf den Wechsel des Pronoms; zur Veranschaulichung möge 
das Präsens 11. des Indicativs genügen. 

Sing. 

1. Pers. ke a lira, 

2. „ o „ 



3. „ 1. GL o' „ 

2. „ 0' ., 

3. „ vo „ 

5. ,. M 








PI 


ur. 


re 


a 


lira. 

« 


U 


» 




va 


' j» 




e 


»> 




a 


jy 




a 


j> 




U 


«« 





»1 w 



Der Imperativ (incl. Optativ) wandelt sich folgendermassen ab: 

Sing. Plur. 

1. Pers. a ke Urel — a re lire (Dual), a re Hrep (Plural)! 

2. „ Ura'l — liran^ auch le liren*^ mit vorgesetztem objoc- 

tiven Pronom lireni als li Ureh » macht sie! 
8. 1. CL a a Urel — a va lire oder a va Ure'nl 



56 HitthailnDg«n ober die Sotho-Negn, 

Unregelm&ssigkeiteD und Defecte zeigen sieb nur bei den eioBilbigen 
Verben. — 

Adverbien sind entweder selbständige Stämme, oder sie werden «is 
AdjectiTStämmen durch Präfigirung der Partikel fa oder ^o mit der Präpo- 
sition ka gebildet; z. B. X'^X^^ °^^ ^^ X^X"^" — »Behi", vom Stamme 
j[olo = gross. 

Präpositionen gibt es nnr wenige. Zum Ersätze dienen ein Theil 
Ortsadverbien mit nachfolgender Partikel x'a (= /o<^ ^- J- pronominales j[o, 
und PoBsessivpartikel o); als: ^ofimo X" ■ ■ ■ = »über" (d. h. oben von , . .) 
vtaM ^a . . . „unter" (d. h. unten von . . .)■ 

Conjanctionen sind, ausser ^ = „und" (eigentlich Präposition »mit"), 
Xe resp. ^a oder ha = „wenn" und ka mo = „wie", sämmtlich Verbal- 
formeo. Ea gibt ihrer eine ziemliche Anzahl. 

Was die Zahlwörter betrifit, so wird Eins nnbenannt durch nfdo' oder 
ntööe, benannt mittelst des Adverbs t4 resp. n oder ^nde mit entsprechen- 
der Präfixe (also Adjectivform als Adverb behandelt) ausgedrückt. 
FOr Zvei, Drei, Vier dienen die Adjectivstämm« veli, raro, t^nt, 
welche bei nnbenannter Zählung die Präfixe li, (/toe/i, tiraro, /t^n«), in be- 
nannter ZäMang die entsprechende Prs6xe erhalten und dann ganz als Ad- 
jectiven oder wie Adverben behandelt werden; z. B. cutho va vaveli — zwei 
Menschen" (adjectivisch) ; vatho va le vaoeli = „Menschen sie sind zwei" 
(adverbial). Die Zahl Fünf wird entweder auch adjectivisch wie Zwei, 
Drei, Vier, and zwar vermittelst des Stammes .lano, oder durch eine Verbal- 
form ausgedrückt, welche bedeutet „beenden die Hand" (fet^a wa^ta). Die 
Sotbo zählen nämlich an den Fingern; man fängt mit dem kleinen Finger der 
linken Hand an; bei Fünf ist man also mit der ersten Hand zu Ende. 
Die Zahlen Sechs bis Neun werden ebenfalls durch Verbalformen au»- 




Mittbeflnngen ober die Sotho-Neger. 57 

OrdDüDgazahl wird entweder wie die zweite bis vierte oder wie die sechste 
bis nennte behandelt; als: oa vo.lano oder oa vofetzasecuta resp. oa j[0 feüa 
sea. ta, riDer Zehnte^' beisst oa lettome; u. s. w. — 

Aus der Syntax föhre ich noch Folgendes an: Directes Sabject des 
Satzes ist stets das Primitivpronom, welches nie fehlen dar^ auch wenn 
der betr. Gegenstand genannt ist, der dann als Nominativ absoL das indi- 
recte Satzsubject bildet. Z. B Molimo o' a re rata = Gott, Er liebt ans. 
Das Object steht stets hinter dem Subject, and zwar vor dem Verb, wenn 
es durch das Primitivpronom, und hinter demselben, wenn es durch ein 
anderes Nom oder Pronom ausgedrückt ist; z. B. Molimo o' re Unle « 
Qtoit, Er (hat) uns gemacht; Molimo & lirile catho = Gott, Er (hat) gemacht 
die Menschen. Von zwei Objecten steht das terminative stets vor dem 
'transitiven; letzteres muss aber dann stets hinter das Verb gesetzt werden; 
z. B. ke mo neile lilyo = ich (habe) ihm gegeben Essen; ke mo neile tzona' 
= ich (habe) ihm gegeben sie, d. h. ich habe sie ihm gegeben. Wird der 
Gegenstand, der das Object bildet, vor dem Prädicat genannt, so steht er 
als Objectiv absol. (wie der Nom. absol.), für den dann hinter dem Subject 
sein Pronom folgen muss; z. B. Molimo ke a mo rata ^ Gott ich Ihn liebe, 
d. h. was Gott betrifii, ich liebe Ihn. — Jede Beifügung folgt dem nom. 
regens. Ein Umstand steht in der Regel zu Ende des einfachen Satzes; 
jedoch kann er, wenn er nachdrücklich hervorgehoben werden soll, auch an 
die Spitze treten; z. B. ke a mo rata ka j(oxolo = ich ihn liebe sehr; ka 
Xoj[olo ke a mo rata - sehr ich ihn liebe. — Ein Relativsatz, der stets 
Participialsatz ist, wird mit dem Hauptsatze verbunden durch das Relativ- 
pronom des Noms, auf welches er sich bezieht. Z. B. eo a lumelaj(o o' ^ta 
voloke^a ^ der welcher glaubend er wird selig werden, d. h. wer da glaubt, 
wird selig werden. — 

Der Bildungsperiod e nach steht das Sotho noch auf der aggluti- 
nativen Stufe, was die Etymologie sehr erleichtert, welche letztere zu dem 
Resultate führt, dass die Wurzeln der Sprache sämmtlich einsilbig sind. 
Dieses Resultat bestätigt die Ansicht, nach welcher die radicale Stufe der 
Sprachen überhaupt die der einsilbigen Wörter ist, auf welcher Stufe, wie 
ja bekannt, das Chinesische heut noch steht. 

Literatur und Geschichte fehlt bei den Sotho noch, da ihnen die 
Kunst des Schreibens bisher gefehlt. Die historischen Ueberlieferungen 
sind sehr dürftig und reichen auf höchstens 300 Jahre zurück. Von Natio- 
nalliedern theile ich hier einige Proben mit. 

Moj(oera'thake. 
Mojioera'thake: ^,Ke oolotze le vannal'*^ 
Freund-Genosse: „Ich bin ausgezogen mit den Mannen !^^ 
Tkake & kae? Manakane a Lesiva^ thaka^^marena. 
Der Genosse er wo? Manakanealesiva, der Genosse der Herren. 



$8 NJUluilDiigeD über die Sotho-Nager 

Lfoto U aela U;föra — Mo;foera-ihake — , W» le JaooMi iftoa. 
Ein Fuss übersteigt das Gehege — der Freund - Genosse — , der andere 

kämpft den Krieg. 

Erläaterung: Der „Freand- Genosse" ist der Häuptling, der in den 
Liede beaungen wird. Bei dem heisst es: „Ich bin aosgezogeo" a. s. w. 
(poetisch fär: „Er ist ausgezogen u. s. w.) Vgl. hierzu den Anfang von 
Ps. 3« im Hebräischen. „Wo ist der Genosse?" so wird gefragt; d. h, wer 
ist der Genosse, der auszog? Die Antwort ist: ,,CEb ist) Manakane a Letiva, 
er ist der Genosse der Herren, d. h. der H&uptUnge (dies poetisch fllr: 
„Es ist A/., der Häuptling") Vgl. hierzu Ps. 24, 8. 10. Mit einem Fus^e 
steht er innerhalb seines Kraalgeheges, er, der Freund-Genosse, mit dem 
anderen ist er im Kriege, d. h. er ist ebenso Regent daheim als Feldheis 
im Kriege. — 

Monoj(e. 
Lyo, MonQX«\ Monava o' eme ka moselal 

weh, Schlange! Der Feind er hat sich aufgerichtet mit dem Schwänze! 
MapalekokQ to„ no^a lore. »e gtome! 
M., Schlange, Stab, nicht beiss mich! 

Erläaterung: MonoT^e ist rerblSmte Bezeichnung des hernach unter 
dem poetischen Namen Mapalekokp. to wiederkehrenden Häuptlings, den mait 
besingt als Einen, der kampfbereit ist wie eine auf dem Schwänze sich aof- 
richtende Schlange, die zu farchten ist „Stab" wird die Schlange gleich- 
nissweise genannt, weil sie, wenn sie lang aasgestreckt im Wege still liegt, 
fär einen Stab gehalten werden kann. 




Mittheilnngen über die 8otho*Neger. 59 

Noka ea xo seloa ka liphata a e lye. 

Der F1q88, der zu überschreiten mit Stöcken, (sie) verschlinge. 

Soana'-Mokone: ,^Ke lla\^^ Mokone o' ! laviloe laka. 

Kind des Rone: „Ich weine^^; der Kone ist geritzt einen Haatritz, 

Atotenene moramaxa, 

Krmalscblange bunte. 

Erklärung: Der zu besiegende Häuptling ist eine bunte Eraalschlange, 
die zur Hochsommerzeit trotz vom Regen angeschwollener Flüsse ,,Puffotter*^ 
in seinem Hause aufsucht, um mit ihm Streit anzufangen. Die Puffotter ist 
eine dicke, träge, langsam kriechende, sehr giftige Schlange. Hier kommt 
Dor ihre Trägheit in Betracht, nach welcher sie das Bild abgibt für einen 
Häuptling, der die Ruhe liebt, nicht Krieg anfangt, „der nicht isst das des 
Menschen/' d. h. der nicht von Raub und Beute lebt. „Ich vermag u. s. w.. 
d. h. derselbe Moaenene^ der nun redend eingeführt wird, versteht es, 
eine Maulwurfsmaus zu sein, die die Erde aufwühlt und Steinchen aufwirft, 
d. h. er weiss unbemerkt heranzuschleichen, bis er hervorkommt zu A.'s Heim, 
tun da seine Beute zu holen. Nun kommt eine zweite Strophe. Es werden 
Weiber redend eingeführt. Wenn in der Regenzeit der Regen ausbleibt, so 
werden die unzeitigen Geburten im Morast am Ufer des Wassers begraben, 
damit der Regen komme. Darauf bezieht sich die Klage: „Unsre Kinder, 
wir verderben sie, indem wir sie den Tiefen gebären." 04n ist der Fluss bei 
Lijdenburg, Mo latzehoane einer östlich von diesem Orte; Maaelaxanye ist ein 
früherer /<e/«-Häuptling, der dort gewohnt. Der Fluss, der an Stöcken über- 
schritten werden muss, bedeutet einen solchen mit reissendem Wasser, durch 
welchen man nicht ohne die Stütze eines Stockes hindurchgehen kann, wenn 
man nicht will hin weggerissen werden. „Kind des Kone^*^ ist poetische Be- 
deutung für ein Individuum des /fon^-Stammes. Der Kone weint, er hat sich 
vor Trauer die Haut geritzt. Die rührende Klage soll wohl eine Bitte an 
den Häuptling (den „Kraalschlange'') um Regen für sein Volk ausdrücken, 
8o dass darin zugleich wieder ein Preis des Häuptlings als Regenspender 
enthalten wäre. Der Schluss: Mosenene moramaj(a ist etwa soviel als: Das 
ist das Lied auf M. m. — 

Ny^po (Räthsel). 
MaxoR ka moka ^a le fe^ 

Häuptlinge zumal, nicht ihr gebt (ihr theilt nichts mit), 

Lep/uUa ke' Ma'mcude a vonyepo. 

Der Uebertreffer ist Därmer des Räthsels. 

j^Saa re j(ok'6a ke re talo: Nöana'- tse^to.^*" 

,yEl6 sagt, zu verstehen ich sage also: Kind des Honigkuckucks." — 

Thaven fa Ma'volepo aekokomoxa sevoela aeiUematau' ^ 
Am Berg zu Schleimers Heim (ist) ein Aufwaller ein Zurückkehrer 

ein Sichgoberdender wie ein Löwe, 



60 Xittheilan|t«D Sb«r die Botbo-tJ^T. 

Se re'w? „Saa re fo k6a Ire re ^alo: Noana'-pelo." 

Was sagt's? „Es sagt, za verstehen .sag' ich alRo: Kind des Herzens." — 
Morakana'- f^ma-, loa luma, a mofale, 
Mäaercben der Matter, es donnert, der zornigen, 
Loa luma, lik^omo li a -tojfa, 
Ee donnert, das Vieh l&aft weg. 
Saa fuma, loa kvruetla, loa . tom matltma ][0 Uma. 
Es donnert, ee knurrt, es vertreibt die Ackerer vom Ackern. 
„Saa r«, o e köa ke re iah: Nöana'- mnia, nfiana-mokfoft." 
aEe sagt, dn versiebst, ich sage also: Das Kind der Mutter, das Kind des 

Alarms." 

^a vone, h-atia '- koena, 

Wenn Du gesehen, Kind des Crocodils, 

Se itze »e le kana kana, »aa j(ola saa va kiohxolo. 

Es hat gesagt es ist bo und so gross, es w&chst, es wird sebr gross. 

„Nöana'- motho, ke le vt/a^f" 

,Das Menscbenkind, wie bin icbP" 

(yä k-ia, motSana a ^o rare. 

Er versteht's, der Anszieher von meines Vaters Heim; 

Ke Jaoa niffpo, a nyeloal; 

Ich gebe auf ein H&thsel, er löst's; 

Eä ka re laüo«XO nae. 

's ist als ob wir gelehrt worden mit ihm. — 



/^j/eti: 'Lare »e l^a vAnia, »e mela pha^o ka lipeli. 
Rathsel: Ein Banm er im Süden, er treibt Astlöcher zwei 




Mittheüan^rmi über die Sotho-Neget. 61 

bmst. ^a Ma'volepu ist eine Gegend in einem dem Pip(i-Lande benachbarten 
Gebirge. Die Wahl des Namens, „ Schieimersheim ^, deutet wohl auf die 
Schleimongsabsonde^ungen aus den Athmungsorganen. Das „Kind des Her- 
zens*^ ist wieder das Herz selbst. — Im dritten Elathsel ist Mutters Mauer- 
eben der Mund eines Weibes mit seinen Zahnreihen. Da donnert's oder 
lärmt wie vor Zorn, so dass das Vieh erschrocken nach Hause flieht; da 
donnerts und knurrt laut »(wie ein Löwe), so dass die Ackerleute vom Felde 
nach Hause eilen. „Kind des Alarms^ = Alarm. Wenn sich solcher er- 
bebt (etwa ein Weibergeschrei, dass Feinde kommen), dann eilt Mensch und 
Vieh schnell nach Hause, um sich hinter schützenden Schanzmauem zu ber- 
gen. — Im vierten Elathsel ist das „Wenn Du gesehen^, so viel als „weist 
Do?' „Kind des Crocodils^ ist poetische Bezeichnung Eines, der den Aus- 
zog (pollo) mitgemacht, was bereits erwähnt wurde. „Es ist, als ob wir ge- 
lehrt worden mit ihm^, d. h. es ist, als ob wir zusammen gelernt hätten, zu- 
sammen in die Schule gegangen wären (so dass er die Elathsel so gut weiss 
wie ich selbst, der sie aufgiebt). — Im fünften Räthsel ist „Eänd der Nase^ 
"= Nase. V6r>a bedeutet das Angesicht. Welche räthselhafte Beziehung in 
dieser Bezeichnung liegt, vermag ich nicht näher anzugeben. Vdroa ist die 
Süd- und Südwestgegend. Vielleicht, dass das Angesicht deshalb v&röa ge- 
nannt ist, weil die Sotho vom Norden her gekommen, ihr Angesicht also 
^eichsam nach Süden gerichtet ist. 

KoHian 
Ko nanf Ko Ha tau' a nia.lo a maj^^uvelu^ 

Ich scheue was ? Ich scheue den Löwen mit den Augen den rothen, 
Ko kia moldmo oa fnoj[..ane tzeooj(0^^. 
Ich scheue die Wurfkeule von Mo^oane an der Furt. 



Erläuterung: Kom (Lied) der Weiber. Der Löwe ist das lüsterne 
Mannsbild, das dem Weibe nachstellt, das an der Furt etwa eine dort 
Schöpfende überfallt und durch Schläge mit der Wurfkeule von festem 
Üofödfi^-Holz nöthigt, ihm zur Unzucht zu Willen zu sein. — 

Ma'inama, 
Ma' inama^ inama! oe! o' a iaanioloxa; 
Bücke Dich, bücke Dich! o! er (sie) richtet sich auf; 
J\fftuiaj(oe ke ' taoloi oa thuri. 
Seine (ihre) Mutter ist eine Hexe. 

Erläuterung: Lied beim Dmhacken des Ackers. Wer sich dabei, 
schnell ermüdet, aufrichtet um zu ruhen, dess Mutter soll Hexe heissen (weil 
er faul ist, sich nicht gern bei der Arbeit bückt). — 



über die Sotlio Ncgtr. 

y.,fon •(öa re fsi- 
^•to'^ J(da re /si, ^t» tiena ma'j f 
Im Hause sagt es fsi, bineiagebt wer? 
' veiU mae aolin; a itaenkatsenka leUopzana; 
Peclhubu bat gelegt Eier in'a Dickicht; er wackelt hin uod her mit dem 

Kämm eben ; 
A Ma meL.to U litsfve. K^ono o' koele'nf 
Er scheut die Augen und Ohren. Was mag er nur gehört haben? 



Erläuterang: „Es sagt fsi", d. h. es ist dunkel. „Perlhuhn" ist der 
Mensch, der in seine HQtte kriecht. Die „Eier" sind seine ü-eräthe, die er 
im „Dickicht", im dunklen Hause hat Wenn er im Duuketn suchend um- 
hersieht, gleicht er dem Perlhuhne, das mit seinem Kamme bin und her 
wackelt, wenn es spähet Das „Eämmchea** bedeutet die Haarkrone des 
Sotho. „Er scheut" u. s. w., d. h. als ob er eich vor seinen eigenen Augen 
und Ohren fürchtete. „Was mag er nur gehört haben," dass er mit dem 
Kopfe so hin und her wackelt? — 

Anderes Tanzliedchen. 
Le.tameJo, Ufa k][amtlo re li ^ame; j^o .tahtela aej^öäxöa le moiokolofi. 
Riesenfrosch, nimm den Eimer, dass wir melken; es wird (die Kälber) weg- 
schlagen der Frosch und der Vielfuss. — 

Erläuterung: Die Kälber werden, wie bereite erwähnt, weggeschlagen 
nachdem sie bei den Kühen angesogen. — 



Ein Spottlied auf Schreiber dieses. 




XKtbeiloiifen aber die Sotbo-Kef^. ^3 

und holte meinen Handblasbalg; mit dessen Hilfe gelang es denn, ein ge- 
nfigendes Feuer zu bekommen. Zur Erinnerung an dieses Factum nannten 
mich die begleitenden Schwarzen von da ab Mouvane, unter welchem Namen 
ich bald allenthalben bekannt war. — 

Ein Tanzliedchen. 
.* Laola rvla la jj'o tnofta; poJi^a li ialele marulen. 

Such aus die Rula die zum Aussaugen, die Fauligen sie mögen bleiben bei 

den Rula. : 



Erläuterung: Die tanzenden Bursche stehen auf einer Seite, die Mäd- 
chen auf der anderen. Ein Bursche hat eine Wurfkeule, die reicht er dem 
Mädchen, welches ihm gefallt, und umgekehrt. Die Rulafrucht ist die Er- 
korene; die Fauligen, die zurückbleiben, sind die Verschmäheten. 

Baugesang. 
A ie ia i€ ^a ie it^ ea^ ee ee^ ea ee ee^ a ee\: ia ^e ee^ ea ee S^, | : ea ee ee^ 

ea ee ee; : | 
Mclak» a k)[oro^ i^ re aj[ela k^oüi^ re a^ela kj^oü^ : ): : |: w. «. ir. 
Stangen des Hofes, ja, wir bauen für den Häuptling, wir bauen f^ den Häupt- 
ling, : I : : I : u. s. w. 

Erläuterung: Dieser Gesang wird gesungen, wenn der Vorhof aus 
Stangen (oder Pfählen) fiir den Häuptling gebaut wird. — 

Strophe eines geistlichen Liedes Ton einem eingeborenen 

Christen. 
Morena njthapi^e^ ke Uo )[o' reta; 
Herr wasche mich, ich will Dich preisen; 

l^jhapüfe ka mali a X^X^-» ^ -^ J^' ^^^^^^ vathon. 

Wasch mich mit dem Blute Dein, ich will Dich erheben unter den Menschen. 
Xo lika re a lika re a leoala^ re levetie aefapanon. 

Dahinzugehn gehn wir dahin, wir vergessen, wir haben vergessen am Kreuz. 
Maf j[alimela thave^^ mmoto^ öa Gologothal 
Mensch, schau hin nach dem Berge, dem Hügel von Golgotha! 
Thav€tna!-' malt a vatho re vone^ j[a kj[o^ eJaka le fisenyi. 
Den Berg des Blutes der Menschen wir haben ihn gefunden, da der Herr 

litt mit den Uebelthätem. 



Erläuterung: „Dahinzugehn gehn wir dahin, wir vergessen,'' d. h. 
wir gehen dahin und vergessen. „Am Kreuz*' d. h. den am Kreuze, n^en 
Bintes der Menschen^, d. h. des Blutes, dass für die Menschen floss. 



64 UttheümigeD ober die Sotho-Neger, 

In den Fabeln der Sotho, deren es manclierlei giebt, spielt der Elephant 
die Rolle des Königs und der Hase die von Meister Reinecke. Einiges da- 
von ist in Or. Bleek's „Reinecke Fuchs in Afrika" enthalten. — Von Sa- 
gen erwähne ich folgende merkwürdige, die in ihrem ersten Theile auf Reste 
der Uroffenbarung oder auf in alter Zeit schon zu den Hotho gedrungene 
dunkle Kunde vom Cbristenthame hinzuweisen scheint. Ein grosses Unge- 
heuer verschlaDg einst alle Menschen bis aul ein Weib, das steh verborgen. 
Das Weib gebar einen Sohn. Als sie ihn geboren, ging sie hinaas, um Hols 
zum Kochen aufzulesen. Wie sie wieder hineinkommt, findet sie zu ihrem 
Erstaunen ihren Sohn bereits zum jungen Manne erwachsen. Der Sohn gebt 
hinaus und wandert sich, dass alles so still ist. Er fragt seine Matter, wo 
die Menschen wären. Sie erzählt ihm, dass dieselben von dem Ungeheuer 
verschlangen seien. „Doch still!" sagt sie; „es ist in der Nähe; ich höre 
sein Schnauben." Der Sohn ergreift ein Messer und stürzt, ohne auf du 
Bitten der Mutter zu achten, hinaus, dem Ungeheuer entgegen. Dasselbe 
erblickt ihn, stürzt sich auf ihn and verschlingt ihn. Im Eingeweide des 
Ungeheuers angelangt, macht sich der Sohn daran, mit dem Messer sich 
einen Ausweg zo bahnen. Dabei hört er auf einmal Stimmen, die schreien: 
,Nimm Dich in Acht, du tödtest una!~ Es waren die verschlungenen Men- 
schen. Behutsam zerschnitt er nun die Gedärme des Ungeheuers und be- 
freite die Menschen; dann machte er ein Loch in des Thieree Bauch und 
giag hinaus, mit ihm alle Menschen. Das Ungeheuer aber war todt — Die 
Menschen bewiesen jedoch dem Sohne des Weibes, der j^uveane genannt 
wird wie jener oben erwähnte Menschenschöpfer, keine Dankbarkeit; viel- 
mehr verfolgten sie ihn. Einmal hatten sie im Eraalbofe eine verdeckte 
Ctrube gemacht nud einen Ehrensessel darauf gestellt. Sie schickten zu 
^uveane und luden ihn in die Versammlung der VorDehmen, in deren Mitte 




Mittheiluogen über die Sotho-Neg^. 65 

Die Dialekte des Sotho sind aDgemein zahlreich. Der kleinste Stamm, 
der mitunter nur einige Hundert Köpfe zählt, spricht anders als sein Nach- 
bar. Es erinnert dies an Achnliches in Friesland. Hierbei will ich gleich 
erw&hnen, dass noch eine andere Erscheinung an Friesland erinnert, nämlich 
der Name ftbr „Vater** und „Mutter". „Vater" heisst im Sotho „tote'", im 
Friesischen y^TQie^\ „Mutter heisst im Sotho „fn/iie**^^ im Friesischen y^Mem,^ 
Es ist flberhaupt interessant, beide Bezeichnungen durch die ganze Welt auch 
bei den am meisten verschiedenen Völkern immer wiederkehren zu sehen. 
Vergl. das Hebr. oy, das Griech. /fai<///^, das Lat mamma, Franz. maman, 
das Fries. „Afem**, das Sotho inme'=ma/ne^ vocativisch fnnia'=mama\ im Eafir 
mane, und die Wurzel in lirjtt^n^ mater, Mutter; — ebenso das Hebr. :3x, baba 
im Türkischen, baba im Eafir, papa im Tevele und Latein, tkct/jq^ pater, 
Vater, nnd dann wieder jenes friesische y^Tate^ und das Sotho ^ y^tatef^^ 
TocatiTisch taJta\ im Eafir udade. Dergleichen beweist, wie auch die Ent- 
wickelang der Sprache nach bestimmten Gesetzen, die bei allen Völkern 
wiederkehren, die ursprüngliche Einheit der menschlichen Sprache und 
fuhrt mit unwiderstehlicher Consequenz auf den Ursprung des Menschenge- 
schlechtes ans einem Blute. 

Einer Eigenthümlichkeit ist noch zu gedenken, nämlich dass bei den 
Sotho (ebenso wie bei den Eaffem) Männer und Weiber gleichsam ihren be- 
sonderen Dialekt haben. Die Männer wissen mitunter gar nicht, wie die 
Weiber dies nnd jenes bezeichnen, was die letzteren besonders betrifil, und 
umgekehrt Ja oft haben die Männer für dasselbe Ding eine andere Bezeich- 
nong als die Weiber. 

Schliesslich will ich noch der Zeitrechnung Erwähnung thun. Eine 
Wocheneintheilung kennen die Sotho nicht, wo sie dieselbe noch nicht von 
Europäern angenommen. Sie rechnen nach Monden, deren sie zwölf auf ein 
Jahr zählen. Da hierbei stets ein Ucberschuss von einem Monde jährlich 
heranskommt. so geräth die Zählung vielfach in Verwirrung, und die Alten 
sind oft im Streit mit einander, in welchem Monat man stehe. Die Namen der 
Monate hängen mit irgend w^elchen charakteristischen Erscheinungen während 
derselben zusammen. So z. B. heisst der Mond, der etwa mit unserm Mai 
ZQsammentrifii, Mosej^anoh = Gelächter der Vögel, weil in dieser Zeit eine 
Art Alo€ blüht, in deren Blumen Zuckersaft gefunden wird, welchen die 
Vdgiein fröhlich zwitschernd trinken. (Die unbefiederten Vögel sind freilich 
aach nicht friul, die Blüthenstengel abzubrechen und den süssen Saft auszu- 
saugen, wobei es denn von dem Blumenstaub orangegelb gefärbte Nasen, 
Manier und Wangen abgibt.) Der Monat, welcher etwa mit dem November 
übereinstimmt, heisst Liphalane = kleine Roodebok -Antilopen, weil es die 
Zeit isty da diese geboren werden. — Jahreszeiten kennt der Sotho nur 
drei, nämlich selemo = Ackerzeit, von September bis etwa in den December 
hinein; dann kommt leJavula^ bis in den März, die Zeit des Hoch- und 
SpÜsommers ; darauf folgt marexdy der Winter, bis August. „Ein Tag'' heisst 

TilUftrlS fir Rtboolofi«, Jahrgang 1874. 5 



66 Debai eloe Modi&MtiaD de> IiOOBs'Bcbea ?*icblienipptntM. 

„eine Sonne", „zwei Tage" ^zwei Sonnen" u. s. w. — ÄBtronomiacbe Kennt- 
nisse fehlen bis auf die Benennung des Morgensternes, des Winterstenies 
ond anderer hervorragender Sterne und Sternbilder; der Orion e. B. beisst 
thtt loa = Giraffe. 



üeber eine Modification des Lncae^schen Zeiclinen- 
Apparates. 

Herr Professer Lncae hat vor einiger Zeit im „Archiv fBr Anthropologie* 
(Bd. VI. Heft 1 und 2) eine Modification des von ihm angegebenen Appa- 
rates znr Aa&abme geometrischer Zeichnungen des Schädels beschriebeD, 
weicher offenbar der früheren mangelhaften Form gegenäber einen wesent- 
lichen Fortschritt darstellt, iDdem es erst mit Hülfe dieses Instrumentes mög- 
lich wird, Zeichnnagen luizufertigen , deren Projection »ebenen sich genan 
unter rechtem Winkel schneiden. Aber so vollkommen diese neue Form im 
Princip ist, so ist doch in ihrer Constraction ein Mangel nicht zu verkennen; 
ich meine die schon von Herrn Prof. Luca« selbst hervorgehobene Noth- 
wendigkeit, den Sch&del zweimal zu fixiren, wenn man sämmtUche sechs 
Seiten zeichnen will. 




Anthropologiseh-ethnologrisebea Albnm in PhotogvaphieB. 67 

kiekt möglich war — soweit verlängert sind, dass die den Schädel tragenden 
Nadeln die Unterlage nicht berühren. Bei dieser Construction konnten die 
Nadeln durch die Kanten des Würfels gelegt und dadurch die störenden 
Querst&be entbehrlich gemacht werden, welche bei dsr Lucae'schen Form 
des Apparates die Nadeln und die >Klemmschrauben tragen. Die zum Zeich- 
nen dienende, von einem hölzernen Rahmen eingefasste Glassplatte legt man 
passenderweise nicht auf die Verlängerungen ~ es würde dadurch die Ent- 
fernung von dem zu zeichnenden Gegenstande zu gross und in Folge dessen 
die Grenauigkeit der Zeichnung beeinträchtigt werden sondern zwischen der- 
selben und befestigt dieselbe der grösseren Sicherheit wegen mit cwei Klemm- 
schrauben. 

Ein Vorzug diese» Apparates, den ich nicht unerwähnt lassen will^ ist 
seine grössere Wohlfeilheit. Das optische Institut des Herrn A. Wichmann 
(Hamburg, Schopenstehl 27) liefert denselben, excl. Orthoskop und Verpackung' 
mm Preise von 12 Thalem. Der Apparat ist also um mehr als die Hälfte 
billiger, als der Lucae'sche. I. W. Spenj^eL 



Anthropologisch-ethnologisches Albnm in 

Photographien 

von 
C Dammann in Hamburg. 

Heimos^egeben urit Unterstutznn^ aus den Sammlungen der Berliner Gesellschaft für 

Anthropologie, Ethnologie und Uiffeschichte. 
Verlag von Wiegandt, Hempel und Parey in Berlin. 

Wohl keinem Freunde der Anthropologie, Ethnographie und der ver- 
wandten Wissenschaften ist es heutigen Tages noch zweifelhaft, ein wie drin- 
gend gefühltes Bedürfniss für den erfreulichen Fortschritt unserer Erkenntniss 
gute Abbildungen der verschiedenen Völker sind. Was in dieser Richtung 
aas früherer Zeit vorliegt, ist ausserordentlich dürftig, da gewandte Portrait- 
maler, welche der Aufgabe gewachsen wären, fremde Typen schnell und 
sicher wiederzugeben, nicht übermässig häufig gefunden werden und im eige- 
nen Lande ein zu gutes Auskommen haben um sich allzu sehr nach bar- 
barischen Wildnissen zu sehnen. Selbst wo die Gunst der Verhältnisse es 
wirklichen Künstlern möglich machte, fremde Nationen in umfassender Weise 
darzustellen, ist es nicht schwer nachzuweisen, dass die persönliche Auffas- 
song derselben, sowie das unwillkürliche Zurückfallen der Hand in die ge- 
wohnten europäischen Formen das Originelle des Bildes getrübt hat 

6* 



gg ADthtopobKUeh-cthnoloftiBchM Albam in PbotograpfaiMi. 

Nur ein Mittel giebt es den billigen Anforderungen der Anthropologen 
an eine mögliebst ninfBiigTeiclie Portraitsainmluiig der verschiedeDen Völker 
gerecht zu werden: dies ist die pbotographische Herstellung einer 
solchen, indem die Photographien auch als Correctiv fOr die persönliche Auf- 
fassung in den besten Darstellungen von künstlerischer Hand dienen können, 
und allein eine sichere Vergleichung erlauben. 

Mit Freude sollte daher jeder Anthropologe das Erscheinen eines Wer- 
kes begrGasen, dass dem Mangel in ergiebigster Weise abzuhelfen verspricht 
und dies Versprechen auch sicher erfCÜlen dürfte, venu die Theilnahme des 
Publikums si^ih dem Unternehmen in verdientem Maasse zawendet Ea ist 
dies: Dfis anthropologisch - ethnologische Albnm von Photo- 
graphien, herausgegeben von C Dammann, von welchem bereits 6 Liefe- 
rungen erschienen, sind. Man vergleiche nur, eine wie bedeutende Fülle der 
Anschauung eine einzige Lieferung dieses Prachtwerkes der in ihrer Weise 
gewiss klassischen ZusammeDStelliiog physiognomiscber Typen in Schadow'g 
Polyclet gegenüber enthält, um sich deo enormen YortheÜ der photographi- 
schen Darstellung ganz zu vergegenwärtigen. 

Die Ausstattung des Albums ist sehr reich, sowohl durch das gewühlt« 
Format, das verwandte Material und den geschmackvollen Druck der nähe- 
ren Bezeichnungen. Es ist Herrn Dammann's angestrengten Bemühungen ge- 
lungen, eine grosse Anzahl der seltensten Typen zusammen zu bringen, und 
zwv zum grossen Theüe in Originalnegativen, von denen die Abzüge je nach 
der Grösse in verschiedener Zahl auf FoUocartons vereinigt werden; unter 
jeder Photographie findet sich die Bezeichnung, am Fusse des Blattes auch 
kurze Notizen über die in Bede stehenden Stamme, die Urheber der Auf- 
nahmen und Aehnliches. 

Der grosse Nutzen, den das Unternehmen der Wissenschaft zu leisten 




AnthropoIogisch-ethnologMches Albam ia Photographien. 69 

Ueberblicken wir kurz, was in dem bisher Yeröffentlichien Theil Torliegt, 
so gehen wir in der ersten Lieferung besonders die Ostküste von Afrika, 
Sibirien, Japan, Siam vertreten; die zweite enthält hauptsächlich die Snnda- 
Inseln, den Archipel des stillen Oceans, Nordamerika; die dritte Vorder- und 
Hinter -Indien, Bomeo und Celebes, Süd -Afrika; die vierte Aegypten, Süd- 
Amerika und Neucaledonien ; die fünfte Australien, den malayischen 
Archipel und das Gebiet des Amazonen -Stromes, von letzterem besonders 
ausserordentlich prächtige Typen sowohl durch Auswahl wie Ausführung; die 
sechste endlich ausser einem Blatt über dasselbe Gebiet, Siebenbürgen, Wal- 
lachei, Polen und Peru. 

Es geht aus dieser Aufzeichnung, welche von den fünf Blatt jeder Liefe- 
rung stets nur die hervorragenderen erwähnte, hervor, dass in der vorliegen- 
den Vertheilung die Länder nicht streng geschieden sind; eine solche An- 
ordnung war durch das allmälige Ansammeln der Typen selbst geboten, doch 
stehen die zusammengehörigen stets möglichst vereinigt, so dass nach Ab- 
schluss des Werkes eine systematische Gruppirung der losen Blätter sich 
ohne Schwierigkeit ausführen lässt. 

Soweit nodi Lücken in dem einen oder andern Gebiet sich fühlbar 
machen, wird jeder, der Literesse an dem Gedeihen des Ganzen nimmt, 
auch durch Leihen von etwa in seinem Besitz befindlichen guten Typen an 
den Herausgeber dem Unternehmen hülfreich sein können, wie dies bereits 
auch durch die Berliner anthropologische Gesellsl|^ sowie durch verschie- 
dene Private nach Möglichkeit geschehen ist. Unvollendet wie das Album 
augenblicklich noch ist, stellt es doch' schon wie die obige Lihaltsangabe lehrt, 
' die omfimgreichste und am meisten Authenticität beanspruchende Quelle einer 
allgemeinen Vergleichung der Rasseneigenthümlichkeit des Menschen dar, 
während es gleichzeitig auch massenhafte ethnographische Details enthält. 

Selbst der Botaniker geht bei der Betrachtung nicht ganz leer aus, in- 
dem viele der einzelnen Figuren und Gruppen in ihrer Umgebung charakte- 
ristische Pflanzen der betreffenden Gegenden in natürlichen Wachsthumsver- 
hältaissen erkennen lassen. 

Möchte das verdienstvolle Unternehmen daher Allen, welche Interesse an 
der ^Elrkenntniss unseres eigenen Geschlechtes nehmen, dringend empfohlen 
sein and in richtiger Würdigung der Thatsachen der hohe Preis kein Hinde- 
ningsgrund sein, dem Werke auch in weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen! 

Dr. Gustav Fr^tsch« 



70 Aus Schwaben. Sagen, Ugenden et«. 

Aus Schwaben. 

Sagen, Legenden, Aberglauben, Sitten, Rechtsbrfinche, 
Ortsneckereien, Lieder, Kinderreioie. 
Neue Sammlang; von Anton Birlinger. 
Zwei Binde. WiMbuien Heinrich Killinger. 1ST4. Erster Bsnd. VIll u. .^12 Seit. OctsT. 
Der Name dessen, der die vorliegende, ebenso reiche wie sch&tzbare 
Sammlung unternommen, ist durch seine frQberen Arbeiten, namentlich auf 
dem betreffenden Felde, za vortbeilbaft. bekannt, als daas es erforderlich 
wäre, hier ausführlich auf den Inhalt jener einzugehen, wie denn auch Bir- 
linger selbst sich in seinem Vorwort sehr kurz gefesst hat, es jedem Leser 
überlassend, sich das ihn besonders Interessirende heraoBEnnehmen. Von 
dem, was namentlich meine eigene Aafmerksamlceit schon beim ersten Darcb- 
gehen erweckte, will ich hier unter Vielen nur Einzelnes hervorholen, da ich 
auf Anderes bei anderer Ctelegenheit zurückzukommen gedenke. So war es 
dann z. B. gleich die allererste Sage: „Die Herzogin Hedwig in Epfen- 
dorf bei Rotweil", welche die bemerkenswerthe Angabe enthält: „Dass 
auf dem Schenkenberg einstens es grossartig hergegangen sein muss, mag 
die S^e von dem kostbaren Brunnen auf Hegnen, einem dem Schenkenberg 
gegenüberliegenden Berge, bestätigen. Bleierne Denchel gingen unter- 
irdisch nnter dem Neckar hindurch auf das Schloss. Von der- 
gleichen onterirdi sehen RQ||renleitangen, vermittelst deren von einem Orte nach 
dem andern Wein geschafft wurde, ist n&mlich sowohl in noch anderen deair 
sehen (zwischen Trier und C5ln) wie in italienischen (zwischen Rom und 
Neapel) und sp&tgriechi sehen Sagen die Rede, so meine Anzeige von Zacher's 
Psendocallisthenes in dem Heidelb. Jahrb. 1868, S. 101. Eine Spur von dem 

■■ ['npu- 




Ans Sehwaben. Sagen, Legenden etc. 71 

R&aber eracUagen, da unternahm es die BAosfrau Blända, aas dem Kunga- 
H&rad im Warendbezirke, den Feind ganz za vertilgen, und mit Hülfe der 
mitverbundeten Frauen von fünf benachbarten Härads gelang es. Sie gingen 
mit reichlichen Vorräthen von Speise und Trank ins Lager des Dänenkönigs 
Sverker, und als die Mannschaft bezecht war, wurde sie bis auf den letzten 
niedergemacht Blända selbst erschlug den Führer Taxe. Seitdem haben 
die Wärendischen Frauen das Yorrcfcht, mit den Männern zu gleichen Thei- 
len zu erben, während der schwedischen Frau anderwo nur ein Drittel zu- 
flült; sie dürfen in Helm und Brünne auf der Brautbank sitzen und bei der 
Trauung Kriegsmusik vor sich her spielen lassen.^ Zu dieser schwedischen 
Sage stelle ich zuvörderst die altrömische über den Ursprung des Festes der 
Migde an den Nonae Caprotinae bei Maorob. Sat. 1, 11 (p. 215 f. Bip. vgl. 
Plut CamiUus 35), wo die Berauschung der Feinde von Seiten der Mägde 
gleichfalls wiederkehrt; auf einen Kampf mit denselben und deren Tödtung, 
weist der Umstand, dass bei der Festfeier die Mägde einander schlugen und 
mit Steinen warfen, zur Erinnerung daran, wie sie den Römern im Kampfe 
Beistand geleistet; der „omatus, quo tunc erant usae^ und den der Senat 
bei jenem Feste zu tragen gestattete, entspricht dem Helm und Panzer der 
schwedischen Bräute. Die nordische Version der Sage hat ein älteres An- 
sehen, während die römische späterer Auffassung angepasst scheint. Skla- 
vinnen waren 6eilich alle Frauen in der Urzeit, d. h. sie wurden als solche 
behandelt und mussten mit in den Krieg ziehen, von welcher Pflicht (abge- 
sehen von dem eigentlichen Amazonenthum, wie es in Europa durch die 
böhmische Libussa loch jetzt im Andenken fortlebt) erst eine spätere Zeit sie 
befreite, obwohl muicherlei Sitten und Gebräuche darauf zurückwiesen; so 
der, frenatus equus et scutum cum framea gladioque welche nach Tacitus, 
der Bräutigam der Biaut schenkte als Erinnerung, wie ich ^aube, an deren 
einatige Pflicht thätiglr Kampfgenossenschafi;, welche Pflicht in Irland sogar 
erst im Jahre 697 nadi Christi Geburt durch ein Gesetz Adamnän's, des 
nennten Abtes von Joni, abgeschafft wurde. „Women were in slavery und 
in oppression at that tine, tili came Adamnän, son of Rönan. The woman 
that was best of women (m ben ba dech de mnaiph) had to go to battle, 
„her wallet of food on ont side of her, her baby on the other side, her lance 
ai her back, thirty feet in height, a sickle of iron at one end of it . . . her 
hnsband behind her, a hegde-9ake in his band beating her to battle. '^ The Ms. then 
teils at length how Adumnäng mother extorted from him a promise to exempt 
women from such liabilities . . The date of the imposition oi Adamnän's law 
was697.** WhitteyStokes, FisAiamnain etc. SimlalSTO p. 36. Vgl. auch noch die 
von Maurer Germania XVI., 46! erwähnte Sitte, wo namentlich eine Lanze bei 
Hochzeiten noch im 17. Jahrh. eine hervorragende Rolle spielte; und so 
möchte sich endlich auch nocL erklären wie der Kriegsgott Odin (gleich 
Mars) nicht blos weil er Frühlin^sgott war, auch zugleich Ehe- und Liebes- 
gott sein konnte; vgl Gervasius -on Tilbury ed. Liebrecht S. 178. Weiter 



72 Ans Schwaben. Sogen, Legenden ete. 

auf diesen ganzen allerdioge sehr wichtigen Gegenstand einzugehen, maM 
ich mir für jetzt versagen und kann zuvörderat nur im Allgemeinen auf 
Bachofen's Mutteirecht Stuttg. 18iil Sachregister s. v. AmaEonen so wie 
dessen Sage von Tanaquil Heidelb. 1870 verweisen. — No. 21: Reforma* 
tionssagen „In Leutkirch soll zwei Jahre A. 1548 und 1549 kein Pre- 
diger mehr dagewesen sein , weil einer plötzlich des j&hen Todes aof der 
Kanzel starb. Es ging die Sage, „die Schwestern beten sie za Tod." Hit 
dem „Prediger" ist wohl ein protestantischer und mit den gSchweatem" 
Klosterschwestern gemeint. In Betreff des „Todtbetens" aber s. meine Ben. 
in der Germ. XIY, 399 (ziu- Zimmer • Chron. IV, 78). Dazu fQge ich nun 
noch folgende Stelle aus der Percy Anecdutes Lond. (Is68) II, 37. „In 
Lesinsky's „Voyage round the World" there is an account of a religious sdct 
in the Sandwich Islands who arrogate to themselve» the power of 
praying people to death. Whoever incnrs their displeasurt receives notice 
that the homicide litany is about to begin; and such are tbe effects of Ima- 
gination that tlie very notice is frequently sufilcient, witb these poor people, 
to produce the effeot." Dies ist jedenfalls eine sehr merkwOidige, wenn aach 
nicht alleinstehende Uebereinstiiamiing zwischen einem europäischen nnd 
einem australischen Aberglauben (vgl. oben 1873 S. 99 ff.) — No. 57: Von 
St. Leonhard. . . . „Eine uralte St. Leonhardskapelle ist die Lanpheimer, 
mit der eigenthürolichen Kette omzogen, die ganz volksthCmlich geworden 
ist." S. hierüber oben Bd. V S. 83. - No. 65. Von der guten Betha in 
Reute. H^>B Legende von den Fnssstapfen Christi in dea Fels, auf dem er 
bei der Himmelfahrt stand, ist im ganzen Mittelalter verwerthet." S. auch 
noch No. 291, 307, 334 und vgl. hierüber Tylor, Forschungen über die Ur- 
geschichte der Menschheit. Deutsche Uebers. Leipz. liÜÜ S.. 146— 148. -~ 
No. 134: Zauber mit nngebornen Kindern. „A. 15li8 hat einer einem 




Aus Schwaben. Sagen, Legenden etc. 78 

de f^ " Auch aus Russland wird berichtet: „Where Rusalkas (Wasser- 
nixen) have danced, circles of darker and richer grass are found in the fields/' 
Ralston, The Songs of the Russian People. '2 d. ed. Lond. 1872, p. 142. 
Auch manche andere unter dieser Nummer angeführte Volksausdrücke sind 
interessant, weil sie Benennungen für Dinge enthalten, die man oft aus frü- 
hester Jugend kennt, ohne zu wissen, wie sie eigentlich heissen ; wie „Hexen- 
tanz/^ Man nennt so das an ein Hölzchen gespiesste Hom- oder Bein- 
knop&tangen, Drillen. Hexenclavier. Bei dem werden über die hohle 
H&Iftc einer Baumnussschale etwa in der Mitte mehrere Fäden gebunden und 
dann ein i&ngliches Hölzchen hineingespannt, das nach der einen vertieften 
Seite niedergedrückt, klappernd auf der andern Seite anschlägt.^^ Nicht minder 
bemerkenswerth ist der Ausruf „Koty Mahra und a Hex!'^ da wir hier die althd. 
und alte Form „mara^^ d. i. Mahr, Nachtmahr wiederfinden; vgl. Grimm Myth. 1 VM. 
~ No. 149: Die Geisterhochzeit bei Schramberg. „Auf dem Braut- 
wagen Sassen die Brautleute, die Näherin und die Köchin ; letztere war haut- 
nacket, wie der liebe Gott sie erschaffen hatte, trug einen kupfernen Kessel 
aaf dem Kopfe and hatte ein Bund Kochlöflel hinten stecken.'^ Hierher ge- 
hört das phantastische Nachtvolk im Montaftm, das Gefolge einer weissen 
Frau mit schöner Musik und phantastischen Gestaltep, zuletzt Eine mit emer 
Kochkelle im Hintern. Vonbun, Beiträge u. s. w. S. 8. Dieser Kochlöffel 
iat ohne Zweifel an die Stelle eines früheren Schwanzes getreten, wie er sich 
bei der norwegischen Huldra und Gurö Rysserova d. i. Gudrun Stuten- 
schweif vorfindet, s. Mannhardt German. Mythen S. 80 f. u in der Zeitschr. 
f. d. Mythol. 4, 428, in welchen Wesen derselbe ein Bild der Wolke erkennt. 
— No. 340: Von St. Hümernuss Ueber diese wunderliche Heilige s. 
Wolfgang Menzel, Die vorchristliche Unsterblichkeitslehre 2, 275 ff., der den 
Ursprung derselben in dem alten Heidenglauben findet. — No. 358: Der 
siebente ein Zauberer. „Wenn sieben Leben nach einander geboren 
werden, so ist dem letzten von der Natur die Kraft verliehen, alle Schäden 
durch blosse Berührung curieren zu können, z. B. Gewächse, Ueberbein, 
Geschwulst u. s. w.^' Dieser Glaube herrscht auch im Vogtlande; s. Wuttke, 
Deutscher Volksabergl. § 479 (2. A.); s. auch Grimm Myth. 1. A. Aber- 
glauben No 786. Nach Morhof schrieb man dem siebenten Sohn einer Fa- 
milie die Kraft zu, Kröpfe zu heilen. Paulus Cassel, Le Roite touche. 
Berlin 1864, S. 17. Auch in England war ehedem dieser Glaube allgemein 
und ist es zum Theil noch jetzt; s. Henderson, Folk-Lore etc. Lond. 1866, 
p 262. In Frankreich nennt man einen solchen heilkräftigen siebenten Sohn 
^marcou^^; dergleichen Personen sind namentlich im Orl^annais und Gätinais 
häufig zu finden. Sie haben auf irgend einem Theile ihres Leibes das Zeichen 
einer Lilie und der Patient darf dasselbe blos berühren, so wird er geheilt, 
oder auch der marcou blässt auf den Knopf und der Erfolg ist der nämliche. 
Choice Notes firom „Notes und Queries*'. Lond. 1859, p. 59. „Marcou" ist 
deatsch ,,Markolf ^; so heisst mhd. und an einigen Orten auch jetzt noch der 



74 Ans Schwaben •'^agen, L^Dden etc. 

Heber. Ist unter diesem Vogel wie unter der Elster (s. oben za No. 140) 
ii^end eine Gottheit verborgen? Darauf weist riellflicfat auch der Glaub«, 
dasB der SteiD in seinem Neste unsichtbar macht; s. Zeitschr. fOr i. Myth. 
1, 23t). Die Kratt sich unsichtbar za machen, ist aber nach mehreren Mytholo- 
gien eine besondere Eigenschaft göttlicher Wesen; vgl. Grimm Myth. 431 f. Die 
Ableitungssyllie „olf ' dient gleich „olt" fftr ungeheure geisterhafte Wesens, ebend. 
721 f., war aber ohne Zweifel ursprünglich ein Substantiv und identisch mit,, Wolf 
dem unheimlichen, zauberkräftigen Thiere, dessen Namen sogar man sich ana- 
zusprecben sclieute. Vgl. Grimm D. Gramm. 2, 33l) fi. Keinhart Fuchs XXXVIL 
LIII. S. Mytb. 411, Anm. *** Weiter auf diesen Gegeostaod , einzoftebai, 
wäre hier nicht am Ort und will ich nur noch bemerken, doas bei den Ch«ro- 
kesen jeder siebente Sohn als Prophet geboren wurde. Bastian, Die Recht«- 
Verhältnisse bei deu versch. Völkern der Erde, S. "209. — No. 359: Drei 
Köpfe. „Die Leichname (Erhängter im Di«nger Amt) mussten unter in 
Hau'sschwelle durch oder durch eine hinausgeschlagene RJegelwand entfernt 
werden, damit der Selbstmörder nicht geiste." Ueber diese Vorstellung und 
die sich daran knüpfenden Gebräuche in vielen Ländern, 8. oben 1873, S. 101. 
Weiteres habe ich hinzugefügt in der Academy IV., 345, cf. 34*J; hier nodi 
folgende Stelle aus Vincent. Bellov. Spec. Hist. 31, 7 (nach Piano Carpini), 
an welcher es sich von den Tartaren bandelt: „Si alicui morsellua imponitor, 
quem deglutire non possit, at illnm de ore sao dejicit, (bramen sub Station« 
fit, per quod extrahitur ac sine ulla miseratione occiditur." Offenbar wird 
der Verbrecher auch hier unter dem Zelt doroh ein Loch durchgezogen, da- 
mit nach geiner Hinrichtung sein Geist nicht in das Zelt zurückkehre; denn 
dergleichen Oeffnnngen können leicht wieder gemacht werden, was bei der 
ThOr nicht der Fall ist. So heisst es von den Tuski (in Alaska). „Stirbt 
Jemand eines natQrlichen Todes, so pflegt man die Leiche durch i 




'Ot-mMkanUcbw Volkutämme L 77 

aasaen Ost-Afrikanischer 
e." I. 

gemessenen Individuen (ausser 

Insel geborene) , so ist dennoch 

ft, weil ja Vater oder (bes.) 

als Sclave aua einem Nachbar- 

•r werden dann im .Jnnero" 

1 Abzeichen' (davon sp&tnr). 

selbst weno er von Aeltern 

't deren Stammzeichen nicht 

'iDgeboreaeD möglich, sein 
•ben nimmt die Schwierig- 

m eine gerade Stellung 

gedacht werden muss. 

in deren 'Mitte sich 
■Wachses. 

inwIrto-Abplattnng 

MM. 

Sitien Tom 6e- 
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Binigs Eörpertn&MU iMtAfnktuuKhar VolkasUmme. 







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Bemerkungen zu den Korpennaassen ost-afnkanischer Volksstämme I. 77 

Bemerkungen zu den „Körpermaassen Ost-Afrikanischer 

Volksstämme." I. 

Za Spalte I. Stamm: Obgleich die gemessenen Individuen (ausser 
S(K*i3i) importirte Sclaven sind (nicht auf der Insel geborene), so ist dennoch 
bre Nationalitäts- Angabe dadurch zweifelhaft, weil ja Vater oder (bes.) 
fatter oder ein näherer oder fernerer Vorfahr als Sclave aus einem Nachbar- 
kamme übergeführt sein kann. Solche Kinder werden dann im „Innern" 
i den Stamm angenommen und erhalten sein Abzeichen' (davon später). 
kr auf der Insel oder ETüste Sansibar geborene, selbst wenn er von Aeltem 
leiehen binnenländischen Volkes herstammt, erhält deren Stammzeichen nicht 
od nennt sich Suaheli. 

Zu U.: Es ist naturlich keinem der hiesigen Eingeborenen möglich, sein 
her anzugeben. Mit dem Aelterwerden dieser Menschen nimmt die Schwierig- 
st der Abschätzung zu. 

IV.: Es ist oft unmöglich, den schlaffen Körper in eine gerade Stellung 
1 bringen. 

V., welche als über Nasenspitze und Mupd gezogen gedacht werden muss. 

VI. Mit möglichster Niederdrückung der Haare. 

VU. Darunter verstehe ich von der Nasen stirngr übe, in deren 'Mitte sich 
;ew5hnlich eine Falte befindet, bis zum Beginn des Haarwuchses. 

Vni. Von der (V. VII.) genannten Falte bis zur Einwärts- Abplattung 
k Nasenspitze. 

IX. Zahnlose Individuen kamen mir nicht unter das Maass. 

XI. Ich sah mich genöthigt als solche die Höhe beim Sitzen vom Ge- 
w bis zur Schulter, auf der Rückenseite gemessen, anzunehmen, da mir 
licht gestattet wurde, ein Ende des Bandes zwischen die Beine zu halten. 

XII. An der Aussenfläche vom Beginn des Oberarmknochens bis zu 
noer der äusseren oder inneren Handfläche gegenüberliegenden Stelle. 

Xül. Auf der inneren Fläche. 

XIV. Beinlänge oft zweifelhaft, da sich die Individuen das eine Ende 
ks Maasses selbst hielten. 

XV. Bei vollen Lungen und straffem Bande. 



SpTsehltcbw TOD WHt-jUrikk. 



Sprachliches von West-AiVika. 

Von den der Btuitu-Faiiiilie des eüdlichen Afrika aii)z;ehOrif^ Spradua 
Niederguinea's war bisher nur das Buoda einigermassen bekannt, wu dar 
früheren Bearbeitung Cannecattim's and neuerdings in der von Soozae 06- 
veira und Castro Francina herausgegebenen Graounatik. 

Ich hatte Gelegenheit zu einigen Aufzeichnungen Bber den Dialect Ka- 
binda, die sich später noch mit andern Abweichungen vergleichen 

Aus einer bevorstehenden Bearbeitung dieser Notizen folgen hier 
Parallelen : 



Kabinda. 


Yei boba 


Minu de tuba, 


ch spreche 


Yandi boba 


Yei U 


- 


Yätu tu bobanga 


Nande li „ 




Y£nu lu bobanga 


Bäfu Ü „ 




Yao boba 


B4nn ü „ 




Mona mp<Sbele, ich sprach 


Bao bi 




Ye! impdbele 


Minu ja tdbesi 


ich sprach 


Yandi impäbele 


Yei ua . „ 




Yätn tu pi^bele 


Nande ua „ 




Yinu lu p(ibele 


Bäfu ti 




Yao pibele 


B&ru la 




Bonuna. 


Bao ba 




Minu vova (ich spreche), Mino pÖTel«, * 


Minu cuyza tubi 


(minu da tuba) im Fat 


ich sprach 




Sprachliches tod Wett-AiVika 



79 



Kabinda. 
IGna lia, ich esse 
Misa indile, ich ass 
Yd alile 
Nande-olile 

Bifii tubile * 

Kna lulile 
Bio ba lile 
IGnii da lia, ich werde essen 

Musseronghi. 
Mino ta dia 
Tei ta dia 
Ntndi ta dia 
Yata vonzo ta dia 
Tina la dia 
Yandi ta dia 

Bomma. 
Lia qaami, ich esse (Essen meines) 
Lia qaako, du isst (Essen deines) 
Lia nande 
lia bäfa 
Lia bäna 
B«)Iia 

LiK qoami, ich ass 
IdE quaka 
DÜb caandi 
In Uli qaatu 
Ta lill bäna 
Uli bao 

Kabinda. 
IGna gongo-ami, ich will nicht (ich 

Abneigang meine) 
Yä gongo-ako 
Nande gongo andi 
Bifa gongo-ita 
Bäaa gongo-inu 
Bao gongo-ao 

Banda (ich Cannecattaam) 1805. 
Emmi Nga-za^la, ich spreche 
Eie Ga-za^la 



Una U-zaela 
Ettu Ta-zaela 
Ena Na-zaela 
Ana A-zaela 

Emmi Ghi-a-zuel^le, ich sprach 

Eii Gu-a-zuel^le 

üna ü-a-zael^le 

Ettu Tu-a-zuel^le 

Ena Nu-a-zueUle 

Ana-Ä-zael^le 

N*Bandu (nach Oliveira und Franzina) 

oder Banda (1864.) 
Emme nghi zu^la, ich spreche 
Eie u za^la 
Muene u za^la 
Etu tu za61a 
Ena na za^la 
Ene a zu^la 

Emme ngha zuelele, ich sprach 

Eie ua ssuelele 

Muene na zuelele 

Etu tu a zuelele 

Enu nu a zuelele 

Ene a zuelele 

Emme nghi ria, ich esse 
Emme ngha rile, ich ass 

oder (ich Cannecattuam) 
Emmi Nghi-ria, ich esse 
Emmi Ghi-a-rile, ich ass 

Mpongwe. 
Mi Eamba, ich spreche 

o „ 

E „ 
Azuwe 

Anuwe 

Wao „ 

Mi akamba, ich sprach 

Das Kongo fugt sich hiernach in seine natur- 
liche Stellung ein. 

A. B. 



Bücherschan. 

Oberländer: WestalHka vom St^negal bis Benguela, Leipzig 1S74. 

Ein fleissii; zuiiamiuen gestellt es Roch, das bei der verdienten Aufmerkaamkeit, die die 
lang veinacbläs>i(;te Westküste Afrik&'s jettt ID finden beginnt, der ßaachtang zu empfelil«D 
ist. Die Veröffentlichung ist lun&i'bst diirrb die lientsche Expedition in Afrika hervorgenifea, 
wo der Verfasser In der Vorrede sngt: „Der aus den Geognphiscben OesellBchifteii herroife- 
gangenen deuttchen Gesellscbaft zur Erforschung Inner- Afrika's' blieb es Turbehaltan, einen nalift- 
nalen Uittelpunkl für die bevorstehenden deiitsrhen Furachangsuntemebmen im iqnatomlen 
Afrika zu acbaffcn, und währanil wir diea schreiben, sind die Bahnhfecher dieser lleMll*chaft 
unlerwegs, um eine neue Aera anf dem Gehiete der Entdeckungen be rauf tu führen. Ult gr>a»«n 
, Interesse Terfnlgt die gunze gebildete Welt dieacs üiiternebmen und siebt huffeod und «r- 
«aAeiid seiDfD Resultaten entgegen." Wer sieb also über die VerhiltnlHse dar WutkSito 
unterriubten will, wird in diesem Buche einen angenebmeu Führer finden, das öberall inter«*- 
sante Schilderungen lielert und nur über die LoHngo-Eüäta selbst, den Ansgangapunkt der 
jetiigen Keisenilen, nicht viel tu sagen Termag, da sie, als bis soweit völlig unbekannt, ent 
der Erforschung bedarf. 

Perty: Die Anthropologie als die Wisseuecbaft von dem körperlichen tud 
geistigen Wesen des Menschen, I. Bd., Leipzig und Heidelberg 1874. 

Eine fasslicb gehaltene Darstellung des somatischen und psjrbu logischen Theilea dar 
Anthropologie, der wahrscheinlich in den nächster. Bänden ^über deren /abl nichts «ailet 
vermerkt steht) der ethnographische tu folgen bat. 

Rf^acsich: Das Leben, die Sitten onj Gebräuche der im Kaisertimm 
Oeaterreich lebenden Südslaren (aus dem Serbischen übersetzt), Wien 1873. 

Hit Wärme und Liebe, wiewohl mitunter etwas nnbehülflicb, geschriebene SchildaroDgen 
aus dem südalavischen Volksleben, die, wie man sieht, gröutentbeils auf eigenen AnschaODDgaa 
nnd Erlabnissen basiren. 

Lubb«ck Sir John : Die Vorgeschichtliche Zeit, erläutert durch die Ueber- 

,i.-s Alt.TtliiJii.« und d,-r Siu.^r, ui,d Ck-Im Siu-Il,- ,1,-, u-v/mi^-u W"ilden 




Znm westafrikanischen Fetischdienst 

(Fortsetzung.) 

Ursprünglich war das Land am Zaire von A£Pen (Msonse) bewohnt, die 
dorfweise im Walde zerstreut lebten (wie in Majombe). Da sie aber die 
Verehrong Gottes (Zambi's) vergassen und ihn sogar schmähten, indem sie, 
unter Elmporl^hrung ihres Gesässes, die Verwünschung Eindia anguaka aus- 
stteasen, so gerieth derselbe in Zorn und verwandelte sie in zottige Thiere 
mit wackelndem Gange, die jetzt behausungslos in den abgelegenen Theilen 
des Waldesdickicht hausen. Dann beschloss Zambi Menschen^) zu scha£fen 
und rief zunächst zwei Paare ins Lehen, Nomandamba tmd Mandele oder 
Handele, jeden mit einem Weibe als Gattin und wies ihnen ihren Wohnsitz 
neben einen Brunnen an. Dann übergab er ihnen zum Hausthier einen Hahn 
(Sosa-ambakala), und als derselbe am Morgen früh zu krähen begann, erwachte 
znenit der jüngere Bruder, der sich rasch vom Lager erhob und in den 
Bnumeh sprang, in dem er sich weiss wusch (als Mundele). Als der Lang- 
schlftfer später aufstand, fand er nur noch schmutziges Wasser im Brunnen 
imd blieb dasselbe schwarz (als Noman-damba). Alles auf der Erde im 
Pfltnzen- und Thierreich ist von Zambi gescha£Pen, und die stets erneuten 
Keime dieser organischen Wesen kommen mit dem Regen auf die Erde herab. 

Der Himmel (Usulu) ist in drei Zimmer getheilt, von denen das eine 
durch Sa-Manuela (die Mutter^ttes Santa Maria) bewohnt sind, die andern 
beiden durch ihre Söhne, Deso (deva-Su der Gott des Himmels) und Zambi- 
apnngo. Anfisuigs starben die Menschen nur für einen Monat, indem sie in 
einen langen Schlaf fielen, und dann mit der Verjüngung des Mondes wieder 
moflebten. Als jedoch die Mutter Zambi-apungu's gestorben war, und Deso 
die Bitte ihres Sohnes, sie wieder aufzuwecken, nicht erfüllen wollte, erzürnte 
sich Zambi-ampungu und entschied nun, dass fortan auch alle gestorbenen 
Menschen im Tode verbleiben sollten. 



^ Die Kan(^ und Lotngo haben eine Tradition von einer allgemeinen Vertilgung des 
— otcblkhen GeachleehtB (durch Himmelaeinstiin), woraaf ein nenea Geschlecht geschaffen 
wwtdt (Oldendoip). 

fir Ktkaolofl«, JalUfUf 1074. 6 



83 Zum wwtaMbDtichen FetiBchdleut. 

Dies ist die Vflrsioa der Mussorongho, wogegen in Eftkongo folgandt 
erzählt wird: 

Ale Himmel, Erde und Meer geschaffen war, hielt es Zambä-ampttag« 
(der höchste Gott) nicht für gut, dttsa die Erde leer sei, und er be»ii^ragt0 
deshalb den Untergott Zambi (derselbe, der in die Besessenen oder Umknlln 
eintritt and aus ihnen redet, sich also iji der Seele monifestirt) MeDsdiaa 
herzurufen, und diese wurden paarweise in die verschiedenen L&nder Iiiiial>- 
gesandt. Als sie sich nun rasch vermehrten, und bei Mangel jeder OrdiionK 
Streit und Zwist aasbrach, schien es angemessen, eine Regierung einznsetH», 
und Zamba-ampungu enthOllte sich im Traum (loto) dem ältesten Greis, äim 
verkündend, dass er ihn durch die Kronmütze zum König (Umtian) eiaeeice and 
mit dem Scepter (Chimpava) belehne, dsss er ihn jetzt aber auch für Alles, wM 
auf der Erde geschehe, verantwortlich mache und Rechenschaft von ihm fo^ 
dem würde. An solchen Plätzen des Landes, wo sich dämonische Kräfte 
manifestirten, die also als Sitz eines Fetisches bekannt waren, setzte der König 
die Ganga des Bodens oder der Erde (Ganga Umkine umsie) ein, damit sie 
hier die Aufsicht führten, und ihm wieder für die Thatea der Menschen ver- 
antwortlich und zur Rechenschaftsablegung verpflichtet blieben. ^Die übrigen 
Ganga haben sich mit den Fetischen, denen sie dienen und die sie zu vw- 
wenden vermögen, auf Privatwegen in individaelle Beziehungen gesetzt Die 
wichtigste Aufgabe der Priester ist die Regulirang der Witterung, und frflhar 
standen die Scingilli') oder Regenmacher (in Sogno) anter dem (unsterb- 
lichen) Ganga Cbitome. In Esseno wurde der Chitome Scingilla (Gott der 
Erde) auf einen Steinsitz am Fluse (mit seiner Coacubiae) verehrt. 

Zambi-ampungu schuf (nach den Mussorongho) seinen Sohn Bomba-Kinu, 
der mit seiner Frau (Kinganga-Kiuu) als Sohn (in dem Dorfe Nimimi) M»- 
tela zeugte, der das Wasser trinkbar machte. Ihm gebar seine Frau Pansao- 




Zim wwtafrikaiiischen V^ttoehdieiist 88 

# 
Fambaila Qm Kriege schützend), Kiongo (das Geflecht ftLr Säcke liefernd), 

Tadimsasi (beim Handel helfend), Binda (Erdnüsse gewährend), Kokola (den 
Handel schützend), Savöno (den Handel fördernd), Ta'ba (des Handels;, 
TabebelarMakwango (des Handels), Eibianu (des Handels), Sadi (des Krieges), 
Snkalla (der Schiflfahrt), Kinilaka (gegen Räuber fordernd), Efuma (vor 
Binteriudt bewahrend), Leoh (die Landung erleichternd), Un^tomaseki (Fische 
greifend), Konkafomroäli (im Krieg schützend), Taddidamuingo (des Han- 
dels), Longa (Heilmittel gewährend), Monselele (den König berathend), Bunse 
(Regen gewährend), Gongi-Amoanda (im Walde), Makaya (des Handels), 
Kaadango (des Handels), Kumbi (des Wassers), Masa-Mangayo (den Brunnen 
Bchütsend), Umpambu (gute Planken gewährend), Tuankissi (die Bäume 
schützend), Ejanji (Herr der Affen), Ibumba-Kaniantschuensunda (gute Stücke 
liefernd), Mayemba (der Fische), Ningunko (der Fische), ümtanina (der 
Fische), Tomataddi ^die Jagd schützend), Msese (die Pflanzen schützend), 
Tokimbassa (Palmwein gewährend), Bulambemba (Nahrung gebend), Lemba, 
Pango, Sokonka, Bubu, Alfunga (Fische verschiedener Art gewährend). 

Die in anbestimmter religiöser Ahnung an den Himmel (Zulu oder Sulu) 
Teraetzte Gottheit Zambi (Sambi), als Zambi ampungu oder in Bunda (nach 
Cannecattim) Zambi imochi (deos hum s6) wird anerkannt durch Ausspruche 
wie Zambiatumo (Gott hat Alles bestimmt), Zambi tumesi (Gott bat ihn ge- 
rufen) u. 8. w. Der an der Hand getragene Malungu oder Ring Zambi's ist 
ein eiserner. Dieser höchste Gott beauftragt den Untergott (Zambi) mit 
Schöpfong des Menschen , und bei der zweiten Schöpfung wirkte Zambi- 
imbi (der böse Gott) mit, nach dem (in Longebonde) Gelähmte und Stumme 
genannt aind, als von ihm gemacht Auch auf den. höchsten Gott mag eine 
yheilige^ Krankheit, wie es vielfach vorkommt, zurückgeführt werden, und bet 
Projrart heisst diese (die Meineidige trifft) Zambi-a-n-pongu, so dass sich aus 
ihr erst der Name entwickelt hätte. Von Zambi -a-nbi (imbi) oder dem 
QMt der Bosheit, heisst es, dass die einzige Art, ihm zu opfern, darin be- 
stehe, mit ihren Früchten beladene Bäume zu seinen Ehren absterben zu 
lanftfn «Der Bananas-Baum wird vorzüglich dazu gewählt.^ 

Im Gegensatz zu Zambi -ampungu, der vom Himmel herab die Welt 
schaflEt, wird Shimbi oder (in christlicher Reminiscenz, auch in Ceylon) Deso 
ans der Erde emporwachsend gedacht. Als erster Mensch brachte Watä- 
kelela Fener vom ELimmel herab (nach den Mussoronghi) und, in Cabinde stam- 
men die Chimpanse (Anziko) von einem Fetissero, der in den Wald floh und 
eich mit einer Aeffin mischte. 

Anfilnglich, wie die Mussoronghi erzählen, hatte Zambi-mpungu eine 
Menge von Sonnen geschaffen, da indess die Menschen in Folge der grossen 
Hitze allzn sehr litten, zerstörte er sie bis aut eine, und an ähnliche 
Mythen ans verschiedenen Theilen der Welt schliessen sich die vom Schlin- 
genfikuger der Sonne bei Lidianer und Polynesiero. 

Die abgeschiedenen Seelen (Chimbinde) gehen nach der obem Welt 

6» 



84 



Zun WMtafrikuÜHban ItaOniMUNMt.. 



Chinimbe) im Himmel, mögen indese aach den Embrjo im Uten» «ii 
gereo Fran neu beleben, wie sich solche Wiedereinkörperangea in (Stm* 
guinea und anderswo gleicbfalla finden. Was beim Tode nach Ob«D geht lA 
der Geist (Lunsi). Die zurückkehrende Todten heissen Umki^a and war aii 
sieht, wird im Geist (Lunsi) verstört. Disongola satikanni (es denkt) im 
Körper (siuitu). Der Puls heisst Maiyemba makoko. Tr&nme werdea oA 
durch die Einwirkung eines Fetissero verursacht Aus der }enBeitig«ii WA- 
(Moikwondi Simka), wohin sich die Sterbenden begeben, kehren die firiTtini 
zur Begeisterung zurück (bei spiritistischen Rapport^. Beim Tode entwwekt 
die Seele (Chinni). Wenn der Mensch stirbt, zieht ihn der Doko wa «MB. 
Haken zu Zambi-ampnngu hinaof (während in Australien die Schlüge Ib 
gleichem Zwecke dient, und auch in Indien die Yama's). 

In den Nachtvögeln') kehren aus der andern Welt solche Seelao cuttokr. 
die als Fetissero Uebles thun wollen. ,Die Loango stellen eich den Ort dtr 
Seligen da vor, wo Sambianpungo (Gott) wohnt, die Hölle aber oben in dar 
Luft, welche sich hingegen andere tief in der Erde denken. Von denen See* 
leu, die sum bösen Geist kommen, glauben sie, dass sie Gespenster verda. 
und wieder erscheinen, und weil sie ihre Neigung Bösea zu thuä behalto^ 
diejenigen im Schlai'e plagen, denen sie nicht gut sind, übrigens aber in der' 
Luft umherflattern und im Busche Lärm und Geräusch machen. Wenn alio 
Einer am dritten Tage nach seinem Tode wieder erscheint, ao sei es ein Be^ 
weis, dass er nicht zu Gott gekommen" (Oldendorp). Bei den Eweem hat die^ 
feindliche Macht Abosam in der Luft (Yame) ihren Sitz (wie im polarst Nor» 
den). Die gefahrlichsten Fetissero sind (in Loango) diejenigen, die sich ater: 
ben lassen und dann a|is dem Grabe zurückkommen, um das Fleisdi dge 
Kranken Nachts zu essen, uäbreud sie am Tage in der Wildniss von todUft 
Leibern leben. Wird nach einem Todesfalle deijenige, dem ein nachgelasee- 




Zorn WwtUfHkaiiitehen Ftotisobdieiitl 85 

Cüinibiiide in mnen Neugeborenen einf&hrt und wenn dieser von seinen Ver- 
wandten nicht gat behandelt wird, ihn tödtet, um sich dann auf andere Glie- 
der der Familie -zu werfen, die nach einander wegsterben werden, bis es einen 
Gkuigm gelingt, die Seele zu bannen. Der Ejmpanganga-Doki (bei Wanga) 
wird von dem Doko um Arzneien zum Tödten angegangen. Die Missionäre 
(bei Proyart) hörten von den Negern: Die Seele werde nach ihrer Trennung 
Tom Leibe, Dörfer and Städte fliehen und in der Luft über Wälder, nach 
den Wohlgefallen der Götter herumflattem. 

Die im Meere lebenden Fetische (Chivuku - vuku - umpema - mdolo) 
beherrschen (ao der Loango - Küste) den Wind. Umpema Mambili , als 
beiseer trockner Wind (Pema) ist der Wind des Fetisches (Mambili). Bei 
den Wolken (Matuti) werden unterschieden Matuti nombe oder schwarze Wol- 
ken, Matoti mampemba oder leichte Wolken und rothe (feuerfarbige) W olken, 
ab Taeolarsensa. Die Brandung (Mayo) ist das Reden des Zimbi (Shimbi) 
oder TeofeL Der Mawakala genannte Teufel verursacht Stürme (am Shark- 
Point) im Linem des Brunnen's Shima-Eiamasa. Die Strudel im Congo-Fluss 
werden durch Bnngu-Bungu verursacht. Die Schlange Nioka lässt durch ihr 
Eibeben das Meer anschwellen und verursacht durch unruhige Bewegungen 
die Calema (oder Eussuko). Die Wellen des Meeres heissen Mayo mombu 
(mambn oder Meer), die Ebbe Umkuango, die Fluth Moaba. 

Die Taudi San Zambi-ampungu (die Diener des Zambi-ampungu) kriegen 
aas himmlischen Höhen mit den Zimbi (Shimbi) und der Granga Andern be 
(Prophet) wird im Schlaf von den Taudi belehrt und erleuchtet. Die 
Ziabi Eakento (Teufelinnen) und die (Zimbi) Shimbi ke yakala (Teufel) ver- 
■iaeben dch zuweilen, um die Mana-mana-kaketterkasimbie zu zeugen, die 
wieder zu Zimbi (Teufelchens) aufwachen. 

Ia geschlechtlicher Mischung zeugen die männlichen und weiblichen 
Tandia San Zambi-ampungu (Engel Gottes) die kleinen Taudia-boso (Engel- 
cImd) oder Eimuaua-mana (Eiamboso), die gerufen werden mit: E^uana 
■aam wyza (komm, mein Engelchen), um neugeborene Einder zu begleiten 
und schützen (wie diese auch im Siam auf ihren Schutzengel hingewiesen 
sind). Bei den Eimbunda liegen (nach Magyar) die guten Geister (Eilulu 
Sande) im Erieg mit den bösen Geistern (Eilulu -yangolo-apessere), deren 
Dabeimacht durch die Gewitter des höchsten Wesen (Suku -Yanange) gezü- 
gdt wird. 

Wie in Grönland und Viti^) wird auch in Niederguinea (und am alten 
CSalmbar) die Ursache menschlichen Sterbens auf einen anfanglichen Streit zu- 
riekgefiihrt Als Guandi-an-Zambi-ampungu (die Mutter Gottes) starb, wünsch- 
ten iSambi-ampungu von Sa Manuela ihre Wiederbelebung und als diese ver- 
tagt wurde, liess man alle Menschen sterben, indem Deso sich dem Willen 



') In einen Streit wollte Ba Yula (der Mond) den Menschen nur zeitweis yerschwinden und 
wieder aufleben lassen, wogegen die Ratze (Ra Kalaso) meinte, dass die Menschen sterben 
nlltaa, wie Ratzen, und damit durchdrang. Bei den Eskimo streiten die Gottheiten des Tages 
te Ma^ fbor Forttobcn und Sterben und Letxtem Ueibt in Kraft 



gg Zum metoMkuiiMheii PetiididlaiiBL 

Sft Mannelas fQgte. Noch findet sich das Gebet: Sa Mannela mann biuigu 
kiako (laes beim Sterben leben, o Heiliger). Beim religiösfln Taaz ()■■• 
oder kina) wird gesangen (tola) : Zambi-ampungn kavanga diamboko ksnugi 
diabisako (Crott läset sie sterben, die MenacheD, Gott that nicht recht dma^ 
Die Wanika sagen (s. New) von Mulungn (Gott oder Himmel) vagttt tm 
Leiden im irdischen Jammerthal: Mulungn ni moi (God ia bad). 

Die Mtntechi (das Schwarze) genannten Flecken im Monde, die wuA 
als "Vuete de Masa (Regenwasser) oder als Umsundi Gule unkama (wa£ ciwil 
Stuhl sitzende Leute) erklärt werden, zeigen das Gesicht Zambi-ampmgl'l 
der von dort das Treiben der Menschen beobachtet, wenn der Vollmond g»> 
kommen ist (gondo ampaena iaanga mene). Am Rembo wird (oaiOk dl 
Chailln) der im Monde wohnende Geist, als Ilogo, angerufen. Na^ Qondo 
ifuidi (der Mond stirbt) im Dnnkel, beisst es (an der Loango-KOate) Qoad» 
is angamene (der Mond kommt wieder), and bei der l&rmenden BegrflMnitg 
des Neumondes (unter Schlagen der Lippen mit den H&nden) wird gesongca: 
Bakana yäla diako ko (jetzt werde ich nicht krank sein). 

Wie in so vielen andern Ländern, wird anch in Congo (was Merolla be- 
reits beobachtet hatte) die Idee des Fortlebens*) mit den Wandlungen dm 
Mondes verknQpft, indem man den Wechsel des Mondes mit dem Oesmg 
Eantua fua (der Mensch stirbt), Eantna jinga (der Mensch lebt wieder) be- 
gleitet, oder mit Eantua Zanibi-ampunga, deso da Manuele mavaaga kiako 
(auf den Streit bezüglich). Beim Aufgehen des Mondes heisst es Ooodi 
tensaminna (der Mond erscheint), beim Vollwerden Gonda elungidi (der Mond 
fallt). Der Vollmond^) ist Gonda amoensi und du Neumond Gonda Mnont. 

Mit einem Tambu (Tamba miansa ampnngn) oder Rad verarsachte ZuAf 
ampungn den Donner, der nach dem Ton als Umsasa tscbentu (weiblich) odw 
Umsasa bakala (m&nniicb) unterschieden worden, nnd den Blitz durch ToHemo- 




Zum wa8tafrikiniseh«n Fetisehdienst. g7 

findiiche Schlange, die sich vom Horizont ans am Himmel erhebt (wie bei 
den Eweern, denen der in den Sternschnuppen erscheinende Eriegsgott Njikpla 
auf seinem Pferde die Wolken durchreitet). In Guinea wurde (nach Boswell) 
die Schlange bei Dürre, sowohl wie bei N&sse geopfert. Der Blitz heisst 
M*sasi (Lusohiamo comban sasi) und der Donner (Chidumu-umvulu oder Lärm 
des Regens) wird von dem Fetisch der Erde oder Eissie -insie, der den 
Kasa-bijcis genannten Ganga bedient, erzeugt (tobend, wie der Erdgott der 
Shekiani). Wenn Regen ausbleibt, werden Fetissero beschuldigt und die An- 
geklagten müssen Cassa essen. Die Mandongo (wie Oldendorp bemerkt) 
nehmen für ihren Fetisch gerne etwas, was vom Donner gerührt ist und in 
Abbeokuta (in Yoruba) besitzen die Donnerpriester eingreifende Gewalt. 

Das alle primitiven Staatsverhältnisse durchwaltende Priesterkönigthum 
stand anch in ganz Afrika in Eraft und noch wohnt der der Stürme beherr- 
schende Enkulu am Vorgebirge des Steinpfeilers und Namvulu vumu (Eönig 
des Regen und Wetter) auf einem Hügel bei Bomma. In Loango wird der 
König eines schlechten^) Herzens (ukillu-umbi) beschuldigt, wenn wegen allzu 
starker Brandung nicht gefischt werden kann und man setzt ihn ab, weil er 
keine Liebe zu seinen Unterthanen habe (wie es dem Eaiser von China 
Torgeworfen werden mag). Als 1870 der Eönig Chinkussu durch den Mani- 
Loango vom Thron vertrieben wurde und bald darauf eine Sonnenfinstemiss 
eintrat, wurde diese dem Zwist der Eönige zugeschrieben. 

Der Eönig erhält „Zeichen der Ehrfurcht, die der Anbetung nahe kommen. 
Die gemeinen Leute sind fest überzeugt, dass seine Gewalt nicht blos in den 
Grenzen dieser Erde eingeschlossen sei, sondern dass er Ansehen genug 
habe, um Regen vom Himmel fiedlen zu lassen. Sie ermangeln daher auch 
aidit bei anhaltender Dürre, wenn sie ihrer Ernte wegen befragt werden, ihm 
Vorsiellimgen zu machen, dass, wenn er sich nicht bald seines Eönigreiches 
annehme, sie alle vor Hunger sterben und ausser Stand sein würden, ihm 
die gewöhnlichen Geschenke zu machen. Um auf der einen Seite das Volk 
an befriedigen und auf der anderen auch nicht zu viel zu wagen, übertr&gt 
er das Geschäft an') einen seiner Minister oder Räthe und befiehlt ihm, ohn- 
verzfiglich so viel Re^n auf die Felder fallen zu lassen, als nöthig ist, sie 
fruchtbar zu machen. Wenn dieser alsdann ein Gewölke wahrnimmt, oder 
Tennnthet^ dass es regnen werde, so zeigt er sich dem Volke, als wenn er 
(etat den Befehl seines Herren ausrichten wollte und dann versammeln sich 



') Increduloos ts to a fatare State, the Kafrs believe that sins are yisited by temporal 
ealamities, amongst which they reckon droaght, pestileoce, hail etc. (Masson) Nach Malek 
Maonir werden die Siaposh j&hrlich von ihren Qott (aas Kabal) m Pferde besucht, der nur dem 
Priester sichtbar ist (Masson) [Prentsen]. 

*) The Masai and Wakuavi (von denen die letzteren zum Theil TOn den ersteren unterworfen 
sind) are much infhienced by a recog;ni8ed sorcerer-chief, called Leiboni (s. New). The whole 
of tlie young^men, called El-Moran, constitute the army, while the more adyanced in life remain 
al kons to Protect the women, children and flocks. 

IMs LappnkÖDige (DL Jahrh.) waren suf^leich Oberpriester oder Oberhäupter (s. 



88 Zum wesUfrUuoiictieD Ftoti>clidi«iift. 

Weiber and Kinder nm ihn hernm, die alle ans rollem Halse Bcshreiea: gieb 
ans Regen, gieb ans Regen, den er ihnen auch mit der ftrSssten Zarersioht 
verspricht. Ungeachtet der Eönig ganz DDumschränkt über sein Volk herrscht, 
so siebt er sich doch oft in der Ausübung seiner Ciewalt durch die Prinzen 
seine Vasallen gehindert, die nicht viel weniger m&cbtig sind, als er selbsL 
(Proyart), 

In Kabinde (Eapiada) bildet sich dus Jahr (Von) aus zwei H&lften, der 
trockenen (Vou sebu oder Shiba) oder Nebelzeit und der nassen (Von tqIq 
oder Tempamvulu) oder Regenzeit, von denen jede in sechs (sieben) Monate 
zerföUt, und ein Gonda (Monat) setzt sich nach den Wechseln des Vollinonds 
(Grondu iiiil ungulea) oder Neumondes (Gronda mona) ans f&nft&gigen Woobeo 
zusammen, deren Tage Soaa, Kando, Mtona, Mzelo, Sosa beissen. Der Sonntag 
Sona (der gewöhnlich als erster Wochentag betrachtet wird) bildet einen Rahetag 
f&r die Frauen, die an ihm nicht arbeiten, aber auch sonstige Geschäft« wer- 
den nicht vorgenommen, und man nnterl&^st selbst die Palaver, die sich oft 
durch mehrere Tage hinziehen. Tuckey giebt als Wochentage (am oberen 
Zaire) Sona, Kanda, Ocunga, Kainga, and der Tag wird in drei Theile ge- 
theilt. Die Wanika betrachten (nach New) jeden vierten Tag als Ruhetag. 

Der elfte Monat (Kami yon gonde mossi) feilt ungeföhr in dem Septem- 
ber, und dann folgen Kami yon gonde aole, Kumi yon gonde tatu und Komi 
yon gonde ea (12., 13., H. Monat). 

Der September (die Zeit der kleinen Regen oder ihr Beginn) wird auch 
Umlola (Umvussuko) genannt, der Oktober Umvula sanina der Februar, (die Ge- 
witterzeit) Umdolo und der April (am Ende der Regenzeit) Umwala, wann Palm- 
wein reichlich ist und die Zeit derFj'götzungen beginnt. Die Cazimbe-Nebel (in 
der Cbisivo oder kalten Zeit) heissen Umvunja, die brandende Meereswoge (der 
Calema)UmvassakoalsD&nang. In der Nebelzeit leiden dieNeger von der Kälte'). 




tmm weitaftikanischen PetitehdienBt. 89 

Im Lande des CaEembe dauert der Winter (inverno port.) vom Oktober bis 
März (mit Regen und Hitze), der Sommer (estio) vom März bis Oktober 
und ist dies die kalte Jahreszeit^) auch in T^te, Sofala nnd Louren^o Marques 
(nach Gamitto)! Tnckey unterscheidet (am oberen Zaire) die trockne Zeit oder 
Gondy assivon (vom April bis September), die Mallola mantiti (ersten Regen) 
vom September bis October, die Voulaza mansanzy (zweiten Regen) vom 
November bis Jannar, die Voulaza chintomba (dritten Regen) vom Februar 
bis M&rz (mit Gewittern). 

Der Bezeichnung Ganga begegnet man weithin durch Süd-Afrika und sie 
trifft sich auch bereits in den alten Schriften über die Loango-Eüste. Der 
Ganga ist der Zauberer oder Wunderdoctor, das Vermittelungs- und Verbin- 
dungsglied des Priesters und Arztes, der, wenn nicht mit materiell wirksamed^ 
«it wunderbar geheimnissvollen Mitteln erst den Körper von seinen Leiden 
za befreien sucht, und nachdem sich dieses nicht mehr thunlich erweist, we- 
nigstens der abgeschiedenen Seele, zum Trost und zur Freude der trauernden 
Verwandten, seinen starken Arm leiht Nach den Eingebungeu der dämonisch 
begeisterten Mokisso^) oder Götzen werden die Eana (Kin) als Gelübde auf- 
gelegt Nach stattgehabtem Diebstahl werden die Götzenbilder unter dem 
Schalle von Trommeln und Trompeten auf dem Markte umhergeführt (siehe 
Proyart). Gesetzlich wird der bei einem Diebstahl Betroffene der Sklave 
des Bestohlenen, wenn er sich nicht durch einen Sklaven loskauft. 

Als Ordale bei den Wania nennt New das Eiraho cha Tsoka (die heisse 
Axt), das Eiraho cha Sumba (die heisse Nadel), das Eiraha cha Chungu 
eha Guandn (der Eupferkessel) oder das Eiraho cha Eikahi (das Stück 
Brod). 

Zum Schröpfen werden die oben durchlöcherten und dort mit Wachs um- 
klebten Antilopenhömer am untern Ende in einen Eessel mit heissem Wasser 
erweicht Der Arzt macht in der emporgehobenen Hautfalte kurze Ein- 



^ The granda caneirada or great feyer generally commences in February and terminates 
abottt th« end of April, durinf^ which time, if there is no rain, a circumstance which seldom 
oecim, the heat is excesrive and diseases make dreadfal ravage (& Loanda). Döring the cacimba 
or Winter season (considered the best season for frayelling) in the month of June and July, 
Karopaeana become in some degree acclimated (ValdezV The first dry season, calied by the 
Bsims (of the Gabun) Enowo, commences about the first of June an ends the first of October. 
Dariaf tliese four months the sky is oTercast and there are constant appearances of rain 
withoot enough at any time to lay the dust. For Europaeans this is always the coolest and 
bealthiest part of the year (in Southern Guinea) The second dry season, calied Nanga, com- 
OMnesi about the middle of January and continues to the first of Harch the heaviest rains are 
bstwMn the middle of Getober and the last of December. The rains commence again the last of 
Mareh and continue to the last of May (Wilson). 

*) On appelle Ganga- itiqui celui des Ministres, qui a droit de receyoir les presents qu*on 
Mi aoz idoles et de let präsenter sur leurs autels. Die (Sanga) C^nga Itiqui empfangen die 
GabM fir die Götzen (nach Ga^azzi). Bei den vom Erikokona beherrschten Bubi, die den 
Hokt (Uolen) opfern, giebt es ausser dem Manne Gottes (Buyeh Rupi) den Priester, der tanzt 

tia^ (i]0 Arzt faoginad). 



90 Znni «wUfrikuiiKhtn PaAebdieoft 

achnitt« mit dem Messer and sangt dann das angedrfickte Hörn, um es UMäi- 
her mit Wachs zn schliessen. Wenn einige Minnten später abgeDommen, 
ist es mit geronnenem Blnte gefüllt. 

Die zom Cassa-Essen dienende Rinde, soll, wenn nnten vom Baome 
abgeschnitten , als Medicin (als Pnrganz oder Vomitiv) verwendet werden 
können. In der oberen oder jöngeren ist das giftige Princip noch so stark, 
dasB.das Leben dnrch das' Einnehmen geföhrdet wird, doch liegt wieder (wie 
es heisst) ein unterschied darin, ob man sie von der Sonnen- oder Schatten- 
seite des Stammes gesammelt hat. Als Präservativ soll Oel getrunken 
werden. 

Mitunter wird es gestattet, dass ein Sklave fflr das Einnehmen des Rin- 
l^entrankes snbstitnirt wird. Erweist sich dann aber dieser als schuldig, so 
kommt man auf den Herren selbst zurück. In Cassatige giebt man beim 
N'Bambn (Schwur) den Rindentrank dem Hunde des Klägers oder dem des 
Beklagten ein und der Herr desjenigen Hoodes, der zuerst bricht, wird frei- 
gesprochen. 

Der durch seine Rinde zum Gottesgericht oder (früher) Bolungo (wie 
der MuauarBaum bei den Marawen zum Muave) dienende Baum in Mozam- 
biqae (s. Peters) ist durch Bolle als Erythrophlaeam ordale bestimmt. 

Ausser der Wurzel des Imboka-Baumes, um den Umdoke (witch) sa 
flberfflhren, diente Aüher zum Ordal (Ehitombo) das heisse Eisen, das Kauen 
von Bananenblättern, siedendes Wasser, die Emba&ncht, das Tragen von 
Muscheln, das Ankleben von Muscheln an den Schlafen and dgl. m. Der 
N'kassa (Ganga incassi) spDrte die Hexen aus; der Nbasi entdeckte den Dieb 
durch Ansteckung eines Fadens. In Mossamedes wird die Leiche in einer Ti- 
yoya umhergefährt, um durch die Angaben des Priesters den schuldigen Fe- 
tissero auszufinden, der dann beraubt wird. Die Eokokoo genannten Zanhe- 




Zorn wMtafrikanischen Fetiaehdiensi 91 

(nach Cayazzi) mit AufleguDg von Schnecken (am Congo). Der Zni ge- 
nannte Ganga entband von falschen Eiden. In Guinea war es gebräuchlich, 
den Verdächtigen in einen Fluss zu werfen, eine „Probe, so sonsten von unver- 
ständigen Leuten bei den alten Hexen vot gewiss und unstreitig angenommen 
wird" (1700) zur Wasserprobe. 

^Weirn aller Menschen möglichste Hülfe und Vorsorge ohngeachtet der 
Kranke keine Besserung findet, sondern seinen Geist aufgiebt, fangen sie an, 
nach der Ursache seines Todes zu grübeln, denn ob dieselbe klärlich genug 
erscheint, entweder wegen heftiger Krankheit, hohen Alters und gefährlicher 
Wände oder andern bösen Zufall, so lassen sie es doch nicht dabey bewen- 
den, sondern erzwingen noch eine andere Ursachen. Dannhero muss der 
Geistliche nebst des Verstorbenen Freunden hierüber Nachfrage anstellen, ob 
er Zeit seines Lebens einen falschen Eyd gethan, da sie bei dessen Verneh- 
men alsobald sich ei|ibilden, die rechte ürsach gefunden zu haben, weil er 
des Meyneyds halber mit dem Tode bestrafit worden, ist's aber, dass man ihn 
desfalls nicht beschuldigen kann, so gehen sie weiter, ob er nicht irgend 
einen heimlichen Feind gehabt, der ihn wegen der Fetissero umgebracht. 
Bisweilen setzt man auf den geringsten Argwohn des Verstorbenen Feynd fest 
und verhöret ihn, ob er an dem Tode des Abgelebten schuldig sey, ist's, dass 
er ftberfUbrt wird, obgleich schon vor langer Zeit gethan, kommt er ohne 
Greldgaben nicht los. Dafem sie nun gewiss sind, dass der Kranke nicht mit 
OiA hingerichtet, fragen sie weiter, ob dessen Frau, Kinder, nächste unver- 
wandte oder anch seine Sclaven, welche die Aufsicht über ihn gehabt, 
treulich genug geopfert und wenn auch dies nicht zureichend ist, die rechte 
Ursache des Todes zu entdecken, fangen sie von Neuem an ihre Ceremonien, 
als die rechten, wo in solchen Fällen einige [Zuflucht, zu begehen. Und 
finget der (reisdiche nicht nur den Abgelebten, warum er gestorben sei, son- 
dern anch den Götzen, da es dann niemals an Antwort fehlt, wobei weder 
Tenfel, weder Götze noch der Todte einige Schuld daran haben, sondern weil 
sie alle drei gleich stumm sind, mithin auth keine Antwort geben können, 
ist's Niemand anders als der Lumpen-Geistliche, welcher antwortet und nach 
ToUbrachter Ceremonie die einfaltigen Anverwandten beredet, es hätte der 
Götze und der Todte auf solche Art sich verlauten lassen, so zwar wegen 
sräien Vortheil dienstlichst und der Wahrheit am ähnlichsten zu sagen, dass 
demnach diese guten Leute Alles vor gewiss und ohnfehlbar nicht anders als 
ein Evangelium auf- und annehmen, sich allezeit in allen ihren Verrichtungen 
nach ihm betragende.^ (Bormann.) 

Tockey beschreibt, die Tuchumwickelungen der Leiche als dazu bestimmt, 
den Verwesungsgeruch niederzuhalten, und je reicher der Verstorbene ist, 
je mehr diese Einwickelungen also angelegt werden können, desto länger 
lisst sich das Begr&bniss hinausschieben. Der Umfang kann so zunehmen, 
dass die erste Hfllle zu klein ist, und man eine zweite, dritte und selbst 
sechste snzon hofikabe (am obem 2#aire). 



&S Zum watUrikuilBchm FeUichdintiL 

Ein jedes Dorf (der Qaojes) hat ein abgesondertes BRscUein tot die 
Seelen der Geister der abgestorbenen Freunde. Dieses ist rund herum ver- 
macht. Und weder Freund noch Kinder, noch sonsten Jemand, der das Zeichen 
ihrer Rotte nicht traget, mögen darein kommen, weil sie die Geister, wie sie 
sagen, hohlen und tödten. Zwej oder drey, ja mehrmal im Jahre wird allerley 
Speiseopfer vor die Geister, nach dem die Frflebte wohl gemacht seynd and 
man viel Wildes gefangen, hierher gebracht" (Dapper). 

In einem Krankheitsfall lässt man einen im Propheseien geschickten 
Ganga rufen, der sich bei Einbrucb der Dunkelheit dnrch T&nze vor einem 
Feuer in Extase versetzt und dann gegen Mittemacht bewnsstlos niederftUt 
Bei der Rückkehr zum Leben bestimmt er dann, ob es ein Endoze gewesen, 
der die Krankheit verursacht (und ein solcher, oder sein snbatitoirter Sklave 
der fflr ihn die Rinde gegessen, wird dann nach der Hinrichtung onb^^ben 
an einen Kreuzweg hingeworfen werden), ob ein Bruch der Quizilles (der 
Sflhnopfer verlange) oder ob ein Fetisch der Urheber sei. Im letzteren Falle 
m&sste dann der Ganga, der ffir diesen Fall Specialarzt ist und den sie hei- 
lenden Fetisch besitzt, aufgesucht werden, damit er dnrch entsprechende Cere- 
monien den beleidigten D&mon wieder besänftigt. Der Fetisch Incossi wird 
(in Krankheiten) durch einen um das Haar gezogenen Faden am Hinterbaopt 
befestigt. Tuckey's Fflhrer nach den Fällen des Zaire bezauberte die wilden 
Tbiere durch Pfeifen, um den Weg zn sichern. 

Ist der Oanga von seinem Fetische (wie Bnngo) in Besessenheit ergrif- 
fen, ist der Geist zur Begeieterang in sein Haupt eingetreten, so spricht 
dieser aus ihm und verkQndet die Heilmittel fflr den Kranken, die von den 
Umstehenden anfnotirt und vor dem zom Bewuastsein zur&ckgekehrt«n Ganga, 
der sich nach Verlassen des Fetisch Nichts von dem vorher Gesprochenen 
erinnert, wiederholt werden. 




Zun wtftafrÜEanischai Fetiad^dieDat 98 

besiegelt In Angola ward (nach Pigafetta) das Omen ans dem Yogelflohrei 
gexogen. 

„Vor dem Tode fürchten sie sich dergestalt, dass sie nicht da^on mögen 
sprechen hören, aas Furcht, sie möchten denselbigen desto mehr beschleu- 
nigen*^, bemerkt Bosman aus Guinea. 

Die Heilceremonien des Fetisch Umkerenje werden vor dem Feuer ange- 
stellt, (wie firüher der Chitombe von dem als heilig in der Hütte unterhal- 
tenen Feuer gegen Bezahlung austheilte). Wenn das Feuer Funken von sich 
wirft oder zurückspiegelt (n. Cavazzi), galt es für ein gutes Zeichen (in Congo). 
Im Wirbol^innd yermutheten Einige die Seele eines abgeschiedenen Fürsten 
und stellten Feste an, während Ändere den darin hinfahrenden Geist schalten. 
Der Götze Nbau entdeckte Diebstahl durch die Probe des heissen Eisens 
(nach CaTazzi). 

Die Seher erblicken in dem Spiegel ihres Götzen den Fetissero, der die 
Krankheit verursacht hat, und je nach den Quixilles kann das nur mit Fluss- 
wasser, nur im Walde oder unter anderen Ceremonien, die darüber festgesetzt 
sind, geschehen. Der Ganga Koso heilt Krankheiten in Bomma und 
ebenso der Ganga Masi, der sich vorher einige Tage im Wasser aufhält Bei 
Benagelungen ^) wird auch der Schmidt zugezogen. 

Die Ganga tragen einen mit rothem Tuch umbundenen mit Glöckchen be- 
hängten Sackbentel, der Steine, Muscheln, Nüsse, Homstücke, Schlangen- 
zähne u. dgL m. enthält, als zauberkräftige Milongho ^), die zu verschiedenen 
Zwecken verwendbar sind und mitunter auch im Abschabsei als Medicin ein- 
gegeben oder aufgerieben werden. 

Die Götzen Naviez, Yiulondo und Cassudo wurden mit Musik verehrt (in 
Congo), die Vuimbonder tranken das Blut der Opfer (nach Cavazzi). Nach 
Tuckey war in Inga die Ziege Fetisch, und durfte weder lebend noch todt 
hingebracht werden. 

Zur Communiciüion mit den Luftdämonen dient dem Endoxe der Spinnen- 
hdßa und Bosmann erwähnt einer Secte in Guinea, welche ' die Welt durch 
eine grosse Spinne (Anansie) erschaffen sein lässt. 

Die Bewohner der Inseln im Zaire sind grosse Zauberer, handeln und 
reden mit dem Teufel durch sonderliche Menschen und kommen, wenn sie 
dieses Teufelswerk beginnen sollen, alle zusammen, worauf dann Einer von 
ihnen allen drei Tage vermummt läuft. Aber wenn diese drei Tage vorbei 
sind, gebrauchen sie etliche sonderliche Handgriffe dergestalt, dass alsdann 



*) A common pratic« is to make an earthen image supposed to represent the enemy, 
in saffran-coloored clothea. An iocantation is then recited oyer a needle, with which 
tlit ioints of the figore are sobsequently pricked. A kafao or shroud in then thrown oyer it, 
a tnsU Charpai (eonch) in prepared and prayen for the dead are dnly recited. Finally the 
%gmn ie bmied in the graTe yard and conseqnently the foe dies of disease (in Sindh). 
M OsaiiM nnerlaabter Speise macht der Inuna (Besitzer) den Innuit krank (in Grönland). 

*> Cslai %ai •• vaats de deviner, si un malade gu^rira ou non s^appelle Molonga (Labat). 



der Teufel durdi den Yermtimmten redet (Dapper). Die vom Dbnon oder Mo- 
quieeo ErgnSenen worden als Moquisso Moquat bezeictmet. 

Die Fetische des Kegena (lokisso-Tiüa) stehen innerhalb eines Ter- 
schlages im Dorf, wohinzu der Weg durch eine Schnnr abgesperrt ist. 
Zur Sorge für die Felder giebt es mancherlei Enotenzanber und verbietende Vor- 
schriften- Die Pflanzungen der Wataita ^werden durch Ukorofi (Hexerei) 
beschädigt, wenn der Hindurchgehende nicht seine Sandalen abnimmt 
(nach New). 

Die Fetische der Erde (Inkisso-insi) dienen dazu, die H&nser des Dorfes 
vollzählig zu halten, so dass bei Abbruch eines sogleich ein anderes aufgebaut 
wird. Am obem Zaire wird (nach Tuckej) jedes Dorf anter einem Haopt- 
fetisch oder Mevonga gestellt. 

Im Dorfe Embona (bei Massabe) besteht der Fetisch Bona ans einem 
Hauten Tliierschädel, wie Ochsen, Hippotomua u. A. m., Schildkrflteuschalen, 
vertrocknete Pflanzen a. s. w., am Fusse eines Banmes aufgeschüttet mit den 
TrÜDunem eines gescheiterten Schiffes. DerWaldplatzwirdfClr statthabendeFeste 
von Gras gesäubert und dann legt man die Erstlinge der geemteten Fracbte dort 
nieder. Das Elfenbein ') an solchen heiligen Flätzeu ist im Laufe des Han- 
dels vertrödelt worden. Wird beim Ausstellen eines Fetisch die geatohleue Sache 
nicht reetituirt, so gilt der zuerst im Dorfe Sterbende als Dieb und (nach 
Fitz-ManriceJ mag Gift des Priesters den Tod beschlennigen. 

Der Granga in Tschinsasa (bei Tschinboanda) empfängt göttliche Vereh- 
rung, da er Regen verschafft und durch Blitze ') zu zerstören vermag. 

Nach dem Konqueqne der Augongas (bei d'Etourville) ist der Himmel der 
Aufenthalt der Gewässer und jedes dieser von der Luft durch eine durchsich- 
tige Wand getrennt, in welche sich die Löcher der Wasserfalle finden nach 
den vier Weltgegenden. „Er setzte noch hinzu, dass ein Mohise (eine Art 




Znm westafrikanischen Fetisdidifiiiat 95 

nun die Feuchtigkeit, der Nebel und die Wolken im Sommer, die um so 
yUifiger in einem Lande gefunden werden, je näher dasselbe dem Himmel 
sei (bei Bertuch). 

Der Leopard (Fume-Chicumbo oder Fume-Ungo) erhält Verehrung, als 
Prinz des Waldes, und wenn ein gemeiner Neger einen solchen tödtet, wird 
er gebunden vor die Prinzen geführt, da er einen der Ihrigen, eines ihres 
Gleichen, erschlagen habe. Bei der Anklage hat er sich dann damit zu ver- 
theidigen, dass der von ihm getödtete Prinz ein Prinz des Waldlandes, also 
ein Fremder gewesen sei, und indem man diese jAusrede annimmt, wird er in 
Freiheit gesetzt und erhält von den anwesenden Prinzen Geschenke. Der 
todie Leopard wird dann aufgeputzt und mit einer fürstlichen Mütze ge- 
schmückt, im Dorfe ausgestellt, wo zu seinen Ehren nächtliche Tänze statte 
finden. Der Edelmann, der einen Leopard getödtet, wurde (nach Dapper) am 
Hofe feierlich empfangen und das Fell vergrub man. Den Beweis für die 
prinsliche >) Natur des Leoparden findet der Neger auch darin, dass der 
wilde Büffel, obwohl grösser und stärker, sich dennoch von ihm besiegen 
laasc^ weil dieses Thier, als zum Plebs gehörig, es nicht wage, gegen einen Für- 
sten Widerstand zu leisten und sich gegen ihn zu vertheidigen (wie ähnlich bei 
dem an alte Traditionen anknüpfenden Kampf zwischen Tiger und Büffel, das 
Volk sich freut, wenn der erstere unterliegt, da seiner Parthei der Sieg ge- 
blieben sei). „Wenn im Lande ein Leopard gefangen ist,^ so gab das in 
aken Zeiten eine der seltenen Gelegenheiten ab, bei denen der König von 
Loango sein Schloss verlassen durfte. Bei den Wanika wurde ihr grösstes 
Fest beim Tode einer Hyäne gefeiert. The mahanga (wake) held over a chie 
nolhing is compared to that over the hyena (New). 

In Chedima (vom Zaire bis Zumbe) werden die Löwen (Pondoro) als 
Avfenthaltsort der Seelen verstorbener Fürsten geehrt und nach deren Tode 
weiht man ihnen das Dorf (nach Gttmitto). 

Die Chimpanze oder Anziko ziehen mit Stöcken bewaffnet unter dem 
Befehl des Tschintende insekn einher. Der Pongo, der nur mit einem Weib- 
chen ZQsammenlebt, greift den ihm auf seinem Wege begegnenden Mann an, 
um seine Kräfte mit ihm zu messen, wogegen er vor einer Frau entflieht. 
Ans umgebogenen Waldbäumen häuft er sich im Dickicht ein Haus zusam- 
men, zu dem unten eine Oefihung Einlass gewährt. Die zahlreiche Familie (bis 
40 — 50 Individuen) schlägt dort ihren Wohnsitz auf^ unter der Hut eines 
altan Männchens, das am Wege Wache steht Grosse Quantitäten der 
(saoren) Tumbo-Früchte werden zum Yorrathe aufgehäuft und zum Einsam- 
mehi vertheilen sich Alle Nachts über die Felder, bis sie am Morgen auf den 
Schrei des Alten (nach der Weise, wie sich die Neger rufen) nach dem 
Haute surückeilen. Am Anfang der Regenzeit kommen sie aus Majumbe 



*) Ths Oiiemb« wonld oot eat the flesh, becaose he cooceiTed, th»t horned cattle were 
(aeUmj like Untslf (naeh Coolej) amoog the Arunda or Aluoda (M'raocU sing). 



90 Zwo watafrlkuiiielMii IMiiddieut 

herab bis in die Nähe Chicambo'a. In dem Namen des GoritU (Ptmgo) oder 
Pongo-Apanga d. L Waldgott (Pongo-Anzambe) liegt die heiligo Selieii, di« 
ihm gezollt wird. 

In der Station Chicsmbo hielt Herr Alcantars für vier Monate einen 
jungen Gorilla (Pongo), der (wie er ersühlte) nach kurzer Zeit bertits 
vfillig zutraulich und eingewohnt wurde, Feuer aus der Küche brachte, *a^ 
recht am Tische stand, sich mit einer MQtxe bedeckte, NachU in einem 
Mattenbett schlief, und wenn dieses iehlte, durch Geschrei danach verlangte. 
Affen im Allgemeinen heissen Monses oder Eida, Macaco, Usooae-Mayombe. 
Der wie die Monzol im Geeicht gezeichnete Bijumbola und die Chimpause, 
(der Cabinda) werden (in Loango) Anziko genannt, oder Umsiku in der Spraohe 
von Chimbongo (der Babongo), wo oft zwei^haft kleine Leute geboren wer- 
den aollen, mit dem Gesicht eines Chimpanse (eingedrückte Nase, vorspringende 
Schnauze und abstehende Obren). In Jingolo (Jangela) 8olltea> zwei Arten 
von Affen unterschieden werden, der grosse Xima-nene und der kleine 
(Xima-tcbo.) 

Ein am Schifisbord befindlicher Chimpanse (aus Loaugo) sass oieist 
iodekd da (ho, ho, ho, ho u. s. w), die Arme über den Kopf geschlagen und 
begrnsBte die Herbeikommenden mit Handgeben, den Laut Tschko, Tschko 
ausstossend, wie er auch die Handthierungen beobachtete oder nachahmte. 
In den Wäldern von Loango soll das Fabelthier Sbimbungu leben, daa 
beschrieben wird als eine Löwenart mit einem halbmondförmigen Messerhom 
auf der Stirn, das sich mitunter den Durchreisenden zeige. In Torto- 
voiUa, eine Tagreise von Cbicambo auf dem Wege nach KuiUemavansa, 
wo zwischen Felsen der Laema - Fluss entspringt, finden sich Elephanten, 
und Sparen derselben finden sich noch weiter abwärts von trüherher. 

Die Etephauten haben sich jetzt weiter in die Feme zurückgezogen, aber 




Zum wMtftlrikanilchra FetiBchdienst 97 

der £ndoxe (Fetiseero) an einen dünnen Faden (von Spinngewebe) in der 
Laft aufwärts zu Zamba und erhält von ihm die Medicin (Longo oder Mi- 
longho), durch welche mit der Lockspeise einer Ziege der Leopard gerufen 
wird, der sich dann in ein Doppelgeschöpf ^) verwandelt, halb Mensch und halb 
Thier, und so, als zu Menschen gehörig, Menschen rauben kann. Dem 
HimmelsfiEiden oder Ekoko Nemadia (Faden des Nemadia) kann sich der 
Doko im Lande der Mussoronghi von Nemadia verschaffen, der ihn in seinen 
Werkstätten bei Shark's Point verfertigt 

In Eanje (bei Banana) lebt eine Familie, die den Fetisch Mankulu 
besitzt und denselben in eine Palmholz-Kiste aus dem Embryo frühgeborener 
Kinder zubereitet hat Durch denselben erhalten ihre Mitglieder die Fähig- 
keit, sich im Dunkel des Waldes in Leoparden zu verwandeln und dort an- 
getroffene Menschen niederzuwerfen. Sie dürfen solche indess nicht ver- 
letzen, weil sie, vom filute trinkend, noch immer in dem Zustand eines Leo- 
parden zu verbleiben haben würden. 

Unter den Munorongho werden Leute angetroffen, die durch einen am 
Oberarm getragenen Strickfetisch die Fähigkeit besitzen, sich in Crocodille zu 
verwandeln. Sie ergreifen dann Menschen, die sie unter das Wasser schlep- 
pen, am sie zu ersticken, und wenn sie mit ihnen an die Oberfläche des 
Wassers zurückkommen, beleben sie die Gestorbenen wieder, um sie an einer 
andern Stelle aufs Neue zu ertränken. Wird deshalb beim Baden der Strick- 



*) The Waboni or fawano are repated to possess all manner of magic power (trans- 
fBn&ing tbemseWes at will, into serpenta, crocodiles, hippopotami, cattle), feared by the Gallas 
(aadi New). HaTiag assamed some bestial ah&pe the man who is eigi einhammo is ooly to be recog- 
uaed by his eyes, which by no power can be chan^ed (Goold). Von den Hottentotten wird, 
wie bei den Neori in Wölfe, und zwar (nach Olans Magnas) um Weinachten (in Litthauen) 
die Verwandlung in Löwen Torausgesetzt, unter den Ton Pierre Bourgot (im Gegensatz zu 
Miebel Verdang) Torgenommenen Procednren, wie sie Yon Buanthes und Petronius erzählt 
sein könnten, während die dem Geschlecht des Antiius zukommende Eigenthnmliehkeit (s. 
Jobaiin Ton Nürnberg) dem ossyrischen zugeschrieben wird. St. Patrik is said to ha^e 
cbanged Vereticns, king of Wales, into a wolf, and St. Natalis, the abbot, to haTe pronounced 
aa aoatbema npon an illustrions family in Ireland, in conseqnence of which every male and 
faaala take the form of woWes for seven years and live in the forest and cazeer OTor the 
bofty bowiing monmfuUy. In Frankreich sind manche Procesae, der Wehrwölfe (loup-garou) 
wegen, geführt und bei den Ashango (nach du Chailln) über menschliche Verwandinngen in 
Leoparden The Danes still know a man who is a were-wolf by his eyebrows meeting and 
tbu f— embling a butterfly, the familiär type of the soal, ready to fly off and enter some 
<|ther body (Tylor). The modern Greeks instead of the classic ivxaw^Qtonog adopt the Sla- 
Yonie lerm /fpoxoJlaxas, (Bnlgarian orkolak). Vers la fin dn XVI siecle, la d^monomanie, la 
lycaatbropie et La d^monopathie se declarerent (dans le Jura). Boguet (grand jnge dn lieu) se 
▼motsit (sniTant le dirii de Voltaire) d'a^oir fait perir ä lui seui plus de six cents lycanthropes 
OB deaumolitfes (Calmeil). Les lycanthropes doivent etre bruUs yifs, les sorciers ordinairea 
soDt ^tnngles et brülös aprea la mort. Das Mal de Laira (maladie d*aboi) manifestirte sich 
(1613) onter den Frauen der Gemeinde Amou (bei dax oder Acqs). Die Erzählungen von Ne- 
bacadaeaiar. von den Töchtern des Proteus, von Odysseus Gefährten u. s. w. werden auf eine 
■oanthroprica fui^ekgefnhrt. - 

f^irhfift Ar Bttaoloci«, Jakigsa« 1S74. 7 



gg Debsr den DTtpruoK der Sage toq d«ii (;o1d|;r»bendeii AmeiMo. 

fetiacli un Jemandes Anne bemerkt, so erschlagen ihn die Anwesenden imA 
werfen ihn in's Wasser. 

Der Doko beschwört den Teufel (Shimbi) Toankatto in Bnlambembe (am 
Zaire), um von ihm die Riech-Medicin (Maeunga-sunga) zu erlangen^ dnrch 
deren AnfschnSffeln sich ein herbeigerufenes Crocodill (Handu) halbseite mit 
dem Manne vereinigt. Dieses Doppetgeschöpf, der Lfingslinie des EfiqMrs 
nach, getheilt, geht dann darauf ans, Menschen zu rauben und sich an ihrem 
Fräse zu eigdtzen. Die Buda verwandeln sich in Hyluien, die Busch&auen 
in Löwen and in Kambodia ist der Wolf (der Werwolfssagen durch den 
Tiger ersetzt A. B. 



Ueber den Ursprang der Sage vod den goldgraben- 
den Ameisen. 



Dr. Frederik Seklern, 

ProfeMOr der OMchichte an der DnJTersitit zu Kopenhai^n. 
Aus den .Verbuidlnngen der Kgl. Din OeMllaehaft der WUsenBcbaft* übereetit. Leipiig. 
Äifnd Loranb. 1863. bS Seiten OrossoctaT (mit einen Kirtrhen). 
Die Lösung des so lange ungelöst gebliebenen R&thseU, die schon so 
oft, immer aber vergeblich versadit worden, hat der Veri«sser obiger Arbeit 
endgültig gefunden und sollen die Ergebnisse hier in aller EQrze mitgetbeilt 
werden. Die älteste Heidung Aber die goldgrabenden Ameisen, die uns H^ 
rodot bietet, lautet n&mlich so: „Andere Indier sind die Grenznachbam der 
Stadt Kaepatyroa und der Landschaft PaktTika; sie wohnen gegen Mitter- 
nacht ond den Nordwind von den andern Indiem und fOhren ein ähnliches 




Ueber den Ursprang der Stige von den goldgrabenden Ameiaen, 99 

Indier dch, nach der Angabe der Perser, das meiste Gold; anderes, nur viel 
weniger^ wird aach in ihrem Lande gegraben.^ So lautet Herodot's Bericht 
and der VerfASser zeigt nun, dass unter xaajidvvQog, wofür eine der besten 
Handschriften xaünu7iv{)oc liest, Easjapura d. i. Kaschmir, unter der 
Hunt Vi xf Xiii»r^ aber Afghanistan, dessen Bewohner (^lldxcut^) sich im Westen 
Paschtun, im Osten Pakhtun nennen, zu verstehen sei. Wenn ferner die 
nach dem Golde der Ameisen ausziehenden Indier von Herodot nicht nament- 
lich bezeichnet werden, so geschieht dies doch bei Strabo und Plinius, wo 
sie J4{i6at und Dardae heissen, das sind die D arder, die ebenso Daradi 
wie Paschtu redenden Bewohner des heutigen Dardistan, die gleich den 
Kaschmirianem ihre Raubzüge bis tief hinein nach Tibet ausdehnen oder 
doch vor Kurzem noch ausgedehnt haben. Tibet aber ist das Land, in wel- 
chem wir die goldgrabenden Ameisen zu suchen haben. Denn auf Tibet weisen 
zuvörderst die an dasselbe gränzenden den Himalaja bewohnenden Khasier, 
welche nach dem Mahabbarata dem Könige Judhischtira als Tribut sowohl 
Aneiaengold (paipilika) und Honig aus Himavatsblumen eine „schwarze 
schöne Kamara und andere weisse, dem Monde an Glanz ähnliche^ dar- 
bringen. Himavat aber ist nur eine andere Form für Himalaja und unter 
Kamara werden die Fliegenwedel verstanden, welche in Indien nur die Kö- 
nige hinter sich tragen lassen dürfen und die aus dem Schweife des gerade 
m Tibet heimischen Yak (bos grunniens) verfertigt werden. Dort auch be- 
finden sich, wie ans neueren Reiseberichten erhellt, sehr reiche Goldfelder, 
die nach den tibetanischen Chroniken schon im 10. JahrL bekannt waren 
and noch jetzt mit bestem Erfolg von den Bewohnern des Landes ausgebeutet 
werden. Diese Goldgräber nun sind die goldgrabenden Ameisen des Alter- 
welche Herodot in eine Wüste, Strabo auf eine Hochebene {oQOjcidio¥) 
Ortsbezeichnungen, welche zu der die Groldlager enthaltenden öden 
Hoehterrasse der tibetanischen Provinz Nari EJiarsum im allgemeinen sehr 
wohl passen« Femer berichten Strabo und PUnius, dass die Ameisen die 
Erde im Winter nach Gold aufgraben, wozu die Angabe eines neuem Rei- 
tenden genau stimmt, dass n&mlich die Goldgräber in Tibet trotz der Kalte 
es voniehen im Winter zu arbeiten, und die Anzahl ihrer Zelte, welche 
•ich bei Thok Jalung im Sommer auf 300 beläuft, steigt im Winter bis bei- 
nahe 600. Sie ziehen den Winter vor, weil die gefrorene Erde dann stehen 
bleibi und sie nicht leicht weiterer Störung durch Einsinken aussetzt. Im 
Winter aber sind alle Goldgräber in Pelzwerk gekleidet und so erklärt es 
•ich noch, weshalb sie die Vorstellung von Thieren haben erwecken können. 
Man erwäge femer, dass für Fremde von arischer Race jene Vorstellung 
schon aliein durch die tibetanische Gesichtsbildung hervorgerufen werden 
■ntte, wozn dann auch noch die sonderbaren Gebräuche der Tibetaner kom- 
men, denn ihre gewöhnliche Art einander zu grüssen besteht darin, dass sie 
die Zange herausstecken, die Zähne fleischen, mit dem Kopfe nicken und sich 
die Ohren kratzen; auch gilt von ihnen allen, dass sie, wenn sie schlafen 



100 D«b«i den ÜTspmng d<r Ba^ toh dtn goldgraboiden AmalMo. 

woll«i, die fijai«e aa den Eopf hiaanfziehen und «if ihnen und den EUbog« 
raben. „Man denke aich nur einige hundert Groldgr&bu* mit Pebsea bed«ekt 
in dieser Stellang schlafend!" Da endlich die Zelte der letzteren ohne A«> 
nähme in Vertiefungen von 7 oder 8 Fnss anter der Oberfläche der EH» 
aa^stellt sind am so den Wind abzuhalten, Herodot aber in Betreff der goU- 
grabenden Ameisen erfahren hatte, dass auch „diese 8i<di anter der Erde a^ 
bauen", so bat diese buchstfiblidie Uebereinstimmung in Verbindung mit Htm 
emsigen Fleisse der Goldgi^ber gewiss aach die wste Veranlaasong cor Ab- 
wendung des Ameisennamens auf dieselben im Alterthom gegeben. 

Noch sind die Hunde zu erw&hnen, welche die tibrtanisi^en QoldgrftlNr 
zum Schatz gegen die. Rfiuber bei sich haben nnd von denen ein 
berichtet, dass sie zweimal lo gross sind wie die in EGndostan nnd so 
nnd mudiig, dass sie es, wie man sagt, mit den Löwen sollen 
können. Es lEisst sich leicht denken, dass diese wilden und riesenhaft« 
Hunde bisweilen mit ihren Herren selbst Terwechselt wurden und sich aof 
sie bezieht was sich bei Herodot, Megasthenes und Chiysostomos von iaä 
goldgrabenden Ameisen gemeldet findet Die Nachricht des Nearch df^jegea, 
er habe Felle der letzteren gesehen, welche den Pantherfellen Uinlich warra, 
bezieht sich TieUeicht auf die Pelzkleidung der Goldgräber. Wenn endUeh 
Plinius berichtet, dass im Herculestempel zu Erythrae ein Paar Homer einer 
indischen Ameise als Wunder aofbewahrt wurde, so erkt&rt aad) dieses Wmi" 
der sich durch den Umstand, dass es Tibetaner gi^t, welche eich anf vAA» 
Weise in das Fell des Yt^ochsen einhfillen, dass sie aach die Hönier det- 
selben, die nicht abgenommen werden, auf dem Kopfe tragen. 

So weit Schiern, dessen ebenso anziehende wie gelehrte Arbeit ich nnr 
kurz resamiren konute. Ehe ii'li li.'tztere jedoch verlasse, will ich erst noct 
eine oder zwei Bemorkungon hinzufri^Gni so zu dir Stelle, wo es heisat (S. 17): 




U«b«r dta Urapnuig der S«((t Ton den ^Idgrabendea Amtisiii. 101 

Hier also werden die pici fär goldhütende Greife erkl&rt und leicht möglich, 
diM auch schon za Plaatas' Zeit die orsprängliche Bedeutung des Wortes 
picas Tergessen war, so dass man die bekannten Greife darunter verstand; 
diese wie die Spechte gehörten doch wenigstens beide dem Yogelgeschlecht 
so. Allein mir scheint, dass picus ursprünglich auch (oder nur) die Ameise 
"bedeutete und daher an jener Stelle des Plautus eigentlich die goldgrabenden 
Ameisen gemeint und unter den aureos montes jenes oQonidiov desStrabo 
zo Terstehen sei. Zur Unterstützung dieser Deutung dient das englische 
pismire = mire die Ameise. Schon Wagner (a. a. 0. s. t. mire) bemerkt: 
,Mire ist das pers. mur, isländisch maur, griech. itiVQfio^^ fivgfirj^^ ßoQfii^^ 
fonnica, niedere. Miere. Daher pismire, wo die erste Sylbe unstreitig aus 
Picos ist, der Dritte der Aboriginum in Italien, den Circe in einen Specht 
fcrwmndelte, worüber seine Gremahlin Canens sich grämend als Ton verklang. 
Nach dem Mythus waren die ersten Menschen Bienen und Ameisen gewesen 
and in der Sage von EUspaniola laufen die ersten Menschen (vielmehr Frauen) 
als Ameuen an dem Baum herauf und der Specht macht ihnen mit dem 
Schnabel das weibliche Zeugungsglied. ^ Abgesehen von der sehr gewagten 
■ylliologiscben Deutung (wobei Wagner Petrus Martyr Dec. I. 1. 9 p. 331 
im Auge hatte) dünkt er mir doch in Betreff der ersten Sylbe von pismire 
Reeht an haben. Ist dem aber so, dann sehe ich in letzterem Worte eine 
jener pleonastischen Bildungen, welche zum Theil entstehen, wenn „das zweite 
Woft den verdunkelten Sinn eines ihm vorherstehenden erfirischen soll, z. B. 
a&üler-boum.'' Grimm Gr. 2, 547; fuge hinzu Diez EtymoL W. fi. 2, 363 
«eonp-garon, cormoran, Mpngibello^ und meine Bem. in den GGA. 1874 S. 
31. Ob nun aber ein dem lat picus in der Bed. Ameise ähnliches Wort 
mtk nndb in andern Sprachen findet, weiss ich zwar nicht; doch wage ich 
sif das sskr. pipilika (Ameise) hinzuweisen, dessen erste beide Sylben in 
Belmcht der Verwandtschaft von p und k (Jlnnog = equus, Ivxog = lupus 
■. a. w. o. s. w.) vielleicht auf picus hinweisen möchten. Sollte man aber 
ftagen, wie dieses picus (Ameise) nach England gekommen sei, so kann ich 
aidita anderes antworten, als Diez bei ähnlicher Gelegenheit (2, 96): Die 
Wcgie der Wörter sind zuweilen seltsam.^ 

Schliesslich noch die Bemerkung, dass durch Schiem's Arbeit wiederum 
Warnung gegen übereilte mythologische Erklärungen ertheilt wird, in- 
dieselbe die goldgrabenden Ameisen dem Gebiete der Mythologie, in 
sie ein unlängst erschienenes Werk versetzt hat, entzieht und auf 
das onwiderleglichste dem der Wirklichkeit zuweist 

LitttieL Felix Liebrecht 



102 BkthMUigo fnr anthropologiKbe DDl«TMcbiingeii aaT ExpvdllloiNti dar I 



Vortrag 

ftber die aaf Veranlaesting dee Cbefe der Eaiaerlicfaen AdmiralttU tou dcr^ 

„Berliner Gesellscbaft f&r Anthropologie, Ethnologie und Urgeschickt«* 

heransgebenen 

„Rathschläge flir anthropologische Unters achnngen 
auf Expeditionen der Marine." 

Gehalten im Karina-CaBino in Ki<l den 90. Hin 1873, 

Vr. fimtiT Thudaw, • 

0. Profeeior der PUlosopbie an der DniTeraität in Eiiel. 

Hochgeehrte Herrenl 

Die „Rathaobl&ge för anthropologiache Unterenchaogen auf Ezpeditioneo 
der Marine", velche auf Veraalasatiiig des Chef^ der Kaiserlichen AdmiralitU 
TOD der Berliner GeBellschaft fOr Anthropologie, Ethnologie and Urgeachicbte 
im Verlage Ton Wiegandt nnd Hempel in Berlin herausgegeben sind, sind w 
emchöpfend und genan, so nmfiiBsend und detaillirt, daes ee in der Tbat kaom 
einsasehen ist, wie darnach noch irgend etwas hinzngefftgt werden könnt«. 

Wenn icb dennoch angefordert worden bin, einen Vortrag Qber di«M 
BrocbOre za halten and ich darin eingewilligt habe, so kann der Gmnd daAtr 
nur darin liegen, dass eine eminent wichtige Sache nicht oft genug behau* 
delt werden kann. Und eine eminent wichtige Sache ist diese, ich meine 
damit nicht blos für die Kaiserliche Marine, anch nicht blos für die gaue 
deutsche Nation, sondern fllr die gesammte Cultut^eschichte, and erlanben 




Bathachlige fär anthropolof^ische Unterauchungen aaf Expeditionen der Marine. 103 

wissenschaftlicher Vortrag gehalten worde and darauf ein geselliger Abend 
stattfiand. Eines Abends dielt Theodor Olshausen, später Mitglied der 
proTisorischen Regierung, einen Vortrag über die Nothwendigkeit einer deut- 
schen Flotte und über ihre Aufgabe. Er electrisirte die ganze Versammlung. Ein 
Haaptthema seines Vortrags bestand neben der Motivirung der Nothwendigkeit 
einer deutschen Flotte f&r deutsche Macht und Ehre darin,,nachzuweisen, dass die 
deutsche Auswanderung (jährlich 100,000 Menschen) in die Hand des Staats ge- 
nommen werden müsse und dass dadurch zugleich, abgesehen davon, dass der Staat 
damit eine grosse Pflicht erfälle, diejährlichen Kosten einer Flotte gedeckt würden. 
Es steht die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Auflassung hier nicht zur 
Frage; aber es geht aus dieser Thatsache hervor, dass wir hier früh an eine 
deutsche Flotte dachten. Während wir Alle in Begeisterung über diesen 
Vortrag in die Verhandlung über selbigen eingingen, kam die Nachricht, dass 
in Paris eine Revolution ausgebrochen und Louis Philipp vertrieben sei. 

Wie denn nun gleich darauf die naive und kindliche erste Begründung 
einer deutschen Flotte die Patrioten in Bewegung setzte, und wie diese erste 
deatsche Flotte nicht weniger naiv zu Grunde ging, ist bekannt 

Mir kam es aber auf eine der deutschen Landmacht entsprechende deutsche 
Marine an, und wie sehr mich dieser Wunsch erfüllt hat, ist aus den Worten 
zn erkennen, die in meiner Schrift „Die Neugestaltung Deutschlands mit dem 
Präger Frieden vom 23. August 1866^ pag. 38 so lautend sich finden: 9,Das 
deutsche Volk hat viel Grosses und Herrliches aufzuweisen, politische Reife 
darf man aber schwerlich unter seine ersten Eigenschaften zählen. Es ist 
1000 Jahre lang für Alle grossen Dinge erzogen worden, aber nicht für einen 
pnctiflchen politischen Blick. Es hängt zu sehr an Begriffen. Liberal oder 
Conaervativ, diese beiden Worte liegen ihm in diesem Augenblick noch mehr 
aa Herzen als eine deutsche Flotte und der Nord Ostsee- Kanal, und doch 
ist die Herstellung einer der Landarmee des Norddeutschen Bundes völlig 
gleicben Flotte, sowie die Ausfuhrung des Nord-Ostsee- Kanal -Projectes jetzt 
smiftchst die Frage, auf die es für Deutschland ankommt^ 

Seitdem sind 7 inhaltsreiche Jahre verflossen, die deutsche Flotte ist in 
starkem Aufblühen, die Entscheidung über den Nord -Ostsee -Kanal können 
wir täglich erwarten, das Interesse fiir die deutsche Marine verbreitet sich 
immer mehr. — Und sehr wesentlich müssen die wissenschaftlichen Erwar- 
tangen, welche an die Expeditionen der Marine geknüpft werden, dazu bei- 
tragen, das Interesse für die deutsche Marine zu beleben. Zweifeln wir nicht 
dann, dass es auch jedem Deutschen allmächlich einleuchten wird, wie für 
die Macht Deutschlands eine starke Flotte erforderlich ist, aber wie sehr sie 
aaeh fbr die Culturgeschichte wichtig ist, dass muss nun J^der erkennen, 
wenn er die Rathschläge für anthropologische Untersuchungen auf Ebcpedi- 
tMMien der Marine liest, welche auf Veranlassung des Chefs der Kaiserlich 
Deotscben Admiralität von der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Eth- 
nologie und Urgeschichte herausgegeben sind. Wir müssen wünschen, dass 



104 BathiehUg« Sn authn^mlogtoeha Dntonachnngn «nf Expadltjonai dar lUrim. 

diese kleine Brochfire im Interene der deutschen Nation, der dentsdien Hb- 
rine and der deatsclien Wissenschaft die grfisste Verbreitung findet Es 
eclatirt aach in dieser Brochfire so recht wieder, wie der deutsche Geist 
Alles, was er hat und besitzt. Alles was er ontemimmt, dem Äl^^meinen 
and dem Idealen onterwirft. 

Es ist eine grosse Zeit, in der wir leben, üeberhanpt hat unser 19. 
Jahrhundert einen apecifiscben Cbaracter, der es för alle Nachwelt verewigen 
wird. Ich habe es bei einer andern Gel^enheit, bei einer Rede, die ich rar 
Feier des €00j&hrigen Geburtstages von Dante am 27. Mai 18ti5 in der hie- 
sigen Aula hielt, folgendermassen characterisirt: „Unser Neunzehntes Jidurbnn- 
dert, das man mit Recht das des geschichtlichen Bewusstseins nen- 
nen dari^ ist deshalb so groasartig, weil es wie keine vorher in die gesammte 
Vergangenheit des menschlichen Geschlechts sich vertiefte. Allee durchforscht 
es, was von An&ng der Weltgeschichte geschehen ist, die bis dahin verbor- 
gensten Schätze deckt es auf, die bis dahin scheinbar verloren gegangenen 
feinsten Fäden spinnt es wieder an, auf alle Wurzeln der Ereignisse g^t 
es zurQck, wissend und erkennend, dass nur Sicherheit denkbar ist durch die 
Einsicht in die Genesis des Gewordeneeins, ftÜtlend und merkend, dass die 
geistige Kraft nur sich erh&lt und wächst durch solche Verschmelzung mit 
der Vei^^angenbeit" 

In diese grosae An^be soll nun nicht allein die deutsche Marine mit 
eingreifen, sondern es wird erkannt, daes ohne ihre Hfilfe ein Theil diessr 
Aufgabe nicht erreicht werden kann. In der That muss diese Theilnahrae 
an der Au%abe unseres Jahrhunderts und an der Wissenschaft fOr Sie, meine 
hochzuverehrenden Herren, ein erhebendes Gefühl sein, und nach der Seite 
schien es mir als das Erste geboten, die mir gestellte Aufgabe des heutigen 
Vortragea iu beliandeln. Aber wie? .^nüeii dio Miu-infufll/iiT,- ff i-f'fii.-.^'LüFl^ 




RaAtelilige for anthropologiBche Untersnchnng^n auf Expeditionen der Marine. 105 

Dann habe ich mich nun weiter gefragt, ob ich Ihnen durch die Beleuch- 
lang der Rathschläge für anthropologische Untersachungen auf Expeditionen 
der Bfmrine nützlich werden könnte? 

Unterliegt es einem Zweifel, dass alles Einzelne je in seiner Zusammen- 
gehöri^eit durch ein Allgemeines gebunden und getragen wird, und dass, 
wie das Allgemeine nur Leben gewinnt, wenn es Ton dem Besonderen und 
Einzelnen ges&ttigt wird, eben so das Besondere und Einzelne nur dann recht 
Terttanden werden kann, wenn man sein Allgemeines kennt? Indem ich letzteren 
Weg einschlage, gebe ich mich der Hoffnung hin, Ihnen, wenn auch nicht 
▼OB erheblichem, so doch von einigem Nutzen sein zu können. 

Der Titel der Brochüre, welche auf Veranlassung des Chefs der deut- 
•olien Admiralität herausgegeben ist, heisst „Rathschläge f&r anthropologische 
DatarsQchungen^? Was heisst das „anthropologische Untersuchungen?^ 
Der Titel der Brochüre fügt dann weiter hinzu: „ausgearbeitet von der Ber- 
liiier Gesellschaft f&r Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 
In der Brochüre selbst finden sich dann folgende Special -Eintheilungen: A- 
Ethnographie; B. Prähistorische Forschungen; C. Anthropologie 
im engeren Sinne; D. Pathologie; E. Linguistik; F. Geographie 
and Statistik; G. Botanik; H. Zoologie. Auch kommt in der Brochüre 
der Unterschied zwischen anthropologisch und psychologisch vor. 

Das sind eine Menge gelehrter Ausdrücke. Die Brochüre selbst, die 
sich nicht darauf einlassen konnte, allgemein wissenschaftliche Grundlagen 
so legen, hat in bewunderungswürdiger Weise ihre praktische Aufgabe ge- 
bM. Es sollte mich nun freuen, wenn es mir gelänge, darzuthun, dass die 
Wiaeenschaft so weit entfernt ist, das Practische zu schwächen und zu ver- 
donkeln, dass sie vielmehr es stärkt und in das rechte Licht stellt 

Nehmen wir zuerst das Wort „Anthropologie^, so heisst das ja wört- 
Keh übersetzt „Die Lehre vom Menschen.^ Da es nun, wie Bakon schon 
lehrt, nur drei grosse Gebiete für die Betrachtung giebt, nämlich: Gott, 
Mensch und Natur, so würde die Anthropologie „die Lehre vom Menschen^ 
ja AUes umfassen, was den Menschen betrifi);, also auch den Staat, die 
Kirche, die Schule, die Kunst u. s. w., und es ist klar, dass dies unter An- 
tfaropologie nicht gemeint sein kann. Es ist klar, dass das Wort Anthropo- 
logie in einem engeren Sinne genommen werden muss und ist es gewiss sehr 
der Mühe werth, darüber ins Reine zu gelangen. Diesem Bedürfhiss nach- 
mkmnmen, das Wort Anthropologie auf seine bestimmten Grenzen zu redu- 
ciren, bin ich so lange bemüht gewesen, als ich Anthropologie lese, jetzt 
selion über 30 Jahre; denn bei keiner Wissenschaft liegt so sehr die Gefahr 
TOT, in alle erdenkbaren Gebiete hinüber zu streifen, als bei dieser. Bei 
^UMT gegebenen Veranlassung in einem Streit mit einem französischen Ge- 
lehrten habe ich auch darüber geschrieben. Der berühmte Franzose J. Bar- 
ihdMoij Saint - Hilaire hatte im Jahre 1852 bei der Herausgabe der Schrift 
im Anttotelcp über das Gtedächtniss sich zu dem Satz hinreissen lassen, dass 



106 Rftthschläge för authropologüche UuterBucbungeD »uf Expeditionen der tbcine. 

die dentsche Wistienscbaft aich am die Anthropologie aar nicht kümmere." 
„Toilä donc", nift er ans, „tont« nne brauche de la acience, et la plus impor>- 
tante, aar laquelle l'Allemi^ne n'a point d'arie; et ce serait bien en rain, 
que l'hietoire voadrait rinterroger." 

Die grenzenlose Unwissenheit der Franzosen Kber deutsche Wissenschaft 
und Znstäade hatte ich schon im Jahre 1844 -45 kennen lernen, wo ich mich 
in Paris aufhielt, um das gesammte fraozösiadie Unterrichtewesen zu studiren. 
Aber ich wagte damals nicht, meine AufTaesungen über Frankreich zn ver- 
öffentlichen, weil sie in zu grellem Widerspruch standen gegen die Moiaang, 
die man damals noch von französischer Bildung in Dentachland hatte. Die- 
ser Angriff des Mitglieds des Instituts, des Barth^l^my Saint-Hilaire auf die 
deatscbe Wissenschaft war denn doch zu crass und ich gab 1852 die Schrift 
heraus: „Wie man in Frankreich mit der deutschen Philosophie umgeht,* 
ein Sendschreiben an Barth^l^my Saint-Hilaire." In dieser Schrift habe ich 
von pag. .50 an auf Grundlage der vorzüglicheo Untersuchungen Daub's das 
Nothwendigste zur Orientirimg über das Wort Anthropologie angegeben, was 
ich hier wiederhole, weil ich glaube, dass eine übersichtlichere Darstellung 
als diese von Daub für die al^^emeine Orientirung nicht gegeben wer- 
den kann. 

Ist die Anthropologie die Lehre vom Menschen, so ist der Unterschied 
in dem Menschen der zwei&cbe: 

A. des Leibes von der Seele, und 

B. der Seele von ihrem Leibe. 

In diesem Unterschiede, weim er einmal gemacht worden und die Wiss- 
begierde rege wird, bilden sich b Bezug auf die beiden Unterschiedenen zwei 
Doctrinen, deren eine Somatologie, deren andere Psychologie genannt 
werden könnte. 




Balbiehlig« für anthropologische Unter8uchnn)i[en auf Expedition«!! der Marine. 107 

seinen Bewegungen, den Leib nach seinen Functionen und die 
Gesetze derselben kennen zu lernen. Diese Erkenntniss ist mehr, 
als blos anatomisch, sie ist physiologische flrkenntniss, und die 
Wissenschaft des Menschen von ihm selbst, als dem sich äusserlichen, 
in der Bewegung dieses Aeusserlichen ist die Physiologie. In ihr 
hat der grosse Haller (f 1777) das erste Grosse geleistet und die 
moderne Welt es sehr weit gebracht. 
3) Die Seele ist aber nicht ausser ihrem Leibe und er nicht ausser ihr, 
sondern beides, das Psychische und Somatische, sind gegenseitig 
gleichsam von einander durchdrungen. Beide, Leib und Seele selbst 
sind Bestimmungen, Accidenzen an einem und demselben, das weder 
das Eine noch das Andre ist; der Mensch hat den Leib, er hat die 
Seele, aber er ist weder Leib, noch ist er Seele. So kann der 
Mensch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und der Wissen- 
schaft selbst werden, und zwar indem zuvörderst auf seinen Leib 
reflectirt und der Versuch gemacht wird, ihn aus seinem Leibe zu 
begreifen, mithin so, dass das Leibliche voransteht, das Erste 
ist, das Psychische das Zweite. Die Wissenschaft vom Menschen 
wird, weil sie vom Leiblichem, als dem Natürlichsten, Physi- 
schen an dem Menschen ausgeht, und weil in ihr das Hauptaugen- 
merk auf das Somatische oder Psychische gerichtet ist, physische, 
wie auch medicinische Anthropologie genannt, und hierdurch von 
der philosophischen unterschieden. Diese Wissenschaft ist im acht- 
zehnten Jahrhundert zuerst vom Professor Platner bearbeitet worden 
in seiner physischen Anthropologie f&r Aerzte und Weltweise, Leip- 
zig, 1772, am vollständigsten in der dritten Auflage, Leipzig. 
1790. Ein Zweiter, der diese Wissenschaft bearbeitete, war ein 
Theolog, der Consistorial - Antistes Ith in Bern in seinem Versuch 
einer Ai^thropologie oder Philosophie des Menschen nach seinen kör- 
perlichen Anlagen, Bern, 1794. 2 Thle. Unter Eant's Schülern wurde 
diese Doctrin bearbeitet von C. C. E. Schmid: Physiologie philoso- 
phisch bearbeitet Jena 1798. 3 Bde. Als bald darauf die Schelling'sche 
Philosophie sich verbreitete, erschienen: Troxler, Versuche in der 
organischen Physik, Jena, 1804 und Oken, Biologie des Menschen. 
ad B. Es kann der Mensch aber auch das. worin er sich innerlich 
ist, das Beseeltsein, zum Gegenstande seiner Untersuchung machen, dessen 
Bewegungen nicht wie die somatischen im Räume, sondern als psychische 
rein and allein in der Zeit wahrnehmbar sind. Die effectiven Gründe dieser 
Bewegungen hat man Kräfte genannt, Gefühlskraft, Einbildungskraft u. s. w. 
und die Beobachtung jener Bewegungen mit Bezug auf diese Kräfte ist da- 
hin gegangen, das Verhältniss und die Gesetze zu begreifen, nach welchen 
|ene Kräfte wirken. 

1) So entstand die Psychologie, welche besonders seit Verbreitung 
der Kaotischen Philosophie fleissig bearbeitet ^mxdft) i\i«t^ ^csc^ 



RKlllMliBga IBt uUnvpotoii^he DnterRichnnttMi »at Expaditbiun te Harin». 

Chr. Ehrhardt Schmidt in Heiner empiriachen Psychologie. Jena 1794. 
Später von Carue, Psychologie, Leipzig 1806. Darob ihr Stadiom 
wird du Stndiam der Anthropologie sehr Torbereitet. 

i) Die Seele mit allen ihren sogenannten Kräften hat jedoch ein be- 
etimmtea Verhältniss zum Leibe. Der Mensch aber beseelt tmd be- 
leibt atebt durch seinen Leib in einem bestimmten Yrrhältoiss zur 
Aassenwelt. Es kann dahin kommen, dass er sich in diesem Ver- 
hältnisse zur Natur zu erkennen strebe, etwa in der Frage: was 
wirkt und bewirkt die Natur, mit Bezog auf den Menschen, was macht 
und hat sie aus ihm gemacht? In diesem Verhältnisse des Menschen 
zur Natur kommt es zur Natargeschichte und Naturbeschrei- 
bung des Menschen, welche zuerst Blomenbach mit grosser Liebe 
bearbeitet hat, in seiner Schrift: de generis humani rarietate nativa. 
Goett. 1795. 

i) Es kann aber auch die Aufmerksamkeit auf das Psychische, wie es 
mit dem Somatischen vereinigt ist, gerichtet sein mit Bezug auf die 
Vernunft und Willensfreiheit des Menschen, etwa in der Frage: 
Was macht der Mensch aus sich selbst oder was bat er aus sich ge- 
macht? Wird der Mensch in solcher Weise Gegenstand der Wissen- 
schaft von ihm selbst, wie er sowohl der Beleibte als Beseelte ist, 
mit Bezug auf das, wozu er sich selbst zu machen vermag oder ge- 
macht hat, so ist diese Wissenschaft Anthropologie, geht jedoch 
auf die Praxis im sittlichen Bestimmen, Wollen und Thun, nnd ist 
so pragmatische Anthropologie. Kant ist der Einzige, der die 
Antbropoloie in dieser Bestimmtheit lange gelehrt and endlich her- 
ausgegeben hat Aber dennoch ist auch diese pr^matische Anthropo- 




BrtkmhUgi fBr aDthropolofl^isch« Untenachongen auf B3q[>editioiMft d«r ÜAiini. 109 

Soweit Daab, der noch hinzufügt, dass in neuerer Zeit Steffens die 
Anthropologie in dem zaletzt angegebenen wissenschaftlichen Sinne bearbeitet 
und dass Hegel in seiner Encyclopädie eine Skizze im selben Sinne geliefert 
habe. Aber diese Skizze Danb's stammt aus dem Anfang der Dreissigerjahre 
und grade seitdem haben, wie Sie wissen, einerseits die Natorwissenschaften 
den gewaltigsten Aufschwung genommen, andererseits die philosophischen 
Schulen den heftigsten Kampf mit einander geführt und die Wissenschaft der 
Anthropologie in reichem Masse bearbeitet Ueber ganz specielle Theile der 
Anthropologie sind Monographien erschienen, wir haben Zeitschriften für 
Psychologie, fär Psychiatrie, und es ist nicht die geringste Schulzeitung zu 
finden, worin nicht Aufsätze über Anthropologie vielfach ihre Stelle fanden 
nnd finden. Ja selbst in Roman- und Briefform wurde das Stadium der An- 
thropologie zu verbreiten versucht und von den verschiedensten Standpunkten 
finden alljährlich auf deutschen Universitäten Vorlesungen über Anthropolo- 
gie Staat 

Man sieht aber aus dem Vorhergehenden, wie verschieden der Name An- 
thropologie gefasst wird. Um die Totalität fest zu halten, beide Seiten, Leib 
nnd Seele, pflegen die Philosophen, wenn sie über Anthropologie lesen wollen, 
ihre Vorlesung so anzukündigen: Vorlesung über Anthropologie und Psycho- 
logie. Es fangt diese Vorlesung mit dem Menschen an, wie er aus der Na- 
tur hervorgeht, also von der Zoologie herkommt, stellt den ganzen Process 
der Naturentwickelung im Menschen, seine Zeugung, seine Geburt, sein leib- 
liches Sein, die Gestaltung seines Körpers, die Racenunterschiede , sein 
Wachsen, das Schlafen und Träumen, die Lebensalter, die Temperamente, die 
Yerleiblichung des Geistes im Körper, die sogenannte Pathognomik und Phy- 
siognomik, das Erwachen des Bewusstseins, dann die theoretischen Anlagen 
des Menschen, die fünf Sinne, die Lehre von den Anlagen, dem Talent und 
dem Genie, den grossen Process der Anschauung, der Vorstellung und des 
Denkens, den sogenannten theoretischen Process oder der Intelligenz, dann 
die practischen Anlagen des Menschen, die Lehre von den Trieben, von den 
Neigungen, von den Leidenschaften, von dem Willen dar, und endet damit, 
wie der Mensch von Gott so angelegt ist, am Schlnss einer natürgemässen 
Entwicklung seiner sämmtlichen Potenzen das Allgemeine denken nnd wol- 
len zu können. Die Anthropologie und Psychologie hat einen bestimmten 
Anfang und ein bestimmtes Ende und es ist nicht HegePs geringstes Ver- 
dienst, sie so bestimmt abgegrenzt nnd ihr ihre bestimmte Stellung im Ge- 
sammtgebiet der Disciplinen angewiesen zu haben. Sie kommt, wie schon er- 
wähnt, von der Zoologie her und mündet ein in die Philosophie des Geistes. 

Bevor wir nun den practischen Nutzen aus der bisherigen Untersuchung, 
bei der ich vielleicht zu sehr Ihre Geduld in Anspruch genommen habe, zie- 
hen können und dürfen, wollen wir nun des Weiteren das Wort „Ethno- 
graphie^ oder „Ethnologie^ einer Untersuchung unterziehen. 

yEthnos^ bedeotet jede durch Gewohnheit verbundene Schaar, sei es von 



110 BaUwcbllg« fiii anthropologuche DateTSachungen »nf EipaditiaueD der Marias 

Thieren oder MeuBcheo. Aber Bchüesslich versteht man unter EthnoB ein 
„Volk". Ethnographie oder Ethnologie beiast also „Beschreibung der Y6l- 
ker," Lehre der Völker. Es ist aber klar, dass ein jedes Volk: 1) einem 
bestinunten Erdboden angehört, 2) einer bestimmten Race, 3) einem be- 
stitmnteii Stamm, 4) dass es eine bestimmte Vorgeschichte gehabt hat, 
ö) dasB es eine bestimmte Sprache mit eigenen Dialecten gehabt hat oder 
hat, 6) eine bestimmte Keligion, 7) einen bestimmten Cultus, 8) üne 
bestinmite Kunst, 9) bestimmte Sitten und Gebräacbe, in Kleidung, Be- 
nehmen, bei Ehen, bei Geburten, bei Begräbnissen, bei Spielen, bei Kämpfen 
u. s. w, u. s. w., 10) eine bestimmte Staatsverfasanng, U) eine be- 
stimmte Wiasenschaft und Philosophie. Es ist also klar, dass die 
Ethnographie die weiteste Form ist, die es giebt, und also auch die Anthro- 
pologie in sich fasst 

Sie i&llt also in diesem weitesten Sinne mit der Cultnrgescbichte 
zusammen- 

Und in der Tbat, meine hochzuverebrenden Herren, erreichen wir erst 
mit der Cnltorgeschichte den letzten Höhepunkt, 7on dem aus wir den ge- 
sammten Inhalt der Rathschläge für Anthropologische Untersuchangeu auf 
Expeditionen der Marine, welche auf Veranlassung des Chefs der Kaiserlich 
deutschen Admiralität von der Berliner Gesellsobaft fOr Anthropologe, Eth- 
nologie and Urgeschichte herausgegeben sind, klar durchschauen und nach 
allen Seiten hin practikabel machen können. Wie könnten wir hierbei unter- 
lassen, die Weisheit des Chefs der Admiralität und des Directorg der Marine- 
Akademie zu preisen, dass sie die Vorleenngen über Cultargeschichte auf 
der neubegrOndeten Marine-Akademie eingeführt haben. Die Culturgescbichte 
ist gewiss für jeden Menschen lehrreich und interessant, aber für den Marine- 
OSiüler l.es„i„lri-s. >i,.l] ,1,-r mit allu.i vorg^ugfüi-L, ,iu.l IrlKiuU'ii Vüllicni in 




Salktehlige für anthropolofoscbe UntersucbuniKeD auf Expeditionen der Xarine. Hl 

c) in seinen Pflanzen — Botanik i t j j w 

. . . ' Land und Meer. 

d) in seinen Tbieren — Zoologie \ 

Alles, was hier charakteristisch ist, soll gesammelt event. abgebildet werden, in 
Gyps oder photographisch abgenommen, und beschrieben werden. Die Brochüre 
der Berliner GeseUschaft für Anthropologie etc. fasst dies pag. 19 unter der 
Deberschrift „F. Geographie und Statistik^ zusammen, und die Herren 
Officiere finden hier die kleinsten Details, was hier noch zu thun ist. Da 
sind Specialtheile der Erde verzeichnet, die so gut wie noch ganz unbe- 
kannt sind. 

IL Zweitens ist der Körper des Menschen zu betrachten. Die Unter- 
terschiede der Racen beurkunden sich besonders durch den Schädel, die 
Ebuure, die Haut und die Anatomie des Körpers. Wo möglich sind daher ganze 
Leichen zu yerschaffen oder sonst in Gyps- Abgüssen und event. photographisch. 
Wenn die Geschichte eines Volks, ihre äussere und innere, schon sehr von 
dem Erdboden abhängt, so noch mehr von der Beschaffenheit des Körpers. 
Der Körper ist der Träger der Seele und des Geistes, und darin liegt die 
Bedeutung der Kacen-Unterschiede und der Verschiedenheit der Volksstämme 
ftr das Verständniss der Culturgeschichte. Bekanntlich ist hierin schon viel 
geleistet, aber es bleibt noch viel zu thun übrig. Da die Marine auf ihren 
Expeditionen Aerzte mit hat, so sind die Officiere auf diesem Gebiet stets 
▼on Fach- und Sachkundigen umgeben, und ist daher die Erwartung der 
Anthropologischen Gesellschaft in Berlin in diesem Punkt ganz sicher ge- 
•lellt. Auch die Photographie leistet hier ja wieder so ausserordentliche 
Ebklfe. Ghrade die Zeitung von heute berichtet von der Ausstellung eines 
«ilhropologisch - ethnographischen Albums des Photographen Dammann in 
Hamborg, die dort 2 Tage statt gefunden habe, worin die verschiedensten 
T(dkcr8tämme der Welt von Ost- Sibirien bis Australien vertreten, darunter 
■anche photographische Original -Au&ahme, so namentlich der Mannschaft 
der Corrette „El Magidi^ von Zanzibar, welche vor 2 Jahren im Hamburger 
Hafen lag, und dessen Besatzung verschiedene ostafrikanische Stämme reprä- 
•entiite. Und diese Erwartung erstreckt sich auch auf die wichtige Frage, 
welche sich auf die Krankheiten des Körpers bezieht und in der Brochüre 
pag. 17 als „D. Pathologie^ bezeichnet ist. Sehr charakteristisch ist hier 
der Ausdruck „Geographie der Krankheiten'^ und ganz besonders wird die 
Marine auf diesen Punkt schon aus purem Egoismus und purem Selbsterhal- 
longa-Trieb das grösste Gewicht legen. Eine Menge Krankheiten sind theils 
an den Boden, theils an das Klima geknüpft. Die englische Marine ist auf 
diesem Gebiet energisch vorangegangen. Einen wichtigen Dienst kann die 
deotache Marine der Wissenschaft der Medicin leisten, wenn sie auf die Ge- 
sichtspunkte „D. Pathologie^ mit aller Sorgfalt achtet und die Erwartun- 
gen der Anthropologischen Gesellschaft in Berlin ist bei dieser Frage eben- 
fiüla um so sicherer gestellt, als bestandig Aerzte auf der Marine sind. Ich 
will nor daran erinnern, wie entfernt liegende Beoabachtungen hier eingreifen. 



112 Batlwdllge Hr anfiiropologltch« Datennelinngeii »nf Bzp«dItlotiN) Svt Knisi. 

Es ist so viel und mit lElecbt in der Brochüre tob der furchtbaren Ennklieit 
der Lepra die Rede. In Norwegen heisst sie Spedalsiched. Sie ist fiircht- 
bar und es ist gewiss, daas sie in einigen Thälem in Norwegen ist, in mk 
dcm gar nicht, also wohl mit dem specifiechen Erdboden zasammen hingt. 
Ale ich einmal bei einer Reise in Norwegen mit einem Arzt fiber diese 
Krankheit sprach, kam auch die Rede anf den so überaus verbreiteten Inwu 
m Norwegen. Da hörte ich eine Erklärung, die mich sehr frappirte. Dw 
Arzt sagte mir, nach seiner Meinung käme dies daher, weil bei den Bsocn 
in Norwegen die Sitte herrsche, die Wiege an die Decke des Zimmers t« 
hängen und beim Weggehen ans dem Hause in grosse Schwingungen zi 
setzen, wodurch das Gehirn geschwächt wfirde. Ob diese Erklärung richtig 
ist, mJlBsen die Aerzte entscheiden, aber das Nachdenken anregen muss sie. 
Auf Alles muse man achten, jede Beobachtung kann fördern, und, wenn man 
in die Länder fremder entlegener Völker kommt, eo wäre besonders anch dar- 
anf zu achten, wie die Mütter mit den Säuglingen umgehen, wie die Win- 
deln sind, welche Nahrung die Kinder bekommen, wie man sie einschlä&it 
n. s. w., worauf auch die Brochüre anänerksam macht. 

in. Aber Drittens nicht minder wichtig ist der Habitus des KGr- 
pere d. h. seine Haltung, Stellung, sein Gang, seine Manieren, der Putz, die 
Bekleidung. In dem Körper erscheint die Seele. Es ist vor allem die 
sogenannte Pathognomik und Physiognomik, welche ans hier in ihrer 
grossen Bedentnng entgegen treten. Beide bezeichnen eine Verletblichnng 
der Empfindungen, aber mit dem Unterschied, dass pathognomische Ansdrficke 
sich mehr auf Torflbergehende Leidenschaften beziehen, die phjsiogno- 
mischen Ausdrücke hingegen den Character, also etwas bleibendes, be* 
fassen (Hegel Bd. VII. b. pag. 245), das Pathognomische wird zugleich ün 
Physiognomisches , wenn die Leidenschaften in einem Menschen nicht blos 




Btttiiseliläge for anthropologische Untersuchungen auf Expeditionen der Marine 113 

za stehen vermag. Der lüleDSch ist nicht von Natur, von Hause aus, aufgerichtet 
er selber richtet sich durch die Energie seines Willens auf; und obgleich 
sein Stehen, nachdem es zur Gewohnheit geworden ist, keiner ferneren an- 
gestrengten Willensthätigkeit bedarf, so muss dasselbe doch immer von unse- 
rem Willen durchdrungen bleiben, wenn wir nicht augenblicklich zusammen- 
linken sollen. — Der Arm und besonders die Hand des Menschen sind 
^eiehfalls etwas ihm Eigenthümliches; kein Thier hat ein so bewegliches 
Werkzeug der Thatigkeit nach aussen. Die Hand des Menschen — diess 
Werkzeug der Werkzeuge, ist zu einer unendlichen Menge von Willensäusse- 
nmgen zu dienen geeignet. In der Regel machen wir die Gebehrden zu- 
lichst mit der Hand, dann mit dem ganzen Arm und dem übrigen Körper. 

Der Aasdruck durch die Mienen und Gebehrden bietet einen inte- 
ressanten Gegenstand der Betrachtung dar. Es ist jedoch mitunter nicht 
leicht y den Grund der bestimmten symbolischen Natur gewisser Mienen und 
Gebehrden, den Zusammenhang ihrer Bedeutung mit dem, was sie an sich 
sind, anzufinden. Wir wollen hier nicht alle, sondern nur die gewöhnlich- 
flen hierher gehörenden Erscheinungen besprechen. Das Kopfnicken — 
um mit diesem anzufangen — bedeutet eine Bejahung, denn wir geben damit 
eine Art von Unterwerfung zu erkennen. Die Achtungsbezeugung des sich 
Verheugens geschieht bei uns Europäern in allen Fällen nur mit dem obern 
Körper, da wir dabei unsere Selbstständigkeit nicht aufgeben wollen. Die 
Orientalen dagegen drucken ihre Ehrfurcht vor dem Herrn dadurch aus, dass 
«e sich vor ihm auf die Erde werfen; sie dürfen ihm nicht ins Auge sehen, 
woQ sie damit ihr Für-sich-sein behaupten, aber nur der Herr frei über den 
Diener and Sclaven hinwegzusehen das Recht hat. Das Kopfschütteln 
tit ein verneinen, denn dadurch deuten wir ein Wankendmachen, ein Umstos- 
len an. Das Kopf aufwerfen drückt Verachtung, ein Sicherheben über 
Jemand aus. Das Nasenrümpfen bezeichnet einen Ekel wie vor etwas 
Debelriechendem. Das Stirnrunzeln verkündigt ein Bösesym, ein Sich- 
ia-flich-fixiren gegen Anderes. Ein langes Gesicht machen wir, wenn wir 
JUkü in unserer Erwartung getäuscht sehen; denn in diesem Falle fühlen wir 
ans gleichsam aufgelösst. Die ausdruckvollsten Gebehrden haben ihren Sitz 
im Monde und in der Umgebung desselben, da von ihm die Aeusserung des 
Sprechens ausgeht und sehr mannigfache Modificationen der Lippen mit sich 
führt Was die Hände betriflt, so ist das ein Erstaunen ausdrückende Zu- 
stammenschlagen derselben über den Kopf gewissermassen ein Ver- 
such, sich aber sich selber zusammen zu halten. Das Händeeinschlagen 
beim Versprechen aber zeigt, wie man leicht einsieht, ein Einiggewordenseiu 
an. Aach die Bewegung der untern Extremitäten, der Gang, ist sehr be- 
zeichnend. Vor allem muss derselbe gebildet sein, die Seele in ihm ihre 
Herrschaft über den Körper verrathen. Doch nicht bloss Bildung oder Un- 
gebildetheit, sondern auch einerseits Nachlässigkeit, affectirtes Wesen, Eitel- 
keit, Heuchelei u. s. w., andrerseits Ordentlichkeit, Bescheidenheit, Verstän- 

ZdtMhvIft fSr Bthaologi«. Jahrgang 1874. g 



1 14 B»tbKblige für snthropologUche tTDtemichungen auf Exp«ditioneii dar Huin«. 

digkeit, OSenherzigkeit u. s. w. drücken eich in der eigenthOmlichen Art des 
Gehens aus, so dass man die Menechea leicht von einander am Chmge zu 
unterscheiden vermag. Uebrigens hat der Gebildete ein weniger lebhafteres 
Mienen- nnd (rebehrdenspiel als der Ungebildete. Wie jener dem inneren 
Sturme seiner Leidenschaften Rohe gebietet, so beachtet er auch äusserliob 
eine ruhige Haltung und ertheilt der freiwilligen VerleibUchung seiner Em- 
pfindungen ein gewisses mittleres Maaas; wogegen der Ungebildete, ohne 
Macht über sein Inneres, nicht anders, als durcb einen Luxus von Mienen 
und Gebehrden sich verständlich machen zu können glaubt (eben daselbst 
pag. 242—244). 

Die Brochüre der anthropologischen Gesellschaft in Berlin hat pag. 15 
hinsichtlich des Gesichtsausdruckes die von Darwin angegebenen Gesichts- 
puncte abgedruckt, welche in die fär die österreichische k. k. Mission nach 
Ost-Asien ausgefertigten Instructionen aufgenommen sind. Sie sind abAraos 
lehrreich und interessant. Ich will mir nur erlauben zu Nr. 12 eine Be- 
merkung hinzuzufügeo. Nr. l'i ist bezeichnet: „Wird das Lachen jemals bis 
zu der Höhe gesteigert, bei der es Tfaränen in die Augen bringt?" Darauf 
soll bei Beobachtung der Menschen in ferneren Gegenden geachtet werden. 
Dies betrifft also die pathologische oder physiologische Seite des Lachens. 
Das Lachen hat ader auch eine sehr starke pathognomische Seite; denn es 
durchläuft von dem gemeinen, sich aueschattenden, schallenden Gelächter 
eines leeren oder rohen Menschen bis zum sanften Lächeln der edlen Seele, 
dem Lächeln in der Tbräne, eine Reihe vielfacher Abstufungen, in welchen 
es sich immer mehr von seiner Natürlichkeit befreit, bis es im Lächeln zu 
einer Geberde, also zu etwas vom freien Willen Ausgehenden wird. Die ver- 
schiedenen Arten des Lachens drücken daher die Bildungsstufe der Indivi- 




Ralhflcbttge far anthropolo^^che Untersuch angen auf Expeditionen der Marine. 115 

Belang zu diesem Abschnitt hinzufügen kann, so will ich doch nicht onter- 
Imssen, nochmals auf die Wichtigkeit dieses Punktes hinzuweisen und auf die 
henronngenden Verdienste, welche die Marine-Ofßziere sich um die Wissen- 
schaft hierbei erwerben können. Die Philologie, die comparative Grrammatik, 
die Sprachphilosophie, sind von ganz ausserordentlicher Bedeutung für das 
Verst&ndniss des Geistes, der Völker- und der Culturgeschichte. Die Marine- 
Ofliziere müssen sich vorstellen, dass sie denjenigen Männern, welche auf 
diesem schwierigen Gebiete arbeiten, einen gar nicht zu ersetzenden Ge- 
fiülen erweisen, wenn sie ihnen von den bezeichneten fremden Völkern und 
Lindem ein Originalstück der Sprache, sei es in Schrift oder in Form eines 
anfjgeschriebenen Gesprächs mit Uebersetzung zuschicken können, ein Ori- 
ginallied, ein Vokabular, Formeln bei Ritualen, und dies ganz besonders 
von den polynesischen Inseln. 

V. Ist nun aber die Sprache und gewiss mit Recht als dasjenige Mate- 
rial bezeichnet, worin der Geist seinen vollkommenen Ausdruck hat, so wis- 
sen wir jedoch, dass fünftens der Mensch auch ein handelndes und 
schaffendes Wesen ist. Vor Allem aus den Handlungen und Werken 
erkennen wir den Geist, also aus dem ganzen Gebiet der Sitten und Ge- 
br&ache, in den häuslichen Einrichtungen, in dem Familienleben, dem socia- 
len Leben, dem industriellen und mercantilen, dem kriegerischen, dem reli- 
giösen, dem künstlerischen, dem politischen. Hier glaube ich, können wir 
durch übersichtliche Fassungen etwas nützen, und zwar zunächst dadurch, 
dass wir uns daran erinnern lassen, wie es a) Völker gegeben hat, die vor- 
geschichtlich waren und untergegangen sind, worüber die Brochüre der an- 
thropologischen Gesellschaft in Berlin unter dem Titel „B. Prähistorische 
Forschungen pag. 11 und 12^ spricht. Wir wissen femer, dass es b) ge- 
schichtliche Völker gegeben hat, die untergegangen sind, wie die am Euphrat 
und Tigris, die Aegypter, die Griechen, die Etrusker, die Römer, und dass 
c) es jetzt lebende Völker giebt 

Der Abschnitt in der Brochüre der anthropologischen Gesellschaft in 
Berlin über die Prähistorischen Studien ist ausgezeichnet abgefasst und 
geht mit Recht bis auf die Paläontologie zurück. Ungemein dankbar ist für 
den Marine-OfiBzier diese Mitwirkung an den Prähistorischen Studien, und 
Sie wissen, wie jede Kleinigkeit, ein Stück Menschen- und Thierknochen, 
ja aach nur eine Scherbe, aus dieser Periode ein wichtiger Beitrag ist. Auf 
die alten Höhlenwohnungen, auf die alten Knochenanhäufungen, auf die Erd- 
wille, auf die Manerarbeiten, auf den Mörtel, auf die alten Opferplätze, auf 
die alten Gräber ist das höchste Gewicht zu legen. Die genauesten Be- 
schreibongen, die genauesten Abbildungen sind hier erforderlich. Desgleichen 
find Ankäufe zu machen, und es ist zu hoffen, dass das Marineministerium 
überhaupt für die erforderlichen Ankäufe aller Art auf den Marine -Expedi- 
tionen im Interesse der Wissenschaft grössere Summen auswerfen wird. 

Was nun zweitens die untergegangenen historischen Völker betrifft. 



116 Rathachligis Mr knthropoloi^ache OntennchnD^n anf Eip«ditioaMi der Hufna. 

80 will ich nur ein Beispiel mittheilen, zu welchen Aufkl&ranfi(en Funde 
f&brea können. In Stanzona wurde in diesem Jahre ein rSmiscter Crrabstein 
gefanden mit etnirisclier Inschrift Das Jahr vorher wurde in Trefidio, ebfsn- 
ebentallB im Veltlin, eine etruskiscbe Inschrift gefunden; in Malz dagegen 
wurde ein keltischer Grräberfund gemacht und die Äufetellongen der nenen 
ethnographischen Forschungen, welchen zufolge die südlichen Alpenl&ader 
Kfaätiens in vorrömiecber Zeit von Etrusbeni, die diesseitigen hingegen tod 
Kelten bewohnt waren, erbalten durch diese Funde treffende Belege. 

Was die unbedeutendsten Kleinigkeiten, eine Scherbe, betrifit, will ich 
auch ein Beispiel mittbeilen, wie wichtig ein solcher Fund sein kann. Als 
ich in Athen war, wurde mir im CultusminiBteriam, wo eine Sammlung von 
AlterthQmern sich findet, eine Scherbe gezeigt, nicht grösser als ein prenssi- 
scber Thaler, gefunden auf der Akropolis. Es war dies Stück ein ausaer- 
ordentlicher Fund, weil auf ihm eine Farbenpracht sich findet, wie man sie 
bisher auf Gef&ssen nie gefunden hatte. 

Was nun aber diesem ganzen soeben bezeichneten Gebiet besonders zu 
Hülfe kommt, ist dieses, dass in uoeerm Jahrhundert abergichtliche Muse^ 
begründet sind, die deutlich veranschaulichen, was man meint und was man 
wünscht. Es giebt Museen für Pfahlbauten wie in Zürich, f^ die Stein- 
und Bronce- Periode wie in Kopenhagen, Chriatiania, Stockholm, Kiel, Berlin, 
ferner sogenannte ethnographische Museen, wie in Kopenhagen, im Haag, in 
Berlin, und bei diesen letzteren müssen wir erst einen Augenblick stehen 
bleiben, da der grösstp Theil des ersten Abschnittes der BrochSre der an- 
thropologischen Gesellschaft in Berlin pag. H — 10 unter der Ueberschriffc 
„A Ethnographie" vorzugsweise von dem handelt, was man unter einem 
ethnographischen Museum versteht. Es ist dieser Abschnitt bis auf die klein- 
sten Details ausgearbeitet und einen bessern Wegweiser können Sie nidit 




Balhiehttge fir anthropologiacbe Untersuchrnm^an auf Expeditionen der Marine. 117 

•ekende and Qbergreifende ist and der Einzelne demgemäss dort nicht zum 
Bewvasltein des Ichs gelangt. Da erzählte mir nun ein Offizier der deut- 
scken Marine, er habe einmal bei einem Chinesen zu Mittag gegessen und 
nack dem Essen eine Oigarre bei ihm geraucht. Da der Chinese selbst keine 
Cif^arre anziindete, habe er ihn gefragt, ob er nicht rauche; dahabe er geant- 
wortet: uWenn die Mutter es erlaubt^. Der Chinese war selbststandig und 
die Mutler nur bei ihm zum Besuch. Wie bestätigt dieser Fall das Wesen 
des chinesischen Geistes.'' Habe ich vorher der Museen erwähnt, wie deren 
Besoch und Studium eine so unentbehrliche und vortreffliche Vorbereitung 
Ar die wissenschaftlichen Bestrebungen der Marine auf ihren Expeditionen 
aind^ so sind es wiederum gerade diese Museen, die Ihren Arbeiten und Sen- 
dungen mit Spannung entgegensehen und Ihnen den eigentlichen Dank brin- 
gen werden. Ein Beispiel liegt unmittelbar in unserer nächsten Nähe vor. 
Der Commandant des deutschen Geschwaders, das nach W estindien gegangen 
ist, Herr Capitain zur See Werner, hatte sich vor der Abreise in liebens- 
würdigster Weise erboten, f&r die hiesige Universität Sammlungen zu veran- 
stalten. Diesseits ging man natürlich mit Dank darauf ein, und das zoolo- 
gische Museum stattete die Schiffe mit einigen Fässern Spiritus, Glasgefassen 
and Fanggeräthen ans. Hierzu hatte Capitain Werner noch aus eigenen 
Mitteln 6e&sse und Schleppnetze hinzugefügt Seit dem Januar sind dann 
bis jetzt bereits 8 Eisten mit verschiedenen werthvoUen Objecten an die Uni- 
versitit gesandt worden, grösstentheils für das zoologische Museum, .zum 
Theil auch für das mineralogische bestimmt. Die Zoologische Ausbeute be- 
greift sowohl Meer- als Landthiere, bisher von d Fundorten, der Kap Ver- 
tuschen Insehi, Barbados, la Guayra und Puerto Cabello in Venezuela,. Sa- 
baniUa in Neu -Granada und Jamaika. Von Landthieren sind zahlreiche 
Vogelb&lge, Eidechsen, Schlangen, und verschiedene Insekten gesandt worden, 
von letzteren eine reichhaltige Sammlung künstlich präparirter Schmetterlinge; 
Uerbei ist dem Capitain die Hülfe eines im Behandeln von Schmetterlingen 
erfiilirenen Ober-Maschinisten auf dem Friedrich Carl sehr zu statten gekom- 
men. Interessanter als diese Ausbeute zu Land sind die Ergebnisse der 
Schleppnetze, bis zu 60 Faden Tiefe, von den erwähnten Stellen. Besonders 
reich sind die Sendungen an Schwämmen und Korallen, so dass das zoolo- 
gische Museum mit einer hübschen Collection dieser Gebiete aus der Fauna 
des westindischen Meeres versehen worden ist Strahlthiere, Würmer, Weich- 
thiere, Erebsthiere uud Fische schliessen sich daran. Alles ist, Dank mei- 
sterhafter Zubereitung und Packung in vortrefflichem Zustande angekommen 
und Sie können sich die Freude vorstellen, welche hier Capitain Werner 
den betreffenden Professoren gemacht hat. Möchte dieses Beispiel reiche 
Nachahmung finden. 

leb darf nicht ausfuhrlicher sein als ich gewesen bin und habe so schon 
Ihre Zeit und Aufmerksamkeit in reichlichem Maasse in Anspruch genommen. 
In einen einzigem Vortrage sollte die ganze Aufgabe beleuchtet werden und 



118 Debenicbt der LiteTator föi ADthropologie, Ethnologi« nad Digwehichta im J, IBTK. 

ich brauche Dicht zu erwähnen, aof wie grosse Nachsicht ich daher rochncn 
muss. Tod einer erschöpfendeD Auff^abe der Behandlung kann nicht du 
B«de seiu. Nur zum gründlichGu Studium der Brochüre auzur^en, iat man 
Wunsch und meine Absiebt. Wir müssen den Mäonem, die sie rerCust 
haben, alle sehr dankbar sein. 

Ich will nur noch auf eins aufmerksam machen, wenn es nicht B^dion 
geschehen ist, da»^s nämlich alle Consuln des deutschen Reichs in den Besits 
der Brochüre der anthropologischen Gesellschaft in Berlin gelangen und aitf- 
gefordert werden müssen, die Herren OfGziere zu unterstützen und ror ihrem 
Konmien nach der Instruction der Kathschläge für anthropologische Uota^ 
suchungen zu sammeln und Forschungen anzustellen. 

Ich kann diesen Vortrag nicht schliessen, ohne der Kaiserlichen Deat- 
schen Marine meinen „Glückwunsch" zuzurufen, dass sie an ihrer Spitze 
einen Chef hat, der Beides, ihre reale und ideale, ihre militärische und ihre 
culturbistorische Stellung, in so grossem Style umfasst und forderL 



üebersicht 
Liteiatnr füx Anthropologie, Ethnolt^e and Urgeschichte im J. 1878. 

ZDBuniMDgMUllt fOD V. Kran, 




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L'Eorope Orientale, son ^tat präsent, sa reorganisation, avec deux tableanx etbnographiqoes et 

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Stricker (W.), Die Amazonen in Sage und Geschichte. 2. Aufl. Berlin (Lüderitz; Samml. 

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Tbe Alans or Lesghs. The Bulgarians. — Journ. of tbe Anthropol. Instit. III. 1873. 

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Eine Studie über die Kimmerier. — Ausland. 1873. No. 49. 
Bataillard, Sur les derniers travaux relatifs anx Bohemiens de i'Europe Orientale. — Bull. 

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CaMT kantiges Wissen über die Zigeuner. — Ausland. 1873. No. 36. 
Eeiniaeh (L.), Der einheitliche Ursprung der Sprachen der alten Welt nachgewiesen durch 

Vergtoichnng der Afrikanischen, Erythräischen und Indogermanischen Sprache mit Zu- 

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BrvBDbofer (H.), Die Cnltnrsprachen und die Sprachherrschaft. — Globus. XXIV. 1873. 

p. 74. 88. 135. 155. 220. 247. 
J«lij (J.), Völkerkunde nnd Sprachforschung. — Im neuen Reich. 1874. 1. p. 449. 
Jäger (Frz.), Ueber die Entwickelung der Sprachen. — Die Literatur. 1873. No. 15. 
V. d. Gabelentz, Sprachwissenschaftliches. — Globus. XXV. 1874. p. 92. 107. 122. 
D«r Oemn der Vorzeit. — Ausland. 1873. No. 30. 
Roiael, Etndes antehistoriqnes. Les Atlantes. Paris 1874. 572 S. 8. 
Zittel (K ), Die ältere Steinzeit und die Methode vorhistorischer Forschung. — CorrespondenzbL 

dL dentschen Ges. i. Anthropol. 1873. p. 51. 
B^Ieek (G.), Brouzo e ferro nei carmi omerici. — RiTista di filologia. II. Fase. 2. 
Sachier (R.), Die Nagel in Romergribern. - Philologui;. XXXllI. 1873. p. 335. 
Marg f raff (R.), Ueber das Vorkommen und die Bedeutung bronzener und eiserner Nägel 

auf römischen nnd germanischen Begräbnissstätten. — CorrespondenzbL d. deutschen 

Gae. f. Anthropol 1874. N. 1. 
Hager, (Jebersicht nnaerer Kenntnisa von den Phahlbauten. ~ Ebds. N 1. 
EBropäisebe nnd amerikanische Gesichtsurnen. — Globus. XXV. 1874. p. 38. 
dt Coataplane de Canares, Sur Torientation des dolmens. — Bull, de la Soc. daothro- 

polngia. VIJ. 1873. p. 861. 
lUbm dte Kibaaar der TomnlL ^ Gaea 1873. p. 66. 



122 Dsbersicbt der Literatar täi ADthropolo^e, Ethnologie nnd OrgMcbichU In J. 187S. 

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Qenthe (B.), Ueber den etrnskischen TaaicUiaDdel nach dem Norden. Pn^. d. QynnM. 

in Fraekfnrt a. U. 1873. Aach eioielD encbieneD. Fnukfart (TSleker, in ComB.) 1813. 

4. (»Thlr.) 
Ueber Ka^tenbildoog. — Anslaad. 1873. No. 23. 
Kleiopaal (R.), Ethrmolapen des Yolka. — Anilaod. 1873. No. 45. 

Hasaeneamp (R.), Die Eklipsen des Mondes in dei VolkMag«. — ADsland. IST3. EU, S7, 
Der SloTcb im dentscben Tolksaberglaaben. — Globas. XXIV. 1873. p. S3. 
Die Sage too den goldgrabendeo Ameisen. — Aasland. 1873. Na. 39. 
Kinn (V. F.], Der böse Blick. — Aagland. 1873. No. 47. 
Ueber das EigenthnmBiecht des Weibes. — Ansland. 1S73. No- 38. 
Ueber die Blntracbe. — AoBland. 1873. No. 26. 
T. Kefer, Ueber den Unprung tod Rechts nnd Linke. — Z. t Etbnologie. Sitinngri»«. 

1873. p. 25. 
Eine cultorbistoriscbe Stndie über das Sali. — Anstand. 1873. No. Sl. 
Znr Oeaebicbte der Feaeneage. — Ausland. 1613. No. IS. 



Boyla (Fr), Camp Notes: Stories of sport and adrentnre in Aiia, Africa and Anerin. 

London (Chapmao) 1B73. 300 S. 6. (10 s. 6 d.) 
Hiidebrandt (E.), Reise am die Erde. Nach seinen Tagebüchern nnd mändlicben BetiebUn 

erühlt von E. Kossack. 4. Aufl. Berlin (Jauke) 1873. 8. (lg Thli.) 
Lafond (G.), Fragments de vojage aotoat du monde. Philippines, Chine, Halaiais, Polyniaie, 

Heiique, Ameiiqne centrale etc. Paris (Bnreani dn Siecle) 1873. 234 8. 4. (2](Frci^} 
Buges (R. Graf t.}, Reiseskizien ans Wsst-lodien, Uexico und Nord- Amerika, geaamoMlt 

im J. 1873. Leipzig (Doncker & Hnmblot) 1873. gr. 8. (3 Thlr.) 

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DentBOhland. 

Virchow, Ueber die Drsprängliche BeTÖlkeruag Dentaehland* ODd Europa'«. — 4.VenammL 

d. deutschen Oes. f. Anthropologie. 1S73. p. 44. 
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in Deutschland. — 4. Versamml. d. deutschen Oes. f. Anthropologie. 1873. p.' S8. 
ichmit (L.), Dia Altertbnmer unserer heidnischen Toraeit Bd. III. Hft. 3 




Ifobtinekt dtr Litentm für Anthropologie, Ethnologie nnd Urgeschichte im J. 1873. 123 

Hildebrandt (G.), Ueber einen zn Triebsees in Neo • Yorpommern im Torf gefundenen hol- 

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pologie. 1873. p. 31. 
Faeka (R), Das deutsche Eiland Rügen und seine Insassen. — Aus allen Welttheilen. IV. 

1873. p. 359. 
▼. Wickede (J.), Der pommersche Darst und das mecklenburger Fischland nnd ihre Bewohner. 

— Ans allen Welttheilen. lY. 1873. p. 37. 
Voifeichichtliehe Steindenkmäler in Schleswig- Holstein. 2. Hft. Kiel (v. Maack, in Comm.) 

1873. gr. 4. (13 Sgr.) 
Die Gräber der Broncesei t auf der Insel Sylt. — Corespondenzbl. d. deutschen Ges. f. An- 
thropologie. 1873. p. 46. 
Handelmann (H.), Die amtlichen Ausgrabungen auf Sylt. 1870, 1871 und 1872. Kiel 

(Sehwers) 1873. gr. 8. (28 Sgr.) 
Die Inseln des nordfriesi sehen Wattmeeres.' Sylt. Der Kampf gegen das Wasser. Die Denk- 
mäler der Vorzeit — Aus allen Welttheilen. IV. 1873. p. 366. 
A Users (H.), Die Kreisgräber der Nordseewatten. — Gorrespondenzbl. d. deutschen Ges. f. 

Anthropol. 1873. p. 70. 
Poppe (F.), Die Kreisgräber der Nordseewatten. ■— Ebds. 1873. p. 79. 
RQneoinschriften im Taschberger Moor (Schleswig). — Gorrespondenzbl. d. deutschen Ges. f. 

Anthropol. 1873. p. 56. 
Hand«lmaDD (H.) nnd A. Pansch, Hoorlelchenfunde in Schleswig -Holstein. Kiel (Sehwers) 

1878. gr. 8. (I Thlr.) Vgl. Ausland. 1874. No. 4. 
P an ach (A.), Berieht über einen bei Ellerbeck am Kieler Hafen anfgefnndeneo alten Torf- 

aekidel. — Arch. t Anthropol. VI. 1873. p. 173. Vgl. Gorrespondenzbl. d. deutschen 

Ges. f. Anthropol. 1873. p. 34. 
Simon (Tb.), Ansgrabungen des Umenfeldes bei Fuhlsbüttel. — Gorrespondenzbl. d. deutschen 

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1873. p. 198. 
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1871 (1872). p. 279. 
lin Leichenfeld ans Torchristlicher Zeit bei Uelzen. — Gorrespondenzbl. d. deutschen Ges. f. 

Anthropologie. 1873. p. 80. 
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Ethnologie. Sitzungsber. 1873. p. 12. 
Grfinhagen, Der schlesische Grenzwald (preseca). — Z. d. Ver. f. Gesch. u. Alterth. 

Schlefiens. XII. Hfl. 1. 
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p. 110. 
löttner, Tracht und Mundart tou Ober-Glogau. — Rübezahl. 1873. Hft. 12. 
Welttel (A.), Die Sprachgrenze Gberscblesiens. — Rübezahl. 1873. Hft. 12. 
Wiehle (B.), Heidnische Begräbnissstätten bei Kanigen. — Rübezahl. N. F. XII. Hft. 9. 
Ziehen (E.), Geschichten und Bilder aus dem wendischen Volksleben. Hannover. 2 Bde. 

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p 31. 321. 
Friede! (E.), Archaeologiache Streifzüge durch die Mark Brandenburg. — Z. f. Ethnologie. V. 
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124 U«bersleht du Litontor tut ADthropalo;^«, Etfanologie nnd DtgMdiiefate ia J. 1S78. - 

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SiUnngeber. 1ST3. p. tOS. 
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1873. p. 87. 
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d. E. K. Geolog. Reichsanet. Verhandl. 1B73. p. 46. 
Lanckhard (C. F.), Sagentjpen aus Thäringeo. — Ana allen Welttheilen. IV. 1873. 

p. 346. 374. 
Voilänfiger Beriebt ober die Ergebniase der Ansgrabnngeo bei Langel bei HSblhaaaen ia 

Thüringen, — CorrespoDdenzbl. d. deutach. Ges. t. Antbropol. IS73. p. 61. 
Eloprieisch, Die Auegrabuneen lu Allstedt Qnd OldUlebeD. — Ebde. 1S74. No. S. 
Fund eines Schwnrringes bei Blankenburg em Hara. — QlobDs. XXIV. 1873. p. 371. 
Heidengräber bei Zeiti. - CorrespoDdenzbi. d, deDtseh. Oes. f. Aotbropoiagie. 1873. p. 40. 
Das Römercastel! und das Todtenfeld in der K-intzigniedernng bei Eäekiagen. Baaan (König, 

in Comm.). 1873. gr. 4. (1% Yhlr). 
Bnlsenbeck <F.), Das römiache Eaetell Aliso ao der Lippe. Paderborn (Schöningb). 1S73. 

8. (S4 Sgr.). 
Scbaaffhansen, Ueber einen beim Kellerbau eines Hauaea in Cobleoi gemachten Fnnd 

von menacblichen Ehesten. — 4. Versaumi. d. dentacben Oes. f. Anthropologie. IS73, 

p. 55. 
Vircbo«, Ueber die Scliädel aus dem attgerinanischen OräherTeld am Schiereteinei Wege bei 

Wiesbaden — 4. Versamml. d. denteeb. Ges. f. Anthropologie. IST3. p. 11. 
V. Borosini, Ueber alle Gräber bei dem Fotsthaus Langen Ions beim bei Krenioech. — Z. L 

Ethnologie. Sitinngsber. 1873. p. 127. 
Dabn (F.), Altgermaniscbes Heidenthom im eäddeatscben Volksleben der Gegenwart — Im 

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Friedel (E.), Fränkische Tbier- nnd PHaniennamen aas dem XI. Jihrbandert. — Z. f. Eth- 
nologie. V. 1873. p. 70. 
Uülleohoff, Von der Herkanft der Scbnüben. — Z. f. deaUchM Altertbam. N. F. V. 1. 

1873. 
Sagen (G.), Der Sehwanitald nnd seine Beerohner — Allgem. Famllien-Ztg. 1874. No. ». 
V. Bölder, Ueber die Race von Csnostadt dee Herrn de QuaMfages. — Correapondenibl. d. 

deutsch. Oes. i Antbropol. 1873. No. 13r 
Birlinger (A.), Die Hobentoilerischen OrU-, FInr- nnd Waldnamen. — Alemannia. I. 1873. 




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Oetcli. d. Deatschen io Böhmen. XI. 1873. p. 34. 
Andree (R.), Zar Ethnographie Mährens. - Globus. XXIV. 1873. p. 200. 213. 
ProC Woldrieb*8 ForschaDgen über den Bruxer Schädel und über weitere Funde der Brnxer 

Gegend. — Ausland. 1873. No. 29. 
Die P&hlbanten der österreichischen Gebirgsseen. — Correspondenzbl. d. deutschen Ges. f. 

Aotbiopologie. 1873. p. 30. 
Prof. Woldrich*s Entdeckung einer prähistorischen Opferstätte bei Pulkau in Niederösterreich 

— Ausland. 1873. No. 13. 
Pasch (K.)« Zar Kunde der Sagen, Mythen und Bräuche im Innviertel. Progr. d. Gymnas. zu 

Ried. 1873. 
W oldrich (J.)» Ueber neae Fundorte von Mammuthknochen (Pulkau in Niederösterreich; 

Tschaasch beiBrüz; Maaterndorf in Niederösterreich.) — Jahrb. d. E. E. Geolog. Reicbs- 

anst. VerhandU 1873. p. 149. 
Fraaeisei (FOi Sagen vom Reisskofl im Gailthale. — Carinthia. 1873. No. 9. 
Walser (R.;, Der Lieserthaler und seine Hochzeitsgebräuche. — Carinthia. 1873. No. 11. 
Baambach, Eine deutsche Sprachinsel in Wälschtirol. — Gartenlaube. 1873. No. 52. 
Roesler, Oeber den Zeitpunkt der slavischen Ansiedlung an der unteren Donau. — 

SiUuogsber. d. Wiener Akad. d. Wiss. Philos. bist. Gl. LXXIII. 1873. p. 77. 
Saoervein, Über die slawischen Völkerschaften Nordungarns. — Correspondenzbl. d. deutsch. 

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Eine oeoe aufgefundene Enochenhöhle (zu Verviers hei Genf). — Ausland. 187-t. No. 4. 
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lDfe«n«D and Bäeh^nehaa. 14 g 

Sdiwiebe dM (1000 p. d. seifalleDden) Chazarenreichs zo((en die früher diesem 
•■terthinlno lb|nF<^i^D ^^^ Ungern (anter Arpad) nach Ungarn (889 p. d.). 

Alt di» cwitnlmaiatischen Völkerwanderungen (100 p. d.) aaf die Finnen dräckteu, folgten 
die Kanlier dem Laufe des Jngflusses an die Ufern des Suchona und Dwina, von wo sie sich 
•idvwtlieli über die Gegenden am Onega und später bis zum Ladoga-See verbreiteten. Den 
obertB Lauf der Wolga entlang kam die Sippe der Tawaster , die südlich vom Ladoga- und 
Oaef a See aledtlte, getheilt in die eigentlichen Finnen (westlich), die eigentlichen Tavaster (in 
ii*r Mitte) and die Wepsen (östlich, zwischen Onega-See und Bjelo-Osero), und (IV. Jahrb. p. d.) 
dra Ootlben tiibatir. 

In Viibiodang mit Permiern (an der Dwina) gründeten Karelier das persische Reich, die 
Tavasttr berührten sieh südlich mit den Litthaaern und die Finnen westlich mit den Wikiu- 
fsni Schwedens. 

Bedxingt im Osten darch die nordwärts gerichtete Wanderung der Bulgaren (von der Do- 
laa nach Gross-Balgarien) zwängten sich (700 p. d.) die Karelier und Tawasttrr in den Bezirk 
des Ladoga« and Onega -Sees, Emigranten nach Westen aussendend. Eine mit Tawasteni 
taiermisehte Abtheilnng von Kareliern zog unter den Namen der Liven und Kuren nach Süd- 
wetten and setzte lieh schliesslich an den nach ihnen benannten Uferländern Liefland^s und 
Karland's fest, nachdem sie die den Litthauern verwandten Letten ins Innere des Landes 
▼trdiingt oder anteijocht hatten. Gleichzeitig begann ein Theil der Karelier sich im Westen 
dte Ladoga-Sees, an der Mündung des Wuochsenflosses (in Kardien) anzusiedeln, in Fehden 
Bit dem Pohjola-Volk, (die im Binnenlande and an dem nördlichen Ufer des Ladoga-Sees an- 
säMigeo Jotaner and Lappen). Weiter westlich zogen die eigentlichen Finnen, die beiden 
Dfer dee finnischen Meerbusens entlang. In dieser Weise gelangte der südliche Zug an den 
Ufern «od Inseln der Ostsee (bis zu den Grenzen der Liven), als Esthen. Auf der nördlichen 
Seite logen sie das Südnfer Finnlands entlang in die Gegend des finnischen Sundes (in Finn- 
land). Später folgten die eigentlichen Tawaster, indem eine Abtheilung die Narowa über- 
schritt and sich in dem zwischen den Peipus- und Wirtsjärwi-See gelegenen Bezirk nieder- 
Uaes (mit der dörptschen Mundart des Esthnischen), während Andere über die Newa und den 
KyaiMieflass gingen, den Grund zum Tawasterland in Finnland legend, (und ein Theii der 
Tawaster in dem ehemaligen Wohnsitzen verblieb). Als slavische Stämme (als Wenäläiset) 
aiek (aar Gründung Nowgorods) am llmense niederliessen, wurde die Auswanderung der (im 
Sadtn dee Ladoga-Sees bedrängten) Tawaster nach Finnland beschleunigt. 

Da die Wikinger oder Waräger Scandinaviens, in den Ladogasee eindringend , die Siaven 
and flnnen heiataehten, warde von ihnen selbst ein Herrscher erbeten, und das dadurch ge- 
friadita Baich der Bossen oder Roos (Ruotsi oder Schweden) bestand vorzugsweise aus Fin- 
aea (Taehoden), indem Rarik übei die Jämen (Hämäläiset oder Tawaster) am Ausfluss des 
Wokbaw« Sineas am Bjelo-Osero unter den Wepsen und Truwor in Isborsk, südlich vom Pei- 
an der Grenze der Esthen herrschten. Nach dem Ableben seiner Brüder verlegte 
m Sitz nach Nowgorod und mit der Erweiterung nahm das Reich mehr und mehr 
daa alaviichen Charakter an. Swiatoslaw, der auf Igor (Rurik's Sohn) folgte und sein Sohn 
Wladiaur zwangen sowohl die Tscheremissen in Osten , wie die Esthen in Westen zur Bot- 
nad Jaroslaw (Wladimir's Sohn) baute die Festung Jurjew cDorpat) in Esthland, 
(■ehwedisehen) Gattinn Ingegerd als Morgengabe die Stadt Ladoga in (dem dadurch be- 
i) Ingamanland verleibend. 

Wihiand der Mittelpunkt des russischen Reiches nach Kiew verlegt wurde, hatte sich in 
Ma w gorod eine Bürgerrepnblik entwickelt, (mit Bäuptlingen aus Rurik's Geschlecht). Für die 
Aaadekaanf des Handels wurden die Tawaster aus den Südufern des Ladogasee's, wo sie bei 
daa Faldzog Wladimir*8 gegen Jämen und Tawaster (1042 p. d.) noch wohnten, und von der 
Sava Terdrängt (Ende des XL Jahrb.), nach Finnland auswandernd oder zum Theii nach 
Sordaatan flüchtend (XIL Jahrb.). Im Bunde mit Nowgorod liess sich eine Abtheiiung der 
Kaialiar (nach Vertreibung der Tawaster) in Ingermanland nieder (als lugrer) die Oberhoheit 
Navfoiod*a anerkennend, wie auch die Woten (ein karelisch gewordener Zweig der Tawaster 
im weallieben Theil Ingermanlands). Dagegen standen die Karelier auf der finnischen Seite, 
ia dar Geftsd dee Waoksen, nur im Bundesverhältniss mit Nowgorod, und auch die finni- 
Tawaalar, sowie dia Esthen behaupteten ihre Unabhängigkeit. Bei der ostliohen Aus- 




142 llisrell«n anil BücberschaD. 

Otiff« (E.), Topofrnphie d«r 8rtiiffeT-Ins«lii. ~ Jnurn. d. Uunanm Oodvffrny. Hfl. 4. II7S. 

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Dieser Ueberaelinng fulgend, mögen hier die Debiils des ersten Auflreten« msinimeiife- 
fusl «erden: Der tuisniacbe Stamm (Tangiiaen, Hongolen, türkische Völker und finnilclM 
Völker) erhält tod dem zeitweisen Aufenthalt am Altai und Ural aurh den Namen de« nral- 
altiiscben und in Hedien oder Dada (nida oder Land) fingen turanische Völker den iraiUBeheii 
vorbei, wie in Asajrrien und Hesopotamien den Semiten. Der ipäter in Kinnland Giirte Mama 
Pinn tbei Tacilus) findet si<-h (H. Jahrb. p. d ) an der Weichsel und die den Schweden oder 
Norwegern In Srandinavlen vorhergehenden Jotnner finden sich als Hüd|^ oder JättilÜaet 
(Jatulit oder Jotnnit) in Pinnlanil bis heim Einztige der Finnen verschwindend (als Tsehudan 




lDfe«n«D und Bäeheraehaa. 14 g 

Sehwiebe dM (1000 p. d. seifalleDden) Chazarenreichs so((eo die froher diesem 
■altftMuiifto Magjaren oder Ungern (anter Arpad) nach Ungarn (889 p. d.). 

▲b dk CMitnlatiatiseheD Völkerwanderungen (100 p. d.) aaf die Finnen drückten, folgten 
^ Kanliw dem Laufe des Jugflusses an die Ufern des Suchona und Dwina, von wo sie sich 
•idv«sttieh ober die Gegenden am Onega und später bis zum Ladoga-See verbreiteten. Den 
ob«rtD Lauf dar Wolga entlang kam die Sippe der Tawaster, die südlich vom Ladoga- und 
O na f a Set aiedAlte, getheilt in die eigentlichen Finnen (westlich), die eigentlichen Tavaster (in 
ii*r Mitte) ond die Wepsen (östlich, zwischen Onega-See und Bjelo-Osero), und (IV. Jahrh. p. d.) 
des Oothan tribatir. 

In Vtibindnog mit Permiero (an der Dwina) gründeten Karelier das persische Reich, die 
TawaaUr barahrten fich südlich mit den Litthauern und die Finnen westlich mit den Wikiu- 
ftra Schwedens. 

Bedringt im Osten durch die nordwärts gerichtete Wanderung der Bulgaren (von der Do- 
üMU nach Orosa-Balgarien) zwängten sich (700 p. d.) die Karelier und Tawaster in den Bezirk 
dee Ladogm« and Onega -Sees, Emigranten nach Westen aussendend. Eine mit Tawasteru 
natermiaebte Abtbeilnng von Kareliern zog unter den Namen der Liven und Kuren nach Süd- 
«eeten und aetate sich schliesslich an den nach ihnen benannten Uferländern Liefland*s und 
KnrUnd's fest, nachdem sie die den Litthauern verwandten Letten ins Innere des Landes 
verdrängt oder anteijocht hatten. Gleichzeitig begann ein Theil der Karelier sich im Westen 
dea Ladoga-Seea, an der Mündung des Wuochsenflosses (in Kardien) anzusiedeln, in Fehden 
Bit dem Pohjola-Volk, (die im Binnenlande und an dem nordlichen Ufer des Ladoga-Sees an- 
aäaaigeo Jotaner und Lappen). Weiter westlich zogen die eigentlichen Finnen, die beiden 
Dfer dee finnischen Meerbnsens entlang. In dieser Weise gelangte der südliche Zog an den 
Ufern und Inaein der Ostsee (bis zu den Grenzen der Liven), als Esthen. Auf der nördlichen 
Seite logen aie das Südnfer Finnlands entlang in die Gegend des finnischen Sundes (in Finn- 
UndX Später folgten die eigentlichen Tawaster, indem eine Abtheilung die Narowa über- 
nnd sich in dem zwischen den Peipus- und Wirtsjärwi-See gelegenen Bezirk nieder- 
(mit der dörptschen Mundart des Esthnischen), während Andere über die Newa und den 
Kyneneflosa gingen, den Grund zum Tawasterland in Finnland legend, (und ein Theii der 
Tawaater in dem ehemaligen Wohnsitzen verblieb). Als slavische Stämme (als Wenäläiset) 
aiek (aar Grondang Nowgorods) am llmense niederliessen, wurde die Auswanderung der (im 
Siden des Ladoga-Sees bedrängten) Tawaster nach Finnland beschleunigt. 

Da die Wikinger oder Waräger Scandinaviens, in den Ladogasee eindringend, die Slaven 
■ad flnnen heimtaehten, wurde von ihnen selbst ein Herrscher erbeten, und das dadurch ge- 
griadete Beich der Bossen oder Roos (Ruotsi oder Schweden) bestand vorzugsweise aus Fin- 
aea (Teehnden), indem Rorik aber die Jämen (Hämäläiset oder Tawaster) am Ausflnss des 
Welchow, Sinens am Bjelo-Osero unter den Wepsen und Truwor in Isborsk, südlich vom Pei- 
an der Grenze der Esthen herrschten. Nach dem Ableben seiner Brüder verlegte 
in Sitz nach Nowgorod und mit der Erweiterung nahm das Reich mehr und mehr 
dea alafiachen Charakter an. Swiatoslaw, der auf Igor (Rurik's Sohn) folgte und sein Sohn 
Wladimir awangen sowohl die Tscheremissen in Osten , wie die Esthen in Westen zur Bot- 
nnd Jaroslaw (Wladimir's Sohn) baute die Festung Jurjew (Dorpat) in Esthland, 
len) Gattinn Ingegerd als Morgengabe die Stadt Ladoga in (dem dadurch be- 
i) Inginnanland verleibend. 

Wählend de? Mittelpunkt des russischen Reiches nach Kiew verlegt wurde, hatte sich in 
KawfOfod eine Bürgerrepublik entwickelt, (mit Bäuptlingen aus Rurik's Geschlecht). Für die 
Aaedakaong des Handele wurden die Tawaster aus den Südufern des Ladogasee's, wo sie bei 
dea Faldaag Wladimir*a gegen Jämen und Tawaster (1042 p. d.) noch wohnten, und von der 
Kewa Teidrängt (Ende des XI- Jahrb.), nach Finnland auswandernd oder zum Theii nach 
Serdaelen flüchtend (XII. Jahrb.). Im Bunde mit Nowgorod lie:ts sich eine Abtheiiung der 
Kaielier (nach Vertreibung der Tawaster) in Ingermanland nieder (als lugrer) die Oberhoheit 
Mew g a i od*! anerkennend, wie auch die Woten (ein karelisch gewordener Zweig der Tawaster 
ha waetlkken Theil Ingermanlands). Dagegen standen die Karelier auf der finnischen Seite, 
la dar Oegaod dee Wnokaen, nur im Bundesverhältniss mit Nowgorod, und auch die finni- 
Tavasler, aovrie die Esthen behaupteten ihre Unabhängigkeit. Bei der östlichen Aus- 




144 HücelltD und Bücbenchau. 

bieitoDf; von Nowgorad'a Handsl wurde die Laadeshöhe äbenchritteu, welche Ü» WMMOf- 

üteme d«r Dwina und dcB Ladagasees trennt und atiesj man jenseits denslben aof ne^ 
einen karelischen Stamm, der die Ufer d^r Dwiua bebsrrachte. Diese als Sa-wvloUcIiM (hiBtec 
der Wasseracbeide wohnende T»chuden) beieicbneteo Kurelier, waren den ScAndinarieni >k 
BJaimen oder Permier bekannt aeit dem Norweger Otber (IX. Jahrb.) 

Als die Karelier den permiscben Sbmm (Sirjäneo, Wotjahen und Pem^äken) unU^odl 
(dessen Wobneilze sieb bis über das ubere Flassgebiet der Wyttehegda und Kama hin «- 
streckten), llu&sen durch den Handel (von Bulgarien in die Dwinagegend} BeichthäiBec an and 
dadurch wurden die Freibeuter Norwegens angezogen, wie (920 p. d.) Erich Blodjxe, (S<An Ha- 
rald Uarfagi's) und daoji der Norweger Earli (mit seinem Bruder Gnunatein and LehnuiaDB 
Thurer Hund), der (nach dem Erbundelu lon Peliwerk) nächtlicheiweiee auf den BegribniHplatt 
der Bjarmer (an det Uündung des üwinaSusses) deu Oützen Jomali beraubte. 

Der den Bjarmeru in Fellen (die von deu arabischen Eanileuten in Bulgarien in Bmpfaii| 
genommen wurden) geiablle Tribut reichte nicht nur für die permiscben Sareliar an dw KÜU 
des weissen Meeres nnd den Ufern der Suchoaa aus, Baadern auch für die Earelier am Ladoga- 
See und selbst für die Tawasler in Finnland, ungleich war der nordwestliche Theil d«* 
LappeQTolkes (in der äussersten Ecke oder Loppi wohnend) im norwegischen Finnmarken odw 
dem Ruija-Lande den Norwegern linspflicfatig geworden, auf welchen Zins die Bewohner Halo- 
galands (im nördlichen Norwegen), das Anrecht hatten, bis er (init Harald Barfagr) an di* 
Krone fiel (Ende de^ IX. Jabih.) 

Die (die Lappen gleichfalls besteaemden) Qvenen (das Eainu-Volk] wohnten (nach Other) 
im 0>ten des nördlichen Norwegen (im nördlichen Schweden) die Norw^er befehdend, nod 
(da sich ihre Heirschafl auch auf die finnische Seite lies bothnischen Meerbusens entnckte) 
mit den gleichfalls den Lappeutins tu erheben beginnenden) KaielierD (au der Dwina oder La- 
doga) auf den Tundren Lapplands znsammenstossend. Seit der Qaenenkünig Warawit (Fa- 
rawit) deu Lehnsmann des norwegischen Königs, Tborulf Quedulfsobn (977 p. d.) inm Bei- 
stand gegen die Karelier ersuchte, verschwimmt die Nachricht von den Queneo, die ausge- 
storben scheinen (indem sieh in Finnmarken die Herrschaft ijer Norweger ausbreitete und d*» 
Schweden ihr Beich längs der westlichen Küste des bothnischen Meerbusens erweiterten), nud 
nur in den Sagen des (hinter Schweden gelegeneu] Weiberlande« (Quen oder Weib) fortleban 
XU dessen Eroberung der schwedische König Edmund GamI« seinen Sohn mit einem Heer« 
dOö'^ p. d.) sandte, das an der Quell Vergiftung (durch die Amazonen] zu Grunde ging. 

Die Quenen (als welche man in Norwegen alle Finnen versteht), die ihren Namen, der 
Gegend Nordbotuien's (in Kainun-maa oder Ksjam) hinterlassen haben, waren (wenn nicht ein 




HifeeUen nnd B6chenchan. 145 

&n SädMite des Saimasees nod dem Ufer des finnischen Busens) die Gerichtsbesirke 
das «estlichen Karelien (Ayr&p&a, Jääski und Sawo). Die eigentlichen Finnen und die eigent- 
lieb^ii Tawaater, die auf ihren Zug nach Westen ihren Weg über die Landstrecke zwischen 
Ladofaaee and finnischen Busen genommen, wurden yerdrangt oder Termischten sich mit den 
Karaliern und so erhielt das äusserste Ende des finnischen Meerbusens den Namen Karjalao- 
pobja (Kyrialabotn) oder Karelische Bucht. Das Dauptland der Karelier lag jedoch an den 
Wattaffillen des Waoksenfiussea, und dort wahrscheinlich auch das Kalewala (der Runen), so 
data das Pohjola- oder Sariola-Volk (das durch die Kalewa-Helden besiegt wurde) an den 
odrdliehen Ufern des Ladogasees xu suchen wäre. 

W&brend die Karelier aich heimisch machten, begaben sich die eigentlichen Finnen das 
Macresofer entlang in ihre gegenwärtigen Wohnplätze, überall Spuren von Siedlungen (in 
d«r Gegend dea Kymeneflusses und in Nyland) zurücklassend. Die Gegenden am Aurafluss 
■od bei Raomo bis zum Knmofinss geriethen in den Besitz dieses Stammes und die Benen* 
■QBf Satakonta oder Gemeindehundert (am Kumoftuss) bezeugt die Einführung kommunaler 
Ordonng. Die letzten Einwandrer dort waren die eigentlichen Tawaster, die (auch dann dem 
W«ga der eigentlichen Finnen folgend) über den Kymenefluss gingen und sich in den Besitz 
des an der Südseite der Wassersysteme des Päijäne und Wanaja gelegenen Gebietes setzten, 
wo •!• die eigentlichen Finnen und Karelische Volkselemente (die sich früher Torfanden) 
io iirb aufnahmen. 

Bei Ankunft der Finnen in Finnland fanden sich die (mit Qnenen den Norden bewohnende) 
La|>pen noch südlich und auch später in den Ortschaften Sawo*s und Tawastland>. Bei dem 
nordlichen Vordringen der finnischen Stämme (zur Tributerbebung) gelangten die* Karelier am 
woitoatan, indem sio (theils yon der Dwina und theils von den Ladoga-Oegenden ausgehend) 
an dor nördlichen Bucht des bothnischen Meerbusens und bis Finnmarken geriethen, mit den 
Norwegern (IX. Jahrb.) zosammenstossend und in spätem Fehden mit Norwegern bis Haliga- 
land atreifend. 

Im Bande mit Nowgorod kämpften die Karelier gegen die Tawaster, die für den Zug ge- 
gen die Stadt Ladoga (1142) von den Kareliern (1143) heimgesucht wurden und die Novgoroder 
mnaaten die ihnen unterth&nigen Woten (1169) gegen die Tawaster unterstützen. 

Die eigentlichen Finnen, durch welche die Aland's-Inseln besetzt wurden, verheerten 
(gleicb den Terwandten Esthen) die schwedischen Küsten, wo Alle unter den gemeinsamen 
Naaun der Eatben der Ostbewohner begriffen wurden (der später nur in Esthland yerblieb) 
Ancb das HämeTdk (die Tawaster) mag anfangs in diese Benennung einbegrifien gewesen 
sein, ala man sie aber später unterscheiden lernte) nannte man sie Taw-Estber oder Tawaster. 
Der Name der (den Kareliern atammrerwandten) Kuren war auf den Gewässern der Ostsee 
gifiicbUt 

New: Life, waDderings and laboors in Eastem-Afrika (London 1873.) 

Ton are eonstantly meeting, as Dr. Livingstone says of some of the southern races, with 
ponona wbo remind yon of your acquaintauces in your owh country (unter den Wanika) 
Maneberlei Hittheilangen über die dortigen Stürme (auch über den Tod Baruns v. d. Decken). 
From tbe accounta of the Wachaga, mount Meru (visible from Moche.<<) is inbabited by a 
vcry iatoreatiog tribe chiefly engaged in agricultural pnrsuits, but they are a fine, clever, bold, 
warllke face, thongb they had been of late harrassed by the Aru^ha. Sadi told me, that he 
eoco anw aome Meru-women, who were as white asWazungu. — Long faces, auiple forebeads, 
long aqniline noses, well-chiselled lips, pointed and preminent chins were the chief characte- 
riatica of tbe Arosha wa Jn (more resembling the Wakuavi and Masai, than the Wataveta) 
the eeri atretcbed (wie die der Wataveta), nach Art der W^akuavi gekleidet. — Physically 
tbe Oallai are a fine raee, tall, stalwart, well - proportioned , with features of a very superio- 
order, yeft ferocious-looking withal. Instead of the ordinary African wool, their heads are 
often adoroed with wa?y ailken hair, but in colour they are what Africans are everywhere, 
«itb a large proportion of the darker hues» a fact which is to be attributed to their coustant 
dposare, aa a wandering tace, to the sun. — Tbe country of tbe Gallas (Orma or Oronia) ia 
goferoed by a ebief (beiyn), aubchief and their lubn (party) of toibs or cuuncillors. Cbiefa 

MiMhfUI Ar BtkMlegl«. Jahrtang 1S74. Y^ 



1^ HiseclUn ddH Bäch«Mcban. 

I» el«et«d froin Sti diitinct famili», eai^h ebief retaiaing offiee lAght jMn. Attoditol 
Hith the goTecameiit, tbejF bare the cDstoni (calied Hab), «bich nqalrai tbat tba paoplt «f 
thosG, «ho an oot of olfice sbould tbro« away theii cbildien, tbs cbief in po«M aoil Ut 
labu odI; beiog illowed to rear ibeir families. - Tbe Gallis in diTided Joto t«a tribw «I 
clauei, tbe Baretuma and tbe Haruii, «od the maa of each tribe bar« tO saleot their «1*M 
fiom tbe other (*ie ähalicb in Auttrilieo oad in beidea Ghautawi n. ». «.}. 

Die Darama-Üerge trennen die □öidlicben Alnpinga (Watai, Wadnrnnia, Wanbai, W*- 
ritte, Wakambe, WajIbaDa, Wacbogni, Wakauina, Wageriani) nnd die lüdlicbe Wadigo nnd (ßm 
den Sbimba'KergeD) Wsshimba. Die Waraliai leiten lieh Tom Eilima Mjato, die Wageriaw 
und Waribe 1001 Berg Uangea Beim EindringeD der Galba wurden die Wanika in di« WiM- 
niis (Nika) getrieben. 

Janseits der (caDnibaliacben) Korokoro und Haoyole beginnt die Land der Haaai odw 
(bei den GiIIm) Kori. The Wasania (Wadahalo oder Wata) oder Walimgala (Alnngnlo od« 
Arinngolo} apeak the Galla toDgoe and bave oo olbei, bat etbnologicallj tbera la ■ grwt 
difference betireen the t«o peoplea. PbjaiognomJcalljF tbe Waaania bear a ttronger raaaB- 
blaoee to the Negro races. Dia (den Wanika oder Ambakomo verwandten) Wapokomo «iad 
den Uallai tribotpSicbiig (im moraatigen Lande). — Tbe WaknaTi formerly occnpied the whoU 
o( the plaine aniund the baae uf moant Kilima N'jaro, alao the eiterioi tracta Ijing bet>Mi 
TlTeta and Jipe, od the one band and tbe Taita monntaina, on tbe otber (tbe WbUtcU beinf 
i)n friendly terms «ilh tbe Wakuaii;. In the coorse ar time the Uasal, emeiging fron tbe 
weit, twept OTer the open plaina, smote tbe WakuaTi and latteied ihem, leaTing bowavK 
the Wataveta in their foreat-bilnea&es, in perfect aecnritj. The Wakuavi (bruken op) wand*- 
red tbia way and lome tbit, nhile many turning 10 their frienda (tbe WatiTota) foand laTflg«. 
Evei lince ihe two people* bare lived together, aisimiiatiag more aad more to eaeh Otbar, 
habita and modea of life. Tbe Wataveta, howeTer, teem to have been far more inflaeaced bj 
the Wakuati tban vice veraa. — 

The Wanika and Waaoahili work a patch of land, until it i« eibanited and than aeek a 
planlation elaewbere, od Tirgio loil, or at leait on aoil, tbat baa long reatad, wie aolcba 
wechselade Feldwirthschatt bei Karen und sonst Torkommt. 

Die Waauabili, (odei WaTsoita bei Uonibaaa oder Hoaita, oder Wamrima bei Hrima, ata 
Watu wa BnSji am Rufiji-Fluss) nennen sich selbst Wajoniba oder Adiomba. Die WuiuUU 
zerfallen in WauDguana (Herren) und Watnmoa (Sklaren), anter welch' leliteran die frai^ 
laasenen hutn heissen, die naussklaTeu Wiialia (neben den Ihikioi ya Hingu). — Von Ba- 
gamojo (auf dem Festland der lusel Zantibar ge^eiiöbei) rermittelD die an die Küste koa- 




]Iiae«ll«D «iid Bäch^nehaii. 147 

HMUkh TOD dtr (im Norden des Kilima Njaro aasgredehnten El>en« Kaptei (fraber tob 
Wakaaft darchttreift) lieflft (am Fu88 dea Kenia), die Ebene Kikugu (der Wakikag^o) ostlicli 
«•s laptoi und Kikago liegt Ukambani. Nördlich von Kenia liegt Reya mit den Berg Mora* 
•arito oder El doinyo Eirobi in der Nahe des Sambura-Sees. Daa westliche Land des Kilima 
NJaio DOd Kenia ist bis xam Victoria Nyanza von den Masai ond Waknairi durchstreift. Wan- 
dorabo odorOrtdikob a possession of thefui], mit den (den Masai nnterworfeoen) Wandarobo 
(Kow). Im Lande Digo (Unika) oder Udigo (mit der Bergspitze Jombo und der Gebirgskette 
Shinba) finden sich (neben Wasambara, die (unterworfenen nnd verachteten Wachinzi (mit wel- 
chem Namen alle 6klayen?ölker bezeichnet werden), die (den Wanika verwandten) Wazegeju 
■ad iHa Wadiga (südliche Abtheilong der Wanika). — Die Wakamba wurden von den Wadoi 
aack dem Lande Ukambani (nördlich Ton Uombasa) getrieben. — The people of Taveta (the 
ywaant commanity) are a mixtnre of Wakuavi and Wataveta. Originally the Wataveta are 
ef tke aame etock aa the Wakahe and the Waarusha, and all are allied to the Wachaga. ^ 
Oae Land der Kavifondo streckt sich längs der nördlichen Kosten des Nyanza. Of the people 
ef Someki and otber placea it ia aaid, that they have no hots, but dwell in caves some of 
«Mch are so large as to aflbrd accommodation for hundreds of families. 



Forsyth: The higUanda of Central India. London 1871. 

Tlie tribe called Korkns, clotely connected with what is called the Kolarian stock, which 
ii fapresented by the Kols and Sairtals of Bengal is found embedded among the Gonds of 
the central hüls. Now the commenement of the ränge of this tribe precisely. agrees with 
«itk the isolated piteh of the Sal forest in the Denwa-Tslley, and their nearest rela- 
tivea of the aame atock are the Kols of the country to the north of Mandia where 
tha Sal forest again commences. Thns we haye an ootline of the hnman tribea 
ef Baatern India existing along with an ootline of its Tegetable and ani mal forma 
(aad fhe coantry between occopied by other forme). Eqnally with the Sal tree, several 
prominent membres of the Central India fauna belong pecularly to the north • eastern 
parte of India. These are the wild buffalo (Bnbalus Ami), the twel?e-tined swamp deer 
(RaeeiToa DoTancellii) and the red jnngle fowl (Gallus fermginens). All these are plentifnl 
«Ükls tbe aiea of the great Sal belt, but do not occur to the west of it, excepting in the 
Sal patek of th^ Denwa Talley, where the two latter, thangh not the bnffalo, again recnr. 
Dia Haikoa Terehran den Gott des Hngels, des Tigere, des Bisons, der Cholera n. s. w. The 
wtm aod a fignre of a horse are carred in wooden posts and receiTe sacrifices. Die Gond 
kabea neben SiTa nnd Vishnn (besonders als Narasingha) den Eisenspeerspitzen-Gott (Pharsa- 
Pea), leben dem Glocken-Gott (Ghsgara), dem Gott des Ochsenschwanzes (Chawardeo) n. s. w. 
iareh den Heiligen Lingo gegeben. The aborigine is the most tmthfbl of beings. Die Koitor 
fOoBd • Stimme; wurden ans einer Beule auf der linken Hand Mahadeo*s geboren. Der Ver- 
fmaer macht (Cap. VII) auf die Pflicht der Regierung aufmerksam, eine systematische Jag ^ 
aaf die gafihrlichen Tieger zu organisiren , and Manu zählt die in der Kurze mit der Jagd 
nf frilde Thiere beauftragten Stämme auf, darunter (in dem später ciTilisirten Telingana ) die 
oder (Meguthenes) Andarae. 



Marshall: The phrenologist amongat the Todae. London 1873. 

Tbe geoeral maaa of the tribe are fairly, oflen well grown, atraight and lank, withovt 
drfwmlty, bot withont any really fine people. The man*s carriage is erect, free and nncon- 
■tialaed, «bithont beiog either bold or athletic Their manners and tone of Toiee are seif 
pameaaed, eoaTo, qaite and solemn, the women substituting a pleaaing cheerfulneas for solem- 
aity. Wben quiescent, their expression and carriage has much oriental repose in it. Als 
hächster Gott wird Usnm Ewami Terehrt. There exists a marked connection between the 
hafrlo and the chiei material objects to which any form of religious sertice is paid, Tis, eer- 
taio aaeteot cattle belk (Konku) which originally came from amnor (heaven) and thongb only cattle 
haUa yei by rirtoe of a great antiqnity, are now Tenerated as Gods and styled Konko-Der or 
Jhiift.Uar. STary Tillafe iiow doee aot own a bell, but eertain bell-cowa of tbe aaered beids 



148 



UUeelUn aad Bächtttohmu. 



the bolj Handi C^iHagea) tenned TiriMi. Der ooniMto Tsmptl 
in. Each Tirieri, with iU drove of cittle ii in tha nharg« of m 
stjled PaUl, and an eiiually sMBtic. tboogh not «quU; haitf 

htrdsmaD ot KaviUl. KeigefÜFct sind: Outlines of th« Tuda Grarainar (b; the Est. Q. A. Pop«). 

Tbeir specb sonnds like old Eanireie spoken in the teith of ft galt of wind tbe Tadu chMl; 

eonveniDg in the op«D air, ealliog to eacb otber Ikoiii ODe bnei; hill top to »Dotlwr. 



ooly, «hieb *te attached tc 
(Boalb) schliesst Reliqnien 
aacatic milkman oi pri«st. 



Peechel, 0., Völkerkunde. Leipzig 1874. 
Dia aTBlematischea Bandbücher, die dei Elhaologia frübar *illi([ fahltan, odar dock kv 
ans englischer Literatur (sooie rnn einigen Vorglogern in Frankteicb) la bwehaflan varMI, 
haben steh teit Waitz nmfasaender (and Ton Oerland fortgeführter) Arbeit in DaotiCbland dank 
«erthToIle Beieicherangeo Tsrmelirt, die um so höher la schilreD sind, weil ihn llMriMitODf 
TOD anerkannt tüchtigen Fachnjännara vervandtet Gebiete in Band genommea itnrde. PbUo- 
logischer Seit» hat nns F. Müller aeine .Allgemeine Ethnographie* geliefert Dnd von gw- 
graphischem Standpunkte erhallen wir jetit Oscar Peaeheri Völkerkunde. Daa Werk alnw 
lokben Uannea wird mit hnchgespannlen Erwartungen in die Hand genommen «erden, *ir 
«erden voraussetzen, wie in seioeD früheren Werken, eine licbtTolle und klare Anordonag 
des SiofffR, eine fe<Belnde Behandlungsweise tn finden, and wir branchen ei kanin m ugen, 
dau all' dieaeo Wünschen ini Tollsieo Maasse entaprochen iat, dnM vir in der an eben ei- 
achienenen Völkerkunde eine meisterbafle Arbeit besitien. Dies gilt (orangaweia« Ton d«m 
ersten Abschnitt, tud demallgeniein«D Theil, denn bei der apeciellen, Behandlung wo die EthDO- 
logie in den jetzigen Anfangszusländen ihrer Entnickelung durchgeheud gülliger Priod- 
pien noch entbehrt, wird sie noch für lange hinaus die minatiösen Einieirorachnngen niobt 
Terlassen düifen, so da» auf einen beschränkten Kaum, der das Eingehen in Detail feibietel, 
allerlei Schwankendes und Unsicherea lUAamniengediängt nein mnsa. Auch dann kann indeM 
der LcEer nur zufrieden selu, auf i'ilcb schlüpfrigem Boden einem Führer iq folgen, der lick 
Ton der leider noch im Zonehmen begriffenen Geiategepidemie, fraigehaltan hat, nnd keines 
Bang in sich fühlt, unter flüchtigen Bypoiheeen gerade den flüchtigsten und wildMtao mit 
Vorliehe 111 fulgen. Dies tritt auch achou in der Einleitung benor, denn obwohl der VerfuMI 
an den gefährlichen Klippen, die auf den Wege nach einer erateo Enlatebang nnd SeböpfoDg 
hin verborgen liegen, nicht völlig frei gealeuett bat, ist doch im Ganten sein« Erörternng diewa 
bedenklichen Themas eine so TOrsichlige und behutsame, dasa mnn, wie jetit die Sacben lit- 
gen, nnr lafrieden damit sein darf. In der c ran io logisch an Dantellnng folgt der Veibaaet 
demjenigen Anatomen, .welcher die grösste Zahl der Schädel gemessen bat, nämlich Welck»r*, 




MiteilliiB und Bfiehmchtn. 149 



\ 



hätmm SvtiM Immii kaon, und wenn es anderswo heisst: .Fast öl^Tfillt qds bei diesen 
ibtrainstiiDiienden Verstandesirroogen die trostlose YorsteUanf?, als sei das menschliche Denk- 
ftimÖfen ein Hecbanismus, der bei der Einwirkan^^ gleicher Reize immer zu den gleichen 
EosMlaprangen genötbigt wird*, so wird der Ethnologe hier seine Billigang yersagen, und ist 
ditM Balracbtang, weit entfernt eine trostlose zn sein, den Naturforscher vielmehr mit Trost 
«ad boban Hoffnungen erfällend, da sich hier AusMcht zeigt, die gesicherte Grundlage zu 
ftwioDao, om die bisher der Philosophie nberlassene Psychologie nach nalurwissenschaftlicher 
Methode ao bearbeiten. Als der Naturforscher die bisher verachteten und zertretenen £rypto- 
faniail nicht langer vornehm übersah, als ihr vorher widerwärtiger Anblick ein vertrauter ge- 
vofdMi, da erkannte er in diesen niederen Geschöpfe das werthvollste Hülfsmittel zur Ausbildung 
üar wiasenacbaitlicbtn Botanik auf Grundlage eines physiologischen Studiums. So wird uns 
ancb dar stereotype Gedankengang, wie er in den primitiven Naturstämmen am deutlichsten 
dsrehaclieinbar ist, im methodischen Gang der Entwicklung die höchsten Culturfragen lösen, 
nm da den Anhalt eines Naturgesetzes zu gewähren, wo bisher auf trügerisch nmschleierten 
Oebictaii, die Willknbr des Ueinens und Scheinens ihr despotisches Scepter zu schwingen snchte, 
■od die leifcnde Frucht jdes freien Willens wird freudiger begrusst, und um so höher ge- 
sckitxt «erden, wenn in dem Boden eiserner Naturnothwendigkeit wurzelnd , bis in das Thier- 
lekh Tenweigt 

Ea kann ans natfirlicb nicht einfallen, dem VerTasser hierin nnsere Ansicht aufdrangen 
eder ihn tadeln zu wollen, dass er seiner eigener folgte, aber gerade weil seine Völkerkunde 
m so trefflidies Bach ist, dass wir sie in Jedes Händen wünschten, schien es um so an- 
feMift*'» diesen vitalen Pnnkt für die künftige Ent Wickelung der Ethnologie in sein richtiges 
Lickt so stellen, da, wenn ein solcher Kern and Knotenpunkt der ganzen Frage in einem 
Lehrbuch öberhaapt zur Erwähnung kommt, derselbe dann nicht mit beiläufiger Bemerkung 
abfethen werden darf.— Ein besonderes Interesse knüpft sich noch an dieses Buch, als enge- 
Bchloaeeo an die frohere Bearbeitung der Ethnographie durch einen Geographen, dem Deutsch- 
bod aoaser seinen literarischen Werken noch so Msnches Andere veidankt, dem Feldmarschall 
Oml TOD BooD. 

ReTue d'Anthropologie , II, 4. Paris 1873. 

Bothilt neben einem Artikel Broca*s über La Race Celtiqne, in welchen mit Recht, and 
hoiboUich mit Erfolg, auf die Noth wendigkeit langer Messungsreihen in der Anthropologie 
aaÜDerksam gemacht wird, einen anderen Pinart*s: Esquimaux et Koloches: Les Kanigmfonts 
(es Kadiak) diviaent le del en cinq regions superpos^es les unes anx antres. Snr le cinqui^me 
eiirtent des ^tres tris-pars, des hommes de lumiere (hlam-choaa). Snr le qnatrieme ciel ha- 
bitent des Mres moins pars , mala qni cependant penvent ä nonveaa se porifier et devenir 
hIas-choiiiL Sor le troisiime babite le Kachach pak (Kachak nn komme suppos^ avoir de re* 
latiTe avec lea blam-choaa et connaitre Tavenir, d^positaire des traditions et plac^ bien dessns 
d« K ahla l i k oa chaman). Tont homme meort et renait k la vie cinq fois, et ce n'est qn'apria 
•fmr ^üitti la vie poar la cinqniime fois qa*il menrt et qnitte ponr toajonrs la terre pour 
k vne antra ezistence parmi les mittat Oe soleil, la laue, Tanrore bor^ale etc.). L'homme 
I, ao lien de passer dana nne plannte, devient nn manvais esprit (an igak), sa tete 
s'altoofe ddoiesnrement et devient pointne, des yenz Ini apparaiasent snr le derriere de la t^te 
al fl a'eo Ta vers Tonest (hlanik), d*on il revient de temps en temps ponr tonrmenter ses sem- 
bhiblei (hl buddhistischen Fasanngen). 

Hutchinson: Two years in Pera. Vol. I. London 1873. 
Die weiblichen Leichen in den Gräbern von Ghosica wurden (von Steer) alle gefunden 
«Üh a spindle in tbe band. In den Räumen von Moyabamba wurde eine Steinaxt gefunden 
(8uM). The monnd of Ocbaran (a district, in which the Chief Caciqne, named Pacallar, was 
the fOfveraiDf power long before the time of Guys Manen) has been enclosed by a double 
wdL Aaf& 103 (Bd II.) findet sich; Front view of Geremonial conrt dress ofCuys Uancn, the 
lirt af the Toocas, in the valley of Rimac and lineal descendant of the Gays Manen, men- 
ttnad bj Garcilaaso de la Vega as reigning at Pacha-Camac, when that place was taken pos- 
BSMioB ef hy the Ines Pachaeatee. Taken out of a Royal Hnaea or barial groaod, at Huacbo. 
D« TiifinnT findet die altpenianiachen Sagen etwas sa luftig, am aich trockenes Haasbrot 



IM 



Uiedln tdid Bficbanekka. 



dmi» 10 backen, ll«feTt abtr aelbit (S. 564 ff.) Dng«h«n( 
■piDiseheD BUtoriker noch ähvitroffea werden möchtcD. 



Cbamard: Saint-Martin. Poitiers 1873. 
StiDt-Mkrtin , da baut dn ciel, aecoDdant la fiiti de Mi iinU Hrrll»», nost» ^p» 
Mn brai n'est pai raecoDici. A Ligog^, eomme k Todts, de« grlee» mCme eerpoNllM hart 
■ceordieB k la priir* feneate. 

Petric: Chrietian inscriptione in the irüb laaguage. DabUa 1872. 
Anr T&fel XII, Fig. S9 über den Tod Taathgal'a, Abte* *oa ClDmueiKiU (BIO p.d. ate 
>06 p. ) tbe iaacription tt accempanied b; a bigblj decorated croH wltbin s paitUalegnMB, 
■ barder composed of the gammadioD or Oreek pattern ■urroandi it 



Langen: Vaticonisches Dogma. BerÜD 187i). 

Toatataa «teilt den Papst öbei alles meoaeblicbe Qeaeti. Im Allf^DeiDeo *} .kaoa der PipM 
Allea, «aa Gott kann*, da die Joataiit Gottes (consiitoTiniu Del) and die leiDea StellveitretMi 
dieaelbe ist (Dich Cardioil Jacobauj). ,Aeh, säd he, ae will wardeo la de lewe Gott* 
,Gb man beo, se aitt all wedder in'o Piasputt', - du galt Tjelleicht der Papa fOemfu 
anf der Sella stercoraria, sei es Jobannes IX. Bnsenfreaudinii Theodora odet einer der an 
deren Fra« Jattan (mit ihrem mänDJichen Widerpart io Jobannes Anglas). Platiaa bat 
ea indcsa bereits im XV. Jahibondeit tSr einea Irrthnm des Hirtin Polonna erkliit, 
dsu: dum primo in sede Petri collocitar, id eam rem perforata, genitalla ab nltlna 
diacono ittrectirt. Es wnrde nicht .hsbst, habet, habet' gelangen, sondern Saacitat de paWat* 
e)[ennm et de stercnre eiigit panpirem , wie ea weiter nach dem Sentimsnt de* Biographen er- 
klärt «ird: Sentio sedem illiam ob id pantim esse, nt qui in taoio magistratn eonstltaltnr, 
aeiat, sc non denm, sed hominem eaae et neeeoetatibus naturae, arpot* egerendi, *t>b]*eton 
eaae, and« merito atercoriris sedes Tocitur, Ueber den tieferen Sinn dieses nntiliehen Qeritb 
Sndet sich Sympathisches bei Voltaire. Der über die Ocnlar-Iospection geänsserle Zveife) (cheiot 
•eine Beetätigang in dem Brauche bnddhiatischer Elöiier in finden, «o man sieh gleiehfiill* b*- 
gnägt, den Candidatei «nf Tren nnd Glaaben id befragen i Bsne homo? 8nm hooto, V*- 
nerabilesl (kein *erkleidaler Pithecanlhrilpos nämlich oder andere PbantiiieTorm de* NafaJ 
Esne maa? aam maa. Venerabilesl (s. Spiegel) im Kammawakjam. 



Tüwe: Tbe «ODderland of tbe antipodes. Londoo 1873. 




MifetUen und Btiehenobtu. 151 

Cherean: Les ordonnancea, üaites et publikes ä son de trompe par les 

cwrefoors de ceste Ville de Paris pour ^vitcr le danger de peste 1531. Paris 1873. 

▲af 8. n findet sieb die Verkleidnof; des Antes bei der Pest too Uaneille (I73u) mit der 

UoUrtcbrifl Mr. Cbicoyoeav, chanceliier de TauiTersiti de Monspellier eoToyi par le roy k 

MafMill« eo habit appelU contre U mort. 

Petxholdt: Turkestan. Leipzig 1874. 

Sart bedeutet soviel als ein Sesshafter ein OegensaU zum Nicbtsesshaften oder Nomaden 
Cdaahalb oft mit Tadjik xoaammen fallend). 

Markham: General Sketch of the History of Persia. London 1874. 

Bio« bandlicbe Znsammenstellung über die persische Geschichte, die freilich keine neaeu 
Q««lUo, tber die Torhandenen, in einer durch den Namen des Verfassers verbürgten Weise 
basatat. 

Keim: Celsos Wahres Wort. Zorich 1873. 

«Aoa den Zeiten der Kämpfe der antiken Welt gegen das Christenthum hat kein Buch so 
wtkr dM Interesse aller Freunde der Geschichte und der Religion um sich versammelt, als das 
im C«1mu* ond so ist die Wiederherstellung des vor nahezu 1500 Jahren durch kaiserlich 
byJBOtioiseb Polisei «zur Ehre Gottes und zum Nutzen der Seelen* dem Flammentode geweihten 
Cdbos atbr dankeswertb. 



▼. Schmitz: Denkwürdigkeiten aus Soest's Vorzeit. Leipzig 1873. 

Hioaicbtlirb des Vermerk im Niederbagenschen Codex des Niebelungenliedes, dass Männer 
▼oa Botst and Hunster zuerst die Kunde in den Niebelungen an den Rhein gebracht, ist zu 
beaebt«n. dass die noch bente sogenannte Roseogasse and die flögenstrasse (das Andenken 
aa dtn Ritter Hogne oder Hagen von Treibe bewahrend) in die Umgebungen der Petrikirche, 
«•kba in Urkunden dea 10. Jahrhundert schon als die ,olde Korke* bezeichnet wird, aus- 



Virien de Saint Martin: L'ann^e g^ographique. Paris 1873. 

Wir begraaaen mit Fronden den elften Jahrgang dieser schätzbaren Uebersicbt geo- 
fWfMfbT Sntdeekongen ond müssen eine besondere Befriedigung fühlen, auch hier durch 
boka Aotorität die gegenwärtige Richtung der Erforschnngsreisen gebilligt zu sehen. Entre 
]m graiules explorations, qu* appellent encore les vides de la carte d'Afrique — tonte la zone ^qua* 
toiiftl« rctpaee immense compris entre le Tanganyika et le Gabon, le revers occidental du 

il Känia, tonte la region des montegres de Kong an dessns de la Gnin^e, la region incoo- 
MitTt !• Tschad et le Nnbie etc. etc. — entre ces grandes et difficiles expeditions qui 
sellidttot encore le diyonement des explorateurs wird keine rascher zu bedeutsamem Resul- 
tatea l&kreo , als eine von der äquatorialen Westküste ausgehende. 

Oeikie: The great Ice Age and its relation to the antiquity of man. 
London 1874. 

Ten Schottland aasgehend, werden die Teischiedenen Phänomene der Eiszeit in andern 
TMIen bssprochen. The evidence appears to be decisive, as to the presence of man in Bri- 
Iria doriog th« laat mild enter-glacial period. 

H. Hildebrand: Das Heidnische Zeitalter 'in Schweden. Hamburg, 1873. 

Kadidcm der Verüiaaer sanächst an den Terschiedenen Formen der Fibeln, die beson- 
toar Ocftaatand seiner Studien gewesen sind, und in denen der Waffen, an den beiden 
RsMtt-RsibtB, sowie io Miosen nnd Bracteaten das dem Archoeologen su Gebote stehende 
litorial bespfoeh«& bat, ftbt er zn den Caltorperioden über, dea Steinalters (mit den aoi 



153 inKeUen und BBchanehan. 

SUinphtten Dnd Steinblöckao «rrichlBttn Orftbero, die bockeod« Lvicbeo efaMbÜMMn), im 
jüngeren nnä alleren BroDie-Alter's mit linearen OruameDleD (and FelMDbildarn) miil Mt 
Eisenalter's mit älterem nnd jüngerem Tjpns (sowie indiTiduell ftnegeprigtcm CbuactM dti 
goUänditchen Fände, den Guten angehÖrifc). 

Das ältere Eisenulter wird mit den Götar lUBimmengeBtallt, die u dar OitiM nordwim 
togeii, erst nach Dänemark, dann hinüber nach Schweden nnd weiter nach Horwegeo, «ofcil 
sie sowohl an Dänemark als Scbweden (rekommcD acin dürften. Sie entapnchen den Qaüi 
(b. Ptol.) in Standia oder (h. Plinius) ScandinaTia, sowie den (die Hrralfr anrnefameoden) 
Gantoi (b. Procop), und erlsgen später den neuen Gindriaeling^Q i» Dänemark nntcr janea 
Eäupren, Ton denen die Uoorfunde Zengnias geben, wogegen sie in Schweden die aehoB !■ 
Beownlfsliede spielenden Kämpfen mit den Srear lange fortführten, bis Earl STeriieaaoD, ab 
der Svfar nnd Gütar Eünig über das vereinigte Schweden oder (nach Frik Olofsson) Zwerika 
(Zwiereich oilei^ Doppelreich) herrechte. Die ZnwaoderuDg war too Osten gekomDen. Wahr- 
acheinlicb wichen die Svear schon seitlich ab, als sie den Sanlow'aehen GebirgikDOtan at^ 
reicht hatten, folgten dem Lanfe der Wolga weiter nicb Norden und «rreicbten Ton d«M 
finnischen Busen die Ostsee. 'Von dort werden' aie dann nach Schweden hinöbar gegadgai 
sein. Als erste Anaiodelnng und Hanptland der -STear <dle nicht den claaaischen Oiiharrio- 
flnss, wie ihre sä dgenn aniseben SlammTerwandte, erfabreo) ist Upplaod ansosehen. Dar 
nord germanische Volksstamm drang bis nach Norwegen (Iheila vielleicht durch Bobnilai, 
theils auch über den Bdawuld,) ging farner nach Dänemark binüher und breitete alch tob 
den Inseln Über Jütland ans. In den (mit 8U0 p. d. beginnenden) WikiDgerfabrten «nrdtB 
die Schweden weniger zahlreich gesehen, als die Dänen und Norweger. 

Von den letiien Capiteln bespricht Capitel VII. das Land, Capitel VIII speciell die Fonda 
auf Gotland, Capitel IX das Gemeindewesen, Capitel S das religiöse Leben. Die BahsndInBg 
ist überall, soweit es sich um dis Tbataächliche handelt, eine sorgfältige nnd nrnsiehUg 
prüfende, wie es tod diesem in den reichen Sammlungen des Stockholmer Haacnnia at- 
logenem Jünger der Alterthumskonde in erwarten stand. Von Fiiulein Heltorf, tod der dia 
Uabersetanng besorgt wurde, sind erläuternde Anmerknngen beigefügt 

Proust: Essai ear l'Hygiene iDternationale. Paris 1873. 

Der in Amerika zu suchende Ursprung des gelben Fiebers, wird erst mit dem Aaftrataa 
der Europäer dort deutlich, aber Herren prjlend au contraire que la fiiire jaune ■ da toDt 
temps eiifite aus Antilles. D^jA avant ie deuxi^ffle debatqnement des Espagnola t Saint- 




Uebep die BesehafTenheit der Augenlider bei den 

Mongolen und Kaukasiern. 

Eine Tergleichend-antbropologische Studie 

iron 

Elias Metschnikoff: 
Professor der Zooloj^^ie an der Universität zu Odessa. 

Bei der anthropologischen Untersuchang der Kaimucken, die ich im 
Soamier vorigen Jahres ontemommen habe, fiel mir besonders die Thatsache 
wa£t das8 von allen Rassenmerkmalen die Bildung der Augen dasjenige ist, 
welches im frühesten xVlter bedeutend starker als im reifen ausgesprochen 
ist. Anfangs schien mir dieser Umstand in einem scharfen Widerspruch mit 
d«r festi^tehenden Annahme zu sein, nach welcher sämmtliche Kassenmerk- 
male erst im reiferen Alter zu ihrer vollkommenen Ausbildung gelangen. So 
z. B. ist bekannt, dass die für verschiedene Rassen characteristische Haut- 
farbe bei Nengehomen noch lange nicht ihre definitiven Eigenthümlichkeiten 
leigt o« 8. w. 

Die angegebene Thatsache, durch eine auffallende Constanz in der Au- 
genbildoDg aller von mir untersuchten Individuen der echten mongolischen 
Baase verst&rkt, gab mir Veranlassung den Gegenstand etwas näher zu er- 
faraehen. 

Der Haaptcharacter des echten Mongolenauges, welcher demselben die 
icliiefe Lage verleiht, besteht bekanntlich in der eigenthümlichen Bildung des 
Augeiiiides, welche bereits von mehreren Forschem beschrieben worden ist 
Sie ist bei den echten mongolischen Völkern und auch bei Chinesen, Japa- 
nern, Koreanern und Mandschu Völkern beobachtet worden. — Bei Tartaren, 
BasehkireD und anderen türkischen Stämmen kommt sie in der Regel nicht vor; 
nur habe ich sie bei mehreren Kirgisen der Bukeef sehen Horde wahrgenom- 
■en, welche freilich in ihren Adern viel kalmükisches Blut enthalten. 

Wenn man die beigegebene Fig. 1 betrachtet, welche einem fünfisehn- 
jikrigen kalmAkischen Mädchen entnommen ist, so wird man sogleich am 
ioge A. das Wesen des mongolischen Augentjrpus wahrnehmen. Die Augen- 
Ofnong hat nicht die ovale Form, wie sie bei uns vorkommt; sie erscheint 
nehaehr mandelförmig, wobei sie allmahlig gegen den inneren Winkel aoi 

fw ibkmoUt%l9. jAlirfang 1874. \\ 



154 Otbet dh BeuhaADbeit der AugenUdw bei dtn HoDfolan. 

Breite zimimmt. Ton oben wird sie von der stark entwickelten h«nd>liiBgiB> 
den Augenlidsp&lte begrenzt, welche auch aof die innere Seit« fibergdit, «t 
sie das Auge gegen die Nase begrenzt; dann wendet sie sich naoli nntea nad 
anssen, so daas sie den, dem proceseus froatalis des Oberkieferbeinea en^ 
sprechenden Geeichtstheil bedeckt. Im Graozen genommen bekommt der Id^ 
faltenrand die Form einer weit offenen Hjperbole. Indem er, wie harroig^ 
hoben, stark herabfiUt, bedeckt er den wimpertragenden Rand des obaaa 
AngenUdes, resp. den basalen Theil der Wimpern selbst. — Auch am oat»> 
reo Augenlide ist eine gewisse Falteabilduog wahrzunehmen, aar ist aie hür 
Tfirhältnissm&ssig so schwach entwickelt, daas dadurch der 'Wimpairaad niflfat 
verdeckt, sondern nur etwas nach innen verschoben wird. 

Dass die beacbriebene Angeabildong die Schmalheit der AngenAffiiaiig, 
sowie die durch starke Entwickelnng des halbmoadffirmigeD Seitentbeiles dar 
Lidfalte dargestellte Schiefheit derselben Oeffanng herrorrnft, ist eine hnH 
l&nglich bekannte Thatsache. Um sich davon zu fiberzeageo, braucht mn 
nur einen Blick auf das (Fig. 1. B.) abgebildete linke Auge desselben Hkd- 
chens zu werfen, wo die obere Lidialte mit dem Finger aufwbts gehobta 
wurde. — In mehr oder weniger stark entwickeltem Grade habe ich ane 
solche Augenlidbildung bei s&mmtlichen von mir untersuchten TC*^^w^^^^i^ 
beobachtet. £s waren darunter Individuen mit ziemlich hohen NasenwundB, 
einige sogar mit Adlernasen, andere mit wolligen Haaren und mehreren la- 
dereo, dem echten Mongolentypus fremden Merkmalen versehen and doch 
fehlte keinen von ihnen weder die stark herabfallende obere Lidhlte, aoA 
der sichelförmig gekrümmte Seitenabschailt derselben. — In Bezug auf da* 
quantitativen Unterschied dieser Bildungen ist hervorzuheben, dass aütaaUr 
die ganze Garuncula lacrim. von der Seiten&lte verdeckt (wie auf der Fi^ 
A.), wälireiid sie in aiideieu Fällen ganz oJer nur ilieilweiue enlblüssi wird. 




ü«btr dit Basehaffenheit der Atm^nlider bei den Mongolen etc. 155 

Dm Hftaptthema der vorliegenden Arbeit besteht darin, um zu zeigen, 
das eluuracterifltische Mongolenaoge bei der kaukasischen Rasse als pro- 
▼iaorische Bildung vorkommt Bei der Betrachtung unserer russischen Kin- 
der fUlt es gerade auf, wie oft ihre Augenlidfalte auf die Seiten übergeht, 
um die inneren Augenwinkel nebst der Camncula oder auch ohne dieselbe 
sa decken. Einen der am scb&rftsten ausgesprochenen Fälle habe ich bei 
einem Tieij&hrigen Knaben beobachtet, dessen halbmondförmige Seitenfalte 
eine solche Entwickelang besass, wie sie nicht immer bei den Kalmüken an- 
lolreffen ist. Dieses Beispiel citire ich hier um so lieber, als der betre£Pende 
Knabe gemischten Ursprungs ist und überhaupt nicht viel rein russischen 
Blutes enthält Sein Vater ist von einer Polin und einem Deutschen gebo- 
ren; die Matter ist eine Kleinrussin, mit deutscher Beimischung, worauf schon 
der Name (Schmidt) andeutet — Auf der Fig. 2 habe ich ein Auge des er- 
wähnten Knaben abgebildet, wo man, ebenso wie auf der Fig. 3, welche das 
Aoge eines anderen, dreizehnmonatlichen russischen Knaben reprasentirt, nur 
einen kleinen Theil der mehr als halbverdeckten Caruncula wahrnimmt. 

Während die mongolischen Augenlider bei unseren Kindern nichts we- 
niger ab selten vorkommen, findet man solche bei den erwachsenen Perso- 
nen nnr ansnahmsweise und dazu in einem weit geringeren Grade vor. Es 
BOSS hier aber die Bemerkung gemacht werden, dass Augen, deren obere 
Lidfidte stark nach unten herabhängt und nur den oberen Wimperrand ver- 
deekt| ohne aaf die innere Seite der beiden Augen überzugehen, gar nicht 
als Bongolenähnliche Augen bezeichnet werden können, eben weil das wich- 
tigste Merkmal der letzteren in der halbmondförmigen Seitenfalte besteht — 
Die Abbildnng eines &lschen Mongolenauges habe ich auf der Fig. 4 ge- 



Ans den angeführten Thatsacheu kann man nunmehr erachten, dass das 
MoBgolanaage bei ans provisorisch auftritt. Um diesen Satz etwas näher zu 
srtfft em , will ich noch bemerken, dass mir mehrere Familien bekannt 
nndy deren jüngste Kinder stark ausgesprochene Mongolenfalten besitzen, 
väkrend die älteren Kinder nur Sparen davon oder gar keine Andeutungen 
Stt das Mongolenaoge znr Schaa tragen. 

Was ich unter Sparen des Mongolenauges verstehe und was nicht selten 
aaeh bei erwachsenen Individuen der kaukasischen Rasse vorkommt, ist eine 
BildoBg, welche durch die Figur 5, 6 versinnlicht wird. Das Wesentliche 
dabei besteht darin, dass der obere Lidrand mit dem Faltenrande in der 6e- 
gsnd des inneren Augenwinkels zusammenstossen, wobei der halbmondförmige 
Ssifeniheil der Lidspalte klar genag angedeutet wird. Um den Unterschied 
solehen Auges Ton dem gewöhnlichen Typus des kaukasischen Auges 
habe ich die Figur 7 beigegeben, welche die allerhäufigste Form 
lepffäsentirt 

Ob sieh so überzeogen, dass das provisorische Mongolenauge eine Eigen- 
schaft der reinen kankasisehen Basse ist, musste ich mein Augenmerk auf 

11^ 



])g D«ber die BMchiffeaheit dtr AncenlldM b«l deo ][oD{;ol«a etc. 

solche Völker richten, welche nicht, wie die Russen, im Verdacht siod, auf 
directem Wege mongolisches Blut empfangen zu haben. Ich wShlte eu fie- 
sem Zweck die Juden, indem sie mit Recht als einer der reinsten RepriMS- 
tanten der kaukasischen Rasse gelten. Bei näherer Betrachtung &iid icll 
nun bald, dass auch dieses Volk in allen wesentlichen Puncten diesdbs 
Augenlidbildung besitzt, wie sie oben nach russischen Indiriduen geschildot 
wurde. Auch fand ich in Prichard's Werke ein Citat ans Ph. Siebold't 
Schrift, worin unter Anderem Folgendes gesagt wird : „Die Hautfalte, irelel» 
sich bei den inneren Augenwinkeln in einer schiefen Richtung Tom obcm 
Augenlide über das untere herabzieht, ist es nun welche das schrnnban 
Schiefstehen der Augen selbst verursacht und eine solche Angenbildnng k»Ai 
bei allen Völkern vorkommen, in deren Schädelbau die erwähnten arafteb- 
lichen Momente li^en. In geringerem Grade bemerkt man diese 
Elautfalte bei unseren Rindern. Sehr ausgebildet fand ich sie hä Ja- 
vanern, Makassaren, Eskimos, bei Portukuden und einigen anderen ameer 
europäischen Völkern." (A. a. 0. p. 540.) — Erstens ist es von grosser 
Bedeutung, dass das Mongolenauge auch bei den Deutschen provisorisch 
auftritt; zweitens ist uns die angefahrte Stelle insofern interessant, als n» 
zeigt, dass dasselbe auch bei anderen Rassen vorkommt. Diesen letzten 
Punct wollen wir nunmehr etwas näher betrachten. 

Es wurde bekanntlich oft die Meinung ausgesprochen, dass zwiscbso 
Hottentoten und Chiuesen eine grosse Äebnlichkeit, namentlich in Bezug auf 
die Gesichtsbildung besteht. Gegen diese Ansicht hat sich senerdiogs Dr. 
Fritsch sehr scharf nusgesprochen und, wie mir scheint, mit Unrecht. Es 
unterliegt keinem Zweifel, dass in Betreff der Augenlidbildung die Hotten- 
toten sich am meisten dem Mongolentypus auschliessen. Dazu brauclien die 
ih.-,liii-t.-otii.-t'/u .-t.Kcn. «;,■ ,-. [Ir. FriU.'li vo» eioem Mo»- 




ütber di« BMehaffenheit der Aogenlider bei den Mongolen eie. 157 

Wenn wir somit nar das Wesentliche in dem Mongolenauge betrachten 
wollen, so werden wir uns unbedingt für die Aehnlichkeit des letzteren mit 
dem Aoge der Hottentoten aussprechen müssen. Man betrachte nur den 25- 
jihrigen Hottentoten auf der Taf. XXI von Fritsch und noch besser das 
Midchen aof der Taf. XXII, um sich nicht nur von der wesentlich mongo- 
Hechen Angenbildung, sondern auch von den auffallend kalmüken&hnlichen 
Gerichftssf&gen zu überzeugen. 

Dam bei mehreren malayischen Völkern das Mongolenauge gelegentlich 
aoftritt, haben wir schon aus dem oben angeführten Citate gesehen; es giebt 
aber noch andere Mittheilungen, welche uns zeigen, dass eine solche Einrieb- 
tmüg za proyisorischen Bildungen, ähnlich wie bei der Kaukasischen Basse, 
gehSrt. So fiel es dem französischen Reisenden Claude de Crespigny 
an^ dmse bei den Kindern der Dusuhs (im nördlichen Bomeos) „das obere 
Augenlid einwärts gekehrt war, so dass die Wimpern aus dem Auge selbst 
herronnkommen schienen.^') 

Indem man, wie wir gesehen haben, versucht hat zu zeigen, dass das 
Mongolenauge sich in unmittelbarer Abhängigkeit von der Gesichtsknochen- 
büdong befindet, ist es sehr interessant zu erfahren, dass bei den Negern die 
charaGteristische Augenbildung der Mongolen wenigstens im reifen Alter nicht 
Torkonunt, obwohl sie die platte Nase und ein breites Gesicht in noch höhe- 
rem Grade als viele Völker der mongolischen Rasse besitzen. — Von allen 
aaf zwei Tafeln des Damman 'sehen Album beigegebenen Negergesichtem 
iü nur eines and zwar dasjenige des vierzehnjährigen Vigelin aus Zanzibar 
(Tat I, Nr. 1) durch schwach angedeutete Seitenfalte ausgezeichnet; selbst 
der Tiel jüngere Mabruk entbehrt einer solchen Augenbildung gänzlich. 

All ich unseren Ophtahnologen, Herrn Dr. Hirschmann in Charkow 
frng^ ob in der Augenheilkunde irgend welche Thatsachen über den be- 
Gegenstand existiren, machte er mich auf eine Missbildung auf- 
wel<4ie die characteristische Eigenthümlichkeit des Mongolenauges 
hypertrophischen Grade wiedergiebt. Diese unter dem Namen 
Epieanthas zuerst von Ammon beschriebene Anomalie besteht in einer 
JhaBwMndformigen , nach Aussen concaven Hautfetlte^, welche „nach Innen 
an Toa den beiden inneren Augenwinkeln an der Nasenwurzel sich erhebt, 
obca in die Brauen, unten in die obere Wangenhaut übergeht.^ ^) Man sieht 
fi?gjhiif?li ein, dass diese Missbildung in allen wesentlichen Puncten mit dem 
Moogirfeiuuige übereinstimmt, nur dass bei Epicanthus die SeitenfEdte nicht 
aDebi die Canincula, sondern auch einen mehr oder weniger grossen Theil 
d« Selerm verdeckt — Sichel') hat bereits darauf aufmerksam gemacht, 

der angeborene Epicanthus mit einer eigenthümlichen Gesichtsbildung 



) Utaehrift for aUgtmsine Erdkonde. Nene Folge. Bd. VI. 1859. p. 160. 
^ Sehansnborg: Ophthabniatrik. 1863, p. 14. 

^ Aaaalss d^Oeolistiqoe T. XYI, 1—3. Gitirt bei Pili. Lehrboch der Aogenheilkünde. 
Pof ItM. p. SS8. 



158 Dsbu dis BMcbaffanbeit in Aogenlidw b«i den HoiigdtB ato. 

verbimdea ist, welche ebeo an das mongolische Gesiebt erinnert, < 
das darch Epicanthua veruiiijtaltete Auge eine Aehnlichkeit mit dem Mob- 
golcDaage erhält. nDie Aehnlichkeit mit dem mongolischen Typoa, w«kbi 
sie (die Missbilduag) zom Theil durch die Enge der Lidspalte erh&It, itt 
hauptsächlich gegründet auf diese Abplattung and seitliche Aosbreitong der 
Nasenknocbea, die einen der Haaptcharactere der Physiognomie dieser Rmm 
bilden und Sichel hegt die Idee, dass der angeborene Epicanthus mit tiott 
besonderen Nasenknochenformation zusammen fallend als eine Tranaition 
der kaukasischen in die mongolische Rasse betrachtet werden kam.' 
(PiU.) 

Während meiner Reise in der Kalmfikensteppe halbe ich keinen i 
Fall gesehen, welcher dem eigentlichen Epicanthus zur Seite gestellt i 
konnte, d. h. wobei die stuk entwickelte SemilunarfiJte dem SebTermSgBa 
störend war. Wir finder aber eine Bemerkung t. Siebold'a, worin er sagt, 
dass er unter den Koretmem einen Fall bemerkte, wo mehr als Drittel dM 
Tarsus am inneren Augenwinkel bedeckt und die Haut so straff darfiber ge- 
spannt war, dass kaum eine nur wenige Linien weite Oefhung der Aogoi- 
lider statthaben konnte.') Bemerkenswertb ist auch, dass der Epicaothu 
bei den Eskimos „endemisch" sein soll (Schauenburg), was n. A. als B^ 
leg f&r die nähere Verwandtschaft zwischen diesem Volke und den mongo- 
lischen Nationen angefahrt werden kann. 



Aus dem Gesagten kommen wir zu dem Schlüsse, dase das Ange der 
echten Mongolen ein Stehenbleiben in der Entwickelung bezeugt, eine Eigen- 
thOmlichkeit, welche die mongolische Rasse (d. h. Mongolen, Mandacho, 
Koreaner, Chinesen und Japaner) auch in mehreren anderen Puncten aoa- 
zeichnet. Bei fast allen anderen Menschenrassen kann man üeberreste de« 




Utbir di« Bwebiiiiibwt d«r Augenlider bei den Monfpolen ek. 



159 



A. 



FiKur 1 








Kg.«. 




F%. 3. 




fif. 4. 




Kf. 5. 




FIf . <!. 




FiR. 7. 




IgO Alteitbömer der Sitebilagoiw. 

der Hauptgedanke, der mich io meiDen Euithropolo^Bchen üntemehm nDgaa 
geleitet hat, daria besteht, dass die mongolische Rasse eines, der Utesten, 
vielleicht sogar den ältesten der jetst lebenden Repräsentanten der RMsen- 
Btenschen darstellt, dessen Hauptmerkmale sich bei anderen Rassen mehr 
oder weniger erhalten haben. 

Odessa, den 2/14. Februar 1874. 



Alterthttmer der Siechalagnna bei Bogota. 

Von 
Dr. Rafael Zerda. 

Bogota, 20. NoTflmbw 1873. 
Um der Aufgabe nachzukommen, welche mir der Herr Rektor sofg»- 
tragen hat, und um, wenn auch tbeilweise angenügend den Absiditen m 
entsprechen, welche auf die bessere Erforschung der Älter^flmer biesigw 
Indianer sich beziehen, stelle ich hiermit diejenigen Daten zasammen, weldia 
ich habe sammeb können. Diese sind zwar unbedeutend im Vei^eiche mit 
dem Wunsche, die LOcke auszufallen, die unser Land in der amerikaaisohea 
Archäologie noch bildet; jedoch werden sie hoffentlich daza dienen, am hier 
bei der Regierung and bei den Freunden der Wissenschaften ein praktische« 
Interesse fflr das in unserem Lande so sehr vernachlässigte AlterÜiams- Sta- 
dium zu erwecken. 




Altorthdmer der Sieehalaguna. 161 

Despaes que con aqaella jente vino 
Anasco, Benalcazar inquiria 
Un indio forastero peregrino 
Qae en la ciadad de Quito residia 
I de Bogota dijo ser vecino , 
Alli venido no se' por que via 
El coal hablö con ^1, i califica 
Ser tielra de esmeraldas i oro rica 
I entre las cosas que les encaminaba 
Dijo de cierto r^i que, sin vestido 
En balsas iba por una piscina 
A' hacer oblacion segun el vido 
Unjido todo bien de trementina 
I encima cuantidad de oro molido 
Desde los biyos pi^s hasta la freute 
Gomo rayo de sol resplandeciente. 

Die fr&heren Bewohner der hochgelegenen Regionen der Anden, beson- 
ders die Chibcha- Nation y besassen Gebetstätten nicht allein in ihren Ort- 
scluiilen, wie z. B. den grossen Tempel von Iraca zu Tundama, welcher 
wegen seiner Pracht und seines reichen Schmuckes die Habsucht der Spa- 
nier erregte und von ihnen durch Feuer zerstört wurde: sie hatten auch unter 
ihren religiösen Sitten diejenige, ihren Göttern an Gebetsstatten, welche ent- 
fernt lagen and f&r die menschliche Profanation beinah unerreichbar waren, 
Gold, Edelsteine und andere als werthvoU geschätzte Gegenstände zu opfern. 
Solche Opferplätze waren gewöhnlich die auf den Höhen der Gebirge gele- 
genen Lagunen; denn diese betrachteten sie mit besonderer Verehrung, glau- 
bend, dass aas ihnen ihre Ahnen entsprungen seien und in dieselben ihre 
OuHheiUiii sich zurückgezogen hätten. 

Die berühmtesten Heiligenorte des Chibcha-Yolkes waren: 
Die zu Iraca in Tundama, wo die Eroberer den Mann von Gold (el do- 
rndo) zu finden glaabten und wo Sugamudo Kazike und Oberpriester war; 

dann die Tempel zu Bacata und Chia, in deren Nähe die Jeques oder 
Prieeier wohnten, welche die religiösen Zeremonien zu beaufsichtigen hatten; 
•ie waren weniger prächtig, aber dafür ausserordentlich reich in Folge der 
Opfer, welche in Schalen aas Golde, wie in goldenen Figuren von Männern, 
Franen ^d Thieren dargebracht wurden und zwar in Gefassen von gebrann- 
ter Erde der yerschiedensten Formen, ähnlich den conopas der Peruaner. 

Die entfernten Opferplätze, die am meisten besucht wurden, waren die 
Lngnnen Ton Suezca, Goatavita, Siecha, Ubaqu^, Chingosa, Churuguaso, 
Foqnene, Tensaca and andere weniger bekannte. 

Die berühmteste in der Geschichte dieser Regionen, die, von welcher die 
Reenhaie der ESntwässerangsyersuche bezeugen, dass die Meinung der 



162 AltarUiämet der BiMhaUgnni. 

Creachichtschreiber richtig sei, ist die von Graatavitä: sie war ameh denTnr 
ditionen der Hauptopferplatz der Chibchas. 

Diese Lagune, io Ilumboldt's Vnes des Cordillires abgebildet, liegt aaf 
dem Paramo, der Gebirgekette, welche das Dorf gleichen Namens bflheiTMh^ 
das ZOT Zeit der firoheruiig die Hauptstadt und die Residenz .des Ho£m das 
Moisca-Häuptlings war. Als Quesada den Ort eroberte, war er der am bectea 
befestigte Platz, und die spanischen Soldaten machten in demselbea eise 
reiche Eriegabeute. Seine wirklich geschickten Bewohner verstanden dai 
Gold zu giessen und machten Schmucksachen und sTunjos" (GOtzenfignren) 
aus massivem Golde, welche ihnen als Schmuck und Opfargegenst&nde dien- 
ten. Zu den Goldarbeiten benutzten sie kleine Oefen aus Sandstein, vdclia 
später auch gefunden sind. 

Ungefähr ein Myriameter von diesem Orte entfernt, befindet sich die La- 
gune, an deren Uter ein Indiaoertempel stand; sie liegt in einer maleriadwa 
Lage, in einer H&he von 3199 Meter fiber dem Meeresspiegel und hat einea 
Umfang von fOnf Kilometern. Enrz nach der Eroberung war Heman Peret 
de Qaesada der Erste, welcher den Versuch der EntwäBserung nntenuduB 
und unge&hr 4000 pesos in goldenen Gtegenständen gewann; sp&ter nkaobta 
Antonio Sepnlveda einen Vertrag mit der spanischen Begienmg in deneUMB 
Absicht und bei der theilweisen Entwässerung erreichte er grössere Vbrtheile, 
besonders einen Smaragden von grossem Wertli. 

Nach dem Geschichtschreiber Zamora (des 17. Jahriiondert) traohtaten 
die Zaques oder Priester der Muiscas oder Ghibchas danach, unter dem Volke 
den Glaaben an&echt za erhalten, dass in der schfinen Lagnna de Guatavita 
die Eazikin lebte, weshalb die Indianer auch in den See ihre werthvoUatea 
Gegenstände opferten. — Derselbe Geschichtschreiber sagt Folgendes: »Diete 
Sage wurde unter dem ganzen Volk der Muiscas und äelbst onter aodena 




Alterthämer der Sieehaltgnnt. 163 

Der Bischof Piedrahita, welcher 1676 die Geschichte der Eroberung schrieb, 
sagt» dass die Indianer Tempel und Opferst&tten hatten and dass die berühm- 
laalgp derselben die Ton Bogota, Sogamoso and Paatavita waren; „in ihnen 
▼erehrien sie viele yerschiedene Götzen wie Figuren der Sonne und des 
Hondee ans Silber and Gold, ebenfalls goldene Figuren von M&nnem und 
Frauen, andere Gestalten von Holz and Garn mit Wachs, einige grössere 
und andere wieder kleiner and alle diese Indianer mit Haaren und roh gear- 
beitet Dorch die Priester wurden die Menschenopfer ausgeführt und die 
Oaben den Götzen gebracht, bestehend aus Smaragden und Gold; letzteres 
Metall in Staub oder in Stücken, welche die Form von Eidechsen und Amoi- 
seo, Ton Helmen, Armbändern, Diademen, Geissen und Anderem trugen. 
Alles aas Gold.'' 

Derselbe fügt hinzu, dass der Cipa von Bogota seine Schätze, welche 
sehr gross waren, zusammenraffte und sie an einen Platz brachte, welcher 
beote noch nicht bekannt ist 

Die Lagune von Siecha war grade so, wie die von Guatavita und die 
Tiden anderen Opferst&tten, welche die Chibchas hatten, ihre religiösen Ze- 
fMMMuen and Gebete darzubringen. Der Umstand, dass dieser See grade 
so gesta ltet und belegen ist, wie die Indianer f&r ihre Opfer wünschten, und 
noeh mehr der Erfolg, welche die ersten Untersuchungen erlangten, begrün- 
den diese Behauptung. Die Herren Joaquin und Bemardino Tovar und Dr. 
Federioo G. Agailar sind der Meinung, dass es in dieser Lagune war, wo die 
Zeremonie des dorado vorgenommen wurde, und nicht die Von Guatavita. 
Sie gründen diese ihre Annahme auf folgende besondere Punkte: 
Erstens : auf die Tradition, welche durch einen Abkömmling jener Indianer 
na den Herrn Louis Tovar mitgetheilt sei, den Urgross vater der beiden Ge- 
; die Tradition besage, dass in dieser Lagune ein goldenes Reh Ver- 
den sei and viele von seinen Vorgängern hineingeworfene Reichthümer; 
Zweitens: auf die Beschreibung, welche der Geschichtschreiber Zamora 
die Lagune von Guatavita macht; diese passe besser auf die, welche 
Siecha genannt werde, denn Guatavita bedeute in der Ghibcha-Sprache: 
der Gebirgskette, und die Lagune von Siecha liege wirklich südwest- 
lieh von jetsigen Paatavita am Endpunkte der Gekirgskette; 

Drittens aaf den Umstand, dass die Indianer natürlicher Weise Bedenken 
Bossten, den Spaniern den richtigen Ort, wo sie ihre Reichthümer vor- 
hatten, anzugeben; 
Viertens: auf die 'Notiz, die Reichthümer des Eaziken von Chia seien 
▼en diesem Orte nach Osten geflüchtet worden, und grade in dieser Richtung 
li^ge die Lagune; 

Fünftens: aof die Thatsache, dass aus der Lagune von Siecha Gold und 
emige Smaragden herausgeholt sind; 

Sechstens: darao^ dass im Umkreise der Lagune von Siecha Figuren von 
Thon geliinden sind, wdche Indianer in verschiedenen Stellungen 



164 Alterthämer der Siecbklagnoa. 

Ea ist darauf anfinerksam zu machen, dase die Bedeutung des WwtM 
„Guatavita" in der Chibcha-Sprache wirklich der Lagune von Sicha sukonunt 
und nicht der, die jetKt Puatavita genannt wird; noch weniger passt der Name 
tQr den Ort, welchen die Geschichtschreiber als eine befestigt«, reiche und 
bevölkerte Stadt bezeichnen, und mflsate Guaeca der Ort sein, den sie Gnft- 
tavita nennen. 

Alle diese Betrachtungen begrOnden im Allgemeinen, daas die Lagunen 
Opferplätze der Indianer waren, daas sie in dieselben Gegenstände aoa (hM 
und Edelsteinen versteckten, und dass die Lagune von Siecha solch «in* 
Ort ist. 

Die Lagune von Siecha liegt nordwestlich von fiogotä und stLdwestlioh 
von Guatavita auf einem Faramo, der schwierig zu besteigen ist. Ihr Uarea 
und durchsichtiges Wasser hat eine Temperatur von S" Cela. und bringt eine 
schöne, grüne Färbung hervor durch den Widerschein; sie liegt in einw 
Höhlung, die beinahe rund ist und durch Auflösung des Sandeteins gebildet 
wurde, dessen Lagen sich in 11 Schichten zeigen, welche im Norden and 
Süden der Lt^;ane unter einem Winkel von 45" hervortreten. Von Westen 
nach Osten zeigt sich eine ungeheure Felsmasse, welche den Gipfel aUltst 
Der See liegt nach Aufnahmen des Ligenienrs Indalecio Li^vano 3673 Meter 
über dem Meeresspiegel und 1039 über Bogota, hat in seinem grösaten Durch- 
messer 220 Meter und eine Tiefe von 34 Metern. 

Dr. Agnilar glaubt, dass diese Lagune vulkanischen Ursprungs ist und 
den Krater eines erloschenen Vulkanes bildet; ich bedauere, nicht seiner An- 
aicht zu sein und fusse dabei auf folgenden Beobachtungen: Während der 
Untersuchung, welche wir in derselben in Begleitung des Herrn Ponce, 
Saenz und Montoya vornahmen, &nden wir keine Anzeichen, welche uns den 
vulkanischen Ursprung angedeutet hätten; bei genauerer Beobachtung kenn- 




Alterthümer der Siechalag^na. 165 

werden; es besteben beute noch diejenigen, welche wegen ihrer Kleinheit sich 
k^en Durchgang haben brechen können, um ihre Gewässer hinabzustürzen. 
Ebenso andere, welche durch das mechanische Wirken ihrer enormen Was- 
sermassen den Widerstand besiegt, und, sich entleerend, grosse Ebenen hin- 
lerlmssen haben, wie die von Bogota, und als Beweis ihrer Macht Wasserfalle 
wie den von Tequendama, welcher letztere in den Sagen der Chibchas idea- 
iisiit ist mit dem Namen Bochica, dem guten Gotte, wMcher mit seinem Gold- 
stabe den Gewässern einen Durchgang verschafite und jenes grosse Wunder 
schnf. — 

Die erste Gesellschaft, welche sich zur Entwässerung von Siecha bil- 
dete, bestand aus den Herren Pedro und Miguel Tovar, Dr. Miguel Pei, 
Bmno Espinosa, General Santauder und dem Lehrer N. Leon; diese Gesell- 
schaft machte einen Durchbruch von 3 Meter Tiefe und 40 Meter Länge; 
jedoch hat sie kein günstiges Resultat erzielt. 

Später, im Jahre 1856, verbanden sich die Herren Joaquin und Bernar- 
dino Tovar mit den Herren Guillermo Paris und Kafael Chacon und been- 
deten den Kanal, welcher eine theilweise Entwässerung von 2 — 4 Metern 
Teranlasste. Sie &nden einige Stücke Gold und einige Smaragden. 

Eines der bedeutendsten Gegenstände aus Gold, welches damals gewon- 
nen wnrde, ist photographisch wiedergegeben worden. Es besteht in 10 
kleiniMl Figuren aus Gold; die grössere in der Mitte hat auf dem Kopfe 
einen Helm oder eine Mütze und in der Hand einen Dreizack oder eine Art 
Scepter; am diese Figur herum sind neun andere kleinere; von diesen sitzt 
die kleinste vor der mittleren und hat einen Sack oder Korb von Draht auf 
dem Rücken, durch zwei Schuüre gehalten. Ohne Zweifel stellt dieses Stück 
die religiöse Zeremonie dar, welche Zamora beschrieben hat,. also den Kazi- 
ken Ton „Guatavita^, von den indianischen Priestern umgeben, auf dem 
Flösse, welches sie am Tage der Zeremonie nach der Mitte des Seees brachte. 
Die kleinste Figur, welche vor dem Kaziken sich befindet und den Korb 
trigty stellt wahrscheinlich einen Diener vor, welcher in dem Korbe die fürst- 
liche Grabe mitbringt Dieses goldene Floss wiegt 260jp Gramm. Bekannt- 
üdi sind ans dem See von Guatavita bereits verschiedene derartige Stücke, 
wenn anch von anderer Grösse und Gewicht, herausgeholt worden. Jener 
Fnnd belebte nun die Versuche. Herr Henrique Urdancta, welcher 1866 ein 
Opfer seines Enthusiasmus geworden, baute einen Stollen durch den Felsen, 
in einer Lange von 186 Metern auf der Ostseite. Der Boden der Lagune 
liegt drei Meter über dem Stollen; die Schwierigkeit aber, in demselben die 
Lnft ftir Athmen zu unterhalten, ist so gross, dass die Arbeit hier eingestellt 
werden musste. 

Man hat jetzt das System praktisch angewandt, vermittelst Pulver auf 
dem Pnnkte, wo der Stollen unter die Lagune tritt, den Boden zu sprengen. 
Zn diesem Zwecke brachte man zuerst einen Kegel von Ruhmkorff an, er- 
leiclite jedoch dabei die Entzündung des Pulvers nicht, weil die elektrischen 



166 AlUrthämwr d«t Sisehkligaoa. 

Draht« nicht genOgend isoUrt waren. Später verBachte man es mit «biea 
elektrischen Apparate ans Europa, der von Kuhmkorff seibat constroirt war; 
die Explosioa des Pulvers hatte jedoch keinen Erfolg nnd zwar »ob Ursuii« 
der Elasticität der SompEschicht, welche den Boden der Lagune bedeckt. £• 
ist möglich, dass mittelst Nitro - Gl^cerins, dessen Kraft grösser als die des 
Pnlvers ist, das Hinderniss wird beseitigt werden können. 

Wie schon bemerkt, kannten die Indianer die Kunst, ihre Metalle an 
schmelzen nnd zu formen, eine Kunst, in der es die Bewohner von Ghiatanta 
und Antioquia besonders weit f^ebracht haben. In diesen Gegenden bat bh» 
Reste jener Schmelzöfen gefunden, auch Tiegel aus Sandstein, in d«n«ii man 
Reste von Gold entdeckte. Der plustieche Sandstein und der Sand, aas w«l- 
cbem die Indianer ihre Modelle formten, war so fein, dass die EindrQcke der 
Pinger in den Formen auf einige Abgussstacke übei^egangeo sind. Diea«r 
eigentbOmliche Umstand führte zu dem Glauben, dass die Indianer daa Ge- 
heimniss gekannt hätten, Gold mit Hfllfe von Pfianzenstoffen zu erweichen 
und diesem Metalle so die Eigenschaft des Wachses zu geben; man kam 
sich jedoch von dem Irrthum dieser Vermulbung überzeugen, wenn man dnrdi 
ein Vergrösserungsglaa die Figuren betrachtet: man erkennt dann, daaa di« 
Eindrücke direkt von der Form auf den Abgusa Qbertragen sind; auaserdem 
sind Figuren vorhanden, welche den Eindruck der Finger zeigen, and soloba, 
welche die UnvoUkommenheit der Formen und die gröberen Sandkönür «r- 
kannen lassen, die in der Form waren and sich auf den Figuren mit abg»- 
drQckt haben. 

Die Kunst, Kupfer, Silber und Gold zu schmelzen, war noch nicht Alles, 
was die Chibchas kannten: sie verstanden auch, Metalle in richtigen Vertilt- 
uissen zu legiren, um die verschiedenen Stücke herzustellen. Im Allgemeinen 
stammte diis von den Chibchas verwendete Gold aus den jetzigen Staaten 




D«r (rofthe) Sonnenphallot dar Dncit. 167 



Der (rothe) Sonnenphallos der Urzeit. 

Eine mythologisch -anthropologische Untersuchung 

von 
Dr. W. Schwartz. 

,Ich sah die (goldene) Sonne hoch am Himmel stehen und den 
nie Tersiegenden Quell ihres befruchtenden Strahls auf Erden strömen,^ 
•o drftckt aich ein dichterisches Gemüth unserer Zeit in Anschauung jener 
gewalligen Naturerscheinung aus ; wie aber der rohe, noch aller geistigen Ent- 
wiekliiDg baare Naturmensch, in eigener Nacktheit wohl noch in der Welt da- 
stehend, Tor Jahrtausenden, gemäss seines unentwickelten und sich in einem 
engen Horizont bewegenden Denk- und Anschauungsvermögens, eben dieselben 
Erecheinangen in ähnlicher und doch wieder unendlich verschiedener Weise 
sich xurecht gelegt hat, das wollen die folgenden Untersuchungen darlegen 
und damit ein St&ck anthropologischer Geschichte der eigenthürolichsten Art 
in Rfickblick auf eine dem gebildeten Menschen allerdings etwas unheimliche 
Vergsngenlieit der Menschheit entfalten. 

üebier keine Partie alter Culte ist nämlich wohl noch ein solches Dunkel 
aoagebreitet, ab Qber die phallischen. ^) Wenn einem civilisirten Standpunkt 
die Behandlung derselben schon überhaupt widerstrebt, ja auch schon das ge- 
bildete Alterthum der Griechen und Römer trotz eines ihm noch immer an- 
haftenden Grades von Sinnlichkeit, von der man sich nur mühsam jetzt einen 
annfthemden Begriff machen kann, mit einer gewissen Reserve meist davon 
spricht, so kann doch dieser Standpunkt vor der Wissenschaft nicht bestehen. 
Ebenso wie der Arzt in der Lehre von der Geburtshülfe allerhand Dinge be- 
sprechen muss, deren Erwähnung sonst decentem Leben widerstrebt, ist die 
Behnndlong jenes psychologischen Räthsels für die Wissenschaft eine Auf- 
gabe wie jede andere und ausserdem in doppelter Hinsicht von höchst eigen- 
thfialicher, culturhistorischer wie psychologischer Bedeutung. Denn wenn 
schon die Verhältnisse, welche jenen Cultus geschaffen, die Vorstellungen, 

') Man begnöi^ sich noch immer damit, den Gegenstand durch die Erklärung der Alten, 
Diodor, Plutarch o. s. w., »dass man nämlich unter diesem Symbol die schaffende Kraft 
lister odsr die Zeugongskraft des Menschen dargestellt und angebetet habe^ als erledigt an- 



188 D«r (rotbe) SonneDplullo» dir Undt 

aus denen er mit seineo so manni^acben Beziehungen und Formen turror- 
gegaDgen ist, einen Blick in die Uranfänge phjeischen und psychischeD Le- 
bens der Menscbheit thun lassen, tod dessen Nat&rlichkeit — um es müd 
auszudrücken — die civilisirte Welt kaom sonst eine Ahnung hat, so eAHt 
die Sache noch dadurch eine besondere Folie, dass Reste auch dieses Caltu 
aus der Urzeit stellenweise sieb, wenn auch in einseitiger Beziehung nur, 
bis in die neusten Zeiten selbst in Europa erhalten haben und erst von mo- 
demer Sitte Tollst&ndig überwanden und beseitigt sind. 

Dass der Phalloscult in der indischen wie überhaupt in den orientali- 
schen Religionen, in Griechenland wie in Rom, eine grosse Rolle im dffmt- 
lichen wie häuslichen Leben spielte, dürfte all;{eniein bekannt sein, nündef 
vielleicht schon, dass auch das alte deutsche Heidenthum den Grott Freyr in- 
genti priapo instructum darstellte, besonders aber möchte es frappiren, das* 
noch bis zum Jahre 1771 zu Isemia im Neapolitanischen dem heiligen Cos- 
mio und Damiano Phalli oder Priapen geweiht wurden, Priester an dem Fe^ 
des heiligen Cosmus ganze Körbe roll von w&chsempn Priapen zum Katde 
anboten, die Käufer aber dieselben, nachdem sie sie vorher andächtig gekügat, 
dem Heiligen weihten, ganz wie etn ähnlicher Cultua von unDruchtbaren 
Frauen in Betreff des St. Gnerlichon und St Rend in Frankreich getrieben 
worden war.') 

FOr denjenigen, welcher sich mit derartigen Studien beschäftigt, ist ein 
solches vereinzeltes Fortleben eines uralten Gebrauchs selbst so barocker Art 
an und für sich nicht auffällend, wandelt doch die Menschheit — abgesehen 
von den Einflüssen des das geistige Leben der civilisirten Welt allmählich immw 
mehr durchdringenden und umgestaltenden Christenthama und der durch das- 
selbe gezeitigten Bildung und Cultur — überhaupt noch auf den Pfaden und in 
der Richtung, die den einzelnen Völkern durch die typische Entwicklung ia 




Der (rothe) SonneophalloB der Urzeit. 169 

^der mythologischer YorstelluDgen sich erstreckt, ist schwer zu bestimmcD. 
S« liegt eben in dem schon oben hervorgehobenen, ungünstigen Charakter 
lee Stoffes f&r Berichterstattung und Besprechung, dass nur) mehr zufällig 
llafterialien füir denselben geboten werden. Selbst das classische Alterthum 
tat wenig mehr als einzelne Facta überliefert, und nur dem Spiegelbild, wel- 
Jies Terschiedene Kirchenväter dem Heidenthum vorhielten, verdankt die 
VfiBsenschaft ein etwas eingehenderes Bild. Diesen Standpunkt haben aber 
weder christliche Missionäre späterer Zeit einzunehmen nöthig gehabt, wenig- 
itens nicht literarisch vertreten, noch ist es auffallend, dass Reisende gerade 
lieeer Seite des Lebens und den sich daran knüpfenden Vorstellungen und 
Grewohnheiten der Völker weniger nachgegangen sind, so dass in Betreff da- 
lim schlagender Berichte fast eine vollständige tabula rasa vorhanden ist. 
Selbst die volksthümlichcn Studien, wie sie zunächst auf germanischem Ba- 
ien durch die Gebrüder Grimm angeregt, auch in anderen Kreisen den eth- 
sogrmphiscben Berichten und Forschungen vielfach einen volksthümlicheren 
Chftrmcter verliehen, haben wenig in dem angeregten Punkte geändert, da 
ne mehr, und ganz natürlich, der idyllischen Seite des Volksthums sich zu- 
wenden , wo geistige Ausbeute sichtbarer in's Auge tritt. Alles auch schon 
Uisserlich einen mehr menschlich anziehenden Character hat. 

Diese Bemerkungen vorauszuschicken, schien mir zweckmässig, ehe 
ch in die Behandlung der Sache selbst eintrete und versuche die Richtung 
inzogeben, in der die Lösung des so merkwürdigen Problems zu suchen ist. 



Im Indischen erscheint zunächst der Phallos als Lingam im Gült des 
(piwns, Ton dem es in Muir, Original Sanskrit Texts 4,344 (Anusdsana parva 
r. llfiO) heisst: He whose seed is raised up, whose linga is raised up, 
vho sieeps aloft, who abides in the sky . . . v. 1191. The lord of the linga, 
tlie lord of the suras (gods) . . . the lord of the seed, the former of 
leed.* Daneben tritt die Jonis als das weibliche Glied in dem Cult der 
pris, dann werden auch beide vereint, indem das erstere sich konisch aus 
den leCsteren, welches in der Regel als Dreieck dargestellt wird, erhebt.^) 
Hannigfach sind die Substitute des Lingam; mag es aber eine Bergspitze, 
ein Obelisk, ein Schiffsmast oder dergl. sein, immer ist das Aufrccht- 
•tehende, meist auch das Sichzuspitzende das gemeinsam Characte- 
nsdsdie. Besonders erwähnt werden im (^iwapuränam 12 Lingamobelisken 
oder Sänlen als die 12 Glanz lingam, deren Verehrung die Seligkeit ge- 
wählt, md (piwas heisst endlich selbst einfach ürdbwalingas (der mit auf- 
gerichtetem Zeugungsglicde.^) Wenn daneben das Feuer, das Symbol 
dieses Gotteb ist, „die Flamme welche nach aufwärts steigt^, ^) so 
gesMhnt diese Verbindung schon in eigenthümlicher Weise sowohl an den 



Bott%v, Konit-Mytliologie. 1836. I. 55. Anm. 

^ WoUhtiai da Fonaeca, Myth. <L alten Indien. Berlin 1856. p. 7*2. 79. 80. 

9 WoOiisiai a. a. 0. 



170 I^ (rotbi) Sonnenphalloi der ünait. 

UmetaDd, dasB am Heerde der Vesta das Fascionm von ihren jangfrfa- 
lichen Priesterionen verehrt wurde, so wie an die Sage von der wonderbara 
ZeaguDg des Servius TuUiua, indem seine Mutter Ocrisia (d. h. di« Bur^ 
Jungfrau, von ocrisj von einem aue der Heerdflamme sich herana- 
streckeuden Fascinum empfangen haben sollte.') Auch auf dieLiogaa- 
obelisken oder Säulen werden wir noch zurückkonunen, indem aodi b« 
anderen Völkern die aufgerichtete Säule dberall neben dem Phallus ab 
sein Substitut erscheint 

In Griechenland knüpft sich nun der Pballos vor Allem an den Diony- 
sos und den arcadiecben Hermes, aber auch im Cult der Aphrodite halte er 
u. A. seine Stätte.^) Besonders aber bezog er sich auf die ersterea GNHtcr. 
„Auf dem Kjllene von Arcadien und aul dem Vorgebii^ gleichen Nameu 
in Elis, wo Hermes gleichfalle seit alter Zeit verehrt wurde, war ein aaf- 
gerichteter Pballos das älteste Sinnbild des Crottes;') Pfeiler tod Höh 
oder Stein, mit demselben Zeichen versehen, redeten auch sonst überall an 
Wegen und Plätzen vom segenspendenden Hermes i^ioi-ytoc. Bei Bild- 
werken pflegte auch noch wohl der Heroldsstab hinAigemalt zu werden.*) 
Besonders Bppig entwickelte sich aber der Phalloscult an den dem Dionytoa, 
zum Dank f&r den Segen der Weinlese, geweihten Festen, wo der Phallot 
unter dem üblichen Phallosliede herumgetraf^en wurde, gleich wie in Italien 
bei den entsprechenden Festen des Liber er den Mittelpunkt eines feierlichea 
öfientlichen Aufzugs bildete.*) Bei den Dionysien speciell hängte man üch 
Nachbildungen von Phallen um; „Ithyphallen" hiessen aber die etg toig 
fitjQOvg (71* tliteiny a,7ndt6(iifi'>i'fiti-"i, wie der .Schol. zu Luclan de Dea. 
Syria c. Hi bemerkt, wobei er zugleich die Farbe der Phallen angiebt, wcod 
er »agt: ipaD.'ii; d iattv fx it(jfiati>g i(iv!>Qnv ax^fia oldoiou arSpög, Idi 
hebe dies Letztere hervor, da man auch in Indien, wie mir Herr Prof. 1 




D«r (rothe) Sonnenphallof der Urzeit 171 

alt Symbol des Segens Damentlicb in Feld und Garten erscheint, so tritt 
daneben bei den Römern auch speciell noch gleichsam eine menschlich-prac- 
tiaolie AnfiiBWSiuig, wie sie so vielfach die Religion dieses Volkes characteri- 
•irti ich meine den grobsinnlichen, mit dem Fascinum des Priapus yerbimde- 
nen Gebrauch, bei der Vermählung, von dem TertuUian, Amobius und Au- 
gnstin berichten,^) wie er noch nach der oben angeführten Sitte in Italien 
sich bis ins vorige Jahrhundert hinein, wenn gleich in modificirt-abgeschwäch- 
ler Form, erhalten hat. 

In bildlichen Darstellungen tritt nun aber auch bei den Griechen, wie bei 
den Indem, höchst characteristich neben dem Phallos die aufrechtstehende 
Siale resp. in roherer Form ein aufrechtstohender Pfahl. „So war 
a. A. der thebanische Diouysos eine Säule: „Die Säule, den Thebanem der 
erfreaende Dionysos" nach einem alten Orakelspruche beim Clemens Alex.') 
Wenn anch derartige, freistehende Säulen (oder Pfähle) allmählich mit 
den Attriboten der Gottheit oder mit einem Kopfe versehen und bekleidet 
wurden, immer war die Säule oder der Pfahl das Ursprungliche und 
bUeb oft die alleinige Form, wie auch im Orient, „wo Moses ja ausdruck- 
lich befiüil: y)„Ibr sollt Euch keine Götzen noch Bild, und sollt Euch keine 
Sinlen einrichten u. s. w., dass Ihr davor anbetet.^^^) Beim Dionysos 
klingt anch noch die Säule speciell im Mythos nach. Er hiess rrsQixioving^ 
ein Name, von dessen Ableitung zwar Mnaseas beim Schol. zu Eurip. Phoen. 
K51 eraihltn er beziehe sich auf den noch nicht gezeitigten Dionysos, den 
wihrend des Blitzfeuers der um die Säulen der Burg geschlungene Epheu 
•cbttüMnd amhüllt habe, so dass es wie a/aq-txiiüv „yon Säulen umgeben^ 
hiease,^) während die Analogie zu dem Osiris-Mythos, von dem später die Rede 
sein wird, so wie das Hüllen des Dionysos in die Hüfte dos Zeus darauf hinzu- 
weisen scheint, dass der Name ursprünglich „der von der Säule umgebene*' be- 
dentdii wie aach Adonis aus einem Baum hervorgegangen sein sollte, in den 
die Smyma verwandelt worden (^dexaijrjviaiov di rartpor /(x'jor roT> div- 
6qo99 ^ayirtoti yevyrjd^vai <paai tov Xeyo/aeynv "^d(oviv. ApoUod. III. 14, 
4). Wio dem aber aach sei, so erhält das Factum selbst noch besonderen 
Nacbdmck, indem daneben noch ein Holz als Idol des Kadmeischen Diony- 
sos dired auftritt, welches mit dem blitzeflammenden Zeus zugleich vom 
Himmel in den Thalamos der Semele gefallen und vom Polydoros, Kad- 



') U. A« Aui^tiD VI. 9. Priapus nimis roascnlus, super cujus immaDissimum et turpis- 
fiMdaoD sedere nova nupta jubebatur more honestissimo et relifsriosissimo roatroDarum. 
d IMIsr, R. Jf. p. ÖS6 Anm. — Andrerseits wurde der Libera von den Frauen das dem Phallos 
Sjmbol des weiblichen Geschlechts ^ weiht, indem man sie als die Göttin der 
Bmpfingniss betrachtete. Ebeod p. 442. 

") Bottiebsr, der Banmcultos der Hellenen. Berlin 1856- p. 227 fg. 

*> y«gL bieraber wie ober die folg. Daten Welcker, Griech. Götterlehre. GöUingen 1857. 
L SfO !(. Bötticber a. a. 0. p. 3)6—240. 

^ PJTilkr» Qr M. I. 531. Bottichsr a. a. 0. p. 829 fg. 

o u* 



173 D«r (roth«) SomieDphftlliM der Dndt 

mos Sohn«, mit Erz, Dach Anderen mit Gold gamirt und als DioDysoa Kid- 
meios y er ehrt worden aein sollte. 

Ebenso war das Bild der Faphischen Aphrodite „eine Spitsdnle oim 
ein sehr hoch gezogener Omphalos," bei Tacit. Eist. 2, 3 eiit«r mett 
ähnlich, nach Serv. Verg. Aen. I 724 in modum nmbelici rel metac; 
So wurde auch Apollo und Artemis unter der Form von Spitzs&alea r«t- 
ehrt, ebenso wie Hera. Der vorgerückte Opfertisch a«fBiMwerkeD Iw- 
zeichnet deutlich die Säule, den Pfahl selbst als Coltusbild and wie du 
vom Himmel gefellene ätück Holz direct als Dionysos galt, so erkllK M 
sich auch bei solcher Identificirung des Gottes mit dem Bilde — diu* i^ 
nächst einfach als Factum hingestellt, — dass derartige costflmirte PftUa, 
wie Bötticher bemerkt, auf MQnzen und Reliefbildungen sogar auf Thron- 
sesaeln stehend dargestellt sind. Die Verehmng galt eben der S&nle, de« 
Pfahle, gerade wie auch unsere Vorfahren eine Irmensäule verehrten. 

Wenn aber diese letzteren Betrachtungen, auf die wir jedoch spät« 
no«h zurückkommen werden, scheinbar etwas vom Phallos seitab geführt 
haben, so bringt uns der Säulencultua Syriens mit seinen colossalen Pballoi 
wieder zu unserm eigentlichen Thema zurück. Nach Lucian (de Dea Syria) 
standen u. A. zu Hierapolis zwei Phallen von dreissig Klafter Höhe, die 
nach der Inschrift Dionysos der griechischen Hera zu Ehren errichtet h^MS 
sollte, denn, wie Lucian meint, sei er auf seinem Zuge nach Aethiopieo aocfc 
dorthin gekommen. Auf einen derselben stieg alljährlich zweimal ein Mann, 
um sieben Tage hier Heil und Segen für ganz Syrien' zu erflehen. 
Aber auch sonst noch tritt in Syrien, Ph5nizien, Kanaan u. a. w. ein 
derartiger Cultus in Bezug auf die zeugende und befruchtende Natof 
kraßi uns eutgegen, und Movers weist in seiner Religion der Pb&nixiar 
licheren nach, wie eine aufgerichtete Säule, ein 




D«r (rothe) Sonnenphallos der Urzeit. 173 

ran, dass man die Mythen nicht mit zur Erklärung der Gülte mit denselben 
in Verbindung brachte. Gerade aber die Culte, die ich zuletzt erwähnt, wei- 
sen auf einen Mythos hin, der höchst charakteristisch in die betreffende Ma- 
terie eintritt und uns eine Brücke auch für das Verständniss analoger ande- 
rer sein wird. Das Institut der G-allen lehnt sich nämlich an die Entman- 
nung eines göttlichen Wesens an, ahmt gleichsam, wieso oft bei der- 
artigen Gebräuchen hervortritt, im Gultus das nach, was der Mythus an 
einem Gotte als geschehen schildert^'). Im Anschluss hieran tritt die Be- 
ziehung zur Sonne nicht blos wie beim Qiwas im Allgemeinen härvor, 
sondern die betreffenden Mythen liefern uns auch gleich ein bestimmtes Re- 
sultat, welches dann irgendwie weiter in einer Naturerscheinung, wie alle jene 
alten Mythen zu begründen sein wird, nämlich das Resultat: „Der Sonnen- 
gott entmannt sich oder wird entmannt," wodurch wir schliesslich auch 
dahin kommen werden, zu erkennen, worin man ursprünglich seinen PhaUos 
zu erblicken wähnte und überhaupt zu jener ganzen Yorstellnng gelangte. 

Die MjTthen, welche ich zunächst heranziehe, sind die Tom Esmun und 
Atys; auch der Tom Adonis gehört hierher. In den verschiedensten Varia- 
tionen kehrt die Sage von Phönizien und Syrien bis hinauf nach Phrygien 
wieder. Ich lasse zuerst Creuzer (Symbolik und Myth. 1836 II. 559) refe- 
riren. „Der phönizische Esmun ipt auf jeden Fall ein Feuer- und Sonnen- 
Gott und Lebengeber (Damascius Vit Isidor. ap. Phot. cod. 242). Seine 
mythische Geschichte zeigt ihn auch ganz als dasselbe Wesen, was die Phry- 
gier Atys (Attis) nennen.'^ Er wurde, wie Movers I p. 552 weiter berichtet, 
besonders in Berythus verehrt. „Esmun war der schönste der Götter, 
in den sich die Göttermutter Astronom verliebte. Sie trafen einst beide auf 
der Jagd zusammen; die Göttin verfolgt ihn, der sich ihrer Zumuthung 
erwehrt und mit einem Beile sich selbst das Zeugungsglied abhaut 
Die Götdn aber erweckt ihn wieder vom Tode u. s. w.^ Vom Atys erzählt 
nun eine phrygische Sage, als Eybele und Agdistis, beide um ihn stritten, sei 
er entmannt worden, eine andere Sage lässt die Göttermutter nicht in Liebe 
um ihn werben, sondern ihn wegen seiner Schönheit zu ihrem Priester 
machen, aber unter der Bedingung unverletzter Keuschheit Atys brach 
aber die Bedingung mit einer Nymphe, weshalb ihn die erzürnte 
Göttermutter in Wahnsinn versetzte, dass er sich selbst entmannte. Wenn 
die letztere Form der Sage ihn mehr zum ersten Repräsentanten der Gallen 



') Gemäss der von mir fär viele derartig;e Gebräuche im Ursprung d M. p. 5. 10. Anm. 
ao^zestellten Theorie. Vergl. dazu u. A Landsteiner , Reste des Heidenglaubens in Nieder- 
Oestreich. Krems 1864. p. 4. Wenn wir nachher die Entmannung des betr. himmlischen 
Wesens im Gewitter vor sich gehen sehen, so ist auch der ganze forcirte it^^ovataa/utog^ ans 
dem die Entmannung der Gallen dann hervorgebt, eine Nachahmung gleichsam der im Ge- 
witter am Himmel herrschenden Aufregung. Wie wir noch sagen: «Der Sturm rast* 
u. 8. w., glaubte man in der Urzeit wirklich, dass die Himmlischen dann rasten, und 
Hess sich vermöge der psychologischen Richtung, in der man sich bewegte, zu einem Treiben 
und Tlnm hinrob^sen, dlts, von einem andern Standpimkt, in der neusten Zeit in den roMischen 
Skaptm wieder anhebt ist. 



174 I><r (rotbe) Sonuenphftlios der DrMit. 

macht (cf. aach Movere I. p. 487) und die EatmanDuiig uk eine uid«re T«^ 
mäbluDg knüpft, so stellt si(^ eine andere Variation mehr zn Eamon-Siga^ 
nach der er, ein Priester der Kybele, vor den voll&stigen NachstellnngeB 
einet) phrygischen Eönigij in die Wälder floh, aber eingeholt mit dea 
Verfolger rang und diesen entmannte, dann aber der Räch« d«i >tv> 
benden Königs verfiel, der dasselbe an ihm vollzog. „Zn aeinem Oediokt- 
niss entmannen sich die Gallen und legen die aidnia im &älafios in 
G-öttin nieder". ■) Zum Esmtm-Atys stellt sich der nraprllnglieh »jtiaAi» 
Adonis, dessen Feste allmählich im Orient die andern ähnlichen gleichsaa 
überwucherten und an Berahmheit abertrafen. Wie bei jenen Weteti todt 
und wiederbelebt werden, so tritt anch beides bei ihm in der Verbindng 
TOD Trauer- und Freudenfesten hervor mit ähnlichem, oi^astischem CharU> 
ter, auch unter Mitwirkung der Grallen, nur dass bei diesem scbdnen Lieb- 
ling der ööttinnen, um dessen Besitz Aphrodite nnd Persephooe stritt, 
der Zng mit der Entmannnng mehr in den Hintergrood getreten ood deftr 
meist mehr vom Tode im AJlgemeinen nnd Wiederfinden (e?'Qtats) die Reda 
ist Aber der Phallos spielt auch sonst schon in seinen Mythen eine fidle 
in so fem, als der Priapos nicht bloss als des Dionysos Sohn, sonderD taA 
als der des Adonis galt, ja er selbst mit ihm identificirt wird. Priapnm qm- 
dem dicunt esse Ädonem, filinm Veneris, qni a feminis colitor (Bode, Mythop. 
I. 36). Daneben bieten die Mythen von ihm vieder andere, h6ohst chwMte- 
riatische, neue ZGge. Aphrodite Hebt ihn nnd jagt mit ihm; vergabliok 
aber warnte sie den schfinen jDngUng vor der Jagd reissender Tbiere; V 
jagt nnd verwundet einen Eber, der ihn aber dann an den Schamthei- 
len tödlich verletzt, wie SbrigeoH auob andrerseits vom Atys eine Sage Aelm- 
liches berichtet.') Wir werden anf dies Moment der Ebeijagd, die den Tod 
herbeifahrt, noch gelegentlich zurfickkommen, zunächst weckt unser Tiiliiiimn 




Der (rothe) SonnenphalloB der Urteit. 175 

SQ den •chönen Eemon-Atys erinnert, so findet es ein eignificantee Analogen 
in einer indischen Mythe, wo auch ein annatürliches Ehebündniss 
des Sonnenwesens direkt die unmittelbare Veranlassung seiner Entman- 
nang wie beim Esmun und Atys wird, so dass gewisse analoge Uran* 
•chaaangen allen diesen Mythen gemeinsam zu sein scheinen, die nur eben ver- 
■ehieden sich dann entwickelt haben. — Der indische Mythos ist der yom 
Pr^Apali, welchen Kuhn zu anderem Zwecke in seinem Aufsatze über den 
Sonnenhirsch (Zeitschrift f. deutsche Philol. Jahrgang 1868 p. 89 ff.) behui- 
delt hat, ond der nun unter den vorliegenden Parallelen um so bedeui- 
aamar wird. 

Vorher will ich nun noch kurz darauf hinweisen, dass bekanntlich auch 
in Aegypten der Phallos mit ähnlichen Mythen bedeutsam hervortritt, so dass 
Herodot in seiner Weise geneigt ist, den griechischen Cult überhaupt daher 
absuleiten. ^s Osiris, heisst es, vom Typhon hinterlistig in einen Kasten 
eingeschlossen war, umflicht diesen eine Ericastaude, deren Stamm dann 
pden Kasten so umschliessend, dass er nicht mehr gesehen werden konnte,^ 
als Pfeiler eines Daches Verwendung fand, den Isis sich verschaffte und an 
einen besonderen Ort verbarg (Plutarch de Iside. c. 8). Wenn dieser in 
einen Pfeiler oder in den Stamm der Ericastaude eingeschlossene Osi- 
rie an den Dionysos neQixioving so wie an den aus dem geborstenen Myr- 
rhenbaum hervorgehenden Adonis erinnert, so klingt es weiter an die be- 
handelten Atys und Adonis -Mythen an, wenn Typhon, als er einem Eber 
naehfagt, den Kasten mit dem Osiris findet, den Leichnam zerstückelt und — 
entmannt, denn auf etwas Anderes kommt es doch nicht hinaus, wenn Isis 
alle Olieder wiederfinden kann bis auf das männliche Glied und dieses 
deshalb nachbilden und heiligen lässt, weshalb die Aegypter den Phallos ver- 
ehren sollten (cf. ausser Plutarch a. a. 0. Diodor I. c. 21 fg.). Es dürfte 
niehl nöthig sein, weiter auf diesen Mythos einzugehen, da keinem Zweifel 
vnterliegt, dass er in demselben Natu^element wie die firüheren wurzelt; es 
gSttfigt auf denselben hingewiesen zu haben, um die weite Verbreitung der 
betr. Vorstellungen so wie die eigenthümlich verschiedene Entwicklung, die 
sie überall in historischer Zeit erfahren haben, zu constatiren. Der oben er- 
wilmte indische Mythos vom Sonnengott Prajäpati und die daran sich reihen- 
den indogermanischen werden uns nun den Untergrund, auf dem das Ganze 
erwaehsen, klar legen. 

Prqipati (Savitar, der Sonnengott) wirft ein Auge, heisst es, auf seine 
Toehter (den Hinunel oder die Ushas) und will sich mit ihr paaren. Er 
ward deshalb zn einem schwarzen ri^ya und suchte die zu einer rohit ge- 
wordenen auf, d. h. wie Kuhn des Ausführlicheren darlegt, in Gestalt einer 
Antilopen- oder Hirschart treten beide auf. Rudra „der Mann im schwärz- 
liehen Kleide*', spannt, von den übrigen Göttern angestachelt, die über 
diese Verletxong der sittlichen Ordnung unwillig sind, seinen goldenen 



176 Dbt (Totb«) SonneDphallM d«r Untii 

Bogen acd trifft, Prajäpati mit einem dreitheiligen Pf«ile. Dabd «iid 
des Projäpati Samen verspritzt Die Götter umgeben ihn mit Feuar, 
and hieraus entstehen neue Sonnenwesen, ans den Kohlen tbtt dieAn- 
girasas d. h. die Sterne. Wie das Letztere im Griechischen sein Anak^oa 
findet, indem nach den in den „Poetischen Naturanschauungen a. s, w.* tob 
mir entwickelten VorstelluDgen man auch dort die Sterne für Ton Feuer 
durchglühte Eohlen hielt, so hat Kuhn auch schon mit dem eben flrwihntaB 
Mythos die Entmannung des Uranos durch Kronos znaammeogestellL !■ 
Uebrigen kommt er in Betreff des Prajäpati - Mythos zn dem Resultat, da« 
wenn auch im Eiuzeluen an den Sonnenuntergang zu denken sei, dook d« 
Schubs als eine Lähmung des Sonuenwesena aufzufassen and somit aof daB 
^Vechsel der Sommersonnenwende and die dann eintretende Wandlung ia dar 
Sonne zu bezichen sei. Wenn dies zunächst zu dem stimmt, was i(A !■ 
„Ursprung der Mythologie u. s. w." über die in den H erb stge wittern nngeb- 
lich vorgegangene Entmannung resp. Lähmung des Sonnen^esens beig^ 
bracht habe, so dürften jetzt noch Allem sich noch weitere Resultate ergeben. 
Während nach dem Indischen aus des Prajäpati Samen eine Neuscb&p- 
fung der Himmelskörper vor sich geht, entsteht auch im Griechisehea 
aus des Uranos abgeschnittenen Geschlechtstbeüen eine neue Sonne, 
die Aphrodite, nur dass jene Schöpfung im Fe'ner sich vollzieht, dieee im 
Meere, d. h. in den himmlischen Wassern. Dem goldenen Bogen des 
Kudra d. h. dem Regenbogen entspricht die Sichel in der Hand dea 
Krono!). Wenn dies nämlich nnr eine andere Auffassung des Regenbogen! 
ist (cf. Ursprung d. M. p. 129), so stimmt auch zu der dunklen Soeneiie 
der indischen Mythe die griechische, wenn es hei»st: t]X9s ii vvkz' ayayw 
fityag O/envog. Wir haben also in beiden Fällen eine Gewitterscetterie, 
in der die Paarung der Himmlischen (so wie die resp. Schw&chnn^ 




D«r (rothe) Sonnenphallos der Urzeit 177 

68 im Semele - Mythos ausdrücklich heisst: ^Zeus nahe sich der Hera 
•tels unter Donner and Blitz. ^ 

Was aber uns in dem Prajäpati-Mythe zunächst noch besonders inter- 
eaairti iat die erwähnte Characterisirung der Verbindung als einer „sittlich^ 
zo Torwerfenden. Wie Adonis aus einer solchen, nach sittlicherer Auffassung 
blotachinderischen und deshalb verhängnissvollen Verbindung der Tochter 
mit dem Vater hervorgegangen ist^ ist das Verlangen des^rajäpati zur Toch- 
ter eine Veranlassung des Zorns der anderen Götter, die den Rudra auf- 
stacheln, und die brahmanische Anschauung betonte besonders es dem ent- 
sprechend als einen Verstoss gegen die sittliche Ordnung. Einen ähn- 
lichen sittlichen Ansatz zeigt ebenfalls die nordische Sage vom Sonnengott 
Frft, den Kahn auch schon mit Prajäpati zusammenstellt, und bei dem auch der 
Phallos sowie der sogenannte Sonnen eher und Sonnenhirsch als heilig 
anftreten, — was ihn den von uns behandelten Mythen noch besonders nahe 
bringt^ -^ wenn es im Gedichte Lokasenna von ihm heisst, es sei seinem Vater 
NiQrdhr vom Loki vorgeworfen worden, dass er jenen mit seiner Schwester 
gesengt habe, denn, wie die Ynglinga-saga hinzusetzt, galten bei den Äsen Ehen 
zwischen Brader und Schwester als verboten*). Woran eben eine spätere, 
relnliT cnltivirtere Zeit Anstoss nahm und daher eine sittliche Schuld und even- 
tnelle Strafe daraus ableitete und die Facta, welche die Tradition bot, darnach 
motivirte, — das natürlich verwandtschaftliche Verhältniss der betreffenden 
Wesen, — dies war gerade in dem betreffenden Naturkreis ursprünglich begrün- 
det, indem nur die Auffassung es dort als Verhältniss vom Vater zur Tochter 
hier Tom Brader zar Schwester darstellte. 

Deberschauen wir noch einmal die letzten Partien, so traten überall in 
Scenerie wie Motivirong gewisse Analogien so wie Besonderheiten hervor, 
welche sowohl fftr eine bestimmte Gemeinsamkeit in den Kern der Uran- 
schranng — gleichviel welcher Art — wie für eine auseinander gehende, selbst- 
sttadige Entwicklung Zeugniss ablegen. Wie z. B. im Indischen in der obigen 
Panfmig des Sonnengottes von Einigen „der Morgenröthe^, — der Ushas, — 
,dcr Himmel*^ substitoirt wird, so tritt in der hesiodeischen Theogonie gemäss 
ihrer ganzen Anlage „die Erde** an die Stelle des weiblichen Wesens, wäh- 
rend in dem erwähnten Mythos vom Hephaestos, der die Athene verfolgt und bei 
ihrem Wehren ähnlich wie Prajäpati und Uranos den Samen verliert, es auch 
mf griechischem Boden wieder in der Person der Athene ein Wesen ist, das 
dendich zar Sonne in unmittelbarer Beziehung steht. Dass dies aber über- 
hanpi das Ursprünglichere ist, bestätigt sich, je mehr man auf die natürliche 
Baaiai ond die sich aus ihr entwickelnden Vorstellungen eingeht. 

Im Gewitter nämUch, dahin spitzen sich die behandelten Mythen mit dem 
Bsgenbcgen n. s. w., trotz aller Mannigfaltigkeit im Einzelnen mehr oder weni- 
ger so, geht an den Sonnenwesen sowohl die Paarung als dieEntman- 



>) W. Molltr, Altdsmsehs BsUgion. GöttingeD 1S44. p. 360. 



17.S D«r (roUM) Sonnrnphalloa dar ünatL 

nang des männlichen Wesens vor sieb. Was zun&ohst die Ptarang b*- 
trifii, so tritt ancb sonst in den Mythen die AnffasBong der Sonne bald ab 
eines männlichen, bald als eines weiblichen Wesens aaf, and wenn beide 
neben einander erscheinen, so ei^iebt sich sofort dentlich die MorgemfiAe 
als das weibliche, das in bestimmt hervortretender Persönlichkeit der Sodm 
vorangeht, dann aber als eine Art Tagesgöttin eine gewisse UnabhiogiiMt 
bewahrt, event. nu^ die Sonne in ihrem Lauf begleitet, so daas sie, wenn jtmt 
männlich gedacht, zu ihm in einem verwandtschafUicben VerhftltnisB ala 0*- 
tin, Schwester, Tochter oder anch aJs Matter zu steb^i schien, je mnhdl 
man die beiden Natnrerscbeinangen in Beziehung zu einander brachte. Wa 
im indischen Mythos z. B. die Ushas als Tochter des PrajI^Hiti aoftritt, ao 
galt auch nach Festus bei den Kömern Aurora „als Tochter" des Jupiter, «nd 
EoB begleitet z. B. den Helios auf »einem Laufe vom Morgen bis zum Abend, 
sie ist eben, wie auch Voss. Myth. Briefe II. p. 64 ff. ausfahrt, nicht blo« 
Göttin „der Morgenrötbe", Nondern überhaupt „des Tageslichts". Wena nai 
dieGewittersceaerie mit ihrem Treiben einer rohen Urzeit daneben als die 
Jagd und das Ringen eines männlichen Wesens im Liebeaverlangea 
nach und mit einem weiblichen erschien, in der deutschen Mythe a. B. 
Wodan (als Sturm) der Frigg (als der Windsbraut) nachjagt, oder Zeoe wie 
Wodan als Blitzesschlange zur spinnenden SonnengSttia in daa 
Wolkenberg zur Buhlschaft schlQpfl, oder diese WolkengSttin nm- 
gekehrt, um sich ihm zu entziehen, sich in eine Schlange oder in Feuer 
oder Waseerverwaodeltisosind dies Alles doch nur gleichsam Accideatien; 
es mnss in der Natur direct noch ein Vorgangstatt gefunden haben od« ein 
Moment dagewesen sein, der bei den realen Anknüpfungen, die daa Alter- 
tbum äberall für seine Anschaauogen zeigt, der eigentliche Angaageponkt fBr 
eine derartige Vorstellung überhaupt gewesen ist, an den dos Uebrige lieh 




f>mr (jroitf) SonBeDphallos dtr Uneit. ]79 

Wenn derartige Bilder aber auch die Möglichkeit f&r die Anlehnung der 
angedeateten grobsinnlichen VorstelluDgen an die betreffenden Natorerschei- 
Dimgeii bieten, so sind sie, doch nicht so charäcteristisch, concret, dass 
in ihnen der Ausgangspunkt der ganzen Anschauung direct gesucht wer- 
den könnte. Freilich stimmt die Sache selbst zu einer Reihe analoger 
Vomteünngen, welche Kuhn als verschiedentlich hervortretenden Glauben 
der Indogermanen nachgewiesen hat, nach dem beim Drängen, Stossen 
and Wirbeln des Unwetters man im Himmel eine Zeugung durch Schüt- 
teln eines Stabes, einer Keule vor sich gehend wähnte, ähnlich wie 
bei der Butter- und Feuerbereitung.^) Wenn aber nun einerseits 
dieser Stab, diese Keule, an die sich in verschiedenster Form die Vorstellung' 
•iaer Zeugung knüpft, wie Kuhn weiter nachgewiesen, dann in die Ge- 
witterecenerie in anderer Weise einrückend, zum blitzumrankten Thyrsos- 
•feab des Dionysos oder zum schlangenumwundenen Hermesstab Veran- 
Iftssong gab,^) andererseits in der ersten Partie unserer Abhandlung überall 
in den Galten zu den Ithyphallen sich die Verehrung aufrecht stehender 
Sftalen, Baumstämme,, Pfähle und dergleichen stellte, so ergiebt sich 
hier eine Fülle von Vorstellungen, die durch das, was ihnen gemeinsam, uns 
•■f den Aasgangspunkt und das natürliche Substrat aller jener, dann so mannig- 
fach entwickelten Gestaltungen führen wird. Als das charäcteristisch Gemein- 
same ergiebt sich aber das Aufrechtstehende des betreffenden Substrats, 
▼erbonden mit der „zeugenden^ oder „segen spendenden^ Kraft des- 
selben, wie es Jamblichus in Betreff des Phallos speciell mit den Worten 
ausdrückt: ta d^iv toig xai^dxaoTa iniovitg ijyv /uev TCf>y (palloiv axaoiv 
xwjfi yonfiav dw^dfinag avv^ijfia ts uvai g>a^iv, xai xavirjv nQOxakela^ai 
90§il^fA$p 9lg %^y y^yeoiovQyittv tot xoofiovi Wie nun der indische Savitar 
d. h. speciell meist die Morgensonne, (von der Vsu) als der Zeugende 
endieint, dann auch der Stütz er des Himmels genannt wird, was an die 
Vorsftellang einer Säule erinnert (dem entsprechend auch andere Mythologien 
gsradeca von Sonnensäulen reden >), so führen die sprachlichen Ausdrucks- 
wwisea des Griechischen, Römischen und Deutschen auf eine Uranschauung 
von der aufsteigenden Morgensonne hin, die vollständig dem gesuchten 
Geatnim entspricht Entsprechend den Deutschen Redeweisen „die Sonne 
erhebt sieh, steigt, steht hoch, „gebrauchten Griechen und Romer vom 
HfBos and Sol (wie vom Phallos) die Ausdrücke tataa^ai und erigere, 
W9m fftr die mytbenbildende Zeit die Vorstellung einer aufsteigenden 
(Licht») Säule, eines Baumes xl dergl., ebenso wie die der araaiQy der 
erectio eines sichtbar werdenden himmlischen Phallos denkbar macht. 
Zoftllig kann ich die Anschauung in ihrer Grundlage noch direct sogar auf 



') «Bttttem* hat noch heut zu Tafife im roh voUuthämlichen Aasdruck, wie ich zu^lig 

I9 gleich&Dfl iBÜie obecöne Bedeatoog namentlich far die Mastnrbatio. 
*) Tsfglfliehe aneh üispr. der Mythol. Index unter ,Stab*. 

') Z. B. in Amerika, wo man sie dann zur Fizirung des Sonnex^ahrs benutzte et J. Q. 
Millsr. ü Mc hi chti dir amerikanischen Urreligionen. Basel IS55, bMOuden ^. V\^^ ^"^^^ 



180 Dar fotbe SonneDphalloB der ÜreeJt 

aatroBoniiB ehern Gebiete in der jQ^iechen Tradition des Talmod belegen, wo 
sie in einer änsserst merkwürdigen Form uns entf^egentritt. 

Voraus schicke ich aber eine indische Sage, welche Friedreich in Bennr 
„Symbolik der Natur" (Würzburg 1>'59. p. 169> berichtet und die offentw 
hierher gehört: „In der Mitte der Welt, heisst es, ist der Baum Udetaba, der 
Baum der Sonne, welcher mit Sonnenaufgang ans der Erde her- 
Torsprosset, in dem Maiise, wie die Sonne steigt, in die Hfihe 
wächst und sie mit seinem Gipfel berQhret, wenn sie im Hittag 
steht, worauf er wieder mit dem Tage abnimmt und sich beim Soonen- 
uutergang in die Erde zurückzieht." Wenn nach alle dem, was Kuhn und ich Obv 
den himmliecheu Wolken- und Wetterbanm bei den Indogennanen beige- 
bracht, und nach den vorausgegangenen Auseinandersetzungen es kaum eisern 
Zweifel unterliegen dürfte, dass trotz der zum Theil irdischen Locslisirnng 
obiger Sage die aufsteigende Sonneneüule überhaupt wohl die Voratel- 
Inng eines aufsteigenden Baumes geweckt hat, der seine Zweige mtd 
Blatte rinden Lichtstrahlen und Wolken über den Himmel ausgeddiBt — 
ich erinnere nur an die ramosa nubila des Lucrez — so weist uns die jüdische 
Tradition die betreffende Urvorstellnngeiner Sonneunfiule wie eines Sonnen- 
baumea noch direct auf Bei dem Alleinsteben und der Bedeutsamkeit der 
Sache, (so natürlich sie schliesslich, einmal reconstmirt, an und fär sich iot) gdie 
ich etwas ausführlicher auf dieselbe ein. Nachdem nfimlich die entwickelte Aq- 
schanung sieb mir schon ziemlich festgestellt hatte, glaubte ich in den tob 
Movers II. p. f)62 angeführten „Sonnen- und Monds&ulen" eine Art tod Be- 
stätigung zu finden, als sich mir bei genauerer Nachfrage an competenteo 
Stellen, besonders bei dem hiesigen Rabbiner Herrn Dr. Bloch, über das Ton 
MoTcrs angeführten Citat folgende nicht geahnte Perspective erö&ete. nEin- 
mal", heisst es — wie mir Herr Bloch freundlichst schreibt — Miachna S,l: 




Der (rothe) SoimenphalloB der Undt lg] 

Möglichkeit (einer solchen Verwechselung) wird von der Schale des Rabbi 
IsBuiel dahin aufgeklärt, dass damals (als die Priester den Irrthum begiDgen) 
ein umwölkter Tag war, so dass (das Licht) nach hierhin und dorthin zer- 
streut war. [»Ein nmwölkter Tag." Der Himmel war von Wolken verhängt, 
und die Lichtsäule wurde wegen des Dunkels nicht wahrgenommen, sondern 
nur der Platz, wo die Wolken sich zerstreuten, also ao vielen Stellen zwi- 
schen einer Wolke und der anderen. Ka. Seh. J.J 

Hier haben wir noch in voller Natürlichkeit das, wonach wir suchen: 
eine längst untergegangene weitverbreitete Anschauung der Urzeit, aus der sich 
alle die verschieden modificirteu Bilder dann entwickelt, die wir behandelt 
haben, tritt uns mit einem Schlage klar vor Augen. Die wie eine Rauchsäule 
aufsteigende Licl^tsäule der Sonne ist der himmlische Säulengott, 
der wunderbare Himmelsbaum wie der indische Phallos des Qiwas 
who sleeps aloft, who abides in the sky, ebeni<io wie der rothe Ithyph al- 
les der Griechen; das ist der himmlische Zeuger, Bildner, der okßov xai 
nköinov ^dßdog des Hermes,^) so wie das Scepter des Zeus u. s. w. 

Die gebildete Welt wird die Neigung habeo, den Sonnenstrahl bei dem 
Phallos als den die Erde befruchtenden Samen in den Vordergrund zu drän- 
gen, am die andere ihr widerlichere Seite der Anschauung möglichst abzu- 
schwächen, doch dürfte sie damit von der Wahrheit abirren, und jenes Mo- 
ment erst das sich secundär anreihende sein. Wenn schon nämlich fast alle 
EiDxelnheiten der obigen Untersuchung dagegen sprechen, so zeigen selbst die 
weiteren Entwicklungen des phallischen Elements in den Mythen zunächst 
überall nur Beziehungen auf die himmlischen, nicht auf die irdischen Ver- 
hältnisse, welches letztere Moment in den alten Mythen überhaupt immer 
erst später hinzukommt Dort oben schien dem Naturmenschen die phal 
lische Natur des hinunlischen resp. dann der himmlischen Wesen sich in der 
bohlerischsten Weise zu entwickeln, denn daran reihten sich alle die 
Glaobensansichtcn , dass das phaUische Wesen um des weiblichen Herr zu 
werden, in den Wandlungen des Gewitters 8ich selbst in dus Donnerross, 
oder den brüllenden Gewitterstier, oder die Blitzesschlange u s. w. 
gewandelt habe, wie auch andrerseits, wovon gleich noch einmal die Rede 
sein wird, zunächst die Vorstellung seiner zeitweisen Schwächung oder 
Entmannung das behauptete Factum bestätigt. Besonders characteristisch 
tritt aber dasselbe in einem indischen Mythenkreise uns entgegen, der in analoger 
Weise sich am Monde entwickelt hat und dort in reicher Fülle sich ent- 
fiület, während in der griechischen Sagenwelt nur gleichsam ein abge- 
storbener Ast noch Zeugniss ablegt von der weilen Verzweigung auch dieses 
Glanbens, ich nieine den Mythos vom Mondkönig Soma und Tithonos. W enn 
ttäflaljch die oben behandelten Sagen mehr auf den Sonnenphallos hinwiesen, 



*) dl KakB. Hsrabk. d. Feuert, p. 242 



182 DfT (rothe) Sonnenplulloa der DmH. 

80 kann es nicht suffalleD, wean auch, wie die Sonne als Aas Ange dM Ti^ 
gea, der Mond als das der Nacht galt, so der alte G-lanbe auch im anf- 
steigenden Monde, enteprecbend der talmudiscben Aaschaunng, die Ar 
bonne and Mond ziemlich analog war, den Phallos eines n&cfatlioheB 
Wesens wahrzunehmen meinte. Und wie die indische nnd griediieobc 
Mythe oebeo einander die verschiedenen ehelichen Beziehnngen der Tag- nnd 
Nacbtwesec entwickelte, so buhlt denn auch entsprechend dem Tagesweati 
der Mondkönig Soma nicht bloss mit den Wesen der Nacht, ■ondo« 
vor allem mit der Rohini, d. b. mit der Morgenröthe. Und wie gnb- 
sinnlich phallisch es eben von dem rohen Natarmenschen au^e&ast wurde, 
zeigt, dass man des Mondes „äcbwinden" mit dem steten Liebesgenaas in V«» 
bindnog brachte, die Abzehrung gerade zu König Soma'a Krankheit nannte, 
ein Mythos, auf dessen Identität in der Wurzel mit dem von der Eos nsd 
dem „hingeschwundenen" Tithoniis ich schon in den „Natu ran schauungeo a. 
». w.*) hingewiesen habe. 

Ueberwiegend knQpfte sich aber die phallische Vorstellnng in den 
Mythen an die Sonne, und die neben der geglanbten Buhlecbaft des betr 
Wesens im Gewitter angebbch stattfindende Schwächung resp Entman- 
nung schliesBt sich den gewonnenen Keeultaten an, dieselben zum Theil 
noch weiter ausführend. Ich kann mich hier im Allgemeinen auf das be- 
ziehen, was ich schon im „ürspmng d. Mytb." darüber beigebracht, wo ich 
dargelegt habe, dass, wie wir auch noch sagen da« G-ewitter wird schw&cher, 
so in der mythischen Zeit der Gewitter-, Sturmes- oder Sonnengott, 
wer (gerade in ihm auftretend gedacht wurde, zuletzt als gescbwKcht er- 
schien. Wenn also, um nur ein Beispiel anzufObren, dem UranoB mit der 
Kegenbügensicbel die utdoTa abgeschnitten werden, so entspricht das 
trotz der verschiedenen Grundanschauung in der Sache ganz dem, wenn die 




Der (rothe) Sonnmiphallos der Urzeit. 188 

koamen war,') da galt auch der pballische Gott wieder gekräftifi^t 
reap. so neaem Leben erstanden. Dass auch in der Entmannungsscenerie 
dea letstereD die fallenden Blitze als Sonnentropfeu eine Rolle spielten 
(die aoa den Wolken herabfallenden semina ignis des Lucrez) habe ich schon 
oben angedeutet.') 

Die Verehruog aber des Phallos sowohl des Qiwas, als des Hermes, 
Dionyaoa, Atys, Osiris u. s. w — resp. der aufrecht stehenden Säule, 
dee Baamstamms a. s. w. — das ist die allmählich sich entfaltende 
Verehrung der aufsteigenden Sonne und des mit ihr verknüpft dann 
gedaditen Wesens als des himmlischen Zeugers, Schöpfers, Lebens- 
apendera, Bildners u. s. w. Alle die mannigfachen rohen Elemente der 
eraten Anschauungen blicken noch in den entwickeltsten mythischen Gestal- 
tongen hindurch, ebenso wie der phallische Begriff dann, symbolisch gedeutet, 
im Caltus wie in den Mysterien das ganze Heidenthum in seiner Entwick- 
Inng begleitet hat 

Mit dem entwickelten Ursprung aber und den sich daran knüpfenden 
Anachauungen erklären sich nun eine Menge bisher uuerklärter mythologi- 
acher Vorstellungen, von denen ich nur die hauptsächlichsten kurz andeuten 
will. Wie ich schon im Ursprung der Myth. den Himmel als einen wunder- 
baren Wolkengarten nachgewiesen, in dem u. A. die zackigen Blitze als 
ein sichtbar werdendes Rankengewächs erscheinen, und gelegentlich oben 
aof die Identität des mythischen Wolkenbaums mit dem Sonnenbaum 
kingewieaen habe, ao werden wir es nun auf den letzteren beziehen, wenn im 
Peraiacfaen von einem himmlischen Baume Harvipp-tokhma „dem mit allem 
Samen*' die Rede ist, der mit dem himmlischen Lichttrank in Beziehung 
tritt.') Wenn dieser Baum auf den durch die Wolken sich verästenden 
Sonnen bäum mit seinen Strahlen geht, dürfte der Apfelbaum mit den 
goldenen Aepfeln in den Märchen der aufsteigende Mondbaum sein, an dem 

goldigen Sternenäpfel prangen. Ueberhaupt wird in den nachgewie- 
Anschauungen der Ursprung des Baumcultus überhaupt zu suchen sein. 
Den himmlischen Bäumen wurden nämlicb gewisse irdische dann substituirt, die 
beaondere Analogien zu bieten schienen. Während die Eberesche z.B. mit 
ÜHen gefiederten Blättern an die gefiederten Wolken erinnert, durch 
welche Analogie auch das Farrenkraut seine mythische Bedeutung erhalten 
hat.,^) ao sind es besonders im Anschluss an die talmudische Darstellung 



*; Cnproo^ der Mjtb. p i::9 fgg 228. 231. 263 

*) Mit der Entwicklung dieses phallischen, an die Sonne sich anschliessenden Elements 
■oehtt ich auch den Gegensatz der jungen imd alten Götter zum Theil in Beziehung brin* 
fMt dir oamentlich in der griechischen Mythologie dann besonders entwickelt wurde. Die 
FMhliagiSoiUM, das ist der «junge Sonnensohn "*, wie es in der finnischen Mythologie prägnant 
dem a^nöber die winterlichen Sonnen als dem oder den «alten* Wesen angehörend er- 



*) laka, Heiabk. d. Feuers, p. 125. 

*) Uebar die mythisehe Bedeutung der Eberesche, des Farmkrautee cf. Kuhn, Herabk. d« 



1g4 Der {rethe} Sonnenphalloi d«r Drult. 

gerade aufsteigende, sieb weitverzireigende B&nme wi« Pftla«, 
Pinie, Fichte, Eiche, die hierher gehöreo, zumal wenn sie noch obcaan 
wie die letzteren zapfenartigaufsteigende und sich ziiBpitzendeFrflebU 
trugen. Wie der Fichtenzapfen nämlich beim Thyrsosstab oben htt- 
vortritt, die Spitzsäule der Aphrodite u. A. in einen hochgezogenen Na- 
bel endete, der pballische Gharacter der betreffenden Frachtform schon 
längst erkannt ist,') dürfte speciell dies noch in besonderer Weise auf da 
aufsteigenden Lichtkegel der Sonne, ebensowohl als Ende der S&ale rvp. 
des Phallos, wie auch als Frucht des dort oben sich entfaltenden Liek^ 
baums zurückzuführen sein. — Der himmlische Banm ist es non MMh, 
der den Sonnengott Osiris, wie in anderer Weise den Adonis birgt, ebento 
die Säule, die den Dionysos schützend einschliesst. Jetzt wird auch Cw- 
tiuB Max Müller's Erklärung der Daphne als Dahan& d. i. Horgen- 
röthe gelten lassen, da, was er vermisste, n&mlich die Erkl&rnng, wanm 
Daphne sich in einen Lorbeerbaum wandelt, jetzt gegeben ist.*) In dep 
nachgewiesenen mythischen Element ist ebenso derUrsprang derSäulen dea 
Herakles wie des Atlas und der deutschen Irmens&ule zu suchen, ebenso 
wie man auch jetzt speciell die Stelle des Homer verstehen ddrft« , wenn er 
Ud. l. 53 fg. von den Säulen des Atlas sagt: 
i'xEi de T£ uinvag aiiiög 
ftaK(}ög, dt yaiav te aal ovqqvov afitpig ex'>vatv.*') 
Nach den obigen Auseinandersetzungen durfte sich nun auch noch ein 
Zug in den Erzählungen von Simson als mythisches Element neben den 
schon in Ursprung der Myth. und den Poet. Naturansch. nachgewiesenen 
characterisiren. Wenn der Kampf mit dem Eselskinnbacken, aus dessen 
Zahn dann ein Quell hervorsprudelt, so wie die Schwächung des Helden 
nach dem Verlust seines Haares an mythische ZQge vom Sonnten- and' 




Dar (rothe) Sonnenphallof der Urxeit 1^5 

switGhen den zwei S&ulen stehende geblendete Held, der die S&ulen 
neigt, dass das Gewölbe einstürzt;^ es mahnt an einen Einsturz des 
HiBmelsgewölbes, indem die himmlischen (Licht-) Säulen zusammen- 
brechen. Reden wir auch doch noch ganz gewölinlich yon einem Wolken- 
bnich, wenn die Schleusen des Himmels, um im poetischen Ausdruck 
so bleiben, sich übermässig öfinen. 

Während in den letzterwähnten Anschauungen die Sonnen- und Mond- 
säole auftritt, weisen die 12 indischen Glanzlingams oder Säulen, 
deren Verehmng die Seligkeit gewährt, auf die Sonnen der 12 Jahresmonate 
hin, eie mnd gleichsam der Anfemg des Zwölfgöttersystems, welches bei 
den Griechen aof analoger Basis erwachsen, und zeigen, dass die nachge- 
wiesene mythologische Vorstellung noch lebendig im Bewusstsein des indi- 
schen Volkes war, als die betr. calendarische Entwicklung eintrat, gerade 
wie die Bohlschaft des Soma mit den Nacht- und Stemenwesen die Grund- 
lage ttnes gmnxen calendarischen Systems wurde (s. Weber in den Schriften 
der Beriiner Aeademie). 

Wenn aber die oben beigebrachte talmudische Stelle auch den Ausdruck 
,8iab* f&r die aufsteigende Lichtsäule gebraucht, in der Mythologie über- 
hanpi GkössenTerhältnisse nicht mitspielen, sondern nur Analogien, so ist, 
wie ich mit Kuhn, wie schon oben angeführt, gelegentlich den Ph alles mit 
dem Hermes- and Dionysosstab in Verbindung gebracht, die Licht- 
säale in dieser Hinsicht nur eben als Stab gefasst, der sich in einer sei- 
nem Element analogen Weise als segenspendender, zaubernder u. s. w. 
entwickelte. Während er mit Schlangen oderEpheu umwunden, wie auch 
sclnm erwähnt, nnr als in die Gewitters cenerie eingerückt sich ergiebt, 
so ist er auch nun als Ausgangspunkt für die Keule des Herakles wie des 
Thor anzosehen, wobei man nur erwägen qiuss, dass eine derartige Waffe 
aoch s. B. in den serbischen Volksliedern ebenso wie in den ungarischen Märchen 
als Wnrfwaffe auftritt, so dass sie dann im leuchtenden Blitz geworfen 
schien, und secundär sich daran weiter gereiht hätte die Vorstellung eines 
geschlenderten Hammers oder einer Lanze, je nachdem man im Laufe 
der Zeit den Gott „als Bildner, d. h. vorzuglich als Schmid im Gewitter,^ 
■il einem Hammer, oder als Jagd- oder Kriegsgott mit einer Lanze 
sich ausgerüstet dachte. Wie die letzteren Verzweigungen des alten mythi- 
schen Urelements besonders interessant sind, indem sie die Continuität und 
llannigfahigkeit der Entwicklung darthun, so will ich auch in anderer Weise 
noch anf gewisse höchst eigenthumliche Verzweigungen der behandelten 
Mythen selbst, namentlich in einem Punkte, hinweisen. 

Wie die erwähnten syrischen Mythen dieselben allgemeinen Grundlagen 

migen wie die entsprechenden indogermanischen, so zeigen sie speciell trotz 

lUer auseinander gehenden Entwicklung eine auffallende Uebereinstimmung 

• ia den einselnen mythischen Elementen mit analogen deutschen. Neben dem 

Phallos tritt in den Atys-Adonis-Mythen der Tod resp. die Entmannung 

fir BtkMl«fl«, JakrfMf 1874. \^ 



.^^1^ Dar (rothe) Sonaenphalloa der Dresit. 

darcb einen Eber (in den sich dann Ares gewandelt haben sollte), so 
die Verfolgung des weiblichen Weaena (der Mutter des Adonis) mit eii 
Schwerte cLoracterlatisch iiervor. Wenn das Letztere sich als ein Am 
gou z. B. zur Verfolgung der Thetis durcb den Hephästos ergiebt, der 
Bnmmer nach ihr schlendert, und Schwert wie Hammer aui da» Bliti 
Schwert und den Blitzhammer geht, so erinnert der Ebe: 
merkwürdige Sage vom Wodan - Hackelberg, der durch einen getödtett 
Eber gleichfalls noch sein Ende findet, d, h., wie ich nachgewiesen, der 
den Wolken mit seinem weissen Hauern wühlende Wolkeneber (dtr 
Wirbelwind) wird zwar erlegt, aber eben so bildet auch der GewiUerbeld tau 
Ende. Nun erscheint Alles beim deutscheu Fro vereint Wie an ihm acbon 
der Phalloa und der widernatürliche Ehehund mit der Schwester ber- 
vorgehübeo wird und ihn in die behandelten Anschauung 3 kreise zog, so fin- 
den wir bei ibm auch das Blitzschwert und den Wolkeneber, letzteren all 
Sonneneber ihm geheiligt, wieder, wie er überhaupt in allem sich i^g der 
segenspendeude Sonnengott zeigt ') Doch dies nur nebenbei, um ta 
zeigen, dass je mehr das raytlusche Gewebe aufgelöst wird, desto mehr auH- 
loger Einschlag selbst oft in Kleinigkeiten, nur überall anders verwandt, ber- 
Tortritt: der Mythos vom Atj-.s ist es aber seihst, der noch schliesslich ver- 
lockt, eine mythische Schicht neuer Art, die das Fhollosclement ergänzt, auf- 
Eudecken. 

Pausanias erzählt VII. 17: Jvfiairug iaii dt xai liü.o it^nv aifiai 

JivÖvfii'jVfj firjVfti Kai '^iff] nt-ionifiiviiv. "Aiirig de iiiitig r,v, aiAiv n^ll; 
i£ r)v anÖQQtjtov ig authv i§ev^üv. dllä 'EQfirjatavaxti fiiv iiJi icr iJ.tyiia 
yffätliavtl neTCOtijfUfa eatif w>; viös it rji' Halaori (Hiivyiig )(ai üg ui' ittitf- 

jlvdoig ÖQyta itelet Mqnn'ig, ig toaovio -^o(t' avtoig «fiijs cüg Jia -^«.'j 




Der (rothe) Sonnenpbalios der Urzeit. 187 

foi; naidig eQtog Sax^^^'^ySt^^^^iv. ctl^qi^ivia da*!AiTriv änoazillovaiv 
ig n^Oivowta ol TrQogtjienvitg ovvnix fjonvi a TOi> ßaaikiiog ifvyaiQi. 
tiuwoiog di fjduo^ ieal*!AyÖLOiig i(ploza%aiy xcti tu aiöola anixorpt 
§ia¥tig o ^Tti^g, anixoxlia de. xal o t/}»- t^vy ax i^a alu^ didovg. 
A^fdiatiw di fieidkoia tax^y oia ^!Aitrjv i'äQaae^ xai ol tioqu Jiog ev(tSTo 
ßijtM arjaaox^ai ti ^L^vifj tou ovi^iaing fi/jia itjxaa!>at. Es sind Alles be- 
kannte AnBchauungen, die hier hiudurchbreciien, in der Ägdistis speciell aber 
tritt eine Vereinigung des männlichen und weiblichen Wesens, welches 
dann in Morgenröthe und Sonne nebeneinander in gesonderter Persönlich- 
keit auftritt, zunächst vereint auf. Wenn nun nachgewiesener Massen der 
■innliche Cbaracter sich an die aufsteigende Sonne als den am Him- 
bmI erscheinenden P hallo s knüpfte, so durfte der weibliche Character der 
Morgenröthe wohl von einem ebenso rohen Ausgangspunkt der Anschauung 
ans gehsst sein. Nun stellten die Aegypter nach Plutarch (de Iside c. 11) 
die aufgehende Sonne als ein Kind dar, welches aus dem Lotus sich 
erhebt,') diese war gleichsam die sich öffnende Gebärmutter. Ander- 
seits erscheint in lieblicher Auffassung die Morgenröthe als ein sich öffnen- 
des Auge, wie es im Hiob 111. 10 so schön heisst: „sie sehe nicht die Wim- 
pern der Morgenröthe^, wozu Gerlach bemerkt: „die Sonne ist wie ein 
sich aafthuendes Auge, die ersten Strahlen der Morgenröthe ihre Wim- 
pern. So Hiob C. 41, 9 und „Strahl der Sonne, der schönste, der dem 
siebentborigen Theben erschien, sei gegrusst Wimper des goldenen Tages 
in Sophocles Antigene.^ ') Verbinden wir diese Vorstellungen, so liegt nach 
der ganzen Entwicklung der rohen Anschauungskreise, mit denen wir es zu 
thnn gehabt, doch der Gedanke sehr nahe, dass eine der Morgenröthe als Auge 
ähnliche, vorangehende rohe Vorstellung, die sich in Parallele zur steigenden 
Sonne als Phallos stellt und jene zum weiblichen Wesen stempelte, die 
der xiitg gewesen sein durfte, so dass sich dann erklärte, wenn der wahre 
Lingam, wie Bottiger Kunst Myth. p. 55 sagt, der aus der xct'tt; 
sich erhebende Phallos (d. h. der aus der Morgenröthe aufstei- 
gende Sonnenphallos) ist.') Eingebende Untersuchungen im Indischen 



diese Vorstellung zu analogen indischen sich stellt, ist zu ihr auch in Parallele 
der sogen, orphische Eros; der aus dem l'rei entstand, welches die Nacht gebar. 
IMv am Ei als Sonne s. Urspr. der Myth. 

*) W^n des sich yerbreitenden Lichts erschien den Griechen dann die Morgenröthe 
«groMäugig.* Ich habe so iMeiiotZmi 7101»'/» "//<>»; auf die Morgenröthe bezogen und möchte 
die indische Prithivi (die Breite) sei neben dem Djau.s (dem leuchtenden .Sonnengott) auch 
mprsoglieh die Morgenröthe gewesen und erst später in der mehr abstracten Deutung der 
▼tdoi ibr .die Erde substitoirt worden, da der Name auch für diese passte. 

^ Vom behandelten grolninnlichen Standpunkt aus würde sich dies u A. in Parallele 
sIiUmi m dem oben erwähnten, in der röm sehen Stammsage vom :Servius Tullius hervortreten 
te Hijtlütclien "Element, wenn dort das Fascinum sich aus der Ueerdflamme, d h ur- 
aoe der Glut der Morgenröthe erstreckt, wie es auch in einem modernen Liede 
Anschauung, nur natürlich, mit anderem Substrat heisst: 



^88 Onnü Pnudca. 

wo daa Material, wodh man es beachtet, noch reichhaltiger voriiaaideB Mit 
m&cht«, dürften dies bestätigen. 

Wie es aber auch mit dem zuletzt Besprochenen stehe, schoa die PhiHni 
parthie dürfte eine Perspective der lehrreichsten und folgenreidisten Art is 4n 
Vergangenheit der Menschheit er6äiaen,*) einen Hinte^;nind des AnsdwMM 
und Empfindens, -wo die Betrachtung der erhabensten Natnreraoheinnngco ia dir 
noch herrschenden Beschränkung und Rohheit nur die grobsinnlichatui Yimfflaff 
in ihnen wahrzunehmen glaubte, wo der Menschen Treiben selbst nodi ia kh» 
lieb roher Weise sich abspann, als sie dort oben es analog zu sehen mMOli^' 
ein Zustand, wogegen üist Alles, was die Culturgegchichte bisher Toa MgM» 
wilden Naturvölkern dem Anthropologen voi^efübrt, noch als relatära CnSt 
sation erscheint. 



Posen. OsterferieD 1874. 



W. Schwftrtt. 



Orania Pmssica. 

Ein Beitrag cur Ethnol(^e der praussisctieii OstseeprovinzeD mit 4 Tafeln nad I TsbaH«. 
Von Dr. Lissauer in Danzig. 

Einleitung. 
Wenn ich diese Hittheilungen gerade jetzt veröffentliche, so möchte i 

Idi zuerst .lHi;,-^',T, v..'nv;,l,n'i). :i!s «,.lllr 




GraniA Prairiea. 189 

dorcluuis nicht f&r eine Schande halte, unter seinen vorhistorischen Ahnen 
Finnen zn zählen, so würde ich, wenn die Sache wahr wäre, gar nichts 
dagegen einzuwenden haben; nun aber von Yirchow^) und Bastian') sattsam 
erwiesen ist, dass die ganze Deduktion von der gröbsten Unkenntniss der 
geognqdiiBchen, historischen und anthropologischen Verhältnisse strotzt, so 
▼erdient sie sicherlich keine wissenschaftliche Entgegnung mehr. 

Was mich hingegen bewogen hat, diese Arbeit zu schreiben, ist ein An- 
deres. Ich hatte vor einiger Zeit') den Nachweis geführt, dass in der Pro- 
vinz Preussen in vorhistorischer Zeit ein dolichocephales Volk gelebt habe, 
dessen Schädel den Charakter der Reihengräberschädel in prägnanter Weise 
darboten, dass aber dieses Volk ostlich von der Weichsel sich theilweise mit 
einem andern vermischt haben müsse; damals lagen mir nur 3 Schädel dieser 
Gmppe aus Westpreussen und 17 Schädel der Eönigsberger Sammlungen vor. 
Seitdem habe ich mich nicht nur durch eigene Anschauung überzeugt, dass 
meine al^mmerellischen Schädel den Eckerschen Reihengräberschädeln ganz 
gleich sind, sondern ich habe sowohl aus Westpreussen als auch aus den 
angrenzenden Theilen Pommerns, aus Neustettin, eine grössere Zahl von 
Gr&berschädeln untersuchen können, welche meine frühere Ansicht noch 
mehr zn präcisiren erlauben und in mehrfacher Beziehung eine allgemeine 
Besprechung verdienen. Einmal scheint es geboten, das nicht mehr unbeträcht- 
liche, für die Beantwortung jener Frage von den vorhistorischen Bewohnern 
der fwenssischen Ostseeprovinzen jedenfalls allein massgebende Material ganz 
olyektiT und im Zusammenhange der Wissenschaft zu weiterer Verwerthung 
za unterbreiten; dann aber wird es nur durch solche Arbeiten möglich, die 
physischen Eigenthnmlichkeiten verwandter Gruppen in verschiedenen Zeiten 
und Oegenden mit einander zu vergleichen und einen vollen Einblick in die 
reidie Verzweigung unseres Stammbaums oder vielmehr eines seiner Aeste 
zs gewinnen. 

Es setzt dieses Interesse weiter voraus, dass der objective Thatbestand, 
wddier zur Begründung der schliesslichen Resultate verwerthet worden, un- 
zwdfelhaft nnd f&r jeden Leser durchsichtig vorliegt Um aber einige feste 
Anhahspnnkte in der leicht verwirrenden Menge einzelner Schädelformen zu 
gewinnen, hielt ich es für zweckmässig, die von Ecker, His und Holder aufge- 
stellten Typen meinen Diagnosen zu Grunde zu legen, ohne den Leser damit 
priokkapiren zu wollen. Ich beabsichtige daher die einzelnen Schädelfunde 
welche dieser Arbeit zu Grunde liegen, in ihren archäologischen und anthro- 
pologischen Beziehungen genau zu beschreiben und abzubilden, so dass so- 
wohl der Archäologe als der Anatom seine eigne Diagnose machen kann; ich 
werde zwar zunächst nur diejenigen Maasse angeben, welche Ecker in sei- 



") Dritts allgemeiiie Venammlang der deatschen anthropologiBchen Gesellschaft zn Stutt- 
fsrL S. SitsiDis* 

^ Zriüelnrift fir EthiMriosie TV. 8. 45 etc. 

^ Schriften der Natarfonchenden Oesellschaft zu Danzig. 1S72. Neae Folge III, 1. 



190 Cranift Prauiea. 

Den Grania Germaniae merid. occident.') in Gebranch gtiogen, indeM sofaU 
in einer Tabelle eine Anzahl der eonet von Virchow, WeiBsbnoh, Wdebr 
nnd V. Wittich empfohlenen folgen lassen, am eine weitere Ve^iMetnog a 
ermöglichen; endlich werden wir in einem ethnologischen Theil imteniidbM, 
welche Resultate dem Verfasser aas diesem Thatbestud zo folgen 



I. ArchäoloKiach-anatomiBcher TheiL 
A. Me Henstettlner SchMelsunBlug. 

An der sSdöstlichen Grenze des pommerellischen Hochplateaas liegt voa 
Seeen und Hflgela amrin;^ die Stadt Nenstettin, deren Umgebung sich dorck 
reiche, archäologische Fundstätten ganz besonders aaszeichnet. Herr Major 
Kasicki, welcher daselbst lebt, hat das grosse Verdienst, die Gegend in diea«r 
Beziehung theilweise untersucht und die Resultate seiner Forschungen sowohl 
in einer schönen Sammlung, welche er in dem dortigen Zeughaas aufgestelh, 
als auch in mehreren Abhandlungen, die er in den „baltischen Studien" and 
den Schriften') der Naturforschenden GeselUcbaft zu Danzig pnblicirt, nieder- 
gelegt zu haben. Die folgende Skizze der Fundberichte entnehme ich dieses 
Qnellen. 

Eine Meile Ton Nenstettin entfernt liegt bei dem Dorfe Persanzig der 
jetzt abgelassene Persanzig -See, auf dessen Grande 18(i3 ein System Ton 
Pfahlbauten entdeckt und wissenschaftlich constatirt worden ist. In diesea 
Pfahlbauten selbst wurden keine Ueberreste eines menschlichen Skelette ge- 
fanden; indessen liegt { Meile davon entfernt ein Gr&berfeld, welches die 
rschiedensten B e statt ungs arten offenbar aas verschiedenen Zeiten aufweirt. 




Grania Pnunca. 191 

nit 2 Zoll langem Stiel und 3 Zoll langer Klinge, welche in einem ledernen 
Potleral eingeroatet ist, fand sich unter den Knochen. 

Unier diesen Knochen deckte ein zweites Steinpflaster abermals die Ske- 
lette zweier menschlichen Leichen zu, deren eins IV mit dem Kopf mehr 
nach Weaten, deren anderes V mit dem Kopfe mehr nach Osten gerichtet 
Lag. Auch diese Knochen befanden sich nicht in gewöhnlicher Lage, son- 
dern waren theilweise untereinander geworfen; an der linken Seite von V 
befand sich ein ganz ähnliches, nur etwas längeres dolchartiges eisernes 
Messer wie bei VL Der ganze 6 Fuss lange Raum war von einer 2 Fuss 
hohen, 1 Fuss dicken Mauer sorgfältig eingeschlossen, welche die Yermuthung 
einer bereits früher erfolgten Oefinung des Grabes ausschloss. 

Die Lagerung des Schädels VI spricht deutlich dafür, dass die Leiche in 
ToUkommen hockender^) Stellung beerdigt und dann von der Erde noch mehr 
»osaMinen gedrückt worden sei; es ist daher auch wahrscheinlich die unge- 
wöhnliche Lagerung der beiden andern Skelette auf diese Ursache zurück- 
zuführen. 

Untersuchung der Schädel. 
Nr. VI (Fig. 1) ist vollständig bis auf den Unterkiefer, das rechte Joch- 
bein nnd den rechten Oberkiefer; der Knochen ist röthlich weiss und fest, 
arcos !>aperciliares sind markirt, die Nähte feinzackig, fast noch alle vorhan- 
handen, trotzdem die Zähne bis an den Hals schräg abgenutzt. Mann von 
25—30 Jahren. 

Norma frontalis: Stirn ziemlich hoch und breit, Nasenwurzel tief ein- 
gesunken, Augenhöhlen niedrig, zwischen linken tuber front, und der 
Mittellinie eine kleine Exestose. 
Norma verticalis: Eiförmig mit vom abgebrochener Spitze. 
Norma occipitalis: Schmales, stehendes Fünfeck, mit steil abfallenden 

Seiten, auf denen ein Spitzbogen steht 
Norma temporalis: Die Profillinie ist langgestreckt, auf dem Scheitel 
Sjunm angedeutet, das Hinterhaupt pyramidenförmig angesetzt , das 
receptaculum cerebelli horizontal; geringe intermaxillare Prognathie. 
Norma basilaris: Foramen magnum oval, Jocbbogen lang und flach, 
Ghuimen klein. 

Maasse in Millim.: Verhältnisszahlen: 

A*)0röe8te Länge . . 184 Längen-Breiten-Index A:B» 73,4 

B. Orösste Breite . . 135 Längen-Höhen-Lidex A:C»- 76,6 

C. Aufrechte Höhe . . 141 Höhen-Breiten-Index B:C»104,4 

D. Länge d. Hinterhaupts 98 Grösste Länge zur Lg. 

Horizont Cirumferenz 532 des Hinterhauptes AiD«- 53,2 



9 Htrr Katicki ist der abweichenden Ansicht, dass die Knochen zuerst anderswo bef^raben 
dann tp&ler hierher gebracht worden seien; allein da sich dieselbe Lagerang sp&ter bei VII 

M ewflMint mir dieee Erklärung nicht wahrscheinlich. 
*) kh w«da später der Abkürzung wegen bei den Maassen nur diese Buchstaben gebrauchen, 
«4 iMitshi danmt« immar dis hior beigeschriebenen Bedeutoogen. 



192 Cnuiia PnuaiM. 

Der Schädel Nr. Y (Fignr 2) ist ganz voUsUundig bis koS ein ] 
eDtetaDdenes Loch im rechten Scheitelbeio. Der Knocheo ist bdlgnui, Mbr 
bröcklich, arcus superciliares nnd Moakelleisten gut entwickelt. Satant ooro- 
□aliB und sagittalis fast ganz obliterirt, Lamb^anaht geradz&hnig mit einem 
Scbattkoochen an der Spitze; Zähne stark abgennt^t Mann von 50 — 60 
Jahren. 

Die verschiedenen Normen dieses Schädels sind denen des Schldeb VI 
ganz ähnlich, nur ist die Stirn etwas mehr gewölbt, die Augenhöhlen nnd 
schmäler, das Gesicht im Ganzen ist lang ond schmal mit dentlicher farot 
intermasillaris') über dem obem Hassern Schneidezahn, das Kinn siemlielL 
spitz, der aufsteigende Ast des Unterkiefers ist breit ond hoch. Das Hintei^ 
haupt ist deutlich pyramidenförmig angesetzt, so dass die Spitze Aber der 
Spina occipitalis externa zu liegen kommt Die Norma verticalis ist annfihentd 
elliptisch. Der Gaumen ist schmal und klein, die processns mastoidei 
sind klein. 

Haasse. 

A =■ 176 A:B = 72,7 

B - 128 A:C - 79,0 

C = 139 B:C =- 108,6 

D = 101 A:D =. 57,3 

Horizontale Circumferenz= 520 
Länge | 113 

> des Geächts 
Breite | 105 

Der Schädel IV ist nur ein Fragment, bestehend aas dem ob ocoipitis, 
den anstossenden Theilen der ossa parietalia, dem linken Schläfenbein nnd 
dem Keilbeinkörper: da alle Nähte obliterirt und die Maasse zwer^iaft klön 




Oranui Pninica. 193 

wimel, TOD denen das grössere mit seinem Stiel in Holz steckt. Unter den 
Knochen befond sich eine 1 Fuss starke schwarze Erdschichte, vermischt mit 
irdenen Scherben and Knochensplittern. 

Untersuchung der SchädeL 
Nr. VlI (Figur 3) ist ohne Basis, ohne Gresicht und ohne rechtes Schlä- 
fenbein, sehr bröcklich; die Nähte noch alle vorhanden mit mehreren Schalt- 
knochen in der Lambdanaht, nicht verästelt; die arcus snperciliares undeut- 
lich, einzelne vorhandene Zähne stark abgenutzt. Mann(?) von etwa 25—30 
Jahren. 

Norma front: Stirn ziemlich hoch und breit; Nasenwurzel schmal, 

tief eingesunken, fast einen rechten Winkel mit der Stirn bildend. 
Die übrigen Normale ganz wie bei Y. 

Maasse. 
A - 181 A:B = 71,8 

B « 130 A:D = 50,8 

D = 92 
Horizontale Circnmferenzs 525 

An dem Schädel Nr. YIII fehlt eben£EJls die Basis und der Gesichtstheil, 
die arcos superciliares und die Muskelleisten sind deutlich entwickelt, die 
Nähte alle vorhanden, wenig verästelt. Mann (?) von etwa 25 Jahren. Die 
verschiedenen Normen sind ganz ähnlich wie bei Schädel VII. 

Maasse. 
A - 175 A:B = 74,6 

B = 129 A:C = 74,6(?) 

C - 129(?) B:C = 100,0 

Horizontale Cimcmferenz= 510 

3) Hieran schliesst sich ein Schädelfragment, welches in einem riesigen 
Hfigd von 180 Fuss Länge, 60^U8S Breite und 8 — 10 Fuss Höhe, dem so- 
genaanten Hünengrab, unweit von dem oben erwähnten Berge unter fol^en- 
dea Umständen aufgefunden wurde. Der Hügel war ursprünglich von vielen, 
groMon Steinen bedeckt gewesen und zeigte auch im Innern mehrere Reihen 
von Steinen, welche 2 lange Abtheilungen umgrenzten. In einer dieser Ab- 
theihagen &nd sich ausser Asche und Kohle nur ein steinerner Streitham- 
■er TOD 5 Zoll Länge, 3 Zoll Breite und 1^ Zoll Dicke mit einem einzölli- 
gen, platten und kreisrunden Schaftloch und angeschliffener Schneide und 
etwa 4 Fuss davon entfernt lagen Stücke eines menschlichen Schädels, welche 
mit A bezeichnet sind. In der zweiten Abtbeilung lag nur Kohle nebst ge- 
braaaleo und gespaltenen Röhrenknochen, die nicht mehr vorhanden sind. 

Dieses Schädelfragment A, welches offenbar ein hohes Alter hat, ist auf- 
Uhamä wdssgrau von der Farbe alten Mauerkalks und besteht aus dem mitt- 
lere& ThuSL des linken os parietale (mit stark hervortretendem tuber) und der 



194 



linken H&Ifte der Bqaama occipitis; der betreffende Schenkel der Lambdsnaht 
ist grobz&bnig, nicht verästelt. Die Norma occipitalie muB» entschieden dftcb- 
förmig gewesen sein , auch passt das Fragment genau auf die ent- 
sprechende Stelle des Schädels VIII, nur ist die ganz senkrecht abfallende 
Seitenwand höher. Maasse konnten nicht genommen werden. 

4) In der Nähe dieses Hünengrabes wurde in einem kleinen, fanden 
Grabhügel, am Abhänge des grossen Berges ein anderes Skelett IX gefunden. 
Es lag 2} Puss tief, mit dem Eopf nach Osten gerichtet und von einer Stein- 
mauer eingefasst; an seiner linken Seite befand sich ein eisernes, sehr Ter- 
roetetes Werkzeug, ähnlich einem Haarpfeil und daneben eine Bernsteinkoralle 
mit grossem Bohrloch von der Form der Spindelsteine. 



Untersuchung des Schädels. 
Der Schädel IX (Figur 4) der Sammlung ist von heller LehmEsrbe, sehr 
bröcklich, es fehlt ein Theil des rechten Scheitel- und Stirnbeins. Die arcus 
supercilialis und die Muskelaneätze sind schwach entwickelt; die coronalis snpe- 
rior obliterirt, die sagittalis schon sehr feinrandig; die Zähne stark abgenutzt, 
der EDOcben im Ganzen leicht und dflnn. Weib ron etwa 30 Jahren. 

Norma front: Stirn ziemlich hoch und schmal, Nasenwurzel breit und 

flach, Gesicht lang und schmal. 
Norma vertical.: schmal und fast ganz elliptisch. 
Norma temporal.: Gesicht ganz orthognatb, die Mittellinie steigt auf 
der Stirn in schöner Wölbung an, setzt sich dann etwas winklig 
an den Scheitel, welcher eine Sache Rundang zeigt; vom rertex an 
zeigt das Profil eine fast regelmässige Bogenlinie. 
Norma occipital.: zeigt eine schmale Figur mit hohen, steil abfallen- 
den Seiten, auf denen ein Rundbogen aufsitzt; Hinterhaupt Bach und 




GraniA PruMica. 195 



Untersuchung des Schädels. 
Der Schädel Nr. X (Fig. 5) ist sehr bröcklich und von weissüch- gelb- 
licher Farbe, ihm fehlt die Basis und fast die rechte Hälfte. Die Muskel- 
leisten kräftig entwickelt, die Nähte alle vorhanden, grobzähnig, an der Spitze 
der Lambdanaht ein Schaltknochen. Mann von 20 — 25 Jahren. 
Norma front.: Die Stirn breit, gut gewölbt. 

Norma temporal: Die ganze Profillinie gut gewölbt, Hinterhauptsan- 
satz angedeutet. 
Norma occipit: Breite Figur mit steil abfallenden Seiten, auf denen 
ein flacher Bogen steht, Receptalcuum cerebelli fast horizontal. 

Maasse. 

A - 179 A:C = 77,7 (?) 

C = 139(?) A:D = 56,9 

D = 102 
6) Ganz am Fosse des mehrfach erwähnten Berges wurde unter einem 
mnden, flachen Sandhügel ein sechstes Grab entdeckt. Unter einer Schicht 
TOD Umenscherben und Knochensplittern lagen in einer Tiefe von etwa drei 
Fosa mehrere horizontale Steinplatten, welche die Skelette I und II bedeckten. 
Unter Schädel I lag in der Gegend des linken Ohrs ein sehr verrosteter, 
eiserner Gegenstand, ähnlich einem Haarpfeil, der an dem einem Ende ge- 
spalten ist, während iswischen beiden Skeletten in der Gegend der Hüften ein 
stark verrostetes eisernes Messerchen gefunden wurde. 

Untersuchung der Schädel. 
Der Schädel I (Fig. 6) ist bis auf einige Zähne vollständig erhalten, 
sdir bröcklich und von dunkler Lehmfarbe. Die arcas supercil., tubera und 
Muskelleisten sind massig entwickelt; die Nähte noch vorhanden, nur die 
ooronalis inferior obliterirt, während die superior sehr geradlinig ist; die 
Z&hne massig abgenutzt Weib von 25 — 30 Jahren. 

Norma frontalis: Stirn hoch und breit, Nasenwurzel schmal und flach, 
Augenhöhlen gross, Gesicht lang und schmal, über dem äussern 
Schneidezahn des Oberkiefers deutlich fovea intermaxillaris, Kinn 
rundlich und schmal, der aufsteigende Ast des Unterkiefers schmal. 
Norma verticalis: Birnformig, grösste Breite im mittleren Drittel. 
Norma temporalis: Die Mittellinie steigt auf der Stirne hoch an, geht 
dann mehr winklig über in die Scheitelbeine; das Hinterhaupt bildet 
eine deutliche Ausladung, das Receptaculum cerebelli fast horizontal ; 
aof der Scheitellinie flache Eammbildung. Massige intermaxillare 
Prognathie. 
Norma occipital.: Die Seitenwände des Fünfecks sind etwas gewölbt, 

oben flach-dachförmig. 
Norma basilaris: Gaumen schmal und zierlich, Foramen magnum 
elliptisch. 



A = 178 A:B = 76,4 

B =. 136 A:C = 79,2 

C = 141 B:C = 103,6 

D = 97 A:D - 54,4 

Horizontale Circamferenz— 520 

Der Schädel II (Fig. 7) ist ebenfalls lebmfarben und sehr brScklich; 
ea febleo die rechte Schläfenachuppe und die rechte Geaichtshälfte ; aatara 
sagittalis und coronalis Tollatäadig obliterirt, die Lambdanaht noch kenntlich, 
alle Leiaten und Vorsprünj^e bereita abgebröckelt. Mensch von hSherem 
Alter. 

Norma front: Stirn schmal nnd hoch, BOtut vie bei I. 

Norma verticalis: BimfÖrmig, grösste Breite an der Grenze Ewiachen 

mittlerem und hinterem Drittel. 
Norma temporaüa: Die Profillioie steigt zuerst auf der Stirn gerade 
aaf, streckt sich dann lang anf dem Scheitel; am Hinterhanpt deat- 
licher Absatz, receptacnlnm cerebelli horizontal. 
Norma occipttalis: breit, mit abgerundeten Ecken, die Seiten bogea- 
fönnig. 

,Maaase. 

A = 171 A:B - 76,6 

B - 131 A:C = 76,0 

C - 130 B:C = 99,2 

Horizontale Circomferenz— • 520 



7) Anders verhält sich das Grab, in welchem der Sch&del III gefunden 
wurde. Unter einem randen, 3 Faas hohen Erdhfige), welcher ausser Kohle 




Ohmia Pranica. 197 

8) Auf der nördlichen Seite von NeuBtettin, ) Meile entfernt, bei Brand- 
8ch&ferei wurde das Skelett eines Menschen gefunden, welcher mitten in einem 
sehr grossen Ghrabhügel (von 24 Fass Durchmesser an der Grundfläche) mit 
dem Kopf nach Osten beerdigt war; neben dem rechten Fuss lag ein eisernes 
Beil mit einer 4^^ Zoll langen, dünn ausgearbeiteten Schneide und einem drei- 
eckigen Oehr. Die Grösse des Skeletts im Grabe konnte auf ungefähr 6 Fuss 
bestimmt werden. 

Untersuchung des Schädels. 
Der Schädel XI (Fig. 8) ist von festgetrockneter, schwarzer Erde, moorfarben, 
sehr fest, schwer und ursprünglich^) ganz vollständig erhalten. Die arcus 
saperciliares und Muskelleisten sind sehr kräftig entwickelt, die tubera parie- 
talia stark aasgebildet, der ganze Schädel zeigt mehr eckige Formen. Die 
Nähte sind noch vorhanden und ziemlich verästelt, |die sagittalis beginnt zu 
obliteriren, an der Spitze der Lambdanaht ein Schaltknochen. Die Zähne 
•lark abgenutzt Starker Mann von 30 Jahren. 

Norma frontalis: Stirn breit, aber niedrig, die arcus fast zusammen- 
fliessend, Nasenwurzel breit und tief, fovea intermaxillaris sehr tief 
aasgeprägt. Gesicht lang und schmal, Kinn rundlich, kräftig hervor- 
tretend, der aufsteigende Ast des Unterkiefers breit und niedrig. 
Norma verticalis: Annähernd elliptisch. 

Norma temporalis: Die Mittellinie steigt auf der Stirn schräg nach 
hinten, zieht sich dann lang bis zum vertex, senkt sich wieder schräg 
nach hinten zur kleinen Fontanelle, wo das Hinterhaupt einen. deut- 
lichen Absatz bildet. Starker Kamm von der Nasenwurzel bis zur 
protuberantia occipitalis externa; Jochgrube lang und flach; interma- 
xillare Prognathie. 
Norma occipitalis: Schmales, stehendes Fünfeck, deutlich dachförmig, 

mit senkrecht abfallenden Seitenwänden. 
Normabasiliaris: Gaumen kräftig, aber schmal; foramen magnum 
elliptisch. 

Maasse. 
A = 186 A:B = 72,0 

B = 134 A:C = 74,7 

C = 139 B:C = 103,7 

D = 100 A:D = 53,7 

Horisontale Circumferenz= 530 

9) Zwei Schädel Xu und XIII stammen aus einem andern Hügelgrabe 
bei Richenwalde, 4^ Meilen von Neustettin, im Schlochauer Kreise, in dessen 
Innern die Skelette zweier Menschen von Steinen umgeben lagen, bei XII 
lag ein kleiner r.erlirochener Bronzering. Die Schädel gleichen in der Norma 



*) Isl Mm Au{rtf(en ftmi ganz zerfallen und befindet sich jetzt mit IX in der Sammluni^ 
MatarfoftehMden OeteUtehaft zu Danzig. 



198 Oranift Prunk». 

occipitalis beBODders dem Schädel IX (S. 194), sind indeseen zu drfect, als 
daas ihre Msasse verwerthet werden könnten. Von Schädel XII (Fig. 9) h«be 
ich DIU- B = 134 Qnd C = 136 gemessen, also B : C = 101,4. 

10) Dagegen habe ich selbst eine neuere Gräberstätte eröffnen laaseo, 
auf welche mich Herr Professor Virchow autmerksam gemacht hatte. Eine 
halbe Meile von Neustettin liegt nämlich der sogenannte Klosterberg, auf 
welchem vom 13. bis 10. Jahrhundert ein jetzt ganz zerstörtes Kloster ge- 
standen hat. iti der Nähe der noch vorbandeneti Fundamente befindet sich 
nun der frühere E loste rkirchhof, welcher in später Zeit schon mehrmals um- 
gegraben worden ist. Ich fand dort bei der Untersuchung sehr viele Extre- 
mitäten und Rumpfknochen, aber nur einen Schädel, der mir zur Yei^leichung 
mit den altem Schädeln derselben Gegend besonders geeignet schien, da er 
jedenfalls einem Menschen gehörte, der in der Zeit vom 13. bis 16. Jahrbno- 
dert in der Nähe von Neustettin gestorben ist 

Dieser Klosterschädel (Fig. 10) befindet sich jetzt in der Sammliuig des 
Danzjger anthropologischen Museums unter der Bezeichnung H, ist yun gelb- 
brauner Farbe, sehr fest und vollständig erhalten. Die arcus superciliares 
sind stark ausgeprägt, die tubera und Muskelleisten weniger; die Nähte ver- 
ästelt, die coronalis infer. sagittal. posterior und spheno-front. sind obliterirt, 
die Zähne stark abgenutzt. Mann (?) von 40—50 Jahren. 

Norma frontalis: Stirn breit und gut gewölbt, niedrig; Nasenwurzel 
schmal und eingesunken; Augenhöhle breit und niedrig; Gesicht im 
Ganzen kurz. 

Norma verticslis: Breit, eifiSrmig, mit vorn abgerundeter Spitze. 

Norma temporalis: Stirn und Hinterhaupt vorwiegend langgestreckt, 
auf Stirn und Scheitelbein deutliche Kiimmbilduug; Hintcrhanpt bildet 
eine starke Ausladung, receptaculum cerebelli fikst ganz horizontal, 




Cnmii Pniialea. 



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zn entscheiden sein; je mehr diese drei Fak- 
tort>a in allen Fällen übereinstimmen, desto 
mehr wird die Wahrscbeinllclikeit wacliseu. 
dasB die betreffendf^n Menschen, deren Schä- 
del uns Torlief^en, einem und demselben Volks- 
stamm an(;ebört haben; wo jene drei Faktoren 
aber von einander abweichen, da ist eine Ent- 
scheidung überhaupt unmöglich oder doch nur 
in dem Falle möglich, wenn ein Faktor schon 
allein volle Beweiskraft besitzt. 

Stellen wir nun das obige Material nach 
diesem Grundsatz zusammen, so erhalten wir 
nebenstehende Tabelle. 

1) Was nun die Bestattungsart betrifil, so 
sehen wir, dass fast in allen diesen Fällen 
die gleiche Sitte geherrscht, über dem Todten 
einen Hügel aufzuschütten, bald grösser, bald 
kleiner (nur ein Grab war ein Haches); fast 
in allen Fällen wurde die eigentliche Leiche 
noch mit einer Steinmauer eingefriedigt (nur 
im zweiten Grabe waren dieselben mit Stein- 
platten bedeckt); drei Skelette YI, V und VII 
waren in solcher Lage gefunden, dass man 
nnr annehmen bann, die Leichen seien in 
huckender Stellung beerdigt worden, während 
alle übrigen Fälle, soweit der Znstand der 
Knochen dies zu beurtheilen gestattet«, eine 
Beerdigung in horizontaler Lage zeigten; da 
aber (z. B. im Falle VII und VUl) beide 
Arten der Bestattung in einem and demsel- 
ben Grabe vorkommen, so darf daraus auf 
eine Stammes Verschiedenheit durchaus nicht 
geschlossen werden, — im Ganzen ist die 
grosse Uebe rein Stimmung in der Form des 
Grabes nicht zu verkennen. Es sind eben 
alle obigen Gräber (ausser 5) Hügelgräber, 
in denen die Leichun noch besonders mit 
Steinen umgeben waren. 

2) Eine ebenso grosse Uebereiostimmung 
zeigen die Grabesbeigabe a. Sechs Mal war 
ein eisernes Messer von der Form des Sax 



200 Cnoü PnMiu. 

mit oder ohne Futteral, welches regelmäsBig in der Gegend der linken Hflfte Ug, 
beigegeben worden, ein Mal ein eisernes Beil, zwei Mal ein eisernes, haarpfeil- 
ähnliches Instrument, welches am Kopfe lag, ein Mal ein Steinluunmer 
und ein Mal ein Bronzering. Diese beiden letzten Gräber müssen wir wegen 
der zu fragmentarischen Schädel, (A und Xll), welche sie geliefert haben, 
ausser Erwägung lassen; in allen andern aber hat die gleiche Sitte geherrscht, 
den Männern eine Waffe, den Weibern einen Schmach mitzugeben nnd da 
diese Beigaben alle aas Eisen sind und die primitivsten Formen eiserner 
Waffen darstellen, so werden wir uns nicht weit von der Wahrheit eotfenien, 
wenn wir diese Gräber (2 — 8) der ältesten Eisenzeit zuschreiben. 

3) Wie verhält sich nun die Sch&delfonnP 

Lassen wir zunächst den paihologischen Schädel IV und die zu fragmen- 
tarischen Stücke A, III und XIII ausser Erwägung, so bleiben die 10 Schädel 
1, U, V, VI, Vn, VIII, IX, X, XI und XU übrig, welche trotz einer ge- 
wissen Uebereinstimmung doch bald erkennen Ussen, dass sie zwei verschie- 
denen Gruppen angehören. Während nämlich bei der Norma temporaUs die 
Protillinie bei allen lang nach hinten gestreckt erscheint, das Hinterhaupt die 
Gestalt einer mehr oder weniger deutlich abgesetzten Pyramide oder eines 
Zapfens besitzt (nur bei IX, X und XII geht die Profillinie des Scheitels 
bogenförmig in die des Hinterhaupts fort), während die Norma frontalis das 
Gesicht, wo es erhalten, lang und schmal erscheinen lässt, zeigt die Norma 
verticalis bald eine bimförmige, hinten also entschieden verbreitete (I, II, VI), 
bald mehr eine der Ellipse sich nähernde, also vom und hinten in der Breite sich 
wenig unterscheidende Figur (V, VII, Vlll, IX, XI), zeigt endlich die Norma 
occipitalis nur bei V, VI und XI ein dachförmiges Fünfeck mit wirklichen 
Ecken und steü abfallenden Seiten, dagegen bei I, 11, VII, VUI, IX, X, Xll 




Granu Prnssica. 



201 



solche Thatsache f&r Norddeutschland zwar bisher nicht erwiesen, aber aus 
suddeotschen Gräbern und zwar f^erade aus Hügelgräbern wohl bekannt. 
Ecker berichtet gerade 0? dass in den AUensbacher und Sinsheimer Hügel- 
gnib«ii sowohl die Reihengräberform, als auch die Hügelgraberform, als end- 
lich aach Zwischenfonnen aufgetreten wären. 

Holder') hat bekanntlich, auf die Untersuchung sehr vieler Schädel alter 
and DOoer Zeit gestützt, für die süddeutsche Bevölkerung zwei Kiemente auf- 
gestellt, das brachycephale ligurische und das dolichocephale germanische Ele- 
ment, in welchem letzteren er sowohl die Ecker'sche lieihengräberform (Hoh- 
bergtypus von His), als auch dessen Hügelgräberform (Siontypus von His) 
znaammenfasst. Die Karaktere, welche Holder seinem germanischen Schädel- 
typua vindicirt, besitzen nun die obigen Neustettiner Schädel ebenfalls, man 
wird sie jedenfalls einer alten delichocephalen Bevölkerung zuschreiben müssen. 

Ich stelle hier nun eine kurze Uebersicht der Maasse von Eckerts Keihen- 
griberform') and von Hölder's^) germanischem Typus aus den Reihengräbern 
zosanmen, am damit die entsprechenden Maasse der obigen Neustettiner 
Schidel besser vergleichen zu können. 



Eckerts 
Rei hengräberform . 

Maxim. iMinim.' Mittel. 



Hölder*s 

germanischer Typus 

aus' den 

Reihengräbem. 

Maxim. Minim. Mittel. 



Orosste Länge A 

(Jrosste Breite B 

Aufrechte Höhe 

Horizontale Circamferenz. 
Linge des Hinterhaupts D. 

A:B = 100: 

A:C=:100: 

B:C= 100: 

A:D= 100: 



201 I 183 



144 
145 
545 
114 



78,3 

109,2 

58,4 



129 



129 



495 



92 



74,8 , 66,6 



69,7 
95,5 
46,7 



191,0 


203 


172 


136,3 


155 


127 


140,08 


150 


125 


521,1 


567 


498 


98,7 


— 


• 


71,3 


77,2 


67,3 


74,01 




— 


103,45 




— 


51,79 


^^ 





18C 
134 
132 
525 



72,9 



*) Craida Germania meridional. occident Freiburg i. B. 1865. S. 79 und 81. 
>) Afthi? for Anthropologie. II Bd. I Hft. S. 51 etc. 
^ L. c. S. 77. 
*: L €. S. 79. 

lir likMtofl«, JalnfMf 18U. 14 



Die oben beschriebenen Nenatettiner Sch&del. 



Bezeicbnang 
des Schädels. 

A') 

B 



Horizont Circnmfer. 

» 

A:B = 100: 

Ä:C = 100: 

B:C = 100: 

A!D= 100: 



VII vm IX 



101,0 


98,0 


72,7 


73,* 


79,0 


76.6 


loe.B 


101,4 


57,3 


53,2 



98,0 
66,a(P} 

83,0 
120,7? 



lOfyfi — 

7S,0 

74,7 

103,7 

53,7 



Diese Tabellen lehren uns nnn: 

1) Dass die Neustettiner Schädel ihren Maassen nnd Verbältnisszahlen 
nach vollständig mit dem germaDisohen Typus Hülder's übereinstim* 
men, dasa sie den Verhältnisszahlen nach fast alle — nur I, V und 
IX zeigen einen höheren Längen- Höhen-Index — auch mit derEcker- 
schen Reihengr&berform zusammen treffen; 

2) Dasa dieselben sich besonders durch eine niedrige grösste L&oge A 
und relativ grosse Breite B und Höhe C gegenüber der Ecker' scheu 
Reihengräberform auszeichnen ; 

3) Dass daher der Volkestamm, welchem diese Menschen angehört haben, 
nach der Beschaffenheit des Schädels den Menschen der sQddeatschea 




Grania Prossica. 203 

Weon ich nun oben noch den Klosterschädel (S. 198.) aus dem 13. 
bis Hk Jahrhundert beschrieben habe, so war meine Absicht nur die, den- 
selben mit den alten Schädeln aus der Heidenzeit zu vergleichen. Gleich- 
Tiel aus welchem Theile Europas er eigentlich herstammt, das steht fest, dass 
er iiD Mittelalter bei Neustettin, wahrscheinlich im Kloster, gestorben ist. 
Kraniologisch bietet er sehr prägmant die Karaktere des Hinsehen Siontypus 
dar nnd würde nach der Hölder'schen Nomenklatur also dem germanischen 
Typus angehören. 

Es ergiebt nun jene Vergleichung das weitere Kesultat, dass dieser 
christliche Schädel aus dem 1'^. bis Ki. Jahrhundert viel breiter ist, sowohl 
an nnd für sich als auch im Verhältniss zur Länge und dass seine Capacität 
ebenfalls bedeutend grösser erscheint — sie betrugt 156^ C. G. — als die 
der alten Ueidenschädel aus den Hügelgräbern derselben Gegend. 



B. Die aatkropolofrlsche Sammlan^ der Natorforsehenden Gesellschaft m Danzi^. 

Dort, wo der uralisch -baltische Hugelzug allmählich zu einer Höhe von 
1021 Foss ansteigt, rings um den Thurmberg beim Dorfe Schöneborg, liegt ein 
TOD N.O. nach S.W. sich hinziehendes wald- und seenreiches Plateau, wel- 
rhes südlich sich über Neustettin hinaus nach Pommern hinein, nördlich bis 
ao^s Meer hin erstreckt Der Neustettiner Kreis grenzt hier nordöstlich an 
den Kreis Schlochau, dann folgt immer nordöstlich der Kreis Conitz, dann 
Berent) dann Carthaus, zuletzt Neustadt. Während wir nun aus allen diesen 
wesipreussischen Kreisen vielfach Urnen- und andere prähistorische Funde zuge- 
schickt erhalten, sind alte Gräber, in welchen die Leichen uu verbrannt bestattet 
worden, bisher £ast ausschliesslich in dem Kreise Carthaus entdeckt worden; 
ob diese Thatsache allein aus dem regen Interesse, welches der zeitige Land- 
radi des Carthauser Kreises für anthropologische Forschungen bethätigt, zu 
erküren ist, oder eine wirklich ethnologische Bedeutung hat, wird die 
fiMrtgesetzie Erforschung der Gegend erst lehren müssen. Bisher steht soviel 
iest^ dass wir an den verschiedensten Punkten des Kreises Carthaus, speciell 
io Krissan und Meisterwalde nach der Danziger Kreisgrenze zu, in Fitsch- 
kao nach der Berenter Kreisgrenze, in Jamen nach der Bütower Kreisgrenze 
XU alte heidnische Gräber gefunden haben, in deneu die Leichen un verbrannt 
beerdigt worden waren. 

1) Das Gräberfeld in Krissau*), von Herrn Walter Kauffmann entdockt, 
liegt auf einer ziemlich flachen Anhöhe, nahe am Fuss(^ eines westlich gele- 
genen grosseren Berges. Früher sind dort oft Urnen mit verschiedenen 
Bronzesachen gefunden worden; jetzt ist die Stätte stark mit Wachliolder- 
4rBiichem bewachsen and zeigt an mehreren Stellen — es sind im Ganzen 



') IHsMt Griberfeld ist genau beschrieben in meinen •altpommerel tischen Schädeln*' in <i(*ii 
ScIrifUn (kr NalnrfonctaMlai Qcsellschaft zu Dauzig. 1H72. Nene Folge III. 1. 



204 



CnnJs PniMiea. 



20 — sogeaannte Steinkreiee, mehr oder weniger vollkommen erhalten, in 
deren Mitte je ein Grab war. Unter einer mit Kohle vermischten Erdschicht 
und einem Pflaster von kleinen Steinen lagen hier nämlich die menschlichen 
Knochen in einer Tiefe von 3^ bis 4 Euss, Nur ein Skelett A') war toU- 
ständig, w^rend von einem zweiten R>) und D') nur gröBsere oder kleinere 
Schädeltragmente erhalten sind. Der Schädel A lag übrigens ganz auf der 
Brust zwischen den beiden Oberarmen und beide obere Extremitäten la^en 
höher als die unteren, so dass die Leiche offenbar in halb sitzender Stellung 
und zwar mit den Füssen nach Westen, mit dem Kopf nach Osten gerichtet 
beerdigt worden war. An dem linken Darmbein befand steh ein stark ver- 
rostetes, eisernes Messer und dicht am Schädel ausser vielen KohlenstQcken 
der Zahn eines Schweines, und zwar nach der Bestimmung des Herrn Pro- 
fessor V. Siebold in München „ein unterer Schneidezahn eines Schweins von 
sehr kleiner Race, vielleicht des Sumpfschweins." 

Untersuchung der Schädel. 
Der Schädel A (Fig. 11) ist von gelbbrauner Farbe, sehr leicht und an 
vielen Stellen der lamina externa beraubt; es fehlt ihm der grüsstc Theil 
der Basis und der linke Oberkiefer. Die arcus superciliares sehr hervorragend, 
die Muskelleisten stark ausgeprägt, die Zäbne bis an den Hals abgenntzt. 
Die Nähte sind undeutlidi, sagittalis posterior obliterirt. Mann von 50 Jahren. 
Norma frontalis: Stirn »chmal und niedrig, Nasenwurzel tief und breit, 
der obere Augen höhlenraud ragt über deu untern hervor, Gesicht 
schmal und lang, deutliche foven intermaxillaris. 
Norma verticalis: elliptisch. 

Norma temporalis: Die Mittellinie steigt schräg und langgestreckt 
nach hinten zum vcrtex, dann gerade noch hinten und unten zur klei- 




Crania Prussica. 205 

Stück vom Keilbein und ein Stuck vom Unterkiefer mit Zähnen. Der Knochen 
ist »ehr brücliig, ebenfalls gelbbraun, die Nahte beginnen zu obliteriren, die 
Leisten sind stark ausgeprägt, die Zähne stark abgenutzt. Mann von 30—50 
Jahren. (?) 

Die Norma frontalis zeigt starke arcus superciliares, welche über der 
tief eingesunkenen Nasenwurzel verschmelzen; der obere Kand der 
Augenhöhle wölbt sich dachförmig über, so dass das foramen supraor- 
bitale 3 Millimeter hinter dem eigentlichen Rande liegt ; Stirn schmal 
und niedrig. 
Norma verticalis: elliptisch, auch die N. temporalis und occipitalis 
ganz wie bei A. 

Maasse: 
A = 185 A:B = 70,2 

B = 130 
Horizontale Circumferenz= 520 (?) 

Das Schädelfragment D der Sammlung, welches nur aus einem Theil des 
Stirnbeins und den beiden Scheitelbeinen S)esteht, bietet zum Messen keinen 
festen Punkt Die Stirn ist niedrig und die Prolillinie lang nach hinten 
gestreckt 

2) Aehnlich verhält sich ein Schädelstuck C, welches bei Meisterswalde 
von Herrn Sanitätsrath Dr. Bereut schon im Jahre 1842 ausgegraben wurde. 
Hier lagen nämlich mitten im Walde auf einem Uügel etwa 30 bis 00 flache 
Steinkreise von verschiedenem Durchmesser; früher waren hier schon zer- 
Cdlene Urnen mit Enochenasche gefunden worden. Zufallig entdeckte ein 
Förster, dass unter diesem, etwa 3 Fuss unter der Oberfläche befindlichen 
Asckenheerde noch aufgeschüttete Erde sei und fand beim Graben etwa 4 
Fuss tief 2 Skelette, neben ihnen ein schmales, eisernes verrostetes Messer. 
Die allen Anwesenden ganz fremdartig erscheinenden Schädel wurden zer- 
schmettert und wieder verscharrt, so dass Herr Dr. Bereut nur mit Noth ein 
Schidelstück zusammen setzen konnte, welches er so beschreibt: 

,iDer Kopf ist lang und schmal, als wäre er von den Seiten zusammen- 
gedrfickt) die Stirn überaus flach, die Augenhöhlen mehr viereckig als oval." 

Das Fragment nun, welches ich aus dem Nachlass des Herrn Berent er- 
haheo, besteht aus einem grössern Stück (Stirnbein und ein Theil beider 
Scheitelbeine) und mehreren kleinen, welche alle leider zum Messen wenig 
Anhaltspunkte liefern. Indess ist das Stirnbein flach, schmal und niedrig, der 
obere Augenhöhlenrand ebeni'alls hervorragend mit der Bildung eines foramen 
saprmorbitale, die Mittellinie laug gestreckt; der Oberkiefer zeigt ebenfalls eine 
iovea intennaxillaris; die arcus und Muskelleisten sind nicht so stark ausge- 
prägt wie bei A und B. 

3) Im Herbst 1871 wurden beim Chausseebauen in der Nähe von Fitsch- 
kao 2 Skelette gefunden, welche die Arbeiter leider sehr beschädigten und dann 
zertrfimnert wieder vergruben. Es stammen daher die SchädeUragmente E und F 



206 Crania Pnigsica. 

der Sammloiig; von den andern Umständen konnte nur festgestellt werden, 
dam das Grab sich durch iiiulits von der Umgebung markirt habe. E be- 
steht aus der rechten Hälfte des Stirnbeins, dem rechten Scheitelbein, einem 
Theil des linken und dem grössten Tbei) der Hinter hau ptsschuppe, w&brend 
F nur ein kleines Stück des Stirnbeins, beide Scheitelbeine und nor den 
oberen Theil der Hinterhauptsschuppe zeigt. 

Beide Schädel sind, soweit sieb dies benrtheilen Utsst, sehr schmal, sehr 
laug und haben ganz senkrecht abfallende Seitenwände; an F ist die Aus- 
ladung des Hinterhaupts deutlich. An E allein konnten einige Maasse ge- 
nommen werdeu, und zwar: 

A = 184, Stirnbogen = 111, Scheitelbogen = 121. 

4) Das Gräberfeld in Jamen. Nachdem der Chausseebauauf aeher GKitz- 
uiuini bereits im Jahre 1871 beim Dorfe Burrotechin unmittelbar in dem jetxt 
bebauten Acker liegend, ohne jede weitere Beigabe, ein menschliches Skelett 
gefunden, von dem uns die Scbädelhaubc Q erhalten ist, stiess derselbe etwa 
1 Kleile weiter beim Durchschnitt der fortgeführten Chaussee hinter dem 
Dorfe Jamen auf 4 Skelette, von denen M, N, dicht nebeneinander, P 
etwa 4—5 Fuss davon entfernt lagen. Auch diese Gräber besassen nichts, 
. was sie äusserlicb vm dem umgebenden Acker unterschied, weder Steinkraise 
uuch eil) llflgel markirte sie, auch im Innern fand sich keine Beigabe. Da- 
gegen beweist eine starke Imprägnirung des Schädels M mit Eupfersalzen, 
das» um denselben bei der Beerdigung irgend ein Bronzescbmuck befestigt 
war und da dieser sich bei der jet/.igen Gutdeckung nicht vorfand, so ist es 
wahrscheiulich, dnss das Grab schon früher einmal geplündert worden ist 
lu weitem Umkreise um diese Grabstätte hegen nun etwa 30 grössere oder 
kleini'n' Hügel, aus Erde und Steinen aufgethürmt, von denen etwa 10 unter- 
sucht worden, indess nur unvüllständige Steinkielen mit Urnen- und Knochen 




C^rania Pnistf oa. 207 

an der kleinen Fontanelle einen Absatz, dann auf der Hinterhaupts- 
schuppe eine kleine Ausladung bildet, um zuletzt ganz horizontal zu 
verlaufen. 
Norma occipitalis: Ecken abgerundet, Seiten mehr bogenförmig. 
Interparietalbein. 

Maasse: 
A = 177 A:B = 76,3 

B = 135 A:C = 76,8 

C = 136 B : C =100,7 

D = 87 A:D = 49,1 

Horizontale Circnmferenz» 502 

Der Schädel N (Fig. 14) ist schmutzig grau, die lamina externa blättert 
ab, en fehlt das ganze Gesicht und die vordere Wand der Stirnhöhlen, Mus- 
kelleisten kräftig, die sagittalis posterior obliterirt, in der Lambdanaht zwei 
Schaltknochen. Mann von 30—50 Jahren. 

Norma verticalis: Elliptisch, der Scheitel zeigt schwache Eamm- 

bildung. 
Norma temporalis: Die Mittellinie ist erst langgestreckt bis zum 
Vertex, geht dann schräg abwärts, macht am Hinterhaupt eine starke 
Ausladung, um schliesslich horizontal zu verlaufen. 
Norma occipitalis: Stehendes Fünfeck mit geradlinig abfallenden 
Seiten und deutlichem Dach darauf. 

Maasse: 
A-188*) A^:B = 71,8 

B « 135 A : D = 57,9 

D = 109 
HiirisoiitaleCircnmferenz=r 539 (?) 

Der Schädel (Fig. 15) hat einen grossen Defekt an der rechten Seite 
oad einen kleinen hinten; es fehlt der Unterkiefer und der rechte Oberkiefer. 
Der Ejiochen ist von ähnlicher Beschaffenheit wie bei N; arcus und Muskel- 
leisten wenig entwickelt, der erhaltene linke erste Mahlzahn nicht besonders 
•bgenotst Die Nähte meistens geradlinig und bis auf die mittlere sagittalis 
noch vcNrfaanden. Junges weibliches (?) Individuum. 

Norma frontalis: Stirn ziemlich breit und hoch, Nasenwurzel schmal 
und flach. 

Norma verticalis: Eiförmig mit vom abgebrochener Spitze. 

Norma temporalis: Wie bei M. 

Norma occipitalis: Schmales Fünfeck und dachförmig. 



V«i 6m abipabroeksnen 8cliad«wand der Stiraliöhlen an f^mMsen, a|^ in Wahrheit 



Cnnift Pnudc«. 



Maasse: 

A = 166 A:B')=- 74,7 

B') = 124 A:C = 80,7 

C = 134 B:C =108,0 

D = 77 A:D = 46,3 

An dem Schädel P (Fig. 16) fehlt .nur der rechte Oberkiefer luid d«r 

Uoterkiefer, der Knochen ist gelbbraun, blättert ab, die arcns and MoaktA- 

leisten sind sehr stark entwickelt, die Nähte fein verästelt, noch nicht obli- 

terirt, Zähne wenig abgenutzt Kräftiger Mann von etwa 25 Jahren. 

Norma frontalis: Stirn schmal und niedrig, die arcna saperciliarei 

mit einander verschmoUen. Foramen infraorbitale sehr gross. 
Norma verticalis: Fast elliptisch, Scheitel dachförmig. 
Norma temporalie: Langgestreckt, auf der Stirn geht die Profillinie 

gleich schräg nach hinten, starke Ausladung des üinterhaupts. 
Norma occipitalis: Stehendes Fänfeck, oben dacbfSrmig, die Seiten 
gerade abfallend. 

Maasse: 
A = 194 A:B = 69,1 

B = 134 .A:C = 76,3 

C = 148 'B:C =110,4 

D - 101» A : D = 56,7 

Horizontale Cironmferenz= 532 

Von dem Schädel Q (Fig. 17), welcher zuerst gefunden worden, ist 
nur die Calvaria und auch defekt vorhandeo. Der Knochen ist graubraun, 
sehr fest, die Muskelleisten sehr stark ausgeprägt, die Spina occipitalis externa 
I Centimeter hoch, alle Nähte vorbanden, tubera sehr undeutlich. Mann von 
25 — 30 Jahren. 




Grania Prussica. 209 

eines Hügels 9 Fass tief nnter der Oberfläche, auf welcher noch jetzt viele 
Moscheln des Dilavialmeeres vorkommen, eine menschliche Schädelhaube und 
nicht weit davon 2 menschliche Oberschenkelknochen. Obwohl nun nach 
einer Mittheilnng des Professor Berendt in Königsberg die Schichten dieses 
Hügels sammt den marinen Muscheln nicht mehr in der ursprünglichen La- 
gerang sich beüanden, also auf eine Zusammengehörigkeit der oben erwähnten 
Funde darchaas nicht geschlossen werden darf, so interessirt uns doch der 
Schädel S (Fig. 18) ausserordentlich, weil er zu den dolichocephalsten gehört, 
welche in der Provinz gefunden sind. 

Von den Kopfknochen sind nur vorhanden und zusammenhängend: das 
Stirnbein (rechts unten defekt), beide Scheitelbeine (das rechte defekt) und 
die squama occipitis bis zur spina entema; sie sind sehr dünn, bräunlich, sehr 
mürbe; die lamina externa vielfach abgeblättert; die Nähte feinrandig, noch 
alle vorhanden, doch beginnt die Sagittalis und obere Lambdanaht zu ob,lite- 
rifen; die arcus saperciliares stark entwickelt, auf dem Scheitel Kammbildung. 
Mann von 25 — 30 Jahren. 

Norma temporal! s: Die Profillinie steigt auf der niedrigen Stirne 
schräg an, streckt sich dann lang über den Scheitel nach hinten und 
geht schräg nach abwärts bis zur grössten Hervorragung des Hinter- 
hauptes. 

Norma verticalis: Elliptisch. 

Norma occipitalis: Oben dachförmig mit steil abfallenden Seiten. 

I|^aasse: 

A - 190 A : B = 70,5 

B = 134 
Der linke Oberschenkel ist fast ganz, von dem rechten ist nur die 
Diai^yse erhalten; beide Knochen sind ebenfalls dünn, mürbe, bräunlich, 
gMUB wie die Schädelknochen. Die Entfernung vom Ansatz des caput femoris 
an den Hab bis zu dem untersten Punkte des condylus internus beträgt 420 
IfaflL, die Dicke des femur in der Mitte 90 Mm., an beiden Knochen ist die 
linea mspera sehr stark entwickelt, wie bei den Oberschenkeln der Krissauer 
Skelette.') 

Wenn wir uns nun über die innere Zusammengehörigkeit dieser Gruppe 
von Gr&berschädeln aussprechen sollen, so müssen wir in archäologischer 
Besiehang zunächst die Gräber von Fitschkau und Jamen ausser Acht lassen, 
weil dieselben auf beackertem Boden gefunden, wo höchst wahrscheinlich, 
alles was das Grab auszeichnete, schon seit lange durch den Pflug zerstört 
worden« Auch der Schädel S ist wahrscheinlich an seine Fundstatte nur 
Ungeschwemmt worden. Es bleiben daher nur übrig die beiden Gräberstatten 
ton Krissau und Meisters walde, welche in archäologischer Beziehung die 
gröMte Uebereinstünmung zeigen. Dieselben flachen Gräber mit Steinsetzun- 



*) 8. Bekrift dsr Natorfonchenden Gesellsch. zu Danzig. Neue Fol|i[e III. 1. 



210 



Crania Pnmica. 



gen, bei beiden waren Aber dem eigentlichen Grabe des unrertumimt beei^ 
difften MeDscben Urnen mit Knochenasche gefonden, in beiden lag znerst 
eine Schicht Kohle und darunter erat das Skelett mit einem eiserenen Messer 
an der Seite. 

Für die BestimmoDg der Zeit, aas welcher diese Gräber herstammen, ist 
es wichtig, hervorzuheben, dass Aber diesen Skeletten offenbar in späterer 
Zeit auch eine Beerdigung von Urnen mit der Asche verbrannter Leichen 
BtAttgefonden hat. Diese letzte Sitte des Leichenbrandes herrschte aber bei 
den Bewohnern dieser Gegend allgemein, als das Christenthum eingeflilirt 
wurde; es rühren also die obigen Skelettreste wahrscheinlich von einer Be- 
völkerung her, welche frAher hier gewohnt hatte und ihre Leichen nicht rer- 
braonte, wenigstens nicht immer. Auch die eisernen Messerchen, welche in 
Krissau und Meisterswalde an der Seite der Skelette gefunden worden, zeigen 
auf dieselbe Sitte hin und wahrscheinlich aof dieselbe Zeit, in welcher noch 
ein so kleines eisernes Instrument als kostbare Waffe dem Manne in das 
Grab mitgegeben wurde, doch wohl die älteste Eisenzeit, wie sie in den 
Hfigelgrübem von Neostettin vertreten ist. 

Wenn nun auch die archäologischen Beziehungen uns Aber die übrigen 
Schädel leider keinen weitem Aufschluss geben, so sind glAcklidter Weise 
die Resultate der kraniologischen Untersuchung so evident, dass die Znsam- 
mengehörigkeit derselben mit den Krissaner Schädeln nicht zweifelhaft sein 
kann. Denn sehen wir vou den zu fn^montarischen Schädeln C, D, E, F 
und O ab, so bleiben die weiteren Schädel A, B, M, N, P, Q und ä, welche 
ihren Maussen and ihrer ganzen Beschaffenlieit nach eine so grosse Verwandt- 
schaft mit einander und mit der Reihengräberform Hölder's, ja ausser dem 
weiblichem Schädel M auch mit der Keihengräberform Ecker's zeigen, dass 
man sie wohl nicht anders als einem gleich schädligen Volke wird zuschreiben 




Gruiia 



211 



Ich stelle hier abermals die Maasse der oben besprochenen Schädel der 
Danziger Sammlnng^) abersichtlich zusammen, am sie besser mit denen der 
EIcker' sehen and llölder'schen Keihengruberform vergleichen zu können. 



Ecker's 
Reihengräberform. 



Maxim. Hinim.l Mittel. 



Holderes 
gfermanischer Typus 
ans den 
Reihenfi^beni. 



Maxim. Minim. 



Mittel. 



Grösste Länge A 
Grüsste Breite B 
Aufrechte Höhe C 



Horizontale Circumferenz . 
Capacit nach His Hohbergt 
Länge des Hinterhaupts D 
A : B = 100 



A : C = 100 
B : C = 100 
A:D = lOU 



201 


183 


144 


129 


145 


129 


545 


495 


1520 

C C. 

114 


i;i00 

C C. 

92 


74,8 


66,6 


78,3 


69,7 


109,2 


90.5 


58,4 


46,7 



191,0 

136,3 

140,08 

521,1 

1437 

C C. 

987 

71,3 

74,01 

ioa,4.> 

51,79 



203 
156 
UO 
5i;7 



77,2 



172 
127 
125 

498 



67,3 



186 
134 
132 
525 



72,9 



Die eben beschriebenen Schädel der Danziger Sammlung. 



Beieichnung des 
Schädels. 


A 


B 


M 


N 




1 


P 


Q 


S 


A 


190 
133 
144 
528 


185 
130 

520 


177 
135 
136 
502 


188 
135 

539 


166 
124 
134 


194 
134 
148 
532 


185 
136 


190 


B 


134 


C 




Horizontale Circumferenz 


— 


Capsdtät 


1310 


— 


— 


1400 


— 


1458 




— 


D 


97 
70,0 


70,2 


87 
76,3 


109 

71,8 


77 
74,7 


109 
69,1 


73,5 




A:B = 100: 


70,5 


A:C - 100: 


75,8 


— 


76,8 




80,7 


7r.,3 


— 


— 


B:C = 100: 


108,3 


— 


100,7 


— 


108,0 


110,4 


— 


— 


A:D = 100: 


51,06 




49,1 


57,9 


46,3 


56,7 


— 


— 



Zwei Schädel K und L dieser Sammlung besprechen wir besser später nach den Schädeln 
SammloDg. S. 216. 



Cranift Pniaaic&. 



Diese Tabelle lehrt uns: 

1) Dass abgesehen von dem noch jagend liehen Schädel O alle äbrigeo 
Schädel A, 6, M, N, P, Q, S nach allen MaaeBen and VerhälUiise- 
zahlen mit dem germanischen Typus Hülder's abereinstimmeu , dass 
sie ausser dem weiblichen Schädel M aber auch mit der Ecker'schen 
Keihengräberform vollständig zusammentreffen. 

2) Dass der exquisit dolichocephale P durch seine Höhe C allein das 
Majimnm der Ecker'schen Keihengräberform noch um ein^Geringes 
übertrifft. 

3) Dass daher die Menschen, welchen diese Schädel einst gehört haben, 
mit dem Volke der süddeutschen Reihengräber ganz gleichschädUg 
gewesen seien. 

C. Die Sammlnumn der (IribersoUdel in KSnlfsberg. 

Sowohl die Anatomie als die «Physikalisch - ökonomische Geaellachaft" 
zu Königsberg besitzen eine Reihe von Gräberschädeln, welche grösstenlbeils 
aus OstpreuBsen herstammen und von Herrn v. Wittich in den Schriften der 
physik. -ökonomischen Gesellschaft') näher beschrieben sind. Auf diese letzte- 
ren muss ich jeden verweisen, der meine Angaben über den Thatbestand, welche 
ich denselben entlehnt, weiter verfolgen will; ich muss mich hier begnügen, 
zur Begründung meiner von jenem Forscher etwas abweichenden Ansicht aus 
dessen Arbeiten einen Auszug zu geben, so weit dies eben erforderlich ist 

1} Auf dem linken Memelufer, nahe bei Tilsit, auf dem Gute Baigarden, 
wurden beim Abtra^ren eines schon lange beackerten Hügels 8 menschliche 
Skelette und 2 Pferdegerippe entdeckt, „Diese lagen paarweise geordnet in 
der Richtung von Norden nach Süden, die Pferdeknochen zwischen den 
menschlichen." Ausserdem wurden noch daneben gefunden: 5 Bemsteinko- 
. kk'im; liru.-lM.liii;ill.'H imcIi All <W mmJM'lirn j'tlieln. 




Crania Pnissica. 213 

A die*gro88te Lange = 196 A:pp =^ 63,3 

pp die Interparietalbreite = 124 
Um nun einen Anhalt für die Vergleichuug zu gewinnen, gebe ich hierzu 
die entsprechenden Zahlen für die Ecker'sche Keihengräberform: 

Maximum: Mittel: Minimum: 

A = 201 191,0 183 

pp = 139 130 121 

A:pp =- 72,3 68,1 62,7 

(Ebringen 1) (Ulm 83) 

V. Wittich erklärte im Jahre 1861 diese beiden Schüidel, welche ihn ihrer 
auftillenden Lange und Schmalheit wegen besonders interessirten, für Gelten- 
«chiulel. Sehen wir hier noch einstweilen von der ethnologischen Frage ab, 
so tst 68 nach dem Obigen keinem Zweifel unterworfen, dass dieser Balgarder 
Schädel kraniologisch zu der Keihengräberform gerechnet werden muss. 

2) In der Nähe von Deutsch -Eilau wurden im Jahre 1861 beim Abtra- 
gen eines am Seeufer sich hinziehenden Sandhügels 6 Skelette aufgedeckt, 
welche von Westen (Kopf) nach Osten horizontal und in regelmässigen Ab- 
standen von einander gelagert waren. In der Nähe des einen wurden 8 etwa 

3 Zoll lange, an einem Ende durchbohrte Pferdezähne gefunden und an der- 
selben Stelle auch schon früher eine alte Münze. Nicht weit von dieser 
Grabstätte wurde ein rohes Mauerwerk aus Feldsteinen von 6 Zoll Höhe und 

4 Fu88 Durchmesser mit Kohlenspuren aufgedeckt. Die Knochen gehörten 
znm Theil Kindern, zum Theil Erwachsenen an, von den letzteren hat 
V. Wittich 2 ziemlich vollständige Schädelhauben erhalten, die sich nun in 
der Sammlung der Anatomie befinden und von dem höchsten Interesse sind. 
Während nämlich der eine Schädel') „von oben angesehen fast kuglig er- 
scheinti überhaupt ein ganz exquisiter Brachycephale, also muthmasslich sla- 
viseher Abkunft ist^, ist der andere „wie der Balgarder lang, schmal, niedrig 
mit flach ansteigender Stirn und ebenso allmählich sich abdachenden Hinter- 
haapt nnd erscheint von oben betrachtet annähernd elliptisch;" also vollkom- 
men wie jener eben beschriebene Balgarder Schädel. 

Die folgenden Maasse bestätigen dies: 

I. IL 

A = 183 197 

pp = 153 130 

A:pp = 83,6 66,0 

Es kann daher nicht zweifelhaft sein, dass es sich hier um ein Grab der 
heidnischen Bewohner Preussens handelt, in welchem ein Mensch vom Keihen- 
gnbertypns mit einem solchen vom brachycephalen Typus in demselben Fa- 
niliengrabe — denn darauf weisen doch die vielen Kinderskelette hin — beer- 
digt worden ist. 



*) L. c. III. S. 90 und 91. 



2U 



Omiia Pniuln. 



3) Das Girab bei Fürstenwalde, in der Nähe von EönigsKei^. Hier eties« 
man beim Abtragen des ecbwacb hügeligen Bodens in einer Tiefe von etwa 
21 Fuss auf Menschen- und Pferdeskelette, welche in Abständen vonlOFuss 
regelmässig abwechselten, jedes von kleinen Steinen umlieft Dabei &nden 
sich eiserne Steigbügel, Zaumgebiase, Messer, Lanzenspitzen, Sporen, femer 
broncene Schnallen, Armbänder, Ilalsringe und Fibeln, die sich durch eine 
grosse Einfachheit auszeichnen. Von den Skeletten dieses Grabes nun hat 
V. Wittich 2 vollständige und I mehr defekten Schädel untersacht und be- 
achrieben. Der eine'), „ein scharf ausgesprochener Langkopf, karakterisirt 
sich weiter durch die sehr wenig mu-kirten tubera fi-ontalia und parietalia, 
seine allmählich über die stark entwickelten Supraciliarbogen ansteigende and 
ebenso allmählich nach hinten zu abfallende Schädel w&lbang, während bw 
den beiden andern die Stirn steil ansteigt, die Scheitelbeine auf der H&Uke 
ihrer Länge ebenso steil and flach abätUeo. Bietet der erstere 111 von oben 
gesehen bei relativ geringer Scheitelbreite ein längliches Oval, so erscheiaen 
uns die beiden letzteren I and II als viel kürzere, nach hinten zu breite 
Ovale. Von dem Occiput aus betrachtet couvergiren bei I und 11 die Schä- 
deiwanduDgeo von den Seilenhöckern an nach unten, während sie bei III ziem- 
lich parallel bis zu den proc. mastoidei herabsteigen." 

Obwohl nun diese Schädel aus einem Grabe herstammen, so entfernen 
sich ihre Breiten indices doch ausserordentlich von einander, freilich nicht so 
ausserordentlich wie die beiden Schädel aus dem Deutsch-Eilauer Grabe. Es 
beträgt nämlich: 

m. 1. II. 

A - 185 179 176 

pp- 136 142 141 

Ä:pp= 73,5 78,7 80,1 

Allerdings ist der Scliüdel 111 noch eis Lungschädel, aber sein Breiten- 




Orania Fnurica. 



315 



schreibeii, da dies von ▼. Wittich ja in den obigen Schriften geschehen ist. 
Eis genüge f&r ansern Zweck dieselbe hier nach dem von Wittich'scben Ho- 
rizontalindex zusammen zu stellen and auf die übrigen Maasse in der Tal)elle 
zu Yerweisen. 




I I I 
Rossi- Supp- 



II 
Alt- 



III p 



Alt- I 



ter. 



preus- preus- 
lieter. sischer.'sischer. 



rews- 
sisch- 
Ei lau. 



Elbin-i "«'"-' " OilR.-..- 
^onl>ei- Kossi- 



jrer. 



1er. 



ter. 



burfj^er. 



A - 

PP " 
A:pp= 



194 
130 
67,0 



170 j 190 ! 171 



115 

67,6 



130 1 19 
68,4 69,5 



190 
135 
71,0 



182 


175 


190 


130 


128 


140 


71,4 


73,2 


73,7 



176 



130 



180 I 172 



135 



73,8 75,0 



132 



76,7 



Dagegen müssen wir hier die beiden Schädel K und L aus der Danziger 
Sammlung noch n&her beschreiben, weil über dieselben noch nichts veröffent- 
licht ist. 

4) Das Gräberfeld in Liebenthal. In der Nähe von Marienburg liegt 
das Gut Liebenthal mit sehr coupirtem Terrain, welches nach Norden zu steil 
in die Niederung abfallt und von kleinen Wasserläufen, die in die alte Nogat 
Bünden, durchschnitten ist. An dem Ausgange dieser Thäler befinden sich 
nim einzelne Bergkuppen, auf denen schon früher Steinkistengräber mit Ur- 
nen, darunter die berühmte Gesichtsurne, welche Herr Marschall unter dem 
Namen Liebenthaler Gesichtsume beschrieben hat, entdeckt wurden; im Jahre 
1872 nun wurden beim Bestellen des Ackers auf einem solchen Hügel 2 voll- 
stiDdige Skelette H Fuss tief im Lehm gefunden, deren Schädel E und L in 
der Danziger Sammlung aufbewahrt werden. Die Arbeiter geben an, dass 
die Oberschenkelknochen länger als die ihrigen gewesen seien, doch ist davon 
niclits eriialten. Nach der Beschreibung waren die Gräber flach ohne Stein- 
•etzongen und enthielten als Beigaben: 1) eine grössere und eine kleinere 
Lanxenspitze aus Knochen; 2) einen spitzen Gegenstand aus Knochen; 8) ein 
■dnubenformiges Gewinde aus Bronce, vielleicht von einem Halsschmuck; 
4) zwei Fibeln von Bronce, von denen nur eine erhalten ist (Figur 2'ö) und 
dieselbe Form zeigt, wie die aus den Gräbern bei Furstenwalde und denen 
der LiYen; 5) ein aus Holz und Eisen bestehender langer Gegenstand, wel- 
cher beim Aufnehmen zerfiel, wahrscheinlich eine Lanze. Die ad 1 — 3 g<>- 
naoDten Gegenstände befinden sich im Besito des Herrn Dr. Marschall in 
Marienburg, die Fibel wird in der Danziger Sammlung aufbewahrt. 

Untersuchung der Schädel. 

An dem Schädel K (Figur 20) fehlt das Siebbein und der Boden der 
hnken Augenhöhle, d(T Knochen ist schwer, theil weise glatt und weiss wie 
Kalk, die amina externa blättert leicht ab. Die Nähte sind grobzähnig, die 
■agittaKo poaterior und die coronaria infer. beginnen zu obliteriren, in der 



216 



Onml» Pnusics. 



Lambdanaht viele SchaltknocbeD. Areas und MuBkelleisten sehr Btai^ anage- 
|)i-ügt, die Zühae wenig abgenutzt Mann von 25—30 Jahren. 

Norma frontalis: Stirn niedrig, breit; arcas fast zusammenfliflsaend; 

Nasenwurzel tief eingesunken, Backenknochen vorstehend; der obere 

Augen höhlen ran d überragt sehr den untern, das foramen infraorbitale 

sehr gross. 
Norma verticalis: Breit eiförmig a)>er vom ganz abgestutzt, der Scheitel 

hoch dachförmig ansteigend, auf der sogittalis anterior Andentang 

vom Kamm. 
Norma temporalis: Die Pro611inie steigt auf der SUm fiach ao, Ikoft 

auf dem Scheitel fast horizontal weiter, senkt sich dann 'steil aar 

kleinen Fontanelle, wo das Hinterhaupt sich mit einer denttichen 



Ausladung ansetzt, 
ringe Prognathie. 
Norma occipitalis: 
dachförmig. 



1 zuletzt horizontal nach vorn zu laufen. Ge- 



Breites Fünfeck mit abgerundeten Ecken, oben 



B = 

C = 
D = 

Horizontale Circumferenz= 



A : B = 74,9 

A : C = 79,1 . 

B : C -- 105,7 

A : D = 49,7 



530 



Der Schädel L (Figur 21) is sowohl im Allgemeinen als auch in den 
einzelnen Normen dem Scht'ulel K ausserordentlich ähnlidi, ich gebe daher 
nur die Unterschiede an. Die Obliteration der Nähte ist weiter vorgeschrit^ 
teo, es ist nur noch die Lambdanalit und die parieto - mastoidea offen, die 
Zähne mehr abgeschliffen. Mann von 30 ~5ö Jahren. 




Crania Prussica. 217 

eine auMerordentliche Aehnlichkeit mit jenen hat, welche Hensche aus den 
Gr&bem bei Fürstenwalde und Bahr aus denen der Liven bei Aschenrade be- 
schrieben hat; diese letzten Grraberfelder rühren aber aus ^einer relativ neuen 
Zeit her, nftmlich aas dem 11. und 12. Jahrhundert nach Chr. Geb. und wir 
h&tteo demnach auch das Liebenthaler Grab nicht viel weiter zurückzusetzen. 
Was aber den kraniologischen Earakter der beiden Schädel K und L angeht, 
so haben dieselben sowohl in ihrer Form als auch in ihren Maassen eine 
aosserordentliche Verwandtschaft mit jenem Typus, den His Siontypus, Ecker 
die HOgelgräberform und Holder die breitere germanische Form nannte, ohne 
dass damit eine ethnologische Bezeichnung ausgedruckt werden soll. Auch 
die Capacität derselben stimmt mit diesen Typus gut zusammen. 



. 


SioiL 


K. 


L. 


Maximum. 


1800 


■ 




Mittel. 
Minimum. 


1588 
1450 


1540 


1555 



Vergleichen wir dieselben aber speciell mit den andern östlich von der 
Weichsel gefundenen Schädeln, so zeigen sie die meiste Verwandtschaft mit 
dem III. Fürstenwalder und stellen, wie dieser, eine Mittelform zwischen den 
beiden Extremen des Deutsch-Eilauer Grabes dar, welche sich indess mehr 
der dolichocephalen als der entgegengesetzten Grenze nähert. 



Zorn Schloss geben wir nach v. Wittich's') Beschreibung einen kurzen 
Beriefat über den Briesener Schädel der Eönigsberger Sammlung, einmal weil 
ich ui Stande hin, hier eine Abbildung desselben hinzuzufügen, die jener 
B esd br ei bnng fehlt und dann um das Material für den 2. Theil dem Leser im 
Zsaawnenhange vorzufahren. 

Bei dem Chauss^ebau nach Bahnhof Briesen stiess man 1^ Meter tief 
saf 2 menschliche Skelette, welche von kleinen Feldsteinen eingefasst waren; 
tv Rechten des einen Gerippes lag ein 11 Centimeter langes und 2 Centm. 
bratas spitzes Messer aus schwarzem Feuerstein von roher Arbeit. Ein 
Sdülidel konnte nur gerettet werden und gelangte nach Königsberg in die 
»SsMlmtg der physik.- ökonomischen Gesellschaft; v. Wittich hat denselben 
fcaaa beschrieben aber nicht abgebildet, unsere Abbildung ist nach einer 
Photographie gemacht, welche Herr Scharlock in Graudenz von dem Schädel 
besorgt haty bevor er nach Königsberg geschickt wurde. 

Der Schädel (Figor 22) ist gut erhalten, die Nähte sind fast ganz ossifi- 
riiti die Zihne sehr abgenutzt, die Scheitelansicht ist oval, der ganze Schädel 
▼• Wittich giebt unter anderen folgende Maasse an : 




dar phjBik.-äkonomiicben Qesellschaft. XIII. S. 155. 

'w ttfc— itgit, Jakiguf 1S74. 15 



A = 162 
pp " 130,5 
A:pp = 80,5 
und fährt daoD fort: „Vergleicht man seine relativen Maoese mit jenen dtt n 
der Copenhager Sammlung von Virchow besUmmten, so entspricht sein Breiten- 
index (806) dem der Finnen (803), sein Höheniodex (790) am meistea nocb 
dem der Steinzeitschädel (779), wie er sich auch hinaichts seines Verb&ltoiMei 
zwischen Höhe und Breite (101,9) entschieden der letzten Schidelgrnppe 
(100,7) nähert." Nach einer Verwahrung gegen eine Bestimmung deeSohidal- 
typus der preassiachcn Steinzeitmen sehen aus diesem einem Schädel, fiUirt er 
fort: „wohl finden sich unter den Steinzeitschädeln einzelne, deren relatiTe 
Maasse fast vollkommen denen des vorliegenden entsprechen, so zeigt ba- 
spielsweise in Virchow's Tab. I der unter Nr. 16 ausgeführte Schädel: 

Breitenindex = 81 ' ) 

Höhenindez = 79,6 

Höhe zur Breite = 102,1 



n. EthnologiBoher Theil. 

■So viel auch seit Retzius über k ran iologi sehe Messungen geschrieben 
worden, so viel verschiedene Messungssysteme auch nocb aufgestellt werden 
mögen, ein Verhältniss wird stete allen weiteren Betrachtungen zu Grunde 
gelegt werden müssen, weil es den ersten Eindruck am genausten ausspricht, 
das Verhältniss der grüssten Länge zur grössten Breite. Wo man die einzel- 
nen Abtheilungen machen will, scheint mir ganz konventionell zu sein, der 
Index genügt ja zur Verstäadigung. Ordnen wir nun die oben beschriebenen 




Crania Prustiea. 



219 



In diese Reihe können aber die von v. Wittich beschriebenen Eönigs- 
berger Sch&del nicht gebracht werden, weil derselbe den Index nach der 
Eotfemang der beiden Scheitelhöcker von einander berechnet. Es erscheint 
deshalb zweckm&ssig, alle Schädel nochmals nach dem Wittich'schen Hori- 
sontalindex za ordnen und dann erhalten wir folgende vollständige Reihe: 






1. Baigarden . 

2. P. ... 



3. M. 



4. N. 

5. IX 

6. VII 

7. Deatsch-Eilaa U. 

8. A. 

9. VI 



10. II. Altpreossischer 

11. Q 

12. Sappliether II. . . 

13. B 

14. X 

13. Rossitter I . . . 

16. VIII 

17. K. 

18. Sappliether I. . . 

19. XI 

20. S. 

21. m. Altpreussischer 

22. V 



63,2 

64,4. 

65,0 

65,4 

65,5 

fi5,7 

66,0 

66,3 

66,8 

67,0 

67,6 

<)7,6 

68,1 

68,-2 

68,4 

69,1 

69,5 

69,5 

70,4 

70,5 

71,0 

71,0 



l 23. 

24. 

25. 

26. 

27. 

28. 

29. 

30. 

31. 

32. 
,33. 

34. 

35. 

36. 

37. 

38. 



II mit einen Index von 71,3 

I. Altpreussischer . 71,4 

H 71,9 

1 72,5 

Preussisch-Eilau . 73,2 

III. Fürstenwalder . 73,5 

Elbinger .... 73,7 

Heiligenbeiler . . 73,8 

L 74,2 

74,7 

Rossitter II. . .* . 75,0 

Gilgenbarg. . . . 76,7 

I. Fürstenwalder . 78,7 

n. Fürstenwalder . 80,1 

Briesen 80,5 

Deutsch-Eilau I. . 83,6 



Wenngleich die Ordnung der Schädel in der 2. Reihe etwas anders ge- 
Ut, als in der ersten, weil eben die Scheitelbreite nicht mit der gröss- 

Bnite ab- und zunimmt, so bietet eine Vergleichung beider Reihen immer- 
hin einen Anhalt ffir die Beurtheilung der Künigsberger Schädel nach ihrem 
wahren Breitenindex. - 

Hneb Welcker's') Tabelle würden in der ersten Reihe die 7 ersten 
Sehldel reine Dolichocephalen, 8 — 1 1 Subdolichocephulen und 12— 19 Orthoce- 
plielni fein. Will man hiemach die 2. Keihe ordnen, so empfiehlt es sich 
dw Dolicliocephalen and Subdolichocephulen zusammen zu fassen, wie ja 

von andern Autoren (v. Jhering, Weissbach) auch geschehen, weil eben 

T. Wittich'ache Index ohnedies subtilere Vergleiche mit der Weicker'schen 
Tabelle aoMcUiesst und wir hätten dann die ersten 22 Schädel (mit Aus- 
Ton 3, 16 and 17, welche ja nach der ersten richtigeren Reihenfolge 



*) AitUv iir Antkropologto. I. S. 135. 



16' 



880 



Cnmlft PniMicA. 



orthocephal sind) zu deo Dolichocepbaleo , dann die eben genannten 3 und 
Nr. 23 — '62 zu den Orthocephalen und Nr. 33 — 38 zu den Bnuihycephalen 
zu rechnen. 

Schon dieses ebfachc Ergebniss, dass von 38 Gräbersch&dehn der aord- 
östlicben preussischen Provinzen 19 Dolichocephale «ind, wie sie Leute in 
ganz Deutschland so schmal kaum vorkommen dQrften, ist von grossem ethno- 
higischen Interesse. Aber noch mehr. Virchow hat bekanntlich in den Ver- 
handlungen der Berliner anthropologischen Gesellschaft vom 10. Februar 1872 
eine Reihe von Gräberschädeln de» nordöstlichen Deutschlands beschrieben 
und dort unter 12 nur 3 Dolichocephale, 5 Orthocephale und 4 Brachycephale 
gefunden; von jenen 3 Dolichocephalen stammen 2 ebenfalls aus dem öst- 
lichen Deutschland'), aus der Gegend von Schwerin in der Provinz Posen, 
her. Es ist also wohl zu konatatireD, dass in dem nordöstlichen Preussen 
auffallend viele dolichocephale Gräbersch&del gefunden worden sind. Aus 
jener Virchow'schen Untersuchung in demselben Sitzungsbericht will ich nur 
noch einen Punkt hervorheben. Von dem einen der vorgelegten Schädel, 
dem von Pakosz bei Jankowo, welcher einen Breitenindex von 75, Höhen- 
indez von 77,6 bat, sagt dieser Forscher: „ein solcher Schädel gehört jetzt 
bei uns zu den allergrössten Seltenheiten; ich wüsste nicht, dass noch irgend 
ein Bruchtheil unserer Bevölkerung Langachädel von solcher Hegclmässig- 
keit besässe, " 

Wenn dem aber so ist — und wer wäre durch seine Forschungen zu 
einem solchen Ausspruch berechtigter als Virchow? — so müssen wir uns 
fragen, welchen andern Völkern, die heute noch leben, können jene Menschen 
angehört haben, die in den Gräbern der preussischen Ostseeprovinzen so 
zahlreich vertreten sind? Ich weiss zwar sehr gut, dass wir nach dem Breiten- 
index allein Himmermebr eine positive etJtnologische Di^nose machen können; 




Graoia PnuBica. 221 

Schwerter, dass sie in einer relativ neuen Zeit hier gelebt haben. Denn mag 
man den Beginn der Eisenzeit tür die Ostseeküste noch so früh ansetzen, 
früher als um die Zeit von Christi Geburt dürfte es wohl Keinem in den 
Sinn kommen. Was lehren nun aber unsere ältesten historischen Quellen 
über diese Gegenden und ihre Bewohner? 

Dunkel, aber doch bestimmt genug erwähnen unsere ältesten Nachrichten, 
welche Caspar Zeuss in seinem Werke „die Deutschen und die Nachbar- 
stamme** znsammengestellt, dass germanische Stämme^) „einst die ganze Süd- 
küste der Ostsee von der Trave bis zur Memel inne hatten^ und wahrschein- 
lich nahe zu gleicher Zeit an die römischen Grenzen vorgedrungen waren 
und zwar wohnten in dem heutigen Pommern die Ruger, dann in dem heu- 
tigen Westpreussen westlich von der Mündung der Weichsel die Turcilinger, 
weiter auf dem rechten Weichselufer die Sciren und dann weiter in dem heu- 
tigen Ostpreussen bis an die Memel die Gothen.*). Um die 2. Hälfte des 
2. Jahrhunderts etwa brachen zuerst die Gothen gegen Süden auf und ihnen 
folgten nach und nach die Sciren, Turcilinger und Ruger, während andere 
Völker die von ihnen verlassenen Wohnsitze einnahmen, so die Pruzzen oder 
Aistier oder Preussen, ein lettisches Volk das Gebiet der Gothen und Sciren, 
die Pomoraneu, ein wendisches Volk, das Gebiet der Ruger und Turcilinger; 
die Pruzzen nun haben ihre Nationalität zwischen Weichsel, Memel und Dre- 
wenz bis zu ihrer Bekehrung und Unterwerfung durch den deutschen Orden 
im An£Emg unseres Jahrtausends tapfer vertbeidigt, die Pomoranen') dagegen 
haben sich allmählich germanisirt und nur ein kleiner Theil von ihnen, die 
Kassuben, haben in dem heutigen Pommerellen trotz der Annahme des 
Christenthums ihre ursprünglich slavische Nationalität festgehalten. 

Während nun über das Auftreteti jener germanischen Stämme vor Rom 
viele sichere Zeugnisse vorliegen,^) sind uns über ihre ursprünglichen Sitze 
an der baltischen Küste nur mangelhafte Andeutungen aus dem Ptolemäus 
bekannt und es fragt sich nun, ob unsere kraniologischen Untersuchungen 
eine Beziehung zu den ältesten Berichten ergeben. Man kann nun wohl 
ganz bestimmt sagen, \lass wenn man die Platydolichocephalen der heutigen 
Welt ausschliesst, kein Volk in dem Breitenindex und der ganzen Beschaffen- 
heit seiner Schädel eine so grosse Aehnlichkeit mit unseren reinen Lang- 
schädeln zeigt, als dasjenige, dessen Reste in den Reihengräbem Süddeutsch- 
lands vertreten sind. 



I) S. 489. 

■) L. c. S. 371. 

*) L. e. 8. 664 und 666. 

^) Odoacer genere Rogus, Turcilingoram, Sciromm, Herolommqtie torbis mnnitns, 
tevatit Joniandes de regnor. success. p. 59. 

Fffmer Odoacer, Turciimgoram Rez habens secum Sciros, Heraloe, diTersanim gentinin 
«udKarios Italiam occupayit Idem de rebus Get. c. 46. 

Hmk Zmm S. 489. 



232 CntniA Pnariea. 

Ton den Schädeln V, XI, A, B, P, Bslgsrden lehrt sowohl die Beschrei- 
bang als die Abbildnog, dass sie vollständig dem Reihengräbertfpns Ecker's 
entsprechen; die mehr fragmentarischen Schädel VII, N, Q, S gehören soweit 
ein Fragment eich bestimmen läset, ebenfalls dabin; VI hat mitV ToUstäodig 
denselben Typas, wenn er aach etwas breiter igt; der zweite Dentsch-Eilaner 
ist dem Balgarder ganz gleich, wie wir gesehen haben ; die beiden Snppliether 
beschreibt v. Wittich fast mit denselben Worten, wie Ecker die Keihengräber- 
form und von den altpreussischen Schädeln sagt derselbe Forscher, dasg sie 
am nächsten in jeder Beziebang den Germanen sich stellen, v. Witsch nnt«r- 
schied eben damals die schmalen Langschädel mit elliptiscber Scbeit«lansicht 
als celtische von den etwas breiteren mit mehr ovaler Scbeitelansicht als ger- 
manischen. Seitdem aber Ecker in seinem bekannten Werke: Crsnia German. 
meridional. occident. gezeigt, dass die Schädel ans den merovingischen Reiben- 
gräbern, welche doch unzweifelhaft germanisch gewesen sind, sich gerade durch 
jene schmale, elliptische Scheitelan sieht auszeichnen, fällt wohl jeder Grund, 
jene Gräberschädel von der Form des Bnlgarder, (also alle unsere rein 
dolichocephale) als celtische zu bezeichnen um so mehr fort, als wir ja ziem- 
lich bestimmt«, wenn auch dürftige Nachrichteit darfiber besitzen, dass in der 
Zeit, ans welcher diese Gräber herstammen, germanische Völker hier gelebt 
haben, also auch ihre Todten hier verbrannt und beerdigt haben müssen, — 
denn beide Sitten waren ja üblich — während wir Aber die Anwesenheit von 
Gelten in dieser Gegend und zu jener Zeit ebenso wenig etwas wissen, wie 
von der der Neger oder Eskimos. 

Es folgt daher ans der rein kraniologischen Betrachtung unserer dolicho- 
cephalen Schädel mit der grössten Wahrscheinlichkeit, dass hier im Begimi 
der Eisenzeit Völker gelebt haben müssen, welche den Franken und Aleman- 
n™. wl.- ^if -iM, H, ,l.ri i;riii,.|.L'val„^rr. des 4 hi. S. .Tiihrbunilrrts 




Graiiim PruBtioa. 



228 



«nftritt, dann eine gewisse Zeit gegenüber einer äusserst dolichocephalen 
mrAcktritt, aber nicht ganz verschwindet and zuletzt wieder neben einer 
orthocephalen sich geltend macht 

Es ist nun keine Frage, dass im Vergleich zu den vielen äusserst doli- 
chooephalen Schädeln aus den heidnischen Gräbern der preussischen Ostsee- 
proTinzen die streng brachycephale Form sehr selten vorkommt. Es kann 
dies ja verschiedene Ursachen haben. Es kann blosser Zuüall sein, 
weil überhaupt noch nicht genug Material gesammelt ist; es kann sein, 
data die Menschen der rein brachycephalen Schädelform ihre Todten 
licht beerdigt haben; es kann aber auch freilich sein, dass sie hier nur 
qiftrKch gelebt haben. Bis diese Fragen entschieden sein werden, lässt 
•ich meiner Ansicht nach über die ethnologische Bedeutung der brachyce- 
phalen Sch&delform in dieser Gegend nichts Gewisses aussagen; denn es ist 
fa eben diese Form keine so typische, wie etwa die Reihengräberform. 

Allein einige Gesichtspunkte lassen sich doch schon jetzt hervorheben, 
welche für die weitere Forschung fruchtbar sein dürften. Der Briesener 
Schftdel unterscheidet sich von dem Deutsch -Eilauer vollständig, sowohl in 
•eiaen Maassen, als auch in seiner Beschreibung; v. Wittich sagt, der letztere 
•ei knglig, während der erstere dies entschieden nicht ist und ein Blick auf 
die folü^enden Zahlen wird jedenfalls die Yermuthung bestätigen, dass wir es 
hier mit zwei verschiedenen brachycephalen Schädelformen zu thun haben; 
Tt Wittich selbst sagt, dass der Briesener Schädel mehr den dänischen Stein- 
•ehideln gleiche. 





D.-Eilao. 


Briesen. 


Grosste Länge A = 


183 


162 


Parietaibreite . . = 


153 


130,5 


Grösster ümümg = 


650 


490 


Frontalbogen . . = 


130 


115 


Sagittalbogen . . = 


120 


110 



Wenn wir aber den Briesener Schädel als sui generis abtrennen, so verein- 
Awki sich die Fragestellung ausserordentlich. Wir haben dann einen stark 
btmdiycephaien Schädel in einem Grabe zusammen mit einem äusserst doli- 
chocephalen von der Reihengi^^herform in Deutsch -Eilau; dann finden wir 
den nichst brachycephalen in einem Grabe mit Mittelformen in Fürstenwalde, 
dmn finden wir Mittelformen allein vielfach vertreten in Preussisch - Eilan, 
Elbing, Heiligenbeil und Liebenthal; wir wissen femer, dass die Fürsten- 
walder und Liebenthaler Gräber aus einer entschieden späteren Zeit herstam- 
aen — korz, wenn wir dies zusammen halten, so drängt sich von selbst die 
Vennathong auf, dass die Mittelform hier aus der Vermischung von extrem 
Imchycepbalen und dolichocephalen Elementen entstanden ist. Die alten 
Prcttieen, ein der Sprache nach zwischen Germanen und Slaven stehendea 



Crtnim Pniniu. 



Volk, dflrften daher nach ihrer Schädelbeschaffenheit nach eine solche Zwiadien- 
Stellung zwischen der alten rein germanischen Reihengräberform und der rein 
brachycephalen Form einnehmen, als ob sie aus der Yermis<^nng beider her- 
vorgegangen sind. 

Welches Volk dieses ursprünglich brachycephale Element hineingebracht 
hat, läsBt sich eben heute noch nicht entscheiden; die Geschichte weist aber 
anfein den Slaven' nahestehendes Volk, die alten PraEzen hin. Interessant 
ist nun, dass der Litthaaer Schädel noch im 16. Jahrhundert dieselbe Zwischen- 
stellung wie früher behauptet t. Wittich') hat nenerdinga 5 Litthauer Sch&del 
ans dem 16. Jahrhundert von dem Nemmersdorfer Kirchhof her untersucht 
und beschrieben. Noch im vorigen Jahrhundert war diese Gemeinde in der 
Nähe von Gnmbinnen fast ganz rein litthauisch, und es ist interessant, zu 
sehen, wie von diesen 5 Schädeln zwei orthocephal sind (74,07 uad 74,6), 
zwei äusserst brachycephal (93,1 und 89,9) und der fünfte zwar orthocephal 
(80,0), aber mit entschiedener Hinneigung zor Brachycephalie. v. Wittich 
ist zwar geneigt, nur die orthocephalen Schädel fQr typisch zu halten, die 
beiden entschieden brachycephalen nicht; allein abgesehen davon, dass Retzius 
den Lettenschädel ausdrücklich brachycephal gefunden, dass femer von den 
beiden Orthocephalen der eine stark prognath, der andere stark orthognat]) 
ist, ist ja in den Gräbern von Deutech-Eilau und Fürstenwalde, welche doch 
den Vorfahren der Litthauer angehörten, ganz dieselbe Thatsache konstatirt, 
welche die Altpreussen der Geschichte als ein Mischvolk aus dolichocephale«, 
germanischen und brachycephalen, wahrscheinlich pmzzischen Elementen er- 
scheinen lässt. 

Es würde dann auch die Breitenzunahme des Neustettiner Klosterschädels 
aus dem 16. Jahrhundert im Vergleich mit den Schädeln aus den Neustet- 
tiner Hügelgräbern auf feine Vermischung mit einem brachycephalen Element 




















d 


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G e B 


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V., hl, ............ 


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1 
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17 


38 


39 


30 


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32 


33 


34 


35 


36 37 38 , 39 . 40 4t 


Ö5 


17 


43 


100 


166 


33 


62 


42 


34 


T6,4 


73,5 


79,3 


77,1 


103.6 


54,4 




17 




80? 




39? 


63 


43 




7fi,fi 


71,3? 


76.0 


70,1 


99,3 






W 




















73,77 


71,5? 






60 


20 




89 


ISO 


34? 


6Ö 


39 


34 




71,0 


79,0 


69,4 


108,6 


57.3 


60 


SO 












43 


30 


73.4 


66,8 


76,6 


74,3 


l'H,4 


63,1 


63 


13 
















71,8 


65,7 








50,8 




14 
















74,6 


69,1 






100,0 




- 


31 


z 


3 


~ 


7 


- 


37 


32 


Gb.b? 


65,&? 
68,2 


83,0 

77,7 


78,9 


126,7? 


56.9 


66 


K3 


48 


101 


ISO 


36 


76 


4S 


33 


73,0 


70,4 


74,7 


73,8 


103,7 




63 


n 


47 


103 


I7f. 


27 


61 


39 


33 


77,8 


71,9 


76,2 


74,1 


97,9 


61,1 


63 


a:i 


41 


93 


183 


30 


67 


34 


33 


70,0 


66,3 


76,8» 


67,9 


108,3 


51,06 






40 






29 








70.3 


68.1 










61 


3.1 


47 


93 


IBft 


31 


69 


43 


36 


74,9 


69,5 


79,1 


75,8 


106,7 


49,7 


61 


3] 


Ufi 


91 


163 


37 


61 


41 


36 


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74,2 


79.0 


77,0 


104,3 


5l.B 


— 


33 




- 


- 


- 




40 


34? 


76.3 

71.8 


65,0 
65,4 


76,8 


7i,a 

71.8 


100.7 


49.1 ~ 

5T.9 




18 












40 


33 






80,7 


75,3 


108,0 


46.» 


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70,6 


64,4 
67,6 


76.3 


71.7 


110,4 


66,7 


— 


- 


— 


— 


— 


— 


— 


37 


- 






— 




- 


— 


^H 



Gnuda Prnasica. 225 

Schlussresaltate. 

1) Durch die ganze Provinz Preassen von Tilsit bis an die pommerscbe 
Grenze finden sich eine grosse Menge rein dolichocephaler Gr&ber- 
schädel, welche mit der Reihengräberform vollständig übereinstimmen, 
daher aas rein kraniologischen Gründen die Abstammung von einer 
germanischen Urbevölkerung höchst wahrscheinlich machen. 

2) Diese Abstammung wird um so wahrscheinlicher, als die ältesten 
historischen Nachrichten damit übereinstimmen. 

3) Oestlich von der Weichsel treten ausserdem noch eine Reihe von 
breiteren Gräberschädeln auf, welche auf eine Verschmelzung von 
rein brachycephalen und rein dolichocephalen Elementen hinweisen, 
eine Verschmelzung, deren allmähliches Fortschreiten sich in den ver- 
schiedenen Gräberfunden verfolgen lässt. 

4) Für das stark brachycephale Element, welches zu dem früheren rein 
dolichocephalen hinzugekommen ist, kommen in erster Linie die 
Pruzzen in Betracht; aus der Vermischung beider sind dann die alten 
Prenssen der historischen Zeit hervorgegangen. 

5) Westlich von der Weichsel, im heutigen Pommerellen, zeigen fast alle 
Gräberschädel den rein dolichocephalen Typus der Reihengräber; 
breitere Mischformen treten hier nicht auf. Es ist daher sehr wahr- 
scheinlich, dass die germanische Urbevölkerung hier vollständig aus- 
gewandert ist oder wenigstens mit der nachfolgenden slavischen sich 
nicht vermischt hat. 

6) In den Hügelgräbern bei Neustettin zeigen die Schädel ganz voll- 
ständig den Charakter der Schädel aus den süddeutschen Hügel- 
gräbern, neben dem rein dolichocephalen Reihengräbertypus auch 
breitere Formen: es ist daher wahrscheinlich, dass hier die Reste 
einer germanischen Urbevölkerung, welche in der Vermischung mit 
einem brachycephalen Volke begriffen ist, vorliegen. 



Erklärung zu der Tabelle der Maasse. 

DieMaaase 1—7, 9-10, 14—16, 19-20, 23, 25-26, 36, 38, 40 und 41 
sind nach Ecker, 37 nach v. Wittich, die übrigen nach Virchow und Weiss- 
bach berechnet 



Erklärung zu den Abbildungen. 

Tafel I stellt die beschriebenen Schädel in der Norma temporalis, Tafel 
n in der Norma verticalis, Tafel IH in der Norma occipitalis, Tafel IV in 
im Norma frontalis dar. Die Nummer der Figur bezieht sich nun auf allen 



326 Cnnift Pnuuie«. 

Tafeln stets aaf denselben Schädel, welcher hier bei der Erklärung der Figur 
angegeben ist. Die Abbildungen sind, wenn nichts anders bemerkt ist, 
mittelst des Lucae'schen Coordinationsapparata geometrisch gezeichnet und 
dann durch den Storchschnabel auf ^ reducirt. 

Figur 1, Tafel I, 11, III - Schädel VI beschrieben Seite 1 9 1 . 

. 2, , I, n, III, IV J. Schädel V . . . . , , 192. 

, 3, , I, II, III - Schädel VII , , m. 

„ 4, „ 1, (senkrechter Schädeldnrchscbnitt) II, 

m - Schädel IX , , 194. 

, 5, , I, III - Schädel X , , 195. 

, 6, , I, II, in, IV = Schädel I , , 195. 

, 7, , II, III, - Schädel II . , 196. 

fl 8, „ 1, (senkrechter Schädeldurcbschnitt) II, 

lU - Schädel XI . , 197. 

, 9, , I, III = Schädel MI , , 197. 

„ 10, , I, II, ni, IV=Scbädel H Klosterscbädel , , 198. 

.11, . I, II, III, IV - Schädel A (nach einer 

Photographie) „ „ 204. 

„ 12, „ 1,11, IIl=SchädelB (nach einer Photo- 
graphie) , , 204. 

. 13, . I, II, UI - SchMel M . ,206. 

, 14, , I, U, III - . N , .207. 

, 15, . II, - . O . ,207. 

. 16, . I, II, in- . P , .208. 

. 17, . I, um» . Q . .208. 

. 18, . n, - . s 




Miscellen nod Bochenchtn. 227 



Miscellen nnd Bttcherschan. 

Major: The Voyage of the Venetian brothers Nicolo Antonio Zeno (Hak- 
layt Society). London ISTX 

Tbe Zeoo docameot is shown to be the latestin existence (as far as koown) ^ving details 
respecting the lost East colony of Greenland. 

Riolacci: Anthropologie, Tanciennet^ de Thomme. Paris 1873. 

Ce qoe nons savons, c*est qae rhomme Tivait au moias vers la fio des temps tertiairs, 
is il est, et i] sera tuujonrs impossible d'evalaer par des chiffres son ancieDnete et cela 
par raison qae la chronolugie (i;eologique n'admet pas de nombre absola. 



mais 



Gilpin: Mission of the North-American people, geographica!, social and 

political, illustrated by six charts delineating the physical architecture and 

thermal laws of all the continents. Philadelphia 1873. 

The Parcs of the North-American Andes find their calmination of Superlative grandeur in 
the System of the foor parcs of Colorado. This System towes orer and crowns the whole 
Continental stmctore. 



Calvert: Vazeeri Rupi, the silver coantry of the Vazeers in Kala. Lon- 
don 1873. 

The constrnction of the Da^i or De^il-God (Munder) is in this nay: A kind of ornamen- 
tal cbair b supported on foor men*s Shoulders by long bamboos, the chair is corered with 
rieh silk or shauls, nsnally of red colonr, nith deep fringes of siWer or gold, and where the 
back cnshion is usnally plaeed in onr chairs are fized from 7 — 10 or more siWer masks or 
faees of yarioos sizas. 



Vincent: The landof the white elephant, sights and scenes in soath-eastem 
Asia. London 1873. 

Annehmbar durch die entsprechenden Abbildungen ans Birma, Siam, Cambodia nnd be- 
sonders Ton den alten Tempeln des letzten Landes. 



Warm: Geschichte der indischen Religion. Basel 1874. 

Für den Gebrauch der Missionäre (zunächst in Sudindien) in brauchbarer Weise zusammen- 
gestellt und in 4 Ab5chnitten die Religion der Veda-Lieder, den älteren Brabmanismos, den 
Boddhismus und den neueren Brahmanismus behandelnd. Bei Besprechung der über das 
Nirwana umlaufenden Ansichten (S. 168) wird die eigentliche Bedeutung, die in dieser letzten 
Consequenz des Buddhismus liegt, ausser Augen gelassen (s. Z. f. E. Jahrg. 1871 u. die Welt- 
anifassung der Buddhisten). Für einige Capitel des neuen Brahmanismus sind bisher un- 
Toröffentlichte Manuscripte Ton Missionären benutzt. 

Griffin: The Ri^ahs of the Panjab, 2. ed. London 1873. 

The spirits of the Kula ränge are said to wage war with those inhabiting the Goghar, 
and after a violent storm the peasanta will show tra^ellers the stones, which bare been hur- 
lod from ränge to ränge (wie zwischen den Riesen der dänischen Inseln). 



!S HiKellfln nnd Bnebenduo. 

ArchireB hietoriqaes du Poitoa. Vol. I. Poitiers 1872. 
Hit einem Artikel BoQgergent'B: aber <lie ,Epigraphie tomiiae et Gallo -romaine, rigles figo- 
s troof js k Poitiers'. 

Taylor: Etruscaa Researches. London 1874. 

The sigDtnent of this baok is to proie, tfatt tbe T;nbeni*n» of Itily were of kiodred 
« witb tbe Tnrcmms of TnrkesUn. 



Simpson: Meeting the sun, a jonrney all around tte world. London 
1874. 

Elegante Ausgabe in iipanegiicbem Einband , ihrer Hetiotf pen and der lllnatntionen 

wegen beacbtensweitb. 

Jessen: PhyBiologie des menBchlichen Denkens. Hannover 1872. 
Veranlasst darcb die aus dam Studium der Aphasie gezoffene Folgerang, ,dass die Er- 
lengung der Gedanken and ihre Darstellung in incetlieben Worten zwei gesonderte, relatJT 
selbststindige and wabracbeinlieb an veiscbiedene Theile des Qehirns gebundene Acte der 
G eiste sthätigkeii s(n4". 

Granl: Die Unterscheidangslehren der christlicben Bekenntnisse. Leip- 
zig 187-2. 

wir leben also ,10 dem Jahrhundert der Maria' und .Prankreich bt das Land der Huia'. 
Das gjebt viel zn denken, besonders, wenn man nicht Tergisst, dass der jetzige Papst «s ist, 
der die Maria- Verehrung in höchsten Schwung tu bringen alle seine Kräfte einsetzt (s.S. 53). 

Meyer, L B.: Der alte and neue Glaube. Bonn 1873 

Es ist traurig, dass ein Mann wie Stranss nicht Anstaud nimmt, sich dieser Gesellschaft 
mit fluchtig hingeworfenen unbewiesenen und zur Zeit auch ganz nnbeweiibareo Huthmassungen 
aozuBcblieBien (nämlich der .dilettirender Naturforscher, IJrgesehiebtler nnd Philoso phaster aller 
Art*) im AnschlnsB an die mit allermodernstem Darwinismas aufgepntzten UeinuDgen des ur- 
alten Uateriatismos (S. II u. fTJ. 

Van der Straeten: Le Th^atre villageois eo Flandre. Bruzelles 1874. 




Miseellen und Bachenehaa. 229 

Ansart: Essai sor la m6canique des vents. Paris 1874. 

La chalear tend aniquement ä d^truire k tous moments la forme d*^uilibre, et les forces 
qoi ont Stabil cette fonne tendent a toas momeots k la reconstitaer. 

Langen: Grandriss der Einleitung in das Neue Testament. Bonn 1873. 

Die strengglftubigen latherischen Theologen lehrten, um sich ein festes Fundament für 
ihre Dogmatik xu schaffen, die sogenannte inspiratio Terbalis. Nach dieser Theorie wäre jedes 
Wort, ja jeder Buchstabe der heiligen Schrift inspirirt worden (S. 214). 

EeHer: Beilage zur archaeologischen Earte der Schweiz. Frauenfeld 1873. 

Eine höchst schätzbare Karte, der wir nur bald ihre Nachfolger in Behandlung anderer 
Localgebiete wünschen können. „Das Vorkommen Ton Grabsteinen mit alt - etruskischen In- 
schriften, welche im Veltlin und südlichen Tessin gefunden wurden, ist ein untrüglicher Beweis, 
dass in den Theilen am Südäbhange der Alpen Etrusker wohnten* (S. 411). 

Bordenhewer: Hermetis Tresmegisti , qui apud Arabes fertur, de casti- 

gatione animae libellum. Bonnae 1873. 

A Graecis (intercedentibus Syris) Hermetis fama ad Arabes (atqne ab eis ad Judaeoa) 
migravit Apud quos summa floruit claritate. 

Espiard de Colonge: La chute du Ciel. Paris 1872. 

8i donc les fossiles, comme toute porte ä le croire, sans qu'une objection acceptable 
puisse etre pr^sentee, bien quon en ait dejä beaucoup parl^, vinrent la plupart des mondes 
exterieures a^ec milles autres matieres et tomberent du ciel, cependant quelqnes-uns des etrea, 
quMls repr^sentent, sur?ecurent-ils ä leur chute etc. (S. 51). Nous doTons nous tenir en garde, 
autant qu'il est possible, contre ces eTentualites. Dafür wären die tou den alten Araucaniern 
gegen den Himmelseinsturz getragenen Hüte zu empfehlen, damit wenigstens Nichts auf den 
Kopf fallt. Ein Modellstück findet sich im Ethnologischen Museum (Schrank XII). 



Ascoli: Archivio Glottologico Italiano. Vol. I. Roma, Torino, Fi- 
renze 1873. 

Gon nna carta dialettologica, la zona ladina begreifend, dreigetheilt 1) la regione occiden- 
tale, che si compone di tutti i dialetti romanzi de Grigioni, d'agritaliani in fuori, 2) la cen- 
trale, che abbraccia la varieta ladine tridentino -Orientale ed alto-bellunese, 3) la Orientale o 
Mulana. 

Kötteritzsch: Lehrbuch der Electrostatik. Leipzig 1872. 

Es ist wichtig und für die Entwicklung der Naturwissenschaften von grossem Vortheil, 
dass jede Theorie genau und übersichtlich ihre Hypothesen und deren experimentelle Stützen 
angiebt, damit man hieraus, wenn die Theorie in allen ihren einzelnen Folgerungen in der 
KffahruDg bestätigt wird, umgekehrt wieder rückwärts Schlüsse machen könne, welche aus 
noch allgemeineren Hypothesen die Hypothese der bereits durch die Erfahrung betätigten Theo- 
rien erklären. 

Barre: Ueber die Brüderschaft der Pfeifer im Elsass. Colmar 1873. 

Im Elsass schlössen sich vier Handwerker zu Brüderschaften zusammen, diejenige der 
Kessler, Schäfer, Ziegler und Pfeifer (als ländliche Genossenschaften neben städtischer Zunft). 

Schmedes, v.: Geographisch- statistische Uebersicht Galiziens and der 
Bukowina. Lemberg 1869. 

Polen, Ruthenen, Deutsche, Armenier, Juden, Karaiten, Moldauer, Ungarn, Zigeuner 
nnd Lipo^auer sind in bunter Miachang Tertreten (8. 128). 



230 Hi»Mll«D Dud Bncbenchia. 

Dom Liber: Le fauz Miracle da Saint Sacrement k Braxelles. Bra- 
xelles 1871. 

Ud nouTcau jubile est annoDCe poar ISS5 et s'il faut ea croire lei joainiDi et las livra« 
catboliques, celui de 1870 n'auniit ili qu'ijonniäe. 

Jacolliot: Histoire des Yierges. Leu Peaples et les contjnents disparoB. 
Paris 1874. 

Im iweiteD Theil werden unter den Vietges crtetricBB behandelt, VhiI, U TJarge iodoni 
Uoutb-lsis, la TJerge jgjptienne, Asbiraoh, li irierge b^bruqne, Astartj od Basbtoietb, U 
Tierge meie Bjrieane, Aphrodite - ADidyomeDe. !■ mere uniTenclle des Grecs, Veati, la *ier([e 
creatrice dea KomaJiu et de la plupait des peuptes de TlUlie ancienne, Loonnatar, la Tierge 
des peuples flnDoia, Herta, la deeese dea Germaini, Dea. la d^sae des Uanloia, loa, la Tierge 
mire Oceanienne, lia, la lierge japanaiss, la mere Nstare. 

Lang: Der Regienmga bezirk Lotbringen. Metz 1874. 

Während der jetzige Beiiik Latbringea (nach Böckb) Tor der deutschen Besitinahm« in 
runder Zahl auf ;j00000 dentach Sprechende etwa 300000 /raoxöiiich Sprechende liblte, hat 
sich das Verfaältmsa Aarch Aaawanderang von Franiosen nnd Einwanderung der Deutscheo lU 
Gnniten der deatechecl Sprache derart Tersehoben, daas der letzteren jetrt mindestens iwei Drittel 
der BeTÖlksrUDg angeboren. 

Martin: Etudes d'Arcb^logie Celtiqae. Paris 1872. 
enthalieo .- Les Races Bmnu et les Raeea blondes, Le Pajs de Oalles, Les Antiquit^ Irlandaises, 
Les Antiquit^ Bretoones, Numismatiqoe Qanloise, L'origine des monunents Diigalithiques, 
Note« aar la mfthologie celtiqne, Btade anr le Mjatire des Bardes de l'il« de Bretagne, L« 
Nord ScaadinaTc. 

Franklin: Lee ruee et lee eris de Paris au XIII. ai^le. Paris 1874. 
Boas le rigne de Philipp« - Auguste la banse parisienne la oorporation des nautes oa 
marcbaods de l'ean possedait dejä le droit d'apposer sur sea actes nn sceau particulier. 



Geigel: Handbuch der Öffentlichen Gesundheitspflege und der Gewerbe- 
frankheiten. Leipzig 18i4. 




Miscellto nnd Bäeheraeliaii. • 281 

Schaezler: Divas Thomas, doctor Angelicus, contra liberalismum, in- 

victus veritatis catholicae assertor. Romae 1874. 

Emendatar RaDtius ab ipso DWo Thoma (S. 128). Moderoae philosophiae praecipuus 
error a diTO Thoma jamdudum exploaas (Caput VII). 

Roisel: Les Atlantes. Paris 1874. 

Lea debris des races perdues existaient encore lors des premieres excursions atlantes, et 
ces ebauches transitoires du type furent loo^iftemps venerees. Les hommes singes ätaient 
iastinctivement honores d'uu calte presque filiale. Non sealemeut daos llode et TEurope, 
mais au Mexiqae leurs Images sculptees ou peintes etaient fr^quentes sur les plus anciens 
moDuments. lls deviorent, comme les babitants des lieux sombres, ane source in^puisable 
de legendes et paraissent pour des genies soutermins fuyant la presence de l'homme. Quelques 
traditions nous les moutrent avides des boissons spiritueases, s'eiUTnnt ä tout propos, et 
parfois metamorpboses en pierres. Daher wahrscheinlich aus urweHlicher Tradition der alte 
Spruch: Er hat seinen Affen. 

Busk: The Folk-lore of Rome. London 1874. 
Da.H InhaltsTerzeichniss ist getheilt in favole (fairy tales or fables), legendary tales and 
Esempj , Ghost and treasare stories and family and local traditions, Cfarpe (expounded by 
Baxzarelli as parole vana, cianceX 

Perrot: Exploration arch^ologique de la Galatie et de la Bithynie Tom. I. 
(et Atlas). Paris 1872. 

Die Türken Angora's sollen noch Ton den xum Islam bekehrten Gallo-Griechen stammen, 
während die das Ghristenthum bewahrenden Galater (Eski - Ferenciz) sich jetzt unter den (von 
den orientalischen verschiedenen) Armeniern finden. 

Aarboger for Nordisk oldkyndighed og Historie. 1873 Kopenhagen. 

enthält: Bngge, Bemaerkninger om den i Skotland fundne latinske Norges kronike; Stephens, 
Tre .barbarisk-classiske** Gemmer, fundne i Danmark, Erseev, Harald Hardrade i LimQorden, 
Jorgeqsen: Om Forholdet mellem den saellandske og den skanske kirkelov, Fanoe, Den old- 
nordiske Bebyggelse af Arsukfjorden, Finsen, Om de islandske Love i Fristatstiden , Eornerup, 
Om MiJdeialderens Begravelsesmaade; Danmarki Loffler, Rybjerg Kirke; Kngelhardt, Vall?by 
Fundet; Loffler, Bergen Klosterkirke paa Rygen; Storm, Yderligene Bemaerkninger om den 
ftkotske « historia Nonregiae ". 

Suter: Geschichte der Mathematischen Wissenschaft. Zürich 1873. 
2. Aofl. 1. TheU. 

Ein Buch, von dem die zweite Auflage des ersten Theils bereits nöthig wurde, ehe der 
zweite Theil beendet war, und bei dem wir nur hoffen, dass dieser deutlichste Beweis von der 
Nothwendigkeit des Buchs den Verfasser zu beschleunigter Vollendung veranlasst. Ein grosseres 
desideratum giebt es kaum in der Literatur, als eine Geschichte der Mathematik, da man nur 
auf veraltete Werke oder auf Monographien angewiesen ist. 

The Norman People, and their existing descendants in the Britisch 
dominions and the United States of Amerika. London 1874. 

It is the aim of the following pages to apply genealogy to the illustration of Engliah 
etbnology, eine sehr löbliche Absicht auf viel versprechendem Feld, wenn auch die bei diesem 
ersten Versuch gezogenen Resultate sich als unrichtige beweisen mögen. 

Haushofer: die Constitution der natürlichen Silicate. Braunschweig 1874. 

Der Verfasser bat sich die Aufgabe gestellt, Gonstitutiunsformeln für die bekannten Sili- 
cate aaf Grund ihrer genetischen Beziehungpo sa entwerfen. 



232 HUeellen ond Bäcbttaahma. 

Reber: Kunstgeschichte des Alterthuma. ^Leipzig 1871. 

, Steinbilder waren selten; als das beTonDgte Hateriil für di« phiaiiiscbe Plaitifc «ind liel- 
mehr die UeUlle in betiachteo, obgleich der Oais, wie an den beideo Siulen km Tempel 
Ton Jeraaalem, cnt vereiaielt veraDcbt ward, und die genäbnlicbe Technik die w, du Bild- 
werk, sei e» nun im Runden oder im Belief, am Holz henoatellen nnd dieua dann mit Netall- 
blech 30 in übeniehen, dus anf dem We|;e dea Treibens mindern Hammer die Hetallhälle 
der geacbnititen Qolznntarla|;e sich genaa anfügte (SphjrelaUl*. Da»(aaf Phönitien bioweiaende) 
Ornaoient der Säulen am Scbatihans des Atreus besteht in ./ickiackformen , ansgefällt mit 
Spiralen*. Es bleibt möglich, ,daBS einige der phÖnikiairenden und Igyptisirenden Oegeaatände 
als etruskische Arbeit tn betrachten sind, Jedoch als unr aolc^e, die sich möglichat genan »d 
die impoititten Vorlagen hielt*. Für die bei den niniTitischen Aasgrabungen gefandaaen 
Bronzearbeiten wird Pbäniiien als ,Prod actio naort* bezeichnet. 

Hardy: La Vie de SuDt-Vaiieng. F^camp 1873. 

Als Vaneng, weil er den Ort, oö il doit bätir l'abbaie de Fecamp nicht finden kann, dareb 
Oottes Zorn mit Krankheit geacblagen wird, nimmt die beilige Eutalia seine Patthei. Cette 
Saint-Hartyie adoncit si bien la eolere dn Juge, qn'eile ohtint ponr Saint -VaneOK non seale- 
ment le pardon de sa faate, mais encore vingt ann^s de rie. 

Marc de Monti&ad: Le triomphe de l'Abbaye des Gonarda avec ane 
notice sar la föte des fona. Paris 1874. 

Dans les couTenta^ d'hommes, I'abbe des Sota (ahbaa stnltonim) entamait dea telationa 
tootea noctnrnes avec les petitea abbesaes. Qnoi de plus ratiounel, pniiqne la litorgie ilUit 
qnelijueroiajaaqa'a admettre an aimulacre d'jpoasaillea entre an eTeqne et nne aapJrieare du 
nonnea, en quelques -unea des ceremoniescatholiqaes, comme lonqu'il a'agfssait de rinatallation 
d'on preist en son diociae. 

Davies: Heterodox London Vol. I, IL Londoo 1874. 

It la not for me to aaj, «hether thoae, wbom 1 chronicte are right or wrong, bat I maj, 
«ithoDt nndae adiocacj, atate mj coDTletion, that thej are thorongbl; honeat and inteoiely 

Pubiications de la Soci6t^ Historiqne et Arch^ologique daos le duchä de 
Limbourg, Tome ^. Ruremonde 1873. 

Enthält n. A. die Beschreibung der Normanneninge von ihrem Lager (8B1 n. Chr.) a 




BMchreibende Ethnolof^e Bengalens. 229 



Beschreibende Ethnologie Bengalens. 

Aus offiziellen Documenten zusammengestellt von Colonel Dalton, Regierangs - Commissair 
von Cbutia- Nagpur, deutsch bearbeitet von Oscar Fl ex, Oofitnerscher Uissionar in 

Ranchi. 1873. 

4. Abtheilung. Die Murmis. 

Dies nomadenartige Hirtenvolk scheint ein Zweig der Butias zu sein. 
Ihr Aussehen ist mongolisch — Religion Budhismus — Sprache: Dialekt des 
Butia. Sie leben in steinernen Gebäuden, welche auf den Bergen in einer 
Höhe von 4 — 600(T Fuss errichtet sind. Man findet die M. in ganz Nepal 
vom Gandak bis zum Metschi, in kleinerer Anzahl auch in Sikkim. Sie ver- 
brennen ihre Todten wie die Butias. 
« 

5. Abtheilung. Die Haius oder Hayas oder Yayas. 

Die Hayas treten in Nepal als die Ueberbleibsel eines sehr alten Stam- 
mes auf, welcher in Folge seiner besonderen Traditionen, Sprache und äusse- 
ren Erscheinung sich von den Landeskiudern unterscheidet. Sie haben das 
Bassin des Kosiflusses im eigentlichen Nepal inne und bilden eine Bevölke- 
rung von nur wenigen tausend Seelen. 

Traditionen. Hodgson und Dr. Campbell erzählen, dass sie ursprünglich 
von Ceylon einwanderten und zwar zur Zeit, als ihr König Rawan von Kam- 
tschandr geschlagen wurde. Rawan ist jetzt noch ihr Heros und Gott. „Sie 
lebten längere Zeit im Dakhin (Süden), wanderten von dort nach Samroan- 
ghar und kamen endlich, aber das ist schon sehr lange her, in die Berge, 
in denen sie jetzt wohnen.^ 

Col. Dalton ist der Ansicht, dass die Vorfahren der Vayas die Armee 
d4*8 AlTengottes Hanuman bildeten, welcher Kamtsc handr's Bundesgenosse in 
dessen Expedition gegen Rawan war, und weist auf die interessante That- 
sache hin, dass man in den Vayas aller Wahrscheinlichkeit nach die Nach- 
kommen des Volkes vor sich habe, welches ihm gegenüberstand. 

Sprache: Hodgsou analysirte ihre Sprache. Er fand viele Eigenthum- 
lichkeiten in derselben, welche den Santal- und Eolhsprachen angehören und 
wies ihre Verbindung, wenn auch nicht gerade mit Ceylon, so doch mit Land- 
•tricheo nach, welche so weit südlich liegen wie diese Insel. 

Gestalt etc.: Sie sind weniger mongolisch in ihren Zügen als die Lep- 

liÜMhrlft fir BthMlogi«, Jahr^uig 1874. X6 



330 Beschreibende Ethnolt^e BeD|;sleiu. 

tächas, ziemlich fleischig, schwarzbraun, Stini zorfickgezogen, Augen schmal^ 
Nase pyramidal, Mund gross aber wohl gebildet mit schön geschnittenen Lip- 
pen und senkrecht stehenden guten Zähnen. 

Tanz. Ueber ihre Sitten ist wenif; bekannt. Dr. Campbell beschreibt 
einen originellen Tanz, den er sah. Etwa 30 Männer nnd eben so viele 
Frauen standen dicht hinter einander in einer Linie, Mann und Frau immer 
abwechselnd, die hintenstehenden hielten eich an den Armen ihrer Torderen 
fest. Diese Colonne von dicht zusammengedrängten T&nzem bewegte sich 
eine Stunde lang im langsamen Tempo mit den Köpfen nickend and singeod 
im Kreise heram, während ein halbes Datzend Trommler und Cymbalschläger 
mit ihren Instrumenten den Tact angaben. Ihre Bewegungen waren so exakt, 
dass der Kreis von 60 Tänzern einer Maschine glich, deren Extreme sich mit 
mathematischer Genaoigkeit bewegten. — Das war ein Trauertanz zu Ehren 
ihres Helden Rawan. 

Col. Dalton weist darauf bin, dass die Hos in Singbhum ganz ebenso 
tanzen und glaubt m Namen eine Verwandtschaft zu finden: Ho - Haya. 



IV. Grippe. 

Die Tipperah- und Tschittagong- Stämme.") 

Major Fischer giebt an, dass die Bewohner von Tipperah oder Tripura 
mit den Katscharis ein und denselben Ursprung haben (Memoir of Sylhet) 
und die Äehnlichkeiten der Religion, Sitten and Erscheinung bestätigen dies, 
auch haben die Radscba8(Künige) beider StämmeihreVerbindung anerkannt Die 
Tipperah'Familie wird als der jüngere Zweig angesehen, welcher sich nach 
der Vertreibung des königl. Geschlechts aus Kamrnp in dem Lande unab- 




Beschreibende Ethnologie Bengalens. 2Sl 

Die Tipperahs bestehen aas 4 Stammen, den Eadschbaesis, Nowatzass, 
Dschomalias und Reyangas. Der erstere gilt als sehr respectable, während 
der letztere für ziemlich gemein gehalten wird. Die drei ersten Stämme haben 
gemeinsame Priester, Todschäis, die Reyangas aber haben eigene Priester. 
Das Cölibat ist ihnen unbekannt. 

Religiöse Ceremonien, bei Abschliessung von Ehebundnissen sind nicht 
erforderlich. Wenn der Bfäutigam eine Hochzeitsgabe geben kann, so bedarf 
es nur der Einwilligung der Eltern, um die Ehe sofort eingehen zu können; 
ist er zu arm, so muss er ein Jahr lang im Hause seines Schwiegervaters 
dienen. 

Die Tipperahs essen ausser dem Rind alles Fleisch, wenn aber einer 
ihrer Verwandten gestorben, so enthalten sie sich eine Woche lang jeglicher 
Fleischspeisen. Männer und Frauen tanzen gem. Im Ganzen sind sie ein- 
faltig und wahr. 

Ein weiteres Beschreiben der Tipperahs würde nur ein Wiederholen dessen 
sein, was über die Eukis, Velche aus Tipperah in Ifatnrhnr einwanderten, 
gesagt worden ist Sie verehren Schiwa und opferten bis zum Regierungs- 
antritt Sridharmas jährlich gegen 1000 Menschen(?). Dieser König ordnete an, 
dergleichen Opfer nur alle drei Jahre zu bringen. Es scheint übrigens, dass 
diejenigen Stämme Bengalens, bei denen die Sitte, Menschen zu opfern, vor- 
wiegend war, zu den Ureinwohnern' gehörten, welche anstatt des reineren 
Heidenthums ihrer Vorfahren ein verkommenes Hiudugötzenthum angenommen 
hatten. 

Bemerkens werth ist, dass man im Tripura-District wenige Familien rein 
arischen Ursprungs findet Der Sage nach schickten die Söhne Pandus, als 
sie gegen Osten wanderten, einen ihrer Brüder, den Bhima, jenseits des 
Magna, um sich dort das Land zu besehen, er fand aber die Einwohner da- 
selbst so barbarisch, dass sie die Idee, sich unter ihnen nieder zu lassen, 
sofort au%aben. 

Die Mags. Im Osten und Südosten des Tschittagong - Districts zieht 
sich ein Waldgebirge etwa 140 englische Meilen lang und 50 Meilen breit 
von Nord nach Süd. Es ist bekannt (inter dem Namen „Eapas'^ oder Cotton 
Mehal. Als die Engländer den Tschittagong in Besitz nahmen, fanden sie 
2 Mag- Häuptlinge dort, welche ihre Abgaben in Baumwolle (cotton) bezahlten. 
Die unter ihrer Herrschaft stehenden Stämme heissen Dschamias oder Dscha- 
mia Mags. Es sind Mags, welche von der besondem Art und Weise ihrer 
Bodenkultur, Dschum genannt, den Beinamen Dschamia erhalten haben. Sie 
hauen nämlich den Dschongel nieder, verbrennen — Dschum ~ ihn, wenn 
er trocken und graben die über den Boden zerstreute Asche als Dünger 
unter. 

Diese Mags sind die Ureinwohner und bilden die Hauptbevölkerung 
Arakans. Die Eakir erzählen, dass sie mit den Mags ein und denselben 
Stammvater gehabt, aber von verschiedenen Müttern geboren seien, und in 

16* 



32 BMchreibesde Ethnolof^e Bengaleiu. 

der That haben die Sprachen beider Völker ao viel GemeinsameB, dasB aicli 
Kuki nnd Mag gegenseitig verstehen. — 

Aeussere Erscheinung: Die Mags sehen aus wie die Chinesen, haben 
hohe Backenknochen, flache Nase und schiefe Aogen, Mulatten-Farbe, korze Statur, 
sind kräftig und musculös gebaut, ihr Haar ist voll und glänzend schwarz ; Beide 
Geschlechter sind stolz auf ihr Haar. Die Frauen tragen es gescheitelt und 
hinten in einen Knoten gebunden. Die Männer dnrchflechten daa Haar mit 
einem Turban von feinem weissem Zeuge. Sie tragen nur in den Ohren 
Schmuck, die durchlöcherten Ohrlappeu dienen aber eben so oft zur Auf- 
nahme halbangerauchter Cigarren. 

Der Anzug der Fronen besteht aus eioero Gewände, weiches von der 
Brust bis zu den Füssen reicht und einem Ueberwurf, welcher den ganzen 
Körper bis auf die Kniee bedeckt — Wenn die Mädchen mannbar werden, 
so ziehen sie eine Jacke an, diese legen sie bei ihrer Verheirathuag ab, tra- 
gen sie aber wieder, wenn sie Wittwe werden. ~ Die Männer tragen ein 
Stück Zeug um die Lenden und ein zweites über die Schultern geworfen. — 
Die Junggesellen leben in einem Theil des Dorfes für sieb. 

Wobnungen: Ihre Hütten sind aus Bambus aufP^len errichtet.. Der 
Raum zwischen dem Hause und dem Erdboden dient den Schweinen etc. zum 
Aufenthalt. 

Nahrung: Der Mag lest Alles von der Ratte bis zum Elephant. Reis 
und Fisch bilden jedoch seine Hauptnahrung. Männer und Frauen rauchen 
und kauen Tabak und Betal. 

Fast jedes Dorf hat ein Fremdenhaus, in dem Reisende ihr Logis auf- 
schlagen können. 

Beschäftigung: Jagen, Ringen, Bozen, Rudern sind ihre Liebliugs- 
beschäftigungen und „Kilome" (Ballstossen mit den Füssen) ihr Lieblingsspiel. 




Besehreibende Ethnologie Bengmlens. 233 

Die Eheongtas besitzen noch 9 Dörfer. Mr O^Donnel beschreibt eines 
derselben, Tolakmi, welches gegen 30 Häuser zählte. Die Dorfbewohner 
lebten den Tag über auf dem Lande, zogen sich aber mit Einbruch der Nacht 
in geräumige schwimmende Hütten, welche in der Mitte des Stromes fest- 
geankert wurden, zurück, um sich so gegen plötzliche Ueberiälle ihrer wilden 
Nachbarn zu schützen. 

Hinter ihnen leben die Eumis zu beiden Seiten des Eoladein, mit 27 
Clans gegen 12000 Seelen stark. Sie stehen unter der Herrschaft einer Con- 
federation von chiefs. Es ist erwiesen, dass sie nicht die Aborigines des 
Landes sind, sondern vom Nordosten hereinfielen, und selbst von den 
Ehyengs und andern mächtigen Stämmen gedrängt die Mms vor sich her 
trieben. — 

Die eben erwähnten Stämme ziehen oft auf Raubexpeditionen aus, um 
Sklaven zu fangen. Sie umzingeln ein Dorf des Nachts, stecken die Häuser 
in Brand, feuern Flintensalven unter die fliehenden Bewohner, erschlagen die 
Männer und fuhren die Frauen und Einder fort. Der Anführer erhält den 
doppelten Antheil der Beute. Ein Lösegeld von Rupies 200 ist gewöhnlich 
nöthig, um einen dieser Sclaven zu befreien. — 

Die Eiiyens wohnen an den üfem des Semru zwischen dem Wah Eheong 
und Ehi-Eiieong, auf den Hügeln im Westen des Dschagarudoni - Gebirges 
im Taroi-Eheong Thale und den Tandan Guathrain, Prwanohony und Donu- 
bung Ereisen. Sie zählen 3,304 Eöpfe und sind ein ruhiges harmloses Volk. 
Die Männer gehen fast nackt, die Frauen stecken ihre Eörper in ein loses 
vom Nacken herabhängendes blaues Baumwollengewand. Ihr Gesicht ist 
durch übermässiges Tättowiren ganz entstellt. Sie behaupten, dieser Eni- 
schönerungsprocess sei darum nöthig geworden, weil ihre Jungfrauen von so 
wunderbarer Schönheit seien, dass sie früher von der herrschenden Race an 
Stelle des Tributs entführt worden seien. Die entfernter wohnenden Ehyens 
leben nomadenartig. Sie wandern umher und wo's ihnen gefällt, lassen sie 
sich auf einige Zeit nieder. — 

Die Ehyens in den höher gelegenen Bergstrichen sind unabhängig. Sie 
lebten nach ihrer Angabe früher unter einer monarchischen Regierung in den 
Ebenen Pegus und Avas. Ihr Eönig wurde aber von Eindringlingen abge- 
setzt und sie selbst in die Berge zurückgedrängt, wo sie eine Confederation 
von verschiedenen Colonien haben. Sie haben erbliche Priester „Passin^, 
welche bei Hochzeiten, Begräbnissen etc. amtiren, die Traditionen des Volkes 
fortpflanzen und sich mit Erankenheilung resp. Beschwörungen beschäftigen. 

Sie beten unter andern einen strauchartigen dickbelaubten Baum „Subri" 
ao, zu gewissen Zeiten feiern sie diesem Baume zu Ehren Feste, an denen 
sie sich unter seinen Zweigen versammeln, ihm Opfer bringen und in seinem 
Namen Schweine und Hühner verzehren. 

Wenn der Blitz in einen Baum schlägt, so suchen sie nach dem Ge- 
seboas (Donnerkeil) und irgend ein passend scheinender Stein wd als 



234 BMchieibend« Ethnologie B«ii£tleiis. 

Bolches dem Priester übergeben, and als etwas vom Himmel Crekommenes 
angebetet. 

Die Armen begraben ihre Todte an einer beliebigen Stelle, die Reichen 
aber bestatten die Gebeine ihrer Verstorbenen in einem der zwei heiligen 
Berge: Eeyimgnatin und Zebaatouog. Neben dem Grabe wird eine Hfitte 
errichtet, in welcher Wächter sitzen uro die bösen Geister weg zu scheacbes 
Das Grab selbst wird durch einen Pfosten, in welchem du Gesicht des Ver- 
storbenen geschnitzt ist (wie bei den Garos) marlcirt. 

Verbrechen gegen die Gemeinde werden mit Geldstrafen geahndeL Wer 
nicht bezahlt, wird Sklave. 

Die Mru Khyens leben diesseits des Semrn. Sie besch&ftigen sich be- 
sonders mit dem Herabflössen von Bambus, den sie verkaufen. Eins ih^er 
Dörfer: Änimgruaj ist ein Asyl für Krüppel, Aussätzige und allerlei unheil- 
bare Kranke, welche dort verpflegt werden. Sie dürfen nicht betteln und 
iu keinem Dorfe aufgenoromen werden. 

An den Quellen des Semra lebt ein anderer wilder Stamm, die Kus, 
14,485 Seelen stark. Sie verkehren mit den benachbarten Kumis im Koladein- 
Ereise, sind aber sonst sehr gefürchtet wegen ihrer Grausamkeit Bei fest- 
lichen Gelegenheiten tanzen sie um einen Stier — G^yal — herum, welcher 
an einen Pfahl angebunden, den Wurfspeeren der T&nzer als Scheibe dient. 
Sein Blut aus zahllosen Wunden hervorquellend, wird in Bambnsbechem 
au^efangen und von Männern, Frauen und Kindern gierig getrunken. Sie 
sollen auch Menschen in derselben Weise zu Tode quälen. — Ihre Hauplr 
nahrang ist indisches Korn. Salz kennen sie nicht. 

In derselben Bergkette südlich von den Ehyens wohnen die bekannten 
Karenen. Nach Mr. Mason'e Aneicht ist das Wort Karen barmesiscben Ur- 
sprungs und bedeutet: Ureinwohner. Die Karenen werden auch roanchmal 




BMchreibende Etluiologie BengaieiiS. 235 

ähnlichen Traditionen von chinesischen Juden erhalten haben, denn sie be- 
schreiben ihre verloren gegangenen Religionsbücher als aus Häuten oder Per- 
gament gefertigt, und vor einigen Jahren fonden chinesische Missionare bei 
einer jüdischen Familie in Ehai-Jong-Ju mehrere Exemplare des Pentateuch, 
welche mit kalligraphischer Genauigkeit auf weisses Schafsleder geschrieben 
waren. 

Es lässt sich nach dem Gesagten verstehen, warum sie das höchste 
Wesen Ywah (Insovah) nennen und die ersten Menschen Eu und Tha-nai. 
(Thanai ist unter den Berg Miris und Dophlas für Menschheit gebr.) Beide 
übertraten die Gebote Gottes auf Anstiften eines Drachen, und assen von der 
weissen Frucht, welche, wie der Drache sagte, die süsseste sei, aber neidi- 
scher We^e ihnen vorenthalten werde, weil sie durch den Genuss derselben 
Gott gleich werden würden. 

Die Regierungsform der Karens ist patriarchalisch, aber neben den Aelte- 
sten üben die Bukso und Wi einen bedeutenden Einfluss aus. Bukso sind 
die Priester, welche zugleich Magie- und Arzeneikunde treiben; Wi sind 
Propheten, welche, wenn sie in Verzückung gerathen, weissagen. 

Die lokalen, persönlichen und individuellen Genien der Karens heissen 
Eelah. La, Lai oder Yo. Jedes Ding hat seinen Eelah. Wenn die Reisemte 
nicht gerathen, so muss der Reiskelah angerufen werden. Jeder Mensch hat 
seinen Eelah, welcher vor ihm existirte, mit ihm in die W^elt kam, mit ihm 
lebt, aber nicht mit ihm stirbt. Die von ihren Leibern durch den Tod ge- 
trennten Eelahs bleiben unten auf der Erde, und werden böse Genii, oder 
sie gehen in den Hades, die Hölle oder den Himmel. Ausser diesem Alter 
jedes Individuums haben die Leidenschaften je einen Eelah. Das moralische 
Princip oder die Seele heisst „Tsah". Gute und böse Thaten gehen von 
Tsah aus. 

Im Eopfe wohnt eine Gottheit „Tso" (Gewissen?) und so lange Tso 
regiert, hat kein Eelah (böse Ifeigung?) Einfluss auf den Menschen. 

Der Gott Phipho regiert im Fegefeuer (Hades?): butay, die eines natür- 
lichen Todes Gestorbenen gehen zu ihm, und wenn sie ihm gefallen, schickt 
er sie in den Himmel, wenn nicht, so müssen sie in die Hölle: Serah. 

Einige Sterbliche sind aber so gottlos, dass sie gar nicht zu Phipho ge- 
langen, sie wandern als Gespenster auf Erden umher und nähren sich von 
den Eelahs der Menschen. 

In den Muksas verehren die Earens ihre Vorfahren, welche als die 
Schöpfer der jetzigen Generation Opfer erhalten. Sie präsidiren bei Hoch- 
zeit nnd Geburt. 

Der Wi besitzt die Macht, Todte oder Sterbende zu beleben, er muss 
aber dazu erst den Geist eines Lebenden fangen und zum Todten bringen. 
Die Geistberaubte Person sinkt todt nieder, kann aber durch einen anderen 
eingefangenen Geist wieder belebt werden und so fort ad infinitum. 

Eine gute Gottheit Phibi-Ya sitzt einsam auf einem Baumstumpf und 



)«i*n 



t Bthjiologie BoDsalei 



bewacht die Kornfelder. Ihrer Sorge verdankt mau das Reifen dea G^reides 
and die gefüllten Schenem. 

Unter dem Namen Karen fasst man noch andere Stämme zosammen, 
welche verachiedene Dialekte ein nod derselben Sprache sprechen. Die zahl- 
reichsten unter dieseo sind die Sgans, welche sich von Mergni 12" N. 
Breite bis Prome und Tungu 19" N. Breite erstrecken. An der sfidliches 
Grenze Tungus nennen sie sich Maa-ne-pgha, und jenseits des Mitniun Creek 
Paki. 

Die Fwos findet man neben den Sgans bis Sitang hinauf. Sie sind 
Budhisten nnd sind vor andern dadurch kenntüch, daas sie gestickte Ueber- 
würfe tragen. 

Kleider bilden unter den Karens häufig das Unterschiedszeicben. So 
sind z. B. die rotheu Karenen nicht wegen ihrer Hautfarbe, sondern wegen 
ihrer rotben Hosen so gonannt. Die wilden Karenen haben rothe atndilen- 
fSrmige Linien auf dem Sitz desselben Kleidungsstückes. Die orthodoxe Sitte 
schreibt eigentlich vor, dass sie dieselben auf ihrem Sitzfleisch tättovirt ha- 
ben sollen. 

Die Bahai Karens wohnen in Pegu, südlich von Tungu. Ausser den 
genannten finden sich noch drei kleinere Stämme; die Mopgha, Tungthus 
und Tari. 

Die National - Physiognomie der Karens ist wesentlich indochinesisch. 
In ihren Traditionen erzählen sie: Diese Städte in den Wäldern lagen in Rui- 
neu, als wir vom Norden, wo wir eine Stadt nnd ein Land Tungu genannt 
besassen, hierher kamen. 

Unsere Vorfahren kamen durch den Strom des fliessenden Sande«, das 
war eine schauerliche Gegend, wo der Sand vor dem Wind dahin rollte, wie 
die Wogen der See, durch übernatürliche Hilfe kamen sie hindorch. 




B0Mhmbende IMmolafiJfi RogplwMi 237 

Obgleich die Talaings in Pegu eben so wenig zu Bengal gehören, wie 
die Karenen, so dürfen sie doch hier eben so wenig übergangen werden, and 
zwar deshalb, weil auch sie eine Sprache reden, die von den indochinesischen 
Dialekten ilirer Nachbarn ganz verschieden ist, aber viel Aehnlichkeit hat 
mit der Monda- oder Ho -Sprache Chatia Nagpurs. Logan constatirt in 
seiner Geschichte der Barmesischen Race, dass die radikale Identität der 
Relativ - Pronomina, der Definitiva und der Numeralia der Kolhsprache 
mit denen der Mon-Anam- Gruppe erwiesen sei — Beide Gruppen sind 
Zweige einer ürbildung, die viel mehr tibetbarmesisch als dravidisch zu sein 
scheint. 

Die Talaings oder Mons waren offenbar die ersten Bewohner Pegus, die 
Asamesen z. B. nennen noch heute die Barmesen: Mon oder Mau. 

Logan erwähnt ferner, dass in den Dialekt der Binnua und Simaog- 
Völker in der Provinz Wellesley uod Prince of Wales Insel die Pronomina 
dieselben Formen haben, welche unter dem Himalaya- Volke, das im Ganges- 
Thal vor der arischen Einwanderung herrschte, im Gebrauch waren. Viele 
von diesen Pronomina und manche andere Y(^orte werden jetzt noch von den 
Kolh und Santalstämmen am Ganges, den Kgi oder Easias am Brahmaputn 
den Palaongs, Mons am Irawaddy, den Kambroschans am Mekong und den 
Anamesen am Tonquin gebraucht. Dass eine Mon-Colonie am Munda noch 
lange nach dem Einfall der Arier florirte, ist durch die Felsinschriften im 
Styl des alten Mon erwiesen, welche man in Provinz Wellesley und am 
Bnkit Mariam findet. 



V. fini|ipe. 

Hinduisirte Ureinwohner und gebrochene StÄmme. 

1. Abtheilung. Einleitende Bemerkungen. 

Die Purans erzählen, dass die Bewohner des Vindhya-Gebirges Abkömm- 
linge des Nishada seien, „welcher aus dem Schenkel des Königs Veda ent- 
sprang. Ihre Farbe ist so schwarz wie die der Kohle oder der Krihe, ihr 
Gesicht ist flach und sie sind rettungslos lasterhaft.^ 

Diese und andere Legenden weisen darauf hin, dass es in den frühesten 
Zeiten eine intensiv schwarzfarbige (?) Racein Central-Indien gab, deren Nach- 
kommen sich von den Stämmen mongolischen Ursprungs mit schwarzbrauner 
Farbe unterscheiden. Das Vindhya-Gebirge, welches damals wahrscheinlich 
die Berge Chutia Nagpurs mit umfasste, wird besonders' als der Aufenthalt 
der schwarzen unschönen Stämme angesehen, und wir finden dort jetzt noch 
Specimen eines niedrigeren Menschheitstypus, Leute die man getrost als die 
Nachkommen der Urvölker ansehen darf, welche die in den Damudar-Kohlen- 



238 Beschreibend« Ethnologie Beng&lens. 

minen letzthin auffrefundeneD Steinwerküenge gemacht (entdeckt von Ball im 
geol. surrey.)- Daa sind vielleiclit die ersten Ureinwohner, die Äsurs, von 
denen ein so grosser Tbeil der Bevölkerung die tiefere Schwärze der Hantfarbe 
geerbt hat. 

Die Torariecbeu Bewohner der Ganges-Provinzen nm&issten die gebroche- 
nen Stämme Nepals, welche schwarz sind, die Eoctsdi, die Tscheros, die 
Kharwars, die Eolariscben und einige andere Stämme, zu denen wir später 
kommen. Mit Ausnahme des Dravidischen' Dialekts, welcher von dem Noaus 
und den Radschnasal - Bergvölkern gesprochen wird nnd neuem Datums zu 
sein scheint, ist die Eolariscbe oder Mundasprache die einzige vorariache 
Sprache, welche jetzt in Behar und im eigentlichen Beogal gesprochen wird. 
Die im Folgenden beschriebenen Stämme reden einen Hindi-Dialekt, aber 
ihre äusserliche Erscheinung, ihre Sitten, die Ueberbleibsel ihres früheren 
Heidenthums und viele ihrer Traditionen führen zu der Annahme, dass sie 
die Nachkommen eines Volkes sind, welches mit den Kolarischen Racen zu- 
sammen Bebar und einen grossen Theü des eigentlichen Bengalen vor dem 
Einfall der Arier .bewohnte, und da die Mnnda- Eolh - Sprache so vielen 
Stämmen eigen ist, welche auf diese Weise verbunden werden können, nnd 
diejenigen, welche nicht Munda sprechen, nor in der Sprache ihrer Eroberer 
reden, so ist es höchst wahrecheinUcb, dase Monda vor Zeiten die Sprache 
ganz Bebars und Bengals war. 

Die Priester Ceylons (Capt. Mahoney) geben an, dass in Madhydish 
(Gaya) die Schreibeknnst nicht bekannt war, als Gautam geboren wurde, nnd 
Buchanan Hamilton meint, die Sprache sei die der Tscheros uad Eolbs ge- 
wesen, von denen die ersteren als die dominirende, die letzteren als die 
unterworfene Race erwähnt werden. Die Tscheros nahmen die Lehren des 
Gautam an, die Kolbs verwarfen sie, in Folge dessen wurden jene nach und 




Beechreibende Ethnolof^ie Bengalen«. 239 

2. Abtheilung. Die Tscheros und Eharw&rs. 

Wie schon oben erwähnt, wurden die Ganges-Provinzen einst von Stäm- 
men bevölkert, welche die Munda oder Eolarische Sprache redeten, unter 
denen die Tscheros die ersten waren. 

Im Behardistrikt sind zahlreiche Monumente, deren Errichtung man den 
Tscheros und Eolhs zuschreibt, da aber darunter Götzentempel sind, so ist 
es unwahrscheinlich, dass die Eolhs dabei betheiligt gewesen, denn gerade 
ihnen ist die Aufrichtung von Götzen in Tempeln ganz fremd. Diese Eolhs 
waren sicherlich die Eharw&rs, welche seit uralten Zeiten mit den Tscheros 
▼ermischt waren. Beide Stämme bildeten wohl zuerst eine Nation, aber die 
ersteren hinduisirten sich und bauten die erwähnten Monumente. Die phy- 
sischen Eennzeichen der Tscheros haben sich durch Verbindungen mit Bündu- 
Faroilien sehr abgeschliffen, zeigen aber noch mongolische Züge: hellbraun, 
hohe Backenknochen, kleine schiefe Augen, niedrig breite Nase, grossen 
Mund mit hervorstehenden Lippen. Buchanan erzählt, dass die alten Tscheros 
eben so wie die Eolarische Familie in Chota Nagpur behaupten, Nagbansis 
zu sein; die letzteren wurden sogar in Gorkhapur und Behar als das Haupt 
der Nagbansi-Familie angesehn, obgleich sie der Eolhrace angehören. 

Die Tscheros behaupteten auch längere Zeit ihre Herrschaft im westl. 
Theile von Eosala, d. i. Gorackpur, als schon die anderen Theile dieses 
Landstriches in die Hände der Gorkhas gefallen war. (Von diesen der Name 
Gorkhapnr=Gorakhpur.) Die Gorkhas wurden wiederum von den Tharu« ver- 
trieben, welche vom Norden kamen und der Sonnenfamilie anzugehören be- 
haupteten, also Arier waren. 

Ebenso gehörte der ganze Shahabaddistrikt den Tscheros, welche als die 
Erbauer der jetzt noch dort vorhandenen Monumente angesehen werden. 
Jetzt sind die Tscheros in Shahabad und den Behardi strikten bis auf die 
niedrigste Stufe der socialen Scala gefallen, in Palamow aber war es ihnen 
gelungen, bis zum Eindringen der Engländer eine fast unabhängige Stellung 
zu gewinnen. Sie versuchten sogar ihre Forts gegen die Truppen der letzte- 
ren zu vertheidigen, wurden aber bald unterworfen und tributpflichtig gemacht. 
Sie geriren sich jetzt als Radschputs und tragen die heilige Schnur (poita), 
verheirathen aber ihre Einder mit den Eharwärs, welche bei ihrem Eindrin- 
gen in Palamow zu den bedeutendsten Stämmen dieser Provinz gehörten. 

Die Nachrichten über den Ursprung beider Stämme divergiren. Die 
Tscheros geben als ihren gemeinsamen Stammvater den Tschaiu Muni, einen 
Mönch von Eamaon an, welcher eine Tochter des dort herrschenden Eönigs 
heirathete. Andere behaupten, sie seien auf wunderbare Weise dem Ashan 
(Sitz) des Tschain Muni entsprungen. 

Die Eharwärs nennen den Rohtas als ihren ursprünglichen Sitz, welcher 
der Lieblingsanfenthalt des Prinzen Rohitaswa war, welcher der Sonnen-Familie 
angehörte, sie halten sich daher für Surdschbansis (Sonnenkinder) und tragen die 
Poita (Schnur) der Eshatris (Eriegerkaste). Eine andere Sage giebt an, die 



240 BcMlmitMiide Ethooloftie BangtiMU. 

Eharw^s aeien eine Mischrace, welche während der Regiernng des Königs 
Ben entstand. Dieser Fdrst erlaubte nämlich allen Mäimern sieb mit irgend 
welchen Frauen, ohne Kacksicht auf Kaste und Familie, ehelich ?.a verbinden, 
und die Stammeltem der Kharwäm aeien ein Kehahi und eine Phanni (Fraa 
aus den Ureinwohnern). Col. Oslton schliesst aus der Gresichtsbildung der 
Kharwirs, daaa sie tnranischen Ursprungs und »ahrscheinlich verwandt sind 
mit den Kiratio oder Kiranas, welche zu den Nachkommen des Nishada ge- 
hören und in dem Bhagawat ala „krähenschwarz, mit herTorstehendem Kinn, 
breiten flachen Nasen, rothen Augen qdA achwarzbraonem Haar" besdiriebea 
werden. 

Ihre ursprüngliche Sprache scheint ganz yerloren zn sein. Der Bau 
ihres Verbnma zeigt nach den von Hodgson angeatellten Untersucbongen An»- 
logien mit dem Manda-Verbum und die Fragmente ihrer alten Religion, welche 
sich trotz ihres Hinduismus noch hier und da finden, deuten darauf hin, dass 
die Tscheros und Kharw^a früher mit den Kolariachen Stämmen in nähere 
BerQhrung gekommen sind. Sie haben wie die Kolhs drei jährliche Opfei^ 
feate, welche in dem „Sama" (heiliger Hain der Kolhs) abgehalten werden. 
Ebenso hat ihr Priester den unter den Kolbe bekannten Namen pahan. Auch 
ihre Gottheiten aind denen der Kolha ähnlich. Diese sind Duar Pahar, Dharti, 
Daknai (Darha der Kolhs). 

Die Kharwärs theilen sich jetzt in 4 grosse Familien: Die Bhogtas, 
Mandschhis, Rädts und Mahatos. In ihrer äusseren Erscheinung erinnern 
sie sofort an die Santals, (siehe diese) es fehlt ihnen aber das natOrliche 
ehrliche Wesen der letzteren. Sie sind &ul, verschlosaen und zeigen eine 
ganz prononcirte Vorliebe für Blntopfer. Auch ihren Tänzen mangelt das 
freie Sichgehenlaasen, welches die Kolhs so durchaus kennzeichnet MäDOcr 
und Frauen tanzen getrennt von einander, und die letzteren verhüllen dabei 




Beschreibende Ethnologie Benf^l«». 241 

ein Zag, welcher aas der Urzeit ihrer Geschichte stammt. Bei den Parheyas 
gehört dazu z. B. die Anbetung der Waldgötter Dharti und Gehet, welche 
in den Bergen wohnen und Ziegenblut gern haben. 

4. Abtheilung. Der Stamm der Kisans oder Nagesar. 

Kisan bedeutet: Landbauer. Der Stamm erhielt daher diesen Namen, 
wahrscheinlich weil er sich ausschliesslich dem Landbau widmet. In manchen 
Orten heissen sie auch Nagesar (Nags^chlange — esar='ish\var=Gott) obgleich 
8ie nicht mit den Nagbansis (Schlangengeschlecht), zu welchem das königliche 
Geschlecht Tschutia Nagpurs zu gehören vorgiebt, verwandt sind. Mr. Phal- 
boys Wheeler hält diese Nagbansis für die Urbewohner der Wälder, gegen 
welche die Pandavas fochten, und die Nagesars, welche jetzt noch in den 
Wäldern leben, deren Randungen sie bebauen, mögen wohl Nachkommen 
dieser alten Race sein. Man findet sie in Sirgudscha, Dschaspur, Palamow 
und im Lohardaggadistrikt. Sie gleichen den kolarischen Racen, zeigen aber 
mehr den Santal- als den Hotypus. Der Hauptgegenstand ihrer Verehrung 
ist der Tiger, ban radsch = Waldkönig. Sie tödten ihn nie und glauben, 
dass er seine besondem Verehrer schone. Ausserdem beten sie zu ihren 
Vorfahren und opfern dem Shikaria Deota (Jagdgott) und der Sonne Ziegen 
und weisse Hähne. Wir finden also auch hierin den Schamanismus der Eolhs. 

Die Kisans in Dschaspur scheinen weniger civilisirt, als die oben er- 
wähnten in Sirgudscha. Sie leben isolirter und verehren den Tiger nicht, 
sie schwören aber bei ihm. Ihre Hauptgottheit ist Moihidhunia, welchem 
Hühner geopfert werden und je drei Jahre ein Büffel Der nächste Gott ist 
Mahadeo, d. h. es ist einer ihrer alten Götter, dem sie den Namen des EUndu- 
Gottes gegeben haben, und dem sie besonders während der Erntezeit ihre 
Devotion bezeugen. Der Schutzgott der Dörfer ist Darha, wie bei den Kolhs; 
ausserdem haben sie verschiedene Pats — heilige Höhen, die den Göttern 
geweiht sind, als Bamonipat, Andaripat u. dgl. Die Kolhfeste und Tänze 
sind alle bei ihnen einheimisch geworden. Sie sprechen aber nur Hindi und 
bestatten auch ihre Todten nach dem Hinduritus. 

Die Kisans begnügen sich mit einer Frau und haben keine Concubinen. 
Die Mädchen werden erst verheirathet wenn sie mannbar geworden und die 
Eltern besorgen die Angelegenheit ohne Zuratheziehung der Kinder. Zwei 
Körbe Reis und eine Rupie sind der Preis, welcher für die Braut zu zahlen ist. 
Anstatt der gewöhnlichen Bestreichung mit Sindur bindet bei ihnen das gegen- 
seitige Benetzen mit Oel den Verbindungsact zwischen Braut und Bräutigam. 
Obgleich die Kisans so viele Sitten mit den Kolhs gemeinsam haben, so ver- 
neinen sie doch jegliche Verbindung mit denselben und weisen bei Andeu- 
tungen, welche man in dieser Hinsicht macht, einfach auf ihre Frauen hin, 
welche nicht tättowirt sind, während die Kolhfrauen alle mit „Godna^ ge- 
aeiehnet sind. Wenn eine Kisanfirau so eitel sein würde, sich tättowiren zu 
laaaen, so würde sie sogleich als unrein Verstössen werden. 



242 Beschnib«nd« Ethnologie B«iig»leii8. 

Das ÄDBsehen der KisEtos ist keinesw^ einnehmend. Col. Dslton be- 
schreibt sie als von kurzer Statur, tiefecbwarzer Farbe and unsauberem Aeusse- 
ren — Stirn zurückweichend — schmal und niedrig in eine scharfe Kant« &ber 
der Nase auslaufend, die letztere kurz, breit an der Basis mit bedeutender 
Lateral-Entwicklung — Zähne herTorstebend und Lippen aufgeworfen. 

Obgleich sie die Eolh-Tänze angenommen, eo haben sie doch die dazu 
gehörigen Gesänge verschmäht, sie begleiten sich mit Fragmenten alter Hindu- 
balladen, die aber so verstümmelt sind, dass sie ganz anverstündlich geworden. 
Col. D^ton gicbt eine Strophe verbatim, die ihm die Primadonna eines Eisan- 
Dorfes vorsang: 

Sri Bindaban men Kusa Eanderio 
jaban lotol raor Eaia 
Sundar \o surbel nirdwa. 

Die Sängerin hatte keine Idee von der Bedeutung der Worte, welche 
offenbar eine Klage der Brindabau-Jungfrauen über die Unbeständigkeit ihres 
Lieblingegottes Krishna enthalten. 

5. Abtheilung. Die Bhuibers. 
Das ist ein anderer von den Urst&mmcn, welche in Palamow und Dscbas* 
pur leben (nicht zu verwechseln mit den Bbuiyas und Boyars). Sie gehören 
nach Col. .Dalton's Ansicht zu den niedrigsten Typen menschlicher Wesen, 
die er auf seinen Wanderungen getroffen: tief schwarz, kugelrunden Kopf^ 
hervorstehende Kiefer und -Lippen, Nase wenig erhaben, Schweinsaugen, 
ungefüge kurze Körper mit kleinen Extremitäten, ohne Maskel-Entwickelung, 
äusserst schmutzig von Ansehen, mit Hautkrankheiten und Augenübelo be- 
haftet. — Sie sprechen Hindi, sind aber eben so arm an Ideen wie an Schön- 
heil. Die Sonne und die Vorfahren sind Gegenstand der Verehrung, ob aber 




Beschreibende Ethnologrie Bengalena. 243 

(der auch den Gonds bekannt ist), er erhält Hühner am letzten Tage des 
Phalgaa und bei Hochzeiten eine Ziege. Sie verheirathen ihre Kinder früh; 
Cal. Dalton sah ein einähriges Ehepaar. Die Braut kostet Rupies 5 und 
eine Quantität Reisbier. Die Todten werden begraben und männliche Leichen 
mit Axt, Messer, Bogen und Pfeilen bestattet. 

Sie haben drei Tänze, den Dawa, Terriah und den allgemein bekannten 
Earm. Trommelmusik und Gesang bilden das Accompagnement. 

Ihre Farbe ist schwarzbraun — sie sind gut proportionirt im Wuchs, 
zeigen aber grosse Breite der Backenknochen, schmale Stirn, breite Nase mit 
sehr weiten Nasenlöchern, doch etwas erhabenen Knochen, Mund so breit, 
dass seine Winkel beinahe so viel Raum einnehmen, wie die Breite der 
Augen beträgt, Lippen schwülstige Kinn zurückgezogen. Bei mehreren finden 
sich auch Spuren von Bart. 

Ein kleiner Stamm, welcher den Boyars sehr ähnlich ist, von ihnen aber 
getrennt lebt, die Santhas, wohnt in etwa 12 Dörfern auf dem Mainpat, einem 
plateau in Sirgudscha. Sie zählen gegen 100 Familien, haben aber nicht 
die geringsten Traditionen über ihren Ursprung. Die Santals sind ihnen un- 
bekannt, sonst könnte man aus der Aehnlichkeit des Namens auf eine Ver- 
wandtschaft beider schliessen. 

7. Abtheilung. Die Nagbansis. 

Zwischen den Flüssen Maini und Jle im Lande Dschaspur liegt ein 
Thal, welches au allen Seiten von hohen und abschüssigen Felswänden der- 
artig eingeschlossen ist, dass es wie geschaffen zum Versteck erscheint. Hier 
verbargen die Einwohner ihre Schätze zur Zeit der Mahratta-Kriege und hier 
wurden bei feindlichen Ueberfallen im Lande die Frauen der königl. Familie 
und die Kostbarkeiten derselben in Sicherheit gebracht. Das Thal bietet ge- 
nügend Raum für mehrere Dörfer und hier fand Col. Dalton eine Colonie des 
Urstammes, welcher jetzt unter den Namen Nagbansis bekannt ist. — Sie 
hatten seit etwa 10 Generationen dies verborgene Nest inne und gaben an, 
dass sie von Nagpur, d. i. Chota oder Tschutia Nagpur gekommen und 
Verwandte des hiesigen Königs seien. Ihre Zweigfamilien erstrecken sich im 
Ganzen gegen 300 an der Zahl bi» nach Udaipur und Sirgudscha. Die Nag- 
bansis in Dschaspur sind neuerdings Schüler der Gosains und Bairagis ge- 
worden, ihre übrigen Brüder aber zeigen keine hinduistischen Neiguogen, 
sondern halten fest an ihren Local-Gottheiten, welche sich nach Art der Ko- 
larischen Stämme durch Opfer, einjährige und dreijährige versöhnen. Beson- 
dere Verehrung geniesst der Bara Deo, welcher auf einem hohen Felsblock 
im Thal wohnt. Der Dorfpriester heisst bei ihnen Baiga. Dieser hat jedoch 
mit ihren häuslichen Ceremonien nichts zu thun. Die Todten bestatten sie 
nach der Sitte der Kaurs; diejenigen, welche unverheirathet gestorben, werden 
ohne weiteres in die Grube geworfen, die aber im Leben ihre Pflicht als 
Ehemänner und Väter erfüllt haben, werden im Tode durch einen Scheiter- 
hMifen geehrt. 



244 Bc«chrafbende Ethnolt^e Bengaleiu. 

Die Züge der Nagbansis zeigen eine starke Atiplattimg dcB Gesichts, 
Farbe gelb, auch braun, Lippen sehr voll und vorstehend, Augen grade in 
derselben Höhe mit den Backen. Kinn znrQckweicheDd. Das Au&Uendste 
ist aber ihre Nase. Sie erhebt sich kanm zwischen den Augen and ist on- 
förmlich breit an den Flügeln, mit nach den Seiten bin ausgedehnten Nasen- 
löchern. 

8. Abtheilung. Die Eanrs oder Eanravas. 

Dieser Stamm bildet einen beträchtlichen Tbeil der Bevölkerung in 
Dschaepur, Udaipur, Sirgudscba, Korea, Tscband Bakbar und Korba in 
TscLaltisgarh , aber obgleich sie weitbin zerstreut leben und wenig Verkehr 
mit einander haben, so stimmen sie doch darin flberein, dasa sie alle Nach- 
kommen der Söhne des Kura seien, welche unter dem Namen Kauravas in 
den Schastrs bekannt sind. (Sie wurden von den Pandavas in der grossen 
Schlacht bei Kura Kshetrya gescbl^en und flohen, von ihrem Hauptsitz 
Hastinapur vertrieben, in die Berge Central-IndJens.) Auch ihre Hindn- 
Nachbam bestätigen diese Abkunft und obglei<^ die Kanra viel schwärzer 
und den verachteten Abkömmlingen des Nisbada sehr ähnlich und in vieler 
Hinsicht ganz antibinduisUsch sind, so verscbmäben es die erstereu doch nicht, 
sie als ihre Brüder zn betrachlea. 

Die Kaurs tbeilen sich in 4 Hauptfamilien: 1) die Dudh-Eaurs (Milch- 
Kaurs), welche in Tschattisgarh wohnen und genau nach den Vorschriften 
der Hinduscbastrs unter der geistlichen Pflege (?) von Bruhmanen leben. 
2) Die P&ckera, welche zwar auch orthodox sind, aber doch eine Stufe niedri- 
ger stehen, als die Dudh. 3) Die Kettiah-Kaurs in Udaipur, welche sowohl 
in ihrem Aeusseren als auch in ihren religiösen Ceremonien wenig hindaisti- 
sches an sich haben. Grobe Züge, breite Nase und weiter Mund mit dicken 




Retchr^bende Ethnologe Bengalens. 245 

beqaem eingerichtet, gut gebaut und sehr rein gehalten. Nach all dem oben 
Gesagten l&sst sich wohl gegen ihre Angabe^ hinduistischen Ursprungs zu 
sein, Nichts sagen; bemerkenswerth bleiben aber dabei ihre turanischen Züge^ 
welche durchweg den Eaurs eigen sind. Und man möchte im Hinblick da- 
rauf versucht sein, mit Col. Daltou die Frage aufzustellen, ob nicht der grosse 
Streit zwischen den Panda vas und Eauravas, anstatt ein Familienzwist zu 
sein, vielmehr ein Kampf um die Oberherrschaft zwischen einer arischen und 
einer turanischen Nation war? Dafür würde z. B. auch die Thatsache sprechen, 
dass die Eaurawas in den topographischen Capiteln der Mahabharat mit an- 
dern Stämmen zu den „Dschangalas^ (Bewohnern der Wildnisse) gezählt wer- 
den und in den Purans heisst es, dass sie mit den Panchalas die Haupt- 
nationen der Mitteldistrikte Bharats bildeten. Andrerseits ist es ja auch 
möglich, dass die jetzigen Kauravas die Nachkommen unterjochter Aborigines 
sind, welche den Hauptbestandtheil der Armeen Haetinaqurs bildeten. 

9. Abtheilong. Die Mars. 

Unter den gebrochenen Stämmen Palamowo und Sirgudschas finden sich 
vereinzelte Familien, welche unter dem Gemeinnamen Mar bekannt sind. 
Nach ihrer Angabe kommen sie von Malwa. Der Name Mar oder Mala ist 
aber durch ganz Indien verbreitet und wird sowohl von Ariern als auch von 
gemischten Stämmen gebraucht. Die Mars, mit denen wir es hier zu than 
haben, behaupten, Eshatris zu sein, also der Eriegerkaste anzugehören. Die 
cxclusiven Gesetze der Easte behagten ihnen aber nicht, sie warfen dahet 
die heilige Schnur weg und griffen zum Pfluge. Sie haben brahmanische 
Priester und verehren die Götter der Hindus und, ein Zug der auch den 
Eaurs eigen ist, diejenigen unter ihren weiblichen Vorfahren, welche Sati ge- 
worden, d. h. sich als Wittwen auf den Scheiterhaufen verbrannt haben. 

Ihre Wohnungen sind bequem eingerichtet. Den Ackerbau verstehen sie 
in hohem Grade, und man rühmt noch ihren grossen Reichthum, den sie 
früher besassen. 

Ihre Gesichtszüge und Farbe sind sehr verschieden. Schön geformte 
Züge mit ziemlich heller Hautfarbe sind eben so oft vertreten wie platte Ge- 
sichter mit gelblich schwarzem oder braunem Teint Im Ganzen lässt sich 
aber ihre arische Abkunft nicht verkennen, wenn auch eine bedeutende Por-» 
tioD Ureinwohnerblut in ihren Adern fliesst. 



VI Ciraj^i^ 

Die Bhuiyas und Bendkars oder Savaras* 

Bachanan Hamilton fand die Bhuiyas in Bhagaepur, Bihar und Dlnadsch- 
pnr. Er nennt sie Bhungiyas and hält sie für die Ueberbleibsel der Armeen 
de« Dschorasandhu. Seiner Angabe nach sind einige Familien die^«% SAaxqcisv«^ 

ZtÜMkrlft fir BUwologl«, Jahrgaaff 1874. V\ 



246 Beschrdbaiide Bthnologl« Bengalens. 

vollständig hiDduisirt, wälirend andere geradezu zur Hefe der Berölkerung 
gezählt werden, weil sie, anetatt sich Jim die Hinduvorschriften in Beziehong auf 
NahroQg und dergl. zu kümmern, alles essen, was ihnen in den Weg kommt, 
und statt der Hindugötter die Viras, d. h. die Geister ihrer verstorbenen 
Helden anbeten. 

Campbell glaubt, sie sind mit den Bnis in Madras und den Centralpro- 
viozen verwandt, was immerhin sein kann, denn die BhuiyaiOge sind im 
Allgemeioen mehr tamnlisch ond an den sfldlicben Grenzen Beogalens findet 
man sie in besonderer iVnzahl und Reinheit vertreten. Sie geh&ren jedraifalls 
mehr zu den südlichen, den drawidischen, als den nördlichen, den kolarischen 
Bacen. — 

Tradition: Es ist in einem früheren Abschnitt bei der BevQlkemng 
Asams erwähnt worden, dass eine Dynastie — Bara Bfaniya genannt, einst 
in dieser Provinz herrschte, und dass jetzt noch die Kuiuen ihrer grossartigen 
Bauten im Norden des Brahmaputr zu finden sind. Wie diese Leute dorthin 
gekommen, das zeigt uns eine von Hamilton erz&hlte Tradition (in seiner 
Geschichte von Dinadschpur), welche aogiebt, dass 12 edle Bhungiyaa sich 
am Eoladain, dem Grenzfiues zwischen Kamrup und dem alten Matsyadesh, 
niederliessea und dort eine Herrschaft gründeten. Die Bhuiya-Eiowohner des 
nördlichen und östlichen Bengalens leben in sehr bescheidenen Zuständeu 
und gehören fast ohne Ausnahme zur dienenden EJaase, aber man vermuthet, 
nicht ohne Grund, dass einige der angesehensten Familien Bengalens dieser 
Race entstammt sind und viele von ihnen haben jetzt hohe Stellungen in den 
„Wald- und Tributpflichtigen Mahals". Auch in Singbhum waren sie einst 
mächtig, wurden aber von den Hos (Kolhs) unterdrückt. In den abhängigen 
Provinzen Gangpur, Bonai, Keondechhar bilden sie allein fast die Klasse der 
erbgesessenen Besitzer. Sie waren die Barone, von denen die jetzigen chiefs 




Beschreibende Ethnologie Bengalent. 247 

Id ihrer Kleidung udterscheiden sie sich durchaus nicht von den Hindus. 
Viele von ihnen nennen sich Kandaits und behaupten, zu der Familie der 
Or-Kandaits oder Paiks in Orissa zu gehören, und beanspruchen daher das 
liecht, die Brahmanenschnur zu tragen, in den Grangesprovinzen iedoch wer- 
den sie nur zu den „Musahars'^ (Rattenesseni) gezählt 

Alte Rechte: Es ist bemerkenswerth, dass einige der hinduisirten 
Bhuiyas gewisse Vorrechte vor den Brahmanen in Beziehung auf die Ver- 
richtung von heiligen Handlungen in mehreren alten Tempeln gemessen, eine 
Einrichtung, welche sich wohl von vorbrahmanischer Zeit herschreibt und be- 
weist dass die Bhuiyas Tempel hatten, ehe sie Hindus wurden, auch finden 
sich Andeutungen, dass früher Bhuiyagötzen die Stelle der jetzigen Hinda- 
gottheiten in den Tempeln einnahmen. 

Gottheiten: Die Bonai Bhuiyas haben ihre eigenen Priester, Deoris^) 
und heilige Haine, Deota Sara, welche, vier Gottheiten geweiht sind, Dasum 
Pat, Bamoni Pat, Koisar Fat und Boram. Die drei ersten sind Brüder, Ba- 
rooni jedoch wird auch manchmal als Schwester der andern angegeben. Bo* 
ram ist die Sonne, welche auch unter dem Namen Dharma Deota (heilige 
Gottheit) verehrt wird. Die drei Brüder werden durch Steine im Hain dar- 
gestellt, Boram aber, der grösbte der Götter, wird durch Nichts nachgebildet. 
Als Schöpfer wird er in der Saatzeit angerufen, während ihm ein weisser 
Hahn geopfert wird. In Krankheitsfällen erhält, Dasum Pat nebst seinen 
Brüdern von dem Eigenthümer des Hauses, in dem der Kranke sich befindet, 
junge Ziegen. In andern Fällen liefert die Commune die Opferthiere. Das 
sacrificium geschieht am Fuss eines Baumes im Hain und nur Männer 
dürfen vom Opferfleisch geniessen. Der Deori erhält den Kopf des Thieres. 

Sprache: Traditionen über ihre eigenen Wanderungen sind ihnen un- 
bekannt, sie wissen nur, dass sie einst eine grosse Nation im Osten Ben- 
galens waren und eigene Könige hatten, dass sie aber später nach allen Rich- 
tungen hin zerstreut wurden. Die Sprache jener Tage haben sie verloren, 
sie reden jetzt Hindi, Bengali, Uriya, je nach der Localität, in welcher 
sie leben. 

Gebräuche: Sie verbrennen ihre Todten in der Nähe eines Flusses und 
übergeben die Asche den Wellen. Elf Tage nach der Verbrennung rasiren 
sich die männlichen Verwandten, da die Trauerzeit zu Ende, so legen sie 
frische Kleider an und richten einen Schmaus her. 

Die Mutter bleibt nach der Geburt des Kindes 7 Tage unrein. An dem 
Tage wird das Kindeshaupt geschoren und sein Name gewählt Bis zur Ver- 
heirathung, welche erst stattfinden darf, wenn die Eander erwachsen sind, 
finden weitere Ceremonien nicht statt. Die Art und Weise, wie unter ihnen 
flhen zu Stande gekonunen ist, höchst originell. Jedes Dorf hat, wie bei 
den Urans in Tschota Nagpur, seinen Tanzplatz — Darbar— und daneben das 

') So heitsen auch die Priester der Uratamme Äsams (siebe diese). 



248 B««clirelbeade Bthnalogie Bengalens. 

Jnnggeselleiihaas — Dhaugarbasa — oder Mandarf^har, so genannt, weil hier 
die Burschen — Dhaogar — schlafen mäHsen und weil sie hier ihre Trom- 
meln — Mandar — aufbewahren. Manche Dörfer haben auch ein Dhangarin- 
basa, in dem die Mädchen sich des Nachts aufhalten. Nun iat es Sitte, datis 
die Bursche des einen Dorfes die Mädchen des andern Dorfes besuchen, und 
dass die Mädchen den Besuch erwiedem. Mit lautem Trommelgerastiel kommt 
das Bnr.icbencorpe inä Dorf murschirt and zieht geraden wegs nach dem Dar- 
bar, wo sich die Mädchen sofort versammeln und die Geschenke, welche ihnen 
die Beducher mitgebracht haben: kleine Kämme, Spiegel, S&eeigkeiten u. a. w. 
in Empfang nehmen. Die Bursche des eigenen Dorfes dürfen sich dabei nicht 
sehen laHsen. Sobald die Geschenke Übermacht worden, richten die Mädchen 
den Gebern ein Mahl an und nachdem das verzehrt ist, geht man zum Tanz, 
dieser währt die ganze Nacht und der anbrechende Morien findet mehr als 
ein Paar, welche sich die Ehe versprechen. — Die Mädchen bereiten nun 
ihren Gästen das Frähmahl, nach Beendigung desselben brechen die Letzteren 
auf und verlassen unter Gesang und Trommelgetön das Dorf, begleitet von 
ihren freundlichen Wirthitinen, welche ihnen bis zur Dorfgrenze folgen. Diese 
wird gewöhnlich von einem Fluss gebildet Hier hält die Cavalcade, diesseits 
die Mädchen, jenseits die Burschen, und über die Wellen hinüber singen sie 
sich jetzt ihre Abschiedslieder zu. Jede Seite hat ihren Vorsänger, welcher 
gewöhnlich Text und Melodie improvisirt. 

üol. Dalton, welcher Zeuge einer solchen Scene war, giebt einige Stut- 
zen eines dieser Gesänge: 

Barsch.: Kioe KautscfasD- Blume sollt Ihr diu briugen, 
Wir «olleD hören, doch Ihr mSsst singen. 

Uidch.: Wir deoken nicht daran Euch was Tortu«iDg;en, 

Wir «allen nar Qrnoieag (lam Esmd) lusammeo bringen. 
B.: Ihr singt so schön, Gach moss nun hören, 




Beschreibende Ethnoloffie Bengilens. 249 

Mädchen ihres Dorfes nicht im Wege sind. Bei der Eheschliessung scheinen 
besondere Geremonien nicht nöthig zu sein; Tanzen and Singen bilden auch 
hier die Hauptzüge der Feier. — 

Die Eheondschhar Bhuiyas: In Eeondschhar, einer tribatpflichtigen 
Mahal von Katak, treten die Bhuiyas noch als die Ureinwohner des Landes 
auf and machen hier den einflussreichsten Theil der Bevölkerung aus. Sie 
bilden hier mit den Saonts die organisirte Militia des Staates und sind jeden 
Augenblick bereit, die Waffen f&r oder gegen ihren König zu ergreifen. Die 
Pahari Bhuiyas (die aaf den Bergen wohnenden) sind verpflichtet, den König 
auf seinen Reisen zu begleiten und seine Baggage zu tragen. Diese Bhuiyas 
sind ausserordentlich diensteifrig und traktable, so lange sie zufrieden sind 
mit ihrem Herrn, ist dies aber nicht der Fall, so sind sie vermöge ihres 
Einflusses im Stande, das ganze Land in Unruhe zu versetzen; zu solchen 
Zeiten steht der letztere in Wirklichkeit unter der Herrschaft der sechzig 
Chiefs des Pahari Desh (Hochlande der Bhuiyas). Ein in Knoten geknüpfter 
Strick^) fliegt mit Windeseile durch die Dörfer und die Befehle, welche der 
Träger desselben bringt, werden so vollständig ausgeführt, als wenn sie vom 
mächtigsten Despoten ausgingen. Sie beanspruchen auch das Recht, ihre 
Könige einzusetzen, und die übrige Bevölkerung des Landes, die Dschuangs, 
Gonds u. s. w. fügen sich ihrem Willen, sogar die Brahmanen und Radsch- 
puts müssen sich beugen und sich damit begnügen, den Act der Installirung 
welcher unter dem primitiven Ceremonial der Bhuiyas stattfindet, durch ihre 
hinduistischen Riten zu sanctioniren. 

Installation des Königs: CoL Dalton, welcher dieser Ceremonie ex 
officio beizuwohnen hatte, beschreibt sie folgendermassen: 

Eine grosse Hütte in der Nähe des königl. Palastes, welche sonst als^ 
Rumpelkammer gebraucht wurde, war für diese Gelegenheit ausgeräumt, ge- 
fegt und mit Teppichen und Blumen geschmückt worden. Brahmanen im 
Priestergewande standen oder sassen umher, umgeben von den heiligen Ge- 
fassen und Opfergeräthschaüen, welche nach den Vorschriften der Vedas zur 
Königsweihe nöthig waren. — Ausserhalb des heiligen Eo-eises hatte eine 
Anzahl der vornehmsten Bhuiyas, mit neuen Gewanden und Guirlanden um- 
hangen, Platz genommen. Als die die Vorbereitungen beendet, erschien der 
junge König Dhananjai Bhanj und theilte an die Versammelten Pan, Süssig- 
keiten, Gewürze und Guirlanden aus, worauf er sich wieder zurückzog. Nach 
kurzer Zeit erscholl draussen das laute Gedröhn der Trommeln und die lang- 
gezogenen schrillen Homstosse der Bhuiyas and der andern Stämme, und der 
Radscha erschien zum zweiten Mal und zwar auf dem Rücken eines starkge- 
bauten Bhuiya-Häuptling reitend, welcher einem feurigen Rosse gleich unter Ihm 
schnaubte und den Boden scharrte. Gegenüber dem Brahmanen-Kreise ver- 
lässt der König den Rücken des Häuptlings und setzt sich auf den Thron, 

^Ginthi. 



250 BMcbraibenile li^tfauologie BeogaleDS. 

dessen Rücken und Arme ein anderer Bhuiya durch seinen Körper und seine 
Glieder bildet. Die Diener des Königs beschenken nun jeden Bhuiya mit 
den Zeichen königlicher Würde: Banner, Standarten, Pankas, Tschaure, 
Schirme und Baldachine, und 36 Häuptlinge als Erbmarscbälle rangiren »ich 
mit ihren Abzeichen versehen um ihren neuen König. 

Der Verlauf der Ceremonie wurde hier unterbrochen, weil der Schwert- 
träger nicht zu finden war, ein Stellvertreter wurde dnher bestimmt, wobei 
die Bhaiyae aber gan2 energisch protestirten und sich erst dauu zotrieden 
gabeu, als sie die Versicherung erhalten, dass diese Irregularität für die Zu- 
kunft nicht als Präcedenzhll angesehen werden solle. Einer der chiefs bindet 
nun eine im Wald geschnittene Schlingpflanze um den Turban des Königs 
als Siropa oder Ehren kopfbedecknug, von ihnen dargebracht. Die Musikau 
ten fallen hier mit ihren Instrumenten ein, Barden singen Lobgeaänge, Brab- 
manen lesen Stellen aus der Sama Vcda vor und Bamdeo Rascba, einer der 
bedeutendsten chiefs malt dem König den Tika (Königszeicben) mit Sandul- 
holzessenz auf die Stirn, der Premier-Minister und Andere aus der Versamm- 
lung folgen seinem Beispiele, ebenso die Brahmanen and Hauspriester. 

Nun wird das Schwert, ein alter verrosteter Sfibel, in die Hand des 
Königs gelegt und ein Bhuiya mit Namen Anaud Kopat kniet mit gebeugtem 
Haupt rechts vor dem Thron, der König berührt den Nacken des Knieenden 
mit der Waffe, als wollte er ihm den Kopf abschlagen. In früheren Zeiten 
Sei auch der Kopf wirklich, die Familie des Kopat hält ihre Läodereien nur 
nnter der Bedingung, dass sie bei diesen Gelegenheiten ein Opfer liefert. 
Uer Änand steht, sowie er des Schwertes Berührung gefühlt, eilig auf und 
verlässt die Versammlung. Drei Tage darf er sich nicht sehen lassen, dann 
präsentirt er sich dem König, ais einer, der auf wunderbare Weise wieder 
lebendig geworden sei. 

r.kn aie Gescheukf der Bbuiva cl.ieJH KcreiiiL'ebrachi 




Besdureibende Ethnolope Bengalens. 251 

Unter den Bhniya-Familien ist eine, welche mit dem Königshause ver- 
wandt zu sein beansprucht. Sie sagen, vor 27 Menschenaltem stahlen sie 
einen Sohn des Moharbhandsch Königs. Als der Prinz mannbar wurde, ge- 
statteten sie ihm freien Zugang zu all ihren Mädchen, und die aus diesen 
Verbindungen hervorgegangenen Sprösslinge waren die Vorfahren der Radsch- 
Kuli-Familie. Andere Clans sind die Mal oder Desh Bhuiyas, die Dandsena 
und die E^hatti. 

Religion: Boram wird bei ihnen verehrt, oft auch Vir oder Bir, d. i. der Geist 
des grossen Hanuman, am meisten aber verehren sie eine blutd&rstige Schutz- 
göttin Thakurani Mai, die mit der Kali der Hindus^) viel Aehnlichkeit hat. 
Die Bhuiyas in Raipur verehren Bhawani und Bhim, beides Hindugottheiten, 
die südlicher gelegenen nennen ihren Gott Karo Bairo. 

Gebräuche der Raipur Bhuiyas: Die Hochzeiten finden bei ihnen 
im Hause der Braut statt. Die einen beginnen die Ceremonie damit, dass 
Braut und Bräutigam sieben Hände voll Reis gegen einander werfen, worauf 
der Bhanwar oder siebenmalige Umgang um einen Pfahl, welcher in der 
Mitte des Hochzeitsplatzes eingeschlagen ist, stattfindet, diesen fuhrt der 
Bräutigam mit den Brautjungfern aus. * Nun beansprucht der Bräutigam die 
Braut als sein Eigenthum und droht jedem, der es wagen sollte, sie zu rauben. 
Der Baiga knüpft hierauf die Kleider des jungen Paares zusammen (dies ge- 
schieht gewöhnlich bei Sternenaufgang) und überlässt sie sich selbst bis zom 
Morgen; mit Tagesanbruch werden sie nach dem nächsten Wasser eskortirt 
um sich zu baden, wobei der Baiga den Knoten in ihren Kleidern wieder 
aufknüpft. Nach ihrer Rückkehr müssen sie gefüllte Wassertöpfe auf dem 
Kopfe tragend, längere Zeit im Hofe stehen, bis der Inhalt der Töpfe über 
sie ausgeschüttet wird. Nun gehts zum Schmaus. 

Andere mahlen zu Anfang der Hochzeit Urid Dal (eine Hülsenfrucht) 
und nachdem sie das Mehl mit warmem Wasser vermischt haben, waschen sie 
die Brautleute mit der Masse, darauf salben sie sie mit Oel und die Ver- 
wandten des Bräutigams berühren seine Füsse, Kniee, Brust und Kopf mit 
Mangoblättem. Nun nehmen beide Zweige des Mahuabaums (Bassia latifolia) 
in die Hände und geh&n zum nächsten Teich oder Fluss, dessen Wellen sie 
mit d^en Zweigen berühren. Hierauf baden beide und executiren nach ihrer 
Rückkehr den oben erwähnten Bhanwar einen vom Baiga aufgerichteten Ast 
des Mahnabaums. Ein' Festmahl beschliesst die Hochzeitsfeier. 

Bemerkenswerth ist noch, dass wenn sie die Todten begraben haben, ein 
Gei&ss mit Reis und Mehl gefüllt auf das Grab gestellt wird, um sich zu ver- 
sichern, ob der Geist des Todten wieder kommen wird oder nicht. Zeigt 
sich nach einer bestimmten Zeit das Zeichen eines Hühnerfusses am Boden 



*) Die Sitte Menscbenopfer zu bringen, ist ein Torwiegendes Kennzeichen der ürstämme 
Indiens und fährt beinahe zu der Yermuihnng, dass die Hindus iii den blutdürstigen Gottheiten 
te Aborigines die Prototypen fär ihre Göttin Kali fanden- 



352 BeKhraibeiufe Ethnologie Benfaleiii. 

des Ge^Bes, so ist es der Beweis, dasB der Qeist in sein Haag zaräcItKe- 
kehrt ist und fortan wird er als Hauagottheit verehrt. 

Die Bcndkars oder Savaras: In dem südlichen tribatpöichtigen Ua- 
hals finden sich hin und her zerstrent Colonien eines Urvolkes, dessen Nume 
in den Hindi - Classikem oft erwähnt wird, nämlich die Savaras, die Saari 
des Plinios, die Sabarae des Ptolem&us, jetzt Saurae oder Sanro genannt. 
Die Bendkars sind ein isoHrtes Fragmept dieses Stammes. Die Saurs finden 
sich entweder in einzelnen Gruppen auf eigenem Boden ansässig oder als 
Tagarbeiter und Dienstleute in den Besitzungen der Hindus. Die grösste 
Niederlassung der unabhängigen Bendkus ist Dulukri im nördlichen Tbeil 
Keondtchbars, sie besteht aas 8 Hänsem. 

Sprache, Landbau: Nach den von Col. Dalton angestellten Unter- 
sudiungen gehören beide Stammaberreste zu den Bhuiyas. Die Saars, welche 
zwischen den Rand Mahlias (Höhenzfige) und dem Godarery leben, haben 
einige Urformen ihrer Sprache gehalten, die Beuskars jedoch erinnern sich 
nicht, je eine eigene Sprache geredet zu haben. Ihre jetzige Sprache ist 
Uriya. In ihren Sitten schllessen sie sich den Bbuiyas an. Sie sind im 
WesenUichen Landbauer und besitzen ein Ackergeräth, welches heut wohl 
noch selten zu finden ist, nämlich einen Handpflug, welcher aus einem Ast, 
an dem ein Stfick des Baumstammes gelassen ist, besteht und zam Auf- 
kratzen des leichten Hamus im Walde, wo sie ihre Ländereien anlegen, voll- 
ständig genügt 

Religion; Sie verehren eine weibliche Gottheit, Bansuri oder Thaku- 
raini, ohne Zweifel die Thakuraini Mai der Bhuiyas. Sie erhält jedes Jabr 
Opfer von Ziegen und Hühnern, alle 12 Jahre aber opfert jede Colonie einen 
Büffel, einen Eber, ein Schaf und 12 Hühner. Die Bendkars ziehen keine 
Viehheerden auf, sie müasen daher diese Opfer kaufen. Bei der Bestattung 




Beschreibende Ethnologe BengaleDS. 253 

in Gorakhpur, Bihar and Shahabad waren, so dass aller Wahrscheinlichkeit 
nach die jetzt verachtete Eolhsprache einst die Sprache jener Distrikte war. 

Mr. Logau weist in einer Abhandlung über die Simaagdialekte des öst- 
lichen Archipelago nach, dass die Pronomina dieselben eigenthümlichen For- 
men haben, welche den Dialekten eignen, die vor der Ankunft der Arier in 
der Gangesniedemng gesprochen wurden. „Diese Pronomina und viele andere 
Worte sind noch bei den am Ganges entlang wohnenden Eolhgruppen im 
Gebrauch, ebenso bei den Egi oder Easias in der Brahmaputrebene, den 
Palaung und den Mon oder Peguanem am Irawaddy, den E^mbodschen am 
Mekong und den Anamesen am Tonquin.'^ 

Die Sprache der Hos (in Singbhum) Santals, Mundas, Eharrias (in Nag- 
pur) der Bhumidsch (in Manbhum und Singbhum) ist kolarisch. Der wilde Eorwa 
in Sirgadscha spricht eine Sprache, die sich, wenn kritisch untersucht, als zur 
selben Familie gehörig zeigt Die Eurs oder Muasi der Centralprovinzen 
vermitteln den Uebergang dieses Dialekts über das Mahadew-Gebirge, west- 
lich durch die Wälder des Tapti und Narbada, bis zu den Bhils und dem 
Gavilgarh - Gebirge bei Elitschpur. Der Strom der Eolarischen Sprachen 
durchwandert also eine ungeheure Area, bald mächtig dahin rollend, bald auf 
kurze Zeit unter der Erdoberfläche verschwindend, aber immer erkennbar 
verfolgbar, und die stets wechselnden Phasen der zahlreichen Varietäten jetzt 
existirender Eolarier sind lebendige Illustrationen menschlichen Fortschritts 
von der Steinperiode bis zu den Grenzen modemer Civilisation. 

Wir haben es hier zunächst mit den Eolariern Bengalens zu thun, und 
erwähnen zuerst diejenigen unter ihnen, welche auf der untersten Stufe der 
Civilisation stehen, nämlich die blattbedeckten Gebirgsbewohner von Frissa, 
die Dschuangs. 

1. Abtheilung. Die Dschuangs. 

Linguistische Affinitäten: Die Dschuangs gehören ihrer jetzigen 
Sprache nach ohne Zweifel zu den Eolariern, denn die Namen der gewöhn- 
lichsten Gegenstände, die Fürwörter und mehrere Zahlwörter sind identisch 
mit denen der Hos, Mundas und Santals. Da sie seit langer Zeit unter den 
Uriyas gelebt haben, so ist es erklärlich, dass sich auch Worte dieser Sprache 
bei ihnen eingebürgert haben, andrerseits haben sie Worte conservirt, welche 
den andern Eolhsprachen Hbhanden gekommen. Sie selbst haben keine Idee 
einer Verwandtschaft mit den Kolhs oder andern Stämmen. 

Geographische Lage:' Die Dschuangs finden sich in Eeondtchhar und 
Dhekanal. In der ersteren Provinz haben sie 32 Niederlassungen mit ange- 
fiÜir 3000 Einwohnern. Sie bewohnen meistens die Berge, auf welche sie 
wahrscheinlich von den Bhuiyas und Gevalas, welche sich in den Thälem 
niaderiiessen, verdrängt Wurden. Ihr Hauptsitz ist zwischen 21^ 20' und 21^ 
40* nördl. Breite und SS«* 30' and 85» 45' östl. Länge. 

Traditionen: Die Dschuangs behaupten Autocbthonen ihres Landes za 



254 BMchnibfliide Ethnologl« B«iigal«u. 

sein, ilire Wiege var der Gonaaika, 21" SO* nördl. Breite nni) 85<> 37' öRtL 
Länge, wo aue zwei Höhlen eines Felsens, welcher wie eine Rindanase ge- 
staltet, die Quellen des Baitaroi*) entspringen. Sie glauben, dasB der Bai- 
tarni, an dessen Ufern sie entstanden, älter sei als der Ganges. Sie erz&hlen 
ferner, dass Tor langer Zeit 900 Dachnangs ilire Heimatb verliessen und nach 
Dhekanal auswanderten, woranf die Bhuiyas kamen und das Land ihrer Brü- 
der besetzten. Mauerfiberreste, welche mitten im Lande der Dschoangs ei<^ 
finden, bezeichnen sie ala die Ruinen eines Fort, welcbea einer ihrer Könige, 
Bora, einst errichtet habe. In ihren Hügeln findet man häufig Steinwerk- 
zeuge, deren Fabrikanten ihre Vorfahren waren, sie selbst hatten keine Kemmt- 
niaa von Metallen, bis sie durch fremde Einwanderer mit denselben bekannt 
gemacht wurden; sie verstehen eben so wenig die Spinn- und Webeknnst 
und wissen nichts von Herstellung irdener Geftese. 

Wohnungen: Sie leben in einem halbnomadischen Zustande, bald za- 
samroen, bald getrennt in einzelnen Hotten, welche sie auf dem urbar ge- 
machten Lande ans Zweigen bald aufrichten. Der innere Etaam ist, obgleich 
sehr klein, doch in 'i Theile getheilt, von denen der eine zur Vorrathskam- 
mer, der andere znm Schlafraum fax die Eltern und die Töchter dient, die 
Söhne schlafen ausserhalb in einem besondem Hanse, welches am Eingang 
des Dorfes errichtet ist und zum Aufbewahren der musikalischen Instrumente 
benutzt wird. 

Äckerbau: wird auf die primitivste Weise betrieben, sie behauen die 
B&ume, verbrennen die dürr gewordeneu Stämme und Häen in die Asche. 
Frühreis, indisches Eorn, Hfllsenfrüchte, EQrbiase, Ingver und rother Pfeffer 
werden zusammen gesät und der Same sich selbst Qberlassen. 

Nahrung: Sie kennen mit thieriacbem Instinkt alle essbaren Kräuter des 
Waldes und sind mehr oder weniger dem Trunk ergeben. Sie verstehen 




Beschreibende Ethnologie Bengalens. 255 

um die Hüften gelegten Gürtel vom und hii^ten befestigt war.^) Der Oürtel 
selbst besteht aus aneinander gereihten gebrannten Lehmkügelchen. Zum 
Schmuck dienen Schnüre von Glasperlen und Messingringe. 

Tänze: Sie haben verschiedene Pantomimenartige Tänze, den Bftfentanz, 
bei welchem die Tänzerinnen sich mit nach vorn gebeugtem Oberkörper be- 
wegen, und den Gang des Bären nachahmen. Den Taubentanz, bei dem sie 
die Stellungen des verliebten Tänbrichs wiedergeben. Den Schwein- und 
Schildkröten tanz — den Wachteltanz, bei dem sie wie die Wachteln auf der 
Erde hocken und den Boden picken — den Geiertanz: einer der Tänzer legt 
sich auf den Boden, und die Tänzerinnen nähern sich ihm in der hüpfenden 
Gangweise der Geier und zerhacken ihn mit ihren Fingernägeln aufs Unbarm- 
herzigste; endlich den Hahn- und Hühnertanz, den sie aber vor Col. Dalton 
nicht tanzen wollten, y,weil die Blattschürzen dabei zu sehr verschoben würden.^ 

Aeusseres Aussehn: Die allgemeinen physischen Charakteristiken 
der Dschuangs sind: laterale Projection der Backenknochen — Plattheit des 
Gesichts — Stirn senkrecht aber niedrig — Nase gedrückt — Mund gross — 
Lippen dick — Kinn und Unterkiefer zurückweichend — Haar grob und ge- 
kräuselt, röthlich braun. Die Frauen tättoviren sich mit dem Zeichen der 
Mundas und Eharrias: drei Striche an der Stirn und drei an den Schläfen* 
Die Durchschnittshöhe der Männer ist unter 5' und die der Frauen 4' 8''. 

Religion: Sie haben wunderbarer Weise keinen Glauben an Hexen 
oder Hexerei. Namen für Gott, Himmel, Hölle, sowie die Idee eines zukünf- 
tigen Lebens sollen ihnen unbekannt sein.^) Wenn sie in Noth sind, so opfern sie 
der Sonne Hühner und ebenso der Erde, damit sie ihnen Frucht gebe. Ein 
Alter, Nagam genannt, amtirt bei diesen Opfern; sonst sind ihnen religiöse 
Ceremonien fremd. 

Heirath: Die Ehe ist anerkannt und wird in der simpelsten Weise ab- 
geschlossen. Wenn ein Bursche ein Mädchen gern hat, so sendet er seine 
Freunde als Werber. Wird die Werbung angenommen, so wird der Hoch- 
zeitstag bestimmt und eine Ladung unausgehülster Reis in das Braathaos ge- 
sendet Dann holen die Freunde des Bräutigams die Braut mit ihren Ver- 
wandten und Freunden, eine allgemeine Mahlzeit vereinigt die Versammelten 
and den nächsten Morgen entlässt der junge Ehemann die Familie seiner 
Frau mit einem Geschenk von drei Maass enthülsten und 3 Maass unent- 
hülsten Reis. Polygamie ist erlaubt, aber nur Fälle von Bigamie sind 
bekannt. 

Todtenbesattung: Die Leiche wird wie bei den Monda-Eolhs mit 
dem Kopf nach Süden auf dem Holzstoss verbrannt und die Asche in den 

') Die Sage erzählt: Als die Göttin des Baitarniflusses zum ersten Mal aus dem Felsen 
sprang, sah sie eine Anzaiil Dschnaogs in der N&he tanzen, und da sie alle nackt waren, so 
befahl sie ihnen, sich sogleich mit Bl&ttem zu bedecken, daher die Sitte der BlattAchörzen. 
Neoerdings habeu sie auch Zengstreifen hier and da angenommen. 

*) Hindus sagen aber tou ihnen, diese wilden Menschen seien so dnmm zu behaupten, 
Qott habe sie zuerst geschaffen. 



256 BMchi^bende BUinol(i([ie Ben^lena. 

FIqbb geworfen. Sie trauern .drei Tage, indem sie sich jeglicher Fleisoh- 
speige und des Salzes eothalteD. ÄhoenTerehrung kennen sie nicht 

Eid: Die Dschnanga schwören anf Erde, welche von einen Therntiten- 
haufea genommen, und auf ein Tigerfell. 

2. Abtheilang, Die Eharrias 
stehen den Dschoangs linguistisch am Nächsten. Sie leben in den Hinterw&ldera 
Singbhums und Maabhams und in Tech. Nogpnr. Eine ihrer grössten Nieder- 
lassungen ist in der Nähe des südlichen Laufe des Koelflusses, welcher auf 
dem Ni^^ur piateau entspringt und von den Eharrias als heilig verehrt wird, 
weshalb sie ihm auch die Asche ihrer Todten Qbergeben. 

Traditionen: Ihre Vorfahren wanderten von der Gegend am Patna 
herum in Tsch. N^pur ein und Hessen sich hier am Koel nieder. Ihre Co- 
lonie gewann aber wenig Ausdehnung wegen der Unterdrackongen von Seiten 
des Nagpur-Eönigs, welcher ihnen das Land wieder entzog und seineu G&nst- 
lingen gab, in Folge dessen viele Eharrias wieder auswanderten. Eine andere 
Tradition giebt an, dass sie vom Süden den Eoel heraufgekommen seien. 
Das Wahrscheinlichste ist, dass sie sich ans den Crangesprovinzen zurflckge- 
zogen, die Eett« des Vindhy^ebirges überschritten und nach und nach auf 
die südöstliche Wasserscheide Tsch. Ni^purs kamen. 

Religion: Sie verehren die Sonne unter dem Namen Bero und jedes 
Familienoberhaupt ist verpflichtet, während seiner Lebenszeit 5 O^er xa 
bringen, zuerst Hühner, dann ein Schwein, drittens eine weisse Ziege, vier- 
tens einen Widder und zuletzt einen Büfiel. Die Opfer werden auf einen 
Thermitenhngel dargebracht, als Priester fungirt der Pater familias. Bei 
Opfern welche die Commune bringt, übernimmt das Amt der Pahan (siehe 
Urans), Sie haben dieselben Feste wie die Mundas und unter ihren Ceremo- 




BMch reibende EthDOiogie Bengalens. 257 

3. Abtheilung. Die Mundas, Hos, Bbumidsch, Santals, Birhors, 

Korwas, Kurs oder Muasis. 

Aus den Traditionen der Hindu -Schriften, welche die Kolhs erwähnen, 
aus den Sagen der letzteren und aus den an Ort und Stelle angestellten 
Untersuchungen geht hervor, dass die Kolhs die ersten bekannten Bewohner 
des Gangesthals waren. Von hier vertrieben, wandten sie sich gen Süden 
und Südwesten und fisissten endlich in den Bergen Tschutia Nagpurs festen 
Fuss. Die verschiedenen Clans haben ihre eigenen Sagen über ihre Urge- 
schichte, die aber von geringem historischen Werth sind. 

Die Mundas erzählen, dass sie über Pipra und Paligarh nach Nagpur 
kamen und eine Confederation von einzelnen Staaten bildeten, in denen jedes 
Dorf einen chief-Munda (Haupt) hatte und da manche Dörfer nur aus einer 
Familie bestanden, so fiel ihr die Mundawürde zu, das heisst, alle Familien- 
glieder waren Mundas und auf diese Weise erhielt endlich der ganze Stamm 
den Namen Munda oder Mundaris. Ihr ursprünglicher Name scheint Konk 
oder Konkpat gewesen zu sein; (die Mundas auf dem Plateau nennen sich 
jetzt noch so). Ihre communale Einrichtung war folgende: 12 Dörfer bildeten 
eine Parha, welche unter einem Mi^ida stand, und alle Streitigkeiten der 
Parha wurden in einem conclave geschlichtet Nach dem schon oben er- 
wähnten Dorfvorsteher kann der Pahan — Priester — und nach ihm der Ma- 
hato der Stellvertreter des Dorfinunda. Als die Mundaris einen König wählten') 
erlitt dms Bundesverhältniss natürlich eine totale Umänderung. Die Doriein- 
wohner wurden in zwei Erlassen getheilt, von denen die privilegirtere — die 
Bhoiaris — das Land rentfirei behielt, dafür aber dem König Ehren- und 
Militairdienste zu leisten hatte, die andere Blasse hatte Eleidungsstoffe und 
Nahrungsmittel an den Hof zu liefern und erhielt dafür die Erlaubniss, ge- 
wisse Landstrecken — Radschhas genannt — zu cultiviren. Die sich fort- 
während ausbreitende Königsfamilie aber hat sich wenig um die Rechte der 
Kolhs gekümmert, hondem sich Land angeeignet wo und wann es ihr gefiel 
und mit gänzlicher Nichtbeachtung der Ansprüche der Mundas die Besitzun- 
gen derselben ihren Creaturen, Hindus, Brahmanen, Kshatris und Muhame- 
danem übergeben, welche jetzt unter dem berüchtigten Namen „ticcadar'^ die 
Kolhs unterdrücken und aus dem Lande treiben. Verschiedene Aufstände, 
welche die Kolhs zur Vertreibung der verhassten ticcadare organisirten, wur- 
den mit Hülfe britischer Truppen unterdrückt und die engl. Regierung thut 
jetzt ihr Möglichstes, um die Leute vor weiteren Verfolgungen zu schützen. 

Die Hos wanderten von Tsch. Nagpur weiter gen Süden und liessen 
sich in Singbhum nieder, wo sie die Bhuiyas und die Dschains fanden. Die 



') Es scheint eher, als wenn die Brahmanen, welche gern auch Tsch. Nagpur ihrem Ein- 
flnst unterwerfen wollten, ihnen einen König au^^rungen hätten, sie steckten sich hinter einen 
der m&chtigsten Mundas und proclamirten dessen ältesten Sohn als König. Ihrer Angabe nach 
war der Prinz ton einem dchlangenfürsten und einem Brahmanenm&dchen gezeugt und in der 
MUm von Pithnria, wo die Königswahl stattfand, von einem Brahmanen gefanden worden. Da* 
her der Name der Königsfamilie; Nagbansi ^ Schlangenkinder, 



258 Btschraibende Ethnologie Beiig»leiu, 

letzteren scheinen die ersten arischen Ansiedler in diesem Theil Indiens ge- 
wesen zu sein und die Ruinen der Tempel und Forts, welche sie erbauten, 
legen jetzt noch Zeugniss ab von ihrer Eunstfertigkeit und Religidsit&t. Sie 
wurden von den Hoa verdrängt und theils deu Eroberern einverleibt, theils 
auf kleinere Ansiedlungen beschränkt, deren Nachkommen wir jelzt wahr- 
scheinlich in den Grualas, Sndras und Enrmis finden, welche in Porahot, 
Khorsawon, Seraikela und Dbalbhum zerstreut wohnen. — Diesen Dscbains 
schreibt man auch die Anlegung der Kupferbergwerke zu, welche bis vor 
kurzer Zeit noch von englischen Spekulanten in Dhalbhum und Seraikela 
bearbeitet worden. Die Hos hatten dieselbe staatliche Einrichtung wie die 
Mundas, nnd es ist ihnen gelungen, dieselbe bis auf die Neuzeit zu erhatten. 

Die Bbumidsch wohnen zwischen dem Kasai und dem Savamrekha 
und bilden die nrsprüngliche Bevölkerung' von Dhalbhum, Barabhum, Pa^um 
und Bogmiutdi. Sie besassen früher Niederlassungen jenseits des Savam- 
rekha, wurden aber von den Ariern verdrängt. Die in den Dschangel Ma- 
hols wohnenden Bhumidsch waren längere Zeit unter dem Beinamen Tschuars 
sehr gefürchtet. Sie ergriffen Parthei fär einen Ihrer Fürsten gegen die engl. 
Regierung and durchzogen plündernd und mordend das Land, bis sie von den 
britischen Truppen auseinander getrieben wurden. Die Bhumidsch haben 
keine zuverlässigen Nachrichten über ihre Wanderungen. Die an der G-renze 
Nagpnrs lebenden hatten sich und die Mundas für Stttmmesgeaossen , die 
weiter östlich wohnenden sind schon zu sehr hiaduisirt, als dass sie. eine 
Verwandtschaft mit den Kolhs anerkennen sollten. Sie sind im Ganzen ein 
wohlhabendes Volk und leben in bequemen gut gebauten Häusern. 

Die tjantals finden sich jetzt zwischen dem Ganges und dem Bactomi 
auf einer Area von gegen 350 engl. Meilen Länge, welche die Distrikte 
Bhagalpur, Santal-Farganas, Birbhnm, Bancora, Hazaribagb, Manbhum, Mid- 




Baiebreibeiujie Ethnologfie Bengatens. 259 

ihrer Hauptbeschfiftigong, welche darin besteht, die Rinde des Tschobbanms 
zu schneiden und entweder im rohen Zustande oder zu Stricken verarbeitet 
zu verkaufen. Sie wohnen in Laubhütten an den Bergabhängen Kamgurhs 
und f&hren ein unstetes Wanderleben. Sie sind sogar des Gannibalismus 
verdächtig; sie selbst geben zu, dass ihre Vorväter ihre sterbenden Stamm- 
genossen verzehrten, verneinen aber das Fortbest^en der Sitte. 

Die Korwars. An die nordwestliche £cke Tsch. Nagpurs grenzt der 
abhängige Distrikt Barwah. Das Land ist reich an Eisen, und wird vou 
den Asuras, einem Stamme, welcher der Sage nach aus dem üimmel auf die 
Erde Verstössen wurde, mit Energie ausgebeutet. Vermischt mit ihnen leben 
die Korwas, die Vorläufer des Stammes, welcher wie oben gesagt, die Bacen- 
kette der Kolarier Ciber die Hochlande Sirgudschas, Dschaspurs und Pala- 
mous hinüber f&hrt und mit den Nuasis von Uewa und den Centralprovinzen 
verbindet. Sie beschäftigen sich weniger mit Eisenschmelzen als mit Acker- 
bau und sind allem Anschein nach die ersten Ansiedler dieser Gegenden, 
denn die priesterlichen Pflichten bei der Versöhnung der Lokalgottheiten 
werden stets einem Korwa übergeben. Die Eorwas, welche sich in den Bergen 
niedergelassen haben, sind besonders wild und von abstossendem Aeusseren, 
dessen Ursache sie in nachstehender Sage angeben. Die ersten Menschen, welche 
sich hier (in Sirgudscha) niederliessen, wurden fortwährend durch die wilden 
Thiere beunruhigt, welche in grosser Menge hier hausten und den Getreide- 
feldern viel Schaden thaten. Da errichteten die Leute Vogelscheuchen, schreck- 
liche Gestalten von Bambus zusammen gebunden, um die Raubthiere zu ver- 
treiben. Als der grosse Geist sah, dass die Vogelscheuchen oft zerbrachen, 
80 belebte er sie, um den Ansiedlern das Ausbessern zu ersparen, und auf 
diese Weise entstanden die hässlichen Wesen, welche die Vorftihren der 
Korwas waren. Sie leben in elenden HCLtten, meistens getrennt von einander, 
die Wohnungen hängen oft an den steilen Bergabhängen wie Vogelnester, 
und man sagt, dass sie dergleichen unzugängliche Stellen deswegen wählen, 
am die blutigen Schlägereien zu vermeiden, welche jedes Mal entstehen, wenn 
sie zusammen kommen. 

Die Kurs, Kurkurs oder Mnasis. Das Land dieses Stammes ist 
Korea an den westlichen Grenzen Sirgudschas. Der Name selbst weist auf 
den Kolarischen Charakter der Einwohner hin (Korea — Koria — Kolia), 
welche bin vor ungef&hr 600 Jahren hier die Alleinherrschaft hatten. Es war 
ein Mischvolk von Gonds und Kolhs, und wurde von dem Vorfahren des 
jelsigen Koreakönigs zur angegebenen Zeit unterworfen. Die Kurs der Cen- 
timlprovinzen nennen sich Kukurs und die auf dem Mahadeogebirge lebenden 
Mnasis; die letzteren werden von ihren Nachbarn auch Mawasi Kolhs ge- 
nannt, ein Name, der ihren Sagen nach von dem Mahwabaum abzuleiten ist, 
unter dessen Schatten der Vater des Stammes als Kind gefunden wurde. 
Naga Bhuiya und Naga Bhuiyain — die EIrdschlange und sein Weib — hatten 
das Ejnd gezeugt und anter dem Baum ausgesetzt. Der Knabe wurde ge* 
{anden and dem König von Kanaadach zur Erziehung übei%<eb«iL^ ^^Ota^^ 



260 Baichreibande Ktbnolo^e BMig«]«na. 

ihn adoptirte und ihm den Namen Mahwasi gab. Bei seiner Verheirathnng 
erhielt Mahwani die Provinz Crandschar. Als seine Nachkommen, aber mächtig 
wurden, verweigerten sie dem R^dscba von Eanandsch den Tribut, deswegen 
übergab er ihr Land zweien Kriegern von KoUadschar, Apla und Ada) ge- 
heissen, welche die Muasis besiegten und die Anführer derselben gebunden 
vor den König brachten. Dieser liess jedem von ihnen eine Last auf den 
Racken legen und vernrtheilte sie, von nun an nur Lastträger zu sein. 

Aensseres Auesebn: Die Mundas und Hos zeichnen sich, was Körper- 
bau betrifft, vor den andern Kolhstämmen vortheilhaft aus. Sie messen im 
Durchschnitt 5' 6" und die Frauen 5' 2". Ihre ZQge zeigen grosse Verschie- 
denheit der GesichtsbilduDg, jenachdem sie sich mehr oder minder mit ari- 
schem Blut vermischt haben. Augen schwarzbraun — Haar schwarz, gerade 
oder leicht gekr&nselt, von beiden Geschlechtem lang getragen, nur die Män- 
ner Bcheeren den Vorderkopf. Hände und Füsse gross aber gut gebildet 
Farbe sebr ungleich: hellgelb besonders in Familien, welche arisches Blut io 
sich aufgenommen — sonst knpferbrann und hst schw^z. 

Die Santals zeigen ein fast rundes Gesicht, massig hervorstehende Backen- 
knochen, gerade volle Augen, Nase wenig erhaben, aa%eatülpt, Mund gross, 
Lippen dick und abstehend, Haar gerade, grob. Neigung zur Corpulenz 
überall bemerkbar. Die Korwars sind kurz von Natur, schwarzbraun von 
Farbe, stark gebaut and behende in ihren Bewegungen aber ziemlich kurz- 
beinig. Sie erfreuen sich eines vorzüglichen Bartwachses, der sonst hv den 
Kolariem mit Ausnahme des SchDanzbarta zu den Seltenheiten gehört 

Nächst den Bergkorwas, deren abschreckendes Aeassere schon erwähnt wor- 
den, tragen wohl die Birhors in Beziehung auf Hässlichkeit die Palme davon, sie 
sind miserable aussehende Subjecte und gleichen mehr den niedrigsten Kasten 
der Hindus, den Doms und Parias, als den Bergvölkern, mit denen sie ver- 




Beschreibende Ethnologe Bengalens. 261 

Fisch- und Vogelfang verfertigen sie meistens selbst. Damit ist aber aach 
ihre Kunst zu Ende, denn von Handwerken verstehen sie wenig oder gar 
nichts. Sie spinnen, können aber nicht weben, und sind zur Beschaffung 
ihrer Haus- und Ackergeräthe anf die unter ihnen wohnenden Hinduhand- 
werker angewiesen. 

Nahrung: Jegliches Fleisch ist ihnen willkommen. Ihre Hauptnahrung 
ist der Kois. Hülsenfrüchte geben die Zuspeise, die Kräuter des Waldes und 
Feldes und verschiedene Laubarten das Gemüse, zu dessen Zubereitung ver- 
schiedene Oele verwandt werden. Ihr Hauptgetrank ist Illi, eine Art Reis- 
branntwein, welchen jedes Kolhmädchen zu brauen versteht; wohlhabendere 
Kolhs lieben es, sich im Srap, einem aus den Blüthen des Mahuwabaumes 
de^tillirten Getränk, zu berauschen. Sie sind alle ohne Ausnahme dem 
Trunk ergeben. 

Sitten und Gebräuche: Nach der Geburt eines Kindes gilt die 
Mutter für unrein, bei den Nagpur Kolhs muss der Vater das Essen wäh- 
rend dieser Zeit kochen, bei andern, z. B. den Santals, sind beide Eltern 
uurein und müssen sich nach gewissen Tagen (8 oder 5) einem Reinigungs- 
acl unterziehn, welcher darin besteht, dass sie einen für diese Gelegenheit 
gekochten Reisbrei essen. Nach 8 Tagen wird dem Kinde der Name gegeben, 
welcher entweder von älteren Verwandten oder hochstehenden Freunden ge- 
nommen wird. Die Hos geben ihren Kindern sogar Mamen von Europäern, 
welcl^ ihnen lieb geworden sind. Vom Tage der Namengebung bis zur Ver- 
heiratnung werden die Kinder keinerlei Ceremonie unterworfen. Die Haupt- 
züge der Eheabschliessung unter den kolarischen Stämmen sind folgende: 

Die Braut muss gekauft werden. Der Preis variirt je nach der Stellung 
der Partheien, zwischen 10 Stück Vieh und einigen Rupies. Es gilt für an- 
ständig, die Wahl der Braut den Eltern zu überlassen. Freunde derselben 
theilen dem Mädchen die frohe Botschaft mit. Auf dem Gange zum Eltem- 
hause der Braut sind die Omen zu beachten. Der Schrei eines fliegenden 
Eichhörnchens genügt, die Arrangements im Keim zu ersticken, ein fallendei 
Zweig zeigt den nahen Tod der Eltern der Brautleute an. Leeren Wasser- 
topfen zu begegnen bringt auch Unglück. Eine Schlange auf dem Wege 
garantirt Reichthum, ein Mistkäfer aber Armuth. Nimmt die Braut die Wahl 
an, so wird der Tag zur Besprechung des Preises (Pan) festgesetzt; ist die 
Schwierigkeit auch überwunden, so wird der Hochzeitstag bestimmt. Der 
Santalbräutigam merkt sich die Zahl der bis dahin noch zu verlaufenden 
Tage durch so viel Knoten, welche er in einem Strick einknüpfi und von 
denen er jeden Tag einen löst. Ist er beim letzten angelangt, so ist er 
bereit, sich seine Braut heim zu holen. — Die Braut wird von ihren Freun- 
dinnen zum Hause ihres zukünftigen £|#rm geleitet und von dem letzteren 
in Begleitung der Hochzeitsgäste eingeholt Der officielle Act der Ehe- 
schliessung ist verschieden. Bei den Einen (Hos) binden sich die Brautleute 
durch das Zutrinken aus zwei Bechern, deren Inhalt (Reisbranntwein) Braut 

Z«luchrift fiir Bttanoloffi«, Jakrgmsf 1874. ^g 



282 Bescbreibende Ethnologie BenKalem. 

und Bräutigam g^eoHeitig mischen. Bei andern (Mundas, Santale) zieht der 
Bräutigam mit seinen Freunden am Hochzeitstage zam Hause der Braut. 
Nachdem beide mit Gelbwnrz bestrichen worden, werden sie nicht mit ein- 
ander, sondern mit zwei Bäumen verheirathet, indem sie dieselben mit Sindur 
(Rothblei) bestreichen oder auch an sie angebunden werden. Braut und 
Bräutigam bestreichen sich hierauf gegeoaeitig die Stjm mit Sindnr und 
nachdem sie von den Umstehenden mit Wasser begossen worden, ziehen sie 
sich in das Hans zurück. Am nächsten Morgen badet man en masse im 
nächsten Wasser. Unter den Hos ist es Sitte, doss die Frau nach etlichen 
T^en davon laafe. Der Mann mues sie dann suchen und mit Gewalt in 
sein Haus zurück fahren. 

Die Birhors nehmen zum Bezeichnen der Stirn statt des Sindur etliche 
Tropfen Blut, welche aus den kleinen Fingern der Brautleute gezapft worden. 
Dies ist jedenfalls der ursprüngliche Usus aller Kolarier, weicht; erst Sindur 
substitnirten. Die Muasis haben die Sitte ganz abge»chufit. Der bindende 
Act besteht bei ihnen in den Umgang des Brautpaars um den Bhanwar, 
einen Bambuspfahl, welcher in der Mitte der Hochzeitshütte errichtet ist. 
Neben demselben steht eine brennend^. Lampe und ein Gewürzreibetein, auf 
welchem 7 Häufchen Reis und Gelbwurz gelegt sind. Der erste Umgang 
geschieht von der Gesellschaft unter Anführung der Brautjungfer und ihres 
Cftvaliers, sieben Mal umkreist das Brautpaar den P&hl und jedesmal muss 
die Braut eins von deti Reis- und Gelbwurzhäufchen umatosscu; int d0 sie- 
bente gefallen, so ergreift der Brautführer den Pfahl,, schüttelt ihn hellig und 
roft mit der ganzen Gesellschaft: es ist geschehn! Nachdem a'ich die Braut- 
leute kurze Zeit zurückgezogen haben, empfangen sie die Gratulationen der Gäste. 

Tanzen, Singen und Mueiciren sind die Hauptamüsements bei diesen Hoch- 



Beschreibende Ethnolof^e Bengalens. 268 

Dann kommen die Naiaden, Naga-Era, die Göttin aller stehenden Ge- 
wässer, lind Garha-Era, die Göttin der Fl&sse. 

Auch die Schatten der Vorfahren werden verehrt nnd nehmen unter dem 
Namen Ham-ho und Horatan-ho die Stelle der Penaten ein. 

Ausser den eben genannten färchten sie böse Geister, Bongas, (Hindi- 
ubersetzung) Bhuts genannt, welche auf Bäumen, an Wegen, in Schluchten 
und andern Orten hausen. 

Eine wichtige Rolle spielt neben dem Pahan der Odschha — Beschwörer 
welcher durch Divination den Geist zu finden weiss, welcher ein Unglück, 
eine Krankheit und dergleichen verursacht hat. Die Kolhs leben in steter 
Furcht vor Hexen und hielten es früher für geradezu geboten, eine Hexe 
nebst ihrer ganzen Familie umzubringen. Auch glauben sie, dass sich Men- 
schen in beliebige Thiere, besonders Tiger, verwandeln können, und der- 
gleichen Subjecte unschädlich zu machen, ist natürlich eine Elhrensache. — 
In Singbhum fürchtet man besonders die Kharrias als grosse Zauberer. 

Die Opfer werden entweder vom Pahan oder dem Familienoberhaupt 
gebracht. — Die Santals verehren ausser den Gottheiten der Mundas und 
Hos noch den Baghbhut (den Tigerteufel). 

Die Birhors nennen die erste ihrer Gottheiten Devi (Eündiwort für Göttin) 
und halten sie für die Mutter aller andern Götter. Die bösen Geister sind 
Biru bhut, welcher unter der Gestalt einer Halbkugel angebetet wird, und 
Darha, welchen sie durch einen drei Fuss hohen gespaltenen Bambus, schief 
in die Erde gesteckt, darstellen. Ein kleines, rundes Stück Holz, etwa einen 
Fuss lang, an einem Ende roth bemalt, ist Banhi die Göttin der Wälder. 
Die Beschützerin der Erde ist Lugu, welche im höchsten Berge Ramgarhs, 
der nach ihr Lugu pahar genannt ist, wohnt. — Ein längliches roth bestriche- 
nes Holz ist Maya-Maya, die Tochter der Devi. Ein kleines weisses Stein- 
stQck roth angestrichen stellt deren Enkelin Buria Mai dar, und eine Pfeil- 
spitze ist Dudha Mai, Burias Tochter. Ein Dreizack roth angestrichen, steht 
für Hanuman, den Affenkönig, welcher des Teufels Befehle zu vollfuhren hat. 
Die Korwars beten die Sonne unter dem Namen Bhagwan an (Hindiwort f&r 
Gott). Bongas kennen sie nicht. Sie verehren die Vorfahren und die Bhuria 
Korwars haben auch einen Tempel, in welchem sie Khuria Rani (Khuria- 
Königin) verehren. Dieser Tempel ist eine tiefe Höhle im Khuria - Plateau 
am Ufer eines Flusses. In das Innere der Höhle ist noch Niemand gedrun- 
gen, die Rani ist aber ausserordentlich blutdürstig. Nicht weniger als 40 
Büffel und eine Menge Ziegen wurden ihr am letzten Opfertage geschlachtet. 

Die Muasis verehren Sonne und Mond, auch beten sie bei einem dem 
Sultan Sakada*) geweihten Tempel an. Andere beten Bhavani (die Hindu- 
Göttin Durga) und Ghanasyama an. Der letztere (eigentlich der Hindugott 
Kritflma) war ein Gondhäuptling, welcher bald nach seiner Verheirathung von 



') D«r Sa^e nach einer ihrer froheren Könige. 



264 BvacbnlbeDde Bthsol«^ BeaKftkns. 

einem Tiger zenisaen worde. Ein Jahr nach seinem Tode besachte er seine 
Frau. Sie wurde von ihm schwanger und die Kinder dieser Geister - Ehe 
leben noch heut in Amoda oder Almod in den Centralprorinzen. Ghana- 
syama erschien zur selben Zeit auch vielen seiner alten Freunde und offen- 
barte ihnen, dass wenn man ihm göttliche Ehre erwiese, er seine Anbeter 
ans den Klauen der Tiger be&eien und ihnen in aller Noth beistehen würde. 
Das geschab denn auch. Zwei Feste wurden ihm zu Ehren eingerichtet In 
Krankheits- und andern Unglücksfällen wird er angerufen. Der Baiga (Prie- 
ster) ist stets das Medium bei Incantationen. Unter Musik und wildem Tanz 
wird der zu versöhnende Geist angerufen, bis einer oder mehrere Anwesende 
in Yerzflckung fallen., Dieser Paroxismus ist auch den Santalpriestem (Naia) 
bekannt, welche im Znstand der Extase weissagen. 
Feste: Die Mundas und Hos feiern 7 Feste: 

1) Das Maghparb oder Desauli Bonga im Januar. Jedermann erfreut 
sich bei demselben allgemeiner Licenz, das Fest erinnert durchaus an die 
Satumalien. Trinkgelage, wildes Tanzen und Singen wechseln mehrere Tage 
hindurch ohne Unterbrechung mit einander ab. Die Festopfer, welche aus 
einem Hahn und 2 Hühnern, Bluthen des Pallaebaumee, Reiabrod und Sesam- 
samen bestehen, gelten dem DesauLi^ Er wird angerufen, die Bewohner des 
Dorfes im neuen Jahre vor allem Unglück zu bewahren. An einigen Orten 
wird auch für die Seelen der Abgeschiedenen gebetet. Bei den Mundas nimmt 
es mehr den Charakter eines Erntefestes an, an welchem die Landbesitzer 
ihre Knechte speisen und ablohnen. 

2) Das Bah Bonga (bei den Mundae Sarhai) — Blumenfest — im März 
oder April, wenn der Salbaum blüht, zu Ehren der Gründer des Dorfes ge- 
feiert. Die Schutz gottheit des Ortes erhält Opfer von Blumen und Hähnen, 
die Häuser sind festUch geschmückt mit Gnirlanden und unaufhörliches ßraimt- 




Beschreibende Ethnologie Bengateos. 265 

6) Dschomnama. Das Fest der Erstlinge im August, wenn der erste Reis 
reift, und die erste Frucht Sing-Bonga dargebracht wird. Ein weisser Hahn 
vervollständigt gewöhnlich das Opfer. 

7) Kalam ßonga bezeichnet die Zeit, in welchem das letzte Reisstroh 
von der Tenne geschafit wird. Desaoli erhält dabei ein Huhn. — 

Um Marangburu*) zu veranlassen, zur rechten Zeit Regen zu senden, feiern 
die Pahans in Nagpur ihm zu Ehren noch ein achtes Fest, Dali Katari, bei 
welchem jedes zweite Jahr ein Huhn, jedes dritte ein Widder und jedes vierte 
Jahr ein Büffel geopfert wird. 

Die meisten dieser Feste werden auch bei den Santals, wenn auch unter 
andern Namen gefeiert, den übrigen Stammen sind sie wenig oder gar nicht 
bekannt. 

Bestattung der Todten: Die Kolhs erweisen ihren Verstorbenen alle 
nur mögliche Reverenz. Die Mundas und Hos legen die Leiche in einem 
sargähnlichen Kasten, bedecken sie mit den Kleidern, Schmucksachen und 
Geräthschaften, welche dem Verstorbenen gehörten, auch das Greld, was er 
bei sich trug, wird ihm gelassen, und verbrennen sie vor dem Hause des 
Geschiedenen. Die Asche und Gebeine werden in ein irdenes Gef&ss gelegt, 
welches nach einiger Zeit, wenn der grosse Grabstein herbei geschafft ist, in 
feierlicher Prozession unter dumpfem Trommelschlag zu den Freunden des 
Todten und allen Plätzen, welche er lieb hatte, getragen und nach diesem 
letzten Abschied in eine Grube gestellt wird, welche ein riesiger Fels bedeckt. 
, Als besondere Todtendenkmale werden auch ausserhalb des Dorfes grosse 
Steinmonumente errichtet, um deren Fuss eine Erdbank läuft, auf welcher 
sich der Geist des Verstorbenen niederlassen kann. 

Die Santals verbrennen ihre Todten in der Nähe des Wassers ausser 
halb des Dorfes. Die Verwandten sind darauf 5 Tage unrein. Am 6. Tage 
scheeren sie sich den Kopf und nehmen ein Bad, und nachdem sie einen 
Hahn geopfert haben, trösten sie sich im nächsten Branntweinschuppen. Nach 
geraumer Zeit werden die Ueberreste in einem Korbe nach dem Damuda ge- 
tragen und wo der Strom am schnellsten dahin schiesst, den Wellen über- 
geben, welche sie dem Meere, der letzten Ruhestätte der Race zutragen. ^ 
Auch die Birhors verbrennen ihre Todten und werfen die Asche in den näch- 
sten Strom. Nach 10 Tagen rasiren sie sich und ein Festmahl beschliesst 
die Trauerzeit. Aehnliche Sitte herrscht unter den übrigen Stämmen. 

Allgemeines: Die Kolhs haben keine bestimmte Idee von einem zu- 
künftigen Leben, was sie davon erzählen, haben sie dem Hinduismus entlehnt, 
sie glauben nur, dass die Geister der Verstorbenen auf Erden zu wandeln 
vermögen, wenn sie wollen. 

Ebenso steht ihr Schwur in durchaus keinem Zusammenhange mit dem 



•j Marang buni bedeutet .grosser Berg**, marang=jpro8S, buru=berg nach Jellinghaus, Mit- 
theilongen Jahrgang 1871. Die Red. 



2ß$ BMCbreibaade Elhnoloine B«n|^eiiB. 

Begriff eines zukünftigen Seelenlebens. Sie schwören, d. h. sie betheuera 
die Wahrheit zu sagen und wünschen, daes sie andernfalls ihr Besitztbam, 
Weib und Eind und Vieh verlieren m6gen, dass sie säen ohne Ernte, and 
dass sie schliesslich der Tiger zerreisse.') 

Die Hos haben den originalen Charakter der Koihs am reinsten bewahrt 
Sie sind wahrheitsliebend, tapfer, exclusiv, empfindlich bei Angriffen ihrer 
Ehre, Kinder des Impnises und allen Neuerungen zuwider. Die Mandas sind 
dem üblen Einflüsse d«8 Hindnismus zu nahe gekommen. In langer Knecht- 
schaft der Selbstetändigkeit entwöhnt, verlieren sie bald den-Mnth, ihre Wahr- 
heitsliebe hat durch den Umgang mit den rafKnirteren Hindus auch Schiff- 
bruch gelitten, sie können sich weder in physischer noch moralischer Hin- 
sicht mit den Hos messen. Die Santals sind tren im Dienst and gleich 
ihren Kolhbrüdem sehr bildungsfähig. Die Korwars sind zuweilen ziemlich 
unangenehme Nachbarn, wenn es ihnen in den Sinn kommt, so überfallen sie 
die umliegenden Dörfer und sie scheuen sich nicht auf diesen Raubzügen, 
«enns Noth thnt, auch zu morden. Sie sind aber zu ehrlich um die That 
nachher za leugnen, im Gegentheil, der Anführer giebt sich beim Verhör be- 
sondere Mühe, den Antheil, welchen jeder am Zuge gehabt, ins rortheühaf- 
teste Licht zu stellen und Ter/ehlt nicht, sich die Hauptarbeit zuzuschreiben. 
Die Huaairs haben, ähnlich d^i Blnmidsch viele Hindusitten angenommen, 
bei ihnen darf z. B. die Frau nie mit dem Manne essen, sondern muss sich 
mit dem begnügen, was er im Gefäss übrig lässt, etwas bei den andern Eolhs 
ganz Unbekanntes. Gerade die KoIhs zeichnen sich dadurch vor den ari-« 
sehen Bewohnern Indiens aas, daes sie ihren Fraaen vollständige Freiheit 
lassen, sie gut behandeln und sie in der That zu Lebensgefthrtinnen machen. 

In BeInfT mancher Stelleo in dieser Abbaodlanit veioeisen irir zar Vergleichnnfr luT die 
DKrttellnngi weite derMlben darch Harro Hissionir (jetit Prediger] Tb. Jellioghau» in H. 3 




AvBtnlieD und Nachbanchaft 267 



Australien und Nachbarschaft. 

lieber den australischen Stamm der Dieyerie^) ist eine jener Mona- 
graphien erschienen, die vor dem völligen Verschwinden der Naturstamme 
dringend erforderlich sind und die allein in ein Verstandniss derselben einführen 
können. An einigen Auszügen daraus »ind allgemeine Mittheilungen aus dem 
bibher Bekannten geknüpft. 

Mit dem Dieyerie-Stamm (nördlich von Adelaide) sind die Yandrawontha, 
Yarrawaurka, Auminie und Wongkaroo verwandt, die ähnliche Dialekte 
sprechend, sich gegenseitig zu ihren Festen einladen und mit einander han- 
deln (sowie heirathen), weil gemeinsamer Abstammung. 

Im Anfang schuf Moora moora (der gute Geist) schwarze Eidechsen (wie 
sie sich unter trockener Rinde finden) und machte sie dann (weil ihm gefal- 
lend) zum Herrn der andern Thiere, indem er ihre Füsse in Finger oder 
Zehen theilte, dem Gesicht eine Nase aufdrückte und (weil sie beim Aof- 
rechtstellen nicht das Gleichgewicht bewahren konnten) den Schwanz ab- 
schnitt (zugleich die beiden Geschlechter theilend) [Caribem]. 

Als unter den vom Monde (auf Mooramoora*s Gebot) geschaffenen Wesen 
der Emu den Menschen (weil zum Essen gut erscheinend) gefiel, wegen sei- 
ner Schnelle aber nicht gejagt werden konnte, (wie es nur im warmen 
Wetter geschieht), so richteten die Menschen die Bitte an Mooramoora, Hitze 
auf die Erde zu werfen, und als sie nach seiner Vorschrift obscöne Cere- 
roonien vollführt, trat die Sonne ins Dasein. 

After the creation (heisst es) fathers, mothers, sisters, brothers, and 
others of the dosest kin intermarried promiscuously, until the evil effects of 
these alliances becoming manifest a Council of the chiefs ^as assembled to 
consider in what way they might be averted, the result of their deliberations 
being a petition to the Mooramoora, in answer to which he ordered that the 
tribe should he divided into branches and distinguished One from the other 
by different names, after objects, animate and inanimate, such as dogs, mice, 
emu, rain, iguana and so forth, the members of any such branch not to inter- 
marry, but with permission for one branch to mingle with another. Thus the 
son of a dog might not marry the daughter of a dog', but either might form 
an alliance with a mouse, an emif, a rat or other family. So wird ein Frem- 
der bei den Dieyerie stets nach seinem Murdoo (Stamm) gelragt [Totem]. 

Die Operation Mudlawillpa oder Nasendurchlöcherung wird (unter dem 
australischen Stamm der Dieyerie) bei den Kindern (im Alter von 9 — 10 
Jahren) durch einen Alten vorgenommen, der mit dem zugespitzten Holz der 



>) The Dieyerie tribe of Australian Aborigiiies, By S. Gastoo (edited by. G. Isaacs), Ade- 
laide 187 1, Part IV behandelt den Dialekt und giebt (verbunden mit Part III) ein Wortverzeichniw. 



268 AtutnUen und NftCbbWMhart. 

Acacia Cujamurra das Septum durchbohrt und dann (Heilang zu hindern) 
eine Federpose einfügt. 

Um in der Operation Chirrincherrie oder Zahnausziehung die beiden obe- 
ren Vorderz&hne (im Alter von 8 — 1'2 Jahren) zu entfernen, wird, um den 
an beiden Seiten mit spitzen Cuysmurra-Hölzem umkeilten Znbn ein Fell ge- 
bunden und an dieses ein Stück Holz, dessen Schlagen den Zahn lösst, so 
dass er mit der Ebmd herausgenommen werden ktain. 

Die Beschneidung (EurrawelUe Wonksnna) wird vorgenommen, wenn 
sich die ersten Haare im Gesicht des Knaben zeigen. Nach einer zwischen 
NichtTerwandten heimlich gepflogenen Berathang wird ihm von einer alten 
Frau, die ebenfalls nicht verwandt ist, eine Muschel umgehängt und dann 
einige Tage später ein Netz über den Eopf geworfen, worauf er aus dem 
Lager entflieht, unter Schreien der Frauen und anfänglicher Protestation der 
Verwandten. Nachdem er von andern Knaben zu fremden Lagern (um für 
die Ceremonie einzuladen) herumgeführt ist (sich selbst aber stets abseits 
haltend) kehrt er in die Nähe des eigenen zurück und zeigt seinen Aufent- 
halt durch Rauch an, worauf man ihn herbeikommen l&sst und auf den Rücken 
eines Hannes wirft, der ihn (von den Frauen forttragend), mit Fellen bedeckt. 
Nach einigem Widerstand der Verwandten, und verschiedener Proccduren 
obecoener Art, werden die Frauen aus dem Lager entfernt (eine Holztrommel 
schlagend) and ein Knabe streut Sand um dasselbe, den Bösen abzuhalten 
(dass nur Moramura drinnen bleibe). Nach der Beschneidung beugt sich der 
Vater (von Muramura begeistert) Über den Beschnittenen (ihm seinen Namen 
zu ertheÜeo) und derselbe wird, an der Hüfte mit dem aus Menschenhaaren 
verfertigten Qürtel Yinka umwunden, einige Tage entfernt gehalten, um dann 
als Mann zarück zn kehren. 

Auf die Beschneidang folgt die Ceremonie Willjaroo, indem der Jung- 




Australien und Nachbarschaft. 269 

den Tanz eröffnet, anter Schreien und Singen allerlei Springstellongen, (-auf 
den Zehen, aut einem Bein, auf den Knieen u. s. w.) machen. 

Ist der Bart lang genu^, um seine Enden zusammen zu binden, so wird 
die Ceremenie Koolpie abgehalten, indem der plötzlich (unter Zuhalten des 
Mundes) ergriffene Jüngling auf die Erde geworfen wird (mit Entfernung des 
Hiiargürtels oder Yinka), worauf mit einem scharfen Stein der auf Rinde ge- 
legte Penis unten aufgeschlitzt wird. Nachdem seine Wunden in einiger Ent- 
fernung vom Lager geheilt sind, kann er dann fernerhin ohne Bedeckung vor 
den Frauen erscheinen. 

Bei einem Todesfall (als angezaubert, wie stets) wird die Pinya genannte 
Uächcrbande abgeschickt und während der ersten Nachtlagerung fragt der 
Häuptling nach demjenigen, der die Ursache des Sterbens gewesen, worauf 
jeder den Namen seines eigenen Feindes ausruft und derjenige, der die meiste 
Beistimmung zu erhalten scheint, proclamirt wird, indem man einen der von 
den Frauen gebrachten Feuerstöcke begräbt und mit Lanzen durchbohrt (wie 
später den Verfolgten). 

Hat der Stamm beschlossen seine Feinde (in einem andern) aus der Ferne 
zu tödten, so werden die alten Männer angewiesen, sich aus den Gräbern einen 
kleinen Beinknochen zu verschaffen, für die Mookooellie Duckana (Tod durch 
Knochenzauber) genannte Ceremonie. Mit solchem Zauberknochen bedrohen 
auch die Männer ihre Frauen, wenn widersetzlich, und im Falle Jemand krank 
wird, liegt die Ursache (weil sie keine natürliche sein kann) in dem Zauber- 
knochen eines Fremden. Eine der Frauen wird dann an diesen abgeschickt, 
ihn von der Krankheit zu unterrichten und er pflegt zu versprechen, den 
Knochen in Wasser zu tauchen, um den böden Einflnss zu entfernen und 
wieder an sich zu ziehen. Folgt aber dennoch der Tod, so sucht man den 
durch solches Geständniss Verrathenen zu morden. 

Dem Todten werden die grossen Zehen zusammen gebunden und dann 
bringt man den in ein Netz gewickelten Körper nach dem Grabe, wo er auf 
den Kopf 4 knieender Männer gelegt wird, damit ein Alter unter Zusammen- 
schlagen der Cunya- Hölzer nach der Todesursache frage, unter Antworten 
der Träger, die das Mitglied eines fremden Stamms nennen. Der in das Grab*) 
gelegten Leiche wird das Fett abgeschnitten und (zum Vergessen und Auf- 
hören des Weinens) um von den dann mit dem Zeichen Munamuroomuroo (im 
Bestreichen der Männer mit schwarzer Kohlfarbe und Ziehen weisser Streifen 
auf den Armen der Frauen) unterschiedenen Verwandten gegessen zu werden 
( indem die Mutter von den Kindern, die Kinder von der Mutter, Schwiegerge- 
schwister von einander, Onkel, Tante, Neffen, Nichten, Enkel und Gross- 
eltem von einander essen). Nach einem nächtlichen Tanz um das Grab und 



• y. 



*) <)n attribue h la terre (du cimetlere de Saint- Iimocent k Paris) une certaine qualite, 
qui wt, quelle |>eut consumer en 24 heiires de temps un corps mort (1658) (Sarcophagos]. 
Die Irokesen le^u die Knochen der auf (Gerüsten ausgesetzten Leichen in einen gemeinsamen 
Hagel bei: (Koren) 



270 Auitr^iftn nnd Nkchbanchaft. 

Erwärmang deaselben mit Feuer) sowie Hiolegaog von Speisen wird du 
Lager entfernt und der Todte nicht weiter erwabot. 

The koonkie (doctor) is a native, who has eeen the devil (Kootchie), 
when a chüd (after having had a nightmare or unpleaeant dream, and recited it) 
and is supposed to have received power from him to heal all uick (never 
practising until after circumci^ion. After mbbing (the sick person), the 
koonkie eucks the parts (affected) and then goes out of the camp (picking 
up a piece nf wood). Procuring a red hot coal (on hia retnrn), he rubs it 
in his )iand, to niake them bot and then feels the disordered parte again, and 
after a little manoeavering, produces the stick, which he had concealed in 
hie hand, bb if extracted ftom the patient body, to the great snrprise of all 
the natives, who conclnde that this was Uie cause of the complaint 

Jeden Winter (im July oder August) wird von dem Dieyerie-Stamm eine 
Botschaft (zum Holen der rothen Eisenerde abgesandt nach Burratschnnna 
Creek (westlich von Blinman Township). Nach Fortgang der heimlich (unter 
einem Fährer) Erwählten (von den Frauen beklagt), bauen die Zurfickgebtie- 
benen (unter Gesang) die Bookatoo Oorannie genannten Hütten, während die 
Frauen zum Einsammeln von Samen fortgesandt sind (und bei Todesstrafe 
den Gesang nicht hfiren dßrfen). Dort werden dann die mit ihren Ladungen 
Zurückgekehrten (die mit den durchzogenen Stämmen handeln und Nachts 
reisen) festlich empfangen. 

Bei Dürre wird über einer gegrabenen Höhlung eine Hütte erricEtet aus 
starken Pfälilen mit zwischen gelegtem Ftechtwerk und die drinnen versam- 
melten Alten fiSiien die Adern zweier Männer, indem sie zwischen dem Plies- 
sen des Bluts (als Sjmbol des R^en) Flaumen umherstreuen (wie trübenden 
Nebel) und dann zwei Steine (als geballte) Wolken aus der Hütte auf einen 
_ hohen Baum bringen, gleichzeitig gepulverten Gyps in Wasser werfend, um 
M-".miiio„ru'-. AiirimiV-aml^r.lr ,ln„,i,r 7u yM,cn. r>;uin ir,m,-li Tuiii..^ ,jnd 




Austnüien und Nachbarschaft. 271 

Sprachlich^) unterscheidet man das Nord- Australische, Süd-Australische, 
Tasmamischc oder (nach Grey) fünfDialecte in Neuholland und als besondere 
haben sich erwiesen die Sprachen am Swan-river und King - George - Sound, 
von Adelaide, am Murray, von Encounter-Bay, am Lake Macquarie, an 
Moreton - Bay, bei Port - Lincoln (die Pamkalla - Sprache). Im südöstlichen 
Australien herrscht das Eamilaroi vor (neben Walaroi, Wailwun, Eokai od^ 
Kokure, Pikumpul, Parampa, Eingki, Torrupol, Ninganingo, Tippal), Wiratari- 
Sprache u. s. w. Von Moretonbay bis zum Uawkesburyfluss wird eine gleich- 
artige Sprache geredet (nach Dawson), ebenso vom King- George -Sound bis 
zur Hai6schbay an dem Gaskognefluss. Auf der Halbinsel Eoburg werden 
vier Sprachen unterschieden (nach Macgillivray). 

Abgesehen von den, den Papua ähnlichen, Stammen der Kowraregaei auf 
der Halbinsel York, dem Yungari - Stamm am Carpentariagolf u. s. w. theilt 
Eyre die Stamme Ausstraliens in die centralen, (bei denen die Spaltung des 
Penis geübt wird), in die nordwestlichen (welche beschneiden und die Zähne 
ausschlagen) und in die östlichen. Von den bei Port- Jackson wohnenden 
Stämmen (Gwea, Kadi, Wahu u. s. w.) hatte der an der Nordseite des Ha- 
fens wohnende Stamm Kamera fKameroyyal) bei dem Fest (Ynlang) das 
Ausschlagen der Yorderzähne zu besorgen und dafür Tribut zu empfangen. 
Bei den Eingeborenen Port - Lincoln's (Kallinyala) unterscheidet sich: Jata, 
(das Land des Nordosten), Wortatti (des Südosten), Wailbi (des Südwesten), 
Kayalla (des Nordwesten). In Ost - Australien haben die Stämme besondere 
Namen, nach dem, einem jedem zugehörigen, Landstrich (s. Meinicke), wobei 
die Endsilbe gal') Mann bezeichnet in Cumberland (Gwea-gal oder Einen 
zum Stamm Gwea gehörig). 

Je nach der gewöhnlichsten Erscheinung der Heimaih (im Pflanzen- oder 
Thierreich) wurde der Kobong^) des australischen Stamms bestimmt (wie sich 
daraus die von den bactrischen Königen besessenen Provinzen auf ihren 
Münzen erkennen lassen). Die andern Formen der Waffen, Geräthe, sowie 
die Bemalung verschiedener Stämme am King George -Sound, die sich bei 
Festen und Jagden versammeln, führen gemeinsam den Namen des Distrikts, 
in dem sie zerstreut leben (nach Nind). In den Distrikten Meananger, 
Murram, Yobberore, Will, Warrangle, Korine, besass jeder Stamm sein eige- 
nes Gebiet. Der Eigenthümer des Grundes, und so des Jagdrechtes, hat 
(wenn fremde Stämme zu Jagden eingeladen sind) ein Anrecht auf den Wurm 



') Districts widely removed firom one another, sometimes assimilate very closely (in Anstralia) 
whilst the dialects spoken in intermediate ones differ considerably firom either of them 

*) AUi et ^lli (wall) antiquitus dicnntur omnes populi, qni in solo, qnod occuparont, non 
nmt indigenae, sed et aliunde addncti, vel armis nova sede potiri (Wächter). Die Orma pro- 
testiren geji^ die Bezeichnung als Gallas (wir Andern gegen die wälsche). 

*) Eyery native (of Austraüa) adopts some object in creation as his crest or tiende (Kobong 
in Western Anstralia) in Southern Anstralia. A certain mysterions connection exists between a family 
aod its Kobong (Grey). The saae tiende seems to descend firom a father to his children (Eyre). 



272 Australi«a nnd N&chbanchaft. 

von der Xanthorrhoea, als Leckerbissen (s. Palacky). Wer die als Lecker- 
bissen betrachtete Kaupe von dem Baum eines Andern isst, föllt in Krankheit. 
Tbe puniähment for trespaas of hanting is iuvariably death (Crrey). . 

im Allgemeinen bezeichnen sich die Australier als Yung-ar (Leute),') 
Niino ist der eingeborene Name für den Stamm an Goffin-Bay, Nukunna f&i 
Tien Stamm an der Spitze des Spencer- Golfs, Pamkalla für die westlichen 
Stämme des Spencer-Golfs. Matta bezeichnet den Stamm oder das Volk 
(Piirnkalla-matta). Der Stamm Battara- yurari wurde von dem Ueberflass 
seines Wohnortes an dem Battara (dem buschigen Gummi-Baum) benannt 
Die Murriky-Stämme nannten sich Pitta, die Stämme von Adelaid (Kalkamu) 
beKeichneten sich selbst als Marrumidlanta und die Europäer (wiedergeborene 
Schwarze) als Gringkari (Todte). Die Alten heissen YerkSllüdni yura oder 
Leute von früherher (yerkülludni oder früher) als Vorfahren. Von dem 
Nagkan-Fisch war die Nagnok -Familie benannt, matagyn (gleichen Beins 
oder Stamms) mit den Gnotak. 

In den liaupt&milien (Ballaroke, Tdondarup, Ngotack, Nagarnok, Nogonyuk, 
Mongalung, Narrangar) finden sich (in West-Anstralien) locale Unterscheidungen 
(Didaroke, Gwerrinjoke, Maleoke, VVaddaroke, Djekoke, Kotgumeno, Namynngo, 
YunguTite), und diese fortgepflanzten Familiennamen verbreiten sich auf dem 
Oontinent, indem die Kinder stets den Namen der Mutter nehmen und ein 
Mann nie eine gleichnamige Frau heirathen darf (Eyre). Flinders mentions 
Ynngareu as the name of a native in the golf of Carpeotaria (und so in 
Süd- Australien finden sich dieselben Namen). Der Australier tödtet nie das Thier 
seines Kobong im Schlaf, um ihm die Möglichkeit des Entkommens za lassen. 

Jeder Stamm macht sein Eigen th um geltend (in Australien) auf einen Be- 
zirk, den er mit Jagdrecbt durchschweifl^ wie Hirtenstämme mit dem Recht 
der Bcweidung, und solche pfiegen nur durch Verlust der Heerden (wie in 




Austrelieu und Nachbarschaft 273 

von einem Stein in der Nähe der Mission (s. Baegert), wie die Onondoga 
trotz früherer Einwanderung. 

Die Eingeborenen im nordwestlichen Australien leben Stammweis ^) nach 
Grey), each tribe has a aort of capital or head quarter, where the women 
and children reniaiu, whilst the men, divided into small parties, hunt and 
shoot in different directions. 

The natives (of Australia) are divided into certain great families all the 
members of which bear the same names, as a family, or second name. The 
principal branches of these families are the: Balloroke, Tdondarup, Ngotak, 
Nagaruook, Nogonyuk, Mongalung, Narrangur. But in different districts the 
members of these families give a local name to the one to which they belong, 
which is understood in that district, to indicate some particular branch of the 
principal family. The most common local names are : Didaroke, Gwerrinjoke, 
Maleoke, Waddaroke, Djekoke, Kotejumeno, Namyungo, Yungaree. These 
names are common over a great portion of the continent, members of all 
these familit'S being found ori the Western coast, einzeln auch in Südaustralien, 
und Flinders traf Mitglieder der Yungaree am Caipentaria-Golf. These family 
names are perpetuuted and spread, by: the children of either sex always taking 
the family name of their mother and because a man cannot marry a woman 
of his own family name (s. Grey). The names being derived from some 
vegetable or animal being very common in the district, which the family in- 
habited, a member of its family will never kill an animal of the species to 
which his Kobong belongs, should he find it asleep, indeed he always kills 
it reluctantly, and never without affording it a chance to escape (in Australia). 
A native, who has a vegetable for his Kobong, may not gather it under cer- 
tain circumstances and at a particular period of the year (Grey). 

There are four principal families (in Australia): 
Ballarek (of long thighs), 
Dtondarap 

Ngotak (short and stout), 
Naganok 

(with many local subdivisions). 
The Ballarok (ballak, secretly) | 

Dtondarap Jare matta-Gyn (of one leg) 

Waddarak (a species of chicory or sow-thistle)) 

The Gnotak and| ^ , ^ , . 

-^ , Jare mattta-Gyn (of one leg) 

Naganok | 



') Rivers, lakes and mountains formed the boundaries of tribes (in Australia), retaiuing their 
recofpiised j^ound (s. Bonwick). Als Strzelecki nach Gippsland kam, durfte er nicht aus 
dem See trinken, ehe nicht die Eingeborenen Feuer zum Kochen gegeben und dann Wasser 
brachten. 'Ibe wanderings of the Australians are circmnscril«ed by certain well defined limits, 
beyond which they seldom pass, exept for purposes of war or festivity (Lang). 



274 Anstrallen tud NaehborachafL 

The Nogonyakt 

Didarok we matta-Gyn (of odb leg) 

Djikok I 

Tht; wife is geuerally taken froin tlie Matta-Gya (kiodred stock). 

Die australischen Stämme wurden nach altem Gebrauche roo Aeltesteo') 
regiert und zuweilen bildete sich erbliche AuszeichnuDg heraus, (s. Bonwick) 
wie an Moreton-Bay (nach Finregan) und sonst im Norden. Die Aeltesten 
heissen Besanna. Philipps fand bei den Stämmen Ost-Australiens Häuptlinge, 
die nicht arbeiteten, soodem von ihren Untergebenen ernährt wurden. Der 
Häuptling des Mjall Stamm's am Bogan wurde so hochgeachtet, dass Keiner 
seinen Namen auszusprechen wagte (1831). 

The sorcerers of th«* land of Tolcoon (neighhonrs of the Murray-tribe 
in the N. N. £., where there was an abundance af gum trees, Opossums and 
fresh water) set the bnsh in fire (the flames driving the natives before it) 
and Coma (progeuitor ot the Murray-tribe) was saved by tbe Mniray (bursting 
from a cleft in the ground), forhidden (on the ürrival at the sea) to asceud 
tbe trees of tbe intenor (s. Bonwick), wie der chinesische Dynastienstifter 
seine Rettung dem Flussgotte verdankte. 

Der Yater tbeilt bei Lebzeiten das Land^) unter seine Söhne oder, wenn 
männliche Erben fehlen, so erben die Söhne der TScbtec das Land des Grosa- 
vaters (s. Grey). 

Bei den Diyerie (wie auch sonst) werden Vorschlüge Abends von den Ael- 
testen gemacht und am nächsten Morgen erörtert (s. Gason). Auf der Halb- 
insel Coburg wollte der,Adel') vom Feuer stammen (wie indische Agmcola). 
Wer die Raupe vom Baum eines Andern isst, wird krauk, weuu er nicht 
neben den Baum einen Suck mit Erde aufstellt. Die zum Kochen dienenden 




Australien und Nachbarschaft. 275 

Erdgraben gehörten (nach Kennedy) dem Stamm gemeinsam (an der Rocking- 
hambay). 

Märkte zum Auswechseln von Lehm und Häuten wurden in Noorbunga, 
Augu&ta, Aroona abgehalten. Die rothe Erde^) (zur Trauer nothwendig) 
konnte von allen Stämmen, deren Deputationen für die Reisezeit durchgelassen 
wurden, geholt werden (von der Hayward ränge) mit Erlaubniss der ^tribe, 
which owned the hallowed earth^ (Jessop). Die Zahl der Theilnehmer durfte 
indess nicht 2 — 3 übersteigen und die Rückreise musste innerhalb einer 
bestimmten Zahl von Tagen geschehen. An der Westküste Australiens gilt 
(nach Browne) die Unverletzlichkei der Boten, so lange eine zur Bezeichnung 
klaffende Wunde noch nicht vernarbt ist. Nach Browne wird einem Knaben 
der Nasen knorpel mit glühendem Knochen durchbohrt, damit er, nachdem die 
Heilang eingetreten ist, eine Verhandlung führe. Bei Verhandlungen der 
Dieyerie mi) ihren Nachbarstämmen werden Frauen als Gesandte geschickt 
(in Australien). Zum Friedenszeichen wird ein giüner Zweig getragen (wie 
bei den Helleneu). Handeln hie^<s im Süden titta (verknüpfen). 

The Nungngun or songs (first sung and danced by the tribe of the poet, 
who composed them) are then acquired by more distant tribes throughout 
the country, until by a change of dialect, the very words are scarcely under- 
stood, by those, who originally composed|them (s. Threlkeld). Backhouse 
met on kangaroo ground (in the Cambewarra mountains) three tribes, some 
men going to the Cow-pastures to leam a new song, that had heen invented 
by some of their country people there. » 

Zur Kriegslist legen sich die Australier auf die Erde, so dass sie ihre 
Farbe in einer Art Mimicry verschwinden lässt, oder sie standen im Gebüsch 
unbeweglich, als trockner Stamm erscheinend, wie die Bheel. 

Die Australier nähren sich von Fischen, Seehunden, Känguruh, Emu, 
wildem Hund, wildem Geflügel, Schildkröten, Opossum, Fröschen, Süss- und 
Meerwassermuscheln, Larven und Holzkäfer, Eier von Vögeln und Lurchen, 
Mäuse, Ratten, Schlangen, Eidechsen, Wurzeln, (Dioscoreen, Orchideen, Farrn- 
kräuter, Boerhavien, Typha u. s. w.), Pilze, Harz, Banksien-Blüthen (honig- 
reich), Früchte (mit Nüssen der Zamiapalme, die durch Wässern entgiftet 
werden), Erdart (mit Wurzeln zerrieben), Bigri, Mangrovesprossen, Nymphäa- 
Worzeln, Wallfisch (gestrandet), wilde Yams, Honig u. s. w. 

Der Australier klebt (am Wasser) einer Biene eine Flaumfeder an, so 
dass sie nur langsam fliegen kann und ihn zum Stocke leitet (für den Honig) 
nach Backhouse, und ähnlich der Indianer. 



') Id ähnlicher Wei»e gestatteten die Indianer den Durchzug nach dem rothen Pfeifen- 
steinfels an der Quelle des Missouri. Before the arrival of Serif Alli, the first Mahometan prinoe; 
who came from Mecca to Magindano, the latter town had kings of its own. For the towns of 
Magindano, Lelangan, Catibtuan and Semayanan had the right of taking from the banks of the 
Dano that portion of earth, on which the sovereigns were to be consecrated (Forrest) 



276 Austrslien und Ntchbarachaft. 

Zum Aufbewahren der geniessbaren Pfianzensaamen und Knollen dienen 
(in Australien) Taschen aus Binsen, oder Rinden geflochten, Netze werden aus 
der weich geklopften Rinde des Nesselbaum's gesponnen, Keulen aus Myrten- 
ho\7. gefertigt, die Spindel (Holzstäbe mit Kreuzstab) wurde (am Spencei^U) 
auf dem Schenkel gerollt (s. Wilhelmi), wie in Italien. 

Die Australier verzehren alles Geniessbare nnd sind ebensowenig wäh- 
lerisch wie andre Naturvölker. Zur Zeit der Pitahajas sammelten die Cali- 
fomier alle Ezcremeate, den Saamen berauazuklauben, rüsten, ^cermahlen und 
fressen sie und macben sich dabei lustig (Baegert), wie andre beim Scbnepten- 
dreck. In des heiligen Ignatü (und weiter nördlichen) Missionen (Califomiena') 
giebt es Leute, welche einen Biesen Fleisch, an einem Schnürlein gebunden, 
zwölfmal und mehr in den Magen hinunter schlingen (und herausziehen), um 
den Geschmack und Genuss desto länger zu haben (nach Baegert), wie beim 
römischen Gastmahle Brechmittel helfen muasten. 

Austern bildeten auch in Australien einen beliebten Nahrun gaste ff. La- 
billardiere sah am Cap Diemen des coquilloge» entass^s par peiits morceaux 
a peu de distance du rivnge (als Speisereste der Eingebomen). The Aust- 
ralians eometimes catch the turtle by means of the remora or sucking fish, 
which (vith a line being fastened to its tail) is dropped in the water and 
tasteos itself on the back of the tartle (M'Gillivray). 

Aus dem Päanzen reich*) dienen zur Nahrung der Australier, als essbare 
Früchte; 
Dtulja (ExocarpuB cupressiformis) Jitta (a species of rosh) 



*) Ga'on i^ebt foli^nile Liste der im Diejrerie-Stainm zur Nahnii^ verwsnüleu Vej^labilieu 
Yowa (ralher Isrger than a pes, found thre« incbes deep iu (he ground), 
Wiukara (a verj »tarchy root), 




AnitraUeD und Nachbanchaft. 277 

Eolbogo (Mesembryanthemam eqai- JUetgoron 

lateral.), ^9(0^ (Knollengewächs), 

Kuruba (Frucht einer Schlingpflanze), Euredjigo, 
Kamak (kleine Art von Kuruba bei Mini (grosse Art von Bohn), 

York), Madja (Haemadorum Paniculatum), 

Kwonnart (Saamen von Acacia, Marang, 

zerstossen), Nangergun, 

Naman (eine Buschfrocht), Ngulya, 

By-yu (Frucht des Zamia-Baums, durch Nguto (resembling Bohn) 

Einlegen in Quellen entgiftet), dann Waran (a species of Yam) of the 
Bohn Haemadorum spicatum), dioscoreae, 

Djakat (Haemadorum) Yanjidi (typha angustifolia), 

Ganno (kartoffelartig bei York in Djubak (an orchis, like a small 

Kiesboden), potatoe), 

Grwardyn (zäher, als Bohn), 

als essbare Wurzeln in Australien. Von den Eingebornen am Sumpfe Toro- 
woto wurde eine Marsiliacee gegessen (nach Burke). 

Am Carpentariagolf wurde der Yam (Dioscorea Carpentaria) getroffen. 
Neben wildem Reis, Panicum, traubenartigen Reben, wird wickenartiger Hülsen- 
frucht (b. Mac Kinlay) erwähnt und der Hottentottenfeige (eine Mesembryan- 
themum-Art). 

Aus dem Thierreich sind zu nennen die Marsupialia (Känguru und 
Opossum), Dingo, wilde Katze, Wombat (pflanzenfressender Dachs in Erd- 
höhlen), Ornithorynchus paradoxus. Australischer Hund (vom Norden eingeführt), 
der Emu -Vogel (wegen des Fettes gejagt), Fische (29 Arten nach Grey), 
Frösche, Schildkröten. In Neus&dwales wurde aus den Leibern von Nacht- 
Schmetterlingen Kuchen bereitet (s. Bennert). Im Spencergolf grub man 
(nach Wilhelmi) mit einer Wurfschaufel Ajneisenpuppen aus, um sie in 
trockenes Gras zu binden und dieses auszukauen. Wie Käferlarven werden 
Baumranpen gegessen und auch das Fleisch gestrandeter Wallfische. Das 
Pflanzenreich wechselt in Gummibäumen (Eucalyptos), Melaleuca, Casuarinen, 
Banksien, Acacien, Callotris, Gebüschen von Protaceen, Grassteppen. 
Malaio-melanesische Nutzpflanzen finden sich auf den Prince-of- Wales- 
Inseln. Die Früchte des Nardu (Sporöcarpien und cryptogamische Pflanzen) 
werden in Holzmörsem zerstossen (im Wasser schwellend). Die jungen 
Schossen des Mangrove (Biyu) werden auf heissen Steinen gebacken. Einige 
Stämme cultiviren Yam- Arten (nach Mc. Gillivray), indem sie trockne Blätter 
auf dem Boden anzünden und gerade vor dem Regen pflanzen (nach Verbrennen 
des trockenen Krautes) durch Grabstöcke. 

Um Wasser zu erhalten, gräbt der Australier in einiger Entfernung von 
einer Eucalyptus-Art in den Boden auf die Wurzeln und stellt sie zer- 
schnitten über ein Rindengefass, so dass Saft herauszutröpfeln beginnt. 

Zur Bereitung von Kuchen aus zermahlenen und gekneteten Körnern einei 

ZttlMäiiA für EUiiioloffl«, Jakrgaoc 1874. X9 



278 AnitnlicB ond Nacbhnwhkft. 

Graminee werden in Nordaostralien Holztröge verwuidt (ufich Howitt). 
MangrovesproBSen dienen zur Herstellung der Bigu genannten Speise. 

Die Pelzkleider (der AuBtralier) werden aus den Opossumfellen (mit 
Händen dnrchgegerbt) gearbeitet, die mit den Sehnen aus dem Känguruh- 
Schwanz zueammengenüht werden. K&ngurah-Felle werden auf der Schulter 
getragen. Nachdem das Känguruh^Fell mit dem Dtabba (Messer) geschabt 
ist, und mit Fett und Wiggi (rotbgebranDter Lehm) gerieben, wird es mit 
Znirn oder durch Gwirak (Sehnen des K&nguruh) oder durch Batta (Schilf- 
gras) zum ßuka (Rock) oder Mattabuka (Hosen) zusammengenäht Kaodappi 
preparatioD of a Kanguroo or other skia for a bag or cloak, which is done 
by scraping or smootbing ihe inside by means of a katta or stone. 

Zur Verarbeitung dient aus dem Pflanzenreich Mootcha (im Dieyerie- 
Stamm). The stems of this bush (the pods and leavee of which afford food), 
when dry are pounded into a fine fibre, then teased and spun, sfter which 
it is made into bags, which are nicely done and occcupy many days in their 
production (Gason). 

Die halbkreistörmigen Matten (Paingkoont) werden (bei den AaetraUem) 
ans znsammengedrehtea Uohrschüfen verfertigt, die dann durch Faden aas 
einer gekauten Faserwurzel zusammengebuDden werden und dienen zur RückeD'- 
bekleidung (das Tragen des Kindes bei den Frauen). Um den Leib tragen 
die Frauen dann noch ein kurzes Fell-Leibcben. 

Die Körbe werden ans Schilfen zusammengedreht, und sind flach, oder (wenn 
zum Authängen an Fäden bestimmt) unten spitz. Ganon nennt (beina Dieyerie 
Stamm) Pirra (a through like water veasel) im Gebrauch. 

Die Männer gehen meist nackt, tragen nur (am Cap York) bei Tänzeu 
einen Leibrock aus PaudaDue-Blättern, dessen Enden in einen Gürtel gedreht 
sind (sowie Büschel von Gras). Röcke werden aus Seegras gearbeitet. 
i''n 




AustraHen und Nachbarschaft. 279 

verlängert (nach Wilhelmi), die im Büschel zusammengeklebten und mit Ocker 
geiarbten Haare der Kinder in Zöpfchen geflochten und mit Zähnen verziert 
(nach Eöler), Kundindi, belt or girdle of oppossum hair. 

Kalduke heisst ein „Ornament wom on the head" (of a tuft of feather 
or the tail of some quadruped) und Worka ist der y,tuft of feathers hanging 
from the head''. 

Palye dient als „wöoden hook for extracting grubs from trees" und Pore 
als „stick to knock down birds," Enake als „stick used for digging^. 

Die Frauen führen den Tando (bag of kangaroo-skin) , karute broke 

(basket made of ^wo circular mats sewn together). Katteri ist ein „stick 
with a noose to catch fish^, Kalye ein „stick used in climbing trees^ 

^ Der mit Emufedern verzierte Haargürtel wird bei Hunger fester um den 
Bauch geschnürt, den man zugleich mit Erde einreibt (n. Wilhelmi). Fett- 
einreiben dient gegen Moskitostiche. 

Als Säcke werden, beim Dieyerie-Stamm (s. Gasen) gebraucht: Gillie 
(netted bag, made from the stems of the cotton bush and rushes, with meshes, 
similar to a fishing net). Wondaroo, (closely netted bag, made from the fibre 
of the cotton bush). 

Zu Trinkgeschirren diente im Norden der Blattstiel einer Palme, im 
Westen die aufgeblasenen Blätter des Tang (s. Gerland), auch Schädel. 

Die Schmuckgegenstände des Dieyerie-Stamm 's begreifen (nach Gason): 
Kultrakultra (neeklace made from reeds strung on woven hair and suspended 

round the neck). 
Ylnka (a string of human*) hair, wound round the waist). 
Uundamunda (a string« made from the native cotton tree, wom round the 

waist and adomeid by difPerent coloured strings wound round at right 

angles). 
Kootcha, bunch of hawk's, crow's or eagle's feathers, tied with the sinews 

of the emu or wallaby and cured in hot ashes, (wom either when figh- 
ting or dancing, and also used as a fan). 
Wartawarta, bunch of she black feathers of the emu, tied together with the 

sinews of the same bird, wom in the yinka (girdle) near the waist. 
Chanpoo (a band, made from the stems of the cotton bush, painted white, 

and wom round the forehead). 
Koorie, large mussei »hell piered with a hole and attached to the end of the 

beard or suspended from the neck, (also used in circumcision). 
Oconamunda (from the native cotton bush, wörn round the arm). 
Ocrapathera (bunch of leaves tied at the feet and wom when dancing, causing 

a peculiar noise). 



*) Aach auf polynesischen Inseln vielfach zum Schmuck verwandt und ebenso in den 
BaarUeideru der Zauberprieiter Caüforniens, wo das Pflanzenreich keine SubttUVvxV^u. ^"«"^xN/^. 



280 Aaitnlien nnd Nichbuncluft. 

Unpa, bonch of tassels, made from the fnofats and millaby, wom bj the 

natives to cover tlieir private parts (wie in Südafrika). 
Thippa, made £rom tbe tails of tbe native rabbit (washed iu damp Band). 
Aroo, the large feathers from the tail of tbe emoo, used as a fui (wie die 

Federn des Am in Mexico). 
Warda Warda, circlet or Coronet of emu (eather's (vom only hj old men). 

In dem Sack, den jedes Weib auf dem Rücken trägt, befindet eich za- 
nächat ein flacher Stein, um die essbaren Warzeln zu zerklopfen, ein Vorratfa 
der Erde, welche immer mit diesen Wurzeln gemischt ist, ferner QuarzstQcke 
zu Messern und zu Lanzenspitzen, Steine zu Aezten, Harzkuchen, um damit 
Wafi'en auszubessern und neue anzufertigen, femer die. daf^ nöthigen 
Kängurusehneu (auch als Bindfaden dienend) mit Nadeln und Känguruknochen, 
sodann Opossumhaar zu 6ürteln, Stücke von Eänguruhaut, um Speere %a 
poliren, scharfe Muschelschaalen , die zum Haarschneiden, aber auch sonst 
als Messer und Axtschneiden dienen, gelber und rotber Thon zum Anmalen, 
ein Stück Baumrinde zur Bastbereitnng (um Seile zu flechten), ausserdem 
Gürtel, eine Art Schwamm (/.um Feuermachen), etwas Fett und Quar^stflcke 
(Reliquien oder Krankbeitereste), neben den gesammelten Warzeln und dem 
Fruchtvorrath, während zwischen Rücken und Sack der Vorrath noch nnprü- 
parirter Häute und in der Hand ein Feuerbrandstab getri^en wird (s. Gerland). 
Neugeborene werden in Australien auf ein weiches Kindenetück gebunden, 
von den Müttern getragen. Von Zwillingen wird häufig Eins getödtet. 

Die Namen der australischen Knaben wechseln bei mehrfacher Gelegenheit. 
A Dative named Marloo, from a babit he bad of looking about*him and saying 
I see, 1 see. in calied Nairkinimbe or tbe father ol seeiog, another Ngalle- 
ngalle is calied Eukonimbe, father of the (crayfieh) Eukodko etc. (in Australien) 
Vom 6. Jahr schläft der Knabe nicht mehr bei den Elteru, sondern mit den 




Australien und Nachbarschaft. 281 

or Grass-tree-flower) serves to produce fire by friction (in Australia), „the 
Operation being assisted by the dry furry material of the withered seed-head 
laid into the hole.^. 

The great trouble the Datives of Australia have in obtaiDing fire, makes 
them seldom be without it, when it so happens a number seat themselves in a 
circle and a8 it is a work of great laboar, each takes a turn, when the other 
is tired: It is performed by fixing the cylindrical piece of wood in a 4iollow 
made in a plane, the round pari is then twirled round swiftly between both 
the hands sliding them up and down, and thus it goes round tili the wished 
fire is produced (Barrington). The natives had no conception of boiling 
water originally, for when the crew of a boat were boiling some fish, a native 
put his band in. * 

Mit Piring-Harz*) werden die Steinspitzen der Speere, die in der Wunde 
abbrechen sollen, befestigt, (aus dem Grasbaum in Sümpfen, Xanthorea oder 
Ralga), während das festere Kadjo-Harz (des Barro oder auf Hügel wachsender 
Xanthorea) zum Befestigen der Hammer dient. 

Mit der Djunong (Schraube aus Känguruh-Knochen) werden die Löcher 
in die Speere gemacht für den Miro. Das Tabba (Messer) wird aus neben 
einander gesetzten Quarzstücken verfertigt, die mit Kadjo (Xanthorea-Gummi) 
an einem Holzgriff befestigt werden. Bakke hakkiti, knife (sharpe edge piece 
of quartz joined to the end of a stick). Der Stock zum Ausgraben der wilden 
Yam ist spatelartig gespalten (nach Teichelmann). The spears (of the Aust- 
ralians) are composed of the kaike (upper part toward the point) and yirtuge 
(made of grass tree), and when put together, the whole is called yarnde 
(Meyer). Kaity-engk, two sticks bound together with a stone between them 
at one end, used for enchanting (in Australien). The Wityo, (thin bone of 
tbe bindleg of a kangaroo) used as awl or dagger (pin, needle). Die Spitze 
der Wurfspiesse im Thal Tukiyo waren im Feuer gehärtet (Herrera). Pore- 
yamt-alde, hole at the end of a spear into which the bone-hook of the Taralye 
or throwing stick is put before discharging. 

The boomerang was first met with in Australasia|, but the wild tribes 
of Southern India possess exactly the same weapon (Meadow Taylor). Nach 
Palou führten die Califomier scharfe Holzschwerter. 

Yootchoowonda heisst (bei den Dieyeries in Australien) a piece of flint 
(about 3 inch long) with an edge like a razor and at the blunt end covered 
with resins; this is concealed in the palm of the band, when fighting, and is 



*) Oason führt (bei dem Dieyerie Stamm) Mindrie auf, a lai^ root, from the outaide, of 
whkb is obtained a kind of reain, wbicb, when prepared at the fire and afterwards allowed to 
dry, becomes very bard and thoogh called kundrie, and is used in fiastening a flint to a short 
stick called kundriemooks (kundriemookoo of semi-circular shape, to one end of which is attacbed 
bj reain a flint, forming a kind of axe or tool used iu making weapons). Als Waffen werden 
wtiter genannt: Kulthie (spear), Kirra (boomerang), Murrawirrie (two-handed boomerang), wona 
(a Short stick, used by women) Pirrauma (a shield, oval shaped), Yoot-choowonda. 



282 AiulnlfaD und NachbuMhia 

capable of inflictinf; a wooiid IJke one made with a batcher'B knife (b. Gwon). 
Ihre Messer und Scbeerco seyend scharfer Stein (in Californien), womit sie 
auch die Haare bis auf die Haut können absclmeiden (s. Bae^^ert). 

Die Vandiemensl&nder ersteigen die glatten (Tummi-B&unie mit einem 
Grasstrick, indem sie Unebenheiten der Rinde mit der Axt weghauen (a. Back- 
boDse). Die Aaetralier schlagen Löcher fQr die grosse Zehe. Zum HoIe- 
fallen . mit der Serpentin-Axt der Neu-Caledonier „abattit nne brauche de 
melaleuca latifoUa, d'environ an d^cim^tre d'^paiBsenr. Ce ne fat qa'apr^ 
avoir donn^ nu grand nombre de coups, qu'il parvint a y faire ane lagere 
entaiUe, puis il la brisa eu Tabaissaüt fortement par Texträmit^" (Labillardito). 
Am Colorado (bei Cbimehwhueles, Cutchanas und Pah-Utabs) werden 
harte Steine mit einer Holzkeole in zierliche Ffeilapitzen gsBchlagen (nach 
Möllnhansen). 

Australische Caooes beBtebeo aus zusammengebogener Baomrinde mit 
zwiscb engesteckten Stöcken. The Auetralian m^e little canoes of the stringy 
bark tree (Dibil-palm), vessels of the sheatb of the leaf of Seaforthia (s. Ljnd). 
Im Westen wurden Flösse gebraucht. Die Fische wurden f^espeert oder mit 
Netzen gefangen, wogegen man im Dieyerie-Stamm das Minti^ genannte fiahing 
net, (made from rusbes) gebrauchte. Auch Angeln (s. Hunter) verwandten 
sie (ans Knochen oder Erallen eines Raubvogels) oder Reusen. 

Die Form der Gnnjah (Hütten) in Ost- und Mittelanstralien ist ein spitzes, 
auf der Erde ruhendes Dach, aus Zweigen geflochten, durch die Rinde der 
Eucalyptnsbäume bedeckt, mit seitlicher Oefinung (vor der das Feuer brennt). 
Die H&tte wird aus einem au%eBcbnittenen Stück Rinde zurechtgebogen. 
In West-Australien zeigten sie bogenförmige Oeffiiung^ Im Carpentaria- 
golf soll sich ein Ansatz zu zweistöckigen Häusern finden. Die Hütten (Miam- 
miam) werden (bei Port Fairy) aus Gummibäumen errichtet Im King-Georg- 
I..Lii.-i w.:i,]c,i über ^r\ 




Auftlralien und NaehbmcKafi. 288 

Skiniramon (Kraut) Februar, 

Skapotro (Schnee fort) März, 

Spatlom (Baiderwurzel) April, 

Stagamawos (Wurzelgraben) Mai, 

Itchwa (Camass- Wurzel) Juni, 

Soantchlkwo (heiss) Juli, 

Silamp (Beerensammelnd) August, 

Skileues (erschöpfter Lachs) September, 

Skaai (trocken) October, 

Kinui-etchluten (Hausbau) November, 

Kesmakwalu (Schnee) bis December. 

Flinders fand Thierzeichnungen (aus Kohlen und rother Farbe) in den 
Felshöhlungen 1) von Groote Eiland, King auf der Clarks-Insel, Grey am 
Glenelg-Fluss (Aborigines being led by white men), und Angas rühmt die 
Naturtreue der Thierformen (Eingrabungen von Opossum, Känguruh, auch 
tanzende Eingeborne) in Broken Bay (wodurch sich auch die der Höhlen bei 
den Bushman auszeichnen), Roth oder Kriegsfarbe, im Westen dagegen Weiss, 
das im Norden zur Trauer diente. 

In der mit bemalten Figuren ausgearbeiteten Höhle in York (im Swan- 
river District) hatte (nach den Australiern) früher der Mond gewohnt (s. Grey). 
Umrisse von Thieren, auf Felsen eingehauen (wie Fische, Eidechsen, Wa£fen, 
Menschen) fanden sich hei Botany-Bay. 

Der Mond besuchte (nach den Australiern) die Höhlen, wo sich Zeich- 
nungen ausgeführt finden. Aus den geschlängelten Strichen (auf Bäumen) 
deuten die Australier eine Schlange heraus, in deren Gestalt das Haupt ihrer 
Geister sichtbar wird (Friedrich Müller) und Einritznngen helfen dem 
Gedächtniss. 

In the emu-dance*) the Tasmanians placed one band behind and altemately 
put the other to the ground, raising it above their heads (or they passed 
round the fire) to imitate the motion of the Emu, when feeding (s. Backhouse). 
In the thunder and lightning dame they moved their feet rapidly, bringing 
tfaem to the ground with great force. 

The people (in Vandiemensland) having fallen to the low pitch of their 
voices, recommenced their song at the octave, which was accompanied by 
slow and not ungraceful motions of the body and limbs, their hands being 
held up in a supplicating posture, and the tone and manner of their song and 



1} Plusieurs cavernes sont revetues de peintures anciennes (in Sonora). On trouve pres 
de U Trinidad des momies iiidiennes (s. Guillemin^. 

2) An Indian (of Monterey in California) haviiif^ a deer's bead fastened to his own, Walking 
on all fouFS (seemin^^ to browse) so well imitated the movements of the animal, that the buntere 
would bäte fired upon bim. He tbus approachod a herd witbin tbe nearest g^unsbot and killed 
ibe daere with his arrows (Milet-Moreau). 



3$4 AwtraU«!! nnd NMhbuw^tft. 

gesture seemed to bespeak the good will and forbeartmce of thsir anditord 
(nacb FUnders). 

During the dance DtowalgaoriTD Üie moacles of the tbigb are made to 
qniver (in Eastem AastraUa). A dance of thig sort is common amosg the 
Malajr girls (örej). Kuri (circle), dance of tfae DorÜiern tribes in Australia 
[im Kolo]. 

In the play Yambalin (in Auetralia) one peraon Stretches a piece of string 
between tbe fingers of both hands, so as to form sone faocifui figure, which 
another theo takes off, altering the fignre, the Örst then takes it i^in, and 
eo OD altemately (Mejer). Bei Ngungawwetti oder andern Spielen der Männer 
trommeln die Frauen auf ihren Fellkleidem (in Australien). Tapurro, the 
akin of an opoesnm staffed and used at a play as a drmn (in Australien). 
The Blacks (in Moreton bay) scratch varioas figures on the seeds of the 
fruit of Actrae australis (plumtrce) and amuse themselves by gaeaeing what 
the figure is, on tbe one held in the band of aoother person (Backhouse). 
Nach Macgillivray wurden gez^mte Opossom in Käfigen am Cap York 
gebalten. 

Auf der Reise häufen die Australier kleine Steinhaufen*) auf, um die 
Höhe der Sonne anzuzeigen zu der Zeit (s. Grey). Nach dem Sieg über die 
Changas (mit Hülfe bärtiger Viracochas) stellte Jupangui die Steinhaufen 
Pururankas zur Verehrung auf, (and solche Obo finden sich in allen Con- 
tinenten). Backhouse noticed a woman arranging several stones that were 
fiat, oval and marked in varions directions with black and red lines. These 
repreaented abaent frienda, and one larger than the rest, a corpulent woman 
on Fliaders ialand, known by the name of Mother Brown. 

Neben einer durch die Nase geblasenen Flöte W4irde im Port Essington 
Bambus geschlagen bei dem (sonst von Händeklatschen begleiteten) Gesang 
n,d ^H.h eine Tn.mim.] mit Oy^s^iiMildl ^^^, [iuu;li ['^■uh.-lni.mQ in Hi-braui-b. 




Australien und Nachbarachaft. 285 

Vor EinführuDg des Tabak 's wurden von den nordamerikanischen India- 
nern verschiedene Blätter und Rindersorten narkotischer Wirkung (die noch 
später mit dem Tabak gemischt wurden) geraucht. 

Durch die Operation Malgum wird den Mädchen das erste Glied des 
kleinen Fingers abgebunden, um die Fischleine besser za fuhren (nach CoUins). 
The loss of two joints of the little finger of the left haud (of the women 
in Australia) is effected by a hair being tied round the Joint (Barrington). 
In Califomien Hess der Kranke zur Heilung den kleinen Finger an der 
rechten Hand seiner Tochter oder Schwester abschneiden (Yenagas). Auch 
bei den Hottentotten und polynesischen Inseln wird dergleichen geübt. In 
Mysore there is a caste in which the mother amputates the two middle 
fingers up to the second Joint at the marriage of her eldest daughter (s. Irving). 
Die Blackfeet und Mandan schneiden bei Trauer-Ceremonien den kleinen 
Finger ab. 

Die Beschneidung wird an der Carpentaria-Bucht geübt (nach Flinders) 
und auch an den östlichen Küsten des St. Vincent-Golfs. The Tuiti (on the 
Chatham-islands), often emasculate their male children by compressing their 
iesticles between stones (Dieffenbach). Von den Hottentotten wurde Aus- 
schneidung des einen Testikels behauptet. Jakob war (nach dem Medrasch 
Tillim) Einer der dreizehn, die beschnitten zur Welt gekommen (im Talmud). 
In Australien heisst: 

Kurawulie, a Boy under D years, 

Mockaworo, „ 9 — 12 years old, 

Thotchawora, „ after circumcision, 

Thurrie, young man, when the hair begins to grow in the face, 

Matharie, man, 

Pinaroo, old man 

(bei den Dieyerie). 

Ausser der Bemalung dienen aufgeritzte Narben, (im Manka-Verfabren), 
sowohl zum Schmuck, wie zur Unterscheidung der Stamme. From Tamda, 
transformed aflerwards into a kangoroo (a reddish species or Tranda), the 
naiives of Adelaide derive the usage of tattooing (s. Teichelmann). Mattanga 
(matta, tribe or nation) dient zur „designation of one of the actors in the 
ceremony of tattooing^ (s. Schürmann) unter den Pamkalla. Da die Tätto- 
wirongen in Stichen auf der dunklen Haut nicht erkennbar sind, ver\N enden 
sie die Vitier im Relief. Die Einschnitte auf dem Bauch der australischen 
Frauen lassen „disparaitre une bonne partie des rides produites par la 
grossesse^ (Labillardiere). 

Mit der Mannbarbeit wird den Knaben (Gulambiddi) der Mulyat genannte 
Känguruh-Knochen in die Nase gesteckt. Die Durchbohrung des Nasenknorpels 
bildet die Ceremonie Guah-nong. Nach Campbell wurde auf den Melville- 
Inseln das Septum durchbohrt. Auf Mallicollo und Tanna tragen die Ein- 
gebomen einen cylindrischen Stein im Septum narium (nach Forster). Auf 



286 Australien und NochbaTScIufL 

Tanna dienten Narben zum Schmuck. The CaUfornians (1758) make lioles 
in their ears, where they hang a \aTge case wliich bolds OTery thing the; 
carry (not to incommode them in their march). Labillardi^re bemerkte hinter 
den Ohren der Neu-Caledonier „des tubercules de la forme d'un ria de Tean 
et gros eomme la moiti^ da poing" (als Schmuck). 

Es finden sich St£iiime auf der Ostküste, die die ron Yura (aus dem 
Norden) eingeführte Beschneidang noch nicht kennen, und nur durch 
Schmieren und Tättowireu (mit Durchbohrung des Septum naris) fEtr die 
Ceremonie vorbereiten (den Mädchen wird das vordere Glied dee kleinen 
Fingers abgelöst). 

Die Einweihung umfasst ffinf Grade, eine Prfifung jjler Standhaftigkeit, 
und Lehren der Tänze (fflr Emu, K&nguruh u. s. w.), gewöhnlich auch 
Zahn ausschlagen (Peitschen, Fasten u. s. w.). Wer alle Stufen zurSckgelegt 
hat, heiast Wilvotu (Voll-Mann). 

In Adelaide durchlaufen die Eingebomen ffinf Stufen bis ßourka oder 
Erwachsene (nach Moorhouse), indem sie als Wilya kundarti (lOjährig) mit 
Blut aus dem Arm eines Mannes bedeckt, die Erlaubniss erhalten, den Wirri 
(zum Ydgeltödten) , sowie den karko oder Schuppe (um Raupen aus der 
Erde zu graben) zu führen. Von 12—14 Jahre wird (mit Verbinden der 
Augen) an dem mit Staub bedeckten (als bezauberten) Knaben (nach Tanzen 
and Ceremonien) von dem Priester die Beachneiduog vorgenommen, nach 
welcher eine Zeitlang die Yudna oder ScbamschSrze gctn^en wird. Tm 20. Jahr 
beginnen (mit der Ceremonie Wilyam) die Tättowirungen auf Rficken, Schalter, 
Armen und Brust, indem der Caudidat bei den Einschnitten Ngulte heisst, 
Yellambambettu , wenn die Einschnitte zu eitern beginnen, Mangkauitya, 
wenn die Wunden wulstig wurden und Bartanu, wenn die Narben sich bei 
völliger Erhebung schliessen. Beim ersten Erscheinen grauer Haare wird die 




Australien and Nachbarschaft. 287 

langte der Stamm Cameragal (dessen Mitgliedern ein Vorderzahn von selbst 
aasftUt) Yon den jungen Leuten anderer Stämme einen Vorderzahn, der mit 
dem Ton dem Zauberer bervorgewür(2:ten Knochen oder Stein ausgeschlagen 
ward, wobei das Blut auf die Brust des Knaben und den Kopf des Operirenden 
(dessen Namen der Ejiabe annimmt) fallen musste. Nachdem die Knaben durch 
Tänze Macht über Hunde und dann über Känguruh erhalten haben, folgt ein 
Fest, worauf sie die Känguruh-Jagd mitmachen dürfen. Mit dem Zahnaus- 
schlagen erwarb sich die Jagdberechtigung. 

In Ost-Australien wurden ein oder zwei Vorderzähne des oberen Kinn- 
backen durch Muscheln losgelöst und dann durch Steine ausgeschlagen. 

Der Vorderzahn wird (bei den Yoolangh) den dadurch zur Jagd berech- 
tigten Knaben (denen auf allen Vieren der Hund zugestanden wird) vor 
dem Ausschlagen mit dem Knochen gelöst, den die Carrahdis hervorgewürgt 
haben. In Colonchi (bei Puerto Viejo) rissen sich Indianer einige Oberzähne aus. 

Die unter dem Geräusch der Witama geblendeten Knaben (im Gesicht 
geschwärzt) erwarben den ersten Grad als Warrara (für 1—2 Jahre.) Nach- 
dem unter Aufbindung des Haares in ein Netz die Beschneidung vorgenommen 
ist (unter Tragung der glockenähnlichen Fellschürze Mabbiringe) treten die 
Jünglinge in den Grad der Partnapa. Sie können dann heirathen, bedürfen 
aber noch zur vollen Weihe der dritten Ceremonie, der des Wilyalkanya, wo 
sie das Blut ihrer Pathen trinken. Wer alle Stufen zurückgelegt hat, heisst 
Wilyoru (voller Mann). Der Mundo oder (schimpflich) Un beschnittene wird 
als Marndo (Candidat) ein Pappa oder Beschnittener (durch den Turlo der 
Pathen) nach der von der Schlange Yura (in dunkeln Flecken der Milchstrasse 
wohnend) gelehrten Beschneidung (vor welcher die Knaben mit Fett gesalbt 
werden) im Süden. Nach Eyre tragen die Knaben das Haar eine Zeitlang 
im Netz geflochten (vor der Aufspaltung des Penis bis zur Urethra). Nach 
Peitschen werden die Knaben in der von Pama (dem den Herbst anzeigenden 
Stern) und der Fliegenden geführten Procession beschnitten. 

Zur Wehrhaftmachung werden die Knaben (unter Geschrei der Weiber) 
in den Wald geführt, mit Blut bespritzt, durch Einritzen tättovrirt (unter Bei- 
legung neuer Namen) und sehen (nach Loslösung der Augenbinde) zwei 
wothende Männer mit Keulen auf sich zueilen, vor denen sie nicht erschrecken 
dürfen. Nachdem sie dann für einige Monate eine Opossumschnur um den 
Hals getragen (sich von Streit und Frauen fern haltend) werden sie unter 
die Männer aufgenommen. 

Beim Goulboumstamm (nördlich von Melbourne) wird der Jüngling in 



Wolf 18 a f^reat bunter and can provide well. The Turkey was the third in rank, hecatise ihis 
bird feets upon a variety of (^ood fruit« and raots. The crow-tribe was tbe last (tbe crow feedinj;^ 
on offals). White tbe chief of the turtle-tribe had a rif(ht to call all the other Chiefs of bis 
nation tof^ther to bis Council, and while he acted »s the president of this Council, tbe chief 
of the crow-tribe could never rise to any higher difi^ity in the nation, than to ligbtiug tbe 
Council pipe and handinfi; it to the other chiefe and counciilers assembled together (Barton). 



288 Aiutrallen und Nftchbancluft. 

den Wald geführt (für eiDige Tage), wo er die xwei oheren Schneidezälme 
ausschlägt und seiner Mutter übergiebt, die sie in einen Qumnübaum einfügt, 
um (beim Tode) durch Feuer getödtet und (nach Abschälung der untern Rinde), 
aU Denkmal stehen zu bleiben. 

Im Osten ruft der Bubu (durch einen Schrei im Walde) die mannbaren 
Knaben, die von den Männern auf Standhaftigkeit geprüft werden. Bei den 
Küstengtämmen wird ein Vorderr.ahn ausgeschlagen. 

Am Cap York geschieht die ZahnausschlagoDg durch einen Mann im 
Federkleid. Die Novizen dürfen von keiner Frau gesehen werden, und tn^n 
(wenn zu den Eltern zurückkehrend) noch den Schmuck der Featzeit, bis der- 
selbe von selbst ab^lt (sowie ein Stück weisser Muscbelscbaale vor der Stirn). 

Im Port Essington wird häufiger der rechte, als der linke Schneidezahn 
ausgeschlagen (unter Einritzen von Hautnarben). 

Zuweilen tragen die Frauen (denen am Cap Upstart gleichhils ein 
Schneidezahn fehlt) Narben auf den Hüften (wie die Männer). 

Bei den M acquarieatämmen verschlingt ein böser Geist diejenigen, denen 
kein Zahn ausgeschlagen ist (nach Braim). 

Das Fest Corroborry oder Yulo eraba diang (eine Nachahmung des Kän- 
guruh) wird beim Zahnansscblagen gefeiert. Mit dem Schmieren und Tätto- 
wiren ist die Durchbohrung des Septum naris verbunden. Die austraUschen 
Aerzte ziehen die Krankheit durch eine Schnur aus, unl«r Gesängen, indem 
sie eich das Zahnfleisch blutig ritzen. Bleeding is performed in Company (in 
Australia), the last person lets hie blood drop on the puiugurru (peg used 
in bleeding), places it near the lire, and repeats wbile it is drying, magic 
sentences, to prevent headache and deatb, which wuuld eise befall them 
(s. Teichelmann). 

Zur Heilung des durch die Wassergeister erkrankten Knaben wurde der 




Miscellen und Biich«nohaii. 289 



Miscellen nnd Bttcherschan. 

Aubel (Herrmaim und Carl): Ein Polarsommer (Reise durch Lappland 

und Haner). Leipzig 1874. 

Fahrten durch den unwirthlichsten Theii unsres Globus sind es, die uns hier geboten 
werden, durch jene öden und wüsten Gebenden des Nordens, wo in der Höhe des Sommers 
freilich eine nie sich neidende Sonne die Nächte in ewigen Tag verwandelt, wo allzu häufig 
aber im wilden Aufruhr der Natur, Land, Luft und Meer zum grausigen Chaos zu verschwimmen 
seheint. Die Bilder werden uns geliefert von einer KunsUernatur, die freilich die entsprechende 
Thatkraft besitzt, den drohenden Gefahren zu trotzen und practischen Sinn genug, um berg- 
männischen Arbeiten nachzugeben, die indess vor allen die durch die Umgebung hervorgerufenen 
Stimmungen giebt, und das Gemüt h des Lesers demgemäss umstimmt, bald nach den Schauem 
eines vom wüthenden Sturm gepeitschten Meeres, bald nach der todten Weite schlammerstarrter 
Tundra, dann wieder im behaglchen Genüsse der gebotenen Erholung oder in Schereen mit 
lilliputischen Lappen (wie bei Beschreibung «einer lappländischen Hauptstadt* Loparskoje Selenije). 
Oeognostiscbes , Mineralogisches, Conchy logisches , Ornithologiscbes, Botanisches ist den ver- 
schiedenen Kapiteln beigefügt, und dann wird noch in einem Anhang das Mineralogisch- 
Oeognostische (mit bergmännischen Arbeiten) auf S. 347 — 358, das Botanische auf S. 359—378, 
das Ichthyologische auf S. 379-412 behandelt. Das Zusammentreffen mit den Samojeden 
(auf der Halbinsel Kanin) gab Anla^s zu mancherlei Aufzeichnungen : 

„Num, als Quelle des Lebens, auch Ilewbarte oder Tawni, d. h. hohe Gottheit, genannt, 
ist zugleich der Schöpfer der Quelle des Bösen, des Teufels etc. Er selbst wird als un nach- 
bildbar gedacht, nicht so die von ihm geschaffenen Geister Tadebzii, welche ihm zwar unter- 
geordnet sind, jedoch gegen seinen Willen handeln und den Menschen Böses zufügen Es 
giebt deren drei Arten, erstens Weisse, welche im Himmel leben, zweitens Grüne, drittens 
Schwarze (Geister), welche auf der Erde leben und in grosser Anzahl überall auftreten. Zu 
ihnen sind auch die Parmi, Bergkobolde, zu rechnen, aus deren irdischen Zelten man zuweilen 
den Rauch aufsteigen sehen soll. Die nach den Göttern aus Holz oder Stein, kegelförmig mit 
roh ausgebildeter Nase und Mund gefertigten Bilder (Ilegi) werden im sog. Sinikin, einem 
durch Renntbierfelle im Zelt (Tschum) abgetheilten Räume bewohnt. Ausser den Tadebzii giebt 
•s noch Sadei (Sa, Berg). Diese Götzenbilder werden auf die Jagd mitgenommen nnd an die 
Banen der Füchse (Polar- oder Eisfüchse) gelegt. Misslingt der Fang, so werden die Götter 
geschimpft oder auch weggeworfen. Die. vornehm lichsten Gebote der Religion und Moral sind 
folgende: Glaube an Num — Glaube an den Teufel und dass er besänftigt werden könne 
durch Opfer, damit Dir und den Deinen nnd den Renntbieren kein Unglück widerfahre, damit 
er die Krankheit von Dir nehme und Dir helfe in Deinem Thun. — Erfülle seine Befehle im 
Glauben an die Geister, damit sie Dir nichts Böses tbnn. — Springe nicht über die Schlitten, 
io welchen die Götter aufgestellt sind, nach des Teufels Geheiss. Ehre die Aeltern — Achte 
die, welche älter sind, als Du — Tödte nicht — Stehle nicht — Zanke nicht — Verleumde 
nicht — Hüte mit Sorgfalt die Bennthiere — Sei still die Nacht, damit Du nicht erkrankst — 
Las» den Armen nicht nnbeschenkt von Dir, dafür wird Num Dich belohnen — Schweige über 
das, was Du gesehen hast, damit man nicht durch Dich erfahre, was geschehen ist.* 

Der Priester zaubert mit der durch einen (mit Götzenbild verzierten) Schlägel (Ladurapi) 
geschlagenen Trommel (Veuser) urd trägt bei Opfer die (das Gesicht bedeckende) Mütze Sew- 
bose (s. S. 290). 

Ausser einer Karte sind vier Abbildungen in Holzschnitt beigegeben. 



CoutAQce: Histoire du Ch^ne. Paris 1873. 

Im er*»ten Theil des zweiten Buches findet sich u. A : Geographie botaui<|Ue du ebene 
8 108—136). 



290 HiaMlIao sod Bächeraobin. 

R«cueil de TAimolrea et documents par le Forez, publik par )a Soci^t^ 
de la Diana (ä Montbrison) Saint-Etienne 1673, 
enthEilt u. A.; descriptioD d'nne lesieie d'faoBpitalite troDT^e k JuUiea par V. Dannd (8. 10&). 

Mieaionsbericlite der GeBellschaft eot BefÖrderang der evangeliacben 
Missionen onter den Heiden. Berlin 1871. 

,Sd btoltirt, «äbrend die Fran des Missionäis oder de* CotouUten in dei Eüfhe mühiftm 
schauert, ihre KafTrisehe Hagd mit Schleier und SonDenBctairm . damit aie ihren lehvuMii 
TeiLt sich nicht verbrenns, aPBgepuUt mit CbigooD und Schleppe. Dan GhigDoa ueDnen sie 
in ihrer Sprache Theetopf, die Schleppe ein Pferd", schreibt Beste aus der Hissioa Im 
Kafferland (Bethel). 

Memoire de la Society nationale des Antiquaires de France. IV. Serie, 
Tome 4, Paris 1873. 

Unter deo AubätiBo findet sich: Les Tnmulus Qanlois de la Commnae de Hagnj- Lambert, 
Cöte d'or, (Fonilles laitea boub le patroasga de !■ CommiBBioD de la Topographie des Gaules) 
par BertiBud. lui .Tamulus, dite Mo ncean -Laurent", fand sieb neben dem Skelett (mit SiseQ- 
acbwerdt) ,ud grand geau en broute* lu clasBiSciren iparuii les pioductious da rBtroria 
superieure*. Vorher kannte mao uur "iarihalicfae Funde, .eo üanle* (S«au troutee & Qomme- 
Tille, daas le tumulus de Oranhob, h Eggenbiliaa, pres de Hajence). Mit Zusiekung der 
übrigen Funde aas Hallsladt, sowie sonst in Deutschland und in Italien, stellt sich die Gesammt- 
wbl anf 80. 

Scblumberger : Des Bract^ates d'Allemagne. Paris 1873. 

Les premieres bracteates imperiales de ranthenlicite desi^nelles od ne pnisse donter, sont 

Celles frappves par Fr^denc I Barbarosse, anteneurenirnt k snn couronnecient comiiie empereur. 

Üer zweite Abschnitt behandelt die Classification generale des Bracteales d« l'Allemagne, dis- 

tribn^es g^ographiquement, avec l'indication des principaux tjpes de chaque atelier mon^taire. 

Janet: La morale. Paris 1874. 

Le central sociale n'a pas iti la loi det sociJtea primitives, mais il est la loi id^e das 
kocietes fotnres. L'uniti morale de la natnre humaine ne a'esi pas manifest^e an bercMU 
de uolre esptee nais eile est le terme, ou eile teod et la raison secrete de son aseensiau io- 
fatigable vers le nieui. 




Miflcellen und BnehencliM. 291 

Moncant: Histoire des peaples et des Etats Pyr^D^ens, YoL I-^IY. 
Paris 1873. 

Im ersUn Baod behandelt der erste Tbeil die Zeit bis xum Cbristentbum, der zweite die 
Eiofille der Barbaren (S. 369—346), der dritte die Beziebuo((en der Franken und Westgothen 
(S. 367—427), der vierte die Folgen der manriscben Eroberung Spanien's. Ini vierten Bande 
wirft das letzte (fünfte) Capitel noch einen kurzen Blick auf die Kriege zwischen Isabella und 
Don Carlos. 



L^otard : Essai sur la condition des Barbares ^tablis dans Tempire Romain 

aa quatri^me stiele. Paris 1^73. 

Bebandelt die Einfalle in die Orenzprovinzen und die vielfach erörterten, aber noch der 
Aufklärung bedürftigen Niederlassungsformen der Deditii (Cap. 2), Foederati (Cap. 111), Laeti 
(Cap. IV), Gentilen (Cap. VI). 

Ludwig: Agglatination oder Adaptation. Prag 1873. 

Eine Streitfrage, im Anschluss an Früheres, um ,eine Reihe von Fragen, den Charakter der 
vedischen Ueberlieferung, die Laut- Wortbildungs- Flexionslehre betreffend" zu erörtern. .Der 
allgemeine Einwurf, der sich gegen die bisherige Behandlung der Lautlehre erheben lässt, 
ist der, dass sie eigentliah Dinge bebandelt, die in der IVirklichkeit nicht vorkommen, nämlich 
die Laute, als Einzelerscheinung, als welche dieselben in keiner Periode der Sprache vor- 
gekommen sind*. 

Revista de Antropologia (organo oficial de la Sociedad Antropologica 
EspaDola) Febrero 1, 2. Madrid 1874, 

enthält: De la nnitad nativa del genero humano (Hysern), Diferencias espicificas de las Razas 
Hnmanas (Arisa), Antropologia (Tnbino), Origen, Antiguedad y Naturaleza del hombre (Vila- 
Dova), Sobre la pohlacion indigena de las islas Filipenas (Mathen), auf die Sitzung der Anthropo- 
logischen Gesellschaft Berlin's vom 15. Januar 1870 Bezug nehmend. Um für die Zwecke 
der Gesellschaft Interesse anzuregen, findet sich beigefügt ein Circular, dirigido k los Senores 
Socios residentes en las provincias de 1h Peuinsula y de Ultramar. 



Schomburgk : Papers read before tbe Philosophical Society and the Chamber 
of Manufactures. Adelaide 1873. 

Einer der Aufsätze behandelt das Urari-Gift, andre Giftpflanzen, Waldcultur u. s. w., 
der letzte: Capabilities of the various districts in the (3olony. 

Actes de la Soci^t^ Philologique III Vol. 1873—74. Paris 1874. 

Charency: Rechercbes sur la flore Aino. Fragments de Chrestomathie de la langue 
Algonquin ^par M. N. ().). Ancessi: Etudes de grammaire comparee. Ilalevy: Essai sur la 
Ungoe Agaru. Churency: De quelques id^es symboliques se rattachant aux douze tils de Jacob. 
Barriuger: Etüde de l'anglais parle aux Etats-Unis. Proces-verbaux. 



Jacob: Memoires secr^tes de Bachaumont. Paris 1874. 

Cest k minuit qne se rendent en cette ^glise (la Sainte Chapelle) tous les poss^d^ (la 
nnit du vendredi au samedi Saint). M. Tabbe de Sailly, grand-chantre de cette collegiale, 
les touche avec du bois de la vraie croix. Aussitot lenrs hurlements cessent, leur rage se 
calme, les contorsions s'arretent (des mendicants qui sont payes). On ne peut croire que des 
Biinistres de la religion se pretassent a une come<lie si indecente. Tant au plus peutetre, ä 
deCiut de vrais pos-Medes, aurait on recours k ce pieux stratag^me (1710). 



292 , KiMellen und Bäeherschn. 

CerquaDil: Etudes de Mythologie Grecqae. Paris 1878. 
Une senle hypotbeae, c'eat que les loches enanUs aoleDt dea ottita ou dM ongM (Im 
naeM sont p>r excsllence des Plaoctae, des Symphld^ade«) bleibt nar (9i den VerbiMr, wih- 
Tsnd im pBjchologlicheD Studium der Neganageo dia F«Imd am NgQDie imd Qnillo toloh 
nebliger Anachannng erst einige Gonuitenz geb«ii wärden. 

Kotb: Handbuch der vei^leichendea Statistik. 6. Aufl., Leipzig 1874. 
Die Gefahren der Heiratb vod Verwaadten le^en sieb an den Taubstummen and BIM- 
sioDiKen (S. 4Tä). Lebens kräftigkeit dar Terschiedenen Kluaeu und Stämme, lowie da« Vtr- 
pfUnien nach andern Zonen anf S. 431 o. flg. Die elatiatischen VathillniBBe der andern 
Erdtheile (ausser Europa) S. 342. 

Boacherie: Le dialecte PoiteviD au XIII. siicle. Paris 1873. 
Jusqn'an jour oü le Poitou devint possession franfaiie, le dialecte paiteTJn «Tait eu k 
lütter contre Tinflnence de la langoe meridionale bien plus que eontre celle de la langue du 
Mord. 8a graude ressemblaoce arec cette derniere nt donc une rwsemblance natiTe. 



Reade: The Ächantee Campaign. London 1874. 
Durch den Verfasset kamen die ersten Stein Werkzeuge von der Westkäste Afrika'g nach 
Europa und er bemerkt über ihre Beieichnung als Donaerkeilei Hany axes are neraly coTcred 
by the nppet soil. After heavy storms of rain, «hieh are asually aceompanied bj thnndet 
and ligbtQing, this Upper soil being «rasbed avay, the stone implaments are Ibund lying on 
tbe graund and so seem to have bllen from the eky. 

Koug6: M^moires sur Torigioe ägyptienne de l'alphabet phenicieo. 
Paris 1874. 

Lea uomades asiatiquee, etablis dans la Baste-Egypie, aubissent au hout de peu d'annies 
l'influence de la coalisation repandue dans la tbII^ da Nil, Jls apprennent ä connaitra les 
atts egyptiens, ils emploient l'architectnre da pays, et la dteoration ofGcielle, qui s« tait an 
nom de leurs souverains, monlre qua l'ecnture egjptienne ne leur raste pas cnmpUtement 
inronnue. Rien n'clsit plus facile am MeTogrammates, que d'hrire avec lenr alpbabet les 
mots de la langue nationale des Pasteurs, cutume ils ont ecrit plus tnrd les mols semitiqnes 
dans leur papyrus. I.es persoanages les plus iutelligents de la nation cauquerante ont pu 




Anstralien nnd Nachbarschaft. 

(Fortsetzung.) 

Die KrankheitsheiluDgen bestehen in Saugen und Streichen und die von 
Bruce gesehenen werden von Jessop mit mesmerischen yerglichen. The phy- 
sician begins his Operations by making the passes on stroking the patient from 
head to foot, carefully drawing his hands down the whole length of the body 
and when arrived at the extremities pretending to throw away something. 
When this has gone on for the proper timc, he picks up stones and casts them 
with angry gestures at some imaginary spirit (in Australia). Die Teyl genannten 
Kristalle^) dürfen (in Australien) nur von den Zaubergeistem berührt werden 
und keine Frau darf die im Gürtel getragenen Steine (Mur-ra-mai) sehen 
(s. Grey). Auch in Australien wird eine Art von Bahrprobe (wie mehr&ch 
anderswo in verschiedenen Weisen) geübt. Die Träger des Leichnams gehen 
snerst im massigen Schritt, die Schnelligkeit ihres Ganges nimmt aber nach und 
nach zuy bis sie aus Leibeskräften zu rennen anfangen. Das setzen sie eine 
Zeit Umg fort, bis man ein gellendes Geheul hört, da halten alle so gut wie 
möglich an, und fallen auf ein Knie nieder, auf dem sie sich auf dem Erd- 
boden eine beträchtliche Zeit lang hin und her bewegen. Dann kommt das 

r 

andere Knie daran und so fahren sie mit beiden Knieen fort, bis ein aber- 
maliges gellendes Geheul sie wieder auf die Beine bringt, nun fangen sie an 
henmuEustrampeln, zu knurren, zu knien, abwechselnd anzuhalten, mit ihren 
Stöcken auf Bäume und Gebüsche loszuschlagen, sich die Haare zu zerraufen, 



') Unter solch heiligen Steinen ist Kauwemuku (large rock crystal) ^concealed from females and 
youog men, until the latter are tattooed the last time, which ceremony is perfonned with small 
apKotara of the rock crystal *". The Kuingo or skeleton (a monstrous being of human shape 
vitk an immense abdomen) approaches when the fires are gone out, bringing deatb in (Australia). 
Tbe Mokani black stone, (something like a hatchet, the head fastened between two sticks, which 
an bound together and form a handle) hos a sharp edge, which is used to charm men, white 
Um olber «nd of the stone is blunt and rough jmd is usbd to charm women (in Australia). If 
tlie Avatralians can approach a person sleeping, and charm him with the plongge (stick with 
a targe knot at one end), he will certainly die of the next wound he may happen to receive 
(Mej«r). Paitjowatti (thin pointed bonüi to the broad end of which is attached a piece of quartz) 
produoes bliiidneMs, when applied to m^ eye (at Adelaide). In the Pinki (bag made of the skia 
of an Opossum) the mysterious implemeuts ar» put, as kauwemutta (roi'k crystal), paityowati 
(•ftt booe) etc. 

f«ltMkria f&r Btaaolofl«, Jahrgaog 1874. 2Q 



294 Australien und NacbbarecbBft. 

bia sie endlicli ermattet, von SchweisK triefend, den Leichnam wieder in die 
kleine Bütte bringen, wo er sich erst befand (Wükinson). 

Der Carraji muss am Grabe schlafen, damit seine Eingeweide vom 
Crespeust des Todten herausgenommen and gereinigt werden (nach Gollins). 
Die Gespenster schleichen gebeußi^ umher und fassen den Menschen an der 
Gurgel. Um diese Erscheinungen los zu werden für den Rest des Lebens, 
muss man in der Nähe einea Grabens schlafen, worauf der aufsteigende Geist 
den Schlafenden an der Gurgel packt, den Leib dffnet und die Gedärme 
herauszieht Dann legt er sie wieder in Ordnung ond schliesst die Wunde. 
Erloersortok, der die Eingeweide Herauereissende, frisst die körperlichen Organe 
derer, die zum Himmel gehen (bei den Eskimo) am Wege lauernd, nenn die 
Seelen der Faulen zum Teich über den Regenbogen zum Monde aufsteigen. 

Dem Bail-ya (Zauberer oder Hexe) steht (in Australien) der Ba^lya-gas 
(Hexenmeister oder Zauberpriester) mit priesterlicher Würde gegenüber (nach 
einem Cursus von Vorbereitungen),') Die drei Beschwörer') (Korakul) er- 
halten den Zauberkiiochen (Morrokum) in die Hüite eingefügt, so dass aie die 
Quarz- Amulette (Murramai) vertheileu (imiiii oder heilig) und gegen die Baylyas 
(Hexen) schützen, die tils Stein eingehen (bei Krankheit), und durch magnetisirte 
Schnur ausgesogen werden. Mit der Witarna reinigen sie dann (in gebeimeu 
Oeremonien) zeitweis die mit Dämonen allzu gefüllte Luft, (wie am Orinoco 
mit der Rassel geschieht, dem Sistrum der Isis, das die Buddhisten in das 
mit der Haud schnurrende Gebetrad verwandelt haben) und jährlich führen 
sie (als Wammomgu) den (/orrobberree auf (durch Feuer das Böse verjagend). 
Die Mülgarradoch (am Kap George Sund) machen Gewitter zertheilen (durch 
schweres Athmen und Singen) , in der Kalbyn - Ceremonie (auch durch 
Pfeifen)^), der Warrara saugt dem Kranken die Würmer (paitya) aus ond 
besänftigt durch Mundawarta (Reiben des Nabels), der Parraitje heilt durch 




Aufttralien und NachbArechtft. 295 

round, causing a hamming noise in the nights (in Aastralia). Females and 
children are not allowed to see it, much lese to u8e it (Teichelmann). The 
Yoice of the Karkanya (species of hawk) in the night the Australians take a8 a 
prognosticon, that somebody is to die. Die Aeltesten (als Datti-Klasse) bilden 
einen mysteriösen Geheimbund, und Stillschweigen muss schon beobachtet wer- 
den, wenn die Junglinge die Weihe der ersten Klasse empfangen, oder von 
dieser in die zweite übergehen, (besonders dann aber bei Eintritt in die dritte). 
Mit Fremden wird die Kotaiga genannte Bruderschaft geschlossen. In dem 
Yepene amygai (Tanz der Abgeschiedenen), gelehrt durch die Alten im Westen, 
fielen die Tänzer allmälig wie todt nieder. The two old men then went round 
Ihem several times and seemed to be driving something away with their boughs, 
ringing at the same time with increased energy tili they became very loud and 
rapid' Then at a given signal^ they all sprang to their feet (being alive again) at 
Loddon Station (Parker), wie im indianischen Mede-Tanz. Der Angekok 
Poglit (dem Angekok entgegenwirkend) muss. durch Verschlingen eines Wallross 
wiedergeboren sein. Der Torngak (Schutzgeist) führt den Angekok über die 
Seilbrücke, um Tomgarsuk's Mutter durch Anzündung von Yogelfedem zu 
überkommen (wie in persischer Mythologie nnd sonst schmale Brücken zu 
passiren waren). 

Oft werden bestimmte Krankheiten auf die höchste Gottheit zurückgeführt 
(wie auf Zambi-ampungu in Nieder-Guinea) und so galten die Pocken als 
der Staub (Monola) Mindge^s, dessen Schweif die Wirbelsturme umhertreibt 
(in Australien). Dorar wingal, Bruder des auf östlichen Inseln lebenden 
(und durch eine jährliche Korroberry gefeierten) Baia-mai sandte aus dem 
Westen die Pocken unter den Wellington-Stamm, weil er über den Raub einer 
Axt erzürnt war (s. Latham). The yariolous disease (in Moreton bay) was 
»acribed to the influence of the evil spirit Budyah (s. Lang). Bei den Dieyerie 
(a. Gason) heissen Verkrüppelte find Gelähmte Mooromooroo (Mooramoora die 
Gottheit). Nach den Loretto- Indianern (Califomien's) lebte Gumango,') 
Krankheiten verursachend, am Nordtheil des Himmels. In sickness a devil 
(wolf, bear, crow, fox or other animal) has taken possession of the patient 
(in Vancouver), driven out by the medicinman (during a fast, lest the 
food should be consumed by an internal enemy, wie in Japan der dämonische 
Fuchs, der sonst in Fabeln übergegangen ist, allem Uebel zu Grunde liegt. 

Krankheiten wurden in Australien durch die Zauberer verursacht oder 
durch die Baylya (wie bei den Grönländern durch die iliiseeisok), die gleich 
einem Quarzstück in den Körper eintrateu, und so hatten die Baylya-gas 
(Zauberpriester oder Hexenmeister) oder Baylya-gaduk , welche (wie bei den 
Eskimo die aus dem Verschlingen des Wallross wiedergeborenen Angekok 

*) Im Nordtheil des Himmels oder Notu (das Obere) lebt (Krankheiten verursachend) 
GuBongo, von dem einst Guyiaf^ai {gesandt wunle, der (Pitahayo-Krüchte pflanitend und die 
Buchten Califoruien's bildend) für die Priester oder Dicuinochos (aus deu dargebrachten Häuten) 
JLIeider verfertigte und denselben eine bemalte Tafel zurückliess (nach den Loretfo-lndianem). 



296 Aiutnlieo und Naehbmchaft. 

Poglit den Angekok) den Bsylya (Zauberer oder Hexen) entgegenwirkte, den 
feindliclien Stoff aus der Schwellung durch Saugen zu entfernen, waa in Cali- 
romien mit einer Steinröbre geübt wurde. 

In Australien erBetzten die Zauberer bei Tanziesten den Mangel sonstiger 
Veriniiniinaiigen durch Bemalen, während im Norden bereits Masken getragen 
wurden. Bei den öffentlichen Festen' (lur Ernte der Pitayo-Früchte, Si^^e 
u. 3. w.) erschieuen die den Kopf in Federn oder ScUweirhaar verhüllten 
(tu ein Gewand von Menschen haaren gekleideten) Priester (nachdem sie 
sich im Saugen des Ghacuaco berauscht hatten) von Dämonen, (die entweder 
in sie eingefahren oder von ihnen im Himmel besucht waren) begeistert und 
zeigten (als von denselben erhaltene Beweisst&cke) ein Fleischstück oder Kraut, 
meistens aber eine mit grotesken Figuren (in Nachahmang der von den 
Dämonen flbergebenen Zeichen) bemalt« Hoktafel, wie auch die von den 
Priestern (bei Lorett«) erzogenen JOngllnge in abgelegenen Höhten in der 
Kunst Fignren auf Tafeln zu zeichnen (nach Salva-Tierra) belehrt worden. 
Die Priester herrschten tyrannisch dnrch Auferlegung von Bussen, und auch 
ihr Befehl an Alte, sich von einem Felsen') zu stürzen, wurde befolgt, wie es 
sonst freiwillig bei den Stämmen der Behringsstrasse -geschah und schon den 
Hyperboräeru zugeschrieben wurde. 

Bei der Vielfachheit der den Menschen nachstellenden Dämonen, von 
welcher auch in classischer Auffassung die Luft erlüllt ist, war es Aufgabe 
der australischen Zauberpriester die Atmosphäre zeitweis durch den (auch im 
Sistrum und vielem andern Hasseln gekannten, später zu dem Geläute ver- 
feinerten) Schuarrton des Mooyum-kar genannten Holzes (s. Boowick) zu 
reinigen, an Stelle der sonst in Polynesien, Afrika, Amerika, Asien und altem 
Europa gekannten Ceremonie jährlicher Teufelsaustreibuiig. Nachts führen 
die Australier einen brennenden Feuerscheit, um die umgehenden Gespenster 




Anstralien und Nachbarschaft 297 

assmnes ihe shape and action of a bird, pouocing opon the indiyidnal (he has 
a apite against) at night and stabbing him imperceptibly, to die in a short 
time after (bei den Parnkalla). The Melape (devil or sorcerer) is «uppoaed 
to appear under various iorms, of a man with horns, of a bird etc. (in Australia). 
The Nokanna (being of black colour) steals upon the Aastralians in the night 
and killa them. Nachts schleppt Koin (am See Macqaerie) die Menschen 
fort und wfirgt sie, bringt sie jedoch am nächsten Morgen zurück. Seine Frau 
Mail-kun (Bimpoin oder Tippa-Kalleun) fangt die Schläfer im Netz und reisst 
sie zu sich herab, sie zu essen. Trifft der Dämon Koyorowen einen Australier, 
so giebt er ihm einen dickern Waddy, für das Duell unter Vorstrecken des 
Kopfes, und todtet ihn (da der erste Schlag nicht schadet). Seine Frau 
Kurriwilbon spiesst mit den Hörnern ihre Schultern. Im Süden sind die 
riesigen Keulenträger Furkabidnie zu bekämpfen. Die Gespenster der austra- 
lischen Wälder wiederholen sich in den brasilischen und die Jagdgottheiten 
dieser in den finnischen (s. Castr^n). Die Thiere des Waldes werden in 
Brasilien*) (nach de Magalhaes) Ton Cahipora (ein haariger Riese auf einem 
Eber reitend), die des Wildes von Ahanga (auf einem weissen Hirsch reitend) 
geschützt, die Fische von Uauyara (der Frauen beim Baden nachstellt). 
Mbitata schützt die Wiesen gegen Brandlegung (als Feuerschlagen), Sacisere 
(lahm mit wundem Knie) schützt die Pflanzen, Curupira (mit rückwärts ge- 
drehten Füssen) schützt die Wälder (und fuhrt Waldfrevler irre). Bei Ver- 
dacht werden Mädchen nach einer Insel im See Jua gebracht, wo sie, wenn 
schuldig, von der Schlange (Peruda's) gefressen werden. Als die geschwän- 
gerte Tochter eines Häuptlings zu Santarem getödtet werden sollte, erschien ein 
weisser Mann, sie zu vertheidigen, (als unschuldig), und als das weisse Kind 
(Mani) bei Tode in einer dachlosen Hütte begraben wurde, wuchs eine Pflanze 
hervor, deren Früchte die Vögel berauschten, worauf aus der getheilten Erde 
die Knolle Mani-oc (Hütte Mani's) hervortrat 

In jener dualistischen Auffassungsform, wie sie sich bei vielen Stämmen 
der östlichen Andes findet, stellten die Australier den guten Guyot als Schutz- 
gott dem bösen Manyuk gegenüber, der am Swan-river haus'te, und der gute 
Geist Koyan schützte gegen das in Höhlen wohnende Menschenungeheuer 
Kndir, der Vorübergehende raubte. Nach den Cochimies lebte im Himmel 
der Lebendige mit seinem Sohn (und mit dem Herrn der Herren) und schuf 
gegen ihn empörte Dämone, die die Todten zu begraben suchen, um den 
Herrn des Lebens zu täuschen (Veragas). Nach den Pericuer hatte der fried- 
liebende Himmelsgott Niparaya (Gemahl der Anayicoyondi und Vater des 
von den Menschen, die er aus der Erde heraufgeführt, getödteten Quaayayp 
oder Erstmensch neben zwei Brüdern) den Empörer Wac Tuparan besiegt und 
in einem (von Wallfischcn bewachten) Gefangniss (wo die Seelen der im 
le Sterbenden zu ihm gehen) eingeschlossen (Veragas). Auf Nutka, wo 



Die brasilischen Indianer verehren (nach Couto de Magalhaes) die Sonne oder Gnaracj 
(Mutter der lebenden Wesen), den Mond oder Jacy (Mutter des Pflanzenwncbses) nnd Ruda 
(P«Qda oder Gott der Liebe). 



298 AtutnUirai und Nachbarschaft. 

die HäaptUDge der Sonne verwuidt galten, lagen gutes und böws Priniip 
(Quaiitz und Matlox) im StreiL In Florida wurde der böse Goist Toi» (vegen 
seiner Plagen) mehr verehrt, als der gute (bei seiner Indifferenz). Nach Potta- 
watomies schuf der gute Ritchemonedo (at&rker als der böse Matchunonedo) 
die Welt und den Menschen, dessen Schwester mit Tamin (Mais) die Indianer 
gebar. Die Zauberer in Sonora hatten rom Teufel (Muhaptura oder der 
Mörder) die Gewalt empfangen, gesund und krank zu machen (Pefferkom). 
Ijak (der Böse) wohnt in der Erde bei den Kodjaken, die dem ächöpfer 
(Shljem Shoa) vor der Jagd opfern (Maskentänze anfi^hrend). 

Im Wasser lebten die weiblichen Geister Torong, anf dem Lande die 
Potkoorook, in Höhten die Tambora (in Australien), wie bei den Eskimo die 
zauberischtn Ignersoit die Klippen bewohnen, (bei Umkippen der Erde allein 
erhaltps) als Irrwische der Fenergeister, die zwerghaften Tunneroih auf den 
Bergen (als Innaarolit), im Osten die drei hundsschnäuzigen IrkigÜt, die 
Kongensetokit am Strande, Sillagiksartok auf dem Eisfeld, oder (in Polynesien) 
die Tii in allen Naturgegenständen. Die Tblinkit unterscheiden in den Geistern 
die Khiyekh (obern) oder Heldenseelcn in Nordlichtern erscheinend (s. Tac.) 
und als Seelen der Gemeinen die Takhiyek (Geister des Landes) und 
Tekhiyek (Geister des Meeres), in Land- und Waseerttueren erscheinend. 

Die in Australien im Wasser lebende Schlange Wau-wsi ist im Regen- 
bogen vom Himmel herabgekommen. Der in Murray lebende Dämon Oorundoo 
ertränkt böse Ehefrauen, und so werden Kinder vun dem Wasser-Ungetiiiim 
Waravi (In crocodilarliger Eidechsen form) geraubt. The aquatic moustre 
Waugul (in Australia) attacks mostly females (pining away). Im Westen 
wohnt ('ienga in der Erde. Die Delphine (Tümmler) oder Botos (Springer, 
pirt) erscheiuen in Mcnschgestalt (mit rQckwärt« gedrehten Füssen), die Frauen 
zu berücken (am Amazonas und seinen Nebenflüssen). 




Australien und Nachbarscbaft 299 

matierlose Sohn des UimmelHgottes Niparaya (Gemahl der Anayiooyondi) war 
(in CaliforDien). 

Im Süden wohnte (b. d. Australiern) der gute Gott Peiamei am Himmel 
(als Mahmam-mu-rok oder Allvater, der in Europa und Asien nach Norden 
versetzt wurde, dem feindlichen Muspellheimer des Südens gegenüber) und 
wird (wenn erzürnt) durch Tänze versöhnt (wie in Mikroncsien) und so diente 
beim Fest Yulang-eraba-dia der Känguruh-Tanz bei magischen Ceremonien. 
Der Gott Boppo steht dem Fest Keborra vor, die Tecunas am Solimaes 
tanzen dem Dämon Iticho mit Thiermasken Die gutigen Geister Balumbal 
lebten, weisser Farbe, auf den Bergen Honig schwelgend (in New-South- Wales). 

Während seiner Wandenmgen auf Erden besuchte Punjil oder Bin-Beal, 
der aus den Stücken eines zerschnittenen Känguruh das Land mit Känguruh 
belebt hatte, dunkle Höhlen, wie bei Cap Schanck, und im Wiederschein 
Steiner Lagerfeuer strahlt Jupiter am Himmel. In Californien bei den Pericuern 
waren die Sterne glänzende Metallstücke nach den Lehren der Anhänger Wac 
Tuparan's, (verschieden von der, Niparaya als Schöpfer des All, verehrenden 
Secte) von Purptabui, gebildet wie der Mond durch Cucunumic. 

Der böse Gott Pungil war in Australien durch den Gott der Weissen 
unter die Erde gestürzt. Der Gott der Gewitter') wohnt auf den blauen 
Bergen bei Sidney, der starke Motogon rief die Erde und schuf sie durch 
Blasen (b. Perth), ist jetzt aber zu alt, um etwas zu thun, das Fest der 
Weltschöpfung wird durch Tänze gefeiert. Bei den Eskimo wird Pirksoma 
die zertrümmerte Welt durch Blasen wieder vereinigen. 

Der längst verstorbene Palgalanna verwandelte, nach Benennen der Gegenden 
in Süd und West, Weib und Kinder, in Felsen am Meer und stieg zum Himmel, 
wo er im Zorn Donner und Blitz verursacht und die Bäume mit Keulenschlägen 
zerschmettert (bei Port Lincoln). Nganno, at Adelaide, a fabulous person, said 
to have given names tu different parts of the country and after that to have 
been transformed into a sea monster (s. Teichelmann). Buddai or, in Moreton 
Bay, Budjah the common ancestor of the race, the natives describe as an old 
man of great stature, who has' been lying asleep for ages, with his hcuil 
leaning on one arm, and the arm buried up in the band (in Australia.) A long. 
time ago Bnddai awoke and got up and the whole country wa» overflowed 
with water, and when he awakes and gets up again, he will devour all the 
black men (s. Lang), wie buddhistische Figuren. The Wellington Tribe (in 
Australia) believe in the existence of a deity^) called Baiamai, who lives in 

dieen« haver otro personage, cuyo uombre es «el que bace Senores** (Veuegas). Poseidon wurde 
v«B Zeus (dem Vater- und MutterloseD) ohne Mutter gezeugt, als ältester Sohn (nach Gemistos). 

') Amotkan (der auf der Bergesspitze Sitzende) ist Sohn der selbstgebomen SkomeltoD (nacb 
den Flatheads). die Erde und andre Welten schaffend (Mengarini). 

*) Deum narrant de coelo delapsum in montem Meropurhateum , iuce et radüs corruscum, 
Bremavio Patriarchae legem suarum codicem de nube tradidisse (s. Uuet) in Guzerat. Im Buch 
Heoocb wird das Thun der Menschen von den Sternen beobachtet, die (bei Philo) Götter, 
obwohl nicbt selbständige, beissen. Nach den Rabbinen »chwebte Gott (mit dem geheimniss- 
ToQn MaiMD Achina) über dm Wasatm, am Anfang der Schöpfung, all Tanb%, 



300 AnatraÜMk and NuhlMnebftfl. 

an islaiid beyond tbe great sea to the East. His food is fish, wltich came ' 
up to bim from the water when he calla to them. Seme of the natives cob- 
aider bim the maker of all thiDgs, while others attribute the creation of the 
World to bis 8on BurambiD. They say of bim, that Baiamas epoke and 
BurambiD oame into existence [Narayana and Brama]. The nativee ased to 
assemble once a year, in tbe month of February, to dance and sing a aong 
in hononr of Baiatnai. Tbia aong was broaght Üiere from a diatance by sträng« 
nativea who went about teaching it. They, who refoeed to join in Uie ceremony 
were auppoaed to incur tbe displeasure of the god. In the tribe on Hunter's 
River, there was a native £amou8 for the composition of theae hymns, whicfa 
(according to Tbrelkeld) were paaaed trom tribe to tiibe, to a great distance, 
tili maoy of the words became at last unintelligible to those, who sang tbem 
(b. Latham). [Astrologischer Cyclus in Indocbina und Mexico]. 

Auf der anbnga (wie bei den Peruanern vor Con'a Umherachrei ten) 
glatten und dunkeln Erde schuf Papperimbul die Sonne und versetzte die 
damaligen Menschen als Sterne an den Himmel, um als Geister auf ihre 
Nachkommen einzuwirken. Nach den Eskimo ist Eallak, der erste Mensch, 
aus der Erde gewachsen (wie Jarbas), und die Sterne, in denen die Maori 
die Augen ihrer, wie Odin,') einäugigen Häuptlinge sehen, haben sich aas 
den Seelen- aufgestiegener Menschen, die ihrer besondem Abenteuer wegen 
in die Constellationen versetzt wurden, gebildet, roth oder weias gläncend, 
je nach der Speise, indem die blassen Sterne Nieren, die dunkeln Leber eaaen. 
So beissen die drei Sterne im Gürtel des Orion die Zerstreuten (Siektut), 
weil verirrte Grönländer darstellend, zwei Sterne im Bären Tugto oder Renn- 
thier und Aaselluib oder Holz der Harpune, der Wagen Iversuk (die gegen 
rinander Siegenden) und Aldebaran (Stiersauge) Nennerroak, als das den 
Wettsiegenden leuchtende Licht. Der Sirius (Hundsstern) beisat Nelteraglok, 




Aostralien und Nachbarschaft. 301 

Kurawurathidna, a Cluster of slars, representing the claw of an cagle, seen 
in the western hemisphere duriiig the winter months, Koolakoopuna, a bright 
Star, seen in the northern hemisphere during the winter months, Apapirra 
wolthawolthana , two stars seen in the southem hemisphere in the winter, 
Kyirrie (the milky way), Amathooroocooroo (evening^star), Ditchiethandrawauka 
(Stars), Ditchie, (sun), Pirra (moon) etc. 

Die Milchstrasse gilt oft für einen Fluss und am Murray speciell für diesen« 
der vom Himmel kam, wie der heilige Ganga von Siwa's Locken. Auch heiss 
es von Umudu, dass er vom Himmel kommend, den Murray-Fluss schuf und 
die Steine. Die Tiniinyaranna, Emu und Känguruh jagenden Junglinge, 
bilden den Orion und ihre, Wurzeln grabende Schwestern das Siebengestirn. 
Whenever of the phenomenon of the Aurora australis (Pilliethiticha) occurs, 
the Dieyerie (in Australia) become very terrified believing it to be a warning 
from the devil (Kootchie) to keep a strict watch, as the pinya (armed party) 
is killing some one, also a cautibn to avoid wrong duing but the pinya comes 
to them, when least expected. The inmates of the camp then huddle together, 
when one or two step out and perform a ceremony to charm the Kootchie 
(Gason). 

Im Neumond tödtet die Sonne ihren Gatten, den Mond, indem der Mond 
(miak) für männlich, die Sonne für weiblich galt In der Vorzeit lebten 
Sonne und Mond auf der Erde, von den Sternen, als Hunde, begleitet. Die 
Trennung der menschlichen Geschlechter wurde nach den Nauo durch die 
Eidechse, wie in den Antillen durch den Schnabel des Vogels, bewirkt, die 
bei den Männern Ibirri, bei den Frauen Waka heisst, und nach den Stämmen 
bei Adelaide hatte sich der Geist Tarrotarro in dieses Thier eingekörpert. 
Die Leute am See Macquarie, die Läuse getödtet hatten, wurden von der 
himmlischen Eidechsen erschlagen, als ein wegen seiner Sunden vertilgtes 
Volk, wie so viele in Arabien und sonst. Olancho Viejo wurde wegen des 
Frevels der Goldwäscher durch einen Erdi^turz zerstört (Wells;. Einer der 
Soldaten („unwissende und ungeschickte in Amerika von spanischen Eltern 
geborene Kerls**) in Califomien (erzählt der Missionar Baegert,) als wir 
vorbey ritten, wo ungemein viele Steine sowohl auf der Ebene als auf den 
Bergen lagen, sagte zu mir: Gott muss wohl brav gearbeitet haben, bis er 
soviel Steine zum Vorschein gebracht hat. 

Im Anschluss an Javanische Sagen spielt in den australischen Traditionen 
(in denen die Einrichtungen ßudhaye's an buddhistische erinnern) des Kowraga 
Stamms der vorweltliche Riese Adi, der zuerst erschaffene, der beim Fischen er- 
tränkt und in einen Fels (Bammond Rock) verwandelt wurde und seine Frau in 
den Ipile genannten. So erschlug Thor den Schöpfungsriesen Ymer, aus dessen 
Körpertheilen die Welt geformt war, beim Fischen, und dieser in Utgarloke 
den Himmel (als ein Atlas) stützende Riese war der Vorfahr des einhändigen*) 

Asa, nomine Tyr, qui omnram est auimo promtissimus ei aucUcissimus (fidd&^ ^«iVSssiX. 
di« Hand durch Fenrir's Bisa and hat beim Weltontergang unl dem BxoA Ocum -cqlV^su^^»^ 



a02 Aostnlien und Nschbutclufl. 

Thyr, der dort seine mit gähüenden Radien fletechenden Unüuiinn') besacht, 
wie Maui in dem der eeinigen den vorher auf der Erde anbekannten Tod 
findet, nachdem er jedoch bereits dem die Erde traffonden RiesengoU (Neu- 
seelands) den einen Arm abgedreht bat, damit die Grundfesten beim Erd- 
beben zwar umgeBchattelt werden, aber nicht mehr znaammenatfirzen, w&hreod 
ia Sagen andrer Polynpsier Maui selbst als dieser Einarmige auftritt, und bei 
den Eskimo erscheint 'i'omgarsuk (auch in Bärengestalt r einarmig, vennählt 
mit der Tochter des starken Angekok, der das Eiland Dicko vom festen 
Lande bei Baals ri?ier abgerissen hat, währ^d der Angekok auf geGidirvollen 
Unterweltsfahrten Tomgarsuks böse Grossmutter besuchte. Thor') wurde 
von Tyr nach densen Vater begleitet, Hymerem illom gigantem, sub coeli 
extremitate habitantero (n. d. Edda). Die in Nordaustralien unter Uögel 
am Alexandrinasee apf einer ßnhne beigesetzten oder an Baumzweige ge- 
bundenen Todteo wurden in Neu-Süd-Wales (mit dem Jagdgerätli) verbrannt, 
indem sich die weiss bemalten Leidtragenden zerkratzten. Im Flachlands 
Australiens finden sich kegelartigc Erdhaufen künstlicher Gräber. Uanchmal 
diente das Begraben für die Kinder, das Verbrennen für Erwachsene, (wie 
einst bei dßn Römern). Von Zwillingen wurde eins getödtet (wie in manchen 
Tbeilen Afrika's). Auch über der Asche der Verbrannten finden sich Erd- 
haufen errichtet Wie der ägyptische Pharao seine Tochter, legen die Aastralier 
den Todten so in ein Grab, dass er von der Sonne beschienen wird, und 



'] Tjr e matre (pgantea (vel giK^it' nupta] iiatus perhibctur et KiKaDtum cÖRnatuii speci^iiler 
appellfttur (Hafrnuwn). Mater Hymeris deform is ent, 90 hibent capita. luiiniiniB ipsiiia statiira 
(p>Ur TjrU). 

O Gotusr (Ootbaues> sie dicU sunt a uomine Ktpi cujusdam qui Uutbo (Goti) fuit apptllatus, 
a quo etiam Gothlandia (Oulland) eat deuominatuB. illiuB Ttro Regln nomen iiomlni Odini suam 




Australien und Nachbarschaft. 303 

schneideD hindernde Sirtiacher fort. A dead person, to whom the Anstralians 
wish to sbow respect, is plaoed in the position of Lelauwan, sitting with the 
legs crossed, upon a tree. Vornehme wurden bei den Mexicaaem verbrunnt, 
nachdem vorher die eingewickelte Leiche mit einer Maske vor dem Gesicht 
beigesetzt war, Arme begraben. Die Leichen (in hohlen Bäumen begraben) 
wurden zugleich unter Eegelhaufen (auf Yandiemensland), auch in Höhlen 
beigesetzt. Kahuartig ausgehöhlte Särge fanden sich in Ashburton am Gebirge 
(Stuart). Die Nachgebliebenen der auf einem Holzhaufen verbrannten Frau 
(mit Umhersitzen der Kranken, weil „the dead woman would come in the night 
and take the devil out of them^) beschmierten sich mit der im Känguriihsack 
gesammelten Asche das Gesicht (in Vandiemensland). They do not think a 
person completely dead, tili the sun goes down (s. Backhouse). Old persons 
are buried. The middle aged are placed on a tree , tbe hands and knees 
being brought nearly to the chiu, all the openings of the body being sewn 
up, and the corpse covered with mats or pieces of net If they wish to show 
respect the corpse is placed in a sitting posture, the face turned to the east, 
untü dried by the sun, after which he is placed on a tree. Still bom children 
or those which die shortly after their birth are bumt (H. A. £. Meyer) in 
Aastralieu. After the body is put in the grave and a little earth thrown on 
it, the natives place a number of sticks (yerdli-wirri) across its mouth, over 
which they spread grass or bushes to prevent the remaining earth from falling 
down, so that an empty space is left (Schürmann) bei den Pamkalla. Der 
Schädel Verstorbener dient im Süden als Trinkgefass. Der Ngarrakuniyo 
trägt bei Leichenbegängnissen gebückt ein verbranntes Stück Holz dicht neben 
seinen Ohren (in Australien), die Tuttakuinyo einen Grasbüschel. In Queens- 
land wurden die Todten nach Absengen der Haut geschunden (s. Dawkins). 
The dead in Queensland are eaten by the survivors (the hohes being put into 
a basket to mourn over). Die Oberfläche des Körpers ist mit Feuer branden 
gesengt, bis die weisse cutis vera überall erscheint, und dann nach Bemalen 
des Rückens, wird die Haut abgezogen, um den Körper zu zerstücken (s. Lang). 
Der Zauberer trägt dann die Haut beim Corrobbory Tanz umher, und befragt 
0ie (im Krankheitsfall) über die Schuldigen, vor denselben seine beiden Speere 
niederstossend. In New- South- Wales wurde das Niereniett der Gefallenen 
(als Sitz der Seele) gegessen, um Kräfte zu gewinnen (nach Jameson), auch 
von Schafen. In der Wide-Bay wird die abgezogene Haut des Feindes be- 
wahrt. The natives of Australia cut ofl' portions of their beards and singeing 
ihese, throw them upon a dead body. On the Murrumbidgee and Murray 
ihe graves are covered with well thatched huts (s. Lang). At Moreton Bay, 
the natives carve the emblem or coat of arms of the tribe, to which the 
deceased belonged on the bank of a tree, close to the spot he died, und so 
geschieht es mit dem indianischen Totem (s. Schooleraft). Die nor^itmeri- 
kanischen Lidianer zeichnen ihr Totem auf die Adjedatig (Grabsteine). Auf 
dem des Dacota- Häuptlings bei Fort Snelling sind die Erschlagenen ohne 



304 AnstTMlieo und Nftchtanchaft. 

Köpfe bezeichnet Der Australier tödtet nicht das Thier des KoboDg (wmigstctiB 
nicht schlafend), uod darf die heilige Pflanze nur unter bestimmten Umständeii 
Hammeln. Auf den Carolinen sind die Thiere der Kalid heilig. 

Die Eethen fOrchten die Berührung mit, Krankheit aushauchenden, Pl&tzen 
des Erdbodens, die äiaposb sitzen (nach Massen) auf St&hlen, um seine Be- 
leidigung, welche die Yezidi im Ausspucken finden wQrden, zu vermeiden» 
und während die demetrischen Todten bei den Griechen in die Erde gesenkt 
wurden, setzt man sie auf eine Bahne, wenn Schutz g(%en die Geister derselben 
beabsichtigt ist. Am Columbia wurden die Todten in ein auf P&lilen gestelltes 
Oanoe gelegt Die Tschaktalt reinigen die Knochen^) der anf einem GerQste, 
in einem Haine bei der Stadt, yerwesten Leiche und legen tiie getrocknet in 
einen Kasten, der in dem Beinhanse der Stadt beigesetzt, wenn aber dieses 
gefüllt ist, auf dem gemeinsamen Begräbnissplatz (den auch die Karen be- 
nut7.en) in einer Pyramide, als Hflgel Bberdeckt, aufgeschüttet wird (Bartram). 
Die Muskolgee begraben den Verstorbenen in einem Loche des Hanses, mit 
seinen Gerätben (wie in Bonny). Die Todten werden in Ost-Australien ver- 
mieden, dem Verstorbenen ähnliche Namen werden gewechselt (s. Collins), 
das Eigenthom verbrannt, damit der Geist nicht wiederkehre, es zu fordern. 
Um nicht den Namen eines Verstorbenen zu nennen, bezeichnen ihn die 
Australier als Nodytch. Die tückisch- neckischen Mani, weiblich gedacht, 
tttammten von Abgeschiedenen (s. Gerlaod). Australische Mütter trugen (wie 
in mehrezD Theilen Sibirien's und Nordwest- Amerika' s) die Leichen ihrer 
Kinder bis zu gänzlicher Verwesung mit sich und begruben dann zam Schutz 
gegen den bösen Geist die Knochen sorgfaltig (Bennett). In Grönland werden 
Säuglinge mit der Mutter bestattet, die auch auf vielen Inseln Mikronesien's 
noch zeitweisem Begraben geschapt werden. Auf den Flindersinseln wurden 
die Leichen von nächsten Verwandten ausgegraben'), nach 5 Tagen, und in 




Australien und NachtNurschaft. 805 

Erde, wie auch Schotten über die Bemühangen ihres Predigers lachten, der 
ihnen die Hölle allzu heiss machen wollte. Auf den Mariannen wurden die 
Seelen gewaltsam Getödteter oder auf dem Schlachtfeld Gefallener, deren sonst 
eine Walhalla wartet, in den Zwinger der Unterwelt eingekerkert, damit sie 
nicht an den Mordplätzen umgehen. In Südaustralien gingen die Seelen zu 
den Ahnen in die unterweltliche Grube Pindi. Auf den Garbanzos- Inseln 
(nnter den Carolinen) gingen die Seelen der die Elus verehrenden Einwohner 
nach der Hölle oder PoUibjs hinab (Cantova). Die Seelen der Tapfem gehen 
in bunte Vögel, die der Faulen in Reptilien über (nach den Zaparos), und 
bei den Azteken körperte sich die Seele der Krieger in Colibri ein. 

Die Seelen der Australier gehen westlich zur Heimath ihrer riesigen Vor- 
fahren, der Nettinger (Mackenzie). Die Seele (Itpitukutya) geht in Australien 
heim Tode westlich (nach Moorhousc). Wenn Alle gestorben sind, kehren die 
Seelen zu den Körpern zurück, ohne sich aber damit zu vereinigen, indem sie 
nm Tage auf den Bäumen, und Abends auf der Erde sind, um Insecten zu 
essen (bei Adelaide). Bei Port Lincoln wohnten die Geister der Todten in 
Felshöhlen, Nachts hervorkommend, um Ameiseneier zu essen und dann hört 
man sie rufen. Die Seelen der Abgeschiedenen werden durch Umudu (erste 
Menschen) am Strick unter die Erde gezogen (zu Nurunduri) und suchen 
daher auf die Baume zu entfliehen, im Uebergang zu den Wolken, nach der 
Heimath der Ahnen (Nettinger) im Westen. Die Seelen der Nauos gehen 
nach den Inseln am Spencer Golf, die Seelen der Parnkallas gehen nach den 
westlichen Inseln, die Seelen von Port Lincoln werden auf einer Insel in 
Wüsten verödet. 

Schiffbrüchige Europa's galten in Port Stephens als Wiedererstandene. 
Im Norden galten die gelben Malayen als Revenants, die Belumbal genannten 
Genien wurden weiss gedacht. Creian algunos que las almas de los que morian, 
entraban ä animar los cuerpos de los recien nacidos (Acosta) in Papayan. Die 
Chavantes am Araguay (Nebenfluss desTocantine) essen die verstorbenen Kinder, 
um sich ihre Seelen anzueignen (Magalhaes). Bei den Konzas wurde der Todte 
mit Mocassim (und Speise) begraben (s. Grey), wie auch in Californien, um für 
die lange Reise, welche sonst Scheermesser und Knochennadel (die Webe- 
Apparate in Peru) erforderte, durch Schuhe gerüstet zu sein, und solche finden 
sich auch in schwäbischen Gräbern. Bei Adelaide hiess die Seele yitpi tukutya 
oder kleiner Saamen (yitpi oder Saamen), und nach den Dacota fliegt die 
stets erneute Seele der Zauberer als Sonne zu den Göttern umher, bis bei 
dreimaliger Wiedergeburt sie sich erschöpft hat. 

Blutrache ist Pflicht in Australien und die Verwandten mütterlicherseits 

üben Rache un dem mit Blutschuld Behafteten. The moment any great crime 

bas becn committed, those who hffve witnessed it, raise loud cries, which are 

taken up by niore distant natives, and are echoed widely through tlie woods. 

The nature of these cries indicates, who has been the guilty party, who 



306 BemerktmKfln über SlM«nMUdel. 

die Bii:Gferer and diose, who are jeedyte') (in safetj, as onooimected wHh 
the guilty familyj in Australia (Grey). Würde ein Minsche gesohlagen binnen 
eines Mannes Wehre, idt were Man oSte WifT, dat scfaolen the Bandt kündigen, 
de in den Wehren is, mit einem Jodute sinen negesten Nabaren (Statuta Verd. 
antiq). „Die Friesen und andere haben anstatt der woerter „Waffen", „Waffm", 
geschrien jodute, dieses wort wird auch noch bey Beschreiung der gewaltsamer 
Vleiet Ermordeten Coerper im Herzogtbum Bremen und Verden, Hambni^ 
und anderen 8t4tten gebraucht". Nach Cranz^) aas dem Italienischen (io mi 
adjute) erklärt (b. Scherzius). 

Um den bÖsen Zauberer, der den Tod verursacht hat, ausfindig zu machen, 
werfen die Australier am Grabe eines Verstorbenen Speere in die Luft, oder 
auch Staub, um die Richtung zu beobachten, oder diejenige eines Insectes, das 
»US dem Grabe hervorkriccbt, sowie seinen Flug. Ebenso werden aus den 
Kopfbewegungen der Todtengrüber Antworten entnommen (Collins). Kuoyo, 
Gott des Todes, bewegt die Leichen beim Befragen, nach einer durch alle 
Welttheile bekannten Vorstellung. Der Bayl-ya gaduk erkannte, durch Nieder- 
beugen auf das Grab, den sonst unsichtbaren und unhörbareo Zauberer Bayl-ya, 
der den Tod verursacht (s. Grey). Neben den Zauberpriestern fanden sich iu 
Norden Kilbo oder im Süden Mintapa genannte Aerzte. A, B. 

(FortsetiuDfr folgt) 



Bemerkangeii über Slavenschädel. 




Bemerku]i|(tn über SlaTtnseUM. 



307 



der Rumänen, Magyaren und Deutschen, nämlich in Nord-' und Südslaven, 
EU welch' ersteren die Grossrussen, die Kuthenen (Kleinmssen und Russinen 
and Russniaken), Polen, Slovaken, Czechen und Wenden, zu den letzteren 
die Serbokroaten (kurzweg Kroaten genannt, weil Serben und Kroaten bei 
Tollständiger Gleichheit der Sprache sich nur durch die Religion und Scfarift- 
zeichen von einander unterscheiden), Slovenen (Winden) und wenigstens der 
Sprache nach die Bulgaren gehören. 

Im nachfolgenden werden, als Erweiterung meiner früheren Beitrage zur 
Kenntniss der Schädelformen österreichischer Völker (Wiener mediz. Jahr- 
bücher 1864 und 1867), nur die österreichischen Slaven zusammengefasst, 
welche zu diesen Untersuchungen das gewiss nicht dürftige Material von 221 
Schädeln erwachsener Munner geliefert haben und zwar: 

1. Ruthenen, 30 Schädel aus der Bukovina, Ostgalizien und Nordost- 

ungarn; 

2. Polen, 40 Schädel aus Galizien; 

•1 Slovaken, 20 Schädel aus Nordwestungam und einzelne aus den angren- 
zenden Strichen Mährens; 

4. Czechen, 40 Schädel vorzüglich aus Böhmen, weniger aus Mähren; 

5. Slovenen, 19 Schädel aus Südstaiermark undKrain; alle diese stammen 

meistens von Soldaten in den zwanziger und dreissiger Jahren; 
<). Kroaten, 72 Schädel, aus Slavonien, Kroatien, der nun aufgelösten 
Militärgränze, Istrien und besonders Dalmatien (34 Schädel), theils von 
Soldaten (aus den 3 erstem Ländern), theils von Matrosen und Taglöh- 
nem (aus Istrien und Dalmatien). 

Die Schädel der ersten fünf Völker und eines Theiles der Kroaten be- 
finden sich in der von mir errichteten Sammlung der Josephsakademie in 
Wien, die übrigen Dalmatiner und Istrianer in meiner eigenen in Coii- 
stantinopel. 

Mit Ausnahme der Slovenen und Slovaken sind alle einzelnen Zweige 
der Slavenfamilie so zahlreich vertreten, das die erhaltenen Mittelzahlen die 
Wahrheit gewiss für sich beanspruchen dürfen. 

Da ich die eingehende ßeschreibung derselben einer spätem Arbeit vor- 
behalte, wird hier nur die Länge (Glabella zum vorragendsten Theile des 
Hinterhauptes), Breite (grösste Breite überhaupt und Höhe des Schädels 
(Mitte des vorderen Randes des fonim. occ. roagn. zum höchsten Punkte des 
Scheitels) in Betracht gezogen. 





Rutheuen 

1 


1 
'Polen 


Slovaken 


i 
Czechen 


[Nord- 
slaven 

I 


1 
Sloveneu 


£ 

US 


Südslaven 


1 
Slaven 


Läii^^e 


176 


17C 


I7G 


178 


ITC 


177 


174 


174, 


17G 


Breite 


145 


14G 


JMT 


148 


HG 


144 


147 


14G 


14G 


Hube 


; 139 


135 


133 


134 


135 


135 , 


137 


137 j 


1J6 



308 B«meTlnwg«n ober 81»eii>chld«l. 

Was die absoluten Maasee anbelangt, zeigt sicli die L&nge des Schä- 
dels bei deD Czecben (178Min.) am gröeeteo, geringer bei den Stovenen 
(177 Mm.), ßuthenen Polen und Slovaken (176 Mm.), am kleinsten bei den 
Kroaten (174 Mm.); daber ergibt eich für die Südslaven (174 Mm. aas den 
einzelneu Schädeln berechnet) eine geringere Schädellänge ab fOr die Nord* 
slaven 176 Mm.); für alle Slaven zusammen berechnet sich dieselbe auf 176 
Mm. wie bei dea meisten Nordslaven. Die Schädellänge der Czechen and 
Kroaten, also der Östlichen und südlichen Slaven, entfernen aich> wiewohl in 
entgegengesetzten Richtungen am meisten vom genannten Mittelwertbe. 
Schade, dass Landzert's Messungen der GrossmsseDSchädel mit den unsrigen 
nicht vergleichbar und Scheiber's Angaben über Bulgarenschädel auf zu we- 
nig Materiale gegründet sind! 

' Auch die Breite zeigt sich bei den Czechen (148 Mm.) am grössten, 
«twas geringer bei den Slovaken und Kroaten (147 Mm.), noch kleiner bei 
den Polen (146 Mm.) und Kuthenen (I4& Mm.), endlich am kleinsten bei 
den Slovenen (144 Mm.), so dass also für die Nord- und Sfidelaveu, gleich- 
wie für die Slaven im allgemeinen die gleiche Schädelbreite (146 Mm.) 
herauskömmt. Zum Unterschiode von der Länge besitzen die Östlichen Sla- 
v<!n die grüsste (Czechen) und auch die kleinste Schädelbreite (Sloveuen). 

Wieder anders verhält sich die Schädelhühe, welche bei den Kuthe- 
nen (139 Mm.) am bedeutendsten, etwas geringer bei den Kroaten (137 Mm.) 
noch geringer bei den Slovenen und Polen 135 Mm.), am geringsten hei den 
Czechen (134 Mm.) uud Slovaken (133 Mm.) ist; im allgemeinen zeigt sie 
»ich ganz im Gegensatze zur Länge bei den Nordslaveu (135 Mm.) kleiner 
als bei den Südslaven (137 Mm.) und bei den westlichen Slaven geringer als 
bei den östlichen und südlichen; bei den Slaven überhaupt erreicht sie im 
Gesammtdurchschnitte 136 Mm. 




Bemerkungen über Slayenschldel. 



809 



woraus henrorgeht, dass die Südslaven (839) viel mehr brachycephal 
sind als die Nordslaven (829), und dass unter den einzelnen slayischen 
Völkern die Kroaten die stärkste Brachycephalie zeigen, welchen 
sich die Sloraken und Czechen, diesen erst mit geringerer die Polen und 
Ruthenen anschliessen, und dass endlich die Slovenen die einzigen sind, deren 
mittlerer Breitenindez nicht einmal die untere Gränze der Brachycephalie 
(820) erreicht. 

Bei den Nordslaven nimmt also die Brachycephalie von Osten nach 
Westen zu, bei den Südslaven umgekehrt, ab, wobei freilich bedacht werden 
muss, dass die mit einem so geringen Breitenindex ausgestatteten Slovenen 
leider nur durch eine geringe Anzahl hier vertreten sind. 

Wie verhält sich der Breitenindex der einzelnen Schädel? Die folgende 
Tabelle zeigt nun hierin eine ausgedehnte Mannigfaltigkeit 



1« 

CQ.S 


G 

a 

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a 

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s 


Czechen 


Nordslaven 







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Deutsche 
(Oestcorreich) 


Nord- 
Italiener 


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2 


2 


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1 


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73 










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1 


1 


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1 


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74 





2 


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2 


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75 


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76 


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2 


77 


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12 


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6 


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4 


3 


15 


6 


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5 


3 


7 


16 


5 


2 


7 


23 


7 


3 


1 


16 


6 


84 


2 


4 


3 


10 


19 


9 


2 


11 


30 


3 


5 


6 


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3 


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2 


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— 


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1 


l 




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1 




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3 


1 


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1 


— 


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1 




1 


1 


1 




2 


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92 


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1 




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1 


1 


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2 

1 
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1 


2 


2 






1 




— 


ZiOüder 
Sdiidel 


130 


19 


91 


1 

1 221 


1 
70 


40 


40 


130 


40 



Mittel ' 823 I 829 ' 835 | 831 | 829 |l 844 ' 813 I 839 | 829 !' 828 { 828 { 823 j 820 | 818 

Fangen wir bei den 30 Ruthenenschädeln an, so finden wir den niedrig- 
sten Index mit 75 und den höchsten mit 89 (je — 1), zwischen welchen Ex- 
tremen sie sich derart gruppiren, dass mit einem Index von 79 und weniger 

Ztitsckrilt für KibnolofU, JahrfftH 1874. %t 



310 



B«merkiiii|^ nbar SUvmucUdeL 



6, mit einem solchen von 80 und 81 8, alle Qbrigen 16 mit einem Index ron 
72 and darüber vorkommen; mit andern Worten finden sich ant«r ihnen 20} 
Dolicho-, 26.66} Meso- und 5333^ Brachycephalen , demnach die letzteren 
die Oberhand besitzen. 

Bei den Polen sinkt der niedrigste Index bis anf 74 (2 Schädel) herab, 
zeif^ dafür aber bis auf 92 (1); Indices von 70 abwärts giebt es daranter, 
9, solche von 80 und 81 nur 6 und solche von 82 und aufwärts 2d, demnach 
22'58 Dolicho-, 158 Meso- und 62'5J Brachyoephalen, weniger Uittelformen, 
aber bedeutend mehr Eurzköpfe als bei ihren östlichen Nachbarn, den 
Kuthenen. 

Bei den Slovaken ist der niedrigste Index 78 (1), der höchste 87 (1), 
beide Extreme viel weniger von einander entfernt, als bei den vorausgegan- 
genen; da unter ihnen die Indtces von 79 und weniger nur I Mal, jener 
von 80 und 81 5 Mal und die von 82 und mehr 14 Hai vorkommen, haben 
sie anter sich nur 5^ Dolicho-, 25$ Meso- aber lO'i Brachycepbalen , also 
viel weniger LangkÖpfe, mehr Mittel- und ganz besonders Kurzköpfe als die 
Polen. 

Unter den weBthchsten Nordslaven, den Czechen, betrügt der geringste 
Index 76 (1), der höchste 89 (2), wie bei den Rutheoen, während sie das 
Maxiniam der Polen keineswegs erreichen, trotzdem sie jenes ihrer Nächst- 
verwandten, der Slovaken, abertreffen. Unter diesen 40 Schädeln haben nur 
7 einen unter 80 fallenden Index, 3 einen solchen von XO und 81, die öbri- 
gen 30 einen von 82 und mehr; bei ihnen gibt es also noch viel mehr 
Bracbycephalen (75g), als bei den bisher angeföhrten, weniger Dolichoce- 
phalen (17'5{|) aia bei den Polen und Ruthenen, mehr als bei den i^Iovaken, 
jedoch weniger Mittelformen (7'5{f) als bei allen den genannten Völkern. 

Alle 4 Völker als Nordslaven zusammengefasst, geben ein Schwanken 




Bemerkungen über SlaYenscbidel . 311 

Unter den Slovenen ist der niedrigste Index 72 (2), soweit in die Doli- 
cbocephalie zurückgreifend, wie bei keinem aller dieser Slavenvolker , der 
höchste 90 (1); weniger als 80 haben den Index 5 Schädel, 80 und 81 vier, 
82 and mehr 10, so dass unter ihnen 26*31^ Dolicho-, 21*05^ Meso- und 
52'63|^ Brachycephalen vorkommen, mithin viel mehr Dolichocephali als bei 
allen übrigen SUven, nichts destoweniger überwiegen aber doch die Brachy- 
oephali die übrigen Formen. 

Die Südslaven haben daher viel weiter auseinander liegende Gren- 
zen der Längenbreitenindices (72 — 93, d. h. 21 {f), als die Nordslaven, trotz- 
dem sie im allgemeinen mehr brachycephal sind; 13 Schädel sinken mit ihrem 
Index unter 80, 15 haben einen solchen von 80 und 81, die übrigen 63 
einen Index, welcher 82 und mehr beträgt und sogar b Mal über 89 empor- 
steigt, welche extreme Brachycephalie bei den Nordslaven (nur 2 Mal) viel 
seltener angetroffen wird. Demgemäss gibt es unter ihnen nur 14*28 {^ Doli- 
chocephalen, bedeutend weniger, 16*48 ^ Mesocephalen, fast genau soviel 
und endlich 69' 23 ^ Brachycephalen, viel mehr als bei den Nordslaven. 

Alle 221 Schädel zusammen zeigen für die Slaven im allgemeinen ein 
Schwanken des Breitenindex von 72 bis 93 (um 21 % u. z. beide Extreme bei 
den Südslaven; davon fallen ö6 Schädel mit einem Index von 79 abwärts 
auf die Dolichocephalie (18*28 ^ 37 mit einem solchen von 80 und 81 auf 
die Meeocephalie (16*74 jf), welche also fast nicht häufiger als die erstere 
vorkömmt, und 148 Schädel mit einem Index von 82 und mehr auf die 
Brachycephalie (66*96 J), die daher unter allen den Vorrang behauptet. 

Durchmustern wir die Nachbarn unserer Slaven mit Bezug auf das Vor- 
kommen dieser 3 Schädelformen, so finden wir bei den Türken mehr Lang- 
(21-4 f) und Mittel- (22*8^), aber bedeutend weniger Kurzköpfe 55*7 J) als 
bei den Slaven; ganz ähnlich verhalten sich die Rumänen, mit je 20^ Doli- 
cho- und Meso- und blos 60^ Brachycephalen und die Norditaliener (aus 
dem venezianischen Gebiete) mit bezüglich 20^, 25 f und 55^. Die Magy- 
aren wieder haben unter sich noch viel mehr Dolichocephali (27*5 ^) , weni- 
ger Meso- (12-5 J) und Brachycepbali (60#). 

Die Schädel von 130 Deutschen ($) aus allen Theilen Oesterreichs (60 
aos Nieder-, 11 aus Oberösten eich, 16 aus Steiermark, 3 aus Tyrol, 12 aus 
Bdhmen, 7 aus Mähren, 5 aus Schlesien ,* die übrigen aus den anderen Län- 
dern), mit dem durchschnittlichen Breitenindex von 820, welcher aber im 
einzelnen von 711 bis 924 schwankt, bieten ein ziemlich verschiedenes Yer- 
kshen dar, indem unter ihnen noch viel mehr Dolicho- (35*38 {f), ansehnlich 
weniger Brachycepbali (48*46 g) und fast genau so viele Mittelformen (16*15 g) 
wie bei den Slaven vorkommen. Diese kurze Yergleichung macht offenbar, 
dass die österreichischen Slaven wohl durchaus von ebenfalls brachycephalen 
Ydlkem umgeben sind, bei welchen allen aber im einzelnen vielmehr Doli- 
cho- und weniger Brachycephali als bei den Slaven sich vorfinden und dass 
die Zahl der einzelnen Dolichocephali unter den nichtslavischen Völkern ge- 



»12 



Bämerkungeo über SlaTenschiidal. 



rade ron Osten nach Westen (Tärken 21 , Rumimen 20, Mi^xren 27 und 
DeutBche 35 J) zunimmL 

Der durchschnittliche Höhenindez dea Slavenschädels im allgemeineD 
beträgt nach den oben angeführten Zahlen 772 (L. 176, H. 13A), welcher 
aber, sowie der vonKe, bei den einzelnen Völkern ebenfalls nicht durchaus 
gleich erscheint. 

So sind die Rathenen durch den grüssten Höhenindex (789) Tor allen 
andern Slavenrölkern ausgezeichnet; diesen zunächst stehen mit fast ebenso 
grossem die Kroaten (787); bei den Polen (767) und Slovenen (76'J) ist er 
bereits ansehnlich kleiner, bei den Slovaken (755) and Czechen (75^), aber 
im Gegensätze zu den östlichsten Slaven am kleinsten, demgemäss die 
Schädel der Slaven von Osten nach Westen trotz der Zunahme der 
Breite an Höbe verlieren; mit Rficksicht auf ihre beides Abtheilungen 
haben die Sadslaven (787) höhere Schädel als die Nordslaven (767). 

Breiten- und Höhenindex gehen also nicht durchaus Hand in Hand mit- 
einander: denn obwohl die mit dem grössten Breitenindex ausgestatteten 
Kroaten auch einen der grössten Höhenindices besitzen, haben andererseits 
wieder die so breitköpfigen Czechen und Slovaken den kleinsten und dage- 
gen die Rutbenen neben einem geringeren Breiten- wieder den grössten 
Höhenindex. 

Die Höhe ist bei allen diesen Slavenvölkem kleiner als die Breit« des 
Schädels. 

An den einzelnen Individuen ist der Höhenindex nun folgenden Schwan- 
kungen unterworfen: 




Bemerkiingen über Slavenschadel. 318 

Bei deo Ruthenen schwankt derselbe von 74 (2) hinauf bis 85 (2) und 
haben anter den 30 Schädeln 4 einen Index anter 76, 6 einen solchen von 
76 und 77, die übrigen 20 den von 78 und darüber. Nennen wir alle Schä- 
del mit dem Höhenindex von weniger als 76 niedrige, jene mit einem solchen 
von 76 and 77 mittelhohe und alle, bei welchen dieses Verhältniss die Zahl 
78 erreicht und überschreitet hohe, so finden sich unter den Ruthenen nur 
13-33 J niedrige, 20 J mittelhohe, jedoch 6666^ hohe Köpfe, unter welch' 
letzteren sogar die Mehrzahl (11) den Index von 79 überschreitet. 

Bei den Polen ist der Höhenindex viel mehr veränderlich, indem er 
einerseits 70 als unterste, dafür aber 87 als oberste Gränze erreicht, wenn 
auch viel weniger Schädel (6) den von 79 überschreiten; unter ihnen sind 
viel mehr niedrige (17=42-5 {f) und mittelhohe (12-30jf), aber um so we- 
niger hohe Schädel (11=27-5^), als bei den Ruthenen. 

Noch mehr tritt dies in die Augen bei den Slovaken, deren Höhenindez 
von 69 bis blos 81 schwankt, also einen Minimalwerth erreicht, wie bei 
keinem der frühem; bei ihnen treffen wir gerade die Hälfle (10 = 50^) nie- 
driger und ebensoviel mittelhohe wie hohe Schädel (je 5 = 25 ^) an. 

Einen Schritt weiter gegen Westen, und abermals vermehrt sich die An- 
zahl der niedrigen Schädel; bei den Czechen nämlich, deren Höhenindex 
sich zwischen 70 (2) und 86 (1) bewegt, die Zahl 79 jedoch nur drei Mal 
aberschreitet, überwiegt die Zahl der niedrigen Schädel (22 = 55 ^) alle an- 
deren, and selbst die mittelhohen Schädel (10 = 25 J) sind noch häufiger als 
die hohen (8 r= 20 

Die Nordslaven haben demgemäss einen Höhenindez, welcher zwi- 
sehen den Eztremen von 69 und 87 (um 18 ^) schwankt, ebensoviel wie der 
Breitenindez ; im ganzen kommen unter ihnen niedrige Schädel (53 = 40.76 ^) 
am häufigsten, hohe (44 = 33-84^) schon viel seltener, die mittelhohen 
Schädel (33 = '25*38 %) am seltensten vor und lässt sich von Osten nach 
Westen eine Abnahme der hohen bei gleichzeitiger Zunahme der niedrigen 
Schädel beobachten, so dass ihre westlichen Zweige trotz der stärkeren 
Brachycephalic im allgemeinen niedrigere, die östlichen höhere Schädel 
besitzen. 

Die Slovenen weisen ein Höhenindexminimum (65) auf^ wie es bei kei- 
nem aller dieser Sclaven Völker mehr vorkömmt; ihr Maximum (81) erreicht 
bei weitem nicht jenes der firüheren. Unter ihnen giebt es, fast genau vrie 
bei den Polen, mehr niedrige (8 = 42*1 |J), weniger hohe (7 = 36-84^), am 
wenigsten mittelhohe Schädel (4 = 2105 }(), wodurch sie sich den Nordslar 
ven annähern. 

Ganz anders verhalten sich die Kroaten, deren Höhenindez zwischen 
71 und 86 abwechselt, aber derart, dass nur die wenigsten (7 « 9*72^) 
zo den niedrigen, etwas mehr (12 = 16*66 g) zu den mittelhohen, die über- 
wiegende Mehrzahl (53 = 73*61 () aber zu den hohen Schädeln gerechnet 



314 BatnerkoDi^ über Sluenscbidel. 

werden mOssen, Zahlen, welche annähernd nnr bei den Ruthenen, sonst bei 
keinem der angefahrten Blaviächen Völker sich wiederfinden. 

Unter den Südslaven also, deren Höbenindez (65 — 86), gleichfalls 
genau so wie der Breitenindez, sich veränderlicher (2 1 K) als bei den Nordslaven 
zeigt, sind die meisten Schädel (60 = 65'93 %") hoch, gegen welche die nit- 
telhoben (16 = 17-85 {f) und besonders niedrigen (16 = 16-48 J) sehr weit 
zoröcktreten, wodurch sie sich bedeutend von den Nordslaven unterscheiden, 
welche im allgemeinen mehr niedrige als hohe Schädel aufweisen; merkwür- 
diger Weise bilden gerade die östlichsten Slaven, die Ruthenen, durch das 
Vorherrschen der Hochschädel das Verbindungsglied zwischen Nord- und 
Sfidslaren- 

Alle Slaven zasammengenömmen haben einen mittlem Höbenindez von 
772, welcher Bich zwicben den Gränzwerthen von 65 und 87 bewegt, mithin 
um 22 S, &st genau so viel wie ihr Breitenindez (21 jf) schwankt; niedrige 
Schädel finden eich unter den 221 nur 68 (30.76 $), mittelhohe noch weniger 
(49 = 2217 J), dagegen aber hohe, am meisten (104 = 470Stt) 

Sehen wir, wie sich das L^ genhüben verhältniss bei den benachbarten 
Völkern gestaltet: 

Unter den Türken finden sich weniger niedrige (2539 }) und mittelhohe 
(17-46 g^), dafür aber viel zahlreichere hohe Schädel (5714$), als bei den 
Slaven; blos den Südslaves gegenüber haben sie mehr niedrige, weniger hohe, 
aber fast genau dieselbe Anzahl Mittelformen. 

Bei den Rumänen überwiegen wohl auch die Hochschädel (40 f) sowohl 
die Flach- (27.5 i) als die Mittelscbädel (325 H), nur sind doch die beiden 
eztremen Formen seltener, die Mittelformen viel häufiger als bei den Slaven. 

Unter den Magyaren wieder halten sich niedrige (40 Jj) und hohe Schädel 
(42*5 %) nahezu das Gleichgewicht, so dass sie viel öfter die ersteren, sclte- 




Bemerkiuig«n über SlaTenscbftdeL 315 

nach Westen zu-, jene der hohen aber abnimmt, sowie auch ihr durchschnitt- 
licher Höhenindex in dieser geographischen Richtung sich verringert. 

Woher kömmt es nun, dass unter den Nordslaven gegen Westen hin 
die Breite des Schädels zu-, s^ine Höhe aber abnimmt? Oben schon haben 
wii^ gesehen, wie unter den Nachbarvölkern der Slaven die Kurzköpfe in 
derselben Richtung seltener, die Langköpfe dagegen häufiger werden und im 
ganzen die Brach ycephalie sich abschwächt, so dass einerseits im Osten die 
Rotbenen (823) mit den noch mehr brachycephalen Rumänen (828), im Cen- 
trom die Slovaken (835) mit den weniger brachycephalen Magyaren (823), 
anderseits im Westen die breitköpfigen Czechen mit den an der untersten Gränze 
der Brachycephalie stehenden Deutschen (820) angränzen, weshalb es nicht denk- 
bar ist, die grössere Brachycephalie der Slovaken und Czechen etwa einer Mi- 
schung mit Magyaren und Deutschen, die geringere der Ruthenen einer Kreuzung 
mit den Rumänen zuzuschreiben, weil dadurch gerade das Gegentheil, gerin- 
gere Brachycephalie der westlichen und stärkere der östlichen Slaven hätte 
eintreten müssen. 

Werfen wir noch einen Blick auf die Sndslaven (839), welche mit den 
Rumänen (828), Magyaren (823), Türken (828), Norditalienem (818), und 
Deutschen (820) in Berührung sind, also mit durchaus weniger brachycepha- 
len Völkern, — leider müssen die so interessanten Albanesen, die nach 
meinen hiesigen Erfahrungen an Lebenden ebenfalls vollkommen brachyce- 
phal sind, wegen Mangel an ausreichendem Materiale für jetzt ausser Acht 
gelassen werden, — so finden wir darin ebensowenig eine Aufklärung für 
ihre die Nordslaven übertreffende Brachycephalie. 

Rficksichtlich der Höhe des Schädels lassen sowohl die Slaven, als auch 
deren Nachbarvölker ein ganz gleiches Verhalten erkennen, nämlich Abnahme 
derselben von Osten nach Westen, wodurch verursacht wird, dass gerade im 
Westen die zwei Völker mit den niedrigsten Schädeln (Deutsche und Czechen) 
neben einander wohnen, wie im Osten die hochköpfigen Ruthenen und Ru- 
mtoen und im Süden die Kroaten und Türken. 

Welches 'der hier erwähnten slavischen Völker dem slavischen Urty- 
poa, wenn es je einen solchen gegeben hat, am meisten entspricht, dürfte 
sich kaum entscheiden lassen; nach den oben angegebenen Durchnittszahlen 
f&r die Slaven im allgemeinen kämen die Polen demselben am nächsten, 
während sich die Czechen, Slovaken und Südslaven am weitesten davon ent- 
fernen, die beiden ersteren durch ihre grössere Breite und geringere Höhe, die 
letztem durch ihre grössere Breite und grössere Höhe. 

Die Ergebnisse der vorstehenden Untersuchungen lassen sich folgender- 
massen zusammenfassen: 

1. Die Slaven gehören zweifellos zu den brachycephalen Völkern. 

2. Die Nordslaven haben schmälere und zugleich niedrigere Schädel als 

die Südslaven. 



S BNnM-knngeii über SUniuehidel. 

Unter den Nordslaven haben die westlichen Zireige (Gzechen und Slo- 
vaken) breitere nnd niedrige Schädel, als die Östlichen (Polen und 
Rathenen). 

Die stärkere Braobycephalie der Säd- nad der westlichen Nordslaren 
findet keine Erklänmg in etwaiger VcrmiBchtmg mit den anwohrfbn- 
den nichtslaTischen Völkern, weil dieselben durchaus weniger braohyce- 
phal sind. 

Die geringere Höhe der Sch&del der wesüichen Nordslaven dagegen 
Hesse sich vielleichl auf MischuDg mit den durch ihre so geringe Sch&- 
deUiShe aosgezeichneten Deutschen zurückföhren. 
Constantinopel, im Juni 1874. 



Bemerkungen za F. Liebrechfs Artikel „lieber 
die goldgrabenden Ameisen" 

in dieser Zeitschrift, Jahrg. 1874. S. 98 ff. 

Indem Hr. Liebrecht die bei Herodot, Strabo n. A. erw&hnt«n gold- 
grabenden Ameisen mit den goldbütenden Greifen zasammoDstellt , fährt ihn 
der Umstand, dass die Letzteren bei Nonius Marcellas und Plautus pici ge- 
nannt werden, auf die Vermuthung, das Wort pieut bedeute ursprünglich die 
Ameise. Als Beleg dient ihm das englische Wort pitmire, in dessen erster 




Bemerkangen ober die goldgrabenden Ameiten. 317 

deutet, und dass die Ameise deshalb piss-miere , im Dänischen pissemyrey 
beisst, weil sie bei ihrer Vertheidigang gegen Feinde einen scharfen ätzen- 
den Saft ausspritzt, den man unter dem Namen der Ameisensäure bekanntlich 
auch durch Destilliren oder Ansetzen dieser Insekten auf Spiritus zu gewin- 
rntn sucht. Der Ameisen- oder Mierenspiritus wird sich wohl auch in der 
Hausapotheke der lütticher Frauen finden. Dieser Erklärung des in Rede 
siehenden Wortes haftet nur der eine Uebelstand an , dass man ausgelacht 
werden würde, wenn man sich ihrer etwa als einer neuen Entdeckung, als 
eines gelehrten Fundes rühmen wollte, denn Millionen der ungebildetsten 
Menschen kennen sie schon von Kindesbeinen an; dass sie aber richtig ist, 
wird durch die übrigen Bezeichnungen, welche die deutsche Sprache für die 
Ameise hat, mehr als zur Eridenz nöthig ist, erwiesen. Zwei derselben, gleich- 
&lls nur dem nördlichen Deutschland angehörig, sind miegemiere und dessen 
ursprüngliches Deminutiv miegemerke. In Mittel- und Süddeutschland heisst 
das Insekt die seich-dmeis , wozu noch als provinzielle Idiotismen die seich- 
motze^ der satch-dnu^s und die seich-amae konunen. In allen diesen Compositis 
decken sich die ersten Worthälften durchweg, denn die Zeitwörter pissen, 
miegen und seicheny (saign) sind lauter Synonyma von harnen, Seichen gehört 
noch heutigentags im grössten Theile Deutschlands dem gemeinen Sprachge- 
brauche an, im vorigen Jahrhunderte war es noch in der Schriftsprache ge- 
wöhnlich und die älteren Dichter übertrugen es häufig auf die Regen aus- 
strömenden Wolken. Dagegen waren dem Gebrauche des Zeitwortes miegen 
wohl von jeher engere Grenzen gesteckt; Wachler's Glossar, german. s. v. 
stellt es mit dem lat mingere, mejere zusammen und erwähnt dazu das No- 
men die miege (lotium) ; auch die Form miegig (nach Harn riechend) gehört 
noch der lebenden Sprache an. 

Der Schule und Zeitungslectüre wird es wohl gelingen, die pufsmiere 
sammt ihren unmanierlichen Schwestern allmählig zu verdrängen, so dass man 
künftig wenigstens in unseren Städten nur von der „Ameise^ hören und 
sprechen wird; auf den Dörfern werden sich die Verbannten noch Jahrhun- 
derte lang zu halten wissen. Zur Zeit ist es noch nicht dahin gekommen; so 
hat beispielsweise der michanu^s noch in allen Städten des Voigtlandes von 
Werdau nach Plauen, Oelsnitz und Hof und tief nach Franken hinein sein 
unbestrittenes Bürgerrecht. 

Da die vorstehenden Zeilen eigentlich nur dem Spechte seinen ehrlichen 
Namen zurückgeben wollten, und diesen Zweck wohl erreicht haben, so wären 
wir zu Ende. Mit der zweiten Hälfte des Wortes inandre resp. pisfrmiere ha- 
ben wir es hier nicht zu thun, und es kann nur nebenher bemerkt werden, 
dass durch Wagner's Angabe a. a. 0., miere sei das persische i7i</r, gar 
nichts gewonnen wird; die blosse Wurtähnlichkeit ohne die Gewissheit ety- 
mologischer Verwandtschaft wiegt federleicht. Wenn wir bei Vergleichung 
der indo-iranischen Sprachen mit den europäischen den sicheren philologi- 
schen Standpunkt verlassen, wenn wir, statt uns mit dem Nachweise des ge- 



318 B«merkuai(«i über die gold^rftbendea AmMMn. 

memsamen grammatischeD Baaes dieser Spracheofamilie za begnfigen, Vo- 
cabelo herDebmeo, am an ihnen zu drücken und za zwacken, bis aas dem 
bekanoten Alopez ein Filcbslein wird, so werden wir kleinlich and der ge- 
machte Fund ist in der Kegel ein Irrtbum. Oder glaubt Hr. L., seine Hsn- 
tificirang des Sanskrit- Worte 8 pipilika mit picus sei etwas Anderes? Solcw 
Dinge haben in dem letzten Jahrzehnte dem Sanskritstndiam in Oeatschlsnd 
leider sehr geschadet. Waram bezüglich des Wortes miere in die Feme 
greifen, wo das Gute so nahe liegt? Das Zeitwort mieren (vergl. das engl. 
to hemire und das norddeuteche mierig „schmierig") bedeutet beschmieren, 
püsmüi-e nnd mieffemiere sind die Harabescbmiererin. Dasselbe ist atiehmittze, 
denn das Zeitwort mutzen ist beschmutzen. Nor bei dem Worte ämeüe, neben 
welchem sich noch das schweizerische ambeü geltend macht, kann das Ety- 
inon fraglich sein. Eine Erörterung dieser Frage gehört aber in eine philo- 
logieche Zeitschrift, nicht in eine ethnologische^ 

Wie Hr. L. seinen bis aof die angeregten Punkte sehr interessanten 
Artikel mit einer Warnung schlieast, so «ollen wir diese Bemerkungen mit 
der Mahnung schliessen, dass man sehr vorsichtig mit der Conjectiu- sein 
sollte, wo es sich um Wortformen einer lebenden Sprache handelt, da die 
Kritik in diesem Falle von einem ganzen Volke geübt wird, und das Volk 
&ber die Entdeckungen einer dem Leben entfremdeten Stubengelehrsamkeit 
oft recht sQhoDongsloe urtheilt. 

Berlin, den 10. Juli 1874. J. G. W. 




Notizen ober Landwirthschafk und Viehzucht in Abyssinien. 319 

Niederung dampf und üppig, gleich ihr. Wechselvolle Jahreszeiten bedingen 
vielartige Leben sfunctionen za ihrer Bekämpfang, während unveränderliches 
Klima den Menschen einseitig in seinem Trachten und Handeln macht, ihn 
den Werth der Zeit nicht lehrt 

# Selten trifit man auf der Erde alle Nuancen des Klimas und der ßoden- 
gestaltang auf wenigen Quadratmeilen in solch auffallender Weise wechselnd, 
wie in Abyssinien und an den Abfallen dieses Tropenhochlandes zum Kothen 
Meere hin ; sie treten so natürlich und unter sich so abgegrenzt auf, dass die geo- 
graphische Eintheilung der Einwohner zugleich die klimatische und meteo- 
rologische und im Zusammenwirken aller Factoren die landwirthschaft- 
liche ist 

80 gliedert sich das Gebiet folgendermaassen : 

I. Die Küstenniederung, bei Massua Samhar, weiter nördlich 
Söhel tia^) genannt, von dünen- und steppenartigem Character. Das häufige 
Vorkommen des Salzes, sowie vieler Seethierreste zeugen davon, dass diese Nie- 
derung früher vom Meere bedeckt war. In einer durchschnittlichen Breite von 
5 Meilen zieht sich dieses Gebiet zwischen dem Meere und der abyssinischen Ge- 
birgsmauer bis zum Bab el Mandeb, und selbst durch die Somaliländer bis 
zum Kap Assir (Gruardafiii) hin. Wenn von diesen feinsandigen, oder mit 
schwarzer trachytischer Lava bedeckten Dünen und Steppen im Sommer die 
trockne, von Hitze zitternde Luft, aufsteigt, saugt sie den durch regelmässige 
Winde zugeführten Wasserdunst des nahen Meeres ein, der sich aber nicht 
sogleich, sondern erst beim Annahen ans Gebirge zu Wolken formt und diesem 
eine regelmässige Regenzeit bringt. Anders ist es im Winter, wenn die dunst- 
erfüUten kalten Bergwinde Abyssiniens niederfallend der Küstenregion einigen, 
wenn auch unregelmässigen Regen bringen oder vermitteln. Dann wacht das 
im Sommer unter einer Hülle sonnverdorrter Blätter schlummernde Pflanzen- 
leben plötzlich auf, aus Dorngestrüpp entspriessen zarte Blüthen und Blätter, 
der Boden bedeckt sich mit einem freundlichem Gras- und Krautteppich 
und das früher todte Flussgeäder füllt sich mit brausend dem Meere zueilendem 
Gewässer. Alsdann verlässt der Hirte den bergigen Sommersitz und schlägt seine 
Zelthütte im Küstenlande auf. Der Landmann greift zum Pflug, und hier, wo 
noch vor wenigen Wochen der Gluthwind die letzten dürren Blätter über die kahle 
Ebene fegte, weidet jetzt friedlich das Vieh und wogen üppige Saaten. Ob 
sie zur Reife gelangen? - Nicht in jedem Jahre, denn oft vergehen Monate, 
ehe ein emeueter Regen fallt, um die langst wieder gedörrte Erdkrume noch- 
mals zu erweichen und die Pflanzen zum emeueten Wachsthum anzuregen, 
wenn diese nicht inzwischen dahingewelkt sind. Solch unsicherer Erfolg seiner 
Arbeit lässt den Bewohner der Küstenniederung an der Cultivirung seiner 
Scholle verzweifeln ui)d so liegt selbst der reichste Lava- und AUuvialboden 



*) Von Sahel, arab- Wüste, Dane. Die Abknrznng Ha = Ti|27inia, te = Tigrij amh = am- 
iMviseh, arab. = arabisch, afer, die Sprache der Danakil, som. = tomaU. 



ä20 NotiHQ über Lftndwirthsch&ft und Viehiacht in Abysiinien. 

unbenatxt da. In neuester Zeit hat jedoch MuDzinger-Bey durch Staaang nnd 
Canalisirung der Regeubäche, welche im Sommer vom Berglande zum Meere 
flieeeen, weite Strecken (z. B. bei Zala) der Somniercaltar eröffiiet. In der 
Samhar haben sich seit einigen Jahren Araber aus Jemen nnter Benutzung 
der epärlichen Winterregen mit der Caltor von etwas Dnrrha nnd beso4i' 
der» von WasBenneloneo beschäftigt. Letztere werden zu dieser Jahreszeit 
selbst bis zum Nildelta ausgeführt. Die Aegypten nnterthänigen Habab-V6lker 
knltivirea nicht, ebensowenig die Danakil und Somali. 

II. Verschieden von diesen KQstenregionen und .durch Bergmassen von 
ihnen getrennt, sind die continentalen Niedernngen, die Qola der Abyssi- 
nier. Diese geniessen den reichen Sommerregen des Berglandes und vereinigen 
als Thäler dessen Gewässer zu Flaasen, wie Mareb, Takaz^ u. s. w. Sie bilden 
durch diese Wasserfülle zwar ungesunde, aber ungemein fruchtbare Durrha-, 
Dochn- nnd Banmwollenländer. Ihre obere Grenze kann man zu 1000 M. 
annehmen und gehören demzufolge die (ägyptischen) nördlich an Abjqsinieo 
angrenzenden Gebiete der Habab, Bogos, Marea u. s. w. mit in diese Re^on, 
jedoch sind sie im Allgemeben, als zu weit entfernt von dem Niederschläge 
erzeugenden Hochlande weniger regenreich und nur an den Ufern des Anseba 
und Barka erfolgreich angebaut, bilden jedoch gute Vieh- und besonders Ea- 
meelweiden. Im Winter aber verdorren sie meistens und müssen mit den 
Küstenniede rangen gewechselt werden. 

III. AU Uebergangsglied zur Dega, dem Hochlande, bezeichnet man 
mit WoinaD^ga (Weinland) eine Region, welche von 1800— 2500 M. ober dem 
Meere gelegen, in der Qppigsten Fülle prangt. Den Gebieten des Mittelmeeres 
vergleichbar, trägt sie neben Oelbaum und Weinstock Citrone, Pfirsich, 
Weizen, Einkorn, Mais, Kartoffeln und viele Hülsenfrüchte und als echte 
Landeskinder den Tef, Di^usa und vielerlei Gewürz. 




Notizeu über Landwirthschaft und Viehzucht in Abjfninieu. 321 



Feldbau und Nutzung der Cultui*pflanzen. 

*" Allgemeines. 

Eigenthum des Ackers: Jedes Calturland hat seinen Besitzer und sind 
Urkunden darüber in den abyssinischen Kirchenbüchern verzeichnet. Verpach- 
tuig gegen einen Theil, gewöhnlich ein Drittel des Ertrages, ist nicht selten. 
Die Berge and die Viehweiden sind meistens Gemeingut. 

Dienstboten: Gewöhnlich erhalten die Dienstboten keinen bestimmten 
Lohn, sondern ein Stück Land zur Bearbeitung. Sie sind nach dem Gesetz 
freizügig mit der einzigen Beschränkung, dass der Dienstbote, welcher die 
theuere Regenzeit von seinem Herrn unterhalten wurde, durch die folgende 
billige Periode bleiben muss. Li Wahrheit steht er in Abyssinien, wie früher 
in den ägyptischen Grenzländem, in einer Art Leibeigenschaftsverhältniss, 
in welches er, sei es durch den Verlust eines Stückes Vieh, welches unter 
seiner Hnth stand und das zurückzuerstatten ihm die Mittel fehlen, sei es 
durch irgend andere Zußllle, meist gelangt. 

Grenzen des Ackers: Beim Roden des Ackers von Dom- und an- 
denn Gestrüpp werden diese zum Schutz gegen wilde Thiere und Vieh um 
das Feld gelegt. Ein solcher Zaun heisst auf arab.: Seriba., tei Eeleb, 
amh.: Eadsur, som. : H^rro. 

Man sammelt jedoch auch die grösseren Steine vom Acker und legt sie 
an die Ghrenze, sowie in gewissen Abständen auf schrägliegenden Feldern, 
wodurch das Abschwemmen des Samens einigermaassen gehindert wird. Diese 
erste Andeutung der Terrassen-Cultur findet man zuweilen höher ausgebildet. 
So rühmt man die Gewürzgärten der Lisel Lekki im Zana-See wegen ihrer 
musterhaften Terrassirung. 

Bewässerung: Nur in seltneren Fällen und in besonders günstiger Lage 
schreitet man in Abyssinien zur künstlichen Bewässerung des Ackers. Man 
staut z. B. durch einen Damm, welcher aus Rasenplatten ^ ) au%emauert wird, 
einen Bach ab. Auf der Sohle des letzteren lässt man zur Regulirung des 
Wassers im Dspime ein Loch (Schleuse), welches durch Gras u. s.w. verstopft 
werden kann. Füllt sich nun das Bett oberhalb des Dammes, so zieht man 
mit dem Pfluge eine Furche am höhern Rande der zu bewässernden, schräg 
am Hügel liegenden Fläche und leitet das Wasser darauf. Liegt der Acker 
aber wagerecht, so fuhrt man wohl auch über die ganze Fläche Canalnetze. 

Wechselwirthschaft: Weizen und Gerste werden im Hochlande 
meist gewechselt, auch wohl durch eine Oelfrucht unterbrochen. 



') Mftn hebt solche Rasenstücke auf folgende Weise aus: 20 — 30 unten spitze Holzpflöcke 
Ton ca. Meterlänge werden im Kreise in den Rasen, schräg zum Geutrum hinneigend, mit der 
Hand geworfen und zwar wird der Wurf jedes einzelnen so lange wiederholt, bis durch die 
Tereinte Kraft mehrerer Menschen der Rasen und die Erdkruste herausgehoben werden kann. 



823 Notiuii aber LuidwirtluehRft imd Viehischt In AbjMiiiieQ. 

Der Pflug: Er ist dem ägyptischeD und arabischen äholich. Der Pflug 
hat im AethiopischeD ond in d^u Babab sprachen keinen generellen Namen. Seine 
einzelnen' Theile heissen auf amh. : ' 

Q,örob&, (im tia: Qoragorö) das Joch, OrQd, die Jochatange, Nanld, die 
Deichsel, Muschäl, der Keil, welcher die Pflugscbaar an die Deichsel be- 
festigt, Orf, (fia: Lasch a) Strick oder Jochriemen zum Festhalten der Pflng- 
schaar, Qarlass, (fia; ebenfalls Lascha) oft aus Eisen-, meist ein Ring ans 
Elephantenbaut zur Befestigung der Pflugschaar an den Deichselkeil, Dagar, 
Pflugechaar, Quaterti, Pflock, welcher die beiden Pflugschaarbeckeo hinten 
an der Deichsel festhält. 

Die Ochsen werden einfach dadurch eingespannt, dass man den Strick, 
welcher die beiden Qöroba (Joche) zusammenhält, ö&et, denselben um den 
Hals legt und wieder verbindet. Weitere Riemen, z. 6, Zugriemen werden 
nicht angewendet. Gewöhnlich benutzt man Ochsen zum Pflügen, Pferde, 
Esel oder gar Kameele dagegen nnr selten. 

Ein anderes Werkzeug, eine Art Spaten, ist der Maschar, ein an einem 
c. 1,5" langem dünnen Stabe befestigter Schuh von Eisen von c. 3 Finger- 
breite. Er dient zum Ausheben essbarer Wurzeln oder Knollen u. s. w. 

Das Säen geschieht in Abyssinien meist nach erfolgtem VorpflQgen. 
In den Grenzländem streut man jedoch den Samen einfach auf das unbe- 
ackerte Land und pflügt ihn dann ein. Dem Säemann folgen in Abyssinien 
einige Frauen und Kinder, welche die Erdklösse, die beim Pflügen entstan- 
den, mit Knütteln über der Saat zerschlagen. Zuweilen wird auch mit 
einem Domstrauche geeggt 

Unserm Walzen analog ist das Festtreten durch Menschen oder Vieh. 

Zum Mähen benutzt man eine Handsichel, Masit, von der Form 
europäischer Grassicheln, deren Schneide sägezäbnig ist. Man schmiedet sie 




Notiiaii aber Landwirthichalt and Viehxiicht in Abyasiaiea. 828 

VBd wird damit einer Hungersnoth Yorgebeogt. Für kleinere Portionen be. 
nutet man meist die Kohö, ein aas Erde nnd Kuhmist verfertigtes oft 2 ^ 
hobes Gefitos. 

Schroten: Hülsenfrüchte werden vor dem Mahlen in einem Holzmörser 
geschrotet. Derselbe dient ebenfalls, um den vorher etwas angefeuchteten 
Weizen von seiner Kleie zu sondern, welches durch ein Kleisieb (Grasge- 
flecht) tia Mömfit noch vervollständigt wird. 

Das Mahlen geschieht, wie im grössten Theile Afrikas, auf der Mothena 
arab. Qe Mathann), einen leicht muldenförmig gehauenen, flachen und einem 
rollenartigen oder runden Steine, mit dem man reibt Als Unterlage dient 
eine zierlich geflochtene Strohmatte. Die Frauen knieen bei der Operation 
und legen die Mothena auf die Oberschenkel. 

In Massua und bei den reichsten abyssinischen Familien benutzt man 
auch arabische Handmühlen, d. h. zwei runde Steine von ca 0,5 "* Durch- 
mesaer, von denen der obere beweglich und durch eine Kurbelvorrichtung 
gedreht wird. 

Feinde der Landwirthschaft. 

Der grösste Feind der Landwirthschaft ist, wie überall der Krieg, 
welcher fast fortwährend die herrlichen Gauen Abyssiniens überfluthet, wäh- 
rend dessen in zügelloser Barbarei gemordet, geraubt und zerstört wird. 
Aber selbst in Friedenszeit geniesst der abyssiuische Landmann nicht die 
Fruchte seiner Arbeit, denn sobald die Kunde von einer guten Ernte erklingt, 
fallen die Soldaten, welche weder gelöhnt noch verpflegt werden, mit Weib 
und Kind in die betrefiende Provinz requirirend ein. 

Hagelschläge, welche besonders im AnÜEinge der Hegenzeit auftreten, 
fallen von 3000 ** an überall in Abyssinien. 

Fluthende Regen waschen oft den Samen herunter und reissende 
Giessbäche zerwühlen die Felder. 

Heuschrecken schwärmen im ganzen Gebiete von der Samhar bis in 
die Dega. Der Schaden, den sie anrichten, ist oft gross und nur bei schleu- 
nigem Nachsäen entgehen die betrofi'enen Lande dem Hungertode. Die Ha- 
babvölker essen sie geröstet Li Lederschläuchen verpackt, lassen sie sich 
monatelang aufbewahren. 

Termiten: Nur die Dega bleibt von ihren Verwüstungen verschont. 
In Folge der Anwendung des Kuhmistes und der Holzasche, woraus die Ge- 
fltose verfertigt, bleiben die Fruchtdepots ebenfalls meistens gesichert. Auf 
dem Felde jedoch schaden sie durch Ausfressen des Markes der Getreide- 
Slengel ungeheuer. Aus den Gärten vertilgt man sie mittelbar dadurch, 
daas man kleine Fleischstücke ausstreuet; alsdann nämlich finden sich Ter- 
miten vertilgende schwarze Ameisen^) ein. 

') FoüWM» spec.? wie im Senaar. Red. 



324 Notizen aber L*odfrirtbac1iaft und Tiebzucht in Abjminiaii. 

Vögel: Zur Erntezeit bleiben Kinder auf dem Felde, welche dnrch 
Schreien and Händeklatschen die Vögel Teijagen. Man spannt auch lange 
und vielfach verzweigte Schnüre, an denen allerlei klappernde Gegenstände 
hängen, über die reifen Felder. Von einem Ende aus wird die Vorrichtung 
dnrch Ziehen in Bewegung gesetzt. 

Ratten und Mause richten besonders in der Dega oft grosse Ver- 
wüstungen an. 

Affen stehlen frech die Aehren vom Felde, schleppen sie auf den näch- 
sten Baum und klauben sie dort aus. Besonders der Djelada (TheropLthecns 
Gelada Ruepp.) ist ofl so dreist, dass er die Frauen und Kinder aus den 
Hätten treibt und das Getreide erobert. 

Fhacochoerus Aeliani, da« Warzenscliwein, schadet durch sein 
Wühlen und Fressen am Tage, Nyctochoerus Hasama' ) Heugl., das Asama- 
scbwein des Nachts. 

Ueber Insectenfrass hört man wenig klagen, eine kleine Melolootbide 
ausgenommen. Cassonus kommen hier jedoch cbenfolla im Korne vor. 

Specietles. 

Sorghum: Dorrha arab. sudan., oder TaÄm, arab. Jemen., Mascbala amh., 
Meschelle tigre. 

Dire Cultur reicht bis c. 2000 "■. Man kann vornehmlich 2 Sorten unter- 
scheiden, die eine mit dichter Rispe, grossen Eömem und kurzem, festen 
Stengel, die andere mit tazer Rispe und kleineren , etwas bitteren Körnern und 
hohem Stengel; letztere erträgt Trockenheit besser, als ersCere, welche vor- 
nehmlich auf den üppigen Uferebenen gebaut wird. Sie wird nach dem ersten 
Regen gesäet, auch später oftmals in den Lücken etwas nachgeslreat. Die Rispen 
werden einzeln (wie alles mit der Masit) geschnitten ; das Stroh bleibt stehen, 




Notizen aber Landwirthschtft und Viehzucht in Abyssinieu. 325 

etwas angesäaert. in Abyssinien und Bogos bereitet man die Tabita amh., 
Ladblach te folgendermassen : Man lässt den Teig stark säuern, indem man 
den Abends mit Sauerteig angesetzten Morgens, und den Morgens angesetzten 
Abends backt. Er wird auf eine gegen das Anbacken mit Wachs, Sesamöl 
oder Leinsamen bestrichene aus Eisen oder öfter aus Erde bestehende Platte 
dünn anfgegossen. Darauf wird ein Deckel, dessen Rand auf einem Lappen 
liegt und den Schwaden nicht durchlässt, aufgelegt und in kurzer Zeit ist 
das pfannenkuchenartige, sehr poröse, feuchte Brot fertig. 

Bier, im Sudan Merissa, im Arabischen busa genannt, wird selten aus 
Dorrha, mehr aus Dagussa und Gerste bereitet (siehe unten). 

Pennicillaria: Dochn (in allen Sprachen). Wird wenig und nur im 
Tieflande gebaut. Man macht auf ungepflugtem Boden kleine Löcher in 
0,5 Mm. Distanz und streut einige Körner hinein. Benutzung: zu Polen ta 
und Bier, im Nothtalle auch zu Brot. 

Weizen: Schendrei amh. und tiu^ bur arab. und ti. 

Von 2000—3300 Mm. über dem Meere. 

Man pflügt oft einmal vor und säet mit dem beginnenden Regen. Auch 
er wird mit der Mansit gemäht. Die Stoppeln bleiben möglichst hochstehen, 
als Dünger für das folgende Jahr; das Stroh wird nicht gefüttert, da es blähen 
soll. Die Aehren tritt das Vieh aus. Der grösste Theil des Weizens wird 
geröstet genossen, indem mau das entkleiete Korn auf Brotplatten bräunt. 
Etwas gemahlen und mit Wasser gemengt, dient er in solcher Gestalt auf 
Reisen an Stelle des Brotes.^) Man bereitet jedoch ebenfalls Brot aus dem 
Weizen. 

Einkorn wird wie Weizen cultivirt und genutzt. 

Gerste: Sie reicht bis an die obere Culturgrenze in Abyssinien, 3800 
Mm. hoch. Guter Boden liefert oft jährlich drei Ernten. Wenn kaum die 
Frau einen Streifen Frucht mit der Handsichel abgeschnitten, pflügt der Mann 
bereits darüber. Die Gerste wird zu Maulthier- und Pferdefutter, ein grosser 
Theil derselben auch zur Bierbereitung benutzt. 

Hafer: wächst wild in Abyssinien und wird nur wenig angebaut. 

Eragrostis, Ti'ef abyssin.: Von 2000—3000 Mm. mit grösster Sorg- 
falt cultivirt. Man wählt für sie einen fetten, in der Regenzeit schwammig 
nassen Boden, pflügt ihn in der trocknen Periode zweimal vor und wenn der 
Regen ihn durchweicht (Mitte Juli) zum dritten Male, jätet mit der Hand 
alles Unkraut sammt der Wurzel aus und streuet oder mengt vielmehr den 
Samen mit der breiartigen Erdkrume zusammen. Ende October ist dann der 
Ti'ef reif; man drischt ihn mit Knitteln; das feine Stroh bildet gutes Viehfutter. 
Die fast ausschliessliche Benutzung des Tief ist zu Brot, welches wie das 
Tabita amh. genannte Sorghumbrot bereitet wird. 

Elensine. Dagussa amh. Ihre Cultur wird zwischen 1500 und 3000 Mm. 



' *) Die Arbeiter der Salzebene (Danakil- Länder) leben fast nur von dieser kalteu Käche^ 

atltttkfflA für Bthnoloci«, Jahxgaag 1874. "2^"^ 



826 Notizen dW Uadwirtbactian and Viehzucht in Abjiriiii«n. 

ähnbch der des Ti'ef betriebeD, jedoch lienutzt maa f&r sie einen germgerCD, 
aber ebenfalle nassen Boden. Hauptsächlich wird sie zn Bier verweaidet, 
welches in Abyssinien folgendermassen bereit«! wird: Gersten- und Dagnssa- 
Mehl, jedes zur Hälfte, werden vermischt and braun geröstet, daön mit Wasser 
zu steifem Teige angerührt und 3 — 4 Tage g&hren gelassen, dann bei gelindem 
Feuer oder in der tionne getrocknet und gemahlen. Hierauf wird etwas ge- 
malzte Gerste (BogQI amh.) zerquetscht und diese, sowie die gestossnen Bllttw 
des Gescho (Rhamnus paucifl.) zugesetzt, das Ganze in Wasser za zfihem 
Brei geknetet und als solcher in möglichst fest verschlossenem Topfe auf- 
bewahrt. Vor dem Gebrauche r&hrt man etwas davon in Wasser nnd das Bier 
(Falla amh., tia Üna.) ist tertig. Es h&lt sich höchstens 24 Stunden, in fest ver- 
kitteten^ ganz vollen Geiassen jedoch länger und wird später stark monssirend. 

In den aueserabyssinischen Ländern unseres Gebietes wird das Bier etwas 
verschieden bereitet Der saure Teig wird leicht geröstet, dann gebröckelt, 
mit Wasser wiederum geknetet und dann ij — 4 Ti^e gähren gelassen; dies 
oft sogar abermals wiederholt. Schliesslich wird das Geröstete zerstossen 
und als Mehl aufbewahrt. Vor dem Gebrauche mischt man etwas mit Wasser 
an and lässt es 5—6 Stundeu gähren, worauf das Getränk fertig ist Der 
Geschmack erinnert einigermaassen an die in den Rheinlanden gegessne so- 
genannte „kalte Schale" aus „Jungbier" mit geriebenem „Schwarzbrot" , ist 
jedoch schleimiger. 

Branntweinbereitung: Ein Mehlbrei wird 5 — 6 Tage stehen gelassen 
and dann in einem Topfe gekocht, von dem ein mit nassem Kuhmist tmd 
Lehm beschmiertes Rohr in einen zweiten Topf führt. Die Destillation wird 
zwei bis dreimal wiederholt. Man nimmt jedoch ebenfalls Bier und Honigwein 
zur Branntweinbereitung, destiUirt dann aber meist nnr einmal. 

Mais, Masch^la baheri amh., Hind') arab. jem., Durrha schami aegypt. 




Notizen über Landwirthschaft und Viehzucht in AbyssliiieiL 827 

Faba: Badenga tia^ Fül arab. werden auf Feldern breitwürfig gesäet 
und theils halbreif im Wasser gebrüht, theils trocken zu „Schiro^ verbraucht. 

Adagorä amh. lässt man auf der Erde kriechen. Grün i^erden sie 
roh, reif gesötten gegessen. 

Sabbere amh. wird, einmal gesäet, sich selbst überlassen und nur in 
Zeiten der Noth, wenn das Land vom Feinde oder von den Soldaten aus- 
gesogen, geemtet. Ihre natürliche Bitterkeit muss mebrere Tage vor dem 
Genüsse im Wasser ausziehen. 

Lein: Talba amh., Entat^ te, wird bis 3300 Mm. gebaut, aber nicht der 
Faser, sondern des Samens wegen, der als Fastenspeise oder zur Oel- 
gewinnung dient. Man säet ihn im Anfange der Regenzeit; er kommt im 
Januar zur Reife; dann werden die Stengelspitzen mit der Handsichel abge- 
schnitten, die Stengel selbst bleiben stehen und werden als Dünger unter- 
gepflügt. 

Guizotia oleifera: N'Hdk amh. wird in der Woina-Dega, dem Lein 
ähnlich, cultivirt. Sie reift im März und ist die hauptsächlichste Oelpflanze 
Abyssiniens. Man dörrt und zerstampft den Samen und kocht ihn dann mit 
vielem Wasser. Das oben schwimmende Oel wird mit einer Feder abgeschöpft. 
Es heisst „Quebbi*' und wird besonders in den 40 Fastentagen statt der ver- 
botenen Butter benutzt. 

Sesam: Salit amh., Semsem arab. wird nur wenig zur Oel- und Speise- 
bereitung in der Qola gezogen. 

Dubba gedeiht noch in der Dega und werden die unreifen Früchte als 
Gemüse geschätzt. 

Wassermelone: Habhab arab. jem. Bartich arab. wird seit einigen ^ 
Jahren von den Arabern in der Samliar gezogen, Man säet sie in ca. 10 Mm 
weiten Abständen, nachdem man das Unkraut (mit einem Schaufel - Spaten 
Moqrab arab.) abgeschaufelt hat Die auf der Erde liegenden Ranken werden 
stellenweise abgelegt, so dass sie sich ^verjüngen ^. 

Fietö amh., Semfa ^^., Helf arab. Das Kraut wird als Gemüse, der 
Samen als Schiro gegessen. Die medicinische Anwendung ist vielfaltig. 
Kleine Kinder erhalten es in Milch zum gelinden Abführen, Frauen gegen 
Blotflass abgesotten im Wasser. Die weissen Schleierflecken in den Augen, 
besonders bei Pferden, werden mit dem geschälten Korne touchirt (In Arabien 
legt man eine Compresse auf blutunterlaufene Augen der Menschen.) Auch 
als Zaubermittel wird es gebraucht Wenn eine Frau ihres Mannes überdrüssig 
ist, so räuchert sie das Haus mit Fietö. Dadurch soll Streit hervorgerufen 
werden und dieser dann Aussicht zur Scheidung geben. 

Gnmun: ist eine rapsähnliche Crucifere und bildet ein beliebtes Garten- 
Gemüse. 



*) El wnrde mich on^mein interessiren , wenn ich ton Europa Naehrickl erhielte, von 
«stebcr Qualität der abjsnnische Flachs ist D. Verf. 



328 Notken ober Landwirthsch&ft and Viehzucht in AbjHlnlen. 

Portulac: grisemma ft'a hamle el homar, d. h. Esel-äemüse, arab. Mu- 
Bua, Rige arab. Es wächst allenthalben wild, wird ebeu&llB etwas caltiviit 

Enset (Musa Ensete) findet sich in der Qola und bis 2700 Mm. in 
feuchten Thalschlachten. Der markige Stock wird als GemBse,' die Blätter 
zu Viehfutter benutzt. 

SolaDum Lycopereicum ist häufig wild an Flussufern oud wird grün 
und roth gesammelt imd genossen. 

Kartoffel: Dimeich amh., battatas arab. äie kommt in swei Sorten 
vor, von welchen- die eine schon seit langen Zeiten von einem koptischen 
Bischöfe, die zweite, jetzt allgemein verbreitete von Dr. Schimper eingeführt 
wurde. Sie haben in den letzten Jahren durch Erankheit viel gelitten. 

Tabak wird von J200 bis 3300 Mm. in zwei Arten cultivirt: 1) Nico- 
tiana rustica, 2) eine aus Syrien eingefährie Spielart des amerikanischen 
mit schmalen Blättern. Der Tabak wird meist in Gärten gezogen. Man 
düngt ihn mit Ziegen- oder Kuhmist, verpflanzt ihn eben&lls zuweilen. Die 
Blätter werden grün abgenommen und zu Brei zerstampft. Diesen fon^t man 
in faustgrosse flache Kuchen (Gogo amb.), legt diese einige Nächte in den 
Thau und trocknet sie dann an der Sonne. Als Kau- oder Schnupftabak 
zermahlt man sie zwischen zwei Steinen, versetzt das Pulver mit etwas Holz- 
asche und feuchtet es an. Nor in den ausser-abyssinischen Ländern kaut 
man ihn, in Abyssinien nie, jedoch schnupft man hier desto mehr. Das 
Rauchen aus Wasserpfeifen ist überall, aber nicht allgemein, üblich. 

Kaffee, buna amh., bon arab. Hauptsächlich wird er in den Abyssinien 
südlich angrenzenden Gala-Ländern, ebenfalls am Zana-See, in Wolkait und 
äitju gebaut. Entweder lässt man den Baum &ei wachsen, oder kappt ihn 
zu ca. 2 Mm. hoher Schirmform. 

Folgende drei Sorten sind die vornehmsten: 1) Narea 2) Zegi^ •= Korate 




Notizen über Landwirthschaft und Viehzucht in Abyssinien. 829 

zu zwei Drittel kochendem Wasser, setzt ihn in die nächste Nähe des Feuers, 
und, wenn er überkochen will, schreckt man ihn durch zugegossenes kaltes 
Wasser einige Male. Er wird ohne Zucker getrunken, auch von Milchka£Pee 
hörte ich nichts. Der Koffein -Gehalt scheint sehr bedeutend zu sein, denn 
nach zwei bis dreimaligem Aufschütten schmeckt er immer noch besser, als 
der deutsche Familienkaffee. 

Wein: Der Weinstock, woina (Wohl von olroo) wurde früher häufig 
cnltiTirt, die Woina-Dega-Region trägt noch jetzt den Namen von ihm. Durch 
die Trauben krankheit ist er jetzt fast gänzlich verschwunden, so dass ein- 
geführter oder Rosinenaufguss die Stelle des Messweines vertreten muss. 

Zaddo, Rhamnus Staddo- Wurzeln und Gescho, Rhamnus pauciflor.-Blätter, 
welche den Gährstoff zum Biere und dem Tetsch (Honigwein, vid. Biene) 
liefern, werden meist in der Wildniss gesammelt. 

Von den vielen Speise-Gewürzen, welche in Gärten cultivirt werden oder 
wild wachsen, sind folgende hervorzuheben: 

Gapsicum: in zwei Arten, Berberi, mit grösseren Schoten in der Qola 
und Woina-Dega, und Schitete amh. oder berberi Schirba mit kleineren, der 
Dega eigen. Es wird fast jeder abyssinischen Speise zum Uebermass bei- 
gefügt. 

Senf: Sinafitsch amh., odur-und adri tia. Er wird in verschiedener 
Weise angemengt, theils mit saurer Milch oder Honigwein, theils mit ge- 
stossenem Gapsicum, braun gerösteten Zwiebeln u. s. w. vermischt. 

Zwiebel: Schunkurt amh. Knoblauch: Nadsch Schunkurt amh., Schun- 
kart zaade (weisser S.) tia, Mogmogo: Wurzel von Rumex habessin. als 
Speisegewürz, auch bei der Butterbereitung (vid. unten) benutzt. 

Kororima, den Cardamonen ähnliche, zoUgrosse Frucht aus den Gala- 
Lindem. Man würzt zuweilen die Milch damit. 

Tschenschibel: Ingwer, ebenso. 

Zaada amh. Euslara arab. : Speisegewürz. 

Habba doda: Speise und Brotwürze, durch seinen scharfen Amoniakal- 
Gemch auch gegen Kopfschmerz verwendet 

Zenadäm: Früchte einer Ruta, wird zum Würzen der Speisen, auch 
in Hautsalben gebraucht. 

Abakil amh. Helbe arab. wirkt blutreinigend und wird von blutarmen 
Frauen gegessen. 

Andöt amh.: Das Decoct dieser Frucht wird als Seifenlauge benutzt. 

Garthamus. Nur der Samen wird gegessen, während man die Blüthen 
ungenutzt lässt. 

Baumwollle ötöb abyssin. Der gesponnene Faden Cöttöni arab. Gotton. 

In der Qola und der Woina-Dega wird zum Gebrauche des Landes viel 
Baumwolle gezogen. Die Samen werden nach dem Regen gesäet und sind 
in secb» Monaten reif. Die Pflanze dauert drei bis vier Jahre aus. Die 
Baumwolle wird von den Samen gereinigt, indem man sie mit einem Eiseii-* 



880 



NotiMn über Luidwirtbachaft und Viehzucht in Abjaaiuian. 



Btabe auf einem Steine gleicbgom nadelt. Das Spinnen vemchteD die Franen 
mit dem im Oriente sehr verbreiteten intttrument, welches den Namen Möftell 
(aethiopiach) führt. Der Faden wird durch einen Kleister aus Gersten- oder 
Dagussa-Mehl gezwirnt. Das Weben, besonders zu Quart, dem grossen abys- 
sinischen Umschlagetuche, verrichten die abyssiniscbeo Jaden aof sehr ein- 
fachen Webestühlen, mit denen sie von ThSr zu ThOr ziehen. 

Ueber die Hansthiere Abyssiniens und der SstUcb angrenzenden 
Länder. 



luiih.: 


Kabl- 


Oohee; Beri«; Kuh 


Lau; 


tipi: 


rdle; 


> Beiai; , 


Wod, pl. aha; 


belen: 


„ 


. Biii; , 


Lii, pl. Wo>8 


Scbolio: 


^ 


, Beiri; , 


La; 


Afer'): 


„ 




Zigga, pl. Laj 


Bom.: 


„ 




Lo; 


Ümi: 


Stier 


Korm»; 

Wnchur, Kalb: M 


; 



Scboho: s Adr; „ rogä, 

Afer: „ ädr; „ nig&, \ pL raguge. 

som.: „ niga,g 

Man gewahrt folgende Racen: 

1) Das Bergrind findet sich von den Yorbergen bis zur höchsten Weide. 
Es ist mittelhoch, gedrungen, mit meist nur gering ausgebildetem, zuweilen 
ood besonders bei Ochsen stark entwickeltem Speckbuckel (aeuäm arab., seUm 
tigr^) und lang h&ngender Wamme. Das Gehörn ist sehr vielgestaltig, vom 
kanm bemerkbaren Stumpfen durch gerade und gebogen wechselnd, aber nie 




Notizen ober Landwirthschaft und Viehzacht in Abyasinien. 331 

s 

Galast&mmen und in Agaameder. Seine ungeheuren, oft meterlangen und 
eine Spanne Durchmesser am Grunde haltenden Homer (sie werden als Trink- 
hSmer ^Wantscha^ benutzt) zeichnen es aus. Das Rind soll dem entsprechend 
kolossal gross sein. 

AUe diese Racen sind sauftmüthig, selbst die Zuchtstiere. Grosse Euter 
sah ich nie. Zwei Quart Milch ist das höchste Mass einer frischmilchen- 
den Kok 

Der Viehzüchter ist theils sesshafi und dann zugleich Ackerbauer, wie 
in der Dega, theils Nomade, wie die Habäb-Völker. An Aufbewahren irgend 
eines Futters oder gar an Heumachen wird nirgends gedacht. Das Tränken 
des Hornviehs geschieht alle 3 bis 4 Tage. Liegt das Wasser nicht zu Tage, 
so gräbt man, besonders in den Betten von Regenbächen, brunnenartige Löcher, 
deren Wände zuweilen durch Zweiggeflecht (besonders der Tamariske) ge- 
halten werden. Neben solchen Löchern fuhrt man aus Lehm einen runden 
Trinktrog aus. Nachts schützt man das Vieh durch Domzäune, treibt 
Morgens aus, gegen 10 Uhr wieder in das Lager zum Melken; dann bleibt 
es bis Abends auf der Weide und man melkt Nachts noch einmal. Beim 
Melken« welches nur von Männern, nie von Frauen ausgeführt wird, bindet 
man die Hinterfüsse der Kuh durch einen kurzen Strick zusammen. Der 
Melkende hockt nieder und hält das Milchgefass zwischen den Enieeu. Dies 
Gefiss ist aus Dumblattgeflecht, mit Kuhmist gedichtet. Es wird stets vor 
dem Melken über ein rauchendes Feuer gehalten. Hält die Kuh die Milch 
xorück, so wird, wenn der Grund hierzu der Verlust ihres Kalbes ist, 
solches ausgestopft und während des Melkens neben sie gestellt, oder man 
giebt ihr das Kalb einer andern Kuh, welches vorher mit dem Urin des 
todten bestrichen war; sie beleckt es und gewöhnt sich an dasselbe, die Mutter 
desselben säugt aber ebenfalls und so haben zwei, oft drei Kühe ein Kalb 
jn Gemeinschaft. Will aber dennoch die Kuh ihre Milch nicht geben, so 
blftst man sie auf^ indem der Hirte ihre Schamlippen ö&et, den Mund hinein- 
hfth und mit kurzem, starken Stoss hineinbläst. Schnell zieht er dann seinen 
Kopf zurück und schliesst daun die Lippen mit der Hand, da das Vieh darauf 
stark bläht Er wiederholt dies so oft, bis die Kuh aufgeblasen, breit- 
beinig dasteht und melken lässt. In der Samhar stopft man zum selbigen 
Behnfe die fleischigen Lohden der Schelle (Cissus quadrangularis) in die 
Vagina. 

Ist die frische Milch zum Trinken bestimmt, so wirft man in den meisten 
Gegenden erhitzte Steine hinein. Kalte, frische Milch soll Fieber erzeugen, 
jedenüalls erregt sie Leibschmerzen. 

Zum Buttern schüttet man die (nicht erwärmte) Milch in Girben (Leder- 
scUänche, vide unten), in welchen vorher sauere gewesen, und lässt die 
Morgens gemolkene Milch bis Nachmittags, die Abendmilch bis Morgens darin, 
wodurch sie sauer wird. Dann bindet man den Schlauch an einem Ende an 
und schfitielt und knetet ihn so lange, bis sich die Butter gesondert Eine 



332 NotizOD über Laadwirthschaft nnd Viehzucht in Abjubiies. 

andre Art des ButteroB besteht darin, dass man die saure Milch in fest ver- 
Bchlossenem Topfe, welcher an einem Dreifusse hängt, so lange schwenkt, 
bis die Butter erscheint. Dann schüttet man gekühltes (d. h. in G-irben der 
Zugluft ausgesetztes) Wasser hinzu und fischt oder siebt die Batter herans. 
Diese wird atedann in offenem Topfe gesotten, bis ihr Wasser verdonBtet ist 
Darauf setzt man etwas Mogmogo (gestossne Wurzel von Rumex hsbessin.) 
hinzu, wodurch sich die Butter klärt und eine gelbliche Färbung annimmt. 
In den Habubländern und der Samhar benutzt man zum gleichen Zwecke 
gepulverten Kuhmist oder geschrotete Durrba. Sie wird alsdann bis zum 
Bodensatz in (meist frische) Häute ge&llt, etwas Marat (Äbguss von Crerca- 
früchten) beigefügt und so aufbewahrt. Dann hält sie sich, selbst in den Eüsten- 
städten, mindestens ein Jahr. Der Preis der Butter schwankt ungemein; im 
Winter erhält man in Massua 1^ Oka (Oka » 1 Kilo weniger J Pfd.) für 
den Mar. Ther. Thaler, in Abyssinieu oft bis 6 Oka. Die Eaufleute in Massna 
senden Agenten nach Abyssinieu, um Butter gegen Durrha, Zeuge oder Geld 
zu ersteben. Seltener kommen die Hirten selbst zur Küste. Nach dem vor- 
jährigen (187'2) Handelsberichte erreichten den Markt von Massua 450000 Oka 
Butter. Eine gute Milchkuh kostet für den Fremden >bis zehn Thaler, unter 
sich ist der Preis drei bis vier Thaler. Bei dem Bezahlen des Blutpreises, 
der in Kühen gesetzt ist, entspricht ihr Werth meist nur einem Thaler. 

Last- und Zugvieh, lieber der Höbengrenze des Kameeles wendet 
man (jedoch nicht ausschliesslich) Lastochsen an. Sie übersteigen zwar die 
steilsten Bergpässe, gehen aber ungemein langsam. Das Pflügen geschieht 
fast überall nur mit Ochsen, welche oft in relativ hohem Werthe stehen. 

Als (Schlachtvieh verwendet man gewöhnlich gchiecht milchende Kühe, 
welche in Massua *— 6, in Abyssinien 2 — 'ii, in den Habäb-Ländem 4—5 Mar. 
Ther. Thaler kosten, ebenfalls verklopfte Ochsen (Farnes^). Die Castration 




Notizen ober Landwirthscbaft und Viehzucht in Abyssinien. 383 

ihrer Urahnen sei vom Genosse der Leber gestorben'). Zum Conserviren 
schneidet man das Fleisch in lange Streifen, die man gnirlandenähnlich auf- 
hängt und an der Sonne trocknet. Entweder so oder zu Mehl gestossen be- 
wahrt man es «auf. 

Die Haut wird auf der Erde ausgebreitet, die Innenseite nach oben, 
und in der Sonne getrocknet, dann der Länge nach oder im Quadrat zusammen- 
ge£eütet und kommt so als Rohhaut in den Handel. Da sie nie mit Salz oder 
anderem Conservativ mittel präparirt wird, so ist sie häufig von Dermestes und 
andern Larven zerfressen und stinkend. E§ herrscht daher in Massua der 
Brauch, alle auszuffihrenden Häute eine halbe Stunde lang in die See zu legen 
und nochmals zu trocknen. In Massua kostet die Haut 1^ Mar. Ther. Thaler, 
in den Habäb-Ländern |, in den entfernteren Provinzen Abyssiniens, von wo 
aus die Strasse zur Küste noch nicht geöffiiet, handelt man eine Haut gegen 
ein Stück 8alz (ca. 5 — 7 einem Mar. Ther. Thaler entsprechend) ein. In 
Schoa, wo ca. 16 Stück Salz einen Thaler kosten, giebt man 4 für die beste, 
2 Stück Salz für eine gewöhnlichere Haut. 

Die Gerber (Fagi) sind in Abyssinien verachteter, als es dereinst 
bei uns die Schinder waren. Das Gerben versteht jedoch fast Jedermann 
und wird der Lederbedarf meist im Hause bereitet. 

Man gräbt die Haut einige Tage auf einer Yiehstelle und zwar unter 
eine muldenartige Senkung zum Sammeln des Urins ein, wodurch sie „äst" 
und sich abhaaren lässt. Dann wäscht man sie ab und schmiert einen Brei 
von Fentschitschitsch amh., üngille t^ (Solanum spec?) oder Homboi') oder 
Akazienholzspäne. oder Aussak oder Qarras (beides letztere Blätter von 
Akazien- Arten) darauf und lässt sie einige Tage, durch Holzpflöcke, die in 
den Rand gesteckt, an der Erde ausgespannt, liegen. Dann ist sie fertig und 
wird zu Sandalensohlen benutzt. Der Abyssinier geht barfuss. Er benutzt 
das Leder meist weich, schabt deshalb auf der Fleischseite stark ab und 
knetet es mit etwas Butter oder Milch. Die so bereitete Haut dient dem 
Abyssinier als Schlafrock und den Frauen als Lendenschurz. In feine Streifen 
geschnitten verfertigt man zierliches Flechtwerk daraus. 

Lederriemen (Metschanne) bereitet man anf folgende Art: Die ab- 
gehaarte, nicht abgefleischte Haut wird in einen handbreiten Streifen von 
ihrer Mitte anfangend (auch wohl sogleich daumenbreit) spiralisch geschnitten, 
mit Butter bestrichen und in einem Gefasse mit den Füssen geknetet. Darauf 
apleisst man einen Stab theilweise auf, klemmt den Streifen in die Spalte, 
ondi indem man die Spaltung mit der rechten Hand fest zusammenpresst, in 



') Einen merkwürdigen Fall erzählte mir Herr Munzinger-Pascba. Derselbe hatte einen Knaben 
solcher Familie im Dienste. Dieser ass einst neben andern Tafelüberresten Leber, ohne dass 

•r 8M erkannte oder man es ihm sagte. Gleich darauf erbrach er sich und blieb längere 

Zeit krank. 

*) Ein damit gegerbtes Kalbfell findet sich in der an das Landwirthschaftliche Museum 

fttehickten Sammlung. 



334 



NotiHD aber LudwirthsduA lUd Viahiucht in Abynitdes. 



der linken das noch Verbundene Ende des Holzes hält, ßÜut man «n dem 
befestigten Lederstreifen hemnter, welche Procedut man taosendfach wieder- 
holt, bis die gewünschte Weichheit eines Strickes erhtugt ist. Han knotet 
and bindet mit der Metschanne, wie mit einem Seil und sie erh&lt sich, wenn ' 
zuweilen etwas gefettet, bei jahrelangem Gebrauche in Regen und Sonnen- 
brand. Das Stfick, ca. 9 Mm. lang, kostet in Abyssinien ein Stflck Salt. 
In Massaa erhält man sie selten und kosten sie hier pro Stack ^ Tbaler 
Frenssisch. Häute mit den Haaren werden einfoch mit Butter a. s. w. be- 
strichen und solange geknetet, bis sie die nöÜuge Weichheit erlangt haben. 

Schaf: charof arab., neddefi tigrä, b^ amh., ida Afer, pl. illi; noruji 
Äfer = SchafBock pl, mama, wönn som., pl. wönnön. 

Wenn man vom kflhlen Hochlande niedersteigt, so gewahrt man ein all- 
mäliges Verkümmern der Wolle, so dass in der beissen Samhar nur noch 
anliegende Haare Torkommeo. Während in Schoa und Semien das Matika- 
Schaf fast meterlange Wolle trägt, hat das der Dega ein zwar korzes, aber 
feines Vliess. Die Wolle der Schafe der Qola und der Schoholänder ist steif- 
haarig. Man kann folgende synoptische Tabelle der Racenunterschiede auf- 
stellen : 



Ort de« Vor- 
kommens. 


VK«». 


Farbe. 


Hör; 


Schwant. 


Nm. 


1. Hatiks: üala- 


- MetarlänEe. 


Schwan. 


? 


? 


P 


Üoder, Semien, 


(ein uud rein. 










Schoa. 












2, liefiB. 


Wolle - 0,a Hin. 
lang, weuis 
kraus, fein. 


weiss oder schituz. 


d 


kurze Fett- 
wulst. 


gerade. 


3. nabäb. 


kxne Wolle. 


weiss oder schwarz 


d" 


lanK imd 


gewebt. 


^H 



Notizen aber Landwirthschaft und Yiehzacht in Abyesinien. 335 

daneben seist nnd es mit den ausgestreckten Beinen festhält, mit einem, der 
europäischen Schneiderscheere ähnlichen Instrumente. Die Wolle wird äbrigens 
wenig benutzt, fast nur zu Schlafdecken ver woben. 

3) Das Schaf der Habäb scheint dem arabischen „Gebeli^ identisch. Es 
wird vornehmlich der Wolle wegen gezogen, welche zu groben Decken (Schi- 
met) mit der Hand verweben wird. Die Milch wird getrunken. 

4. n. 5) Das Qola und Samharschaf gehören einer Bace an, welche sich 
sädlich bis zum Bab el Mandeb und in der Tehama Arabiens findet. Je nach 
der Erhebung über dem Meere ist die Sandfarbe ^) in weiss oder schwarz 
ändernd, der Fettschwanz und die Homer starker ausgebildet. Hammel und 
Schafe kosten bei Massua •] — i Thaler. Das beste i^amharschaf giebt höchstens 
zwei orientalische Kaffeetässchen voll Milch täglich. 

Die Verwendung der Haut ist wie bei der Ziege und komme ich später 
darauf zurück. 

6) Die Somali-Race ist in Bezug auf Fleisch und Fellproduction unstreitig 
die beste des ganzen Orients. Der ungeheuere Fettwulst des Schwanzes, 
aus dem troddelartig die Spitze heraushängt, dient als Arznei (vermischt mit 
einem fraglichen Kraute gegen secundäre Syphilis). 

Ziege. Del tia., Debala = Bock, henosus ^., adala Schoho, Tiel amh., 
ari som., reita, pl. wodder Afer. 

Ausser der bekannten Capra hircus abessinica, welche in Abyssinien 
nnd den Habäbländern vielfach anzutreffen ist, gewahrte ich bei den Sahaui 
(in Schoho) eine mittelgrosse Ziege mit kurzem Haar, welches aber auf dem 
Racken und am Halse mähnenartig aufsteht und an den Schenkeln lang herab- 
hängt. Sie hat einen stattlichen Bart. Die Homer sind ein bis zweimal 
gewunden, im Winkel von 30^ auseinanderstehend, oft bis 0,7 Mm. lang. 
Die Farbe dieser Ziege ist weiss, schwarz, braun oder gescheckt Die Ziege 
der Samhar ist dieser ähnlich, ihre Homer sind kurz und verkümmert, der 
Bart fehlt Die Färbung ist häufig gelblich. 

Das Fleisch der hiesigen Ziegen hat durchaus nicht den penetranten 
Geschmack der europäischen und wird allgemein gegessen. 

Die Haut kommt als Kohhaut selten in den Handel, ihre Hauptverwendung 
ist wie die der Schafhäute zu Girben (Schläuchen), welche theils ab Wasser- 
behälter, theils zum Aufbewahren der >%enigen Hausutensilien und Vorräthe 
dienen. 

Sie wird zu dem Zwecke so abgezogen, dai^s man am After einen Schnitt 
macht, den Kopf und die Fesseln abtrennt und dann die Haut sackartig ablöst. 
Später näht man nur den Afterschnitt wieder zu. Der Hals bildet die Oeff- 
nnng des Schlauches, die Beine dessen Handhaben. Die Boreitungsweise 
solcher Girben ist je nach der Gegend und Verwendung etwas modificirt. 
Zur Anfbewahrung der Butter nimmt man einfach die irisch abgezogenen 



I) Sie findet sich ebenfalls bei Ziegen, Hunden und Tielen Wnstenthieren. 



336 Notizen aber Landwirthschsft und Viehzucht in AbjMiniBn. 

Häute. Qebrancbte Bnttergirben, Oka genannt, geben gute Wassenchl&adie, 
die Haare bleiben is diesem Falle daran. 

Crewöhnlicb aber baart man die Haut mit Urin ab und beetreicbt ai« 
später mit einem Brei von Wasser und Qarras (Acacia spec.) oder dgL, wie 
die Ocheenhaut, (ride oben). Ist sie so nach einigen Tagen gegerbt, so 
walkt man sie mit einem Steine weich. In solcher Gestalt kommt sie in den 
Handel. Vor dem Gebrauche als Wasserbehälter fällt man sie mit Seewassv 
an lind legt schwere Steine darauf wodurch sie sich ausweitet. 

Pergament wird in den Klöstern, besonders in Adowa und Goc^am 
bereitet Man spannt dazu die noch rohe Haut feucht über ein Brett, lässt 
sie trocknen und rasirt die Haare ab. Dann fleischt man sie auf der innem 
Seite ebenfalls ab und verdünnt und polirt sie mit einem Steine und deseea 
trocknem Mehle. 

Eameel: Gamel tigrä und amh., Gimmile belen, Rak<ib: Schöbe und 
Afer, Aursom. Milchkameel: Hallsom., Qala Schoho, Eozatigr^. 

Ea gedeiht am besten in den an Akazien und Cordta reichen Vort>ergeD 
bis 2000 Mm. Höhe. Die Akazien bilden in der Regenzeit ein gewürziges, 
die Cordien in der trocknen Periode ein sehmiges Futter. Besonders die 
Az-Scbech züchten sie in grösserem Massstabe. Giftig ist ihnen der Anda 
(Capparidee). In der Regenzeit leiden sie besonders in den Flusstbälem durch 
Insecten. Eine Räude, welche den ganzen Körp^ überzieht, wird mit einem 
Steine bis aufs Blat abgeschabt and darauf das ganze Thier mit Acacientheer 
ein geschmiert. In grossen Beulen nisten sich oft Würmer ein, welche mit 
glühenden Steinen ausgebrannt werden. Gegen Appetitlosigkeit giebt man 
den Blattdecoct der 8nefa ein, zum Abführen dagegen Fleischbrühe. 

Das hiesige Kameel eignet sich ungemein gut zu Bergtransporten , doch 
leidet es sehr, wenn es (besonders in der Regenzeit) über seine Höhengrenze 




Notisen nber Landwirthschaft nnd Viehxnclit in* Abysainien. 337 

Das Abyssinische Pferd ist klein und schmächtig, aber imgemein aus- 
dauernd und genügsam. Der Hals ist dünn, %opf and Schwanz werden schön 
getragen; die Mähne ist voll, oft aber struppig. 

Der Preis sammt einfachem Sattelzeug ist 6—15 Mar. Ther. Thaler. 

Weit mehr geschätzt ist neben dem edlen, aber wenig ausdauerndem 
Dongolaüi das des Barka's, welches ihm gleicht, jedoch meist etwas kräftiger 
gebaut ist. Es ist an urwüchsiger Kraft und Schnelligkeit vielleicht das aus- 
gezeichnetste Pferd überhaupt. 

Barka und Dougolaüi kosten bis 150 Mar. Ther. Thal er. 

Die Galarace ist im Bau der englischen ähnlich; es ist unverhältniss- 
mässig langleibig mit hohen, schlanken Beinen. 

Die Pferde sind ungemein zahm, man treibt sie den Kühen gleich un- 
gefesselt auf die Weide, wo sie sich meist vom kläglichsten Futter nähren 
müssen. Nur die besten erhalten etwas Getreide. Der gewöhnliche Gang 
ist der Trab. Der Abyssinier, welcher das lange Schwert an der Rechten trägt, 
steigt rechts aul Das Gebiss ragt weit in den Rachen hinein und in zwei 
Armen fast spannenlang hinaus, so dass es beim Anziehen der Zügel als 
Hebel sich gegen den Gaumen presst und ihn blutig scheuert. Der einfache 
Zügel ist fingerdick aus Lederstreifen geflochten und liegt eng an dem Hals 
an; er verlängert sich hinten in eine dünne Schleife, in welche man den 
Finger steckt und lenkt. Da man jedoch nach derjenigen Seite zieht, wohin 
man reiten will, so bewegt man factisch den Kopf nach der entgegengesetzten. 
Europäische Lenkart versteht das Thier nicht. Das Kopfzeug ist unserm 
ähnlich, oft mit Silberplatten verziert, das Riemenzeug ebenso. Der Sattel 
besteht aus einem Holzgestell, welches vorn und hinten in eine hohe Lehne 
aasläuft ; er ist mit Leder überzogen und oft mit einer Satteldecke überhangen, 
welche fahnenartig in langen schmalen Zipfeln herabhängt, und mit Leder- 
stickereien, welche Jagdscenen u. s. w. darstellen, verziert ist. Die Bügel 
sind aus Eisen, eine Spanne hoch und so schmal, dass nur der grosse Zeh 
hineinpasst Der abyssinische Noble reitet gewöhnlich das Maulthier und 
nur beim Beginn des Kampfes besteigt ei sein (wie er selbst) vorher mit 
Honigwein angefeuertes Schlachtross. 

Maulthier (aus Pferdes tute und Eselshengst). Baglo amL und in allen 
andern Sprachen. Weit geschätzter als das Pferd ist in Abyssinien das 
Maulthier. Es bildet kaiserliches Geschenk. Die Grossen des Reichs und 
die kirchlichen Würdenträger reiten es, ebenso die Frauen, (mit gespreizten 
Beinen). Die Race ist nicht gross, aber kräftig und ausdauernd, leider, wie 
alle Eunuchen, stets verbissen. Der Kopf wird schön getragen, die Ohren 
find gross und in steter Bewegung. Bei annahenden Gefahren streckt sich 
bald das eine, bald das andere rechts und links recognoscirend aus, ihre 
gewöhnliche Stellung ist leicht nach vorn. Sie finden einen Weg, den sie 
vor Jahren gemacht, selbst in der Nacht leicht wieder. Ihren Herrn jedoch 
lernen sie nie kennen oder anerkennen, keiner wagt hinter sein eignes Maul^ 



338 Notizen über Landwirihtebift und Tiehsueht b Abyfa ih n. 

tbier zu treten. Auf der Reise aiaes man sehr bedacht sein, dem sobald 
es sich anf der Weide ungefesselt sieht, tritt es den Rfickwe^ an. 

Sonderbar ist ihre Zuneif;nng zu Pferden, welche diese aber schlecht er- 
wiedem. Esel berückeichti{^ das Manlthier nie. 

Die häufigste Färbung ist braungran, doch kommen die gescbätzten 
weissen auch nicht selten vor. Ebenso findet man schwarze und graue. Die 
meisten haben dunklere ächult«ni mit UackensUreif und Binden an den Beinen. 
Ihr Geschrei gleicht dem des Esels, ist jedoch plötzlich abgebrochen und 
gellt in ein stoseweises Grunzen über. Die Sättel sind denen der Pferde 
ähnUch gemacht, jedoch meist reichlicher verziert. Am Halse tragen sie die 
„Sylloso", ans Kettchen und Hessingblättchen bestehend und bei jeder Be- 
wegung des Thieres klappernd. 

Das Maulthier ist das vornehmste Lastüder des Hochlandes. Die von 
den Engländern einge^rten Spanischen haben sich nicht bewährt — Der 
Preis schwankt in Abyssinien zwischen 20 — 40 Mar. Tber. Thaler. 

Knofo (in der Bedeutung von Abfall, Ueberrest) nennt man in Abys- 
sinien ein Maulthier von der Grösse eines Esels, welches zuweilen bei der 
Zucht entstehen soll. Ich sah niemals ein solches, von vielen Seiten ver- 
sicherte man mir jedoch, dass es kein Maulesel sei; solche kämen nicht vor, 

EseL Ahia amh. und U. Hare oder Huije Gala, Ekoleti Schoho, Okdle 
Afer, Daher som. 

Der Hausesel ist ziemlich klein, aber kräftig gebaut, ausdauernd nnd 
genügsam. Er tr^ den grossen Kopf stolz und die Ohren hoch. Der Hala 
ist zart, die Brust schmal, die Kruppe abächässig, die Mähne abstehend and 
die Schwanzqnaste lang. Die Färbung ist meist hellgrau, selten braun oder 
schwarz. Vom Mähnenende Qber den Kacken bis zur Schwauzquaste läuft 
ein feiner, schwarzer Streifen, ein feiner &chulter,~treif nnd einige Uinge as 




/ 



Notiien ober, Landwirthschaft und Viehxncht in Abytsinien. 339 

Hund: Eelb arab., Kelib f^., Eelbi^'a., Wuschaamh., KattuAfer, Esisom. 

In dem za besprechenden Gebiete können wir zwei Racen unterscheiden, 
welche in vielen Spielarten bei den verschiedenen Völkern auftreten, die aber 
nur in den entferntesten Dörfern in voller Reinheit erhalten sind. 

1) Windhund: voJh Stamme des Sudanischen; ist von glatter oder 
struppiger Behaarung. Die Ohren sind aufwärts gerichtet mit überhängenden 
Spitzen. Ich traf seine Spielarten in der Samhar, Habab und Bogos, wo 
sie als (sehr bissige) Wächter gehalten werden, seltener zur Jagd auf Anti- 
lopen; die Beni-Amer benutzen ihn zur Rhinoceroshetze. Das Barka- Wind- 
spiel ist kleiner, meist gelblich. 

2) Aegyptisch-arabische Race ist von gedrungenem Körperbau und 
langer Behaarung mit kurzen, steifen Ohren. 

In Belkan (in Kunama) hält man (nach Munzinger) eine ungemein kleine, 
aber fest und derb gebaute Art. 

Ueber die Hunde Abyssiniens besitze ich zu wenig eignes Material, man \ 

ffthrte mir 5—6 verschiedene Racen an. \: 

In Abyssinien benutzt man den Hund als Wächter. Man sperrt ihn zur 
Abrichtung in der ersten Jagend in eine ca. metertiefe, enge Erdgrube, welche 
oben verdeckt und dadurch dunkel ist. In diesem Gefangnisse bleibt der 
Hund bei schmaler Kost 5 — 6 Monate, worauf man ihn befreiet. So ist er 
ein wüthendes Thier, das selbst die Hausleute erst kennen lernen muss, gegen 
den Fremden aber stets bissig bleibt. 

Hauskatze: Dummo td und tia und Afer, damat amh,, Dumat som., 
Gutta arab., bissa Sudan arab. 

Sie gleicht der wilden (maniculata) abyssinischen, ist von derselben 
Färbung, selbst Haarbüschel auf den Ohren finden sich zuweilen. Sie ist 
ebenso klein und mager und hat eine dünne Stimme. 

Sie wird wenig gepflegt und verwildert leicht, da die Ansiedlungen meist 
in der Wildniss liegen. In Amhara geht die Sage, dass einst ein Kaufmann 
von Massua kam, der zum Schutze seiner Waaren eine Katze mitbrachte. 
Dies soll der Ahnherr der abyssinischen gewesen sein. 

In den Küstenstädten und bei den Afer giebt es neben dieser noch eine 
grössere Art, welche durch buschigen Schwanz und sanfte Behaarung an die 
persische erinnert. (Vielleicht ist sie zur Zeit persisciher Ansiedlungen im 
Rothen Meere eingeführt) 

Schweiue werden nicht gehalten, einige Abyssinier, mnhammedanische 
Jäger und Sudansoldaten essen jedoch das Fleisch des Wildschweines. 

Haushuhn: Dörho te und fta, dorko amh. 

Sie sind meist kleiner als unsere Haushühner, legen auch kleinere Eier, 
jedoch sonst nicht unterschieden. Fünfeehige, (durch Verdopplung der hin- 
teren Zehe) sind nicht selten. Sie werden im ganzen Gebiete, nur bei den 
Somali nicht, gehalten. In den Dörfern hängt man zum Schutze gegen 
nächtliche Raubthiere aus leichten Ruthen und Durrhastroh geflochtene bienen- 



310 KotiMa äb«r LandwirtbKhftft und Tiebzacht in AbjBiiiiiaii, 

korbformige Käfige au die Bäome. In den abyssinischen Kircheo kr&hea 
Hähne zum Gebet. Die Abyssinierinnen essen keine Eier. 

Auch das FerlhDhn, Bagagüe te, Segra tia und Frankolinen Qorbü U 
werden zuweilen, jedoch mehr zur Zierde K^halten. Letztere werden aber 
niemals recht zahm. 

Biene: arab. Nub, Ha N'Hebi, t^ N'Höb, som, Chinni. 
Honig: arab. assel, maar amh., tia und ti, m411ab som. 
Wachs: arab. Scheme, tia Simhi ti sch^mat, som. rolango. 
Königin: Scbim tia und amh. 

Wilde Bienen kommen im ganzen Gebiete, die höchsten Berge aus- 
genommen, häufig vor. Zur Honiggewinnung räuchert man den Stock ans. 

In Abyssinien baut man aus Kuhmist, Lehm oder Strohgeflecht Körbe, 
tia Goddo, amh. Duchön. Einen Schwärm langt man dadurch ein, dass man 
die Königin an einen Stab bmdet, ihr folgen dann die andern. Der Honig 
wird in Wasser gelöst getrunken, so z. B. in den Habäbläudero, in Abyssimen 
fast ausschliesslich zum aethiopischen N&tionalgetränk Tetsch benutzt Es 
wird in des Kaisers Palast, wie in der Hütte des Hirten bereitet. Das Re- 
cept der HofkGche ist folgendes: Zu einem Theile Honig setzt man einen 
Theil Gescho oder ein Drittbeil Zaddo oder (so bereitet jedoch mehr aU 
bittere Medizin benutzt) ^ Theil Amara und knetet es in 5 Theilea Wasser. 
Dies läast man, je nach der Wärme, ~2 bis 5 Tage stehen. Scheint keine 
Sonne, so stellt man das irdene GefaHs dicht an daa Kohleufeuer. Nach 
dieser Zeit ist der Honigwein fertig. Auf Flaschen gefüllt, hält er sich 
mehrere Wochen uod wird dann stark moussirend. 

Wachs wird beim Honigwassertrank leicht abgeschöpft, da es schwimmt 
und dann zu Kuchen geknetet Auch siedet man es im Wasser, siebt es 
durch ein Tuch und schöpft das Schwimmende ab. 




Beschreibende Ethnologie Bengalens. 341 

Die Uraus in Tschota Nagpar 600,000 stark 

die Radachmahal Bergvölker 400,000 „ 

die Gondo in Bengalen 50,000 „ 

und die Ehands in Bengalen 50,000 „ 

Ausser diesen könnte man auch die Bhuiyar, welche unter den hindui- 

sirten Aborigines angeführt worden sind und die Eoctsch, beide zusammen 

vier Millionen stark, zu dieser Gruppe zählen. 

1. Abtheilung. Die Uraus. 

Der eigentliche Name dieses Stammes ist Eurunch, doch sind sie in 
andern Theilen Indiens auch als Dhanzaro (Bergvölker) bekannt. Sie haben 
sich über den westlichen Theil Tsch. Nagpurs, im Osten Sirgudschas und 
Dschaspurs, in Singhbum, Gangpur, Bonai, Hagaribagh und Sambohalpur 
verbreitet. 

Migrationen. Ihre Traditionen geben die Westküste Indiens als den 
ursprünglichen Sitz der Race an, und bezeichnen Gudschrat als den Aus- 
gangspunkt ihrer Wanderungen. Andere geben Eonkan als die Wiege des 
Stammes und leiten den Namen Eurunch davon ab. Alle stimmen darin 
überein, dass sie mehrere Generationen hindurch am Rohtas und den an- 
grenzenden Bergen im Patua Distrikt lebten und von dort gen Südost ge- 
drangt wurden. Ein Theil wandte sich nordöstlich und besuchte die Hügel 
Radschmahals, während der andere bis auf das Plateau Nagpurs vordrang 
und sich von hier über die oben erwähnten Provinzen zerstreute. Bei ihrer 
Ankunft in Nagpur fanden sie die Mundaris, welche in einzelnen Colonien 
auch den westlichen Abhang des Hochlands besetzt hatten. Diese erlaubten 
den neuen Ankömmlingen sich neben ihnen niederzulassen. Der Zeitpunkt 
ihrer Ankunft in Nagpur lässt sich nicht genau angeben. Da sie aber nach 
Angabe der Annalen des königl. Hauses der Nagbansis, welche jetzt noch 
den Eönigstitel fuhren, schon bei der Installirung des ersten Fürsten in Nag- 
par zugegen waren, und besagter Monarch anno 104 p. C. geboren ist, so 
lässt sich annehmen, dass sie zu Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeit- 
rechnung ins Land kamen. (?) 

Sprache. Ihre Sprache beweiist ihre Verwandtschaft mit den Tamilen 
und Teluzus, hat aber nicht nur viele Wörter aus dem Sanskrit und später 
aas dem Munda (kolarisch) und Hindi entlehnt, sondern auch den gram- 
matischen Bau derselben nach der letzteren umgebildet. 

Wohnungen. Die Häuser der Uraus zeichnen sich durch soliden Bau 
vor denen der Mundas aus. Die Wände sind aus steiniger Erde aufjgefiihrt 
und mit Stroh oder Gras bedeckt. Die Lage ihrer Wohnungen ist weniger 
glücklich gewählt, die Häuser sind in einander geschoben und verhindern 
allen Luftzugang, was um so schädlichere Folgen für die Gesundheit der 
Dorlbewohner hat, als sie die Gruben, aus denen sie das Baumaterial nehmen, 
nie zufallen, sondern als Reservoirs für allen Schmutz benutzen, welcher, iu 

Zcttochrlft für BüinoloKie, Jabrgaof IbTi. ^\ 



313 BMchrslbende Bthnologje Bn^en. 

Fäulnisa fibergehend, bei Ermangelung ieglichen Luftzuges den ganzen Ort 
verpestet. — Vieh und Meascheo leben meistens in einem Hause, nur durch 
einen Stangenzaun getrennt. Die Schweine aber, welche des Tages -Aber in 
zahlloser Menge im Dorf umherlaufen, werden des Nachts in separate Be- 
hälter gesperrt. — 

Burechenhaus. Das beste Haus des Dorfes ist gewöhnlich das Dschom- 
herpa — Burschenhnus — auch Dhumkuria genannt, welches von den Bur- 
scheo des Ortes mit grosser Mfihe und oft nicht geringen Eoaten errichtet 
und als allgemeines Schlafbaus benutzt wird.') Auch die unverheiratheten 
Mädchen schlafen nicht im Hause ihrer Eltern, sie werden bei den Wittwen 
des Dorfes iur die Nacht untergebracht oder sie haben ähnliche Häuser wie 
die Burschen, in denen sie zusammen unter Aufsicht einer alten Dnenna 
schlafen. Dol. Dalton fand in Jii^udscha ein Dscbomherpa, in dem beide 
Geschlechter zusammen schliefen. 

Akhra. Unmittelbar vor dem Dschomherps ist die Athra, der Tane- 
platz, ein erhöhter runder Platz mit einer Steins&ule in der Mitte und Stein- 
sitzen an den Seiten für ermüdete Tänzer. Dafl Tanzen fängt hier in Fest- 
zeiten bald nach Sonnenuntergang an und dauert, wenn es mondscheinhelle 
Nächte sind und der Vorrath von aelbstgebrsutem Reisbier aushält, bis zum 
nächsten Morgen. 

Aenssere Erscheinung. Die Uraus sind keine schöne Race, breite 
Nasen, dicke Lippen, berrorstehende Zähne sind ihre HanptkeunzeicfacD, 
trotzdem ist ihr Anblick nicht unangenehm, Sie haben stets ein Lächeln 
auf den Lippen, sind leichtherzig und gntmSthig und verstehen es, sich das 
Leben erträglich zu machen. Sie sind leicht gebaut, behende ia ihren Be- 
wegungen, trotzdem aber ausdauernd und daher gern gesuchte Arbeiter. Sie 
zeigen in dem Arrangement ihrer Schmucksachen nicht geringen Geschmack. 




Beschreibende BthtioTog;!« BeTi(i[tilet]^. 348 

ungewaschon , ungekämmt, mit einem Lumpen behangen gehen sie an ihre 
Arbeit. 

Ihre Farbe ist ins Dunkelschwärzliche gehend, es giebt aber ausserordent- 
ich viele Schattirungen unter ihnen. Sie besitzen die Eigenthümlichkeit, sich 
in ihrer Farbe ihrer Umgebung zu assimiliren In Urandörfern, welche von einer 
grösseren Anzahl Hindus bewohnt werden, findet man stets hellere Gesichter 
als in solchen, wo Mundas und Uraus wohnen. Es ist eine schon oft beob- 
achtete Thatsacho, dass besonders Urau-Mädchen, wenn sie in europäischen 
Häusern leben, ganz ausblassenJ) 

Nahrung. Fleisch, besonders junge Feldmäuse und Schweinefleisch 
Reis, Hülsenfruchte und Feld- und Waldkräuter bilden ihre Nahrung. Ihr 
Nationalgeträuk ist Keisbier, welches in jedem Hause gebraut und in enormen 
Quantitäten genossen wird Der Trunk ist das Nationallaster der Uraus. 
Hanf rauchen und Opium essen ist ihnen unbekannt. Tabak wird geraucht 
und gekaut. — 

Gebräuche. Die Uraufrauen gebären ausserordentlich leicht und sind 
kurze Zeit nach der Geburt des Kindes im Stande ihren häuslichen Pflichten 
nachzugehen. Während der Geburt und 15 Tage nachher muss sich die 
Mutter vor dem bösen Geist Jschordewan hüten, welcher in Gestalt einer 
Katze in's Haus schleicht, und den Mutterleib zu beschädigen sucht. Der 
Mann muss daher wachen und während der angegebenen Zeit ein Feuer 
unterhalten. Die Frau darf nur Reissbrei gemessen. Ist alle Gefahr vorbei, 
80 erhält das Kind seinen Namen, welcher von etlichen alten Damen gewählt 
wird. Sie setzen sich um ein mit Wasser gefülltes Gefäss und sprechen, 
während sie dann ein Reiskorn hineinwerfen, den Namen aus. Sinkt es, so 
ist der Name gut, wenn nicht, so wird ein anderer gewählt. Bis zum 6. 
oder 7. Jahre tragen din Kinder den Kopf geschoren, später lassen sie das 
Haar wachsen, bis sie mannbar werden, dann wird es in einem Knoten am 
Hinterkopf aufgebunden. Von (iieser Zeit an darf das Mädchen nur die von 
ihren Hausgenossen bereiteten Speisen essen. 

Ehe. Wie unter den Mundas, verheirathcn die Uraus ihre Kinder erst, 
wenn sie reifereu Alters sind. Die Eltern des heirathslustigen Uraujünglings 
suchen die Braut aus, die Wahl ist aber gewöhnlich schon vorher von dem 
Barschen selbst getroffen, und die Brautwahl seitens der Eltern geschieht 
nur defit Anstands halber. Der Preis des Mädchens variirt von 4 — 20 Rupies. 
Omen werden sorgfaltig beobachtet, ist Alles günstig und der bestimmte Tag 
da, 80 ziehen die Freunde des Bräutigams mit allerhand VVaflen versehen 
nach dem Brauthause, aus dem die Gefährten der Braut bewaffiiet ihnen 
entgegenstürzen, um sie zurückzutreiben, ein Kampt entspinnt sich, der sich 
aber nach wenigen Minuten in einen allgemeinen Tanz auflöst, welchen die 



*) Eine unserer Dienerinnen, ein Uran-Mädchen, von braunschwarzer Farbe, war nach un- 
gtflkhr lecbswüchentlichem Aufenthalt in onserm Hause citroneugelb geworden. Oscar Flex, 



341 Besfhnibeade Eltmologie Bangal«ns. 

Brautleute, aot den Hüften ihrer nüchsteu Freunde reitend, mit durchmacheiL 
Die beiden Züge bewegen sich vereinigt nach dem Dorfe und vereammeln 
sich vor einer Laube, welche im Hofe vor dem Brauthause errichtet ist. In 
derselben liegt ein Grewürzreibstein, ein Bund Reisstroh und Pflugjoch. Das 
Brautpaar stellt eich darauf and verrichtet die Ceremonie, das Sindurdan, die 
AuBsenstehenden dürfen das aber nicht sehen, die Crruppe wird daher durch 
Tücher verdeckt und martialisch dreinschauende Ehrenw&chter umgeben sie, 
ihre Waffen schwingend, von allen Seiten. Ein Schuss bezeichnet das Ende 
des feierlichen Akts. 

Blumen. Es ist schoa oben erwähnt worden, daes die Draus eine be- 
sondere Vorliebe für Blumen haben, dieselben spielen bei Abachliessung von 
Freondschafte- und Ehebündnissen eine grosse Rolle. Wenn zwei Mädchen 
sich lieb haben, so sagt die eine zur andern: nam qui jurabaot = lass ans 
Freundschaft schliessen. Hierauf pflücken sie Blumen und stecken sie sich 
gegenseitig ins Haar, sie tauschen ihre Schmacluachen aus und umarmen 
sich. Die Gefährtinnen, welche Zeugen des Bundes sind, werden auf ge- 
meinschaftliche Kosten mit einem kleinen Festmahl bewirthet. Fortan dürfen 
sich beide nie mit ihrem Namen sondern nur mit meine Blume — enghai gui, 
anreden. Wenn ein Bursche ein Mädchen lieb hat, so giebt er seinen Ge- 
fühlen dadurch Ausdruck, dass er beim Tanz dem Gegenstand seiner Ver- 
ehrung eine Blume ins Haar steckt Erwiedert das Mädchen das Compliment, 
so iHt das ein Zeichen, dass sie lemeren Aufmerksamkeiten seinerseits ent* 
gegen sieht. Ein geröstetes Mäuschen ist gewöhnüch die nächste Gabe, des&ea 
Annahme schon gleichbedeutend mit Verlobung ist. — 

Keligion. Gottheiten. Die Urans, welche unter den Mundas leben, 
opfern den Göttern derselben, im westlichen Theil des Tech. Nagpurplateaoa 
aber, wo nur wenige Mundas sind, verehren sie Darha, die Gottheit des 




Besehreibende Ethnolog:ie Beniiralens. 345 

Za bemerken ist noch, dass die verschiedenen Stammabtheilongen der 
Uraa das Fleisch der Thiere, nach denen sie benannt sind, nicht essen 
dürfen; z. B. die Tirkis (junge Maos) dürfen das Fleisch der Mäuse nicht 
eeaen, den Ekkas (Schildkröte) ist der Genuss dieses Thieres verboten, die 
Rispotas (Schweinsmagen) dürfen den durch ihren Namen bezeichneten Theil 
des Schweines nicht geniessen, die Lakras müssen sich des Tigerfleisches 
enthalten a. s. w. Auch die nach Bäumen genannten Familien haben gleiche 
Einschränkungen: die Kajras (Kokuspalme) dürfen das Oel dieses Baumes 
nicht geniessen, noch unter seinem Schatten sitzen, die Barars dürfen die 
Blätter des Barbaums, welche als Essgefasse benutzt werden, nicht beim 
ESssen gebrauchen. — 

Tänze und Feste. Die Uraus sind perfekte Tänzer, sie fuhren die 
▼erwickelten Figuren ihrer Tänze mit ausserordentlicher Genauigkeit im 
strengsten Tempo aus. Sie haben Nationaltanzversammlungen, Dschatras 
genannt, bei denen sich oft bis 5000 Tanzlustige einfinden Diese Tanzfeste 
werden einmal des Jahres an vorher bestimmten Tagen in den Hauptdorf- 
schaften, gewöhnlich in der Nähe alter Niederlassungen, wo grosse Haine 
sind, abgehalten. Die Dörfler ziehen unter Musikbegleitung dem Festplatz zu. 
Yoran die Trommler und Hornbläser, hinter ihnen die Burschen mit Schwert 
und Schild, darauf die Fahnenträger des Dorfes, begleitet von Jungens, welche 
Kahschwänze oder buntgeschmückte Stangen und Schirme tragen. Einer 
stellt den König dar, indem er auf einem hölzernen Pferde, welches von 
seinen Kameraden getragen wird, reitet, andere vermummen sich als wilde 
Thiere. Auf ^em Tanzplatz angekommen, vereinigen sie sich mit den schon 
Anwesenden zu einem gewaltigen Tänzerkreise, die Instrumente werden bei 
Seite gelegt und der Takt wird viva voce angegeben, was bei einer Ver- 
sammlnng von Tausenden einen grandiosen Effekt macht. ^) — 

Ich gebe hier einige der bei diesen Dscliatras gern gesungenen Lieder: 

1. «. 

Nvndim Khore dimboboha Kesoe betschoe bejoli 

pello menyan hilo dolo mani tiimpa tokha namboc kala 

pairi hin dimbo boha pairi bin bejoli 

dello menyan hilo dolo mani tumpa tokua namboe kala — 

Kne Knospe der Dimboboha Blume Spiele, Staub wurfend, oh Mädchen 

wiegt dch auf dem Haapt des Mädchens Oeh' nicht um die Tumpa Blume zu brechen. 

F^ahmorgens schon wiegt sich die Dimboboha Geh nicht die Tumpa Blume zu brechen 

«af dem Haupt des Mädchens. beim Anbruch des Tages. 

3. 

Patschhi re gola mando 

Gondori bian tiricha lagi 

hai Dharme nenaz nanon 

Gondori bian tiricha lagi. 

Geh* weg du rother Ochse I 

er zerbricht das Ei des Gondori, 

Gott, was soll ich thun 

Br zerbricht das Ei des Vogels Gondoril 



346 Beschraibende Etboplofpe Rengaleiu. 

Die B»iner stammen nocb aus der alteo Parbazeit her, sie sind (;ewöhn- 
lich dreieckig und rotli oder roth und weiss gestreift. 

Die Feste sind die bei den Mundas erwähnten, von besonderer Wich- 
tigkeit ist aber das Kann, welches zur Zeit des Reispflanzeus gefeiert wird. 
Am ersten Festtage wird bis zum Abend ge&stet. Noch Sonnenontei^anK 
begiebt sich eine Anzahl Burscheu und Mädchen in den Dächsten Wald, 
um einen kleinen Karmbaum, oder einen Zweig des Baumes (Naucica parvi- 
folia) zu holen. Der Karm wird auf dem Tanz platz (Akhra) aufgepflanzt 
und nachdem dem Earm-Deota vom Paban ein Opfer gebracht ist, fängt der 
FestschmauB an. Am andern Morgen theüen die Töchter der Aeltesten 
Gerstenhalme , welche sie in Töpfen gezogen haben, als Festzeichen an die 
Anwesenden aus und das Jungvolk umtanzt den mit Bändern und Blumen 
geschmückten Baum. Am dritten Tag wird der Earm in das nächste Wasser 
geworfen. Tanzen, Singen und Trinken aber fortgesetzt bis zum Abend. Die 
Idee, welche diesem Feste zu Grunde liegt, ist die Verehrung des Kann, 
eines heiligen Baumes, welcher den Uraus schon in Konkau bekannt war, 
und welcher seinen Verehrern die Fülle irdischer Güter, hier also eine gute 
Reisernt«, spendet. Das Earmfest ist auch vou den Hindus angenommen 
worden. — 

BegräbnisBCeremonien. Die Leiche wird auf eine Bettstelle — tschar- 
pai — gelegt, sorglich gewaschen, mit nenem Zeü^; bedeckt und unter Be- 
gleitung der Leidtragenden zum Verbrennungsplatz getragen. Auf dem 
Scheiterhaufen liegend, wird sie mit Oel gesalbt und nachdem der nächste 
Verwandte Reis geopfert, steckt er den Holzstoss an. Asche und Knochen 
werden in einem irdenen Geföss vor dem Hause des Versti>rbenen aufgehangen. 
Li der kalten Zeit, December oder Januar, werden die Uebeneste dem letzten 
Ruheplatz übergeben, d. h. die Urne wird in ein Grab gestellt und mit einem 




Beschreibende Ethnologie Bengaleue. • 347 

keineswegs der Fall ist. Die Hügel bilden eine isolirte Gruppe, welche 
geologisch nichts mit dem Vindhya gemein haben. ^) 

Im Jahre 1^32 wurde von der brit. Regierung um diese Hügel ein 
Cordon gezogen, um das von demselben umfasste Land fiir die Paharias gegen 
die Angriffe der Grundbesitzer in den Ebenen zu schützen. Dieser, unter 
dem Namen Daman-i-Eoh bekannte Landblock wird von den Malers oder 
wie sie sich gern nennen, asal Paharias (« echte Bergleute) bewohnt. Ausser- 
halb dieses Kreises leben Santals, welche sich hier neuerdings angesiedelt 
haben, von den Paharias aber mit misstrauischen Augen bewacht werden, 
damit sie die Grenze des Daman nicht überschreiten. — - Die Bevölkerung 
des letzteren betragt 400,000 Seelen. 

Die Malers behaupten, in verschiedene Stämme getheilt zu sein, nähere 
Untersachungen haben aber gezeigt, duss die einzelnen Abtheilungen mehr 
als so viele Sekten als unterschiedliche Stamme anzusehen sind, welche durch 
hindaisirende Einflüsse entstanden und sich durch besondere Ansichten über 
die Speisenbereitung und Nahrungsgegenstande überhaupt kennzeichnen. — 

Die Asal Paharias haben keinerlei Satzungen in Beziehung auf Nahrung 
angeDommen. 

Die Malers oder Malas werden schon in den Purans genannt, und nach 
der Angabe im Yishnu Puran scheinen die Einwohner von Malwa, einer 
nördlich vom Yindhya zwischen Bandelkhand und Gudschrat gelegenen Pro- 
Tisz die Prototypen der Radschmahal Paliarias gewesen zu sein. Malwa ist 
jetzt der Hauptsitz der Bhils, und wenn Malas und Bhils identisch sind, so 
sind die Paharias mit den Bhils verwandt. 

Traditionen. Nachrichten über ihre frühere Geschichte sind ihnen 
verloren gegangen, sie meinen, das Menschengeschlecht sei auf ihren Bergen 
entstanden und erzählen folgende Geschichte von der Entstehung der Racen: 

Sieben Brüder wurden vom Himmel auf die Erde gesandt, um sie zu 
bevölkern Der Aelteste wurde krank, während die übrigen ein grosses Mahl 
herrichteten, von welchem jeder seine Lieblingsspeise wählen und dahin gehen 
sollte, wo er sich niederzulassen beabsichtigte. Einer nahm Ziegenfleisch 
und ging nach einem lernen Lande — er wurde der Vater der Hindus, ein 
anderer nahm von allen Fleischspeisen mit Ausnahme des Schweinefleisches, 
und von ihm stammen die Muhamedaner, von einem dritten kommen die 
Kharwars, ein vierter zeugte die Kiratis und der fünfte wurde der Stammvater 
der Kawdirs.^) Der sechste nahm Essen von allen Arten und verschwand. 



') The Vindhyan being composed of qoartzite sandstone, limestone, and skales of ^eat agee 
•ad tiie Riymahal Hills of overflowing basaltic trap of comparatively receut a^e, which rests 
apon coal measures and metamorphic rocks. l>aU. Etnol. pp. 263. 

*) Verwandt mit dem Wort Kol, d wird im Hindi oft filr r und für diesen Rucbstaben oft 
1 fiibstitiiirt. Die Grundbedeutung des Wortes ist Grabende. (Roma — graben: Kodi oder 
KodaK - Hacke), also Eoda - Kora — Kola - Kol. Die gössen Teiche^ welche man jetzt 
m Gays-Distrikt findet, sind der öage nach yon den Kols (Kolhs) ausgegraben worden. 



348 ' Btschieibende Ethnologie Bengalens. 

man hdrte nichts mehr tod ibm, bie die Engländer ins Land kamen, man 
nahm sogleich an, daes sie die Nachkommen des verscbwiindenen Bruders 
seien. Der kranke Bruder hiess Malair, ihm gab man die Ueberreste des 
Mahls in ein Gefäse zusammengeworfen, so wurde er ein Paria und blieb in 
den Bergen, wo er und seine Nachkommen sieb durch Diebstahl n&hrten, 
bie die Europäer sie eines Bessern belehrten. — 

Diese Sage ist insofern von Werth, als sie die Vdlker angiebt, mit denen 
die Malers nach und nach in Berührung gekommen. Daes sie selbst ein 
Theil der Uraurace sind, welche vom Westen Indiens hier einwanderten und 
nach ihrer Verbreitung vom Rohtas durch die Arier sich von ihren Brfidera 
trennend die Radschmahal Berge besetzten, haben wir schon bei den Uraus 
erwähnt. — Wie die Sage schon andeutet, lebten sie vom Raub und waren 
daher der Schrecken der ganzen Umgegend. Die Landbesitzer am Fuese 
ihrer Berge unterstützten sie in ihren Raubzügen, indem sie ihnen gegen 
Abgabe des Haupttbeila der Beute freien Durchzug gewährten. Die brit. 
Regierung hielt sie durch ein In&ntene- Corps in Ordnung und die Offiziere 
dieser Besatzung waren die ersten Europäer, welche die Paharias zu refor- 
miren suchten. 

Metempsychosis, Ethik der Paharias. Sie glauben an Seelen- 
wanderung. Die folgenden Lehren wurden ihren Stammältern von Gott selbst 
offenbart: 

„Wer Gottes Gesetze hält, wird in allen Dingen recht handeln, er wird 
Keinem schaden, Niemanden beleidigen, schlagen oder tödten, ebensowenig 
wird er stehlen, rauben, Nahrung und Kleidung verschweoden oder eich zanken, 
er wird aber Gott preisen Morgens und Abends, und auch die Frauen 
müssen dies thun. Wenn ein gnt«r Mensch auf diese Weise so lange 
hier gelebt bat, ^ie es Gott geeilt, dann sendet Gott nach ihm und sagt zu 




Beschreibende Ethnologie Beniif&lens. 349 

EIrde und Himmel schweben, denn in den letzteren wird sie nicht aof- 
f^enommen. 

Götter. Gott ist Bedo, sein Titel Gosain (von dem Sanskrit Goswami). 
Aach Nad wird gebrancht. Doch hat dies Wort die Nebenbedeutung des 
Satanischen. 

Niedere Gottheiten sind: 

1. Razie. Wenn ein Tiger ein Dorf beunruhigt oder eine Epidemie 
aasgebrochen ist, so muss Razie gesucht werden.^) Mit Hilfe des Priesters 
oder Beschwörers wird ein schwarzer Stein gefunden, welcher den Gott dar- 
stellt; der Stein erhält seinen Platz unter einem grossen Baum und wird mit 
Sidsch Sträuchem (Euphorbia) eingehegt. 

2. Tschai oder Tschalnad wird bei einem Unglücksfall auch in einem 
schwarzen Stein gefunden und unter einem Makmam Baum aufgestellt. 

3. Pau Gosain ist der Gott der Landstrassen und wird von allen Per- 
sonen angerufen, welche auf Reisen gehen. Sein Altar steht unter einem Bei- 
Baum, (Aegle marmelos) und das Opfer besteht aus einem Hahn; die Wir- 
kung des einen Opfers genügt für viele Reisen, erst wenn dem Geber ein 
Unglück zustösst, widmet er dem Gott einen zweiten Hahn. — 

4. Dwara Gosain (Dara oder Darha der Uraus) ist die Schutzgottheit 
des Dorfes. Ist sie zu versöhnen, so fegt der Hausvater einen Platz vor dem 
Hause und pflanzt einen Zweig des Makmam-Baums auf denselben. Dieser 
Baum scheint bei diesem Volk dieselbe Stelle einzunehmen, wie der Rarm 
bei den Uraus. Neben den Zweig wird ein Ei gelegt und dann ein Schwein 
geschlachtet, welches die Freunde der Familie verzehren helfen. Nach 
Beendigung der Mahlzeit wird das Ei zerbrocKen und der Zweig auf das 
Hans des Leidenden gelegt. — 

5. Kul Gosain, die Ceres dieses Bergvolkes, wird jährlich einmal zur 
Saatzeit mit einem Ziegen-, Schwein- oder Hühner-Opfer bedacht. Das Familien- 
oberhaupt bringt die Gabe unter einem Baume dar, neben welchen ein Mak- 
mamzweig gesteckt ist. Der Dorfpriester assistirt und trinkt etwas von dem 
Opferblut, ein Vorderviertel des geschlachteten Th leres fallt ihm zu. 

6. Der Jagdgott ist Autga. Nach einer ergiebigen Jagdexpedition erhält 
er ein Dankopfer. Die Malers sind grosse Jäger und haben ihre strikten 
Gesetze. \\ enn ein angeschossenes Wild 8ich verliert und der Jäger sucht 
Hülfe es zu suchen, so sind die ihm Beistehenden berechtigt, die Hälfte des 
Thieres zu verlangen. Wenn einer verwundetes oder todtes Wild zufallig 
findet und es sich aneignet, so verfallt er schweren Strafen. Der Mandschhi, 
das Oberhaupt des Dorfes, darf die Hälfte des erlegten Wildes beanspruchen. 
Tödtung eines Jagdhundes wird mit 12 Rupies Strafe geahndet Gewisse 



Auch bei andern Aborigines findet sich der Usus, die Oöfter durch rohe Steine, welche 
unter B&umen aufjfi^stellt sind, zu repräsentiren , und da wir dasselbe bei den Hindus in Be- 
liehung^auf die Verehmng des Linf^ finden, so Wef^t die Vermuthung nahe, dass die Hindus 
dfese Art der Götterdarstellong; Ton den Ureinwohnern adoptirten. 



350 



Klaino Mi ^ h '^'H iTg'*" 



Thflile des Wildes dürfen von Frauen nicht genossen werden, gesobieJit es 
doch, 80 ist Äntga bdee nnd das Wild wird rar. Die Tom Angnr anfgefiuidene 
Schuldige mass dann ein bedentendes VersÖhnangBopfer bringen. Die Haler« 
gebraachen vergiftete Pfeile und schneiden das Fleisch um die Wände de« 
erlegten Tbieres heraas, weil es ungeniessbar ist. Katzen stehen unter dam 
Schutz der Jagdgesetze nnd wer eines dieser Tbiere tödtet, musa ala Strafe 
jedem Einde im Dorf eine kleine Quantität Salz geben. — 

7. Gumu Gosain wird durch Fa8t«n verehrt, wer ihn sieb geneigt loacheii 
will, darf Nichte im eigenen Hause Bereitetes essen, darf auch vom Opfer- 
fleisch Nichts geniessen. 

8. Tecbamda Gosain ist ein hoher Gott, nur reiche Leute k&nnen ihm 
opfern. Der Augur musa bestimmen, was zum jedesmaligen Opfer nöthig ist, 
und der Opfernde musa sich seinen Anordnungen durchweg fügen. Manchmal 
kostet's bis 12 Schweine und ebensoviele Ziegen nebst den entsprechenden 
Quantitäten Oel und Reis. Der Gott selbst besteht aus drei Bambusstaagen, 
an welchen lange Streifen Rinde, welche un den Enden roth nnd schwarz 
gel&rbt sind, als Fahnen befestigt werden, an der ersten 90, an der zweiten 
60 and an der dritten 20, ausserdem sind sie mit Pfauenfedern geschmückt. 
Diese Stangen werden als der Gott vor dem Hanse des Opfernden aufgestellt 
und Tschamda Gosain erhält nun die Opfergaben. Nach Beendigung des 
Festessens belustigen sich die G&ate mit Tanz und Spiel, aber drei von ihnen 
stützen abwechselnd die drei Stangen. Am Morgen werden im Hause und 
auf dem Felde des Opfernden besondere Sacrificien veranstaltet, um Segen 
auf das zn erflehen, was in beiden erzeugt wird, nämlich Nachkommen und 
Ernten. Wo die Altare standen, werden mit Blut besprengte Makmamzweige 
anfgsstellt und endlich die Bambusstangea innerhalb des Hauses am Dach 
aufgehangen, zum Beweise, dass der Besitztr die von ihm verlangten Op&r 




Kleine Mittheilungen. 351 

ans heute vorliegende nach der Uebcrzeugung des Ref. nicht das leistet, 
was man mit Recht von derlelben hätte erwarten dürfen. Der Yerf. hat sich 
die Aufgabe gestellt, das Kreuzbein nach seinen geschlechtlichen und Rassen- 
Verschiedenheiten möglichst eingehend zu studiren ; dazu stand ihm das reiche 
Material der Pariser Museen (über 200 Kreuzbeine) zur Verfugung. Nach 
einer kurzen Schilderung der bekannten anatomischen Verhältnisse, wendet 
flieh der Verf. der Frage zu, wieviel Wirbel gehen in die Bildung des Sacrums 
auf? and findet folgende Zahlen: unter 146 Kreuzbeinen von Erwachsenen 
waren 85 mit fünf Wirbeln , 45 mit sechs vollständigen Wirbeln und 8 mit 
fünf vollständigen und einem sog. Uebergangswirbel ; bei den übrigen 8 war 
die Zahl der Wirbel nicht zu bestimmen. Es folgt darauf eine längere sorg- 
fiUtige Auseinandersetzung über Uebergangswirbel. Unter 79 männlichen 
Sacra bestanden 37, d. h. nahezu die Hälfte, aus 6 Wirbeln, unter 53 weib- 
lichen dagegen nur 13, d. h. ein Viertel. An diese mehr einleitenden Be- 
trachtungen schliesst sich die Untersuchung der Rassen -Verschiedenheiten. 
Verf. nimmt eine Anzahl von Längen- und Breitenmaassen, berechnet aus 
diesen für die einzelnen Völker, mit Auseinanderhaltung der Geschlechter, 
die Mittelzahlen — daneben giebt er auch die Maxima und Minima an, da- 
gegen vermissen wir eine Tabelle mit den Einzelmaassen — und vergleicht 
dann die so gewonnenen Zahlen mit einander, z. B. die Breite an der Basis 
mit der Höhe. Statt hier jedoch nach der. aus der Craniometrie geläufigen 
Methode der Indices zu verfahren, statt also die einzelnen Werthe auf ein- 
ander zu reduciren, werden nur absolute Differenzen berechnet und aus diesen 
die Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtem einer Rasse wie zwischen 
den verschiedenen Rassen zu ermitteln gesucht. Ein Beispiel möge dies 
erlaatem : 

Unterschied zwischen der Breite an der Basis und der Breite 
am obern Beckeneingang: — Beim Manne beträgt der mittlere Unter- 
schied + '^'65, der geringste + 3, der grösste + 19- 

Bei der Frau beträgt der mittlere Unterschied + 3*53, der geringste 
00, der grösste + 9- 

Schlussfolgerung: — Ueberall, wo bei einem Kreuzbein (mit fünf 
Wirbeln) die Breite au der Basis weniger als 3 Millimeter kleiner ist als 
die Breite am obern Becken eingang, kann man schüessen, dass das Sacrum 
einer Frau angehört hat. Umgekehrt kann man immer schliessen, dass man 
es mit einem männlichen' Sacrum zu thun hat, wenn die Differenz mehr als 
9 Millimeter beträgt." (S. 20). 

Wegen der einzelnen Zahlen müssen wir auf das Original verweisen. 
EMe Angaben beziehen sich ausser 78 europäischen Kreuzbeinen auf ein ara- 
bisches, 10 ägyptische, 8 amerikanische, 2 chinesische, 2 türkische, 2 poly- 
neeische, 2 lappländische, 2 tschudische, 17 melanesische , 3 australische, 
4 ostafrikanische und 13 westafrikanische Neger , 2 Buschmann- und 2 Mu- 
latten-Sacra. 



352 



El«ine KHthdhmi^- 



Zam Schlnae faest BacarisBe seine Ergebnisse in folgenden Worten zn- 
sammen: 

1. „Bei allen Rassen, einige NegerrasseD ansgeBommen, sind alle Di- 
mensionen des Ereazbeins, mit Äasnahme einer einzigen, dnrchgfingig beim 
Manne grösser als beim Weibe. Diejenige, welche die Ansnahme macbt, ist 
die Breite am obem Beckeneingang, die bei der Frau immer grOsBer ist ais 
beim Manne. 

2. Der Unterschied zwischen der Breite an der Baais des Sacrams and 
der Höhe ist bei der Fraa grösser als beim Manne. Das Umgekehrte gilt 
von dem Unterschied zwischen der Breite an der Basis nnd der Breite an 
oberen Beckeneingang. 

3. Die hintere Breite (Entfernong der Spitzen der Querfortsätze des ersten 
Sacral wirbeis) ist beim Manne im AUgemeinea grösser als die untere Breite 
(Entfernung der tiefsten Punkte der facies aaricularis des Sacrums). Umge- 
kehrt ist es beim Weibe. Ferner sind die Querforts&tee des ersten Sacnl- 
wirbels beim Weibe einander mehr genähert als beim Manne. 

4. Was die Äatoreo auch darüber gesagt haben mögen, im Allgemeinen 
ist bei allen Rassen das männliche Kreuzbein stärker gekrQmmt als das «eibliche. 

5. Im Allgemeinen erreicht die Breite an der Basis ihr Maximum hä 
den weii^sen Rasseo, besonders bei den Europäern; dann folgen die gelben 
Rassen nnd endlich die schwarzen. 

6. In der Höhe besteht grosse Mannichfaltigkeit. Die afrikanischen 
Neger erreichen die grösste Höhe unter den Kreuzbeinen mit sechs Wirbeln, 
die Europäer anter solchen mit ftlnf. 

7. Der Unterschied zwischen der Brette an der Basis und der Höhe 
(ich rede hier nnr von Kreuzbeinen mit fÖnf Wirbeln) ist bei den weissen 
Rassen sehr gross, geringer bei den gelben, noch geringer nnd sehr gering 




Miscellen and Büchenchao. 358 



Miscellen nnd Bttcherschan. 

▼. A. B. 

Oesterley: Romulus, die Paraphrasen des Phädrus und die aesopiache 
Fftbel im Mittelalter. Berlin 1870. 

Panllel mit der, durch mindestens fünf Jahrhunderte hindurchgehenden, Entwicklung der 
im tDgero Sinne als du Weric des Romulus su bezeichnenden Sammlung, (der Paraphrasen 
dM Pbldrus) bat noch eine bei weitem reichere und mannigfaltigere Ausgestaltung dieses 
Oiondwerks statt gefunden, eine Aui[»gei<taltung, die den Romulus gradezu als den Vater der 
A«aopischen Fabel im Mittelalter erscheinen lässt. 

Hettinger: Die kirchliche Vollgewalt des apostolischen Stuhl's. Frei- 
borg i. B. 1873. 

Sehen wir auf den letzten Grund der Unfehlbarkeit, so kann dieser überhaupt kein anderer 
■•iii» ala die Thätigkeit des heiligen Geistes, betrachten wir die Wirkung derselben, so ist 
dieae dar Ausschluss jedweden Irrthums bei dem, dem die Unfehlbarkeit aul einem bestimmten 
Gebiate »kommt. Unter diesem doppelten Gesichtspunct fällt die Unfehlbarkeit des kirchlichen 
Lthraaitet mit jener, welche die Inspiration verleiht, zusammen. 



Lubbock: Die vorgeschichtliche Zeit (abersetzt von Passow), Bd. 5, 
Jena 1874. 

Im Anachluss an die prähistorischen Funde werden die ethnologischen Verhältnisse be-. 
apiochen , nm aus den Zustanden der jetziji^en Wilden die correspondireuden Daten in der 
▼•rgaogenen Zeitläuften zu finden. Auf den ersten Band dieses genugsam bekannten und in der 
j«tiigan Ueberaetanng dnrch Prof. Virchow eingeleiteten Werkes ist bereits aufmerksam gemacht. 



Dofour: La dance macabre des S. S. Innocentö de Paris. Paris 1874. 

io der .Journal d'nn Bourgeois de Paris sous Charles VII.* betiteilen Chruuik heisst es: 
.L*an 1425 fut faicte la Dance macabre k Saint- Innoccnt, et fut commenc^e le moys 

d*ioost et acheTee au carcme ensui^ant* ; machabe, qui signifie „la chair quitte les os*, (dans 

llielnaD) a son deriy^ en arabe, maqbarah, maqbourah et maqhaber. 

Jabainville: La declinaison latine. Paria 18 < 2. 

La cause qui a moti^e la cr^ation de la plupart des formes de la declinaison latine a 
ceaa^ d'ezister des le commencement de la p^riode mero^ingienne, car la seule rabon d'etre 
«Tun Organe, c'est la fonction k laquelle il est destine, cepeudant les furmei» grammaticales 
iBDtiiaa aobsiaterent pendant les trob siecles que dura la periode merovingieune. Ge lut 
••altment pendant la periode carluvingienne que la simplificatiou det» formes mit le material 
grammatical en harmonie avec la simplification des idees. Alors le irao^ais naquit. 

Moos: Beiträge zur normalen und pathologischen Anatomie und Physio- 
logie der Eustachischen Rohre. Wiesbaden 1874. 

Dar moBcolus leyator veli palati ist wesentlich für ein Vereugerer der Tuba zu halten. 

Labrosse: Lidicateur des routes maritimes de Tocean pacüique, des mers 
de Chine et de TAustralie etc. Paris 1874. 

l>er Aequatorial- Strom des Pacific wurde durch Duperreys Arbeiten festgestellt (§. 27), 
!• cootre-courant equatorial est un courant fort peu regulier, portant Ters TKst (§. 26). 



354 Hljcellen nnd Bncbaneban. 

Möhbaor: Q-eschichte und BereituDg der Wachs-Lichte bei kirchlichen 
Fnnctionen. Augsburg 1874. 

Die Oratio >d taminarfft beoediceada beiog sieh nicht *nf WtrbaIceneD («i* bei der 
Weibe *m Feata Hariae Lichtmess), sondern auf ein neoes Liebt mittelst eines FenerateiDi 
berTOi gebracht, an dem miD, nachdem es geveiht war, die Keiien iDiüadet«, eia Terfihren, 
dt« Docb iD den 'leiten des big. Bernhard vorkam (S. 151). Wofür sie gnt Bind, ad effngindos 
daemones, contra fulgaia, ad ssnitalfm u. s. «., sagt Barnffaldus. Während der Weihe der Otter- 
kenen (lom Diakon mittelst eines «iebserneD TriangeU oder tog. Arnndo angecCndet) .werden 
ancb die Lampen wieder neu angeinndet* [in der Fener-ErDeanng]. Die Kenen sollen von 
gatem reinem Brennwachs sein, weil diesea an don ngntea WobTgmnch GbiistI* erinneit 
(9. 19S) nnd gegen die Verfilschaog mit Paraffin erlless daa Sochwördige Ordinariat in Angl* 
barg eine Verfügung (1863). Aach ist vor dem schlechten Wachs der Seelnonnen m warnui. 

Paul; Gregorius von Hartmann von Aue. Halle a. S. 1873, 
Daas die Qrundlage der Legende in der Oedi'pasuge zn suchen ist, .nnterllegt keinem 
Zweifel." 



Monographie des apokalyptischen Thieree. Ält-Techan b. Neusalz a.O. 1872. 
Der 12, Hai 1840 bildet den Zeitmoment des Auftretens des achten KÖniga (and das Jahr 
1840 kann als Epoche fär Lonis Napoleon betrachtet werden). Aaf die Frage, was das Sonnen- 
weib iet (in der siebenten Poaaune entstanden; lautet Lentwein's Bescheid: ,Ea ist die im 
Jahr 1777 erneaerte etangelische Brüdergemeinde.' 

Mnrray: The Ballade and Songs of Scotland. London 1874. 
Qetbeilt in I^endar;, social, romantic, historieal. 



Goeppert: Ueber neue Vorgänge bei dem Yeredlen von Bäumen und 
Sträuchern. Cassel 1874. 

Alle über der Demarkationslinie vorhommeDdeo Entwicklongen geboren dem Pfröpfling, 
alle daianter befindlicheD dem Katterstamme oder dem Wildling an. 




Ißseelleii und BfieherBcbao. 355 

Schilling: Die beständigen Strömungen in der Luft und im Meer. 
BerUn 1871. 

Die Bettindi|(keit, mit welcher die grossen oceaniechen StrömoogeD und der Passatwinde 
■ich bewegen, und die Analogie, welche zwischen beiden herrscht, berechtigt ans za glauben, 
data gerade diese Strömungen weniger dem Einflasse verschiedener Nebenursachen ausgesetzt 
aiDd and sich daher ganz besonders snm Studium der allgemeinen Stromungsgesetae eignen. 

Hal^Yy: M^langes d'öpigraphie et d'archöologie s^mitiques. Paris 1874. 

Les pages qui saiTent ont pour bat de soamettre a un nouvel examen tous les textes 
aimitiqaes contraTers^. 

Brächet: Grammaire historiqae de la langue fran<;ai8e. X. Edition. 

La marche de la langae et celle de la nation sont paralleles, et ont subi Tune et Tantre 
la meme revolntion. II y a des dialectes taut qne les grands üefs subsistent, il y a des patois 
qoand Tanit^ monarchiqae absorbe ces centres locaax, la centralisation progressive dans le 
goaTernement et la cr^ation dune capitale donnent Tascendant a an des dialectes, non sans 
qoelqoe influence de tous les autres aar celui qai triompha. Getto r^volution est achevee 
aa XIV. si^le. 



Sawicki: Id^es nouvelles aar la cr^ation. Lahore 1874. 

Le soleil est forme de la matiere chaotique, rendue par T^lectricit^ jusqu*& ane certaine 
profondeor fluide et incandescente, comme la lave que vomissent nos Tolcans, enveloppant la 
matiere chaotique l^gire. 



Böhm: Die Schafzucht nach ihrem rationellen Standpnnct. Berlin 1873. 
1. Theil. 

Der erste Theil (Wollkonde) behandelt in der Histologie des Wollhaars die Gewebelehre 
(S. 27—87) der Haut, das Haar (Haarwechsel (S. 121—131). Die Racebilder sind Tom Thier- 
maler Leatemann angefertigt. 



Perles: Die rabbinische Sprach- un4 Sagenkonde. Breslau 1873. 

Im zweiten Abschnitt wird das Eindringen rabbiuischer Sagen in die arabische Märchen- 
literatar behandelt. 



Minayef: Grammaire Palie (tradoit par Guyard). Paris 1874. 
Le mot pili (texte) derive probabalement de la racine path (lire). 



Luzel: Chants populaires de la Basse-Bretagne. Vol. I. Lorient 1866 — 74. 
Les Qwerziou comprennent les chansons ^piques, les Lorian c*est la po^sie lyrique. 

Lecesne: Les Armoiries dans les troupes romaines. Arras 1873. 

An bercean de Rome, nous Toyons les gentes porter des emblemes particuliers, Tanimal 
eonaaer^ an dien special de la gens, comme la colombe des Julius, ou bien la plante cultivee 
ap^alement par cette gens, comme la fhye des Fabius, qni leur a doDn6 son nom. [als Totem] 

Taubert: Der Pessimismus und seine Gegner. Berlin 1873. 

Der Verfasser gelangt im Cap. X zu der wichtigsten aller auf den Peasimismua being- 
Kchen Fragen : wie es möglich sei, nach Erkennung der Gluckalosigkeit dea Daaeina fortzuleben, 
(und liegt die Lösung dafür im Buddhismus lu offen auf der Hand, ala dasa sie einer Erör- 
teniDg bedurfte.) 



856 HUmUu und BüelwndMiL 

Daviaad: L'art et rindoBtrie. Paris 1874. 

Jadis, c'est-ä-dire tVBot la liherle da travail et uTsnt rorf^Biiisitian moderoe, qni en flit 
la coBsaqaence, le compagnon, rartüan, rartüte n'etaient aeparoB, qae pai du aoaoces, qns 
loa maitres eux-DenieS ne cherchuieilt yaa k accautuer. 

Benjamin; Das i>cb&clit&cb. Leipzig 1874. 

.Melbtidisi'h bearbeitet", *iv der Titel besagt, so d»sa das .l^chleil'eu iIbh Schächtmttiaer' 
auf viel Seilen abgebaadelt Tiird, ilaou das .Prüfen" desseibeu .planuiüsig" und scbieil«t daa 
Eilernen deaseu .stnlenmässig fort". Der nätfaste faragrapli ist dana der .Haltung des 
HcbächtDiessers*, der folgeude (anf 3 Seiten) seiner .KüliruDg* u. s. w. gewidmet. , Dennoch aber 
meint das bucb njefat das Quetleniludiuiu zu veilümmern', Eoudern iiegentheiiii dazu aainregeD. 
.Nach der Lehre unsrer Weisen würde das hlut im Thiere derart erstarren, das^ es Dscbber 
durcb Wasser und Salz nicht beraaszubrin);en ist' (S. 47), wenn die ersle lier fünf Schacht- 
Toisi'briften (Vermeideo des Pausiien«) verletzt sein stillte. Net>Bt fioliKbnitlen ist eine groaae 
farbige Tafel beigegeben, woranf Rohn die Luuge mit Allem, «is dabei lu beachten iat, an- 
schau lieb hingezeichnet hat. 

Jacülliot: Clirietiia et le Christ. Paris 1874. 

in drei Abtbeiluugen : Ltiais iiur i{U«lquea Mj'lbes Keligieux de linde; La Mjfibe de l'incaraaliuD ; 
Christna et le Christ (im Stjl einer Wiederg eburt W jlfurd's). 

Varigny: Qaatorze ant< aux iles Sandwich. Paris 1874. 

Lea missioiiaires (1826) preleudaient tuuder lo ri-gue de la liible et inau^urer uo essai da 
guuvcrnemeut tbecrerulitjue. Les iuleiitiuns punvaieiit i'tre lionnes, muiii 1«& reaultata etaient 
fachen». 

Talbert: l)u dialecte Blüsois. Paria 1874. 

La laDgue ebt fixee par lea gens lettres; eile ue Test pas pour lo pajBuii. Aunai luutes 
les Ulis <iUe suii Idiome truditiuuuel ii» rend pa« luen su (itusee, ne sc geiie-l-il i>ae pi.ur 
creer de niiuvellas exptessiuDs. 

Atinual Heport of the Board o( Kegents of tLe Smithsuniau Institution 
Washington 1^73. 

Neben einer Reibe (zum Theil übemeizler) Ahhundlungen ^cblie^st ein Appi'ndlx dev Ah' 




Besehreibende Ethnologie Benjralens. 

Aus nffioicllen Dooumenteii zusninmcn^esetzt von <'oloiiel Dal ton. Kcfnenin^-Coinmissair 
von Chiitia-Nappur, deutsch hearljeitet von Oscar Fl ex, Gossiierscher Missionar iu 

Ranchi. 1873. 

Priester. Die Mulers hatten früher Priester, Maiyas oder Laiyas, die 
priesterlichen Functionen werden aber jetzt von den Dcmanos verrichtet, 
welche ursprünglich Auguren waren. Sie werden durch Inspiration gewählt 
und halten sich nach ihrer Berufung einige Tage im Walde auf, um in der 
Einsamkeit mit Bedo Gosain zu verkehren. Der Demanos lüsst sein Haar 
wachsen, denn wenn er es verschnitte, so würde die Gabe der Divination 
von ihm weichen; den Besitz dieser Gabe mus^i er durch Vorhersagen eines 
Ereignisses beurkunden, ehe er den vollen Grad der Priesterschalt erhält. 
Die Ehe ist ihm gestattet. Seine Ernennung wird vom Mandschi des Dorfes 
bestätigt, welcher einen Faden von rother ijeide mit Muscheln behangen um 
seinen Hals hängt und einen Turban um sein Haupt windet. 

Bei den Büffelopfern, welche von Zeit zu Zeit vom Mandschi dargebracht 
werden, muss er gegenwärtig sein. Der Dorflierr sitzt bei dieser Gelegenheit 
auf einem Ehreusitx unter dem Makmambaum. Er nimmt aus den Händen 
des Priesters eine Quantität Reis und streut die Körner umher, welche von 
allen, die von bösen Geistern besessen zu sein glauben, aufgegriffen werden. 
Diese Besessenen werden gebunden, bis die Büffel gctödtet sind, dann öffnet 
man ihre Bunde und lässt sie von dem Opferblut trinken, welches sie heilt. — 
Die Schädel der bei diesen Opteni geschlachteten Büffel werden mit den 
Jagdtrophäen des Mandschi vor seinem Hause aufgestellt. — Das Fleisch 
der Thiere wird von den zum Opfei-fest Geladenen gegessen, die Frauen 
dürfen aber nur das Fleisch eines Thieres essen, welches auf besondere 
Weise, nämlich durch einen Sehlag in die Seite, getr>dtet worden. — 

Divination geschieht auf zweierlei Weise, entweder durch das Be- 
sprengen von Beiblättern mit Blut, Satani genannt, oder durch das Beobachten 

Z«ltirhrift für Kttanotugie, Jahr^Aug lb74. ^4 



~?^ 



358 



BMchrdbend« Ethno]0|^ Bengtlsni. 



dert Oscillationen eines Pendulums, welches Verfahren unter dem Namen 
Tscherin bekannt ist — 

Verjagen der Krankheitageiater. Colonel Sherwill fand auf den 
RadschmahalbcrgeD im dichtesten \\nlde freie Pliltze, auf denen eine Art 
Cralgeu Btond, an desaen Querbalken alte Körbe, Kürbisflosclien, Töpfe, alte 
Keieinörser , llesco und dergl. aufgeliüngl waren, au andern Stellen hingen 
alte Waffcii, und in der Nühe atandeu GefÜäae mit Blut und Spiritauseu ge- 
füllt. Hier bittte mau den Geist einer uiiter dem Vieh oder den Bewohnern 
des nüchsteu Dorfes ausgebroühencn Epidemie veijagt. Die (Jraua und Nagpur 
sammeln bei solchen Gelegenheiten alle alti-n Beaeii und Töpfe im Dorfe und 
tri^en sie an den Grenzweg oder werfen sie Qber die Grenze dea Urtes, am 
ao den Geist auf ein anderes Gebiet zu versetzen. — 

Schlatatellcn. Auch die tiitte, die Jugend des Dorfes in besonderen 
Burschen- und Müdchen-Uüusern unterzubringen, welche wir bei den Uraiu 
erwähnt haben, Ündet sich bei den Malers. — 

Geatalt und Kleidung. Der Maler ist kurz and leicht gebaat, seine 
Zfige tragen einen weichen tumulischeii Typus. Nase etwaa breit nach unten, 
Nasenlöcher mehr ruud als elliptisch, Lippen voll, über Mund und Kino gut 
gebildet, Augen arisch odiir cirkassisch. Haltung und (Jang aufrecht und 
leicht. Die Malers äiud reinlicher als die Urans; sie halteu ihr Haar stets 
sauber geölt. Die Frauen lassen neben dem schon bei den Kolhs und Uraua 
erw&bnten Huarkooteu am Hinterkopf zwei Locken herabfallen. Bunte Farben 
der Gewunde und roihe Ooralleuschuüre sind bcaoudera beliebt. — 

Heirutbticcrcuioiiie. Die jüngere Bevölkerung dea Dorfes lebt im 
freieatcn Umguiige mit eiminder uud man sagt, dass die Liebesverhältnisse 
der Burschen und Mädchen oft ganz romantischer Natur aeien. Sobald aber 
ein Puar die Grenzen der gcsiattetvu Liebv überschritten, so werden sie aus- 




X 



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1:'. 



Beschreibende Ethnologie BeuKalens. 359 

fidls der Waldeinsamkeit. Andere Todte werden befp'aben. Ein Steinhaufen 
bezeichnet gewohnlich die Grabslutte. Uchor dorn Grabe eines Hfiuptlings 
wird eine Hütte errichtet mit einem Gehege und nach dem Bognlbniss werden 
die Diener und Vasallen 5 Tage Itxu^ gt^spoist. Nach Abhxuf eines Jahres 
findet ein zweites Todtenmahl statt, und wenn einer der Männer wahrend 
dieser Zeit seine Frau verloren hal»en sollte, so daif rr nicht gleich wieder 
heiruthen, auch darf das Eigonthum des \ erstorlxMK'n nicht vertbeilt werden, 
bis das zweite Mahl gehalten worden ist. 

3. Abtheilung. Die Gonds. 

Das alte liond Gondwana erstreckte sich vuin Vindhyagebirge bis zum 
Godaveri mit Einschluss des Satpura-llölienzuges. .letzt Duden sich Colonien 
der Gonds in den abhangigen Mahals von Katak im Osten, wo sie mit den 
Kandhs und den Sauras oder ^'avara^ zuMimuien tnib ii, und im Westen reichen 
sie bis nach Khandibh und Mahva, wo sie die Bhiko I)erühren. Die Gonds 
sind die am stärksten vertretene Kace unter den in diesen iStrichen ansässigen 
Aborigiues, ihre Zalil belief sich nach einem i^üT aufgenommenen Gensos 
auf ein und eine halbe Million, während die liiiilu uur 20,4.04 uud die Kur- 
kurs und Kolhs 3**^114 Seeleu zählten. 

Geschichtliche Kotizen. Die IJevölkirung Clondwauas war vor der 
Einwanderung der Arier in kleinen Niederlassungen zerstreut, welche durch 
massige 2^trecken Urwaldes und unbewohnte j-j ügelketti'n von einander getrennt 
waren. Sie wurde von zahlreichen Häuptlingen, weUhe olt Coufüderationen 
bildeten, noch öfter aber mit einander in Krieg verwickelt waren, beherrscht^ 
bis die arischen Krieger und Weisen die Wihlniss durelidrangen uud die 
Wilden durch ihre Kühnheit und Weisheit in Erstaunen setzten. Brahma- 
nischcr Einiluss färbte bald den primitiven Paganismus ohne ihn zu zerstören. 
Die Chiefs der Gonds und dir JuteUigenieren ihrer Unierthauen nahmen, was 
sie von den neuen Lehren begreiieu konnten, an. aber die dienende und 
arbeitende Klasse blieb wie si(* war und wie wir sie jetzt noch linden. — 

Die Hindu-Eroberer der Gouds werih ii von diir Tradition als Kadschputs 
bezeichnet. Sie verbanden sich in vich-n 1' allen mit den Familien der chicfs, 
woraus eine vornehmere Klasst: von GoU(ir> entstand, welche sich auch iiadsch- 
puts oder Kadschgonds nannten und mriiri^e KiMiign lelie uutrichteien. Das 
nördlichste dieser H eiche hatte Manala und (larlia (in der Nähe des jetzigen 
Dschabalpur; zur Hauptstadt, und behf^rschte «h.-n gru.N>eien J'heil des ^^ar- 
badda Thals. Die Kesideuzen der mittellänili>ehen K<'iiigreiehe waren in 
Deogarh am südlichen Abhänge des Satpuragebirge.«. uud in Kherla. Das 
eine umfasste die jetzt zu Nagpur gehörigen Ebenen uud das andere das Thal 
des Baitul mit den berühmten Forts Gavitgarh und iS'arnala. Das südlichste 
dieser Reiche hatte oeiueu Mittelpunkt in Tschanda am Wardhatluss mit einem 
grossen Ländercomplex, dem Gebiet des Godavery. Diese 4 ])ynastien be- 
standen noch bis kurze Zeit vor der BilJung des Mogul Reiches. — 

•14? 



""pm 



860 



Beitcb reibende Ethnolof^s Benf^en 



Die Herrscliaft der Hindus in Goiidwana uud Ceutrttl-Indien verlor viel 
von ibrer Muclit wrtlucnd der >;ckleiikriege der Buddhisten und BrabtuaneD. 
Die Goud-Hriuptliuge benutzten die (jelegenlieit, ihre Uuabh Engigkeit wieder 
zu gewinnen, v-aa Urnen iiuuh geliiug, bis die Muliumednuer sio tributpflichtig 
miicht«!], und die Mt.'lir/ubl zwiujgcu, dt-n Islam anzunehmen. — 

Wir linden uUo unter den liond» Fiimilien, welche iliren urHpriiuglicheD 
Sitten und ilirem alten Glauben treu blieben, andere, welche mehr oder we- 
niger hiudui^liäcLo UeiigiuusMutze ungeuommeu, ohne ihre alten Gütter ganz 
und gar zu verlasäen, nuch andere, welche die Urabmaneraclmur tragen und 
vollütündig liindu geworden und endlich solche, die zum Muhauiedanismiis 
übergetreten. — Jiei Aufualime des Census wurtlen walirsclieiulich viele von 
den letztgenannten Klauben alä Hindu» und Muhamedaner uutgc8i;hrieben, so dass 
die eigentlicLe stärke der Gouds luebr als anderthalb iliUionen betrügt, und 
wenn man die Gundtt in Bengalen uml Madras dazu rechne', so erhalten wir 
eine Gondbevölkerung von beinahe drei Millionen. Die zu Beugul gcliurigen 
Gonds, luit denen es diese Eibnotogie /.u tbuii hat, sind tivst durcbweg hin- 
duißirt und haben ihre S^iiraclie sowie jegliche Konntnitts der Sitten ihrer 
Kace verloren. Um daLer die charakteri» tischen Keunzeiclien tier Crruce zu 
finden, sind die Gunds der Central - Provinzen einer uälieren Untersuchung 
zu unterziehen. 

ätümme. ^^io werden in 12 uud einen halben titaiuui getheilt: 1. Die 
Radschgonds, '2. llagbawul, ö. Dadavc, 1. Katulya, .">. Padal, li. DhoH, 
7. Odjhyid, l>. Tholjtil, y. Koilalihutal, KL Koiksjial, JJ. Kolam, 12. Madyal 
und eine niedrigere Klasse PadaU als Ualbstumm. Von diesen gelten die 
ersten 4 oder b als reine Gonds, Koitor genannt, l'ie Dliulis haben ibreo 
Namen von den grossen Trommeln, Dhola — uut denen sie luusiciren, erhalten. 
Die Odjlials siiul Auguren (Odjlia — Kingewuideileuter). Tluitjal heisst „ver- 




Beschreibende Ethnolop^e Benf^lens. S61 

Diese Marias siud so sehen, dass es selten jemandcin gelingt, bicIi ihnen zn 
nähern, sogar der ReaiutCi. welcher di(> Steuern einfoiilort, darf das Dorf nicht 
betreten. Er zeigt seine Anknnit durch Tvomniolsohhig an und zieht sich 
zarück. Die Abgaben Avcrdcn dann auf einen vorher bestimmten Platz nieder- 
gelegt und Hpiiter von dem Öteuereinnobnier fort geschafft. — 

Sie tragen wenig Kleidung, lieschmif'ren die Haut mit Asche und lassen 
das Haar gewöhnlich wild wachsen. Ihre Ohren sind uft mit einer Menge 
Ringen geschmückt, um die Hütto traprcn sie einen Gürtel von kleinen 
Muscheln oder zusammengedrehten dünnen Strieken, an dem ein Tabaks- 
beutel und ein i)losses Messer herabhänjzen. llline von ilen Schultern herab- 
hängende xVxt oder Bogi-n und Pfeih* vervolUtiindigen die äussere keineswegs 
einnehmende Erscheinung eines Maria. 

Gebrauche. Nach «ier Geburt eint's Kindes miiss die Mariafrau einen 
Monat abge8chh»ssen bleiben. Die Burscheu des Dui-tes müssen, wie bei den 
Urans in einem besondern Gebauile schlafen. Den Ibichzeiten geht eine Ver- 
lobung voraus, die Wahl der Braut liegt, in den iiänden der Aeltern, Di- 
vination zeigt an, ob die getroffene Wahl gut ist oder nicht; zwei Ueiskörner, 
welche Bräutigam und Braut darstellen, werden in eine Wasserschüssel ge- 
wurfen, kommen die beiden Körner /usammi-n, su ist die Wahl glückbringend, 
schwimmen sie auseiu.mder, so wird ein anderes Mädchen gewählt. Der 
Durchschnittspreis tür ein Mädchen ist Ks. 14 und 2 für den Vater, um das 
zum Ilochzeitsessen noth wendige Schwein zu kauten. — W'cim der Preis ge- 
zahlt ist. macht die Braut Abscliiedsbesiiehe bei ihren Freundinnen, die sie 
nach ihren Mitteln beschenken. Capt. Samuells wnlmte einer Gond-Uuchzeit 
unter den Mnasis (siehe Gruppe VII. Abtii. b.) l)ei, ^\elchc bt'sonderen Eklat 
durch die Erscheinung zweier Besessenen erhielt, in «lie der Tigergott „Bagh- 
eshwar*^ gefahren war. Sie lielen über ein Zicklein her und zerfleischten es 
lebendig mit ihren Zähnen. Der Brautvater beschwur den Gott, indem er 
einem jeden der beiden Besessenen erst i'ine Quaniität Reisbicr und darauf 
ein Mass voll geschmolzener Butter die Kehlen hinabL;osSi« worauf sie ruhig 
worden. 

Religion. Die wilden Gonds t 'heilen sich in Sekten, welche je nach 
der Zahl der Götter, die sii* verehren, benannt werd«*n. Hin Fünigottanbeter 
gab folgende ^iami*n seiner Gütler aii: 1. lMi;u>i Pen oder Dula Dewa. 
2. Kurma. H. Gaugara. 4. nayial. ö. Badiatul. Drr «rste ilieser Götter ist 
der Gott des Krieges, wird af)er unter siMumi zweiten Namen ;j1s Schutzgott 
des Hauses verehrt. Der dritt<* Gangara ist Budlia und seine Einführung 
datirt wahrsclieinlieh von iler Zeit iier. in weleher der Budhismiis die Ober- 
hand gewann. — Jeder Gott hat sein besonderes Sxmbol: f)nla Deo eine 
Streitaxt am Baume bele>tigt Xurma ein rundes llolzstück — Gangara 4 
Glieder einer eisernen Kette — KuNtal und Batlliiaiil eine aus Kisen ge- 
schmiedete Tigergestalt. Doch vii>elien nmtii' Steine 'Unsellien (Henst. Manche 
Dörier haben am Eingang uueh zwei llol/pfosieu vun ungleicher Hohe, welche 



"'^ 



gg2 BfBcbrdbande Ethnologie Bongaleos. 

den männlichen und weiblichen Schntzgeist des Ortes darstellen. Ceber eil' 
diesen Gottheiten haben sie den einen gemeinsamen Gott Bnrha Deo oder Bar« 
Deo, genannt „der alte oder der grosse Gutt". 

Feste. Zu Ehrtn den eben erwübutea Gottes mrd jälirlich ein Fest 
gefeiert, hei welchem die Erwachsenen im niichsten Walde um einen Asa- 
Baum (terminuliii tumeatosn) einen Platz reiiilegeu und daselbst vor einem 
Altar, auf dem das Symbol des Bara Deo steht, ihr Opfer bringen. Eid 
„Ban-bhojaii" (gi'nioinschattlichos Essen im Walde) zu dem Jeder beiträg;!, 
vereinigt am Ende die Opfci-ndeii. FrQher brachten sie dem Gott Mengchen- 
Opfer. 

Bestattung de 
licheu Erwacbüciii'u, i 
ruft die Dorfliewdhner 
an einen Mahwabaum gebuudfn 



Todte 

ie Frnuci 



Die ächten Gonds verbrennen die m&nn- 
id Kiuder werden begraben. Die Trommel 
Die Leiche wird in aul'rechter Stellung 
.1 so verbrannt. Die Asche wird an einem 
Wege begraben, und auf den Lcichenätein der Schwanz des Kindes gesteckt, 
welches zum Malil für die Anwesenden gesclilachtet worden, damit erwiesen 
sei, duss die Obsoquicu gebühreud geleiert worden sind. 

llcxeuglaube. Wie bei den Ivolhs und Uraus tindet sich auch bei 
den Gondä der Glaube an IK'-vcrei und die Kraft des bösen Blicks. Hat 
man Yerdacht. dns.s der Tod einer Person durch dergleichen entstanden, so 
wartet man mit der Bestattung lier Leiche, bis sie <len Uebeltbüter angezeigt 
Die Verwaiullen bitten dicticlbe Htheutlich, das zu tbun und man glaubt, 
dass, wenn die Pcrrion wirklich durch die schwarze Kunst einer dritten um's 
Leben gikummen, die Ijelcbe ihre Träger zwingt, sie zu dem Hause des Be- 
treffenden zu trügen. GescLieht dies drei Mal, so wird der Eigenthümer des 
Hauses vcrurtheilt, sein Haus dem Boden gleich gemacht und er selbst aus 
dem Distrikt getrieben. — 







Beschreibende Ethnologie Bengalen!. 863 

und nnabh&Dgig sind, wenn sie auch dem chief huldigen and, falls sie dazu 
geneigt sind, fDr ihn in den Erie^ ziehen. 

Die sociale Organisation sowie die Rofrierungnform der Khands sind den 
schon bei den Mundas erwähnten Institutionen ziemlich gleich. Jedem Dorfs 
steht ein Aeltester: Abbaye — vor, eine Anzahl uniherliec;<:n(ler Dörfer stehen 
unter einem Distrikt- Abbaye, welcher 8tets der direkte Abkömmling oder 
Repräsentant des Anführers sein s>llto, unter dem die Colon ie entstand. 
Ausserdem giebt es einen Stamm- Ab huye. einen Patrinn'Jio:i, rlen Kepnlsentan- 
ten des Urvaters des Stammes, welchem es besonders obliegt, auf die Auf- 
rechthaltung der Stamniessitten zu achten. Dann ^iebt es einen Bundes- 
Abbaye, welcher die äussern Angelefi;enlieiten eines gewissen Distrikts zu 
verwalten hat. Dieser beruft von Zeit zu Zeit Versammlungen der Volks- 
oberhuupter. Sie sitzen im Freien in concentrischen Kreisen, der innere be- 
steht aus den Distrikt- und Stamm-Abbayes, der zweite aus den Dorf-Abbayes 
nnd den dritten bildet das Publikum. Auch Frauen dürfen zuf^egen sein, an 
den Berathungen aber nicht Theil nehmen. In diesen Vert<amm1ungen werden 
alle Streitigkeiten und Verstösse gegen bestehende Sittt^n geschlichtet und 
gerichtet. Die Zeugen werden eingeschworen. Sie müssen etwas Reis, welcher 
mit dem Blut eines der Erdgöttin geopferten Schafes befeuchtet ist, in den 
Mund nehmen, und dieser Reis erzeugt sofort den Tod dessen, der die Wahr- 
heit verheimlicht. Wenn e> sich um Landstreitigkeiten handelt, so hat ein 
Bischen Erde im Mund«^ diesell)e Wirkung. Sie schwören auch anf ein Tiger- 
fell, die Haut einer Eidechse — auf die Erde, Vielehe von einem Thermiten- 
haufen genommen und auf die Feder eines Pfauhahns. 

Beschädigungen der Person, Tudnchlag oder schwere Verwundungen 
werden als Privatbeleidigungen betrachtet und mit Schadenersatz gestraft. 
Der Mörder muss z. B. sein Eigenthiim an die Familie des Erschlagenen 
abtreten, bei Verwundungen muss der Angreifer einou Thcil seines Besitz- 
thums dem Verwundeton abtreten und ihn so lang" nntrrhajt- n, bis er wieder 
hergestellt ist. Ehe)>ruch wird an einiL^f*n Urtn: mli dem Tode b«*straft, an 
andern aber genügt es, wenn der t'reis, welchen ilcr ln^lci^iigte Gatte für 
seine Frau zahlte, zurückerstattet wird. - 

Wohnungen. Die Kandhs baucMi iiir«' Hiiuser g«'ii an die Hügelabhange, 
so dass sie ihre Felder, welche sich an den Bergen entlang ziehen, übersehen 
können. Die Hütten sind niedrig, aber f*»3t gebaut, Planken horizontal in 
die Eckpfosten eingefügt bilden die Wände, welche mit Erde beschmiert 
werden. D;is innere hat drei K.-lume zum Wohnen. Esseukochcn und Auf- 
bewahren der Vorrärhe Auch sie haben in jedem Dorie l)esondere Iiurschen- 
und Mäilcheu- Häuser, in ileiuMi die .luLren«! -les (.bts 'lie Nachl /.u!)ringt. 

Sitten. .\ni 7. Tage nach der (Icburt ein« s Kindes wird dem Priester 
und dem ganz«*n l)orf ein F«'st ;re^^i*heu. Der Name des Kindes ist gewöhn- 
lich der eines Vorfahren, welcher sieh mi dem Kinde rej;enerirt. 

Fr&her waren Kindermord ( — der Muilcheu) und Menschenopfer an der 



''Y^ 



864 



Betcb reibende Ethno1o((ie Bengileni. 



TagesordnuDg imd es gelang der britischen Regierung erst io den VierEiger 
Jahren, diesem Unwesen wirksam entgegenzutreten. 

Menschenopfer. Diese Meriahopfer, (so biessen sie) und das Tödteo 
der neugebornen Mädchen standen im engsten Zusammenhange mit der Haupt- 
Beschaftigung der Kimdhin, dem Ackerbau. Doch nicht alle hielten si« ßlr 
geboten. Die Uuras, eine Sekte, welche den höchsten Crott unter diesem 
Namen verehren, verabscheuen MctmcheDopfer, die andere Sekte aber, welche 
die Erdgiittin Turi verehrt, glaubt, dasä diese Göttin einst ihr eigenes Blut 
auf unfruchtbarem Äcker vergossen habe, . um ihn ergiebig zu machen, und 
dass daher Meuschciiblut ihr zu Eliren vergossen werden müsse, um die 
Fruchtbarmachung ihrer Felder zu er/ielcn. 

Wenn die Üpfcr der (röttin Hngeauhm sein sollten, no musstun sie er- 
kauft sein. In schlechten Zeiten verkauften manche Kandheltem ihre eigenca 
Kinder zu diesem Zweck, gewöhnlich aber wurden die Opfer durch Agenten 
herbeigeechafit, welche eiitwetfer Kinder kauften oder stahlen. — 

Das Wort Merioh ist der Uriyasprache entnommen, die Kandhs seihet 
nennen die Opfer Toki oder Keddi. Personen jeglichen Sbmdes und beiderlei 
Geschlechts waren acceptablc, nur mussten sie gekauft sein. Man hielt stets 
eine grosse i\jizahl in Bereitschaft und nährend der Probe oder Warte-Zeit 
wurden sie gut behandelt. Die erkauften Moriahs mnssteu unter sich ge- 
schlechtlichen Umgang pflegen, auch andern Personen war os gestattet, mit 
Meriah-Fmuen und Miidclicn Umgang zu haben und die auf solche Weise 
gezeugten Kinder wurden als zukünftige Schiachtupfer bewillkommt und auf- 
gezogen. Ein engl, ülliuier erzählt von diesen Opfern: 

Zebu oder zwölf Tage vor der zum Opfer festgesetzten Zeit wird dem 
Meriah, welcher zum Sncrificium bestimmt ist, das Kupflmor abgeschnitten 
und die Doi'fbewohiier gehen, nachdem itie gebadet haben, mit dem Priester 





Beschreibende Ethnoloipe Bengalens. 365 

Der Priester betet zar Erdgöttin und fleht um volle Vorrathsksnimern, zahl- 
reiche Nachkommenschaft, Mehrung des Viehstands und Abnahme der Tiger 
und Schlangen, zur selben Zeit giebt jeder Anwesende seinem Lieblingswunsch 
Aasdrack. Der Prie&iter recitirt dann die Geschichte vom Ursprung der 
Meriahopfer und der Prozess der Tüdtung beginnt. Der Priester zwingt 
nnter dem Beistand der Dorfältesten den Hals des Meriah in den Spalt eines 
Astea, dessen offene Enden mit Stricken fest zugeschnürt werden, und bringt 
ihm mit der Axt eine kleine Wunde bei, worauf sich der Ilaufe mit Messern 
anf das lebende Opfer stürzt, um einen Klei.'schfet/cu zu erobern, Kupf und 
Eingeweide lassen sie unberührt. Diese werden mit dem Gerii)pe am nfichsten 
Tage mit einem Schafopi'er verbrannt. Die Asclie streut man auf die Felder 
oder bestreicht mit ihr den llausllur. 

In einigen Districteu wird der Meriah langsam zu Tode geröstet, weil man 
der Ansicht ist, dass, je mehr Thnuien dem Schlachtopfer uusgepresst werden, 
desto reichlicheren Regen die Erdgöttin senden wt^de. 

Die Fleischstreifen werden von den glücklichen Besitzern auf Stangen 
an den Ufern der ßilche aufgehangen, welche die Felder bewässern, andere 
vergraben sie im Felde. Wie hoch sie geschätzt werden, geht daraus hervor, 
dass am Opfertage Deputationen aus fernen Ortschaften erschienen, und die 
eroberten Fleischstücke noch an demselben Tage durch Couriere, welche den 
Weg entlang aufgestellt sind, in ihre Ileimath »enden, wo sie an die Familien- 
väter vertheill werden. 

Madchenmord. Die hohen Preise, welche die Kandhs für die Mädchen 
ihres eigenen Stammes zahlen mui^sten, werden als Hauptgrund angegeben, 
welcher die Kandhs bewog, die neugebornen Mädchen zu tödten. Sie erhielten 
ihre Weiber viel billiger von andern Stämmen. Ausserdem glaubten die 
Kandhs, dass durch die Beiseiteschaffung der weiblichen Kinder die Geburten 
der Sohne zunehmen und das» es besser sei, ein Mädchen in ihrer Kindheit 
za todten, als sie als eine Last und Ursache manchen Streites aufwachsen 
zu hissen. — Die grösbte f^chuld an dieser widerlichen Sitte trugen aber die 
Dschanis oder Desaui-is (Astrologen;, welche dem neugeborenen Kinde das 
Iloroscop stellen. Diese Leute sind Uriyas, welche sich die Leichtgläubigkeit 
der Kandhs zu Nutze machen, i^ic cunsultiren ein Palnienblutt-Manuscript, 
weiches Sentenzen mit Bildern von Göttern und Teufeln illustrirt enthält. 
Nach den nöthigen Ceremonien wirft der Desauri den Siylur, mit welchem 
man auf den Blättern schreibt, in das Buch, und das Schicksal dess Kindes 
*ird je nach der Sentenz oder dem Bilde, welches der üriffel getroffen, be- 
stimmt. Verkündet eines der beiden dem Kiude Böses, so tstecken es die 
Eltern in einen neuen Topf, und tragen es nach der Himmelsrichtung, von 
welcher ihm, wenn es leben bliirbe, das Unglück zustossen würde und ver- 
graben en. lieber der Grube wird ein Huhn geopfert. 

Opfer für den Eriegsgott. In einigen Distrikten fanden auch Men- 
•Ghenopfer zu Ehren eines Kriegsgottes, Mariksoro^ statt. Das Opfer wurde 



BeMliTtfbnMit Btlmdotito Bngilaii 



mit seinen langen Haaren an einen Pfosten gebunden, an dessen Fnss «iti 
Grab gegraben war. Assistenten den Priesters hielten die Hände und Beine 
des zu Opfernden so, dass der Körper das Grab überragte. Der Priester 
zar Rrchten stehend, ruft: den Uchlauhtengott od um Erfolg im Krieg und 
„Bewahrung vor der Tyrannei der Könige und ihrer Beamten", und verwundet 
während dieses Gebetes den Gebundenen Ifiicbt im Nacken. Hierauf tröstet 
er ihn mit der Aus.sicht. bald von Maniksoco zu ihrem Besten verschlungea 
zu werden, und versichert ihn, dass seine Bestattunggfeierlich keilen mit allen 
Ehren gehalten werden sollten. Er wird nun enthauplet, der Körper fiÜlt in 
die Grube imd der Kopf bleibt am Pfosten hängen, bis die Vögel ihn verzehreu. 

Verbot der Menschenopfer. Sobald die engl. Regierung n&here 
Keuntniss von diesen Opfern erhielt, traf sie die umfassendsten Anstalten, 
denselben Einhalt zu ihuo. Beamte viurdeti in den verschiedensten Kreisen 
statiouirt, welche erst mit Schonung verfahren und die Kandhs durch wieder- 
holte Vorstellung und Hinweisung auf den Wunsch der Regierung ,in dieser 
Beziehung von ihrer Sitte entwöhnen sollten. Das hfllf wohl hier und da 
und es gelang ihnen, schon in den ersten zwei Jahren 547 Meriahs zu be- 
freien, die Kandhs aber glaubten doch, den Opferbrauch aufrecht halten zu 
müssen und griffen endlich zu den Wuffen. Von den englischen Truppen 
ßbcrnlt geschlagen, sahen sie sich achliesülich w<ihl oler übtl genöthigt, sieb 
dem Wunsch der Regierung /u filgen, sie leisteten den feierlichsten Eid (auf 
ein Tigerfell und Erde) hinfort die Menschenopfer abxuschuffer, in der Hoff- 
nnng, dass die Erdgöttin hinfort mit Tliierbtut vorlieb nehmen werde. 

Die Kandbs liabeu ihr Versprechen gehalten. Sie erzählen von den 
Opfern, geben aber zu, dass ihre Ernten jetzt ebenso gut seien wie früher. 

Religion. Die Fundumentul-Lebre kennt einen höchsten Gott, den 
Quell des Guten, Schöpfer des Universums, Rura Penu genannt, der Gott 





BasehrübeDde Bthnologia BengaleiiB. 367 

Ans diesem Kampf entstanden die zu Anfang erwähnten beiden Sekten 
der Boraiten und Tariiten. Die ersteren schreiben Bora den Sieg zu, und 
hallen Tari f&r verflucht, während die letjsteren behaupten, ihre Göttin könne 
TOD Bora in der AusfQhrung ihrer Absichten nicht gehindoil und nur durch 
inständigste Verehrung abgehiilten werden, den Menschen Böses zuzufügen. 

Trotz dieser ehelichen Zwistigkeitoii gebar die Tari dem ßura sechs 
GöttercheSy welche die ersten Bedürfnisse des gefallenen Menschen befrie- 
digen sollten: 

Pidzu Penu, den Rogengott — Barbhi Penu, die Göttin des Frühlings, 
welche die neue Vegetation hervorruft und die ersten Früchte giebt — Pitteri 
Penu, den Gott des Gewinnes — Klanibo Penu, den Gott der Jagd — Loha 
Penn, den Eisengott und Sandi Penu, den Grenzgott. Später kam noch eine 
siebente Gottheit hinzu: Diuga Penu, der Kiclitet der Todteu. 

Die schon oben erwähnten Götter zweiten lianges sind die Schutzgeister 
der Häuser, Berge, Ströme, Teiche, Quellen, Wälder, Bergschluchten und 
Obstgärten. Bura und Tari wohnen im Himmel. Dinga residirt auf einem 
Felsen jenseits des Meeres, welcher Uripavali, der springende Fels, heisst. 
Die andern Götter leben auf der Erde, welche sie aber bei ihren Bewegungen 
nicht berühren, unsichtbar den Menschen, aber sichtbar für die Thiere. Sie 
nähren sich von den Opfern, suchen sich aber auch selbst Speise, so dass 
der Landmann uft blinde Aehren in seinem Feld findet. Bura erhält jährlich 
ein Schwein zum Opfer. 

Es ist kaum anzunehmen, dass die Kundhs selbst die Erfinder ihrer 
Theologie waren, vielmehr scheinen die Hindus und deren Schriften, welche 
letzteren erwiesenermassen von den Abbayes viel gelesen werden, zur Bildung 
ihres theokratischen Systems beigetragen zu haben. - So ist z. B. Dinga 
Pena durchaus analog dem Hindugott Yama, dem Todtenrichter, welcher am 
iaesersten Ende der Erde auf dem Wasser schwimmt. 

Kleidung. Ein Lumpen um die Lenden ist der Alltagsauzug der Män- 
ner, ein längerer Zeugstreileu wird au Festtagen umgelegt. Der Kandh ist 
eitel auf sein lauges Haar, er trägt es zusammengerullt vorn über der Stirn 
befestigt, und liebt es, diesen Haarwulst mit rothem Zeug und den Federn 
■eines Lieblingsvogels zu schmücken, auch Tabakspfeife und Kamm werden 
hineingesteckt. — Auch die Frauen beschränken sich auf ein Zeugstück als 
Lenden kleid. — 

Todtenbestattung. Die Leichen werden ohne welche Ceremunie ver- 

bnuint Aber 10 Tage später versammeln sich die Verwandten und Freunde 

ud trösten sich mit einem gemeinschaftlichen Mahle und unmässigcm Trinken. 

; Ein Abbaye jeduch wird feierlicher bestattet. Sein Ableben wird durch 

' Trommeln verkündet. Der Leichnam Hegt in Parade auf dem HolzstosSy 

' neben dem eine Fahne errichtet ist, unter dersellien lie^zen ein Sack Keis und 

fie Effekten des Verstorbenen, weU'Jie der Stamm -Abbaye erbt Während 

iai Verbrennungsaktes umtanzen die Dorileute die Fahne; dies Taiizen dauert 



Besebrabende EthnoloRi« BeoKaleafl 



bis zum 10 Tage, (t»Dii wird der Stamm zasammen bernfen, usd der Nach- 
folger des verstorbenen Abbaye proklamirt. — 



l\. (iruiiiw. 



Die Ar 



Ilei einoi' Ktlinolof^ic der linei-ii, welclie die Urvülkerung Bengalens 
bilden, krmnen, niicbdcm die iiroingebon-uen Strimiue bciiniidelt worden xind, 
die Arier eben nur imd« tboiiwcisc ßcrücksiclitigiing linden, da eine eingehen- 
dere Beschreibung notbweiidiger Wfise die {rcsnwmte iudo-ariaclie Bevölkerung 
nmfasseu niüsste. Col. Dalton füLrt daher mn ScbluHs seines Werkes nar 
die Kasten der Arier an, welclie den Hcst der Eiuwuliner Bengulens ans- 
niacben. 

Er ^^ei8t xunäcLst darauf Lin, dass die bekannte Kusteneiotheilung der 
Hindus in Brabmuneii, K:ihatriy:in, Vainyas und äiidriis eine verliMt- 
nissmäsdig moderne Eitiriehtung ist, denn die {ilteren Scluistrs uisscn tuo 
einer solcben Eiutbeilun)^ nichts. Die Arier ucbeineu naliirgi>n)iii<s in zwei 
gruese Klassen zu zertatteti: die Vich/uchttreibende und die Acker- 
bauende, deren Ke]>r;is('nl unten wir jetzt noch in den um zahlreichsten ver- 
tretenen Kasten der tiopis oder Gwulas und der Kurmis tiiiden. 

Was die K8hatriyut> betrifft, so lüsst sich ihre [£ntstebung am cinfacbsten 
erklären, weim man annimmt, dnss es von vornhereiu :iur Existenz und zum 
Gedeihen der <:ben izenaiinten beiden Klassen nöthig war, dass sieb ein Theil 
ihrer Glieder dein Wull'enhundwerk liingnl), um die Ureinwohner zu bekämpfen 




Beschreibende Ethnologie Bengalens. 369 

tenden arischen Niederlassungen unter den Rakskas und Dasyas (die wilden 
Ureinwohner) einnahmen.*) Sie verheinitht'ten sich mit arischen Mädchen, 
aber ihre Nachkommen brauchten keineswegs Kishis zu werden, das Priester- 
amt war damals nicht erblich, es war eine i'rotession. 

Dif Kntstohuug der andiTU beiden Kasten und ihrer vielen Verzweigungen, 
deren Zahl bich bis auf 40 beläult, bedarf keiner Erkhlrung. Die täglichen 
Bedurinisso einer Ackerbau und Viehzucht treibenden Nation bedingen Ge- 
werbe und Handwerke, und was war natürlicher, als dass der Sohn Schüler 
deb Vaters wurde. Die Industriezweige erbten sich von einem Geschlecht 
aui's andere fürt, und erhielten endlich als für sich abgeschlossene Zünfte 
den Namen „Dschut** — Kaste, wörtlich „Art* oder „Weise** (der Beschäftigung.) 

1. Abtheilung. Die Brahmanen. 

Die in mythisches Dunkel gehüllten Kishis scheinen zuerst den Namen 
Brahman getragen zu haben. Sie waren die lumina ihres Zeitalters, und 
sie beleuchten uns noch als die 7 Sterne im Grossen Bären. Sie traten 
als Anachoreten von unantastbarer Heiligkeit auf, deren Privatleben aber 
nicht immer das sauberste war. Sie hatten liaisons mit Mädchen aus allen 
Ständen, mit Göttinnen. Nymphen, Prinzessinnen und Fischermädchen, 
und die grössten Für>ten hielten es iur eine Ehre, ihnen ihre Töchter zu geben. 
So wurden sie die Gründer des edelsten Geschlechtes, von dem eine indische 
Familie abstammen konnte und eine durchaus bevorrechtigte Klasse. Sie 
hatten ihr besonderes Ritual, in dem die Gesetze dei Abwaschungen und 
Audachtsübungen genau vorgeschrieben waren. Sie mussten viel studiren 
und sich einer ganz besonderen Askese hingeben, in der That, der orthodoxe 
Brahmane ist nichts weiter als eine Maschine, die sich geistig und körperlich 
vom Augt-nblick des Erwachens am Morgen bis zum Eiuschlufen des Abends 
nach vorgeschriebenen Kegeln zu bewegen hat. 

Was nun die in Bengalen wohnenden Brahmaneu anlangt, so sind sie 
die Nachkommen vun j Priestern, welche ums Jahr 1077 A. D. von Adisura, 
dem König vun Gaura, aus Kanya Kubdscha impurtirt wurden. Sic hiessen: 

Bhatta ^larayuna, aus der Sandiba Familie — Daxa, aus der Kasyapa 
Familie — 'Ischandara aus dem Vatsa Geschlecht — Shriharsa, den Bharad- 
wadscha angehörig, und Vedagarbha von dem Hause der Savaruis. 

Vur ihrer Ankunlt wurden die priesierlichen P'unctionen vun Sudras 
verrichtet, wie in dem alten Kamrup, der östlichsten Provinz Assams heut 
noch die grossartigsteu religiösen Etablissements unter der Oberleitung der Su- 
dras stehen. 

Die jetzigen Brahmanen in Bengalen zählen viele ausgezeichnete Männer, 

^) Vom \Veii»i-ii (iautuiiia lioisät e> in der Muhalihhanus, dusä er v«iiu laii<;ou Aufenthalt 
uuter den Da.'>yu^ on<llirli so ans^'eäelicn halie, wie sie. (Mnirs .Sanskr. Te.vts. Vul. II. p. 382.) 

Kbenda.Ht'li^i wild vum Küni^; Nuliusha cr/ältlt, da^s er die lleersrhaaren dvr L>a.syas M-iilug 
Uuü die ,Ki8bi.s* /.\iung, Trii>ut /.u /ableu. 



370 Bflschraibende Etlmoli^ B«ngiIoiK 

welche sich um das Wohl des Yotkca verdient gemacht haben and anter der 
briliscben Kegierung einllugsreiche PoBten bekleiden. Die, welche sich auf- 
echlie^alicb dem Priestcrsmt widmen, bilden eine nur geringe Zahl, die meisteo 
haben üaeculäre Erwerbsquellen gesucht und Bind jetzt Lehrer, Kaufleate, 
Farmer, oft auch Schreiber, und sie sind die intelligentesten ihrer Kaste, 
denn die Tenipelbiubniaueii zcicbnetj sich iu den meisten Füllen dnrch 
eine erstaunliche Uuwisäenlieit aus, deren Maass nur durch ihre Arrogatu 
übertroÖ'en wird. Es giebt kuum ein widerwärtigeres Subject als einen solchen 
Brabmaiieu, der vor dem Tempel eilzeud seine Götzen hütet, mit schreiender 
Stimme seine auswendig gelernten Scbriftabüchnitte ableiert und den Vorüber- 
gehenden, oft ohne sie auch nur HJizusehen, seinen Puss zum Küssen hinhültll 

2. Abtheilung. Die Ksbatriyas oder Hadschputs, und die Vaisya«. 
Im gewobulicbeu Sitraub gebrauch bezeichnen jetzt btide Namen ein und 
dieselben Persöulicbkuitcn, insofern muu nümlicli Huuimmt, daas alle Itadsch- 
pute (königliche Küste) von den Ksliutriyas herkommen. Dies ist aber keines- 
wegs durchweg der Fall, denn es giebt viele Uudschputs, welclie sich Kshat- 
riyus nennen, uud viele Königs- uuil Fürstensoline, denen, wenn aie das be- 
stimmte Alter erreicht hüben, von getalligeu Urubmunen die heilige Schnur 
umgelegt wird, welche die zweimal Oreburueu bezeichnet, die trotz alledem 
und trotz ihres lungeu Stauimbaums, dur oft 5U bis üÜ (ienerationeu aufweist, 
und unwiderleglich durthul, dass der Unibu der Familie ein Uishi, eiue Kuh, 
eine Schlange oder ein Biir war, doch nichts weiter sind, als Kuihs, lihuiyu 
oder Ounds. Die KadscLputs in Ueugalen schützt mau auf 14UUU Fumilieu 
mit 34 btÄmmen. Sie siud fast alle (irundbesitzer und nehmen in socialer 
Ilinsit^ht dieselbe Sietluug ein wie bei uns die Luudcdelleute. Sic reiten gut, 
sind passable Schützen und eifrige Jäger. Pferde-, llunde-, Eleiihanten- und 




Beschmfbend« Ethnologl« Rengaleni. 371 

einen Brahmanen im Sold, der sich an seiner Statt den genannten Observanzen 
unterzieht, das ist bequemer, und der Nutzen far das Seelenheil des ersteren 
bleibt derselbe. — 

Die Vaisyas sind alle Knufleute. ihre Ileimath ist das westliche und 
nördliche Indien. Sie sind in Rongiil nicht ansässig. Die Agarv^ahis, Oswals, 
un«) Bunias, welche rouu in Kengalen findet, gehören alle dieser Küste an, 
aber sie sind Fremde, welche in Geschäften sich eine Zeitlang hier aufhalten, 
oder in früher »lugend hieher kommen, um ihr Ghlck zu machen, und wenn 
sie sich ein hinreichendes Vermögen gesammelt haben, in ihre Heimath 
zurückkehren. Der Mandel Bengiilens liegt hauptsächlich in den Händen der 
Brahmtinen. Kshatriyas und anderer (niederen) Kosten. — 

8. Abtheilung. Die Kayasths. Die Schreiber käste. 

Die Kayasths halten sich für vornehme Sudras. Die alten Sänger und 
Schriftsteller thun ihrer nirgends Erwähnung. Sie selbst geben an, im Gefolge 
der Brahmanen, welclie Adisura importirte, iu's Land gekommen zu sein. 
Der Entstehung dieser Ka.^te liegt aller Wahrscheinlichkeit nach die Thatsache 
zu Grunde, dass mit der Einführung eines orgnnisirten i^egierungssystems 
sich die Noth\\endigkeit herausstellte, stets fertige Schreiber zur Hand zu 
haben. Und da die Brahmant^u oder die Vaisyas entweder keine Lust oder 
keine Zeit hatten, als offizielle Sekretaire oder Gerichtsschreiber zu fungiren, 
so schuf man sich die Scribenten aus den Sudras. Man suchte Leute mit 
schmächtigem Körperbau aber bedeutender Begabung, die sich weniger durch 
persönlichen Muth und grosse Schönheit, als durch Schlauheit und Witz aus* 
zeichneten, und bildete sie für ihren Beruf aus. Sie sind jetzt eine der ein- 
flussreichsten Kasten in Bengalen. In den Gerichtshöien spielen sie als Ad- 
vokaten, Rechnungsführer und ^^chreiber eine grosse Kolle. Die Feder, 
welcher sie ihie Grösse verdanken, ist demnach auch die von ihnen am 
meisten verehrte Gottheit, und dus >ripantbchami, ein Fest, welches gebildete 
Hindus zu Rhren der SaraAwati, der Göttin der Weisheit feiern, gilt bei ihnen 
besonder- h- eh. — Federn and Tinteniasser werden gereinigt , mit Blumen 
und Gersti nhalmen bestreut und wenn um Festtage was zu schreiben ist, so 
darf es nur mit Kreide gesclirieben werden. — ^ie nennen sich auch ^Kalam- 
dhara — die Federlührenden"" , und sind sich wohl be^usst, dass sie eine 
mächtigere A\ aS'e handhaben, als irgend eine der andern Kasten. — 

Als sich die Kayasths als Kaste etablirt hatten, mussten sie auch einen 
Stammbaum haben, und es wurde ihnen nicht schwer, denselben auf Lala 
Tschihgupta zurückzuführen, welcher beim Gericht, das Yamu über die Tudten 
hält, die Blätter des Schuldbuchs umschlägt, auf dem die guten und bösen 
Thaten der Menschen verzeichnet sind. 

Sie sind orthodoxe Hindus und fulgen in ihrer Lebensweise den Vor- 
schriften der Purans und den brahmauischen Lehren. Dabei sind sie besondere 
Gegner der Witlwenverheirathung, aber gros&c Freunde von Spirituosen. 



Beufareibende Etluiolo([fe Ba^[alaii. 



4. Abtheilimg. Die Hirtenstämme. Die Gopas. 
Die Gopas Dehmen unter den Sudras den höchaten Rang eJo, wahrschein- 
lich in Folge de» intimen Verkehrs, welchen Krielina mit ihnen pflegte. 
Krishnn goliürte za den Nachkommen des Yodu, den Yadavas, einer Nomaden- 
roce. welchi! Ilecrden hielten und Weide suchend umherzogen. Als Erishna 
geboren nurde, Iiielten sie sich in der Nähe Mathuras, dem jetzigen Mattra 
auf. Unter dem Namen Alnrs und Cropas werden sie als Genossen Krishoas 
genannt. Viele von ihnen wandern jetzt noch mit ihren Heerden and Familien 
in Mittel- Indien und im Westen Bengalens umher. Der Ertrag tob Milch 
und Butter sichei-t ihnen den Lebensunterhalt und temporäre Bambashütten 
geben ihnen das nötliige Obdach. Andei'c hubou sich an weidenreicben Plätzen 
niedergelassen und betreiben neben der Viehzucht auch den Ackerbau. — 

Ihre Feste stehen alle mit ihrem Lieblingsgott Krislina in Verbindung. 
Bei der „Doldschiitra'", welche Mitte März stntilindet. nehmen die Gopas den 
ersten Platz ein. Bei Gelegenheit diesea Festes erneuern sie ihren eigenen 
Kleidervorrath und alle Geräthschaften , die zur Vieliwirtlischaft gehören. 
Das Vieh selbst wird gebadit und mit Sandel und Gclbwurz eingerieben. 
Mit TitDü und Gesang durchziehen sie, mit kurzen ttlüben versehen, in Pro- 
zessionen die Strassen, liic und du stille haltend und die ^tübe zusammen- 
schlagend. 

Die Gopas oder Gauwalas, wie sie auch genannt werden, finden sich in 
grosser Anzahl in den abhängigen Mehals von Kutak und Tschutia Nagpur. 
besonders aber in Kecndschhar. Einige von ihnen nennen sich Mathura basis, 
nach der oben genannten Stadt MatLurU: und sie tragen den Stempel echt 
iirisühen Blute.-- in ihren Zügen. Andere, unter dem Nainuu Mugadha Gauwalas 
hekainit, scheinen Mischlinge von Gopas und Uicin wohne ni zu sein. 




Beschreibend« Ethnologie Bengalena. 878 

7. Eanakandschali — Anrede der Mutter an den Var beim Scheiden: 
, Wohin gehst da, mein Suhn?*^ Antwort: „Ich gehe, um dir eine Tochter (oder 
Sklavin) zu holen, o Mutter/ 

No. 1 — 6 müssen auch von der Braut in ihrem Hause beobachtet werden. 

Wenn der Var das Brauthaus betritt, so empfängt ihn der Dorfbarbier, 
welcher ihn mit Zucker und Reis bewirft. Der Var lässt sich darauf unter 
den jungen Leuten nieder und unterhält »ich mit iliuen, wälireud die Pandits 
(Schriftknudige, Gelehrte) mit lauter Stimme über Gesetzes- und Kitualfragen 
dispuüren. Nach kurzer Zeit >^ird der Var in die Tschaunitala gefuhrt, wo 
ihn b oder H verheirathete Frauen, den Adhibas tragend, umkreisen. Hierher 
wird die Braut auf einer Trage gebracht und sieben Mal um den Var herum- 
geführt, nun folgt der gewichtige Akt des „Subha drishti"^ (glückbriagender 
Anblick), d. h. es ist den Brautleuten gestattet, sich gegeuseitig anzusehen, 
(Gewöhnlich haben sie sich vorher nie gesehen.) Beide werden nun zu den 
Gästen und den Pandits geführt, wo die Adoratiou des Var seitens des Braut- 
vaters stattfindet mit den Worten: ich gebe dir meine Tochter. Der Var 
und die Braut sagen: „Was mein Körper ist, ist dein, was dein Körper ist^ 
ist mein*^. Sie tauschen nun ihre Guirlauden, mit denen sie geschmückt sind, 
gegenseitig aus, der Var bestreicht die Stirn der Braut mit Sindur und der 
Ehebund ist geschlossen. 

Der Var kehrt in die Frauengemächer zurück, um hier als Zielscheibe 
der Spässe der Brautjungfern zu dienen. Bei diesen Gelegenheiten herrscht 
vollständige Redefreiheit und die hier ausgetauschten W' itze und abgesungenen 
Lieder gehören selten zu den zartesten. — 

Den Gopas verwandt sind die Garer Is, dis Schafhirten, welche von 
dem Verkauf ihrer Heerden und der wollenen Decken leben, welche sie aus 
Schafwolle weben. — 

5. Abtheilung. Die Ackerbauenden Stämme. 

Die Kurmis. 
Üie heutigen Kurmis sind moglicherweiäe die Nachkommen einiger der 
frühesten arischen Colouiisten Bcngaleus. Die Ueberlieferung jedenfalls giebt 
ihnen den älteäteu Platz unter den Bewohnern und schreil)t ihnen viele von 
den Antiquitäten zu, welche jetzt im dichten Waldwuchs vcTborgeii liegen 
oder als Monumente einer Oivilisatiou vergaugener Tage zwischen den Hütten 
der oft halbwilden Kacen, welche jetzt diese Landstriche bewohueu, empor- 
steigen. — Die Kurmis nahmen von jeher eine hohe Stelle unter den Sudras 
ein. Buchanan erzälilt in seiner Geschichte Gorakhpurs von einem Kurmi, 
welcher vom Uadscha Asaf-ud-Daulah sogar den Köuigstitel erhielt. Er mudste 
denselben zwar in Folge der Eifersucht der benachbarten Barone, welche 
xa den stolzen Kadschputs gehörten, wieder niederlegen, aber die Familie 
gilt jetzt noch für adlig. Dergleichen Familien giebt es mehrere, sie sind 
unter den Namen Saithawar und Patana >\ar bekannt, und lieben es nicht, 

SailMferift für KlhooloKi«, JahrgaeK l«7l. 1Ä 



374 Buchraibande Btbnologie Benohna. 

Eurmis genannt zu wenleo. Im Süden lodieDS lieissen sie Kamni oder 
Kiinbi. 

Die Glieder der Kurmi-Kaste erstrecken «icb bie weit in die Nordwest- 
Provinzen hinein und werden in den Dschabalpur, Sag«-, Narbuda und Malwa- 
Distriktcn gefundeu. In Gudechrab und im ganzen Mahrattslsnde machen sie 
den Hauptlheil der ack erbauen den Bevölkerung aus. 

In Tschutia-Nugpiir und besooderN Munbhum sind sie äusserst zahlreich 
vertreten. Nach ihrer Angabe leben sie da ecbon seit 52 GeneratioDeo, ihr 
König (in Patschet) führt seinen Stammbaum wenigutens soweit zutGck. 

Obgleich nun die Kurmis zu den ältesten arischen Familien Bengalens 
zählen, uud viele ihrer Glieder sogar /.a hohen Ehren gelangt Hind, ko ist 
dennoch die sociale Stellung der Kaste im Allgemeinen keine besonders 
geachtete. Sie geniessen in Bengalen z. 6, nicht die Privilegiea eines 
„Bschala-tscharaufjn'' d. i. eines Stammes, aus dessen Händen ein Hinda 
höherer Kaste Wasser Irinken würde. 

Gebräuche. Die Kurmis bedienen sich der Brahmanen bei allen festr 
licheu Gelegenheiten, aber nie bei der Hochzeit. Ein Kurmi kann heirutben, 
wenn er Lust hat, er darf so viele Frauen nehmen, wie er will und kann sie 
wieder verlassen. Die Bräute kSoneo erwachsene Mädchen oder junge Kinder 
sein. Wittwen dürlen wieder ehelichen. Eine verheirathete Frau trügt einen 
eiserneu Ring an ihrem Handgelenk, uud der Mann scheidet sich von ihr, 
indem er diesen Ring entfernt. — 

Unter den llochzeitsgebräuchen dieser Kaste haben sich viele Ceremonieen 
eingebürgert, welche vou den sie umwohnenden Ureinwohnern entlehnt sind, 
so z.B. das Scheiogefecht, welches sich beim Zusammentreffen der Elochzeits- 
züge vor dem Dorf entspinnt. -- 

Weni) ein Heirnthsuntrag gemacht uud angenumnien wordeu ist, so beob- 




Beschreibende Ethnologie Benf^lens. 875 

wieder an die einiger Aborigines (der Nrauns), indem der Bräutigam erst 
mit einem lilangobaum getraut wird. Er umarmt den Baum, lässt sich an 
denselben binden uud bestreicht ihn mit rother Farbe. Der beim Anbinden 
gebrauchte Faden wird nun benutzt, einige HUltter vom Baum an das Hand- 
gelenk des Bräutigams zu befestigen, worauf dieser sich unter den stereotypen 
Fragen der Mutter: ,, Wohin gehst du, mein Sohn?** Antwort: „Ich gehe, um 
dir eine Dienerin zu holen^, von derselben verabschiedet, eine überdeckte 
Bahre („Dschahag*', Schifi) besteigt uud von seineu Freunden nach dem 
Brauthause getragen wird. Hier empfangen ihn die Brüder der Braut, deren 
Aufgabe es isU ihn so lauge zu necken und zum Besten zu haben, bis er sich 
durch Geschenke von Kleidern ihren Händen entwindet. «letzt erscheint die 
Braut, um die von den Schwiegereltern gebrachten Geschenke in Empfang 
zu nehmen. Dann verbindet sie sich mit einem Mahwabaum uud lässt sich 
von ihren Begleitern in einem grossen Korbe in die Hochzeitslaube tragen, 
wo sie vom Bräutigam den Sindurdab erhält. Dies ist der Schlussakt, welchen 
die Umstehenden mit dem Ruf: Haribol-Sindurdan ! (0 Krishna rede, der 
Sindur ist gegeben!) begrussen. 

In andern Distrikten geschieht der Sindurdan mit Blut. (Die ursprüng- 
liche Sitte, zum Beweise dass Beide ein Fleisch und Blut geworden). 

Feste. Unter den Festen der Kurmis ist das Akhan Dschutra oder 
Kuchenfest bemerkenswerth. Am letzten Tage des Monats Pus (Mitte Januar) 
wenn die Yorrathshäuser gefüllt sind, backen die Kurmifrauen Kuchen, welche 
die Gestalt eines doppelten Kegels haben und Gargaria Pitha heissen. So- 
bald das Gebäck fertig, ziehen sie ihre Feierkleider an und die ganze Kurmi- 
gesellschaft des Ortes versammelt sich ausserhalb desselben auf einer Wiese, 
wo die jungen Leute tanzen uud singen. Den Haupttheil des Festprogramms 
bildet das Hahueuschiessen. Ein Hahn wird in die Luft geworfen, um den 
Bogenschützen als Ziel zu dienen. Wer ihn mit dem Pfeil durchbohrt, ist 
der Held des Tages. — 

Aeusseres Aussehen. Die Kurmis sind durchweg braun oder gelblich 
braun, von mittlerer Höhe, gut proportionirt, leicht gebaut und im Ganzen 
hübsch aussehend. Kopf gut geformt, scharf markirte Gesichtszüge mit voll- 
ständig ausgeprägtem ariächcn Typus. Statt der sonst gewöhnlichen schwarzen 
oder schwarzbraunen Augen findet man unter ihuen zuweilen graue; auch 
das sonst stets schwarze Haar nimmt hei ihnen oft eine brauuere Schattirung 
an. Die Frauen zeichnen sich durch kleiue Füsse uud schöngeformte Hände 
vor vielen ihrer arischen Schwestern aus. — 

Koiris. Eine den Kurmis verwandte Kaste sind die Koiris, die Gärtner 
und Gemüsebauer. Sie treten weniger zahlreich als die Kurmis auf. In 
Bengalen hat sich ihre Zahl seit dem Aufschwung des 0])iumbaus sehr ver- 
mehrt. Sie gehöreu zu den Satsudras (reine Sudras), und sind, wie ihre 
Traditionen angeben, von göttlicher Herkunft, du sie von Mabadec und Parbati 



376 BcschmbendB Sthnologia 

zu dem besondern Zwecke gezeugt wurden, die Gärten im heiUgen Benarea 
in Ordnung zu balteD. — 

Ritual. Sie sind strikter in der Beobachtung der binduistisohen Voi^ 
Schriften, als manche andre Sudrsklassen. Sechs Monate nach der Geburt 
des Rindes erhäk es die erste Nahrung ans der Hand eines Brabmanen, and 
zwar Reis, welcher vorher den Göttern geopfert worden (Mahapraaad.) 
Im 5. oder 6. Jabre werden die Ohrläppchen TOm Guru (Beichtvater — 
Lebrberr — ) durcbstoüheu und die dem Kinde glflckbringende Mantra 
(beilige Formel) wird zur selben Zeit dem letzteren vorgesagt. Die Ver- 
beiratbungen fiulcu statt, wenn der Knabe 10 oder 12 and das Mädchen 
7 bis 10 Jabre alt sind. Die Präliminarien werden durch die Freunde im 
Haui^e der Braut angeknüpft, sind sie erfolgreich, so macht man das Engage- 
ment bindend durch gegenseitige Bescbenkung mit kleinen Geldsummen: die 
Freunde des Kuaben geben 4^ und die des Mädchens 1^ Groschen. — Die 
Verlobung wird vcrvollstfkndigt durch die Ceremonie des „Sugan bandhna", 
welche darin besteht, dass die Freunde des Knaben in Begleitung eines 
ßrohmanen mit Musik zum Hause der Braut gehen, wo sich auch die Freun- 
dinoeu der Braut versammeln. Hier breiten diu beiden Väter je ein oenee 
Stück Zeug auf den Boden. Der Brahmanc legt etwas Reis vom Vorrath 
des Hauses in die Hand des Mädchens, welche die Eömer auf das von ihrem 
zukünftigen Schwiegervater ausgebreitete ZeugstQck streut, dann giebt er 
dem Knaben Reis, welclier von seines Vaters Hause gebracht ist, um ihn 
auf das Zeug seines Schwiegervaters zu streuen. Nun werden die Zeug- 
streifen zusammen gerollt, die Braut erhält das ihrem Verlobten gehörige 
Bündel, wälircud dieser das von ihr gegebene mit nach Hause nimmt. — 

Acht Ta};e nach diesem Akt wird die Hochzeit vollzogen und zwar unter 
der Oberleitung eines Brabmanen -Priesters nach dem üblichen Hinduritas. 




Bepshraibende Ethnologw Bengalens. 377 

Die Eolitas. 

Dieser Stamm erscheint in seiner ursprQnglichcn Reinheit noch in Asam, 
als Vertreter der ersten arischen Colonisten dieses Distrikts. Sie bilden einen 
bedeutenden Theil der Bevölkerung Kamrups und werden allgemein als die 
echtesten Hindus geachtet. — In den südlicheren Theih'n Ik'ugalens haben 
}«ie sich besonders in den tributpflichtigen Mehals angehäuft und da mit den 
Kurmis vereinigt. Sie finden sich in den Dörfern der Goiids und der Kandhs 
aber stets als Herren, welche über die vorerwähnten Ureinwohner die Ober- 
band gewonnen. 

Ihrer Angabe nach kommen sie ursprünglich von Mithila (wahrscheinlich 
im Gefolge Kams, denn dieser gottgewordene Held ist noch ihr Lieblingsgott). 

Sitten. Die Kolitas haben durchaus nichts Keservirtes in ihrem Um- 
gange mit Fremden. Als Col. Dalton sie besuchte, gestatteten sie ihm freien 
Zutritt zu den Gemächern ihrer höchst substantiellen und comfortablen Häuser. 
Auch die Frauen wurden ihm nebst Familie vorgestellt, ein Beweis, dass das 
Pardah-Syslem^) bei ihnen keinen Eingang gefunden. Ebenso kennen sie 
die Verheirathung der Kinder nicht, sondern lassen ihre Söhne und Töchter 
erst in mannbarem Alter ehelichen. — 

Aeusseres Aussehn. Ihre Farbe wechselt zwischen Kaffeebraun und 
Gelb (zwischen 43 und 45 nach der in den Memoires de la Societe d anthro- 
pologie veröffentlichten Tabelle), Mund gross, aber gut gebildet, Augen gross, 
klar und voll, die Augenbrauen fein gezeichnet mit langen Wimpern. Nase 
gewöhnlich^ manchmal stumpf. Stirn grade, aber schmale Schläfe, das Oval 
der Kopfbildung beeinträchtigend. — 

Namen. Sie sind auch unter den Namen Tasa oder Tschasa (Acker- 
bauer) bekannt und die Yomehmeren nennen sich Kolita Tasa. - Im Uebrigen 
gehören sie zu den Satsudras. 

Die Agariahs. 

Dies ist ein kleiner, aber wohlhabender Stamm in den tributpflichtigen 
Mehals. Sie leiten ihren Namen von Agra (eine Stadt im nördlichen Indien) 
her. Dort lebten sie früher als Kshatriyas, wanderten später in Folge von 
Unterdrückungen von Seiten des Fürsten aus, und Hessen sich im Süden 
nieder, wo sie die Abzeichen und Beschäftigungen ihrer Kaste ablegten und 
zum Pflug griffen. — 

Ihre Erscheinung entspricht ihrer angeblichen Abkunft. Hoch von Statur, 
stark gebaut, mit echt arischen Zügen machen sie ganz den Eindruck von 
Radschputs, nur sind sie fleissiger und intelligenter als ihre Brüder von der 
Kriegerkaste. — 



*) Pardab =- Vorhang. Die orthodoxen Hindus schliesseu ihre Frauen ¥om Aussenverkehr 
ab. Die Zimmer sind mit Vorbäogen Tersehloeeen. — 



878 B«aebr«Ib«]|de KtlinoloKla Bnplani. 

Gebräache. Die Franen sind aller Aasseotirbeit eothobeD, jedoch d«ni . 
Verkehr nicht abgeechlosBen. Neben den h&uslichen Arbeiten besch&ftiffan 
sie sich mit SpioneD. Das Garn wird dem Dorfweber flberp;ebflD, welch«r 
ihnen die zom Kleiden n6thigen Gewände fertigt 

Die Mädchen werden zwar schon in trübem Alter rerlobt, bleiben aber 
in ihrem Yaterhanse, bis sie mannbar geworden. Nach der Verlobang legen 
sie Silberschmnck an. 

Bei der Hochzeit amtirt ein Brahmace, der aber aas den Nordwes^tro- 
vinzen gekommen sein musa. Er versoi^t eioen grossen Kreis von Dörfern, 
indem er von einem Ort zum andern geht und die Heiraihslustigen zoaäm- 
menspricht. 

Die Agariahs sind durchweg orthodox, nar erlauben auch sie die Wittwen- 
verbeirathuDg. Ebenso unterscheiden sie sich von den Hindus durch die 
Sitte, ihre Todten zu begraben, anstatt zu verbrennen. Sobald jedoch die 
Knochen trocken geworden, graben sie dieselben ans, und übergeben die grosse- 
ren nebst einem Theile des Schädels dem Ganges. Diese Gebeine heiiisen Ashta 
oder Asbtaog ( — 8 Glieder), weil sie die 8 Haupttheile des Körpers reprft- 
sentiren sollen. 

Hexen. In Gangpur, wo gegen 3—4000 Agariahs leben, stehen ihre 
Frauen und Mädchen im Rufe der Hexerei. Die alten Weiber theilen die 
Geheimnisse der schwarzen Kunst den Mädchen mit und diese ex))enmea- 
tiren an den Bäumen im Walde. Ihre Prüfung besteht in der Veruit^tang 
eines schönen Waldbaumes durch die Macht ihrer Maotras (Sprüche). 

Die Händler, Handwerker, Gemischte nnd unreine Stämme. 
Wir kommen nun zu den Stämmen, resp. Kasten, welche in der socii^en 
Soala der Arier den niederen nnd niedrigsten Rang einnehmen. 




Betehreibende Ethnologie Bengalens. 379 

wegen der Wichtigkeit, welche bei yielen reli^iöaeu Ceremonien dem Ab- 
scheeren des Bart- und Kopfhaars beigelegt wird. Die KlassifiziruDg dieser 
Kasten als reine und unreine ist augenscheinlich oine ^anz willkürliche, denn 
die Barhis — Ziiumcrleute, Tischler sind z. B. unrein, wahrend die Kandus, 
wie' eben bemerkt, tür rein angesehen werden. Zu den unreinen Kasten ge- 
hören auch die Kumhars — Töpfer, und zwar, weil sio ^den (Tef:\8>en, welche 
sie auf der Scheibe drehen, den Knpf abschneiden'" (jior BodtMi des Gefasses 
wird yermittelst eines Fadens von der Scheibe abgelöst). Die Sakherai — 
Lackarbeiter gehören zur selben Klasse. 

Die Binds, Tschaing, Kewots, Malers. Fischer, Bootleute und Tagear- 
heiter sind so unrein, dass kein Hindu das Wasser trinken wurde, welches 
sie geschöpft. Die Dschogis und Patwas — Seiden Züchter, reiche Leute und 
durchaus an stand ig, stehen eben so tief in den Augen der anderen Kasten. 

Unrein sind ferner: 

die Weber, Oelpresser, Pusis — Palmcnsaftzapfende, Dabgars — Leder- 
schlauchfabrikanten, die Schuhmacher, die Gerber. Unter diesen machte sich 
vor etlichen Jahren eine Reform geltend, welche Iteinheit der Sitten anstrebte. 
Die reformirten Gerber nannten sich Satiamas und in der Kegierungsgazette 
werden sie als eiu ,.regenerated peo])le, frugal and temperate^ angeführt. 

Noch tiefer als diese stehen die Ghasi — Musikanten, die Doms, denen 
es obliegt, die Parialiunde, welche frei in den Strassen umherlaufen, todt zu 
schlagen und bei Seite zu schaffen und Scharfrichterdienste zu thun, ihre 
Nebenbeschäftigung ist Korbflecliten, die Dosads — welche als Wächter und 
Postlfiufer angestellt werden. Sie verehren den Dämonen Rahu, welcher 
bekanntlich die Ursache der Sonnen- und .Mondfinstemisse ist, indem 
er beide von Zeit zu Zeit zu verschlingen droht, aus Rache dafür, dass ihm 
Vishno ein<tt den Kopf abschlug. Die Dosads glauben sogar von Rahu ab- 
zustammen, die Vornehmeren unter ihnen von Rahu und seiner Frau, die 
Niederen von dem Dämon und der Kammerfrau der letzteren. Ihre Art und 
Weise den Rahu zu verehren, ist daher auch so dämonisch wie nur möglich. 
Sie besteigen Leitern, deren Stufen von Schwertklingen gebildet sind, welche 
mit der Schneide aufwärts stehen und natürlich die Fusssolilen verwunden, 
dann laufen sie durch Gräben, die mit Feuerbränden angefüllt sind, aui welche 
noch Gel und Butter gegossen wird, um die Hitze zu vermehren. Auch die 
Dosads fingen vor 3 oder 4 Jahren eine Reformation ihrer Kaste an, aber 
ohne Erfolg. — 

Eine ebenso tief stehende Kaste sind die Bedyas - die Zi;^euner Ben- 
galens. Sie haben ihren eigenen Dialekt, verdienen sich ihreo Unterhalt 
durch Wahrsagen, Seiltanzen, Vogelfangen u. der^l. Sie siii<l fahrende Künst- 
ler, die stets unter polizeilicher Aufsicht stehen. Viele nennen sich Muhame- 
daner und unterziehen sich der Beschneidung, ihre Sitten sind aber im Ganzen 
hinduistisch, auch consultiren sie bei besonderen Gelegenheiten die Brah- 



380 üab«r dl« BIwnrhUtBint. 

manen. Die Kaste ist vollständig organisirt nnd hat ihre Haoptqnutiere an 
beBtimmten Orten. 

Zn den gemischten StämmCQ gehören besonders die Radschwara, ^ 
Strassenräaber in der Umgegend von Gaja bekannt. Sie geben vor, her- 
antergekommcne Eshatrijae zu sein, doch finden sich wenige echt hindnietrsohe 
Gebräacbe unter ihnen und die Behauptung der Bengal Radschwars, das« 
ihre Stammeltem Kurmis und Kolbs waren, dürfte wohl das Richtige sein. 

Zu derselben Klasse zählen endlich auch die Baoris und Bagdis, die 
Ueberreste einer ürrace, welche durch Vermischung mit den niedrigen vor^ 
erw&hnten Kasten ihre ursprünglichen Kennzeichen ganz verloren. Sie be- 
schäftigen sich mit Fischen, Palki tragen nnd jeglicher Art Lohnarbeit. Be- 
merkenswerth ist, daes auch diese Kasten, die Niedrigsten der Niedrigen, ihre 
Ehrengesetze haben, so wird 7.. B. ein Baori, wenn er einen Heron (Kranich) 
oder einen Hund tödtet, aus der Kaste gestossen. Der Kranich n&mlich ist 
das Emblem ihrer Kaste, dessen Fleisch nicht genossen werden darf, und der 
Hand nimmt bei ihnen die Stelle ein, welche der Brahmane der Kuh gegeben hat 
Ein alter Baori erklitrtc Colonel Dalton, sie hätten den Hund deswegen ca- 
nonisirt, weil er sehr nUtzlich sei, so lange er lebe, und nicht gut schmeoke, 
wenn er gestorben." 

(Schlnn). 



Ueber die Eheverhältnisse. 




Ueher die EhaTarhältoisse. 381 

Clan) zu bewahren, w^rend später das einheitliche Band durch die Sprache 
oder Oemeinsamkeit politischer Tnteressen geschlungen wird, und die demnach 
physisch unter der aus verschiedenen Elemonton zusammenp^e würfelten Bevöl- 
kerung graduell hergestellte Aelinlichkeit die umwandelnde Kraft des Milieu 
beweist, wie sie bei Kreuzheirathen zur Erhaltung einer , «guten Kasse'' im 
Sinne der Thierzüchter unterstützt wird, wogegen bei festgehaltener Inzucht 
die Familie bereits zu Grunde gegangen sein wurde, ehe noch der Stamm 
erreicht ist. 

In der Naturwissenschaft ist es Pflicht, keine Behauptung ohne strenge 
Beweise aufzustellen und man sucht deshalb stets die aus den Thatsachen 
abgeleiteten Folgeruugen durch Experimente zu controlliren. Da es indess 
nicht wohl möglich ist^ mit dem Menschen Experimente jeder Art vorzuneh- 
men und ausserdem die langsame Entwickelungsdauer immer leicht ein Men- 
schenleben absorbirt, ehe hinlfingliches Material gesammelt ist» so hat die 
Ethnologie sich an eine verwandte Wissenschaft, die künstliche Züchtung der 
Hausthiere gewandt, um aus Beobachtung der dort rascher verlaufenden Vor- 
gänge erklärendes Licht auf die analogen in der Menschenrasse zu werfen. 
Die künstliche Züchtung, wie sie vor Allem von den englischen Pächtern be- 
trieben wird, hat besonders in der Veredlung der Rind-, Schaf- und Schweine- 
rassen, sowie der Pferde, werthvolle Resultate geliefert. Beim Schwein unter- 
scheidet der deutsche Landwirth (Nathusius) Natürliche und Unterrasse von der 
Cnltor-Rasse. Das Princip der künstlichen Züchtung liegt darin, ungehinderte 
Kreuzung, wie sie der ZufaU oder das Gerathewohl einleitet, zu verhindern, 
and immer nur zwei Thiere, die besonders mit den für Vervollkommnung 
wünschenswerthen Eigenschaften begabt sind, zu paaren. In dieser Weise 
hat man bald sein Augenmerk auf Verfeinerung der Wolle beim Schaf ge- 
richtet, auf die Vermehrung des Fettes beim Schwein, den reichlicheren' 
Milchertrag der Kuh^ grosse Schnelligkeit bei dem Pferde, und eine grosse 
Zahl neuer Rassen in's Leben gerufen, die eine selbstständige Existenz fort- 
führen. Sobald man nämlich immer viele Individuen mit denselben Eigen- 
schaften zusammenbrachte, wurzelte diese zuletzt ein und wurde hereditär. 
Man war auf ähnliche Vorgänge schon frühor beim Menschen aufmerksam ge- 
wesen, bei den sog. Stachelschweinmenschon, der Familie Lambert, den erb- 
lichen Blutern, der Familien der Sechsfingrigon, der Unterlippe der Jagel- 
ionen bei Heirath der Habsburger im Hause Oesterreich, der grossen Leib- 
garde Friedrich L von PnMissen und andore Beispiel«» solcher Art. Darwin 
basirt ebenfalls seine Theorien auf derartige Beobachtungen, wie sie in der 
Natur selbst vor sich gehen, oder in der .^natural selection", im Gegensatz zu 
der künstlich von den Pächtern geübten, die in England schon seit dem 
ersten Viertel dieses Jahrhunderts eifrig betrieben ward. 

Während nun eine vorsichtig und mit bestimmter Absicht geleitete In- 
zucht (The Breeding in and in, wie der Engländer sagt), bestimmte Eigen- 
schaften zu stereotypen macht und durch die so hervorgerufenen Veränderungen 



3R2 Uober «lie KheTerbiltRim. 

neue Rassen marbirt, »o haben im Gegeotheil planlos und allgemein «tatt 
habende Mischungen dae Resultat, »jjccifiBcho Unterschiede zd verwischen 
und eine oherflBchlich durch fliehen de Gleichartigkeit herzustellen. Eine aolofae 
trifft man deshalb auch bei den wilden Thieren, die im Zustande ungebon* 
dener Freiheit leben, und ebenso heirschon bei manchen Natiu-Tötkern Gebräuche, 
die dietie natürliche Tendenz noch durch ein Qberliefertes Gebot gestfltzt 
haben. Heirathen in der Bluts Verwandtschaft sind verboten u. A. bei ChannSK, 
Abiponer, Mongolen, Chinesen u. s. w., sowie nach dem indiaDischeii 
Totem, nach dem Kobong in Australien, nach der Gotra oder Familie (in 
Indien), sowie (nach der Äsvalüyana) nach der Pravara (mit demselben 
Kischi als Vorfahr), Ueberbleibsel finden sich in den Verboten des Spreohena 
und SeheuR zwischen Schwiegereltern und Scbwiegerkindem bei den Aro- 
waken, Cociemiiü (in Californien), Kaffem u. s. w. Bei aristokratischen Familien 
dagegen m&g gegentfaeils das Gebot auftreten, nur ein Verwandtschaftsglied tu 
heirathen. in Aegypten selbst die Schwester (nach Diodor), wie die persischen 
Könige sich mit der Schwester vermählten, und so die Incaa. Bis zum Jahre 
810 U. C. durften die Patricier nur unter xich heirathcn, bis das Canuiejlache 
Gesetz die Verbindung mit Plebejern gestattete. Bei den Beduinen hat der 
erste Vetter ein Vorrecht auf ein Mädchen, seine Base und 6ndet in engen 
Ad elsge schlechtem die Fortpflanzung in zu nahem Grade statt, durch mehrere 
Generationen hindurch tritt gewöhnlich Entartung des Stammes ein. In der 
künstlichen Kreuzung hat man nun die Erzeugung einer Kas^'c fast gane in 
der Hand und kann dadurch die interessanteste Illustration gewinnen für die 
Entstehung der Culturvölker, die auch sümmtlich aus Mischungen hervorge- 
gangen sind. Kin Culturvolk bildet sich dann, wenn eine solche Mischung 
eine güntitige und unter den richtigen Verhältnissen eingeleitet worden ist; 
da sie aber immer nur nach natural selection, in welcher ein Zufall in Ajt- 




Ueber die EbevarbUtniwe. 38S 

•päten^n Erscheinangsweisen nicht so sehr als Zeugungen zu betrachten, wie 
als Neu-Entfaltungen, indem gewöhnlich die eigentliche Stammesrichtung 
fiberwiegt, oft aber auch die fremden Zuthaten genügend stark sein mögen, 
um ein Abweichen im rechten Winkel zu veranlassen. Mit Verwandtschaft 
des Volkes lässt sich nur selten eine naturwissenschaftlich scharfe Auffassung 
vorbinden. £ine Heerde mag in bestimmte ßiutreinheit gezüchtet und durch 
sorgfaltige Aufsicht darin erhalten werden, 8(» dass von ihr die Schossen zu 
neuen Heerden gleicher Verwandtschaft ausgehen mögen, in dem unter natür- 
licher (wie künstlicher) Zuchtwahl gebildeten Volk dagegen sind stets eine 
Menge heterogener Bestandtlieile latent, von denen Je nach gegebenen Ver- 
hältnissen ein bisher scheinbar verschwindendes Element in vorwaltender Ent- 
wicklung begünstigt werden kann und die übrigen überwuchern mag. 
Nicht Verwandtschaft (am wenigsten hypothetisch in mythischer Nebelzeit 
gesucht) ist in der Volksgeschichte massgebend, sondern der Entwickelungs- 
gang und die ihn regierenden Geset7.e. 

Morgan wurde bei den Irokesen auf eine eigenthümliche Weise der Ver- 
wandtschaftsbezeichnung aufmerksam, die er im Gegensatze zu der uns ge- 
läufigen und rein beschreibenden eine classificatorische nannte, und die er bei 
weiteren Forschungen darüber bei einer grossen Menge anderer Völker auf 
der Erde wiederfand. Die Verschiedenheit erschien ihm eine so durch- 
gehende und eingreifende, dass er selbst ethnologische Verwandtschaft dar- 
auf bas^ren zu können glaubte, (während im Grunde die classificatorische nur 
in primitiveren Verhältnissen die fictitive Einheit des Geschlechts festzu- 
halten strebt), und er stellte zunächst zwei Gruppen einander gegenüber, die 
Völker beschreibender Verwandtschaftsbezeichnung (Aryer, Semiten, Uralier), 
und die classificirender (Americunische Indianer, Turanier, Malayen). im be- 
schreibenden Verwandtschaftssystem (das einfach die Verwandtschaftsgrade 
als solche in ihren Abstufungen bezeichnet) pflegt der Vetter ungefähr den 
fernsten Grad zu bilden, der noch bestimmt wird, darüber hinaus föngt die 
Familie an sich aus den Augen zu verlieren, das classificatorische (das die 
Verwandtschaften gruppenweise in den Bezeichnungen zusammenfasst) strebt 
dagegen dahin, die Familie zusammenzuhalten und zu verengen, indem sie die 
entfernten Grade auf nähere zurückführt, und die Seitenverwandten immer wie- 
der in die directe Linie der Asceudeuten und Descendenten hineinzieht. Bei den 
Irokesen z. B. wird der Onkel (der Bruder der Mutter) Vater genannt, sein 
Sohn (der Vetter) wird dadurch zum Bruder, und dessen Sohn /.um eigenen 
Sohn, Enkel zum Enkel u. s. w., die Tante heisst Mutter, ob väterlicher oder 
mfitterlicher Seite, während der Onkel, als Bruder des Vaters, die Bezeich- 
nung Onkel bewahrt. Bei den Kingsmill-Insulanem heisst auch der väterliche 
Onkel Vater, die Tante, ob mütterlicher oder väterlicher Seite, Mutter, wo- 
gegen z. B. wieder bei den Tamul die mütterliche Tante Mutter heisst, die 
väterliche dagegen Tante. Es finden sich nun noch eine Menge sonstiger 
Vamlionen, bei den Delawaren z. B. heisst der Vetter nicht (wie bei den 



384 Deber dw BhmrUlliiisae. 

IrokeseD und sonst vielfach) Bruder, sondern bot Stiefbrader, (Brndar durcli 
den väterlichen Onkel im Slavonischen), sein Sohn bei den Cherokee heiBSt 
bereits Enkel, bei den Japanern wurde der Onkel kleiner (oder zweiter) Vater, 
bei den Creee der mütterliche Onkel älterer Bmder g;enaniit. Dl« Beseich- 
nnnfren älter oder jünger komoien überhaupt vielfach vor und beruhen oben 
auf genauerer Scheidung dt^r VerwandtschaHsgrade (die eo bei den Litdiauera 
hervortritt). Die Geschwister unter sich bezeichnen sich (wie bei Chinesen) 
vielfach als ältere oder jüngere, so auch bei den Magyaren, Batyani (älterer 
Bruder), Ocsem (jüngerer), NenPm (ältere Schwester), Hugom (jüngere). Bei 
uns sind dagegen die Bezeichnnngen oft sehr lose nnd wechselnd. Die Un- 
terscheidung /wischen Muomft oder Muhme (Mutterschwesler oder Matertera) 
und ßasr (Vaterschwester) ist durch das Vorwiegen der Bezeichnung Tante 
verloren gegangen. Unser Neffe und nepos oder Enkel wird im Holl&ndischen 
für Veiter gebraucht. Ohem (der Mutterbruder) wird auch auf den Neffen 
angewandt. Bei den Zigeunern ist jeder Freund ein (jako (Vetter oder 
Oheim). Im Plattdeutschen und Flämischen bezeichnet die Nichte auch Cousine. 
Am Cap redet der Aeltere den Jüngeren als Neffen an, der Jüngere den 
Aelteren als Baas (Baeemann). Unser Vetter ist ursprünglich kleiner Vater 
und gilt 80 als Bezeichnung des Vaterbruders, wie noch bei Luther, der in- 
dess such schon den Neffen (Scbwestcrsobn) so nennt. Der Vetter ist zu- 
gleich der Gevatter, der dem Kinde den Namen giebt, und auch das beruht 
auf einer psychologischen Grundanschauang, die weit verbreitet ist, indem 
eine Menge Naturvölker das Kind nach einem früheren, besonders älteren 
Verwandten benennen, dessen Seele, wie sie glauben, in dem Neugeborenen 
wieder er schienen ist. Am häufigsten giebt der Grossvater den Namen ab, 
nach dem auch bei den Griechen die Kinder am liebsten benannt wurden. 
Bei manchen der Indianer wird das Kind nach dem ältesten Familienglted in 




üeW die EhevarhUtnifM. 385 

Bie Grossvater. Später wurden sie (die Lenape) von den Wyandot als Neffen 
bezeichnet, die Ojibeways aU jüngere Brüder, die Shawnee» als jüngste Brüder. 
Im gewöhnlichen Leben sind die Anreden gleichfalls unter den Verwandt- 
schaftstiteln (oder sonst allgemein durch Freund) und müsseu deshalb auch 
schon die scharfe Markirung derselben bewahren, (obwohl die Höflichkeit 
hier, wie überall, zur Steigeruug neigt), da die Aussprache der eigentlichen 
Namen aus verschiedenen Gründen umgangen zu werden pfli'gt. 

Eins der bedeutsamsten Merkmale in diesen Verwaudtschaftsbezeidinun- 
gcn ist die Unterscheidung zwischen dem väterlichen und mütterlichen Onkel, 
dem Oheim und dtm Vetter, dem OtitK und .utQaäüifOi; (/ttrocnc;). Die 
Wolof nennen die Brüder des Vaters papae und die Neffen väterlicher Seite 
domae (Kinder), wälirend die Kinder der Mutterbrüder (nidhiaye) Dhiaerbate 
(Neffen und Nichten) heissen. Die Kömer unterschieden den väterlichen 
Oheim als patruus (pitraya im Sanscr.) vom mütterlichen uvunculus, und 
avunculus ist eine diminutiun von avus, Grossvater oder Alin. Der Mutter- 
bruder oder Oheim mütterlicher Seite steht nun bei einer grossen Zahl von 
Vülksstummen in einer eigenthümlichen Beziehung zu seinem Neffen, die 
nicht besser ausgedrückt werden kann, als mit dem von Tacitus bei den 
Germanen gebrauchten Worte, indem er von dem Avunculus (qui apud patrem 
honor) sagt: sanctiorem arctioremque hunc iiexum sanguinis arbitrantur. l)ie 
grössere Heiligkeit dieses Verwandtschaftsverhältnisses, die Ansicht, dass die 
Vervvandtschal't zwischen Onkel und Neffe eine engere sei, als die zwischen 
Sohn und Vater, findet sich bei den Battas, bei den Fijieru, bei den Ke- 
nayem, bei den Kasias, in Congo, Loango, Senegambien, Malabar und an 
unzähligen anderen Orten, meist in Verbindung oder vielmehr als Folge des 
älutterrechts, von dem sich im Alterthum Spuren bei Locrern, Etruskern und 
(nach Herodoty bei Lyciem zeigen. In diesem gehört das Kind nicht dem 
Vater, sondern der Mutter, und in solchem setzt sich die Familie fort, also im 
graden Gegensatz zu der altrömischen Familie, die auf dem Mannsstamm ba- 
sirend (auf die Schwertmagen und die Germagen) alle diejenigen Individuen 
(des Mannsstamms) uuffasste, die vun Generation zu Generation aufsteigend, 
den Grad ibrer Abstammung von einem gemeinsamen Stammherrn darlegen 
konnten. Im römischen Sinne wur eine Fortpflanzung der Familie nur durch 
den Mannsstamm möglich, denn die iiüae familias treten entweder mit ihrer 
Verheirathung in eine andere Familie über und verlieren zugleich durch ca- 
pitis deminutio minima, die mit der manus (dem Mund) verbunden war, jede 
Beziehung zu ilircr angestammten Familie, oder bildeten, wenn unverheirathet 
unfruchtbare Familie. Bei den Völkern des Mutterrechts dagegen folgt das 
Kind der Mutter und tritt in deren Familie, und somit in deren gens, über. 
Bei den Irokesen finden sich z. B. acht grosse Totem oder Geschlechter 
die gemeinsame Geschleclitswappen führten, in zwei Abthoilungen, nämlich 
die vier Geschlechter des Wolf, Bär, Biber und Schildkröte, und das Vier- 
geschlecht des Ueh, der Schnepfe, des Reiher und des Habicht. Diese acht 



386 Cab« die EhoerfaUtaiHa. 

Geschlechter ururzelteii anf der ursprünglichen StammflTerfiwaang d«r Irokaseo 
aiid hatten mit den 5 (oder 6) NatianeD (OoondBga, Mobawk, Oneida, Seneca, 
Oajrugaa), die später aus politischen VeranlaeBungeii gebildet waren, nichts 
zu thun, indem eie durch diese Nationen gleichmäasig hindurchgingen, eo dass 
uluo jede dieser Nationen achtfach gctheilt wurde, und solche Verwandtschaften 
innere Kriege verhinderten (während in Australien sich Kinder desselben 
Vaters von verschiedenen Mattem bekämpfen mögen, weil andere Namen füh- 
rend, ausser bei den vierfachen Kreuzungen der Ippa und Ippatah, Enbbi nod 
Kapoto, Kuml)o und Buta, Murri und Mata in Oe (^Australien). Nach einem 
ethnologisch häufig wiederlt ehren den Brauche durften keine Ehen innerhalb 
desselbi'D Geschlechts abgeschlossen werden, indem die verbotenen Verwandt- 
schnttsgrade weit über die Blutsverwandteu und die eigentliche Familie hin- 
ausgeruckt waren. Ein Irokcite des Bärenstamms durfte z. ß. nicht nur nicht 
innerhalb dieses Geschlechts heirathen. sondern konnte anfänglich seine Frau 
auch nur in einem Geschlecht der /.weiten Abtheilun^ wählen, also z. B. 
des Habichte. Üie daraus geborenen Kinder gehören nun nicht dem B&ren- 
stamm an, wie der Vater, sondern dem Habichtstamm der Mutter, und sie 
treten in deren Familie Über. Der Sohn kann deshalb nicht von seinem 
Vater erben, das Vermögen dieses verbleibt seiner eigenen Familie, seinen 
BrQdern (und Schwestern, soweit diese letzteren liecht darauf besitzen). Die 
Mutter kann den Kindern aber nichts zum Erben hinterlassen, da sie von 
ihrem Ehemann gekauft war, ohne Mitgift mitzubringen. Ihr Sohn ist also 
auf ihren Bruder (seineu nächsten männlichen Verwandten von der mQtter- 
lichen Familie) d. h. auf den mütterlichen Oheim hingewiesen, nnd von diesem 
erbt er auch in der That. Dieses sogenannte Neffenrecht ist z. B. auf den 
Fiji-Inseln derartig ausgebildet, dass der Neffe (Vasu) schon bei Lebzeiten 
seines Onkels gewisse Ansprüche auf das Eigeathum desselben beaitzt und 




Ueber die Kheverhältniase. 387 

Hinweis auf den Wendepunkt des Verschwindens glaubt man in der Orestes- 
sage zu erkennen, wo der Sohn \^'egen Ermordung seiner Mutter von den 
Furien verfolg! wird, sich aber vor dem Areopag mit der Verpflichtung ent- 
schuldigt, für den Mord des Vaters Rache zu nehmen, und die zu Gericht 
sitzenden Götter (Apollo und Athene) billigen seine Auseinandersetzung, dass 
das Kind dem Vater näherstünde, als der Mutter. 

Zum Verstündniss der verschiedenen Formen der Verwandtschaftsver- 
hältnisse, die auf der Erde angetrofi'en wi*rdeu, bleibt es immer eine noth- 
wendige Vorbedingung, auf die Formen der Ehe zurückzugehen, durch welche 
die Ehe und dann die weitereu Verwandtschaften gebildet werden. Wir iin- 
den Monogamie, Digamie (mit dem C'icisbeo-Verhültniss verbunden), Poly- 
gamie, Polyandrie mit variirenden Zwischenforinen, neben communalen Ehen, 
und ausserdem lassen sich zwei Arten der Eheschlicsstung unterscheiden, der 
exogenen und der endogenen Ehen, wie man sie zur Characterisiruug genannt 
hat. Als exogene Ehen sind die bereits genannten bezeichnet, in denen es 
verboten ist, innerhalb desselben Geschlechts zu heirathen. Bei den endo- 
genen Ehen dagegen wird die Frau innerhalb derselben Familie gewählt und 
bestimmte Verwandtschaftsgrade werden als die für Verheirathung geeignetsten 
betrachtet, wie die Araber ein Anrecht aul die Uand ihrer Cousine besitzen. 
Auch in den endogenen Ehen pflegen die nächsten Grade der Blutsverwandt- 
schaft verboten zu sein (gewöhnlich bis zu den leiblichen Vettern, obwol die 
Kirchensatzungen unter Gregor 1. eigentlich alle Verwandtschaften aus- 
schlössen), ausser einigen Verirrungcn aus aristokratischem Stolz, wie denn 
die Inca ihre Schwester heirathen mussten. (das Blut der Sonnensproüisen rein 
zu halten), die siamesischen, die achaemeuidischen Könige (der Perser) und ver- 
einzelte Ade]»ge.^chlecliter. Die exogene Ehe ist im Grunde nur eine Ausdeh- 
nung der verbotenen Verwandtschattsgrade aut die ganze Familie, denn der 
Stamm, innerhalb dessen Grenzen man nicht heirathen darf, wird eben als 
wirkliche Familie, als ihre Er^^eiterung, tingirt, und alle Geschlechtsgenossen 
gelten, wie im Clan, mit einander verwandt, wie sich die Chinesen von den 
Zunamen oder Gesclilechtsnameu (die von der Mutter und den Kindern an- 
genommen werden nach dem des Manns) auf die 100 Familien zurückführen. 
Die Verbote erstrecken sich bei Uo über seine Kheeli, bei Brahmanen über 
die Gotra, bei Indianern über die Totem, bei Australiern über den Kobong, 
und es wird so die Schädlichkeit der Inzucht vermieden, bei stetem Kreuzen 
mit frischem Blut. 

Die commuualen Eben führen sich auf das ursjirüngliche Recht des 
Stärkeren zurück, in welchem das schwächere Geschlecht dem Manne dienst- 
bar ist, als Sklavin, wie in den einzelnen Familien (in Airika, bei Indios do 
Matto u. s. w.), und nach welchem, bei einem Gesammt-Eigenthum des 
Stammes, alle in demselben geborenen Frauen als dazu gehörig betrachtet 
werden. Solcher Hetärismus soll (nach Herodot) liei den Massageten. nach 
Strabo bei den Garamanten bestanden haben, und etwas ihm Aehuliches 



38S üaber dia BbeferUltnisM. 

findet sich bei den Teeyur Oade's, bei den Nair, Tattiyar u. b. w., wo aadi. 
lascive Uochzeitsgebräucbe, (wie Diod. Sic von BaieoreD erzählt), bei anderen 
Stämmen (z. B. Sonthal) auf sein traheres Vorbandensein deuten aoUen. 
WfiuBchte bei Existenz communaler Ehen Jemand eine Frau als Privatbeeits, 
äo konnte er sie eich, da die Frauen des eigenen Stammes Gesanunteigentham 
waren, nur von einem fremdeD Stamm verschaffen, und also wahrscheinlich 
nur durch Raub, in der EhegrQndung durch Raptus, an deren irüheres Statt- 
haben solche Hoch zeits gebrauche erinnern, bei denen der Raub symbolisch 
geübt wird. Derartige Verhältniese, wo eine fremde Frau, die nun alleiniges 
Eigenthum ihre» Erb.euters sein sollte, in den Stamm und in das Vaterhaus 
eingefübrt wurde, mögen Anläse zu deu (bei Dacotah) Wistenkija oder (bei 
Kaflir) Ukohlonipa geuannten Gebräuchen, die Vermeidung zwischen Schwie- 
gereltern und -Kindern in verschiedenen Variationen gegeben haben. Poly- 
gamie findet sich einmal in Folge luxuriöser Üeppigkeit, wie bei den Reichen 
unter den Orientalen, oder In Verbindung mit dem ticlaveustande der Frau, 
wenn der eines Sklaven bedürftige Neger eich diese in Gestalt einer Frau 
kauft oder in Pfand nimmt. Dies wird oftmals zur Nothwendigkeit in Folge 
von S an itätfi Vorschriften, die fast überall in Afrika gelten, dass nämlich der 
Manu seine Frau weder während der Schwangerschaft, noch während der oft 
auf mehrere Jahre ausgedehnten Säugeperiode beräliren darf. Bei Mönni- 
taries, Orows u. s. w. folgt Polygamie schon aus dem Umstände, dasa der 
die älteste Tochter Ueirathende Anrecht auf alle folgenden erhält, die nach- 
einander in seinen Hausstand eintreten. Polyandrie ist entweder Folge öko- 
nomischer Massregcln seitens des Mannes, indem verechiedene Bräder sich 
mit nur einer Frau als Haushälterin und Bettgenoeein begnügen, oder sie 
mag veranlasst werden, wie bei den Eskimos, Wadayem u. s. w., durch be- 
sondere Reize oder VorzQge der Frau, die mehr als eines Mannes werth gilt, 




Ueber die EheTerhUtniaae. 889 

sich veraulasst sehen, zu eigenem Privatbesitz niia fremden Stammen Frauen 
zu rauben, und diese müssen dann beim Einfüiiren in das Vaterhaus versteckt 
werden, damit dieser nicht seine Autorität geltend mache. Dann folgt im 
gegenseitigen Vertrage zwischen verschiedimcn Stammen das Couuubium 
(zwischen Hörnern und Albanern) als ein Ehrenrecht, und bei einem (Jonnubium 
mit Fremden (wie zwischen Horaticru und Curatiern) musste die Cognatio 
(aus älteren Beziehungen) im neu gegliederten Staat von dessen Kecht zu- 
rücktreten, denn während beim Mutterreclit. eine stete Zersplitterung der In- 
teressen statthat, kommt bei Kräftigung des Staates die patria potestas zur 
(leltung (der Patres familias, als capita civium). 13ei der australischen Zu- 
samniengehöiigkeit durch Mattagyne trennt in der Verpflichtung zur Blut- 
rache) beständig jeder Jeedyte-Ruf und ehenso erleidet der Besitz des 
Stammes stifte Schädigung, weil die Erbschaft (bis deren Bruder gesichert) 
fremden Frauen zufällt. 

l)as Kecht des Stärkeren macht sich auch in der Gewalt des Vaters gel- 
tend, indem sich derselbe, durch Verheirathung seines noch unmündigen 
Sohnes, die Braut (die auch in Kusslaud ihren Bräutigam früher auf den 
Armen tragen mochte) aneignet und da diese dann nach dem Aufwachsen 
ihres Mannes zu alt geworden ist* vermählt auch dieser wieder, um eine 
B«'ischläferin zu gewinnen, seinen kaum geborenen Sohn. Daraus mag sich 
dann das Cicisbeo-Verhältuiss 'entwickeln, oft mit rechtlicher btatuirung. 

Die Kechte der Frau werden durch die Dos gesicliert, wenn sich die 
unumschränkte Gewalt des Einzelnen zum Besten des staatlichen Ganzen 
beschränkt. Eine Kegulirung durch den Staat mag bei Zusanimenkoppelung 
passender Paare (wie in ('n*ta) eintreten, sov\ie wenn die Verheirathung mit 
einer verwachsenen Frau (vielmehr einer kleinen, da eine verwachsene schon 
als Kind ausgesetzt worden wäre) bestraft wird (in Sparta), oder dem Manne 
bei Unfruchtbarkeit seiner Frau die Zuziehung einer jüngeren Kraft freisteht. 
Inzucht wird zwar in den Ehen eupairischer Geschlechter bewahrt. Die ge- 
genseitigen Kechte der Geschlechter kommen in der Monogamie zur Geltung. 
Zur Polyandrie mag Sparsamkeit führen, wenn mehrere Brüder sich mit einer 
Haushälterin und Beischläferin begnügen. Die Polygamie dagegen bildet im 
Orient einen ljuxu>artikel. den nur der Reichere zu bestreiten verma*:, wah- 
rend den Neger seine Vielweiberei bereichert, indem er sich mit der Frau 
zugleich eine Sklavin kauft. Dann wirken uiibewusst, aber instinctmässig 
hygieinisclie Rücksichten mit, indem der Mann in Afrika seine Frau weder 
während der Seh wanger >chaft, noch wähn*nd der (lange dauernden) Säugezeit 
berühren darf und also einer Auswahl zum Wechsel bedarf. Die erste (oder 
legitime) Frau l)ew;ihrt ein Vorrecht über die Kebsweiber (x''^-^>?; yriatxo^). 

Es ist auch die noch unverfälschte NaturMtimme, die überall die Völker 
zu Kreuzheirathen geführt hat, um das Blut auizufri sehen, und selbst Eroberer 
pflegen früher oder spater ihre aristokratische Abgeschlossenheit der Adels- 
probe auizugeben und mit den Unterworfenen ein Counubium herzustellen^ 



390 UebtT die ShmrbUtniite. 

und ein solches wuril« in Rom den Latinem p;e«&hrt (sonst Peregrioi), üb 
Söhnen von Zwilliiigsschwestern (Nachkommen des Albaner Sequinias) enU 
Bprosseu. Fohlte wegen allzu tief eingewurzelter Feindlichkeit der Nachbar- 
Stämme die Möglichkeit zur Herstellung eines Connnbium, ao theilt sieb, wie 
auch in Ljcieii) der eigene Stamm, in Emeug und Ter in Australien, oder 
ttei den Ohoctaw. 

Schwangere Friiuen echliefes (auf den Pelew-Iueeln) nie mit dem Manne 
(nach Koate). Nach (julen haben sich die Frauen während der S&ugezeit 
des Coitut- zu eiitliulteu. In der Landpraxi» mit dem durch Perimetritis er- 
folgten T'id von fünf Frauen eine» mit weisser Leber (nach dem Volksglauben) 
behafteten iiiul doHhalli zu zweimaligem Beischlaf in der Woche gezwungeneu 
Tisch Icrmeislfrüi, der (uuch der Hebeamme) schon in der ersten Woche des 
Wochen bi'tten ceiue Frauen QberfuUen, wurde es Rittmana deutlich, warum 
die Zend'Avfstit bei den Persern ein ecchs wöchentliches Absperren der 
WOchiicrJniicu vom männlichen Umgimge anordnete und warum die mosaischen 
Gc^uodhoits-Vorschntten die Keinigungsopfer nach dem Wochenbette im 
Tempel vollschrieben. ,.Du(t nehmen unsere Aerzte, unsere Seelsorger und 
Hebaiiuiipn alles viel zu leicht." (Kittniaun). Die Fäbrlichkeiten der Schwan- 
ger-chufien führten darauf, die Schwangeren unter göttlichen Schutz zu stellen 
und liurch Talismane zu sichern, und dann wurde gleich die Braut prieater- 
licfa geweiht, tm dai's die Khe den Oharucter eines religiösen Institutes er- 
hielt. Auch mochte ^Ich die Widmung di-r Erstgeburt daran knüpfen, zum 
allgemeinen Abkaul' für den ferneren Verlauf in der Ehe. 

Au!^ der Ehe. als er^tter Kreieung der Gesellschaft geht die Familie her- 
vor, in ausgedi'linter l'criphene ul» Gens (unter Erweiterung durch die Ag- 
naten,. luiH urs)^>riiuglichcn Hatiicieru, wo der Clan unter Aufnahmi; fictitiver 
Verwandten und Zugehörigen seinen AbMChluss unter den Patriarchen be- 




Ueber EheTerh&ltniase. 891 

Die (jüdischen) Stumme ("''^urD oder i^i::'*l*) oder ffr)ai gliedern sich in 
Geschlechter (nirsfc) oder dt^tiot, diese in Familien (-"^^0 oder Häuser 
(oiVoi), dann folgen die Hauswirthe (-"'-3) mit ihren Angehörigen (Oeliler). 

Da bei den Kindern, trotz etwa zweifelhaften Vaters, die Mutter immer 
gewiss ist (mater certa), werden sie als dieser din»ct ungehörig betrachtet, 
und auf dem Furstenthron (in Afrika und sonst) folgt der Sohn der Schwester, 
woraus sich das Ncfienrecht (in engerer Beziehung zum a\unculus) bei den 
Varu auf Figi entwickelt, das vielfache Analogion findet. 

Der Neflc erbt in weiblicher Linie bei Nubicrn, Loaiit;eru, Fijiern, Ber- 
bern, Germanen (Tac), Lycieni, ;Herod.), Locriern (Polyb.), Etruskern, Mala- 
bern. Tulava. Kania. Kouh, Nairs, Kenager, Batta, Indianern der IIudson-Bay, 
Tonganer. Bei den Juden hatten Erbtöchter ihre Veiter zu heirathen. Blieb 
beim Au8^terben eines Geschlechts im Älannesstumm eine Erbtochter {fiintkr-tjog)^ 
war SU" mit nahen Anverwandten zu vermählen. 

Nach dem Magdeburgischen Kecht fiel der Grundbesitz mit Ausnahme 
von Mutter und Schwester an säraratliche Bruder. Nach preussischem Erb- 
recht folgt dem gestorbenen Vater nur ein Sohn im Gniudbesitz, wenn auch 
mehrere vorhanden sind. Bei den Petschenegern') succedirt der Neffe (Gonst. 
Gorph,). Mit Ausnahme der Bakalai, bei denen der Sohn vom Vater erbt, 
fand Du-Chaillu unter den westlichen Stämmen das Erbschaftsgesetz in solcher 
Weise, dass der nächste Bruder das Eigen thum des ältesten (Frauen, Sklaven 
u. 8. w.) ererbt, dass aber, wenn der jüngste stirbt, der älteste den Besitz 
erbt, oder der Neffe, wenn keine Brüder da sind. Die Iläuptlingswürde des 
Clan ist erblich und folgt unter denselben Bestimmungen. Sollten alle Brüder 
gestorben sein, erbt der älteste Sohn der ältesten Schwester, und so geht es 
weiter bis zum Erlöschen des Zweiges, indem alle Clan's als von weiblicher 
Linie her abgestammt betrachtet werden. 

Die indianischen Verwandtschaftsverhästnisse stieben auf Verengerung: 
Alle Nachkommen desselben Paares sind Consanguineer. — Blut- und 
Heirarhs-Verwaudte werden unter besonderen Bezeichnungen begriff»?n, — 
die CoUeraterallinien gehen in der directen Linie auf, — der Grad des Vetters 
ist die entfernteste Seitenverwandtschaft, — die Kinder der Brüd»'r sind Brüder 
und Schwestern zu einander, — die Kinder der Schwestern ^ind Brüder und 
Schwestern zu einander^ — die Kinder der Brüder und Schwertern stehen in 
entfernter Verwandtschaft, — die Bezeichnung Onkel ist auf der Muttor Brüder 
beschränkt (und Brüder der Schein niütt er), — die Bezeichnung Schwester ist 
auf des Vaters Schwester beschränkt u. s. w., — Neffe und Nichte sind (dem 
Männlichen) Kinder der Schwester u. s w., — Neffe und Nichte sind (dem 
Weiblichen) Kinder des Bruders u. s. w., — die Bezeichnungen sind wechsel- 



') Nepos fratris aut sororis, Tel ex fratre aut sorore iioii est mci fratris aut sororis filius, 
sed filius fllii fratris mei aut sorori.s. Ce ne sout pas Igs AN do^ caziqucs qui cii höritcut 
maia Icurs neveux, fils de leurs soeun cd'fiscobar; en Popayan. 



393 



Utbar di« Bh«T«Mltniu«. 



aeitig. — In der Linie folgen'): Urnrgrossrater (Hocsote), Urorgrouiuatter 
(Ocsote), Urgrossrater (HocBote;, Urgrosst&utter^Ocaote), GroBBrater (Hocsote), 
Urosemutter (OcBote), also zusammen als Ahn. Dann Vater (Hanih), Mutter 
(Non-yeh), Tochter (üah-ah), Enkel (Ka-ah-wak), Enkelin (Ha-ja-da), Ur- 
enkel (Ka^ya-da), Urenkelin (Ua-ya-da), Urareokel (Ka-ya-da), Urorenkelin 
(Ka-yu-da), älterer Bruder von Mannsaeite (Haje), ältere Schwester von 
Mannsäeite (abje), jüngerer Bruder (li^a), jaogere Schwester (Kaga), Brutler 
(da-ga-gwa-dan-no-da), Schwester (da-ga-gwa-da-no-da). 

Die El. mora oder Jünglinge (zwischen 20 — -iö Jahren) jagen und be- 
acliQtzen die Ansiedliingen und Heerden (der Wakuafi^), regiert durch die 
Elkijaro oder Elkiniiriche (Aeltesten) vermittels des Olkibroui (Oleibon oder 
Zauberer) uder Uäuptliug, als Oberster der Leibonok oder Zauberer (s. Krapf). 

Die WakuaK unterscheiden: 

1) Engera (kleine Kinder), 

2) Leiok (Knaben), . 

3) Eluoran oder Elkeiteau (von 17—20 oder 2ä Jahren), die (unver- 
heirathet) noch keine Ueerden besitzen und als Krieger dienen, 

4) Ekieko oder Verheirathete (mit eigenen Ueerden), 
ä) Esabuki (volle Männer), 

6) Elkijaro oder Elkimirisbo (Aelteste) mit Bogen (und Stücken) be- 

waänet (wogegen die jQngeren den Speer, den Langschild und 

die Wurfkcule führen). 

Als durch Engai (Himmel oder Gott) auf den Weissen Berg (Oldoinio 

eibor) das geheimaissvoUe Wesen Neitt.Tkob (Glanz oder Hülfe des Lande») 

gesetzt war, hörte von ihm auf dem sfldüstlichen Berge Sambu") der dort 



caj brother The bod of tbh 




U«b«r die Eh«T«rhlltiiiiM. 398 

mit seiner Fraa wobnende Engermasi Emauner, und begab sieb dahin, ^wo 
seine durch die Vermittelung Neiterkob's geschwängerte Frau eine Zahl Kinder 
gebar und Neiterkob, nachdem er das Zähmen der wilden Kühe im Walde 
an Heerden gelehrt) wieder ven«chwand, worauf Engermasi nach dem Berg 
Sambu zurückkehrte (s. Krapf). 

Unter den Wakuafi werden die Aermeren, die keine Ileerden be- 
sitzen, zu Dienstleistungen benutzt, und dazu gehören die Eldorobo (Oldo- 
robui im Sing.) oder Wandurobo (cl-madarub oder der Besiegte im Arab.) 
und die Klkomouo (Eisenschmiede), als Reste zersprengter Stämme, die bei 
den Suahili als Washinsi (Unterworfene) bezeichnet werden (wie die Wanika, 
die Washinsi in Mombas, die Wasegua die Washinsi Usambaras u. s. w. 
sind). Die Ariangulo und Dahalo finden sich in abhängiger Stellung zu den 
Galla an der Käste Malindi's (s. Krapf). 

Die Indianer (Nordamerikas) übertragen aui den Neugeborenen den 
Namen der ältesten Person in der Hütte (besonders den der Grossmutter). 
Von diesem Augenblick an nimmt das Kind die Stelle der Frau ein, von 
welcher es den Namen emphngen und man legt ihm im Sprechen den Ver- 
wandtschaftsgrad jener bei, so dass ein Oheim seinen Neffen als Grossmutter 
bezeichnen mag ^Chateaubriand). Der Vorname (Kunje) der Araber wird 
besonders von dem Sohne (und zunächst dem Erstgeborenen) hergenommen, 
kommt aber auch schon bei Neugeborenen vor (Kosegarten). Neben dem 
Ism (Namen) findet sich der Nisbe oder Familienname (auch geographisch) 
und der Kunje (das Merkmal). 

Die Beinamen (£l-eusab) sind ursprünglich nichts anders, als der Aus- 
druck des Bezuges (ifatet), welcher zwischen dem eigenen Namen und dem 
hinzugefügten Statt findet, und weil in diesem Bezug der Stamm, das Ge- 
schlecht und die Familie das Vorzüglichste ist, so gehen sie mit dem Namen 
£l-ensab oder den Abstammungen (auch Ssafedi) im Arabischen (v. Hammer). 
Patronymica stehen etymologisch oft mit Deminutiven in Verbindung. Der 
Sohn ist die Wiederholung (£f()'s* oder Abbild) des Vaters, dem gegenüber 

Waknati bet^n auf dem Oldoinio eibor (oder Kenia) zu Neiterkob für Regen (der Kilimandjaro 
liefrt im Lande der Ja^g^:. The term Enjeinasi Enauner refers to tbe pninted sfirk, which 
this per^ion rarried alw:iy8 aboiit bim. and with which be made a hule oii (iee|)enin(i; in tbe 
l^round, wberever he touched it (s. Krapf). Die Heerden weidenden Waknati (durch welche auch 
die Heerden der Gaila beraubt;, verachten den Ackerbau der Suahili, Wakamba, Wasambara 
^'».Hl^fifa- I^ie Wakuafi beten zu Neiternkob (N'.'iterkob) als Vermittler mit Kn^ai (einen Ochsen 
whlacbtemly. Die Wakuafi betrachten den Fn-milen cnler Olmajjrati, der ihre Sprache nicht 
versteht, als Feind .weil verdächti^') , bis er einen Fürsprecher nefuutleii hat. Die Wakua6 
^(cbreibe^ Knib<*l>en ;eni;ub eikirikiro) der die Krdc tragenden Kuh zu. die beim l-mdreheii den 
Boden mit itireu H<>rnern schlä^^t (s. Krapf], wie die Suahili The Wakuafi take firreat oiTenM 
at the ^uabilib turniu^' their (»ackside towanl heaven bey bowinj; their foreheads to the ground 
in pr.iyer ;s. Krupf,. Loshumban ejuluUm: bowin<r down, tn show ^od their backsiiio (wie Wad- 
/iimba (MJer [Suahili. Die mit dem Speer anf^reifendeu Wakuafi (lici denen nur die Alten den 
Kofren führen^ sind wef^en ihrer grossen Schilder von den Wakamba prefürchtet, da die Pfeile 
derselben dag*>(;en wirkungslos bleiben (Krapf/. l'hrysor erfand Angel und Köder (in i*hGnicien), 



394 



0«twr dia BlMvariiUtalM«. 



er stets der Jüngere ist oDd der Kleinere vu, wenn aucb vielleicht nicht 
immer bleibt (Pott). Die ÄbBtaramung vod demselben ersten Erwerber (con- 
qnaestor primus adquirens) durch den Mannsstamm zetfi^e sich oft auf 
Familien-Namen und Wappen bei LebneTettem (Agnatio), aof Farbe und Bild 
des Schildes (Klegi). 

Die Töchter werden nach dem Vater genannt, die Söhne nach der Uatt«r 
(bei den Hottentotten). Heirathet ein LGancbab eine Tsamraa, so heiasen 
die Söhne: die Töchter: 

Tsamrab Geib (als ältester) LCianchas Geis 

„ . dgam 8-eib (zweiter) , dgam s-eis 

„ Lnona s-eib (dritter) „ Lnona s-eis 

Ausserdem bat jedes Kind') einen besonderen Namen (Hahn). 
In Australien finden sich besondere Bezeichnungen bis zum neunten Kinde. 
Die Littauer können die Sip- und Blutsfreuudschaft') riel deutlicher und ge- 



B«i den Dacota: 

Fim-bont; cftske (if boj), vidoiul (if girl) 
Second- . B«pan ( <, !, üapao ( • } 
Tbjrd- , hepi [ . ), Hapiitiiina( . ) 
Fourth- , batan ( , ), vanske ( . ) 
Firth . tiiike ( , }, nihake ( , ) 
Jauaca, Familie (g;eni), giKnere 
Putra (po, puriEcere., puer 

(piiitliar oder Scbweiler in Irl. 
DahiUr, ilryäirjo. 

napat, uaptj (Sofan, Tochter). 
Naptar, naptri (EDkel, Enkelio). 
Bbralaa, trater, 7>"|i4». 

(brot^lB^is, Vetter im Litth.) 

aa^bhar (v. gleichem iilerua oder garbha | _ . 




U«btr die KherarbtitniMe, 895 

nauer bezeichnen als die Deutschen (s. Tjepner), indem die Freundschaft viel 
deutlicher gegeben wird, so dass man bald wissen kann, wie nahe Einer dem 
Andern verwandt sei. 

Der älteste Sohn wird nach dem Gross vatcr vfitorliclipr Seite, die älteste 
Tochter nach der Grossmutter, das zweite Kind nach dem Gro>bvater oder 
der Grossmutter mütterlicher Seite benamt. Beim drittrn Kinde huijen Oheim 
und Muhme vaterlicher Seite, beim virrten dito mütterlielier Seite die Namen 
(s. Toppe) im Saterlande (s. Oldenburg). 

Der Sohn des Vaters Bruders ist im Slavonisclien der Bruder durch den 
väterlichen Onkel (Stryjeczuybrat). Der Oheim (Mutt»»rhruder) oder Ohem, 
doch auch der Neffe (Schwestersohn) wird so genannt (s. Beuecke), Vetere 
(vetter), fataro (ahd.). patruus; Gevatre, compater (c«>iimat^r); Muüter, Mutter, 
Mnuma, Mutterschwester, Matertera; Base, Vaterschwfster (Basemanu). Avun- 
culus für patruus') hat schon die lex Salica und ebenso wurde Oheim (Mutter- 
brnder) auch auf den Vatersbruder übertragen (Diez;. Tante, aunit, umitA. 
Neptia, niece (nezza), nepota. 

Noch Luther gebraucht Vetter im eigentlichen Sinne (als Vatersbruder 
oder faturro), doch auch schon für Vatersbruderssohn (Deecke). Nach dem 
Tode der Mutter f&Ut seit alter Zeit der Base (Vatersscliwi^stor) die Leitung 
und Beaufsichtigung der Bruderskinder zu, besond«'rs der Madeheu. Kynds 
Kynt is en nevet (147.*)). Gako (Vetter oder Oheim) ist je«ier Freund (bei 
den Zigeunern). Die deutschon Kaiser nannten die weltlichen Kurfürsten 
Oheim. Am Cap pflegt aus Höflichkeit der Jüngere den Aelteren Buar, der 
der Aeltere den Jüngeren Neff zu nennen. Neef (Xefl*e) ist Vetter im Hol- 
landischen. (Nefa, Nicht-Vater.) 

Im Belgischen und Plattdeutschen bezeichnet Nichte auch die (Jousine. 
Batyam ist älterer, Ocsem jüngerer Bruder, nenem filtere, hugom jüungere 
Schwester im Magyarischen. Oheim (im Sanscrit) ist pritv\a ( (äinwi; oder 
patruus). Vadder (Gevatter) ist (in der Altmark) ein allgemeines Prädikat, 
das der gemeine Mann seinen Verwandten und Freunden giebt. Selbst l^rüder 
nennen sich nie anders, als Vadder, und Schwestern Vaddersch (1^01. 

Enkel (enikel; ist diminutiv von Ahn (kleiner Ahn , indem die Charakter- 
züge des Individuums erst in der zweiten Generation vull und seharf wieder 

matertera, Comp. 

matr. vyä. ffcrir.i'ia, Mconde mere, inaratre. 

synovii filius fratris) von symi 'Sohn;. 

naptar (Neffe iinh Sohn). 

I^armhac 'Neffe) I • , • o u i l t i . i i u 

. ^ ,.,. . ^ . irl. «lern Sohne uihI her Toi'h!*T Mhnli. h. 

gai^rheam (Nichte; I 

Bhratrja (Sohn des Bruders; | ., ^ ... 

Bhratnya (dem Bruder tfchorif^) I 

Svasrifra. Nichte. 

') PatmuP ept patri« frater. qui Grnecp i- . «» ni-.. :ipppllatirr. A^uimiiIu^ ost fratpr 

matrif qui Graece nai{;a6%l\i>us appellatur, et uterqiie promis. uc f^no, appeilatur ..Ui-tinian.) 



396 



Deher die EhererblltitlHe. 



berrortreten , weshalb bei Hindo und Griechen die Namen der Enkel nach 
den GrosBeltern genomtneD wurden (s. Reocke). Enkel (ancus) von iyynvni: 
(wie Enkel) als Diminutiv. Auf den Ober-Elter- Vater folgt der Grosse IterTster 
nnd dann der Eltcrvater. 

Ihren Oheim nennen sie mit dem Namen ihres Vaters und ihr Vater 
nennt seine Enkel Söhne und Töchter (s. Levy) die Tupinambolsier (1A56). 
Die Leuape hei$>sen Neffen'), in Odjibway jQngere Brüder, die Shawnees 
jüngxte Brüder (bei den Wyandot). 

In einen tungui^ischen Dialekt ist Ami Mutter, in einem andern Vater 
(Buschmann). Der Grossvater vaterlicher Seite heisst Tsu-fu (Ahnenvater), 
der mütterliche Wae-kung (Aussonvater) bei den Chineseu. Der Neffe 
(BrudersBohn j heisst den Bruder Cbihir (Neffensohn), die SchweHter Wue-cbih 
(Aussenneffc), ala Scbwesterssohn den Bruder Waesnng - Anssenneffe), die 
die Schwester Esung (Freund-fohn), 

Die römischen Gentes werden von den Hömem selbst als erweiterte 
Familien, die von einem pater familias abstammen, aufgeführt. Die Agnationes 
sind durch den Mnnnsstamm erweiterte Familien. AU patricii gilt für die 
Gentiles') die cogu&tio a patre (als Wesen der Agnatio). Die Gentiles sind 
solche Agnati, die den Nachweis des Grades der Agnatio nicht zu führen 
vermögen. 

Conubium bestand nur unter ebenbürtigen Familien desselben Stammes 
und eine pnsitiv rechtliche Fixirung dieser Sitte trat dadurch auf, dass sich 
Kwei einander fremd Regcnriberstehende Stämme gegenseitig das Conubium 
gewährten. Die Mitglieder des ältesten römischen Staates, die Quiriten, er- 
kannten als jure Quiritium berechtigte Ehen nur solche an, welche Mitglieder 
der Tribus, der Karanes, Tities. Luceros unter sich geschloHen (s. Lauge). 
Durch die lex Canuleja wurde den Plebejern das jus counultii unter den 




Ueber die Eheverhältnisse. 397 

Die Familie umfasst alle diejenigen Individuen (des Mannesstammes), 
die von Gencrutlou zu Generation aufsteigend, den (irad ihrer Abstammung 
von einem gemeinsjimen Stammlierrn darthun können, das Gescldecht') dagegen 
aui'h diejenigen, welche nur die Abstammung st»lbst von einem gemeinsamen 
Almherrn, also nicht mehr vollständig die Zwischenglieder, also nicht den 
Grad nachzuweisen vermögen (Mtmimsen). 

Jn jedem Geschlecht findet sich ein geschlossener Kreis von mannlichen 
Individualnamen (Momnisen). Noch zur trajanischen Zeit wurden die Münzen 
der lloratii, der l)ecii Mures an ihren \Vafn>en erkannt (das Wappen der 
Decii Mures war »^child und Ilaarzinke"). I>as Cognomen steht nach der (der 
servianischen Zeit ang«»hörigen) Tribiis. Die Manlier führten die Haläkette, 
die Acilier eine Ileilgöttin mit Schlange, die l^ivineier einen wüthigcn Stier, 
die Calpuriiicr das Haupt des Kuma (Vater des C'alpo). die Sempronier einen 
Pflug (nach der Ackervertheiluug durch Gracchus) als Wappen. Marius be- 
schränkte die Thierbildi'r auf die Stangen römischer Feldzeichen (Wcdf, Mi- 
notaurus, Kber, Pferd), auf den Adler (na<!h Bernd). 

Nur die patres tamilias und ihre Söhne werden als capita civium im 
(*ensus aufgezahlt (die Frau ist in Manu des Mannes oder in Mund). Eine 
Fortpflanzung der Familie war (im römischen Sinne) nur durch den Manns- 
stamm möglich, denn die filiae familias traten entweder mit ihrer Verhei- 
rathung in eine andere Familie über und verloren zugleich durch die capitis 
deminutio minima, die mit der Manusehe verbunden war, jed«' rechtliche Be- 
ziehung zu ihrer angestammten Familie. odiM*. wenn sie unverheirathet blieben, 
bild«*ten sie nach dem Tode des pater familias. wie auch die Wittwc desselben, 
zwar jede eine iamilia für sich, aber eine fortsetzungsunlahige, deren Anfang 
und En(h' sie waren (Lange). Die Gens bildete sich aus den verschiedenen 
Familien der Söhne eines Vaters (agnationes o»ler a patre cognati) in sacraler 
Opfergemeinschaft verbleibend. (Bei den stirpes, worin sich ausgebreitete 
tfeschlechter verzweigten, galt der Coguomen als Beweis der Agnatio.) Die 
römisclie Gens erscheint als die dem Mannsstamm nach erweiterte familia 
(Laug«'). Dionysius stir-llt die sacra gentilicia (/'(>'' cry/inyr) den hon 
ftt).nt4(( gegenüber. 

N«'ben (li'n einzelnen Cnlteu (unter Flamines) verehrte jede Ge